Ausgabe 
25.5.1938
 
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lebhaft und ganz frei von jeder inneren Hemmung. Ja, Marga kommt es plötzlich vor, als schwinge irgendeine geheime Erregung mit oder etwas wie Trotz und Erbitterung.

Pah, was heißt da können?" sagt Monika laut und sehr schnell.Ich wüßte nicht, warum ich verpflichtet wäre, Lenzsch so bald einen Besuch ab zustatten! Im Gegenteil, es gibt mehr als genug Gründe, es nicht zu tun. Denn sowieso redet ganz Cigelstein schon über ihn und mich, und Lenzsch selber hat manchmal Bemerkungen gemacht, die ein Sanz falsches Licht auf unsere Beziehungen ge- roorfen haben, und ... und ... außerdem ist er in der letzten Zeit nicht sehr nett zu mir gewesen. Wissen Sie, schließlich ist er doch ein Freund un­seres Hauses, und Papa hat ihm schon oft mit guten Ratschlägen unter die Arme gegriffen, und überhaupt hat er viel an Papa gehabt da hätte er doch eigentlich die Verpflichtung, ein bißchen nett und rücksichtsvoll gegen mich als Papas Tochter, nicht wahr? zu sein. Aber das fällt ihm im Traume nicht ein, im Gegenteil. Und kurz und gut, es tut mir zwar leid, daß er sich aus­gerechnet bei uns den Fuß brechen mußte, aber ihn besuchen nein, das kommt vorläufig nicht in Frage. Wepn ich morgen mitgekommen wäre oder mitkomme, so ist es wirklich auch nur Gegen des Röntgenbildes, und zu Lenzsch hinein wäre ich wahrscheinlich gar nicht gegangen!"

Rur zu Kahl?" fragt Marga trocken dazwischen.

Monika zuckt ein wenig zusammen.Ja", sagt sie dann trotzig,nur zu Kahl. Denn Kahl wird das Röntgenbild für mich bereitlegen, hat er gesagt."

Eine Weile fahren sie nun schweigend dahin. Draußen flitzen, dunklen Wänden gleich, die dicht beieinanderstehenden Bäume vorbei, die Straße. leuchtet weiß im Scheinwerferlicht, und manchmal taumeln kleine Insekten gegen die Windschutzscheibe. Der Motor singt.

Auch Marga singt leise vor sich hin.

Monika hört es mit leisem Staunen. Sehr be­trübt über Lenzschs Unglücksfall scheint diese Marga Montwill wirklich nicht zu sein. Sollte es ihr am Ende doch gar nicht so ernst um Walter gewesen fein? Sollte sie vielleicht nur mit ihm gespielt haben? Aber die Umarmung im Garten, die Papa gesehen hat! Und die Einladung nach Berlin. Überhaupt...

Plötzlich lacht Marga laut und schallend heraus.

Warum lachen Sie denn?" fragt Monika ärger­lich.

(Fortsetzung folgt.)

Zaunkönigs Hellem Lied, ryrt in mir selber ange-

Gegen Zahnstein

alle des

Zahnstein droht mit Zahnausfall!

X Lieber Leser, dp meinst, man könne das auch Auf­erstehung heißen. In der Heiligen Schrift ist es zweierlei: zu Maria, die weinend am leeren Grabe steht, spricht der Engel des. Herrn: Den du suchest, der ist auferstanden. Und im Evangelium Johannes redet der Auferstandene zu Maria: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Deutlicher aber spricht der zweite Glaubens­artikel von dem Niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aüfgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, von bannen er kommen wird zu richten die Leben­digen und die Toten.

Und das ist es gerade, lieber gläubiger Leser unserer lebendigen deutschen Zeit, dieses harte Nebeneinander: Hölle hier und Himmel dort! Es " überkommt mich heiß und kalt und deucht mich rein augenblicksgegenwärtig, wenn ich das Wort recht bedenke. Haben wir Deutsche nicht'die Hölle durchschreiten müssen? Kamen nicht Trennung und Blut und Wunden und millionenfältiger Tod über uns? Zerriß Nicht der Wahn, den wir mühselig in uns aufgerichtet hatten, daß alle Menschen nun Brüder geworden wären nach so viel Leid und Schrecken und so viel unerhörten Heldentum und stunrmen Ausharren zerriß er nicht zu jämmer­lichen Fetzen, die höhnisch um uns herflogen und erkannten wir nicht unsere furchtbare Ver­lassenheit, da wir von uns selber und unserer Art gelassen hatten?

Wahrlich, eine Hölle mußten wir durchschreiten, um uns zu uns selber zurückzufinden, wir deutsches Volk.

Es kam die große Wende. Wir leben noch mitten darin. Es ist das alles so unmittelbar nahe und überlebendig um uns^ und vor uns, daß noch kein Wortbild recht passen will. Das neue Leben weigert sich noch, Wort und Weise zu werden.

Ich habe es jüngst noch erlebt zu Potsdam am Wannsee vor den Jungmannen der HI., vor denen ich las, und danach vor den Arbeitsdienstkameraden im Neuen Palais: es waren wahrhaftig gar nicht die' Worte, um die sich unsere Ergriffenheit bewegte oder sie waren doch mehr nur ein äußerer An-

Oder nimm auf der Wiese draußen die kleinen Marienblümchen Bellis perennis, die Ewig- Schöne: du gehst deinen gewohnten Weg vor­über und siehe! eines Morgens sind tausend Blü­tenaugen aufgegangen i|nb lächeln bich an. Unb bu tarnet nicht anbers: bu mußt wieber lächeln. Du müßtest sonst ein sonberlicher Kauz sein.

Unb bie Eichen stehn im gläsernen Grüngold ihrer ersten zagen Blätter unb bort hängt schon ber zierliche Filigran ihrer Blütenkätzchen schüchtern hernieber. Unb ber Flieder blüht rot unb weiß. . Unb Blüheiü links und Blühen rechts und vor dir und hinter dir. Du magst dich wenden, wohin du willst. Weiß Gott, mich überkommt jedesmal die leibhaftige Scham vor soviel gläubigen Sichöffnen, Sichdarbringen, daß ich die Hänhe falte und einen Augenblick stumm -an mir niederblicke.

Aber bann bricht es auch in mir auf. Unb ich muß mitjubeln mit bem Ruf ber Drossel unb bem Schlag ber Finken unb bes kleinen Zaunkönig Hellem Lieb. Unb bann ist bie-Himmelfahrt in mir selber ange­brochen, unb -es fährt in mein Innerstes hinein wie ein seltsames Wehen unb kehrt alles burdjeinanber, was ba so sicher bewahrt unb schön georbnet neben» einanderlag, unb ich muß mich öffnen wie Blume unb Blatt unb Blüte. Unb ich wehre mich länger nicht ...

Um ben Sinn für bie arteigene Wohn­kultur auf bem Lande zu verbreiten und auch allmählich in die Wirklichkeit umzusetzen, hat es bisher an Versuchen und Bemühungen nicht ge­fehlt. Immer wieder ist dem Bauerntum vor Augen geführt worden, daß es nicht zu dem Wesen seines Standes paßt, Möbel und Gebrauchsgegenstände in solchen Formen zu übernehmen, die sich aus anderen Bedingungen heraus in der Stadt und im Bürgerhaus entwickelt haben.

Gehen wir den Dingen nach, so stellen wir fest, daß vor vielen Jahrhunderten die Form des bäuer­lichen Hauses und die Form des bäuerlichen Lebens vom Dorf in die neu entstehende Stadt übernommen und ausgeftaltet wurde. Der Mann und die Frau vom Land, die heute in einer freien Stunde durch die Altstadt von Frankfurt oder einer anderen Stadt unseres Gaues gehen, können mit innerer Genugtuung feststellen, daß die schönsten und wert­vollsten Häuser der Stadt meist nur vergrößerte und reicher ausgestaltete Formen des bäuerlichen Hauses sind: was dort als geschnitzter Eckbalken oder als Zierde einer Fachwerkfigur üblich war, verwandelte sich unter der Förderung kunstliebender Stadtbewohner und unter den Händen gewandter

dagegen sollen zur Landschaft und zu ber Haltung der Menschen gehören, in deren Heim sie Generationen lang stehen.

Die Bestrebungen, die im Laufe der Zeit ver­einzelt aufgetaucht sind unb in ben wirklichen Ver­hältnissen unb Notwendigkeiten des bäuerlichen Lebens ihren Ausgang haben, sind nun durch eine wichtige Vereinbarung zusammengefaßt worden, die Reichsnährstand und Reichs st and des deutsch en Handwerks getroffen haben. Die beiden Berufe, Bauerntum und Handwerk, die jahrhundertelang in guter Kameradschaft und wirt­schaftlicher Ergänzung gelebt haben, sollen wieder näher zusammengeführt werden, und der Sinn für gediegene Ärbeit, wie ihn das Handwerk kennt, soll wieder gestärkt werden. Es ist klar, daß nur eine enge persönliche Beratung näher zum Ziel boden­ständiger artgenzäßer Wohnkultur hinführen kann; schon heute ist der bäuerliche Geschmack oft unsicher geworden, und auch der Handwerker hat sich auf andere Arbeit verlegen müssen, weil durch die Serienmöbel aus dem Warenhaus die Nachfrage nur noch in diese Richtung zielte. Die Vereinbarung, die jetzt getroffen wurde, sieht die Errichtung von Beratungsstellen bei den Kreisbauernschaften und Kreishandwerkerschaften vor, so daß also zwei Stel­len, die etwa die gleiche Reichweite haben, gemein­sam an die neue Aufgabe Herangehen. Wichtig ist, daß das Landvolk selbst, und vor allem die Frauen, sich mit diesen Fragen^einmal vertraut machen. Wo an die A u s st e ue r der Tochter zu denken ist, sollte man von der falschen Eitelkeit abkommen; dem Mädchenganz moderne Möbel" mitzugeben; denn meistens passen diese nicht in die Bedürfnisse des Landhaushaltes und sind auch ge- mütsmgßig nicht gerade ein Vorteil, weil sie durch ihr bloßes Dastehen das innere Bewußtsein von der geschlossenen Lebensform des Landvolks stören. Die Kostenfrage, die vielleicht im einen ober an­deren Fall als Hemmnis erscheint, kann auch gelöst werden, und es wäre vielleicht kein Rückschritt, son­dern- eine gesunde und bodenständige Sitte, wenn man die Handwerkerrechnung teilweise auf den Tausch gegen Erzeugnisse der eigenen Landwirt­schaft umlegen würde. Die Frage der echten boden­ständigen Wohnkultur- ist heute zum Gegenstand des Interesses zweier großer Berufsgruppen gewor­den, und wenn sie vom Landvolk ausgenommen wird, kann sie wohl etwas von dem heraufführen, was an der alten Zeit gut war.

Himmelfahrt.

Dl>n Hermann Claudius.

Lieber deutscher Leser: was ist der Mai anders als eine einzige fröhliche Himmelfahrt alles besten, was rundum auf der ewigen Erde nach des Win­ters bewahrender Not seine keimenden Kräfte wie­der spürt und der neuen alten Sonne entgegen; gedrängt und tausendfältig in' Blatt und Blüte und lebendiger Form sich gestaltet.

Nimm, was du willst: bie Geranie ber einsamen alten Mutter auf ber schmalen Fensterbank ber Hinterhofwohnung. Aus ber Dürftigkeit bes töner­nen Blumentopfes treibt sie lichtgrüne, fammetene Blattfächer unb o Freube ber Alten schon runbet sich im Blattwinkel beutlich eine Knospe, bie in wenigen Tagen eine Dolde feuerroter Blü­tenräder entrollen wird.

die e n,

neuen Morgens nicht wert!

Aus aller Welt.

Familienverband Wiltich(g).

Tube

Wohnkultur auf dem Lande

Möbel, die zum Bauern paffen.

Don Or. Paul Tleumair.

Vater.von neun Kindern ertrunken.

Der bei Ausbesserungsarbeiten an der Swine­münder Seebrücke beschäftigte Zimmermann Her­mann Witt stürzte aus beträchtlicher Höhe ab, stieß mit bem Kopf gegen einen Pfahl unb fiel be­wußtlos in bie See. Trotz sofortiger Rettungsmaß­nahmen seiner Arbeitskameraden konnte ber Ver­unglückte nicht.mehr gerettet werben. Die Leiche würbe nach einigen Stunben an ben Straub gespült. Witt hinterläßt seine Frau unb neun Kin- ber. NS.-Volkswohlsahrt hat sich der schwer be­troffenen Familie angenommen.

Der Vulkan Stromboli in Tätigkeit.

Der sizilianische Vulkan Stromboli ist plötz­lich in heftige Tätigkeit getreten mit starken Explo­sionen, Aschenregen und Lavaergüssen, die vom Krater, vorläufig ohne irgendwelchem Schaben an­zurichten, über die Halde Sciara del Fuogo zum

Meister zu großflächigen Holzschnitzereien und kunst­vollen Formen. Nicht anders war es mit den Möbeln und iiem> Hausrat, unb die Gediegenheit, die in allem.Bäuerlichen steckt, war damit also als wertvolles Erbe vom Dorf in die Stadt ge­wandert. *

So erfreulich diese Erscheinung für bas gesamte Volksleben war, so unerfreulich wurde deren Um­kehrung ins Gegenteil, die vor wenigen Menschen­altern eingesetzt hat: Der Landmann und die Land­frau übernahmen Formen des ausgesprochen stäbtt- schen Hausrats, wie sich dieser unter veränderten Umständen neu entwickelt hatte, in das Dorf und verließen damit zunächst unbewußt den Boden ihrer eigenen Kultur. Der erste Grund für die Bevor­zugung von städtischer Massenware durch die Land­bevölkerung liegt wohl darin, daß die zivilisatorische Entwicklung auf dem Lande im selben Augenblick zum Sttllstand kam, wo sie in' der Stadt in das Kilometertempo verfiel. Da aber ber einsichtige Landwirt auch fühlte, baß er an der neuen Zeit nicht vorbeigeyen kann, wenn diese ihm Hilfsmittel und Arbeitserleichterungen bringt, griff er zu man­chem Gebrauchsgegenstand, den es eben nur in der Stadt gab und der anderseits in den heimat­

lichen Küchenschrank nicht gut hineinpaßte. Die weitere Folge blieb nicht aus. Es tarnen städtische Möbel hinzu, nachdem man schon einmal den An­fang gemacht hatte, und alles in dieser modernen Zeit schien ja auch so weltenweit vom bodenständigen Bauerntum entfernt zu sein, baß man an ber alten Kultur bes eigenen Hauses unb Dorfes irre wurde ober ihr Ende befürchtete. Noch heute ist im Land­volk die Meinung verbreitet, jede Bemühung um eine neue Bauernkultur sei gutherzige Träumerei Ünd man könne ihr als moderner unb sachlicher Bauer nicht nähertreten. Diese Meinung ist grundsätzlich falsch. Man darf nicht außer acht lassen, daß der Einsatz eines genossenschaftlichen Schleppers und der elektrische Lichtschalter an der Zitnmerwand nicht die Verpflichtung bringen, nun auch städtische Möbel in sein Haus zu stellendem Schlepper und ein Lichtschalter (um bei diesem Ver­gleich zu bleiben) sind Gegenstände der AA^s- erleichterung und der verbesserten Wirtschaft, Model

laß, gleichsam ein umschriebener Händedruck son­dern es war die Gläubigkeit der Herzen und bie Einheit bes Willens und die Ahnung von der Größe des Geschehens in uns allen.

Der Himmelfahrtstag ist ein Tag im christlichen Kalender wohl. Die Tage im Jahr des Volkes sind länger und wissen um keinen Kalender. Aber es ist ein sicheres und tapferes Wort: Himmelfahrts­tag! Und das Morgenrot der pfingsttichen Er­füllung harrt hinter ihm.

Laßt uns den guten Mut dazu haben miteinander! Denn wer den Mut nicht hat, ist

Eines der ältesten deutschen Geschlechter, Familien Wittich oder Wittig, die in Hess Thüringen und Franken, aber auch in Sachsen und Schlesien seit Jahrhunderten bodenständig sind, veranstaltet in den diesjährigen Pfingsttagen seinen Familientag in Kassel. Die vorjährige Tagung hat in Weimar bei einer Beteiligung von über 100 Vertretern der beteiligten Familien statt­gefunden. Die Wittichs waren ursprünglich fast nur Bauern ober Handwerker, im Laufe der Geschichte gingen aus ihnen aber auch zahlreiche Vertreter des geistigen Lebens hervor, Theologen, Wissen­schaftler und Aerzte. Der Vorsitzende des Familien­verbandes, Ministerialdirektor i. R. Wilhelm Wittich, Wannsee, Am Birkenhügel 10, beschäf­tigt sich schon über zehn Jahre mit der Erforschung der Geschichte des weitverzweigten Geschlechtes. Schon im Jahre 1930 gründete er ben Familien- verband, der alljährlich in den Pfingsttagen Zu­sammentritt, um über gemeinsame Angelegenheiten zu beraten und Berichte über ben Stand ber For­schung entgegenzunehmen.

Meer abfließen. Bisher sind keine Opfer zu bekla­gen, auch die Ansiedlungen sind noch nicht gefähr­det. Das Dulkaninstitut ber Universität Messina teilt mit, der Ausbruch habe am Sonntagabend um 5.45 Uhr begonnen.

Geistesgestörter bringt 28 Menschen um.

Ein geistesgestörter Bauer in der japanischen Pro­vinz Okajarna schoß mit einem Jagdgewehr auf alle in seinem Umkreis befindlichen Menschen und tötete 28 Dorfbewohner. Darauf flüchtete er und entkam in die nahegelegenen Berge. Als die ihn verfolgende Polizei ihn dort umstellt hatte, tötete er sich selbst. Sechslinge in Indien. Fünf blieben am Leben.

Die Frau eines burmesfichen Bauern aus der Gegend von Sagaing hat Sechslingen, drei Jungen und drei Mädchen, das Leben geschenkt. Eines der Mädchen ist gestorben, 'den anderen fünf Kindern soll es gut gehen.

Millionenwerte erschlichen und nicht versteuert.

Eine Strafkammer bes Landgerichts Berlin ver­urteilte den Oberbaurat a. D. und früheren General? direktor der Deutschen Continental Gas - Gesellschaft in Dessau, Bruno Heck, wegen, fortgesetzter Ver­mögens- unb Einkommensteuerhinterziehung, ferner wegen fortgesetzter hanbelsrechtlicher Untreue, De­visenoergehens, aktiver Bestechung, versuchten Be­truges u. a. zu einer Gesamtstrafe von 6 Jahren unb sechs Monaten Zuchthaus, 10 Jahren Ehrver­lust und Geldstrafen von insgesamt mehr als 8,7 Millionen Reichsmark. Walter Heck wurde wegen Beihilfe zu ben Steuerhinterziehungen und ber handelsrechtlichen Untreue feines Bruders zu ins­gesamt zwei Jahren sechs Mongten Gefängnis unb Gelbstrafen von mehr als 600000 Reichsmark verurteilt. Der Mitangeklagte Georg Müller aus Dessau erhielt wegen schwerer Bestechung unb Steuervergehen insgesamt ein Jahr neun Monate Gefängnis. Außerdem würben 80 000 Reichs­mark bem Staat für verfallen erklärt. Der Bankier Hans Böning aus Babelsberg würbe freigespro­chen. Bruno Heck, ber bereits burch seine frühere Stellung als Konzernleiter über sehr erhebliche Ein­künfte verfügte, hat sich burch fortgesetzte Untreue- hanblungen in den Besitz von Millionenwerten ge­setzt und diese Summe weder zur Vermögens- noch zur Einkommensteuer ordnungsgemäß angemeldet.

Erdbeben in Tokio.

Ein schweres Erdbeben erschütterte die japa­nische Hauptstadt und ihre unmittelbare Umgebung, hat jedoch nach den bisher vorliegenden Meldungen keinen großen Schaden angerichtet. Der Herd des Bebens befand sich bei Utsunomiya in. der Provinz Fukushima, etwa 100 Kilometer nördlich von Tokio. Die telephonischen Verbindungen mit 30 Provinz­städten sind zerstört.

Dagegen hilft

SOL ID 0X^1

Fäden hin und her.

Vornan von Hedda Westen^erger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

31 Fortsetzung (Nachdruck verbaten!)

20. Eine diplomatische Unterhaltung zwischen zwei jungen Damen.

Komischerweise", sagt Marga Montwill auf der Heimfahrt zu Monika,komischerweise fahre ich furchtbar gern abends durch den Wald. Ich finde es so aufregend, wenn der Scheinwerfer immer nur einen Fetzen Straße und einen Streifen Wald aus der Dunkelheit herausreißt. Am spannendsten ist es, esenn man auf unbekannter Straße an eine große Kurve kommt. Dann sieht es für Augenblicke immef aus, als höre die Straße auf und eine Mauer schiebe sich yor. Bis bann bas Licht bie Kurve beleuchtet unb bas Trugbilb zerreißt. Haben Sie bas noch nie beobachtet?"

Monika nickt. Doch, sogar beim Radfahren ist es manchmal so. Und wenn Fräulein Montwill übri­gens gern noch ein paar schöne Waldwege entlang­fahren will, dann, bitte, jetzt links herum.

Marga wirft Monika einen kurzen. Blick zu. Warum sagen Sie eigentlich immer so offiziell Fräulein Montwill au mir? Wir haben uns zwar bisher noch nicht sehr viel miteinander abgegeben, unb ich bin mir auch burchaus bewußt, baß ich bei Ihnen gehörig in Ungnade stehe, aber schließ­lich leben wir nun schon zwei Tage unter einem Dach miteinander..."

Monika setzt sich unwillkürlich etwas gerader. Sie schaut geradeaus, und ihre Lippen schürzen sich ein wenig.Sie stehen nicht in Ungnade bei mir. Ich ' wüßte auch nicht, weshalb."

Marga lächelt belustigt.So? Na, bann weiß ich es um so besser! Oder halten Sie mich für so dumm, daß ich nicht fpüre, was um mich herum vorgeht? Sehen Sie, jetzt werden Sie rot. Warum leugnen Sie also?" - /

Monika zerknittert, wütend über sich selbst und beschämt, weil man sie anscheinend so leicht durch- schaut bat, ihr Taschentuch zwischen ihren Händen.

Ich leugne also nicht mehr", murmelt sie ver­legen.Aber ist es notig, daß wir noch lange über ben ganzen Kram reben? Es ist ja jetzt vorbei, unb..."

... unb ich habe Lenzsch für meine Person längst aufgegeben, will sie sagen. Aber Marga legt ihr flüchtig bie Hanb auf ben Arm unb beugt sich babei ein wenig vor, um ihr .besser ins Gesicht sehen zu können.Nein", sagt sie nachbrücklich,es ist gar nichts vorbei. Aber es gibt ba auch gar nicht viel zu reben. Sie haben von unserem ersten Zusammenstoß auf ber Straße, her noch eine Mordswut gegen mich, unb ich habe versäumt, Ihnen bei unserer zweiten Begegnung in Ihrem Hause ein paar nette und versöhnliche Worte zu sagen. Hätte ich das getan, so wären wir wahr­scheinlich von Anfang an na, wenn auch nicht gerade rasend gute Freunde, so doch ganz gute Ge­fährten gewesen. Stimmt's? Sehen Sie, jetzt lachen Sie schon, und das ist immer der beste Weg zur Versöhnung. Es beweist, daß der Fehler der ganzen Geschichte wirklich nur bei mir gelegen hat. Ich war die Aeltere und hätte ein paar nette Worte finden sollen, als wir uns wiedersahen. Aber wann das muß ich nun schon zu meiner Entschuldigung anbringen wann, bitte, hätte ich bas tun sollen? Ich hatte ja kaum bie Nase in Ihr Haus gesteckt, ba tauchte auch schon Ihr Freund Lenzsch auf."

Monikas Gesicht, noch eben von einem erleich­terten Lächeln überzogen, weil Marga die wirkliche Ursache von Monikas Abneigung offenbar doch übersehen hat, Monikas Gesicht verzieht sich jetzt wieder zu einer sehr hochmütigen Miene. Sie tut, als beschäftige sie irgend etwas auf der draußen vorübersausenden Straße und nimmt sich unendlich lange Zeit, ehe sie antwortet.Lenzsch ist nicht mein Freund", sagt sie dann. Und es klingt sehr ablehnend und gelassen. Aber Marga scheint diese Ablehnung nicht herausgehört zu haben.Der arme Lenzsch. So ein Pechvogel, sich gleich den Fuß zu brechen. Wer weiß, wie lange er sich auf dies Wochenende bei Ihnen gefreut-hat! -2Iber so war es schon in der Tanzstunde mit ihm: Wenn er mal im Uebermut auf einen Stuhl stieg, um jemandem zuzuprosten, brach er bestimmt durch. Und wenn er galant durch den Saal eilen wollte, um der Dame seines Herzens als erster die Hand zu küssen, fiel er bestimmt ber Länge nach hin, weil gerade frisch gebohnert war. Hach, nie werde ich vergessen, wie Walter bei einem Hausball meiner Mutter ein Riesenbukett Rosen mitbrachte. Als er sie aus­packte Sie können sich ja vorstellen, mit welcher Umständlichkeit und altväterlichen Wichtigkeit er das tat da war sämtlichen Rosen der Hals gebrochen. Wahrscheinlich war er mit dem großen Strauß in ber Straßenbahn irgenbwie ungeschickt umgegangen. Gott, haben wir bamals gelacht! Ader er ist trotz­dem ein lieber Kerl."

Sie werden recht betrübt sein, daß Sie nun nur noch mit uns vorliebnehmen müssen." Das klingt sehr kühl und höflich und keineswegs wie eine Frage.

Marga ist grenzenlos verblüfft. Unwillkürlich ver­langsamt sie bie Fahrt und schaut ihre Begleiterin forschend von der Seite an.Ich? Soll das jetzt eine Pflaume sein, ober...? Erlauben Sie mal! Ich bin boch so froh über jede Stunde in Ihrem Haus, ganz gleich, ob Lenzsch ba ist ober nicht. Gewiß, es war nett baß ich ihn so unerwartet wiederiraf, aber auch wenn ich ihn nicht getroffen hätte, wäre ich mit ber gleichen Begeisterung bei Ihnen aus- unb eingegangen. Ober bachten Sie vielleicht, ich märe, ich hätte...?"

Sie verstummt und beschleunigt wieder die Fahrt, dabei unaufhörlich den Kopf schüttelnd.

Ja", sagt Monika -laut und entschlossen,ich dachte! Uebrigens dachten das alle."

Jetzt reißt Marga aber wirklich bie Augen auf. 'So? Das bachten alle? Nein-, so was! Und jch hab's gar nicht gemerkt. Meines Wissens habe ich mich auch absolut nicht so» benommen. Oder finden Sie, daß ich mich ganz besonders um Lenzsch be­müht habe? Das kann man doch wohl nicht be­haupten!"

Das kann man sehr wohl behaupten, liebes Kind, denkt Monika mit zusammengepreßten Lippen. Daß bu nun obenbrein noch so ein albernes Theater spielst, wo bu ihn schon morgen besuchen willst und nicht abwarten kannst,- bis du ihn wiedersiehst, das ist mehr als albern. Aber meinetwegen. Mich inter- -efsiert's ja nicht mehr.

Laut sagt sie:Ich habe wirklich nicht so acht­gegeben, ob Sie sich viel ober wenig um Lenzsch gekümmert haben. Aber Tante Martha natürlich! Auch Papa, glaube ich. Das ist ja egal, nicht wahr? Was gehen Sie benn anbere Leute an! Unb um mal von etwas anderem zu reden: Ich weiß noch nicht genau, ob es mir morgen paßt mit dem Hin­ausfahren ins Sanatorium. Morgen haben wir zu Hause Wäsche. Doch das macht ja nichts, bann fahren Sie eben allein. Denn Sie müssen natürlich auf alle Fälle zu Lenzsch. Er wäre sonst untröstlich."

Jetzt lacht Marga aber doch laut heraus.So? Wäre er untröstlich! Gott, wie genau Ihr das alle wißt! Wenn ich mal fragen darf: Warum können wir nicht, meim es Ihnen morgen wirklich nicht paffen sollte, übermorgen hinfahren? Schließlich, allzulange werden Sie doch Ihren Besuch auch nicht hinausschieben können."

Jetzt wird Monikas Stimme zum ersten Male