Oie Reichsbank vor neuen Aufgaben.
Snvate Wirtschaft und Kapitalmarkt.
(egen, auch auf die Gefahr hin, dabei erheblich Haare lasten zu müssen. Aber die ostasiatischen Der- Handlungsmethoden rechnen mit noch sehr viel längeren Zeiträumen, als die europäische Diplo* matie, und auch die Ungeduld der englischen Parlamentarier, die Tag für Tag Herrn Chamberlain nach Neuigkeiten aus Tientsin und Tokio fragen, wird daran, nichts zu ändern vermögen.
Der Tientsin-Zwischenfall ist daraus entstanden, daß vier chinesische Verschwörer, die der Teilnahme an der Ermordung eines hohen japanfreundlichen chinesischen Beamten beschuldigt werden, in der britischen Niederlassung von Tientsin Unterschlupf fanden und das japanische Auslieferungsbegehren von den britischen Behörden in Tientsin adgelehnt wurde. Auf die Entscheidung einer gemischten Kommission, die auf Vorschlag Englands unter Vorsitz eines Amerikaners die Schuld der vier Chinesen prüfen sollte, haben sich die japanischen Militärbehörden in Tientsin nicht eingelassen und über die britische Niederlassung die Blockade verhängt, die nicht nur für den britischen Handel in Nordchina ein empfindlicher Schlag war, sondern auch dem britischen Ansehen in Ostasien höchst abträglich war. Trotzdem hat England aus den schon angeführten gewichtigen Gründen gute Miene zum bösen Spiel gemacht und trotz vieler wortreicher Drohungen in Parlament und Presse den Verhandlungsweg beschritten. Dabei war die Hauptschwierigkeit die, daß England es darauf ankam, die Verhandlungen zwar auf den Tientsin-Zwischenfall als eine rein lokale Angelegenheit zu beschränken, gleichzeitig aber bestrebt sein mußte, diese Verhandlungen in Tokio mit der japanischen Regierung zu führen, weil gerade die Militärbehörden in Tientsin die Exponenten einer Politik sind, die auf eine grundsätzliche Klärung der Stellung Englands zum chinesischen Krieg bringt. Und gerade das möchte die britische Diplomatie unter allen Umständen vermeiden, was sie in Tokio eher erreichen zu können glaubt als in Tientsin. Das erste Ziel haben die Engländer erreicht, die Verhandlungen werden tatsächlich in Tokio geführt, aber es sieht keineswegs so aus, als ob die japanische Regierung, bei aller Neigung, die Dinge nicht übers Knie zu brechen, darauf verzichten wird, über die Beilegung des lokalen Zwischenfalls hinaus von England eine grundsätzliche Klärung seiner Politik in China zu fordern. Die Japaner haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie die fremden Niederlassungen in den chinesischen Vertragshäfen mit ihren exterritorialen Vorrechten als durch die politische Entwicklung in Ostasien überholt und mit der nationalen Wurde des chinesischen Volkes unvereinbar ansehen, übrigens einer der wenigen Punkte, in denen Chinesen und Japaner einer Meinung sind. Japan scheint zwar geneigt zu sein, die Lösung dieser Frage einer neuen chinesischen Zentralregierung zu überlassen, muß freilich darauf bringen, daß die fremden Niederlassungen als Schlupfwinkel des chinesischen Derschwörertums ausgeschaltet werden, denn gerade die Unsicherheit, die die Umtriebe der chinesischen Verschwörerzirkel besonders in den großen Städten des von den Japanern besetzten Gebiets verursachen, macht jede politische Stabilisierung unter einer neuen chinesischen Zentralgewalt unmöglich.
Ein zweiter Punkt, auf dessen Klärung Japan drängen wird, ist die britische Stützungsaktion für den T s chu n g ki n g - D o l l a r, die sich gegen die von Japan in den besetzten chinesischen Gebieten eingeführte neue Währung richtet, den Peking-Juan, der von ber neu- gegrünbeten Pekinger Notenbank in Umlauf gebracht unb an ben japanischen Pen angeschlossen ist, so baß Japan, Korea, Manbschukuo unb Nord- china schon eine Währungseinheit bi Iben. Freilich haben bie Japaner große Mühe, die neue Währung in China populär zu machen, benn ihre Annahme setzt jeden Chinesen ber Gefahr aus, als mit Japan sympathifierenb ermorbet zu werben. So ist ben Japanern ber Hanbel mit Chinesen sehr erschwert, unb auch in ber Schiffahrt werben sie boykottiert, benn bie burch bie japanische Küstenblockabe ausgeschalteten chinesischen Schiffe fahren unter englischer Flagge unb nach Tarifen in ber alten chinesischen Währung, bem Tschungking-Dollar, während bie japanischen Schiffe mit ihren auf Pen lautenben Tarifen von ben Chinesen gemieben werben. Dieser Währungskampf, ber ben Japanern ben wirtschaftlichen Aufbau ber von ihnen besetzten Gebiete Chinas unb ihre Eingliederung in bie Rohstoffversorgung Japans außerordentlich erschwert, wird hinter ben Kulissen von ben Englänbern geleitet. Es kann also nicht wunbernehmen, baß Japan in den bevorstehenden Verhandlungen in Tokio England energisch auffordern wird, auf dieses Kampfmittel zu verzichten. Aber bas wird schwer halten, benn wenn auch bie britische Diplomatie — in ber es übrigens auch insofern beträchtliche Meinungsverschiebenheiten geben soll, als ber britische Botschafter in Tokio, Sir Robert C r a i g i e, für eine entgegenkommend Politik gegenüber Japan ist, währenb sein Kollege in Schanghai, Sir A. Clarke K e r r , für rücksichtslose Unterstützung Tschiangkaischeks plädiert —, wenn also auch bie britische Diplomatie mit Rücksicht auf Englanbs geschwächte Stellung in Europa geneigt fein könnte, auch in biefem für bie englischen Interessen in China vielleicht ausschlaggebenben Punkt Körbel zu lassen, so wirb es ber Regierung boch schwer fallen, ihrem Standpunkt bei den englischen Wirtschaftskreisen in China Geltung zu verschaffen. So sind schon die Aussichten auf ein positives Ergebnis ber englisch - japanischen Verhanblungen in Tokio nicht allzu rosig, bie Aussichten auf eine baraus resultierende tatsächliche Klärung sind noch geringer, weil es eben im Grunde einzig unb allein unb immer roieber barum geht, ob Englanb ben japanischen Anspruch auf ausschließliche politische unb wirtschaftliche Führung im gesamten ostasiatischen Raum anerkennen will, was ben Verzicht auf bie wirtschaftliche Vorherrschaft Englanbs in China bedeuten müßte. Kühle Köpfe in England selbst stellen heute schon fest, daß das Empire dank einer überaus kurzsichtigen Politik in Europa gar nicht mehr in der Lage ist, gegen die Anstrengungen Japans aufzutrumpfen, Ostasien von ber wirtschaftlichen Beoormunbung Englanbs im Stil einer verflossenen Kolonialepoche enbgültig zu befreien. Daran werben auch bie Beratungen in Singapur nichts änbern, bie ein Zusammenwirken ber englischen unb französischen Streitkräfte im Pazifik organisieren sollen. Die Binbungen, bie Englanb ohne, Not in Europa eingegangen ist, fesseln bas Empire auch im Fernen Osten. Fr. W. L.
Vor den Verhandlungen in Tokio.
Die Japaner haben wenig Hoffnung.
Tokio, I.Juli. (DNB. Funkspruch.) Botschafter Kato, Japans neuer Vertreter für China, äußerte sich heute bei feiner Ankunft aus Tien - Ls i n über bie bevorstehenben Verhanblungen mit
Berlin, 30. Juni. (DNB.) In ber Hauptversammlung ber Anteilseigner der Deutschen Reichsbank, in ber ein Kapital von 36 565 400 RM. vertreten war, wies Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Funk darauf hin, daß diese HD. bereits unter der Geltung des neuen Gesetzes über bie Reichsbank ftattfinbe. Danach habe die HD. ben Iah resbericht der Reichsbank zur Kenntnis zu nehmen, ferner fei ber G e - roinnanteil auf höchstens 5 v. H. beschränkt worden, und zwar bereits für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Hauptversammlung nahm daraus den Abschluß nebst Derwaltungsbericht für 1938 zur Kenntnis und genehmigte einstimmig das A b - findungsangebot an die Anteilseigner. Minister Funk teilte mit, daß der neue Beirat, der in den nächsten Tagen berufen werden wird, aus einer kleinen Anzahl von Sachverständigen aus den verschiedensten Gebieten bestehen wird, die für bie Reichsbank von befonberer Wichtigkeit sinb. Diese Mitglieber des Beirats werben Ausschüssen vorstehen, in die eine weitere größere Anzahl von Sachverständigen aus allen Sparten ber Wirtschaft berufen werben. Im ganzen werde man auf vielleicht 60 bis 70 Beirats- und Ausschußmitglie- der kommen.
Unter den vom Führer gestellten Aufgaben befindet sich auch der Auftrag, den Kapitalmarkt für den privaten Geldbedarf in erhöhtem Umfange zu erschließen. Es werde darauf ankommen, wie bie Steuerpolitik in ber Zukunft gestaltet wird, denn der Kapitalmarkt könne nicht funftiomereti, wenn nicht gewisse Erleichterungen unb Entlastungen für bie produk-
bem englischen Botschafter Craigie, an benen er teilnehmen wirb, wenig hoffnungsvoll. Er sagte: „So lange bie Englänber sich nicht entschließen können, ihre politischen Manöver aufzugeben, können wir von ber Konferenz in Tokio nicht viel erwarten, alles hängt von ber englischen Haltung ab." — Anaka, ber japanische Konsul in Tientsin, fügte hinzu, baß sich bie Haltung ber Englänber feit ber Verhängung ber Blockabe nicht geändert habe. Die Blok- k a d e werde daher fortgesetzt bis England seine Politik der Unterstützung Tschiangkaischeks und seine antijapanische Stellungnahme aufgebe.
Polens „Fest des Meeres".
Die Kurgäste, die gegenwärtig in Zoppot zur Erholung weilen, können von ber Dampferanlegestelle jeden Tag ein amüsantes Schauspiel genießen. Sie können beobachten, wie bie Polen unmittelbar hinter ber Danzig-polnischen Grenze Tanksper - ren errichten, wie sie nachts mit ihren Scheinwerfern eilfertig ben Himmel unb bie See absuchen und sonstige militärische Scherze betreiben, Das ist gewiß ein vergnüglicher Anblick, unb die Einwohner wie bie Gäste von Zoppot unb Danzig könnten aus vollem Herzen barüber lachen, wenn diese polnische Kriegsspielerei nicht auch einen gewissen ernsten Hintergrund hätte. Ueber die Unhaltbarkeit der militärischen Stellung Polens an ber Ostsee braucht man für den Ernstfall, ben Warschau herbeiführen möchte, nicht viele Worte zu machen — und bes- halb wirken auch bie polnischen Tanksperren zwischen Danzig und Gdingen so unsagbar komisch.
Ader das wissen -die Warschauer Politiker selber wohl am besten, und deshalb sinb sie auf den verrückten Gedanken gekommen, man müsse Sie polnische Küstenlinie, die gegenwärtig nur 135 Kilometer lang ist, auf Kosten des Reiches erweitern. Aufgeputscht von den bemofratifdjen Einkreisern, hat man jene andere Lösung des friedlichen Einvernehmens, die Adolf Hitler den Polen für einen sicheren Zugang zum Meer vorfchlug, leichtherzig verworfen und bläst statt dessen in unverminderter Stärke die Kriegstrompete. Auf den pol- nifchen „Festen des Meeres", die mit großem Lärm in allen Städten gefeiert werden, annektiert man bereits im voraus die verschiedensten deutschen Hafenstädte von Memel bis Lübeck.
Nichts Schlimmeres könnte den Polen passieren, als wenn die deutsche Führung es tatsächlich fertig brachte, unrechtmäßige und unnatürliche Verhältnisse auf friedliche Weise richtigzustellen. Nichts verabscheut man in den Hauptstädten der Einkreisungsmächte und ihrer Trabanten so sehr wie den Gedanken der friedlichen Revision, der immerhin schon in ber Genfer Satzung sein papierenes Dasein fristete. Besonders deutlich geht das aus einer Aeußerung des Pariser „Jntran'sigeant" hervor, der die vom Führer gewollte Heimkehr Danzigs ins Reich als einen „listigen Plan" deshalb bezeichnet, weil er ohne Blutvergießen durchgeführt werden soll. Der französische Schreiber möge zur Kenntnis nehmen, daß wir Deutsche uns
tive Wirtschaft und den Kapitalverkehr auf ste u erlich e m Gebiet eintreten. Der neue Finanzplan enthalte die ersten umfassenden Möglichkeiten für steuerliche Erleichterungen. Auf diesem Wege müsse weitergegangen werden. Wenn nun Unternehmungen mit Obligationen an den Kapitalmarkt heran tret en wollen, so ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß ber Kapitalmarkt den Ansprüchen genügen kann und nicht überlastet wird und daß einrichtiaes Verhältnis in ber Rendite zwischen Aktien unb Obligationen her- gestellt wirb
Bei ber allgemeinen Wirtschaft Politik müssen wir nach wie vor bedacht sein, eine richtige Ordnung in ben Ansprüchen der einzelnen Wirtschaftsgebiete burchzuhalten. Hierbei stehe in vorberster Linie ber Export. Wie sich aus ber Handelsbilanz ergebe, sei es gelungen, ben Export auf einem Stand zu halten, der durchaus nicht als ungünstig bezeichnet werden könne. Es bestehen auch für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft durchaus stärkere Aufwärtsmöglichkeiten unter der Voraussetzung, daß der Staat durch Reglementierung und Organisation ber Wirtschaft die Führung und Lenkung in der Hand behält, was ja ohne weiteres ber Fall fei. Im Sinne dieses wirtschaftlichen Geschehens maßged'lich weiter zu arbeiten, werde gerade bie Aufgabe bes neuen Beirates bei der Reichsban-k fein, und aus dem neuen Gesetz über bie Deutsche Reichsbank werbe sich alsbald ergeben, daß bie Reichsbank stärker als bisher den großen Aufgaben genügen kann, die ber Führer ihr und ber ganzen deutschen Wirtschaft gestellt hat. x
ben Vorwurf ber Listigkeit gerne gefallen lassen, wenn nur unsere Ansprüche und Lebensrechte auf friedlichem Wege Erfüllung finden. H. Ev.
Deutsche Schulen in Polen ohne Begründung geschloffen.
Posen, 30. Juni. (DNB.) Am 25. Juni erschienen i n M e ch n a t s ch im Kreis Birnbaum der Polizeigemeindevorsteher mit einem Oberwachtmeister der Staatspolizei in der deutschen Privat s ch u l e. Sie verlangten die sofortige Herausgabe der Schlüssel zum Schulgebäude und verschlossen dann die Schule, ohne ihre Maßnahme zu begründen. Den deutschen Eltern, die das Schulland in der Größe von 32 Morgen gepachtet hatten, wurde mitgeteilt, daß das Schulland bereits am 1. Juli, d. h. also in wenigen Tagen unb noch vor ber Ernte, „neu festg? fetzt" würde. Auch in Neu-Kattum (Kreis Birnbaum) wurde die deutsche Schule ohne nähere Begründung g e - schloss e n. In das Schulgebäude wurde bie Postagentur verlegt.
Zwangsiranzosen.
Das Kind eines Ausländers, bas i n Frankreich geboren ist, gilt nach französischem Recht als — Franzose. Das ist eine grobe Durchbrechung ber sonst allgemeinen Hebung, baß ein Kind seinen Eltern in der Staatsangehörigkeit folgt. Frankreich hat mit diesem Sonderrecht schon seit Jahrzehnten das Schwinden seiner Dolkskraft unb ben Rückgang seiner Geburtenziffer ausgleichen wollen, indem es einfach ausländische Kinder, die in Frankreich geboren wurden, zu Zwangsfranzosen machte. Es ist schon ein tolles Stück, daß sowohl vor wie nach dem Weltkrieg eine deutsche Frau, die ihre Mutterschaft kommen fühlt, nach Deutschland kommen muß, um hier ihrem erwarteten Kinde die deutsche Staatsbürgerschaft zu sichern! Nur für die Italiener in Tunis wurde eine Ausnahme gemacht! Und zwar aus guten Gründen; denn Tunis ist rechtlich nicht französischer Besitz, sondern Protektorat (Schutzgebiet), dessen eigentlicher Herrscher ber Bey von Tunis ist; und fernerhin wohnten zur Zeit ber Ausrufung der französischen Schutzherschaft mehr Italiener als Franzosen in Tunis, und auch heute ist bas noch so, wenn auch bie Franzosen mit allerlei tollen Kunststücken bie statistische Wahrheit ver- brehen wollen. Darum würbe ben Italienern in einem Vertrage von 1896 binbenb zugesichert, daß bie Kinder von Italienern, bie in Tunis ansässig sind, die italienische Staatsangehörigkeit erhalten. Nun hat der Kolonialausschuß der Pariser Kammer eine Entschließung angenommen, die die italienischen Ansiedler in Tunis dieses Rechtes berauben will. Die in Tunis geborenen jungen Italiener sollen Zwangsfranzosen werden. Die italienische Kolonie in Tunis hat gegen diesen Anschlag heftigen Einspruch erhoben, besonders da die Franzosen auch mit Ausweisungen vorgehen und in den
Zwei Lahre Kamps im Fernen Osten.
MA NDSCHUKUO
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In diesen Tagen jährt sich zum zweiten Male der Tag, an bem ber Konflikt zwischen China und Japan zum Ausbruch kam. Unsere Karte zeigt die bisherigen Erfolge ber Japaner. Ihre Front umschließt heute sechs Provinzen Chinas vollständig, nämlich Tscha- char, Schansi, Hopei, Schantung, Kiangsu und Anhwei, sowie sechs zum Teil: Suiyan, Honan, Hupe, eine kleine Ecke von Hunan sowie den Norden von Kiangsi und von Tschekiang. Neun Provinzen befinden sich noch in den Händen ber Chinesen. Wesentlich ist jedoch, baß Japan fast bie Hälfte der gesamten chinesischen Küstenlinie, bie Mündungen der wichtigsten Flüsse sowie die bedeutendsten Hafenstädte besetzt hat.
(Zeichnung Heincke. — Scherl-M.)
Schlechte Argumente.
Da bie führenden Leute in England offenbar das dringende Bedürfnis verspüren, sich gegenfeitig Mut zuzusprechen, ist drüben eine regelrechte Rede-Iw flation ausgebrochen. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Minister Gelegenheit sucht, sich über die Ziele der britischen Außenpolitik sich hören zu lassen. Die Engländer machen auaenblicklich ben kümmerlichen Versuch, bie Krieasschulb frage festzulegen, um im voraus alle Verantwortung für etwa kommende Ereignisse von sich auf das in Aussicht genommene Opfer abzuwälzen. Zu diesem Zwecke bedient man sich hauptsächlich zweier Argumente, die aud)1 ber britische Außenminister Lord Halifax in geradezu klassischer Weise bei seinem letzten öffentlichen Rechtfertigungsversuch verwendet hat. Das eine Argument, das die Engländer bis zum Erbrechen wiederholen, besteht in der Ableugnung jeder Einkreisungsabsicht und in ber gleichzeitigen Beteuerung, man wolle nur die Schaffung einer „ruhigen Atmosphäre" abwarten, um bann alle Probleme und Beschwerben der autoritären Staaten „wohlwollend z u prüfen". Der benkende Mitteleuropäer braucht nicht lange nach Beweisen zu suchen, um diesen Gimpelfang zu entlarven. Um die Voraus-
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setzungen für eine „ruhige Atmosphäre" zu schaffen, hat England nach bem Kriege 20 Jahre lang Zeit gehabt, aber es hat in biefer Frist, ba Deutschland pazifistisch regiert unb verseucht wurde, keinen Finger gerührt, um bas Unrecht von Versailles in irgendeiner Richtung wieder gut zu machen. Und nun will Lord Halifax uns weis- machen, England warte nur auf eine Aenderung der deutschen Methoden, um seinen guten Willen be» weifen zu können?
Was es mit dem angeblichen Derftändigungs- willen xber Lonboner Politik auf sich hat, barüber belehrt uns die demokratische Regierungspresse, die die Rede bes Lorb Halifax sachverständig kommentiert, Diel besser. So schreibt beispielweise der „Petit Parisien", Lord Halifax fordere, daß Deutschland seinen Wunsch nach friedlicher Zusammenarbeit nicht nur mit Worten, sondern auch mit Handlungen dokumentieren müsse. Die erste dieser Handlungen bestehe aber in einer 21 b r ü ft u n g. Nur unter dieser Bedingung sei Großbritannien bereit, dem Reich noch einmal die Hand zu reichen usw. usw. Also erst die Wasen im Vorzimmer abgeben und dann in die Konferenz.
Wir kennen diese Tour noch aus den Tagen von Versailles. Auch die Londoner „Times" ist so großzügig, uns die Widerlegung der Halifaxschen Theorien abzunehmen. Sie schreibt, im vergangenen Jahr habe der Außenminister noch erklärt, daß man nicht den Wunsch hege, irgendeine Nation durch einen Ring starker Feinde einzuschließen. Sein Wunsch fei von allen Engländern geteilt worden. Der Wandel von damals zu heute fei dadurch entstanden, daß in ber Zwischenzeit bas Reich einen unwiderruflichen Beweis bafür geliefert habe, baß es Hitlers Bekenntnis zur Gewalt teile. Hier haben wir also zum erstenmal bas klare Eingeständnis von maßgeblicher Stelle, daß bie Regierung Chamberlain nicht nur jetzt eine Einkreisungspoli- tif gegen Deutschland betreibt, sondern bereits mit diesem Entschluß nach München gegangen ist. So offenbart sich Englands „guter Wille" als ein brutaler Dernichtungswille, ber bur ) humanitäre Rebefloskeln nur mühsam getarnt ist.
Bis zum Erbrechen wieberholen bie britische i 2Igitationsrebner auch bas zweite 2Irqumer •, bas in ber Behauptung besteht, man müsse im Interesse bes internationalen Rechts unb bes inte' - nationalen Friebens gegen jebe Aggression unb gegen jeben Versuch ankämpfen, kleine e Völker ober einzelne Erbteile ober bie ganze W-1t — es kommt ben britischen Verleumbern auf mehr ober weniger nicht an — „burch Gewalt zu beherrschen". Dieses Schlagwort zieht sich in ben verschiedensten Abwanblungen immer roieber burch alle Reben unb Artikel ber britischen Propaganba- maschine. Es wird wahrscheinlich deshalb so häufig gebraucht, weil bie britischen Bürger aus bem reichen Anschauungsmaterial, bas ihnen ihre eigene Geschichte wie ihre gegenwärtige Politik bietet, am besten begreifen können, was B e - herrschung burch Gewalt ist.. Man braucht ja nur einen Blick nach Irland, nach Palästina, nach Indien ober nach ben baltischen Staaten zu werfen, um zu verstehen, in welch hohem Maße Englanb geeignet ist, bie Freiheit unb Unabhängigkeit kleiner Völker zu schützen. Nein, Lord Halifax hat feine Bemerkungen, mit benen er eine Kriegs- schuld gegen Deutschland zu konstruieren versuchte, in ben Wind gerebet. Er muß schon andere Be- roeisgrünbe suchen — wie wäre es mit ber vorbehaltlosen Rückgabe ber Kolonien? —, um bas beutsche Volk von einem englischen Sinneswanbel zu überzeugen. H. Ev.
einzelnen Betrieben durch Entlassungen den Italienern den Arbeitsplatz streitig machen.
Die französischen Truppen räumen den Sandschak.
Rom, 30. Juni (Europapreß). Wie aus Ankara aemelbet wirb, haben bie französischen Truppen vereits mit ber Räumung bes Sandschaks Alexan- brette begonnen. Nach Berichten aus Beirut äußert sich die Beunruhigung, die die Abtretung bes Sanbschaks an die Türkei unter ber arabischen Bevölkerung hervorgerufen hat, in einer Massenflucht vor allem ber wohlhaben- beren Familien, da man Racheakte ber Türker» befürchtet. In befonberer Angst leben bie Armenier, die mit Gewalttaten rechnen und daher in Massen in bie Libanon-Republik abwan- bern. In Nordsyrien soll das Gerücht, baß in einem englisch-türkischen Geheimvertrag auch die Abtretung von Aleppo und Gezireh an die Türkei vorgesehen sei, gewaltige Erregung hervor- aerufen haben. Die Bewohner dieser Gebiete schicken sich deshalb zur Flucht nach Damaskus und Beirut an.
Die italienischen Frontkämpfer in Frankfurt
NSG. In Frankfurt a. M. trafen am Frei- tagabenb die 5 2 7 italienischen Kriegs- verletzten und Frontkämpfer ein, die auf Einladung des Präsidenten der Vereinigung deutscher Frontkämpferverbände, NSKK.-Obergruppenführer, General d. Inf. Herzog von Coburg, in Erwiderung eines Besuches, ben im vergangenen Jahr 500 deutsche Frontkämpfer Italien abgestattet haben, in Deutschland weilen. Den italienischen


