Ausgabe 
25.5.1938
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

Kr.121 Dritter Blatt

25./26.maU038

Aus der Stadt Gießen.!Wer leben will, der kämpfe also!"

Hitler-Jugend Bann 116

Befr.: Reichssporttvettkampf des B 1)211.

Die FreiburgerBächle".

Wenn eine Stadt einen so schönen Turm besitzt wie Freiburg im Breisgau seinen Münsterturm, so hat sie damit auch ihr Wahrzeichen. Aber neben diesem herrlichen Meisterwerk der Gotik, oder viel­mehr zu seinen Füßen, birgt die schöne Breisgau­hauptstadt noch ein anderes Wahrzeichen, das zwar nicht großartig ist, aber in seiner Eigenart und Einmütigkeit viel zum Reiz des Stadtbildes beiträgt: das sind dieBächle", die viele Straßen der Alt­stadt in schmalen Rinnen begleiten. Mit ihrem munteren Fließen sind sie gleichsam ein Sinnbild für die Geschäftigkeit des Straßenlebens. Diese Bächle, die von der vom Schwarzwald kommenden Dreis am abgezweigt sind und zusammen eine Länge von etwa 15 Kilometer haben, sind wohl so alt wie die Stadt selbst. Urkundlich werden sie im 13. Jahrhundert erwähnt, vermutlich waren sie aber schon bei der Stadtgründung vorgesehen. Hat man sie einst aus Gründen der Sauberkeit und als Mittel zur Feue^bekämpfung angelegt, so erfreuen sie heute als eine reizvolle Eigentümlichkeit des Stadtbildes die Besucher Freiburgs, die den Bächle auch nicht gram sind, wenn sie einmal nach einem zu ausgedehnten Besuch der berühmten Freiburger Weinstuben in allzu enge Berührung mit ihnen geraten.

geitschriffen.

Dreißig Jahre sind es her, da schrieb ein Eng­länder ein Buch über den Aeroplan als Waffe. In Deutschland wurde diese Abhandlung vonFach­leuten" als überspannt abgelehnt. Noch kurz vor Ausbruch des Krieges war man in vielen Kreisen der Ansicht, daß das Flugzeug bestenfallsein zu­sätzliches Aufklärungsmittel" im Kriege sei. Dennoch: acht Monate später gab es bereits eine deutsche Luftwaffe, die der unserer Gegner ebenbürtig, ja sogar überlegen, in das Kriegsgeschehen eingriff. Wem war diesesWunder in der Luft" zu danken? Wer gab dem Flugzeug seine Waffen? Wer gab ihm die feinen Sinne der Funkorgane? Fvagen von brennendem Interesse, auf die das neueste Heft der Sirene", der interessanten Luftschutz-Illustrier­ten, Antwort gibt. Ein Bildbericht überLuft­angriffe" auf das oberschlesische Industriegebiet zeigt uns, wie bei einer Hebung in Gleiwitz alle Ein­richtungen des militärischen und zivilen Luftschutzes planmäßig Hand in Hand gearbeitet haben. Auch über die Landesgruppe Oesterreich lesen wir zum ersten Male in diesem Heft, der Zeitschrift des MchMftjchutzbundes.

Gedanken zum Himmelfahrtstag.

Von Hans Hartmann.

Die Zeit, da undeutsche Werber das Wort in die Massen schleuderten:Den Himmel überlassen wir den Pfaffen und den Spatzen" ist so vorbei und gehört so gründlich einer nie wiederkehrenden Vergangenheit an, daß wir Mühe haben, uns vor­zustellen, 'wie das war. Da haben sich Menschen, die auf materielle Instinkte spekulierten, die Tat­sache zunutze gemacht) daß unser modernes Welt­bild nur noch einen astronomischen, aber keinen religiösen Himmel örtlich zu bestimmen vermag. Sie haben aus diesem Wandel unseres Weltbildes Kapital geschlagen und den Massen nicht dem Volke! gefegt, sie sollten sich von allen religiösen Gedanken abwenden und nur an die Besserung ihrer äußeren Lage denken.

Damit sind wir wieder zu einer Haltung zurück­gekehrt, die dem deutschen Wesen entspricht: Wir erkennen die Wahrheit der wissenschaftlichen For­schung an, die nirgendwo einen Himmel anzunehmen erlaubt mit den Mitteln der Ortsbestimmung. Viel­mehr verwandelt sich mit dem Wandel des Welt­bildes die Frage nach dem Himmel in die Frage: Wieso?" Damit verlegen mir den Begriff des Himmels und jede Frage, wie es wohl bei der Himmelfahrt Christi mag zugegangen sein, in die Innerlichkeit des deutschen Menschen, dem es auf das Wesen und nicht auf den Schein und die Orts­bestimmung ankommen muß.

Wir sagen, daß wir nach den Zeiten der Ent­wurzelung wieder zu dieser innerlichen Auffassung zurückgekehrt sind. Nicht, als ob wir das Rad der Geschichte rückwärts drehen wollten; auch das Gei­stige und- Religiöse hat eineGeschichte", der zu folgen sich nicht ungestraft verleugnen läßt. Aber wie die Geschichte sich immer gleichzeitig in einer steigenden Linie und in einem Kreise bewegt, so ist es auch hier. Zugleich mit dem Manne, dem wir das Wort vomHimmel, der den Pfaffen und den Spatzen zu überlassen" sei,verdanken", lebten zwei deutsche Dichter, die den Sinn dessen, was alle Völker und wir Deutsche in der uns eigentümlichen Weise unter der Idee des Himmels verstehen, in ihrer Art verkündigten. Es sind Rückert und Otto Ludwig, der in der Ueberschrift seines Romans Zwischen Himmel und Erde" zeigt, wes Geistes Kind er ist und wie sehr er in der Nachfolge Shake­speares steht, dessen Wort aus Hamlet heute am Sternenhimmel" unserer geistigen Besinnung nicht fehlen darf: daß es mchr Dinge zwischen Himmel Md Erde gebe, als unsere Schulweisheit sich träumt.

Was aber Rückert und Otto Ludwig um die Mitte des 19. Jahrhunderts, also in einer Zeit, als die materialistische Auflösung begann, sagten, das möge uns heute durch den Tag geleiten. In derWeisheit des Brcchmanen" Rückerts lesen wir:Der Himmel ist nur da, um die Erde zu ergänzen." Wie schön ist das ausgesprochen: der Himmel ist keinDing an sich", kein Wölkenkuckucksheim, in das wir uns mit unseren weltfernen Träumen zurückziehen. Sondern er ist der andere Pol des Lebens wie sich Leib und Geist, Tatsachen und Ideen, Zeit und Ewigkeit ergänzen. Diesem Wort schließt sich das andere von Rückert an:O, blicke, wenn den Sinn dir will die Welt verwirren,zum ew'gen Himmel auf, wo nie die Sterne irren."

Wieder wird der Astronom sagen, daß auch die Sterne geringfügige Irrungen und Abweichungen aufweisen, wir aber fühlen, wie Rückert es meint: ein festes Herz, einen unbeirrbaren Sinn gewinnen wir durch die Besinnung, wie sie Ottg Ludwig in die Worte faßte:O suche nie dein Glück im Welt- gewimrnel! Je tiefer in dich zurück, je höher im Himmel."

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 20 bis 22 Uhr, GastspielDie 8 Entfesselten" inGute Besserung". Gloria- Palast (Seltersweg):Mit versiegelter Order". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Pvette". Wett-

Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Gießen-Eüd.

Im überfüllten Saale des Studentenhauses hielt die Ortsgrüppe Gießen-Süd ihre Mit­gliederversammlung ab. Stellv. Propagandaleiter Pg. Kirchner eröffnete den Abend. Nach der ersten Sttophe des LiedesVolk ans Gewehr!" hieß er die zahlreich Erschienenen herzlich willkom­men und begrüßte insbesondere den Redner des Abends

Pg. Fell, Leiter derGauschuluugsburg Cronberg. Pg. Fell führte in nahezu IVsstündiger Rede u. a. ungefähr folgendes aus: Der Führer habe vor eini­ger Zeit davon gesprochen, daß der Nationalsozia­lismus sich im zweiten Stadium des Kampfes be­finde. Das erste Stadium war der Kampf um die Macht im Staate. Jedem Volksgenossen sei es klar, daß der Nationalsozialismus die Macht erobert hätte und daß der Wille des Führers heute das Leben des deutschen Volkes bestimme. Der zweite Kampf gehe nun um die Seele des deutschen Menschen. Dieser Kampf um die Ganzheit werde ohne Ermüdung genau so durch­geführt, wie der Kampfabschnitt in der Systemzeit.

Das zweite Stadium des Kampfes sei schwer, denn es gehe darum, daß nur die nationalsozia­listische Weltanschauung in Frage komme. Die bis­herigen anderen Weltanschauungen waren nicht stark genug, um den Kampf gegen den Bolschewis­mus bestehen zu können. Der Redner führte als Beispiel zwei der verflossenen Weltanschauungen an, nämlich die Weltanschauung des Liberalismus und die sich aus diesem ergebende Lehre des Marxismus.

An Hand des Wortes Liberalismus erklärte Pg. Fell die liberalistische Denkensart, die den Gedan­ken der Freiheit in den Mittelpunkt der Welt­anschauung gestellt habe. Der Gedanke der Freiheit beherrsche diese Weltanschauung, und zwar die Frei­heit des einzelnen Menschen ohne Bindung und ohne Verantwortung an oder gegenüber einer Ge­meinschaft. Die Auswirkungen dieses Jndividualis- musses hätten wir im praktischen Leben in Wirt­schaft, Staat und Kunst usw. im verflossenen System kennengelernt. Gesetze des Staates habe man nicht darauf angesehen, wie man sie erfülle, sondern wie

bewerb HI.-Heim, Gießen: 16 bis 18 Uhr Aus­stellung der Entwürfe in der Dolkshalle (Empore). VfB.-Reichsbahn: 18 Uhr, Waldsportplatz, inter­nes Abendsportfest. Maienblasen ab 19 Uhr vom Turm der Johanneskirche.

Tageskalender für Donnerstag (Himmelfahrt).

Gloria-Palast (Seltersweg):Mit versiegelter Order". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Vvette". Landschaftsbund Volkstum und Heimat: Wande­rung mit Sonntagskarte Friedelhausen. Skiklub Gießen: 5.20 Uhr Gesellschaftsfahrt bis Schotten; Faltbootwanderfahrt MarburgGießen.

Einmaliges Gastspiel

Die 8 Entfesselten" im Stadttheater.

Heute um 20 Uhr findet ein einmaliges Gastspiel der8 Entfesselten", der erfolgreichen parodistischen Zeitbühne, in ihrer neuen heiteren Szenenfolge Gute Besserung!" statt. Die Veranstaltung ist außer Miete! Ende 22 Uhr.

NS.'GemeinfchaftKraft durch gteube. Theatervorstellung.

Samstag, den 28. INai, Beginn 20 Uhr, KdF.- 2Niete Gruppe I. Letzte Vorstellung der Spielzeit: Der Mustergatte"

von hopwood. __________________

man sich am besten durch die offengelassenen Ma­schen ihrer sich hätte entziehen können. Wie sehr unterscheide sich doch gerade die Auffassung von dem Staate in der nationalsozialistischen Weltanschau­ung von der des Liberalismus.

Die zweite verflossene Weltanschauung war der Marxismus gewesen, von dem es keinen allzu gro­ßen Schritt von der liberalistischen Denkensart ge­wesen wäre. Der Marxismus, der zuerst den Klas­senkampf in den Vordergrund seiner Lehre gestellt habe, habe Proletarier gegen Bourgeois gehetzt und stehe auf dem Standpunkt, daß die Kultur der Menschen nur durch Produktion möglich sei. Das Ziel dieser Lehre*sei, durch Mitwirkung der Juden als Erzieher, die Seelenvergiftung des deutschen Menschen gewesen. In diesem Kampfe wurden alle Mittel eingesetzt, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Die Jugend und die Menschen wurden zwangs­läufig von den Begriffen Ehre, Vaterland, Blut und Boden entwöhnt, um sie für den fanatischen Klassen­kampf brauchbar zu machen

Wie unterscheidet sich doch in all diesen Punkten die Weltanschauung des Nationalsozialismus von diesen Lehren. Selbstverständlich gehöre zur Er­reichung des Zieles, das sich der Nationalsozialis­mus gesteckt habe, ein stetig fortwährender Kamps. Der Führer selbst habe gesagt,W er leben will, der kämpfe also!" Die Geschichte des deutschen Volkes gebe dazu ein gutes Beispiel. Als Kämpfende müsse man durchs Leben gehen, und alles müsse nach den Gesetzen eines Willens mar­schieren. Das deutsche Volk marschiere nach dem Willen des Führers, und der Führer habe dem Volke eine eigene Lehre dazu erteilt/ Drei Freunde hätten den Führer auf seinem Lebenspfad beglei­tet, die Not, das Leid und die Sorge. Damit wollte der Führer sagen, daß wir alles daransetzen müß­ten, um in Zeiten der Not, des Leides und der Sorge gemeinsam durchzuhalten.

Einem Manne, der seinem Volke solche Lehren gäbe, könne man ruhig Gefolgschaft leisten. In um erschütterlicher Treue marschiere das deutsche Volk in seine seit Jahrtausenden ersehnte ewige Freiheit.

Mit dem Gruß an den Führer, den Liedern der Nation und dem Fahnenausmarsch wurde die Ver­sammlung in Üblicher Weise geschlossen.

i Einzelkarten im freien Verkauf zum Preise von .90 RUI. find in der karlenverkaufsslelle, Gießen, Settersweg 60, und durch die Belriebswarte er­hältlich. 3586D

NS.-GemeinschaflKraft durch Freude". Oesterreich-Fahrten 1938.

Nachstehend geben wir die Urlaubszüge, die in diesem Jahr nach Oesterreich durchgeführt werden, bekannt:

UF 81/38: Vom 24. Juli bis 6. August 1938, Teiln.-

Preis 57, RPl. Das Aufnahmegebiet ist Kärnten. ,

UF 84/38: Vom 16. bis 27. September 1938, Teiln- Preis '45, RIN. Das Aufnahmegebiet ist Salzburg.

Anmeldungen für diese Fahrten werden ab sofort in der Verkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, unter den üblichen Bedingungen enlgegengenommen.

Norwegenfahrt.

Bei der Seefahrt 103/38 nach Norwegen vom 13. bis 20. September 1938 (Fahrpreis 60, RIN.) find noch einige Plätze für männliche Teilnehmer frei. Anmeldungen nimmt die Verkaufsstelle, Selters­weg 60, entgegen. 36110

Omnibusfahrt am 1. Pfingstfeiertag nach Wiesbaden.

Die vorstehende Fahrt führt die Teilnehmer über Bad HomburgSaalburg nach Wiesbaden. Abfahrt in Gießen um 8 Uhr am Haus der Deutschen Ar­beitsfront, Rückkunft gegen 24 Uhr. Teilnehmer­preis einschl. Stadtführung in Wiesbaden 5, RM. Anmeldungen: Kartenverkaufsstelle Seltersweg 60, Ruf 2141. i 36120

Am 28. und 29. Mai findet der Reichssportwett­kampf für den BDM. statt. Für den Fall, daß bte HJ.-Einheiten den Wettkampf noch nicht durchge­führt haben, setzen die Führer sich sofort mit den jeweiligen Gruppenführerinnen in Verbindung zwecks gemeinsamer Durchführung des Wettkampfes. Sollten die örtlichen Verhältnisse eine solche Rege­lung nicht zulassen, muß der Reichssportwettkampf der HI. am Himmelfahrtstag durchgeführt werden^

Stelle für Leibeserziehung im Bann 116.

BDIN.- und IIN.-llnfergau 116.

Dauerkarten für den Besuch der Mullerschest Badeanstalt, Gießen, werden wieder, wie im üorit gen Jahre, an alle Mitglieder der HI. ausgegeben. Die Karten sind gegen Zahlung von 2 RM. und gegen Vorlage des ordnungsgemäß geklebten HJ.°c oder BDM.-Ausweises an der Kasse der Müller- scheu Badeanstalt, Gießen, Lahnstraße, zu erhalten,

Schöner Musikabend beim BDM.

Eine Spielschar des BDM. bereitete am gestrigen Dienstagabend im Saale des Studentenhauses einet zahlreichen Zuhörerschaft eine angenehme Abend­stunde. Die Mädels hatten es sich unseres Wist sens zum ersten Male in dieser Art zur Aus­gabe gemacht, das Wirken des BDM. der breiten Oeffentlichkeit von einer neuen Seite zu zeigen. Zu diesem Zwecke hatten sie eine Anzahl musikali­scher Talente des Gießener BDM. zu einem kleinen

flusgetrodmete fiaut mied leicht faltig. Darum stei vorbeugen mit Nivea, die Fhre Haut geschmeidig macht, kräftigt und ihr natürliche Bräunung gibt.

Orchester zusammengefaßt und diesem noch eine! Singgruppe beigegeben, beide unter der Leitung von Trudel Stieda, der Leiterin der Kulturstelle im Untergau 116.

Diese Gemeinschaft der musizierenden und sin­genden Mädels bot nun gestern einen Musikabend, der einen so ansehnlichen Erfolg brachte, daß man den Mädels nur gratulieren kann. In sympathischer Bescheidenheit erklärten sie in der gestrigen Vor­ankündigung und auch zu Beginn des Abends, daß sienichts Fertiges und künstlerisch Vollkommenes bieten könnten, die Eltern und Gäste aber die Freude am gemeinsamem Spiel miterleben lassen" wollten. Damit hatten sie sich von vornherein da­gegen ausgesprochen, etwa in Vergleich gestellt zu werden mit Konzertveranstaltungen, die nach den strengen Maßstäben der Kunst bewertet werden müssen. Dennoch übertrafen die instrumentalen Dar­bietungen des kleinen Orchesters bei weitem das künstlerische Ausmaß dessen, was man nach der bescheidenen Ansage erwartet hatte, während der Gesang frische, frohe Lieder brachte, wie sie so recht zu der Art aufgeweckter junger Menschen passen und wie man sie immer wieder gern hört.

Der instrumentale Teil brachte kleine Komposi­tionen unserer Meister Beethoven, Bach und Hän­del, 'bargeboten vom' gesamten Orchester, oder zum Teil von Flötenspielerinnen, die drei- und zwei­stimmig musizierten. Ferner spielte das Orchester hübsche Weisen aus dem Schatze der niederöster- reichischen Musik und zum Abschluß Franz Schu­berts Deutsche Tänze. Man konnte an der guten musikalischen Ausführung der verschiedenen In­strumente, wie auch an dem feinen Zusammenspiel des Orchesters seine aufrichtige Freude haben, denn die Mädels machten sich die Erfüllung ihrer selbst­gestellten Aufgabe durchaus nicht leicht, und so brachten sie denn eine musikalische Leistung heraus, die den Zuhörern immer wieder Anlaß zu lebhaf­tem Beifall gab und zum Schlüsse dahin führte, daß sich die begeistert beifallspendenden Hörer mehrere Zugaben des Orchesters erzwangen und mit dieser

Bestrafte Neugier.

Zwischenfall an Himmelfahrt.

Am Tage nach Himmelfahrt 19.. erzählte man sich an den Stammtischen einer großen mitteldeut­schen Stadt ein Geschichtchen, das zwar nur teil­weise dröhnendes Gelächter, dafür aber um so ver­schmitztere, schadenfrohe Gesichter erntete. Da inzwi­schen ein wenig Gras darüber gewachsen und manche liebe Gattin aus dem Schmollwinkel wie­der an die Seite des angetrauten Ehegemahls zu­rückgekehrt ist, sei es auch andernorts weitererzählt. Als Beispiel und als Mahnung.

Hatten da die neugierigen Frauen der Mitglie­der eines achtbaren Kegelklubs ihren Männern so­lange in den Ohren gelegen, hatten gebettelt, ge­weint und gedroht, bis die rauhen Kegler weich wurden und nach kurzem Ratschlag also beschlossen: die Frauön machen die Herrenpartie zu Himmel­fahrt mit!

Fortan herrschte eitel Sonnenschein m allen Häusern, Leibgerichte kamen täglich auf den Tisch, und man versicherte ein ums andere Mal, daß man ja die Männer in ihrem Tun und Treiben nicht stören wolle, daß man still abseits im Saale sitzen und nur, nur endlich einmal sehen wolle, wie solch eine Herrenpartie eigentlich aussehe. Und die Männer nickten dazu und sagten:Warum eigentlich nicht?" und:Wir haben an Himme - fahrt nichts zu verbergen!" und bestellten em Last­auto auf Himmelfahrt morgens neun Uhr. Denn.es sollte ins Grüne gehen.

Der Tag brach an und mit ihm brachen zwei Grüppchen auf, ök eine strenge Ordnung emhiel- ten. In allerlei Mummenschanz die Männer, in ge­messenem Abstand die neugierigen Frauen. So er­reichte man, Zielpunkt allgemeinster Aufmerksam­keit, den Platz, auf dem schon das Auto, ein Gi­gant der Landstraße mit Anhänger, wartete Man begrüßte freundschaftlichst den Chauffeur und stieg mit allerlei Hallo ein. Die Herren in den Zug- roagen, die Gattinnen, wie es sich geziemte, in den Anhänger. Und Scherzworte aus dem schnell her­beigeeilten Publikum gab es dazu gratis.

Motorengebrumm. Ein Hupensignal. Erwartungs­voll setzte sich alles zurecht. Die Männer straylten die Gattinnen an, die Gattinnen strahlten zunick. Und indes sich noch Liebe hüben und Liebe drüben so kundtat, rückte das Lastauto an und ent­schwand. Noch einmal sahen die Gattinnen ihre angestrengt nach vorn blickenden Männer sitzen, dann bog der Wagen um die Ecke, Der Anhänger aber stand mis angenagelt. /-

Es dauerte seine Zeit, bis man begriff. Dann aber machte sich alles Luft und die Verwünschun­gen, die man ausstieß, als man hochroten Kopfs und zum Gespött der Leute einzeln und betulich vom hohen Sitz wieder herabstieg, gipfelten in der Drohung:Komm du mir nur nach Hause!!"

Nun eine Reihe von Gattenmorden stand an­derntags nicht in der Zeitung. Und auch der Chauf­feur, auf den die scheinheiligen Ehemänner alle Schuld abwälzten, blieb verschont. Aber es heißt, daß die so betrogenen Frauen laut schworen, die nächste Himmelfahrtpartie nicht mitzumachen.

Wozu die Männer schmunzelnd nickten.

FMF.

Ltnd alles wegen Flieder...

(Line'delgeschichie von Gertrud Abel.

Hanni packte ihre Puppensachen zusammen, es war spät am Nachmittag, und sie mußte pünktlich zum Abendessen zu Hause sein. Lini hals ihr dabei, und beide sanden, daß dieser Frühlingsnachmittag bei Lini im Garten wieder einmal wunderschön gewesen sei. Als Lini ihre Freundin zur Gartentür begleitete, sah sie zu der blühenden Fliederhecke hinauf und fragte:

Möchtest du nicht etwas Flieder mitnehmen, Hanni? Jhr^abt doch keinen Garten, und er ver­blüht ja nun bald..." Hanni nickte freudig, Lim langte ein paar dunkellila blühende Zweige herab, brach sie und drückte sie in die Hand der Freundin. Darauf gaben sich die beiden Mädchen einen Kuß und trennten sich.

Glücklich ging Hanni ihren Weg heim. Da bekam sie plötzlich einen gewaltigen Schreck. Em paar Jungen lärmten um die Straßenecke und hatten sie fast umgerissen. Hanni schrie auf und fing an zu laufen. Da schrie einer der Jungen:

Wo will denn die mit dem schönen Flieder hin? Der ist gewiß irgendwo gemaust?" Und dann rannten die Jungen hinter Hanni her. Das kleine Mädchen lief aus Leibeskräften. Ohne daß sie es merkte, verlor sie einen Puppenschuh, der Hut rutschte ihr in den Nacken, aber fest hielt sie mit dem einen Arm ihre Puppe Mechthild und nut dem anderen Arm ihren Fliederstrauß an sich ge­drückt. Lange konnte sie nicht mehr laufen, ohne daß die Jungen sie einholten, sie kamen unheimlich schnell näher. Da eine offene Tür vor einem Landhaus. Schnell flitzte Hanni hinein, warf die Xür hinter.sich ins Schloß, schob, den Riegel vor

und-lief die Auffahrt hinauf, am Haus vorbei. Viel­leicht gab es einen Hinterausgang? Niemand ließ sich blicken. Hanni kam auf einen Hof. Da ging vom Haus eine Garage ab, eine Tür stand auf, ein kleines Auto stand halb hineingeschoben, ein Schlauch * lag daneben, aus dem Wasser tropfte. Ein bißchen Wasser wäre gut für den Flieder" dachte Hanni, trat nahe herzu, griff nach dem Schlauch und drehte an der Spitze herum. Da schoß ein Wasserstrahl mit solcher Macht hervor, daß der Schlauch ihrer Hand entglitt. Und im gleichen Augenblick hörte Hanni einen zornigen Aufschrei aus dem Hause. Che sie sich besinnen konnte, sprang ein alter Herr die Verandastufen herunter, tropfnaß von oben bis unten, und schrie sie an:

Du bist ja eine nette Range! Läufst hier auf einen fremden Hof und spritzt durch die offenen Fenster die Zimmer naß?!" Seine Augen funkelten. Was fällt dir ein, du? Schnell, stell augenblicklich das Wasser ab!"

Völlig erschrocken bückte Hanni sich, hob den Schlauch auf und versuchte, den Wasserstrahl ab­zustellen. Dabei aber traf sie mit voller Wucht den alten Herrn, der aufschreiend zurückprallte. Hanni warf den Schlauch entsetzt wieder hin, rannte zum Tor und lief weinend auf die Straße. Gott sei Dank die Jungen waren fort. Und nun sah Hanni, daß Mechthild nicht nur einen, sondern alle beide Schuhe verloren hatte. Hanni sank bitterlich schluchzend auf die Treppenstufen eines Hauses nieder und glaubte, sie könne nie wieder fröhlich werden.

Nanu, Hanni, was machst du denn hier? War­um weinst du denn?" Da stand chre Mutter vor ihr, nahm sie in den Arm und tröstete. Stockend erzählte Hanni das ganze Unglück.Na, komm nur", sagte die Mutter,nun wollen wir das Miß­verständnis in Ordnung bringen und uns entschul­digen ..Hanni sah entsetzt auf und wollte Ein­wendungen machen.Natürlich muß man sich ent­schuldigen, wenn man Unfug gestiftet hat", fuhr die Mutter fort,selbst wenn man nicht sehr viel dafür kann. Aber warum mußtest du auch an den Schlauch gehen? Man faßt nicht anderer Leute Sachen an..."

Dann gingen beide zu dem Hause zurück, wo Hanni mit der Wasserschlange gekämpft hatte, und die Entschuldigung von Mutter und Tochter be­sänftigte den alten Herrn merklich. Er wurde zum Schluß ganz freundlich, schenkte Hanni ein Stück Schokolade, und dann wurde' der Flieder samt der schuhlosen Mechthild glücklich und unangefochten heimgetragen^