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m. 121 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 25-/26. Mai 1938

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Aus dem Reiche der Krau.

Sie Frau im Deutschen Handwerk

Dom 28. Mai bis 10. Juls findet in Berlin eine Internationale Handwerks - Ausstel- 1 u n g statt, wobei sich zum ersten Male auf einem Kongreß die Handwerkerfrauen treffen und sich über die Fragen ihrer Stellung zu den Berufs­angelegenheiten besprechen werden. Neben ihnen, deren Bedeutung für den Handwerksbetrieb des Mannes niemand unterschätzen wird, sind an der Ausstellung aber auch die Frauen des Handwerks, und zwar leistungsmäßig, auf der Ausstellung ver­treten, also die weiblichen Handwerks­gesellen und die Meisterinnen der ver­schiedenen Handwerkszweige, in denen sie tätig sind. Praktisch gesehen, gibt es heute kaum noch ein Hand­werk, das Frauen nicht erlernen und ausüben könnten, wenn sie auch in verschiedenen Handwerks­berufen durchaus Einzelerscheinungen bleiben. So hat z. B. im April 1937 ein weiblicher Schlächter­geselle das Meisterexamen bestanden. nicht von Sensationslust getrieben, sondern um das alte Fa­miliengeschäft einmal selbst fortführen zu können, da keine Brüder da waren. Aus einer Lehrlings­statistik des Reichsstandes des Deutschen Handwerks vom Dezember 1936 ist die Beteiligung der Frau an den einzelnen Handwerkes abzulesen; sie gibt auch Aufschluß über ihre Teilnahme an von Frauen int allgemeinen nicht ausgeübten Handwerksberufen. Das Motiv der Uebernahme eines väterlichen Be­triebes durch die Tochter ist treibend gewesen bei der Anmeldung von fünf weiblichen Bäcker-, drei Müller-, eines Konditor- und vier Fleischerlehr­lingen.

Den stärksten Frauenanteil hat selbstverständlich das Bekleidungsgewerbe. Mit 57780 Lehr­lingen überstieg er hier den Anteil der männlichen Berufsanwärter (54 576). Als Besonderheit wurde angeführt, daß sich acht weibliche Herrenschneider­lehrlinge feststellen ließen. Wäscheschneidern, Putz­macherei, ja selbst Kürschnerei darf man zu den traditionellen Frauenhandwerken rechnen; wenn auch hier ein ost nicht unerheblicher männlicher Anteil vorliegt, so überwiegen doch immer die weib­lichen Berufsvertreter. Ebenso ist es im R e i n i - gungsgewerbe und in den Handwerken der Körperpflege. Seltsamerweise konnte die Sta­tistik nicht einen einzigen Lehrling im Handschuh­machergewerbe feststellen, während es acht an­gehende Schuhmacherinnen gab. In der Wäscherei und Plätterei ist das weibliche Uebergewicht sehr stark: 1703 weibliche und 162 männliche Lehrlinge wurden hier gezählt.

In der Gruppe der metallverarbeitenden Gewerbe ist die Zahl der Frauen sehr klein. So weist die erwähnte Statistik unter den Gold- und Sil­berschmiedelehrlingen nur 47 Frauen nach, unter den Uhrmachern nur 23, unter den Optikern 35, unter den Bandagisten- und Ortho­pädiemechanikern nur 24. Daß ein einziges Mäd­chen das Graveurhandwerk erlernte, zu dem auch Kupfer- 'und Notenstechen gehören, ist erstaunlich. Als Ausnahmen sind dagegen die zwei Elektro - Installateurinnen anzusehen, die gezählt wurden.

In den an das K un st h a n d w e r k grenzenden Berufen, wie Keramik, Malerei, Dekoration, Glase­rei u. ä., war der weibliche Anteil ebenfalls sehr gering. So wurden unter den Malern nur 9 weib­liche Lehrlinge gezählt, bei den Töpfern 21, bei den Tapezierern und Dekorateuren nur einer. Aehnlich lag es bei den holzverarbeitenden Handwerks­zweigen, die bei gründlichem handwerklichen Können ja ebenfalls einen Ausbau in das Kunsthandwerk ermöglichen und vor allem in der Heimgestaltung angewandt werden können eine Aufgabe, die gerade Frauen ansprechen sollte. Aber das Tischler- handwtzrk lockte nur vier, die Drechslerei nur drei Mädchen; die Holzbildhauerei ebenfalls drei.

Aufs Ganze gesehen beträgt der Anteil der weib­lichen Handwerker etwa ein Zehntel der Gesamt­summe. Es zählte die Statistik unter 589 348 männ­lichen 58 545 weibliche Handwerkslehrlinge. D. S.

Wrtschaflsplan her Hausfrau.

Früher wurde die Führung des Haushaltes nicht als eine besondere Kunst angesehen, weil sich alle Frauen darin von Jugend auf übten. Heute, wo das Mädchen bis zur Verheiratung, ja vielfach weit über diese hinaus, dem Erwerb nachgehen muß und nicht ohne weiteres Zeit findet, sich die zur Führung eines Haushaltes notwendigen Kenntnisse anzueignen, wo vielfach auch noch der Mann in seiner Freizeit zur Verrichtung häuslicher Pflichten herangezogen wird, wird der Tätigkeit der Hausfrau wieder mehr Achtung gezollt und als ein besonders erlerntes Können angesprochen. Um den Anforderungen des Tages zu genügen, ist im Leben der jungverheirateten Frau die Auf­stellung eines 'Wirtschaftsplanes eine große Notwendigkeit, ganz gleich, ob sie die täg­lichen Pflichten selbst oder mit einer Stundenhilfe oder mit ausreichend Personal im Klein- ober Großhaushalt zu verrichten hat. Der Tagesplan gibt ihr eine Kontrolle darüber, o£ sie Zeit und Arbekt richtig verteilt. Ein Wirtschaftsplan kann hierbei nie für alle Haushaltungen gelten; denn die Lebensverhältnisse der einzelnen Familien unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Man kann daher nur versuchen, ein möglichst vielen Gesichtspunkten Rechnung tragendes Schema auf­zuzeichnen, das im Einzelfall jede Frau ihren Der- hältnifsem anpassen muß.

Oft hört man die Freundin einer verheirateten Frau sagensEs ist bei ihr^ niemals etwas zur Zeit fertig, sie hat keine rechte Einteilung". Diese Systemlosigkeit" hat schon manchen Familienzank heraufbeschworen und manche Ehe zerstört. Wir wissen alle, daß die richtig eingeteilte Ar­beit doppelt so schnell getan ist, wie die wahllos ausgeführte. Es ist wichtig, daß in diesem Plan alle Arbeiten, auch die, die auf die anderen Haus- fiaitsfräfte verteilt werden, genauestens angeführt werden. Ein guter Tagesplan muß so eingerichtet sein, daß auch'die Hausfrau zu einem a d) t ft ü n = bi gen Schlaf kommt unb möglichst auch eine kurze Mittagsruhe von einer halben bis einer Stunbe hat, um bie reichlich in Anspruch genom­menen Nerven auszuruhen. Zur Erhaltung einer glücklichen Ehe unb eines harmonischen Familien­lebens gehört es nicht zuletzt, baß bie Hausfrau unb Mutter auch eine Stunbe für ihre per s ö n - ti d) e n Liebhabereien unb Interessen übrig behält, damit sie nicht alsArbeitstier" allmählich

gegen das Leben abstumpft. Ist der Arbeitsplan gut durchdacht, und versteht die Hausfrau, kleine Pflichten man denke an tägliches Tischdecken, Geschirrabtrocknen usw. an die Heranwachsenden Kinder geschickt zu verteilen, ohne sie körperlich zu überanstrengen, so kann sie sich ihr Tagewerk er­leichtern und ist ihren Heranwachsenden Kindern eine bessere Mutter als die allzu weichherzige.

Alle häuslichen Arbeiten sollte bie Haus­frau, wenn irgenb angängig, am Vormittag ver­richten. Der Nachmittag gehört der heranwachsen- ben Jugenb, bie sie bei ben Schulaufgaben beauf­sichtigt, sich selbst nebenher mit Nähen ober Flicken beschäftigend. Die vielen Zeit unb Kraft sparenben Haushaltsgeräte, bie heutzutage jeber Hausfrau zur Verfügung stehen, wie: Staubsauger, Mop, elek­trische Bohnermaschine, Waschmaschine, Wäsche- schleuder, Schnell- unb Turmkochtopf, Küchenmaschi­nen, nichtrostende Bestecke, elektrische Nähmaschine u. a. m. bieten manche Erleichterung. Selbstver- stänblich ist es von einer Hausfrau, bie ihren Haushalt mit Mann unb Kindern völlig selbständig besorgen muß, nicht zu erwarten, daß sie jeben Mo­nat jedes Zimmer einer gründlichen Säuberung unterzieht; Denn bie Kleinen vom Säuglings- bis zum schulpflichtigen Alter bebürfen ftänbiger Beauf­sichtigung unb Pflege.

Eine wichtige Aufgabe ber Stadthausfrau ist der Einkauf ber Lebensrnittel Ist sie ihrem Kaufmann eine treue unb regelmäßig zahlenbe Kun- bin, so genügt eine Bestellung ber Waren am Mor­gen mündlich ober telephonisch, unb sie werden ihr sicherlich noch im Laufe bes Tages je nach Wunsch ins Haus geschickt. Iebe Hausfrau sollte sich be­mühen, ihren Einkauf auf ben Vormittag zu legen, nach Möglichkeit nicht auf ben Samstag; ber Nach­mittag unb Abenb gehören bem Einkauf ber b e - r u f s t ä t i g e n Hausfrau, ber vielfach ein frühe­rer Einkauf nicht möglich ist.

Wesentlich mehr Arbeit bieten bas Eigenheim unb ber länbliche Haushalt, wo außer der Hausarbeit auch noch ein Garten unb vielfach auch ein Viehstall auf bie fleißigen Hänbe ber Hausfrau warten. Hier ist eine Ärbeitsplanung befonbers wichtig. Gerabe für bie ßanbfrau bietet ber Besitz zeit- unb kraftsparenber Geräte und Maschinen in Zeiten größten Arbeitseinsatzes, sei es zur Frühjahrsbestellung, Einmachezeit, zur Ernte, wenn alle Hände gebraucht werden, oder zur Schlachte­zeit, eine große Erleichterung. Die segenbrin­gende Einrichtung der Erntekindergärten, die viel- fgch schon das ganze Jahr über von ber ©emeinbe offengehalten werben, wirb baher hier befonbers bankbar empfunben. K. M.

äs sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Kinderkleider aus Voile, Batist und Kattun zeigt heute unsere Modeskizze.

Das weiße, mit bunten Blümchen bestickte unb vielfach eingelesene Voile kleib links hat ebenfalls eingelesene Täschchen, kurze Puffärmel unb einen mittelgroßen, runben Ausschnitt. In ber Taille, um ben Ausschnitt unb um bie Aermel wirb ein schmales, grünes Ripsbanb durch ben Stoff gezogen unb zu kleinen Schleifen gebunben.

Das weiß unb rosa (quer-) gestreifte Batist- kl e i b ch e n in ber Mitte ist in der Taille unb an ber Passe gesmokt. Es wirb auf beiben Schultern burch Perlmuttknöpfe geschloffen.

Aus blau-weiß tariertem Kattun ist das Falten­kleidchen rechts, besten angeschnittene ©ürtelenben seitlich zu Schleifen gebunben werben. Die Taschen finb im Muster aufgesetzt, ber kleine Kragen ist aus weißem Pikee. Das Kleib wirb im Rücken burch brei Perlmuttknöpfe geschloffen. H.

Nähtisch - immer aufgeräumt

Ich hatte doch noch Wäscheknöpfe, bas weiß ich ganz genau..."Was, bas soll alles Gummi­band sein?"Ja, wo sind denn bloß bie Näh­nadeln geblieben? Man sollte meinen, sie werden vernascht, so verschwinden sie..." Und bie Haus­frau steht vor bem viel zu unübersichtlichen, viel zu engen Nähtischchen, schlägt bie Hänbe über dem Kopf zusammen unb versenkt sie bann wühlenb in bie tausenb Kleinigkeiten, so baß bas Durch­einander nun vollkommen und eine behagliche Arbeit einfach unmöglich wird.

Ja, wenn alles andere wichtiger ist, als ein guter, praktischer Nähtisch, bann ist dieser Zustanb kein Wunber. Da wirb ber fahrbare Teetisch gekauft, ba muß noch ein Sessel angeschafft werben, für ben Rauchtisch ist Gelb ba unb natürlich auch für eine neue Flurgarberobe. Aber einen wirklich praktischen Nähtisch anzuschaffen, ber bod) für bie Arbeit ber Frau genau bie gleiche Wichtigkeit hat, wie ber Schreibtisch für ben Mann, baran wirb gewöhnlich zu allerletzt gebacht. Ja, es gibt Frauen, in ge­pflegten Haushalten, bie sich für ihre Näherei mit einem primitiven Kasten behelfen ober sie in einem hilflosen Beutel aufbewahren.

Unb bod) hat man trotz bes verhältnismäßig ge­ringen Interesses für bieses Möbel ihm inzwischen eine so praktische unb hübsche Form gegeben, baß es eine wahren Freube ist, solch Schmuckstück zu besitzen unb daran zu arbeiten.

Verstänbnisvolle Möbelarchitekten überlegten sich, daß bie Hausfrau, bie vielleicht in ber Küche beim barfenben Kuchen anmefenb sein muß, ihre zu stop­fenden Strümpfe oder irgendeine andere Näherei

bei sich hätte; und so machten sie den Nähtisch vor allem leicht transportabel, setzten seinen Beinen Räder an und streiften diesen Gummireifen über. Alsdann veränderten sie bie Form auf bie ver- schiebenste Weise. Hier entstaub ein Verwanbter bes Teetisches, der mit mehreren Schieblaben versehen würbe. Da schuf ein Einfallsreicher ganz etwas Neues eine Art von trag- unb fahrbarer Treppe, auf ber Nähkästen verschobener Größe stehen unb mieber ein anberer lehnte sich in ber Form an den Schreibtisch an, schuf einen kleinenDiplo­maten" und nützte den Raum geschickt für Näh- und Schreibbedarf der Hausfrau aus.

Wenn wir nun solch ein Möbel, erworben haben ober wenn wir einen im alten Stil besitzen, muß es natürlich unser Ehrgeiz fein, einmal enb- gültig alle Unorbnung zu verbannen, immer zu wissen, wo die Wäscheknöpfe liegen, wo sich bas Gummibanb aufhält, wo sich bie Nähnabeln ver­stecken.

Ein Kästchen mit mehreten Abteilungen wird für Knöpfe eingmdüet die wir nach verschiedenen Ar ten sondern: Stoffknöpfe, Perlmutterknöpfe, Zier­knöpfe usw. Knöpfe gleicher Art reihen wir auf einen Faden. Die Röllchen mit Seidengarn bekommen ebenfalls ein Kästchen für sich, Stecknadeln eine Dose, Nähnadeln ein Buch aus Stoffblättern. Twist zum Strümpfestopfen hält sich gesondert auf; Leinen­band, Gummiband, Seibenbanb kommt in einen Ka­sten für sich, jedes Band wird zusammengerollt und durch eine Nadel so festgesteckt, daß es sich nicht be­freien unb Verwirrung stiften kann. Findet sich im Tisch selbst nicht Platz für bie zu flickenbe Wäsche, für ftopfbebürftige Strümpfe, so kann man biefe in eine große verschließbare Basttasche tun unb seitlich am Tisch aufhängen. Esch.

Die Sparbüchse des Kindes.

bon Maqda Trott

Mit aufrichtiger Freube kann man heute fest- stellen, baß bie meisten Kinber, selbst wenn sie bas schulpflichtige Alter noch nicht erreicht Haben, eine Sparbüchse ihr eigen nennen, in bie sie mit Stolz ihre Zehnpfennigstücke hineinlegen. Es ist gut, baß bie Kleinen schon von früh an ben Pfennig achten lernen unb zur Sparsamkeit erzogen werben.

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Die Eltern tun gut baran ben Sparsinn zu hegen pnb zu pflegen. Es ist nicht nötig, baß gleich größere Summen in bie Sparbüchse getan werben, auch aus Pfennigen wirb schließlich eine nette Summe. Auf biefe Weise finb auch bie ärmsten Eltern in ber Lage, ihre Kinber sparen zu lassen. Es kommt ben Kindern, wenn sie ben Mitschülerinnen von ihrer Sparkasse erzählen, nicht barauf an, ob viel ober wenig gespart würbe, für viele ist bie Haupt­sache, baß sie überhaupt eine Sparkasse haben.

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Diese Sparkasse bes Kinbes soll aber ben Eltern ein unantastbares Heiligtum sein unb bleiben. Unter gar keinen Umftänben bars Vater ober Mutter, wenn er ein kleines Gelbstück braucht, die Spar­kasse öffnen, um rasch eine Münze herauszunehmen. Kommt es trotzbem einmal vok, finbet sich im Augenblick kein anberer Ausweg, ist es bringenbe Pflicht, bas Herausgenommene so rasch als möglich toieber hineinzulegen. Man barf es nicht veraessen, nicht auf bie lange Bank schieben, benn sobald bas Kinb horte, baß ihm an seinem mühsam Ersparten etwas fehlt, würbe vieles in ihm zusammenbrechen. Gewiß, es würbe bie Mutter mahnen, würbe nicht, nachlassen, sich sein Eigentum zurückzuforbern. Aber ein kleiner Stachel bliebe zurück. Noch schlimmer, wenn eine Mutter bem Kinbe bas Entliehene über­haupt nicht mehr zurückgibt. Wieberholt sich bieser Fall mehrmals, verliert bas Kinb bestimmt jede Lust, weiter die Geldstücke zusammenzutragen.

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Ist man durchaus genötigt, einige Münzen ber Sparkasse zu entnehmen, da im Augenblick kein kleines Geld im Hause ist, wende man sich direkt an das Kind, betrachte es als erwachsen unb frage, ob es einige kleine Münzen leihen will. Man muß die Angelegenheit ernsthaft aufziehen unb bem Kinbe den Rückzahlungstermin nennen. Das Kind wird gewiß gern mit dem Ersparten aushelfen, aber es verlangt auch, daß bie. Rückzahlung prompt er­folgt. Noch besser ist es, wenn die Sparbüchse gar nicht angerührt wird und als alleiniges und unein­geschränktes Eigentum des Kindes gilt. Wenn das Kind sieht, daß die Mutter oft an feine Sparkasse geht,, schließt es selbst hin und wieder die Spar­kasse auf, um für sich etwas herauszunehmen. Wenn aber bie Meinung vertreten wirb, baß Gelb, welches burch ben Schlitz fiel, in bem Behälter bleiben muß, werben die meisten sparenden Kinder nicht dazu zu bewegen sein, von biesem Gelbe Unnützes zu kaufen. Unb gerade das soll den Kindern großgezogen wer­den, gerade aus dem Grunde soll die Sparkasse fest verschlossen bleiben, bis einst die Stunde kommt, wo man eine größere Summe herausnehmen kann, um damit auf die Bank zu gehen oder ein Spar­buch anzulegen.

Sei der Mutter schmeckte her Spargel besser!

Das mutz man sich merken.

Ein ganz klein wenig verstimmt geht heute die junge Frau mit ihrem Mann zur Schwiegermutter zum Spargelessen; denn gestern hat sie sich doch wieder etwas ärgern, müssen. Sv viel Mühe gibt sie sich immer rhit dem Kochen, und doch sagt ihr Fritz manchmal noch, daß es ihm bei seiner Mütter besser schmeckt! Und dabei hatte sie doch die Spargel aenau so gemacht, wie sie es in der Schule gelernt hatte: das Wasser erst mit Salz unb Zucker gut abschmecken unb bann die gut geputzten Spargel in den kochenden Sud legen. Nun will sie doch ein­mal sehen, ob es wirklich wahr ist, daß die Spargel bei seiner Mutter besser schmecken. Aber ... merk­würdig, ihr schmecken bie Spargel bei ber Schwie- germutter auch besser! Lächelnb zieht nach Tisch bie gütige Frau bie junge Schwiegertochter zu sich: Aergere bich nicht! Ich weiß, baß nicht jeber Spargel so gut zubereiten kann, wie es mir ge­lingt. Aber ich will bir verraten, baß ich einen kleinen Kniff anroenbe, ben ich bis jetzt noch nie- manbem gesagt habe, weil ich auf meine Kochkunst stolz bin. Die Spargel sollen bem Fritz künftig bei bir genau so gut munben!"

Dankbar nickt bie kleine Frau, holt sich Papier­block unb Bleistift, um ja alles genau mitzuschreiben. Nun erklärt ihr die alte Dame, daß man sich das Kochwasser für Spargel noch schmackhafter machen kann, wenn man es nicht nur mit Salz und Zucker würzt, sondern indem man die Spargelschalen erst in ungewürztem Wasser ansetzt, auskocht unb dann durchseiht. Nun gibt man Salz und Zucker zur Brühe hinzu, bringt sie zum Kochen und legt die Spargel ein.Ach so", meint die kleine Frau,das ist aber eine feine Sache! Natürlich muß so ein Sud viel besser schmecken, und das werde ich nun künftig auch machen. Aber, sag mal, warum gibt man denn hier nicht auch gleich das Gewürz an das Wasser?"Mein liebes Kind, merke dir für alle Fälle, daß man alle Nahrungsmittel, die man auslaugen will, immer kalt und unge­würzt ansetzen muß. Die Schalen sollen also aus» gelaugt werden, daher kochen wir sie in ungewürz­tem Wasser; die Spargel sollen wohlschmeckend sein, sie kommen in das gewürzte, siedende Wasser." Ein kleiner Seufzer:Ach, was man noch alles lernen muß!" gibt ihr aber noch Gelegenheit, die junge Frau zu trösten, und zwar mit dem Hinweis, daß auch sie noch immer dazu lernt.Denn", so fährt sie fort,ich habe für Stangenspargel auch jetzt noch eine neue Technik gelernt. Ich lege sie auf ein Sieb in den langen Fischkochtopf und lasse sie im Dampfe gar werden! So schmecken sie nämlich auch ganz köstlich, und die Spargelschalen trockne ich mir, um sie an Brühen im Winter zu nehmen."

Ein zärtlicher Kuß und ein dankbarer Blick ber jungen Frau sind der Dank für die Hilfe in dec kleinen Küchennoti G. W»