Der Reichsberusswetikampf in Gießen hat begonnen.
d) Scheerer, Professor Ludwig Schimpf und Theo- dor Schweisgut in Alsfeld; Fritz Lauckhardt und Professor D>'. Otto Weide m Butzbach: Professor Ferdinand Dreher. Anton Heinstadt, Wilhelm $)örr, Dr. Georg Kemmerer, Heinrich Kurz, Hugo Link. Fritz Mulch, Heinrich Müller. Ferdinand Wecker- ling und Dr. Wilhelm Weber in Friedberg; Adolf Ciotz, Wilhelm Fink, Georg Freitag, Robert Hahn, Dr. Christian Müller, Heinrich Schaaf, Dr. Robert Schaefer, Karl Schmidt und Dr. Otto Steiger, olle in Gießen; dem Gewerbelehrer Ludwig Rohrbach in Alsfeld; tim Zeichenoberlehrer Hermann Schäfer in Gießen; der Oberreallehrerin Martha Feder, den Reallehrerinnen Margarethe Hagemann. Hedwig Velke und der Handarbeitslehrerin Else Steinbach in Gießen; dem Justizasfisteitten Heinrich Kraft in Ortenberg, dem Verwaltungssekretär Karl Schunk in Butzbach und dem Oberwachtmeister Heinrich Langsdorf in Rockenberg.
Giebenerpolizeimeldethervorragendes
Sammelergebnis für das WHD.
Für die Sammlung zum Besten des WHW. am „Tag der deutschen Polizei" waren der Polizei in Gießen 14 954 Abzeichen zum Verkauf übergeben worden, die restlos Absatz fanden. Da diese Menge aber noch nicht ausreichte, wurden auch noch andere Abzeichen ousgegeben. Daneben waren die verschiedenen Abteilungen der Polizei aber auch mit eigenen Spenden und mit Büchsensammlungen ohne Abzeichenausgabe eifrig am Werk. Insgesamt konnte die Gießener Polizei als Ergebnis ihres vorbildlichen und dankenswerten Einsatzes für das WHW. die Summe von 5 5 2 3,43 Mark der Kreisamtsleitung der NSV. übergeben. Davon entfallen auf die Beamten und Angestellten der Polizeidirektion Gießen insgesamt 3239,73, auf ff und Bahnschutz 688,59 Mark, auf die Feuerlöschpolizei 1039,74 Mark, auf die Technische Nothilfe 555,37 Mark.
Wenn man die Sammelergebnisse aus der Stadt Gießen mit 5523,43 Mark und (wie gestern berichtet) aus dem Landkreis Gießen mit 8753,50 Mark zusammenrechnet, so kommt man für Stadt- und Landkreis Gießen zusammen auf die hervorragende Summe von 1 4 2 7 6,93 Mark als Erfolg des „Tages der deutschen Polizei".
Die Gießener Hrouenschaff im Januar.
Gfs. Die Arbeit der NS.-Frauenschaft nahm auch im Monat Januar ihren Gang. Die Pfundspende wurde wieder mit Erfolg eingeholt, Krankenessen wurden verteilt, Krankenbesuche zur Ermunterung und Hilfeleistung abgestattet. Wo es irgend nötig war, griff die Frauenschaft ein.
Die allgemeinen Arbeitsabende brachten oft sehr erfreuliche Themen. In der Abt. Grenzland-Ausland der Ortsgruppe Süd sprach Prof. Dr. Sessous über die Ostmark, gesehen vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus. In derselben Abt. der Ortsgruppen Mitte und Nord gab Frau Hummel einen Bericht über das Wirken des Generals Ritter von Epp. In der Abt. Hilfsdienst wurde über die Kinderkrankheiten Scharlach uriö Diphtherie gesprochen. Der Gemeinschaftsabend der Ortsgruppe Nord brachte „allerlei Lehrreiches für Mütter und Mädels". Frau Hitz, die Abteilungs-Leiterin des Neichsmütterdienstes von Nord, sprach über das neue Eherecht und die Schlüsselgewalt der Frau. Ein von Frl. Watz, Abt. Hilfsdienst, ausgearbeitetes Referat handelte vom Spiel und der Beschäftigung größerer Kinder. Der Pemeinschastsabend der Ortsgruppe Mitte war besonders wertvoll durch die warmherzige, tiefgehende Werbung der stellv. Ortsfrauenschaftsleiterin zum Eintritt und zur Mitwerbung für das Deutsche Frauenwerk. Außen-, Innenpolitik und Wirtschaft wurden in kurzen Besprechungen behandelt.
Von sämtlichen Abenden gingen die Frauen bereichert nach Hause. Darum steht nicht mehr beiseite: Tretet ein in das Deutsche Frauenwerk, helft aufbauen!
Rückschau und Ausblick der,, Heiterkeit"
Der Gesangverein „Heiterkeit" hielt am Samstag im Hotel Kobel seine ordentliche Generalversammlung ab, um Rückschau zu halten auf all die Ereignisse, die sich im abgelaufenen Jahre im Vereins- leben abgerollt haben.
Heute morgen fanden sich die Teilnehmer des Reichsberufswettkampfes, und zwar der Fachabteilung „Freie Berufe", als erste Gruppe zum Wettkampf ein. Es waren die Rechtsanwaltsund Notariatsgehilfen und -Lehrlinge, ferner die Techniker, technische Zeichner und V e.r m e s s u n g s t e ch n i k e r, die in den Räumen der Kaufmännischen Berufsschule (Liebigbau) zusammenkamen und nach einer kurzen gemeinsamen Feier an die Arbeit gingen. "Fach- abteilungsleiter Heydt begrüßte die Teilnehmer, die Lehrer und Fachmänner, die sich als Sachverständige für die Auswertung des Wettkampfes zur Verfügung stellten. Nachdem er ein Wort des Reichs- organlsationsleiters Dr. Ley wiedergegeben hatte, sprach Bannführer Rohrbach zu den Wettkampf- teilnehmern. Er stellte ihnen allen die Zeit vor Augen, in der der Jugend nicht die Möglichkeit gegeben war, eine reguläre Lehrzeit hinter sich zu bringen, da ber Jugend in den Zeiten der Systemregierung und des schwersten wirtschaftlichen Niederganges jede Klarheit und Zielstrebigkeit fehlte, die Jugend moralisch und wirtschaftlich in Not geriet und ohne Hoffnung in die Zukunft blicken mußte. Dieser kurzen Darstellung stellte der Bannführer die Gegenwart gegenüber und kennzeichnete die Lage, wie sie sich für die heutige Jugend ergibt, der alle Tore geöffnet und jeder Weg freigegeben sei zum Vorwärtskommen, wenn der einzelne nur den Willen dazu habe. Er betonte, daß dies alles aber auch die Jugend zur Leistung und zu Dank verpflichte. Darüber hinaus sei hie Jugend auch zur tadellosen Haltung verpflichtet, die nicht nur in der Uniform, sondern auch im zivilen Leben bewahrt werden müsse. Den Eltern und den Lehrherrn dürfe
Das 3. Hess. Gausängerfest in Gießen und die Feier des 60jährigen Bestehens der „Heiterkeit" selbst standen im Mittelpunkt der Arbeit. Ganz selbstverständlich kam die Pflege eines harmonischen und freundschaftlichen Vereinslebens in einer gesteigerten Mitgliederstärke sichtbar zum Ausdruck, und die wirtschaftlichen Verhältnisse erwiesen sich durchaus in bester Ordnung, so daß der Vereinsführung Entlastung und Dank zugleich ausgesprochen wurde.
Vereinsführer Adam Uhrhan wurde einstimmig wiedergewählt, der seinerseits seine bisherigen Mitarbeiter im Vorstand vollständig auch für bas neue Jahr wieder verpflichtete, und zwar zum 2. Ver- einssührer Oskar Brückmann, zum 1. Schriftführer Karl Feußer, zum 2. Schriftführer Karl Horst, zum Rechner Willi Rathenow und zu dessen Stellvertreter Jean Heß, zum Bibliothekar Wilhelm Magold und Vertreter Rudolf Gö- d i ck e. Beisitzer wurden die Sanqesbrüder Konrad Grau, Willi Feuerbach, Martin Herrlich und Willi Ude.
■ Als vornehmste Aufgabe im neuen Vereinsjahre wurde die Mitwirkung beim Singen für das WHW. 1938/39 erachtet. Das vom Sängergau XII diesjährig erstmals durchgeführte Leistungssingen wird auch die „Heiterkeit" Unter den teilnehmenden Vereinen sehen. In Fortsetzung einer alten Tradition wurde die Abhaltung eines Chorkonzertes im Herbst 1939 beschlossen, um bei dieser Gelegenheit die Pflege echten deutschen Volkstums einer größeren Öffentlichkeit in Vollendung zu vermitteln, eine Gepflogenheit, die sich großer Beliebtheit erfreut und im Laufe der Jahre zur ständigen Einrichtung geworden ist.
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** SterbefäHe in Gießen. Es verstorben in Gießen: 14. Januar Felicitas Weidenbach, geb. Pekrun, ohne Beruf, 55 Jahre, Posener Strgße 13; 16. Januar Elise Wetz, geb. Heller, ohne Beruf, 68 Jahre, Seltersweg 31; Karl List, Büroangestellter, 33 Jahre, Neuen Bäue 33; 17. Januar Feldwebel Hans Georg Blume, 26 Jahre; 18. Januar Sophie Ohler, geb. Schröder, ohne Beruf, 84 Jahre, Alicenstraße 46; Emma Sohl, geb. Müller, ohne Beruf, 68 Jahre. Kaiserallee 10; 19. Januar Luise Schubert, geb. Jüngling, ohne Beruf, 62 Jahre,
die Ehrfurcht nicht versagt werden. Nachdem Bann- sührer Rohrbach zum Einsatz der besten Leistung aufgefordert hatte, schloß er mit besten Wünschen zum Erfolg.
Anschließend gab der Kreisbeauftragte für den Reichsberufswettkampf Bauer eine kurzgefaßte Flebersicht über die Forderungen, die der Wettkampf an den einzelnen stellt. Er wies auf die praktische und theoretische Leistung hin, die der Wettkampf verlange, kennzeichnete die Notwendigkeit des Einbaues der Leibesübung in den Wettkampf und nicht zuletzt sprach er von der Notwendigkeit der weltanschaulichen Prüfung, denn alle Leistung und aller körperlicher Einsatz im Svort bedeute nichts, wenn nicht beides im nationalsozialistischen Sinne geschehe. Mit einem Gruß an den Führer schloß die Feier. Die Wettkampfteilnehmer wurden sofort mit den Aufgaben versehen und machten sich an die praktische und theoretische Arbeit.
Zu gleicher Zeit wurde auch im Fröbelsemi - nar der Reichsberufswettkampf der Kindergärtnerinnen und Kinderhortnerinnen in Angriff genommen. Im Auftrag des BDM. sprach die Kreisjugendtvalterin bei der Deutschen Arbeitsfront, Erna Mehler, über die große Bedeutung des Reichsberufswettkampfes und forderte die Wettbewerberinnen zum äußersten Einsatz auf. Dann wurde sofort mit den schriftlichen Arbeiten begonnen. Im Laufe des Tages merben auch noch die Werkarbeit, die sportlichen Hebungen und die hauswirtschaftlichen Aufgaben bestritten.
In gleicher Weise wurde in der Abteilung „M u = s i k" mit einer Feier in der Aula des Gymnasiums die Arbeit eröffnet und aufgenommen.
Goethestraße 44; 21. Januar Amalie Gertrude Rabich, geb. Möller, ohne Beruf, 63 Jahre, Friedrichstraße 15; Johann Mundweiler, Schneider, 75 Jahre, Katharinengasse 11; 22. Januar Adam Jakob, ohne Beruf, 87 Jahre, Katharinengasse 12; 23. Januar Hch. Schön, Schlossermeister, 62 Jahre, Neuenweg 15; 24. Januar Georg Bayer, Jnstituts- gehilfe i. R., 77 Jahre, Am Riegelpfad 58; Theodor Deuckel, ohne Bexuf, 68 Jahre, Schützenstraße 2; 26. Januar Lina Finck, geb. Weitzel ohne Beruf, 75 Jahre, Licher Straße 74; Heinrich Dietz, Heizer, 56 Jahre, Walltorstraße 24; 27. Januar Johannes Greb, Vorarbeiter, 68 Jahre, Kirchenplatz 21; Pauline Schmidt, geb. Enners, ohne Beruf, 54 Jahre, Licher Straße 13; 28. Januar Daniel Becker, Telegr.-Assistent i. R., 83 Jahre, Kaiser-Allee 27; Heinrich Roß, Bauoberinspektor i. R., 66 Jahre, Roonstraße 21; Karl Leib, Lehrer i. R., 75 Jahre, Am Nahrungsberg 53; 29. Januar Eduard Trautwein, Geh. Forstrat i. R., 86 Jahre, Jheringstr. 5; Else Otterbein, geb. Wagner, ohne Beruf, 49 Jahre, Ludwigstraße 52.
** Städtische Bücherei. Im Januar sind 2045 Bände ausgeliehen worden: Davon kamen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 41, Gedichte und Dramen 29, Erzählercke Literatur 1268, Jugend- schristen 294. Länder- und Völkerkunde 113. Kulturgeschichte 4, Geschichte und Biographien 170, Kunstgeschichte 1, Naturwissenschaft und Technologie 52, Heer- und Seewesen 26, Haus- und Landwirtschaft 6, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschaft 31, Sport 1, außerdeutsche Literatur in den Oriainalsprachen 3 Bände. Nach auswärts kamen 16 Bände.
Vezirksschöffengenchl Gießen.
Der L. Sch. aus Nieder-Florstadt hatte im Dezember 1938 dem Geschäftsführer und Propagandaleiter der dortigen Ortsgruppe der NSDAP, nachgesagt, dieser hätte im^Jahre 1937 anläßlich einer Hausschlachiung „Schlachtzeug" noch bei einem Juden gekauft. Der Angeklagte wurde trotz seiner Einlassung im Sinne der Anklage überführt. Er erhielt wegen übler Nachrede eine Geldstrafe von 9 0 Mark, ersatzweise 18 Tage Gefängnis. Nur
seinem hohen Alter unb seiner seitherigen Unbe- straftheit hatte es der Angeklagte zu verdanken, daß nicht auf eine Freiheitsstrafe erkannt wurde.
Der F. K. aus Gießen hatte sich in der gestrigen Sitzung wegen Urkundenfälschung usw. nerantmor* ten sollen. Er blieb aber unentschuldigt der Sitzung fern. Das Gericht erließ gegen ihn Haftbefehl. Große Strafkammer Gießen.
Der H. I. aus Großen-Linden hatte sich gestern wegen falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu verantworten. Er hatte vor einiger Zeit einen Brief an die Staatsanwaltschaft Gießen gerichtet, in dem er den Bürgermeister von Großen-Linden einer strafbaren Handlung bezichtigte. Dieses Schreiben schickte er in Abschrift auch noch an andere Behörden. Die Beweisaufnahme ergab eindeutig, daß der Bürgermeister sich keiner Verfehlung schuldig gemacht hatte. Der Angeklagte erhielt eine Geldftrafe von 150 Mark. Dem Bürgermeister wurde außerdem die Bekanntmachungsbefugnis zugesprochen.
Am 29. April fuhr der H. K. aus Wiefeck mit feinem mit Holz beladenen Fuhrwerk in der Nähe der Wellersburg. In gleicher Richtung fuhr mit ziemlich großer Geschwindigkeit ein aus Hamburg stammender Personenwagen. Als der Kraftwagen sich dem Fuhrwerk des Angeklagten bis auf ungefähr 60 bis 70 Meter genähert hatte, bemerkte der Schofför, wie Kr. durch Ausfttecken feines linken Armes zn erkennen gab, daß er nach links einbieqen wollte. Sofort lenkte der Angeklagte seine Pferde über die Straße. Da der Kraftwagenführer wegen seiner Geschwindigkett seinen Wagen nicht mehr anhalten konnte, die linke Straßenseite aber versperrt war, so blieb ihm nichts anders übrig, als zu versuchen, Kr. rechts zu überholen. Bei diesem Versuch geriet das Auto auf den durch den Regen vollkommen aufgeweichten Sommerweg, und rannte gegen einen Baum. Die Insassen des Autos wurden verletzt. Eine Insassin starb kurz darauf in der hiesigen Klinik an ihren Verletzungen. Der Angeklagte erhielt wegen fahrlässiger Tötung anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen unter Anwendung des § 27b StGB, eine Geldstrafe von 210 RM.
Anschließend wurde der I. Sch. aus Odenhausen aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der er sich seit dem 7. 12. vorigen Jahres befindet. Die Anklage warf dem Sch. vor, in einem benachbarten Dorfe an einem 13jährigen Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Der Angeklagte legte ein offenes und reumütiges Geständnis ab. Das Gerich tverurteilte ihn unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer G e - fängnisftrafe von 7 Mo n a t en. 55 Tage Untersuchungshaft wurden ihm angerechn-et.
Amtsgericht Gießen.
Der O. Sch. aus Gießen parkte im November vorigen Jahres vor einem hiesigen Lokal. Obwohl er betrunken mar, versuchte er mit seinem Wagen wegzufahren. Er erhielt durch Strafbefehl eine Haftstrafe von 10 Tagen. Gegen diesen Strafbefehl legte er Einspruch ein. In der gestrigen Beweisaufnahme stellte sich die Verfehlung des Sch. als nicht allzu erheblich heraus. Die Strafe wurde deshalb in eine Geldstrafe von 70 Mark umgewandelt.
Rundfunkprogramm
Donnerstag, 2. Februar.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.30: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Ewiger Walzer. 15: Zehn Tierlein wollen zu euch kommen ... 15.20: Ansprachen von Tinette Taureg, getrennt zu hören. 15.30: Nur für Ehefrauen. 15.45: Nur für Ehemänner. 16: Schöne Melodien, die durch die Dämmerung ziehn. 17 bis 17.10: „Mein Weg zur Bühne": Georg Alexander. 18: Was geschieht mit den Begabten? Der Reichssender fragt. 18.45: In froher Runde ’ne halbe Stunde mit ... Erwin Bolt. 1945: Tagesspiegel 19.30: Historisches Orgelkonzert. 20: Nachrichten. Grenzecho. 20.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten.
Schuß im Zuukhuus.
Ein Roman von Maria Oberlin.' Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Hierher haben Sie sich also geflüchtet!" sagte plötzlich eine tiefe dunkle Stimme an ihrem Ohr. Evelyn starrte auf. Am selben Tisch ließ sich ein kleiner gebückter Herr nieder, der eine höfliche Verbeugung machte, ein artiges „Sie erlauben doch?" fragte, sich aber gleichzeitig schon niedersetzte und das Mädchen mit gütigen kummervollen Blicken betrachtete.
Evelyn zog die feinen Brauen abwehrend hoch.
„Ich versteh nicht---" murmelte sie, hatte wie
der den Wunsch, aufzustehen, das unmögliche Lokal zu verlassen und blieb doch sitzen, wie festgebannt.
„Natürlich können Sie nicht verstehen", sagte die gütige Stimme sanft. „Ich bin Ihnen gefolgt--
welch ein Wetter, liebes Fräulein, Sie könnten sich ja auf den Tod erkälten! Erst gingen Sie durch die Pantheonsgasse, bann zum Georgskirchplatz, dann lange an unserem melancholischen Stadtflüßchen vorbei--da war mir recht bange um Sie,
Sie standen verdächtig lange am Geländer und schauten ins schwarze Wasser hinein ..."
Evelyn hob mit ungeheurer Anstrengung den Kopf, sah den Mann an.
„Sie sind mir gefolgt--Erlauben Sie--
ich muß aber doch ..."
„Sehen Sie mich an, Kind!" sagte die müde Stimme ruhig. „Glauben Sie mir, ich will nichts Böses, ich machte mir nuY Sorge um Sie — — ich ging Ihnen nach ..."
Evelyn blickte auf, blickte in zwei müde, gütige Sammetaugen, die sie mit leisem traurigen Lächeln betrachteten. Der kleine Herr war verwachsen, seine hohe schie Schulter ragte aus einer zarten schmächtigen Gestüt, das Gesicht war das eines gütigen Weifen ober\eine5 müden Einsamen. Zu der' fadenscheinigen ElfOanz des Lokals paßte die Kleidung des alten Her^ schlecht, obwohl sie regendurchnäßt mar, ließ sie Eäckhaltende Vornehmheit und untadeligen SchnittX erkennen. Am Ringfinger der linken Hand blitzt^ ein schwerer Platinring mit Rubinen und Brillanten auf. Evelyn sah ihr seltsames Gegenüber mit mPttcm Erstaunen an.
.Warum ...?"■'begann Evelyn fragend und müde und wich dem traurigen Blick des alten Horm unruhig aus. \
„Warum ich Ihnen gefolgt bin?" sagte die leise alte Stimme in ihre Frage hinein.
„Sie waren sehr allein und sehr unglücklich, liebes Fräulein! Ich dachte, es sei wichtig und richtig, Sie heimzubringen!"
„Danke, das ist ja sehr freundlich!" Evelyns Stimme klang sehr müde, aber ihre Abneigung gegen den seltsamen Tischgast schmolz völlig zusammen beim Blick der marinen gütigen Augen. „Aber bitte, bemühen Sie sich nicht ...!"
„Das ist keine Mühe für mich!" sagte der alte Mann lächelnd. „Gar nicht, das ist mein Beruf!"
„Ja, ich bin ein alter Mann, der es für seinen Beruf hält, abends durch die Straßen zu gehen und Schicksale zu sammeln ..."
„Sie sind Schriftsteller?"
„Auch das nicht, liebes Kind. Ick sammele nur, was ich an Not und Leid finde .. /
Ein leiser Zug von Abwehr trat in Evelyns Ge-. sicht. „Interessiert Sie das Leid Ihrer Mitmenschen so, daß Sie es sammeln, wie andere Münzen oder Marken?" meinte sie bitter.
„Natürlich mißverstehen Sie mich", kommt es ruhig zurück. „Sehen Sie, es ist keine Neugier, die mich treibt, es ist das einzige, was mir das Schicksal an Aufgaben gestellt hat ..." Er lehnte sich ein wenig zurück und sprach wie zu sich selbst an Evelyn vorbei: „Da lebe ich in einem großen Haus, allein, immer allein. Ich bin so reich, daß mein Geld mich nicht mehr freuen kann, daß ich es nur als Last empfinde--ich konnte nie einen Be
ruf haben, weil ich krank und schwächlich war ... Erst jetzt, im Alter, seltsam, halte ich mehr aus, als je in meinem Leben ... da habe ich mir eine Aufgabe gesteift, einen Beruf: Ich gehe abends durch die Straßen und suche schwere Menschenschicksale zu finden, die ich ein wenig entwirren, ein wenig lösen, bei denen ich ein wenig helfen kann ... und immer weder habe ich Freude ..."
„Und wahrscheinlick Enttäuschung", fiel Evelyn herbe ein. „Nicht wahr, auch Enttäuschung ...?"
„Natürlich auch Enttäuschung, und Leid, sicherlich!" sagte der seltsame Gast mit fernem Lächeln. „Aber das ist doch das wahre Leben ... begreifen Sie bas, verstehen Sie?"
„Ich bin noch nicht so weit, daß ich ein schweres Leid als lebensnotwendig empfinde", sagte das Mädchen mid sah an dem Mann mit den guten Augen vorbei. Der lächelte nur:
„Wie sollten Sie das auch? Sie sind ja noch so jung" — Er beugte sich vor. „Sagen Sie mir, wie ich Ihnen helfen Fann? Ist es um Geld?" Evelyn schüttelte den Kops. Der Alte nickte. „Es ist selten um Geld", jagte er. „So wichtig die meisten es
auch nehmen ...Ich versteh schon!" sagte er behutsam und still. „Ich will nicht m Sie bringen ... aber meinen Sie nicht, daß der Regen draußen und das Lokal hier drinnen gleich schlecht für Sie sind? Sagen Sie mir, wo Sie wohnen, ich möchte Sie Heimbringen. Heut scheint Ihnen alles dunkel--
wer weiß, vielleicht ist morgen alles wieder hell. Ja, Kind, Sie sehen mich so an und denken, das sirck alte abgeleierte Sprüche eines alten Manckes, nicht wahr? Und lassen Sie sich ruhig von einem alten Mann die wichtigste Lebensregel sagen: Es kommt meistens in unserem Leben nicht so schlimm, wie wir fürchteten, aber auch nie so schön wie wir träumten ...! Das ist die beste Lebensmedizin ..."
Die gute alte Stimme mit den schlichten Worten tut wohl. Evelyn blickt auf ihre schmalen, leicht bebenden Hände herab. Plötzlich bricht ihre Not, ihre Einsamkeit, ihre Qual in ein paar Worten aus: „Es gibt da einen Menschen, der meine Mutter in den Tod gequält hat, sie war schön und berühmt und nahm sich seinetwegen das Leben. Da ist noch eine Freundin von mir, sie geht an ihm zugrunde. Er schreitet eben über die Menschen wea, bringt sie in Glut und geht vorbei. Und ich--' Sie bricht
ab, sieht den alten Mann hilflos an. „Es ist alles so schrecklich. Ich finde mich nicht mehr zurecht ..."
„Nicht schnell urteilen!" sagt der alte Mann herzlich. „Ruhig bleiben, ganz ruhig bleiben. Glauben Sie mir, das meiste Leid in der Welt kommt daher, weil die Menschen zu rasch urteilen. Nun kommen Sie, zeigen Sie mir, wo Sie wohnen ...!"
Der Zwang der sanft bittenden Stimme ist stark. Mechanisch steht Evelyn auf, der alte Herr zahlt, ein Taxi fährt vor. Evelyn fällt in die Polster, der Chauffeur gleitet langsam die regennassen Straßen dahin. Reklamebilder brechen wild in den Wagen, zucken auf, verlöschen.
„Wenn dieser Mensch nicht lebte, wäre es besser!" sagte Evelyn plötzlich hart und wie zu sich selbst. Der alte Mann, der neben ihr sitzt, lächelt ein klein wenig.
Er umgreift mit starkem Druck jetzt die schmale Mädchenhand, die bebend in der seinen zuckt.
„Heute abend scheinen keine Sterne", sagt er mild. Es ist eine merkwürdige überraschende, fern liegende Antwort. „Das ist schade ..."
Evelyn sieht ihn erstaunt an. „Ja, warum denn?" meint sie matt.
„Ich würde sonst mit Ihnen auf den Hohen Berg fahren. Es ist sehr still dort. Man ist ganz allein und dem Himmel sehr nahe. Und man sieht alle Sterne, nah und deutlich ..."
Evelyn senkt den Kopf.
„Wenn Sie dort eine zeillang gestanden hätten,
würden Sie Ihre bitteren Gedanken vergessen. Nicht Ihr Leid, natürlich nicht das müssen Sie schon ganz ohne jede Hilfe selbst überwinden. Aber doch Ihre Bitterkeit und Härte, all das Enge und Unfreie..."
Evelyn schweigt, sie lehnt den Kopf gegen das graue Polster. Ihre Schultern beben leicht.
„Nicht wahr. Sie haben mich verstanden?"
Evelyn senkte den Kopf.
„Ich glaube!" sagte sie erstickt und leise.
Dann hält der Wagen mit jähem Bremsenknirschen vor dem alten Bürgerhaus der Kays, der Begleiter sagt: „Nein, nicht danken, Kind, warum? Ich bin froh, daß Sie daheim sind. Nun schlafen ' Sie, denken Sie an die Sterne, unsere stillen Tröster ...!" Evelyn nickt noch einmal. Dann umfängt sie die vertraute Luft eines Hauses, das sie viele Jahre für ihr Elternhaus hielt ...
Die Xante kommt eilends die Treppe herab, das Gesicht bleich und entstellt vor Sorge.
„Wo bleibst du, Kind? Wie siehst du aus--
ganz naß. Ist was geschehen?"
Evelyn küßt gewohnheitsgemäß die hingehaltene welke Wange des kleinen zierlichen Fräuleins.
„Ich bin eingeregnet", sagt sie mechanisch.
„Wenn du wenigstens angerufen ...
„Ja, wirklich, es ist unverzeihlich--Bitte, ent
schuldige!"
Die Tante sieht das Mädchen an, das sich mechanisch in einen der hohen Stühle fallen läßt.
„Kind, Kind--was ist nur geschehen ...?
Zwei Herren von der Polizei waren hier--du
wirst gesucht ... Du sollst sogleich ins Funkhaus kommen!"
Evelyn hebt mit müdem Interesse den Kops.
„Ins Funkhaus? Polizei? Aber ich versteh nicht, warum--doch nicht jetzt noch?"
„3a doch--jetzt noch ... cs wird doch ein
Mißverständnis sein, Evelyn! Die Herren fragten, ob du verreisen wolltest. Was ich darüber wußte --ich begreife das alles nicht ... Und dann wartet eine Dame auf dich! Sie war heute nachmittag schon zweimal da, als du fort warst. Vor fast zwei Stunden kam sie und wartet hier auf dich ...
Evelyn hört kaum hin, sie ist totenbleich.
„Und was wollte denn der Justizrat von dir?" forscht die Tante weiter. „Du warst doch bei ihm. Ist es was Besonderes?"
Evelyn sieht eine Weile in das nertraute freundliche Altfrauengesicht. Du gutes, altes Herz, lebst deinen sttenggezogenen, ein wenig weltfernen Kreis — du weißt nichts, du sollst auch nichts wissen, du könntest ja nicht begreifen, daß das Leben so häßlich, so abgrundtief häßlich sein kann! ...
(Fortsetzung folgt!)


