lebhaft und ganz frei von jeder inneren Hemmung. Ja, Marga kommt es plötzlich vor, als schwinge irgendeine geheime Erregung mit oder etwas wie Trotz und Erbitterung.
„Pah, was heißt da können?" sagt Monika laut und sehr schnell. „Ich wüßte nicht, warum ich verpflichtet wäre, Lenzsch so bald einen Besuch ab zustatten! Im Gegenteil, es gibt mehr als genug Gründe, es nicht zu tun. Denn sowieso redet ganz Cigelstein schon über ihn und mich, und Lenzsch selber hat manchmal Bemerkungen gemacht, die ein Sanz falsches Licht auf unsere Beziehungen ge- roorfen haben, und ... und ... außerdem ist er in der letzten Zeit nicht sehr nett zu mir gewesen. Wissen Sie, schließlich ist er doch ein Freund unseres Hauses, und Papa hat ihm schon oft mit guten Ratschlägen unter die Arme gegriffen, und überhaupt hat er viel an Papa gehabt — da hätte er doch eigentlich die Verpflichtung, ein bißchen nett und rücksichtsvoll gegen mich — als Papas Tochter, nicht wahr? — zu sein. Aber das fällt ihm im Traume nicht ein, im Gegenteil. Und kurz und gut, es tut mir zwar leid, daß er sich ausgerechnet bei uns den Fuß brechen mußte, aber ihn besuchen — nein, das kommt vorläufig nicht in Frage. Wepn ich morgen mitgekommen wäre oder mitkomme, so ist es wirklich auch nur Gegen des Röntgenbildes, und zu Lenzsch hinein wäre ich wahrscheinlich gar nicht gegangen!"
„Rur zu Kahl?" fragt Marga trocken dazwischen.
Monika zuckt ein wenig zusammen. „Ja", sagt sie dann trotzig, „nur zu Kahl. Denn Kahl wird das Röntgenbild für mich bereitlegen, hat er gesagt."
Eine Weile fahren sie nun schweigend dahin. Draußen flitzen, dunklen Wänden gleich, die dicht beieinanderstehenden Bäume vorbei, die Straße. leuchtet weiß im Scheinwerferlicht, und manchmal taumeln kleine Insekten gegen die Windschutzscheibe. Der Motor singt.
Auch Marga singt leise vor sich hin.
Monika hört es mit leisem Staunen. Sehr betrübt über Lenzschs Unglücksfall scheint diese Marga Montwill wirklich nicht zu sein. Sollte es ihr am Ende doch gar nicht so ernst um Walter gewesen fein? Sollte sie vielleicht nur mit ihm gespielt haben? Aber die Umarmung im Garten, die Papa gesehen hat! Und die Einladung nach Berlin. Überhaupt...
Plötzlich lacht Marga laut und schallend heraus.
„Warum lachen Sie denn?" fragt Monika ärgerlich.
(Fortsetzung folgt.)
Zaunkönigs Hellem Lied, ryrt in mir selber ange-
Gegen Zahnstein ’
alle des
Zahnstein droht mit Zahnausfall!
X Lieber Leser, dp meinst, man könne das auch Auferstehung heißen. In der Heiligen Schrift ist es zweierlei: zu Maria, die weinend am leeren Grabe steht, spricht der Engel des. Herrn: Den du suchest, der ist auferstanden. Und im Evangelium Johannes redet der Auferstandene zu Maria: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Deutlicher aber spricht der zweite Glaubensartikel von dem Niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aüfgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, von bannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.
Und das ist es gerade, lieber gläubiger Leser unserer lebendigen deutschen Zeit, dieses harte Nebeneinander: Hölle hier und Himmel dort! Es " überkommt mich heiß und kalt und deucht mich rein augenblicksgegenwärtig, wenn ich das Wort recht bedenke. Haben wir Deutsche nicht'die Hölle durchschreiten müssen? Kamen nicht Trennung und Blut und Wunden und millionenfältiger Tod über uns? Zerriß Nicht der Wahn, den wir mühselig in uns aufgerichtet hatten, daß alle Menschen nun Brüder geworden wären nach so viel Leid und Schrecken und so viel unerhörten Heldentum und stunrmen Ausharren — zerriß er nicht zu jämmerlichen Fetzen, die höhnisch um uns herflogen — und erkannten wir nicht unsere furchtbare Verlassenheit, da wir von uns selber und unserer Art gelassen hatten?
Wahrlich, eine Hölle mußten wir durchschreiten, um uns zu uns selber zurückzufinden, wir deutsches Volk.
Es kam die große Wende. Wir leben noch mitten darin. Es ist das alles so unmittelbar nahe und überlebendig um uns^ und vor uns, daß noch kein Wortbild recht passen will. Das neue Leben weigert sich noch, Wort und Weise zu werden.
Ich habe es jüngst noch erlebt zu Potsdam am Wannsee vor den Jungmannen der HI., vor denen ich las, und danach vor den Arbeitsdienstkameraden im Neuen Palais: es waren wahrhaftig gar nicht die' Worte, um die sich unsere Ergriffenheit bewegte — oder sie waren doch mehr nur ein äußerer An-
Oder nimm auf der Wiese draußen die kleinen Marienblümchen — Bellis perennis, die Ewig- Schöne —: du gehst deinen gewohnten Weg vorüber und siehe! eines Morgens sind tausend Blütenaugen aufgegangen i|nb lächeln bich an. Unb bu tarnet nicht anbers: bu mußt wieber lächeln. Du müßtest sonst ein sonberlicher Kauz sein.
Unb bie Eichen stehn im gläsernen Grüngold ihrer ersten zagen Blätter — unb bort hängt schon ber zierliche Filigran ihrer Blütenkätzchen schüchtern hernieber. Unb ber Flieder blüht rot unb weiß. . Unb Blüheiü links und Blühen rechts und vor dir und hinter dir. Du magst dich wenden, wohin du willst. Weiß Gott, mich überkommt jedesmal die leibhaftige Scham vor soviel gläubigen Sichöffnen, Sichdarbringen, daß ich die Hänhe falte und einen Augenblick stumm -an mir niederblicke.
Aber bann bricht es auch in mir auf. Unb ich muß mitjubeln mit bem Ruf ber Drossel unb bem Schlag ber Finken unb bes kleinen Zaunkönig Hellem Lieb. Unb bann ist bie-Himmelfahrt in mir selber angebrochen, unb -es fährt in mein Innerstes hinein wie ein seltsames Wehen unb kehrt alles burdjeinanber, was ba so sicher bewahrt unb schön georbnet neben» einanderlag, unb ich muß mich öffnen wie Blume unb Blatt unb Blüte. Unb ich wehre mich länger nicht ...
Um ben Sinn für bie arteigene Wohnkultur auf bem Lande zu verbreiten und auch allmählich in die Wirklichkeit umzusetzen, hat es bisher an Versuchen und Bemühungen nicht gefehlt. Immer wieder ist dem Bauerntum vor Augen geführt worden, daß es nicht zu dem Wesen seines Standes paßt, Möbel und Gebrauchsgegenstände in solchen Formen zu übernehmen, die sich aus anderen Bedingungen heraus in der Stadt und im Bürgerhaus entwickelt haben.
Gehen wir den Dingen nach, so stellen wir fest, daß vor vielen Jahrhunderten die Form des bäuerlichen Hauses und die Form des bäuerlichen Lebens vom Dorf in die neu entstehende Stadt übernommen und ausgeftaltet wurde. Der Mann und die Frau vom Land, die heute in einer freien Stunde durch die Altstadt von Frankfurt oder einer anderen Stadt unseres Gaues gehen, können mit innerer Genugtuung feststellen, daß die schönsten und wertvollsten Häuser der Stadt meist nur vergrößerte und reicher ausgestaltete Formen des bäuerlichen Hauses sind: was dort als geschnitzter Eckbalken oder als Zierde einer Fachwerkfigur üblich war, verwandelte sich unter der Förderung kunstliebender Stadtbewohner und unter den Händen gewandter
dagegen sollen zur Landschaft und zu ber Haltung der Menschen gehören, in deren Heim sie Generationen lang stehen.
Die Bestrebungen, die im Laufe der Zeit vereinzelt aufgetaucht sind unb in ben wirklichen Verhältnissen unb Notwendigkeiten des bäuerlichen Lebens ihren Ausgang haben, sind nun durch eine wichtige Vereinbarung zusammengefaßt worden, die Reichsnährstand und Reichs st and des deutsch en Handwerks getroffen haben. Die beiden Berufe, Bauerntum und Handwerk, die jahrhundertelang in guter Kameradschaft und wirtschaftlicher Ergänzung gelebt haben, sollen wieder näher zusammengeführt werden, und der Sinn für gediegene Ärbeit, wie ihn das Handwerk kennt, soll wieder gestärkt werden. Es ist klar, daß nur eine enge persönliche Beratung näher zum Ziel bodenständiger artgenzäßer Wohnkultur hinführen kann; schon heute ist der bäuerliche Geschmack oft unsicher geworden, und auch der Handwerker hat sich auf andere Arbeit verlegen müssen, weil durch die Serienmöbel aus dem Warenhaus die Nachfrage nur noch in diese Richtung zielte. Die Vereinbarung, die jetzt getroffen wurde, sieht die Errichtung von Beratungsstellen bei den Kreisbauernschaften und Kreishandwerkerschaften vor, so daß also zwei Stellen, die etwa die gleiche Reichweite haben, gemeinsam an die neue Aufgabe Herangehen. Wichtig ist, daß das Landvolk selbst, und vor allem die Frauen, sich mit diesen Fragen^einmal vertraut machen. Wo an die A u s st e ue r der Tochter zu denken ist, sollte man von der falschen Eitelkeit abkommen; dem Mädchen „ganz moderne Möbel" mitzugeben; denn meistens passen diese nicht in die Bedürfnisse des Landhaushaltes und sind auch ge- mütsmgßig nicht gerade ein Vorteil, weil sie durch ihr bloßes Dastehen das innere Bewußtsein von der geschlossenen Lebensform des Landvolks stören. Die Kostenfrage, die vielleicht im einen ober anderen Fall als Hemmnis erscheint, kann auch gelöst werden, und es wäre vielleicht kein Rückschritt, sondern- eine gesunde und bodenständige Sitte, wenn man die Handwerkerrechnung teilweise auf den Tausch gegen Erzeugnisse der eigenen Landwirtschaft umlegen würde. Die Frage der echten bodenständigen Wohnkultur- ist heute zum Gegenstand des Interesses zweier großer Berufsgruppen geworden, und wenn sie vom Landvolk ausgenommen wird, kann sie wohl etwas von dem heraufführen, was an der alten Zeit gut war.
Himmelfahrt.
Dl>n Hermann Claudius.
Lieber deutscher Leser: was ist der Mai anders als eine einzige fröhliche Himmelfahrt alles besten, was rundum auf der ewigen Erde nach des Winters bewahrender Not seine keimenden Kräfte wieder spürt und der neuen alten Sonne entgegen; gedrängt und tausendfältig in' Blatt und Blüte und lebendiger Form sich gestaltet.
Nimm, was du willst: bie Geranie ber einsamen alten Mutter auf ber schmalen Fensterbank ber Hinterhofwohnung. Aus ber Dürftigkeit bes tönernen Blumentopfes treibt sie lichtgrüne, fammetene Blattfächer unb — o Freube ber Alten — schon runbet sich im Blattwinkel beutlich eine Knospe, bie in wenigen Tagen eine Dolde feuerroter Blütenräder entrollen wird.
die e n,
neuen Morgens nicht wert!
Aus aller Welt.
Familienverband Wiltich(g).
Tube
Wohnkultur auf dem Lande
Möbel, die zum Bauern paffen.
Don Or. Paul Tleumair.
Vater.von neun Kindern ertrunken.
Der bei Ausbesserungsarbeiten an der Swinemünder Seebrücke beschäftigte Zimmermann Hermann Witt stürzte aus beträchtlicher Höhe ab, stieß mit bem Kopf gegen einen Pfahl unb fiel bewußtlos in bie See. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen seiner Arbeitskameraden konnte ber Verunglückte nicht.mehr gerettet werben. Die Leiche würbe nach einigen Stunben an ben Straub gespült. Witt hinterläßt seine Frau unb neun Kin- ber. NS.-Volkswohlsahrt hat sich der schwer betroffenen Familie angenommen.
Der Vulkan Stromboli in Tätigkeit.
Der sizilianische Vulkan Stromboli ist plötzlich in heftige Tätigkeit getreten mit starken Explosionen, Aschenregen und Lavaergüssen, die vom Krater, vorläufig ohne irgendwelchem Schaben anzurichten, über die Halde Sciara del Fuogo zum
Meister zu großflächigen Holzschnitzereien und kunstvollen Formen. Nicht anders war es mit den Möbeln und iiem> Hausrat, unb die Gediegenheit, die in allem.Bäuerlichen steckt, war damit also als wertvolles Erbe vom Dorf in die Stadt gewandert. *
So erfreulich diese Erscheinung für bas gesamte Volksleben war, so unerfreulich wurde deren Umkehrung ins Gegenteil, die vor wenigen Menschenaltern eingesetzt hat: Der Landmann und die Landfrau übernahmen Formen des ausgesprochen stäbtt- schen Hausrats, wie sich dieser unter veränderten Umständen neu entwickelt hatte, in das Dorf und verließen damit zunächst unbewußt den Boden ihrer eigenen Kultur. Der erste Grund für die Bevorzugung von städtischer Massenware durch die Landbevölkerung liegt wohl darin, daß die zivilisatorische Entwicklung auf dem Lande im selben Augenblick zum Sttllstand kam, wo sie in' der Stadt in das Kilometertempo verfiel. Da aber ber einsichtige Landwirt auch fühlte, baß er an der neuen Zeit nicht vorbeigeyen kann, wenn diese ihm Hilfsmittel und Arbeitserleichterungen bringt, griff er zu manchem Gebrauchsgegenstand, den es eben nur in der Stadt gab — und der anderseits in den heimat
lichen Küchenschrank nicht gut hineinpaßte. Die weitere Folge blieb nicht aus. Es tarnen städtische Möbel hinzu, nachdem man schon einmal den Anfang gemacht hatte, und alles in dieser modernen Zeit schien ja auch so weltenweit vom bodenständigen Bauerntum entfernt zu sein, baß man an ber alten Kultur bes eigenen Hauses unb Dorfes irre wurde ober ihr Ende befürchtete. Noch heute ist im Landvolk die Meinung verbreitet, jede Bemühung um eine neue Bauernkultur sei gutherzige Träumerei Ünd man könne ihr als moderner unb sachlicher Bauer nicht nähertreten. Diese Meinung ist grundsätzlich falsch. Man darf nicht außer acht lassen, daß der Einsatz eines genossenschaftlichen Schleppers und der elektrische Lichtschalter an der Zitnmerwand nicht die Verpflichtung bringen, nun auch städtische Möbel in sein Haus zu stellendem Schlepper und ein Lichtschalter (um bei diesem Vergleich zu bleiben) sind Gegenstände der AA^s- erleichterung und der verbesserten Wirtschaft, Model
laß, gleichsam ein umschriebener Händedruck — sondern es war die Gläubigkeit der Herzen und bie Einheit bes Willens und die Ahnung von der Größe des Geschehens in uns allen.
Der Himmelfahrtstag ist ein Tag im christlichen Kalender — wohl. Die Tage im Jahr des Volkes sind länger und wissen um keinen Kalender. Aber es ist ein sicheres und tapferes Wort: Himmelfahrtstag! Und das Morgenrot der pfingsttichen Erfüllung harrt hinter ihm.
Laßt uns den guten Mut dazu haben — miteinander! Denn wer den Mut nicht hat, ist
Eines der ältesten deutschen Geschlechter, Familien Wittich oder Wittig, die in Hess Thüringen und Franken, aber auch in Sachsen und Schlesien seit Jahrhunderten bodenständig sind, veranstaltet in den diesjährigen Pfingsttagen seinen Familientag in Kassel. Die vorjährige Tagung hat in Weimar bei einer Beteiligung von über 100 Vertretern der beteiligten Familien stattgefunden. Die Wittichs waren ursprünglich fast nur Bauern ober Handwerker, im Laufe der Geschichte gingen aus ihnen aber auch zahlreiche Vertreter des geistigen Lebens hervor, Theologen, Wissenschaftler und Aerzte. Der Vorsitzende des Familienverbandes, Ministerialdirektor i. R. Wilhelm Wittich, Wannsee, Am Birkenhügel 10, beschäftigt sich schon über zehn Jahre mit der Erforschung der Geschichte des weitverzweigten Geschlechtes. Schon im Jahre 1930 gründete er ben Familien- verband, der alljährlich in den Pfingsttagen Zusammentritt, um über gemeinsame Angelegenheiten zu beraten und Berichte über ben Stand ber Forschung entgegenzunehmen.
Meer abfließen. Bisher sind keine Opfer zu beklagen, auch die Ansiedlungen sind noch nicht gefährdet. Das Dulkaninstitut ber Universität Messina teilt mit, der Ausbruch habe am Sonntagabend um 5.45 Uhr begonnen.
Geistesgestörter bringt 28 Menschen um.
Ein geistesgestörter Bauer in der japanischen Provinz Okajarna schoß mit einem Jagdgewehr auf alle in seinem Umkreis befindlichen Menschen und tötete 28 Dorfbewohner. Darauf flüchtete er und entkam in die nahegelegenen Berge. Als die ihn verfolgende Polizei ihn dort umstellt hatte, tötete er sich selbst. Sechslinge in Indien. — Fünf blieben am Leben.
Die Frau eines burmesfichen Bauern aus der Gegend von Sagaing hat Sechslingen, drei Jungen und drei Mädchen, das Leben geschenkt. Eines der Mädchen ist gestorben, 'den anderen fünf Kindern soll es gut gehen.
Millionenwerte erschlichen und nicht versteuert.
Eine Strafkammer bes Landgerichts Berlin verurteilte den Oberbaurat a. D. und früheren General? direktor der Deutschen Continental Gas - Gesellschaft in Dessau, Bruno Heck, wegen, fortgesetzter Vermögens- unb Einkommensteuerhinterziehung, ferner wegen fortgesetzter hanbelsrechtlicher Untreue, Devisenoergehens, aktiver Bestechung, versuchten Betruges u. a. zu einer Gesamtstrafe von 6 Jahren unb sechs Monaten Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Geldstrafen von insgesamt mehr als 8,7 Millionen Reichsmark. Walter Heck wurde wegen Beihilfe zu ben Steuerhinterziehungen und ber handelsrechtlichen Untreue feines Bruders zu insgesamt zwei Jahren sechs Mongten Gefängnis unb Gelbstrafen von mehr als 600000 Reichsmark verurteilt. Der Mitangeklagte Georg Müller aus Dessau erhielt wegen schwerer Bestechung unb Steuervergehen insgesamt ein Jahr neun Monate Gefängnis. Außerdem würben 80 000 Reichsmark bem Staat für verfallen erklärt. Der Bankier Hans Böning aus Babelsberg würbe freigesprochen. Bruno Heck, ber bereits burch seine frühere Stellung als Konzernleiter über sehr erhebliche Einkünfte verfügte, hat sich burch fortgesetzte Untreue- hanblungen in den Besitz von Millionenwerten gesetzt und diese Summe weder zur Vermögens- noch zur Einkommensteuer ordnungsgemäß angemeldet.
Erdbeben in Tokio.
Ein schweres Erdbeben erschütterte die japanische Hauptstadt und ihre unmittelbare Umgebung, hat jedoch nach den bisher vorliegenden Meldungen keinen großen Schaden angerichtet. Der Herd des Bebens befand sich bei Utsunomiya in. der Provinz Fukushima, etwa 100 Kilometer nördlich von Tokio. Die telephonischen Verbindungen mit 30 Provinzstädten sind zerstört.
Dagegen hilft
SOL ID 0X^1”
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westen^erger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
31 Fortsetzung (Nachdruck verbaten!)
20. Eine diplomatische Unterhaltung zwischen zwei jungen Damen.
„Komischerweise", sagt Marga Montwill auf der Heimfahrt zu Monika, „komischerweise fahre ich furchtbar gern abends durch den Wald. Ich finde es so aufregend, wenn der Scheinwerfer immer nur einen Fetzen Straße und einen Streifen Wald aus der Dunkelheit herausreißt. Am spannendsten ist es, esenn man auf unbekannter Straße an eine große Kurve kommt. Dann sieht es für Augenblicke immef aus, als höre die Straße auf und eine Mauer schiebe sich yor. Bis bann bas Licht bie Kurve beleuchtet unb bas Trugbilb zerreißt. Haben Sie bas noch nie beobachtet?"
Monika nickt. Doch, sogar beim Radfahren ist es manchmal so. Und wenn Fräulein Montwill übrigens gern noch ein paar schöne Waldwege entlangfahren will, dann, bitte, jetzt links herum.
Marga wirft Monika einen kurzen. Blick zu. „Warum sagen Sie eigentlich immer so offiziell Fräulein Montwill au mir? Wir haben uns zwar bisher noch nicht sehr viel miteinander abgegeben, unb ich bin mir auch burchaus bewußt, baß ich bei Ihnen gehörig in Ungnade stehe, aber schließlich leben wir nun schon zwei Tage unter einem Dach miteinander..."
Monika setzt sich unwillkürlich etwas gerader. Sie schaut geradeaus, und ihre Lippen schürzen sich ein wenig. „Sie stehen nicht in Ungnade bei mir. Ich ' wüßte auch nicht, weshalb."
Marga lächelt belustigt. „So? Na, bann weiß ich es um so besser! Oder halten Sie mich für so dumm, daß ich nicht fpüre, was um mich herum vorgeht? Sehen Sie, jetzt werden Sie rot. Warum leugnen Sie also?" - /
Monika zerknittert, wütend über sich selbst und beschämt, weil man sie anscheinend so leicht durch- schaut bat, ihr Taschentuch zwischen ihren Händen.
„Ich leugne also nicht mehr", murmelt sie verlegen. „Aber ist es notig, daß wir noch lange über ben ganzen Kram reben? Es ist ja jetzt vorbei, unb..."
... unb ich habe Lenzsch für meine Person längst aufgegeben, will sie sagen. Aber Marga legt ihr flüchtig bie Hanb auf ben Arm unb beugt sich babei ein wenig vor, um ihr .besser ins Gesicht sehen zu können. „Nein", sagt sie nachbrücklich, „es ist gar nichts vorbei. Aber es gibt ba auch gar nicht viel zu reben. Sie haben von unserem ersten Zusammenstoß auf ber Straße, her noch eine Mordswut gegen mich, unb ich habe versäumt, Ihnen bei unserer zweiten Begegnung in Ihrem Hause ein paar nette und versöhnliche Worte zu sagen. Hätte ich das getan, so wären wir wahrscheinlich von Anfang an — na, wenn auch nicht gerade rasend gute Freunde, so doch ganz gute Gefährten gewesen. Stimmt's? Sehen Sie, jetzt lachen Sie schon, und das ist immer der beste Weg zur Versöhnung. Es beweist, daß der Fehler der ganzen Geschichte wirklich nur bei mir gelegen hat. Ich war die Aeltere und hätte ein paar nette Worte finden sollen, als wir uns wiedersahen. Aber wann — das muß ich nun schon zu meiner Entschuldigung anbringen — wann, bitte, hätte ich bas tun sollen? Ich hatte ja kaum bie Nase in Ihr Haus gesteckt, ba tauchte auch schon Ihr Freund Lenzsch auf."
Monikas Gesicht, noch eben von einem erleichterten Lächeln überzogen, weil Marga die wirkliche Ursache von Monikas Abneigung offenbar doch übersehen hat, Monikas Gesicht verzieht sich jetzt wieder zu einer sehr hochmütigen Miene. Sie tut, als beschäftige sie irgend etwas auf der draußen vorübersausenden Straße und nimmt sich unendlich lange Zeit, ehe sie antwortet. „Lenzsch ist nicht mein Freund", sagt sie dann. Und es klingt sehr ablehnend und gelassen. Aber Marga scheint diese Ablehnung nicht herausgehört zu haben. „Der arme Lenzsch. So ein Pechvogel, sich gleich den Fuß zu brechen. Wer weiß, wie lange er sich auf dies Wochenende bei Ihnen gefreut-hat! -2Iber so war es schon in der Tanzstunde mit ihm: Wenn er mal im Uebermut auf einen Stuhl stieg, um jemandem zuzuprosten, brach er bestimmt durch. Und wenn er galant durch den Saal eilen wollte, um der Dame seines Herzens als erster die Hand zu küssen, fiel er bestimmt ber Länge nach hin, weil gerade frisch gebohnert war. Hach, nie werde ich vergessen, wie Walter bei einem Hausball meiner Mutter ein Riesenbukett Rosen mitbrachte. Als er sie auspackte — Sie können sich ja vorstellen, mit welcher Umständlichkeit und altväterlichen Wichtigkeit er das tat — da war sämtlichen Rosen der Hals gebrochen. Wahrscheinlich war er mit dem großen Strauß in ber Straßenbahn irgenbwie ungeschickt umgegangen. Gott, haben wir bamals gelacht! Ader er ist trotzdem ein lieber Kerl."
„Sie werden recht betrübt sein, daß Sie nun nur noch mit uns vorliebnehmen müssen." Das klingt sehr kühl und höflich und keineswegs wie eine Frage.
Marga ist grenzenlos verblüfft. Unwillkürlich verlangsamt sie bie Fahrt und schaut ihre Begleiterin forschend von der Seite an. „Ich? Soll das jetzt eine Pflaume sein, ober...? Erlauben Sie mal! Ich bin boch so froh über jede Stunde in Ihrem Haus, ganz gleich, ob Lenzsch ba ist ober nicht. Gewiß, es war nett baß ich ihn so unerwartet wiederiraf, aber auch wenn ich ihn nicht getroffen hätte, wäre ich mit ber gleichen Begeisterung bei Ihnen aus- unb eingegangen. Ober bachten Sie vielleicht, ich märe, ich hätte...?"
Sie verstummt und beschleunigt wieder die Fahrt, dabei unaufhörlich den Kopf schüttelnd.
„Ja", sagt Monika -laut und entschlossen, „ich dachte! Uebrigens dachten das alle."
Jetzt reißt Marga aber wirklich bie Augen auf. '„So? Das bachten alle? Nein-, so was! Und jch hab's gar nicht gemerkt. Meines Wissens habe ich mich auch absolut nicht so» benommen. Oder finden Sie, daß ich mich ganz besonders um Lenzsch bemüht habe? Das kann man doch wohl nicht behaupten!"
Das kann man sehr wohl behaupten, liebes Kind, denkt Monika mit zusammengepreßten Lippen. Daß bu nun obenbrein noch so ein albernes Theater spielst, wo bu ihn schon morgen besuchen willst und nicht abwarten kannst,- bis du ihn wiedersiehst, das ist mehr als albern. Aber meinetwegen. Mich inter- -efsiert's ja nicht mehr.
Laut sagt sie: „Ich habe wirklich nicht so achtgegeben, ob Sie sich viel ober wenig um Lenzsch gekümmert haben. Aber Tante Martha natürlich! Auch Papa, glaube ich. Das ist ja egal, nicht wahr? Was gehen Sie benn anbere Leute an! Unb um mal von etwas anderem zu reden: Ich weiß noch nicht genau, ob es mir morgen paßt mit dem Hinausfahren ins Sanatorium. Morgen haben wir zu Hause Wäsche. Doch das macht ja nichts, bann fahren Sie eben allein. Denn Sie müssen natürlich auf alle Fälle zu Lenzsch. Er wäre sonst untröstlich."
Jetzt lacht Marga aber doch laut heraus. „So? Wäre er untröstlich! Gott, wie genau Ihr das alle wißt! Wenn ich mal fragen darf: Warum können wir nicht, meim es Ihnen morgen wirklich nicht paffen sollte, übermorgen hinfahren? Schließlich, allzulange werden Sie doch Ihren Besuch auch nicht hinausschieben können."
Jetzt wird Monikas Stimme zum ersten Male


