oder durch Auflegen von Reisig freizumachen. Die Durchgangsstraßen im Taunus, im Westerwald und im hessischen Bergland waren gefürchtet. Manche Kraftfahrer machten lieber weite Umwege, um in den besser fahrbaren Niederungen zu bleiben. Verhältnismäßig am leichtesten wickelte 'ich der Verkehr auf den R e i ch s a u t o b a h n e n ab, die am Mittwoch nicht nur größtenteils vom Schnee gesäubert, sondern auch gut gestreut waren, so daß man einigermaßen schnell vorwärts kam, während auf den Landstraßen die Kraftwagen mitunter wie die Schnecken kriechen muhten.
Aus der Stadt Gießen.
Oer Eisvogel
an oberhessischen Gewässern.
Don £r. Karl Budols Fischer.
Alljährlich im Winter wird der Eisvogel „entdeckt". Und dann hört man, daß an der Lahn, an der Wieseck, oder auch sogar mitten in der Stadt, ein äußerst seltenes Tier gesichtet wurde, ein Vögelchen, so bunt gezeichnet, so voller Wunderfarben, daß es von Haus aus gar nicht in die deutsche Dogelwelt gehören kann. Und schon ist es Ö: das ist ein Tropenvogel, vielleicht ein
:i, der irgendwo entflogen ist und nun armselig in dieser Winterkälte an Frost und Hungerqualen enden muß. Und hat das Tierchen wirklich mal das Glück, daß ihm ein Mensch begegnet, der zu Hause so lange in den Vogelbüchern forscht, bis er die Art, den Namen, die Verbreitung und die Lebensweise kennt, dann ist's genau so sicher: „Hier ist der Vogel nicht daheim, den ganzen Sommer bin ich hier spazieren gegangen, und niemals war ein Eisvogel bislang in solch gewöhnlichen Bereichen anzutreffen. Es ist ganz klar, für hier ist dieses Tier eine Seltenheit...' fingerlanger Schnabel genau die Form einer Und an den Vogel, der „nur im Winter bei Eis und Schnee in unsere Landstriche" kommt, knüpfen sich dann allerhand Spekulationen, etwa, daß der Winter furchtbar strenge und frostreich wird und man sich vorsehen muß, daß er vermutlich lange währen wird, und was es sonst noch alles ist. Man hat doch schon davon gehört, daß Tiere viel bessere Wetterpropheten als die Wettermacher selber sind, die sich mitunter ja von einem Tag zum andern irren. — Nichts i st an dem!
Vielmehr ergibt sich jene Eigentümlichkeit, daß wir ihn nicht zu allen Zeiten im Jahroerlaufe an denselben Orten sehen, aus seinen ganz bestimmt gelagerten Verhältnissen. Und das ist so: Dieser sperlingsgroße, tropenfarbig bunte Vogel, zur Familie der Königsfischer gehörig und von der Zunft „Eisvogel", Alcedo arctis ispida L., benannt, kommt bei uns zwar einzeln vor, ist jedoch keineswegs selten. Was dieser Vogel, dessen Rücken schön smaragdgrün bis türkisblau glänzt, während die Bauchseite rostrot leuchtet und dessen halbwegs fingerlanger Schnabel genau die Form einer Bleistifthülse hat, an so absonderlichen Eigenheiten aufweist, ist nur der Umstand, daß er, je nach Jahreszeit, als Stand- und Strichvogel aufzutreten pflegt.
Standvogel ist er allemal im Sommer, und er kann schon deshalb meist an jenen Plätzen nicht erscheinen, wo man im Winter ihn tagelang zu Gesicht bekommt, weil er nur ganz bestimmte Orte für sein Brutgeschäft gebrauchen kann. Dort nun hält er fest, und wenn der Fischreichtum an anderen Orten und die Seichtstellen mit den Myriaden junger Brut den Bach- und Flußtisch noch so aut gedeckt haben. Er hat nämlich die Angewohnheit, sein Nest in Form von Bruthöhlen oder besser -röhren bis zu einem Meter tief in überhängende, rutschsichere Lehmwände zu graben, ähnlich der Art, wie das auch die Uferschwalben auszuführen pflegen, die in den Wiesecker Sandgruben beheimatet sind. Diese Röhre, die mit unglaublicher Zähigkeit durch Hacken mit dem Schnabel und durch Kratzen mit den Füßen etwa 1 bis 3 Meter über dem Wasser angelegt wird — wobei als Maßstab für die Höhenlage offensichtlich ganz instinktiv der überhaupt höchstmögliche Hochwasserstand der jeweiligen Stelle ausschlaggebend ist —, endet im Innern in einem backofenförmigen Napf und wird mit Gräten von Kleinfischen, Libellenlarven, Krebs- füßchen und sonstigen schlecht faulbaren Feststoffen ausgelegt.
Hier nun treibt er sich mit feinem Weibchen den ganzen Sommer über herum, bis die Jungen hoch
Die Gerichte des ersten Eintopfes im neuen Mr.
NSG. lieber 200 000 deutsche Gaststättenbetriebe haben im Jahre 1937 an jedem Eintopfsonntag Millionen von Volksgenossen ein kräftiges Mahl bereitet. Auch im Jahre 1938 werden die Gaststättenbetriebe das Können ihrer Köche in den Dienst dieser ehrenvollen Aufgabe stellen. Die zum ersten Eintopfsonntag des neuen Jahres am 9. Januar auserwählten Eintopfgerichte werden für die tatkräftige Mitarbeit ein gutes Zeugnis ablegen.
Wie immer, empfiehlt die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe nach Rücksprache mit dem Reichsnährstand die Eintopfgerichte. An erster Stelle wird Kohlsuppe mit Kartoffeln und Hammelfleischeinlage genannt. Auf der Speisekarte müßte das Wort „Kartoffeln" eigentlich groß geschrieben werden, denn jeder Gast soll den Wert der Kartoffel kennenlernen, und die überaus reiche Ernte des letzten Herbstes verpflichtet jeden Deutschen, mehr als bisher beim Mittag- und Abendessen die Kartoffel zu bevorzugen, lieber die guten Eigenschaften des Weiß- und Wirsingkohles, die überall zu haben sind, braucht kaum ein Wort verloren zu werden, und gar über die Schmackhaftigkeit der Hammelfleischeinlage ein Loblied zu fingen, hieße Eulen nach Athen tragen. Wer dieses Gericht probiert, wird es auch an anderen Tagen gerne zu sich nehmen.
Da aber nicht nur Kohl, sondern vor allem auch Mohrrüben und ganz besonders Kohlrüben auf allen Märkten sind, wird in den Gaststätten auf diese Erzeugnisse beim zweiten Eintopfgericht Bedacht genommen. Kohlrüben oder Mohrrüben mit Rindfleisch sind im Norden ein altbekanntes und beliebtes Gericht. Der Hamburger und auch die Mecklenburger nennen die Kohlrübe zwar Steckrübe, aber es handelt sich um die gleiche Frucht. Damit auch die Fischester auf ihre Rechnung kommen, wird der dritte Eintopf wie immer ein Asch- eintopf sein. Die Gastwirte werden aus Schellfisch, Kabeljau, Rotbarsch usw., die — wenn der Frost nicht besonders stark wird und den Fischfang behindert — in ausreichenden Mengen zu haben sind, einen nahrhaften Eintopf bereiten. Das vierte Eintopfgericht wird, wie schon im Dezember, den Gastwirten Gelegenheit geben, die besonderen Spezialitäten der einzelnen Reichsgebiete ihren Gästen vorzusetzen. Der Gemüseeintopf mit Einlage nach freier Wahl wird vielen Gaststätten willkommene Gelegenheit zu Überraschungen bieten, denn bei der Vielgestaltigkeit der einzelnen Gerichte und dem sprichwörtlichen Können unserer deutschen Köche wird auch der verwöhnteste Gast zufriedengestellt werden.
sind, und wacht ängstlich und mit jedem nur erdenklichen Aufgebot von Futterneid und Eifersucht über die Grenzen seines Brutstandortes. Zum Reisen aber, wie im Winter, hat er als Standvogel während der produktiven Monate nicht die geringste Zeit.
Anders aber ist das, wenn die rauhen Tage hereinbrechen, wenn der Winter mit feiner Unbill, feinem Bacheis, Hartfrost und Nahrungsmangel kommt und die Fische nicht mehr im Seicht wasser stehen, weil sie sonst dort einfrieren würden, und — um das Maß voll zu machen — das Flußwasser trübe und undurchsichtig ist vom vielen Herbstregen. Nicht, daß er während dieser Zeit außer Landes ginge oder nach Zugvogelsitte weite Reisen machte! Ein Einsiedler von echtem Fischerblut, der langweiliges Sitzen an Ort und Stelle über Stunden hinaus zum Lebensprinzip erhebt, bei dem Trägheit und Gleichgültigkeit Trumpf zu sein scheinen, und bei dem Sitzenbleiben wie bei einem schlechten Schüler Dauerzustand ist, kann dazu gar nicht fähig sein. Er wandert nicht weiter als er muß, um neue Nahrungsquellen zu finden — und wird auf diese Weise zum Strichvogel. „Ubi bene, ibi pa- tria“ — die alte Tierparole — „Wo mir's gut geht, da ist mein Vaterland", das ist nun wintersüber sein Lebensgrundsatz. Und so geht er dem Zufrieren von Teichen und Bächen rechtzeitig aus dem Wege, haut ab, wenn Regengüsse und Schneeschmelze in einem Landstrich das Wasser undurchsichtig oder reißend machen, so daß sich die junge Brut und kein einziger Kleinfisch halten kann, taucht je nach Witterung und Wasserzustand, Laichhäufigkeit und Fließgeschwindigkeit, Ueberschwemmung oder Verebbung hie, da ober dort auf und begegnet dabei Menschen an Orten und Stellen, wo man ihn das ganze Jahr nicht sah, weil er allen Großaugen gemeinhin aus dem Wege geht — und dann hört man einmal von ihm, weil ihn die meisten Menschen nur sehen, wenn er fliegt, wo es sonst nichts mehr zu kreuchen und zu fleuchen gibt, ihn aver niemals suchen, wo er eigentlich zu Hause ist.
So ist das mit dem Eisvogel!
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Mutterlied". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Lachdoktor". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr, Kunstausstellung im Turmhaus am Brand.
Meister Sextett Comedian Harmonists im Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz des Stadttheaters Gießen hat das „Meister-Sextett" (früher Comedian Harmonists) für ein einmaliges Gastspiel am Donnerstag, 13. Januar, verpflichtet. Es wird ein völlig neues Programm geboten, das auf der großen Deutschland- Konzertreise, die kürzlich begann, überall mit Begeisterung ausgenommen wurde. Das Gastspiel beginnt um 20 Uhr und findet außer Miete statt.
Hitler-Lugend Bann 116 Gießen.
Velr.: Arbeitsgemeinschaft-Sozialstelle.
An der alle 14 Tage Freitags stattfindenden Arbeitsgemeinschaft haben auch in Zukunst die Sozialwarte der Gefolgschaften und Sondereinheiten teilzunehmen.
63./ Dann und Zungbann 116.
Vetr.: Arbeitsgemeinschaft der HJ.-Führer, DJ.- Führer und der Führerinnen des VdM.
Am kommenden Freitag, 7. Januar, wird ein Mitarbeiter des Raffenpolitischen Amtes der NSDAP, im Rahmen der HJ.-Arbeitsgemeinschast über die quantitative Bevölkerungsbewegung sprechen. Alle Stellenleiter des Bannes sowie Jung- bannes, die Unterbannführer, Stammführer, Fähnleinführer und Gefolgfchaftsführer des Bannes bzw. Jungbannes haben sich am kommenden Freitag, 7. Januar, 20.15 Uhr, vor dem Heim der Marinegefolgschaft in der Roonstraße einzufinden.
Vetr.: Postverfand des Vannes und Iungbannes 116.
Die für die Gefolgschaften bzw. Fähnlein bestimmte Post kann mach dem h. Januar 1938 wieder täglich auf der Banndienststelle in Empfang genommen werden.
Eisläufen.
Was ist das Schlittschuhlaufen für eine Freude! Und daß die Eisbahn gerade jetzt in den Ferien eröffnet ist, ist besonders schön. Jeden Tag wimmelt es auf der blanken Fläche an der Moltke- straße. Wenn man in die Nähe kommt, hört man schon das fröhliche Jauchzen der Kinder. In dem Wärmeraum prasselt der Ofen sehr gemütlid), und manche Kinder wollen hier sitzen und sich wärmen, aber da werden sie rausgejagt Am Ofen sitzen können sie doch auch zuhause! Ich kann's kaum ab- marten, bis ich rausfomme zu den Anderen, und vor lauter Ungeduld ziehe ich die Schlittschuhe verkehrt an. Nun geht es humpelnd über die Brücke und die Holztreppe hinunter. Dann, heisia? kann es losgehen, aber ... schon sitzt man auf seinem Hinterteil! Aber das schadet nichts! Ein Trost ist es nur, daß es Anderen auch so geht.
Man trifft Freundinnen und Bekannte, aber manchmal umarmt man auch einen wildfremden Menschen. In der Mitte der Bahn wird man oft umgeworfen, denn die Buben spielen Nachlauf und Wettlauf. Einzelne Teile der Eisfläche sind abgesperrt, da wird gekehrt, drei Männer drücken einen Schneepflug, andere haben ein Schiebebrett und Besen. Ich muß lachen, wenn ein Anfänger xbeinig daherkraxelt, das hat mit Schlittschuhlaufen keine Ähnlichkeit. Aber sie lernen es alle noch? Diele Kinder stehen staunend um den abgegren^ten Bezirk, wo die guten Läufer ihre Künste zeigen. Es sieht ja auch zu schön aus, wenn sie Bogen, Achter und Pirouetten machen.
Wenn man genug gelaufen und genug hinge
fallen ist, geht man ins Klubhaus zum Kaftes- trinfen. Er schmeckt sehr gut, jedenfalls ist er schön heiß. Dann, so gestärkt, versucht man Bogen an Vaters starker Hand. Es muß schön sein, abends bei Licht und Musik zu laufen, aber da muß ich ins Bett. .
Nun schnallt man die Schlittschuhe ab: das ist so komisch ohne fiel Oh, wie kalt sind die Hände und Füße, aber morgen gehe ich wieder eislaufen!
Brigitte.
Daniel Heil t
Am gestrigen Mittwoch ist im hohen Alter von 87 Jahren der in Gießen und darüber hinaus bekannte Rentner Daniel Heil nach längerem Leiden verstorben. Erst vor etwa acht Tagen begegneten wir dem alten Herrn noch auf einem seiner gewohnten Nachmittagsspaziergänge, als er munter seines Weges die Sicher Straße heraufging. Daniel Heil hatte früher das jetzt im Besitz des Kaufmanns Louis Scharmann befindliche Zigarren- aeschäft am Lindenplatz inne, das er in Gemeinschaft mit seiner Gattin in guter Weise voranbrachte. Ehrenamtlich stellte er feine Kraft in langjähriger Mitarbeit der städtischen Pferdemarktdeputatton zur Verfügung. Als guter Pferdekenner und als schneidiger Reiter war er auf diesem Gebiet des Gemein-- schastsinteresses unserer Stadt in förderlicher Weise tätig. Dem Aufsichtsrat der Handels- und Gewerbebank gehörte er gleichfalls viele Jahre lang als gewissenhafter und tatfroher Mitarbeiter an, der sich eifrig für die Forderung der Aufgaben dieses auf genossenschaftlicher Grundlage der heimischen Wirtschaft dienenden Instituts einsetzte. Durch seine charaktervolle Persönlichkeit und sein allezeit liebenswürdiges, hilfsbereites Wesen hat sich der Heimgegangene in Stadt und Land viele Freunde erworben, die ihm über das Grab hinaus m guter Erinnerung behalten werden.
Realgymnasium
heißt jetzt Langemarckschule.
Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger hat genehmigt, daß das Realgymnasium in Gießen künftig den Namen „Langemarckschule (Oberschule für Jungen)" führen darf. Der Schulgemeinde und der Elternschaft soll diese Auszeichnung in einer Feier am kommenden Samstag in der Turnhalle der Schule bekanntgegeben werden.
Neue Aufgaben des Luftschutz- Hauswartes im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Der Reichsminister für Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Hermann Göring, hat entschieden, daß im Interesse des Dierjahresplanes bei der Erfassung des Altmaterials auch die Luftschutzhauswarte einzusetzen sind. Auf Grund dieser Entscheidung haben der Gaubeauftragte für Altmaterialerfassung für den Gau Hessen-Nassau und die Landesgruppe Hessen - Rheinland-Süd des Reichsluftschutzbunbes die ihnen nachgeordneten Dienststellen angewiesen, auf das engste zusammenzuarbeiten.
Die Luftschutzhauswarte werden vor allen Dingen die Aufgabe haben, darüber zu wachen, daß in dem durch fie betreuten Hause für die Zukunft von keiner Haushaltung Altmaterial, und zwar Knäusl- papier aller Art, Pappe, Verpackungsmaterial aus Papier, Zeitungen usw. verbrannt oder weggewor- fen werden. Sie haben die ihnen bekannten Hausbewohner anzuhalten, dieses Altmaterial regelmäßig in die aufgestellten Behälter zu werfen. Schließlich wird es Aufgabe der Luftschutz-Hauswarte fein, in kurzen Abständen das Material durch die zugelaste- nen Sammler bzw. Althändler abholen zu lassen. Die Ablieferung des Materials erfolgt naturgemäß unentgeltlich, da für den Einzelnen die in Frage kommende Menge nur sehr gering fein dürfte
Neben dieser Regel bleibt für Die großen Haushaltungen die Möglichkeit bestehen, größere Mengen von glattem ober Zeitungspapier gegen Bezahlung an den zuständigen Altmaterialienhändler direkt zu verkaufen Die Tätigkeit des Luftschutz- Hauswartes beschränkt sich in diesem Falle lediglich darauf, daß rechtzeitig das verfügbare Material den Weg zu den Althänblern findet unb nicht in großen Posten in ben Wohnungen liegen bleibt.
Fahrräder als Verkehrshindernis.
Fast an jebem Tage kann man vor der Stadt- post unb in ber Schulstraße die Wahrnehmung machen, baß zahlreiche Radfahrer ihre Räder entweder an die Hauswand ober an ben Rand der
Der $aife.
Erzählung von Gunnar Gunnarffon.
Jeden Morgen in ber Dämmerung brachen wir auf — Pall, Adalsteinn, Ebvard unb ich. Wenn es ichußhell war, hatten wir ben Berg erreicht, Fell, der fick steil unb breit über bie Schneebogen der Heide yob, ein weißer, von dunklen Felsgürteln unv gürteter Koloß. Uns wurde jedem ein Absatz zu- geteilt, unb bann machten wir uns auf ben Weg westwärts, die Südseite entlang, wo sich in der Regel die Schneehühner aufhielten. In Wind und Schneegestöber konnte es schwer sein, sie zu finden. Dann ließen sie sich verschneien und krochen unter der weißen wärmenden Decke zusammen. Ich ging froh und ruhig dahin, selbst wenn lch keine fand, bis ich begann, die andern schießen zu hören. Dann kam der Wetteifer in mir auf, dann war keine Zeit mehr, sich seinen Gedanken hinzugeben ober das wechselnde Licht über der Einöde zu betrachten — jeder Schuß, der fiel, verkündete mir, daß ich wahrscheinlich auch heute das kleinste Bündel nach Hause tragen würde. Es hatte sich nämlich gezeigt, daß Ebvard und ich doch aufpaffen mußten, wenn wir auch größer als Alli waren: er war „ein Teufelskerl , wenn es galt, die weißen Vögel zu finden, ein Teufelskerl, wenn es galt, sich an fie anzufchleichen, und dazu kannte er wohl aus Erfahrung ihre Zufluchtsstellen. Sein Bündel war nicht immer das kleinste, das war bas meine in ber Rebel. Ebvarb warf mir vor, baß ich im Gehen schliefe. Nun, schlafen tat ich nicht. Aber ich war zeitweise recht abwesenb.
Eines Tages hätte ich jeboch fast einen Triumph erlebt, unb ben brauchte ich. Ein Falke kam über meinem Kopfe dahergeglitten, abwärts — ich die Büchse an bie Backe, schieße. Er schlägt plötzlich mit ben Flügeln, als sei er gegen eine unsichtbare Wanb gestoßen, überschlägt sich ein paarmal in der Luft, stürzt, aber stürzt über den Felsrand, wo Pall geht. Ich laufe, fo schnell ich kann, zum Absatz, um, wenn möglich, zu sehen, wo er hinfällt, komme aber zu spät. Da hier unb ba ein Stein aus bem Schnee hervorauckt, ist es nicht leicht, ihn zu finben, wenn Pall ihn nicht fallen gesehen hat Ich sehe Pall drunten gehen unb rufe ihm zu, ob er nicht einen
Falken aus ber Luft hat stürzen sehen. Wann? Eben jetzt! Nein, das hat er nicht. Ich klettere zu ihm hinunter, und wir beginnen jetzt zu suchen. Pall hat einen Falken zwischen feinen Schneehühnern, der sieht aus, als sei er noch warm, aber er suckt eifrig und angeregt, fo daß es ja vielleicht nicht ber meine ist. Pall nimmt an, baß ich den Falken nur verwundet habe — ein Vogel kann ja gut aus bem Flug geraten, herumwiroeln unb boch roieber auf bie Flügel kommen, „Flug gewinnen". Ich suche allmählich nur noch des Scheins wegen, nur, bamit Pall nichts von meinem immer stärker merbenben Derbacht merkt. Aber Pall fährt fort zu suchen, fährt fort, fick zu rounbern unb Möglichkeiten aufzustellen. Ich habe ihm längst verziehen. So viele Schneehühner, wie es nur fein sollte, hätte er gern unb großzügig für mich aufgelesen, besten bin ich sicher. Aber ein Falke ist ein Falke. Dieser achtsame Vogel fällt selten vor einem ganz gewöhnlichen Schuß. Pall nahm seinen aus dem Schneehuhnbünbel — wollte ich sehen, wie fein er getroffen war!... Merkwürbig übrigens, baß auch ich beinahe einen Falken erlegt hatte. So am selben Tage... Eine Schanbe war es, baß ich die Augen nicht besser aufgemacht hatte.
Ich -lächelte ihn an, benn keiner hielt bie Augen in bem Maße offen wie Pall auf Fell, bie kleinen, scharfsichtigen, ewig suchenden Augen Pall war schon gut vom Frost gerötet, würbe aber auf einmal noch röter, unb ich beeilte mich, mein Lächeln roieber gutzumachen, es zu erklären. Pall nahm es für bare Münze. Wir gingen jetzt miteinander unb taten bas weiter, inbem wir abwechfelnb schossen unb uns bie Zeit mit Geschichten unb heiterem Plaubern verkürzten.
Da geschieht roeber Schlimmeres noch Besseres, als baß ein neuer Falke angeflogen kommt.
„Schieß bu!" flüstert Pall ebelmütig, ganz zu- fammengeburft vor Spannung.
Ich bie Büchse an bie Backe, fehle — ich habe nie schießen können, wenn jemanb mir zusieht.
Im selben Augenblick war Pall mit seinem Schuß ba. Unb er traf. Ja, er traf! Unb nicht allein diesen Falken traf er, sondern hiermit hatte er sich auf einmal beide Falken erschossen. Alle seine Gezwungenheit war wie fortgeblasen. Den Rest des Tages über erzählte er keine Geschichten: er prahlte, prahlte schamlos, ganz schamlos. Sein Sieg über
mich hatte ihn berauscht, ihn besessen gemacht. Gleichzeitig hatte er mich viel lieber gewonnen als früher,/ das war ganz deutlich. Seine Sympathie umstrahlte mich wie eine Sonne, unb er wollte sogar meine Schneehühner tragen, was ich ihm jeboch nicht erlaubte. Aber bei ber Heimkehr klopfte er mir mit eigenen Händen Schnee ab.
Die Leistungen der Deut'chen Bergwacht.
Ueber 2000 erprobte unb erfahrene Männer sind im aktiven Dienst ber Deutschen Bergwacht tätig, bie im übrigen fast bie gesamte deutsche Bergsteigerschaft in über 200 Mitgliebervereinen mit mehr als 61000 Mitgliedern umfaßt. Von ihren Leistungen wird in einem Aufsatz d?r Leipziger „Jllustrirten Zeitung" heroorgehoben, daß im vergangenen Jahr bei der Bergung von Verunglückten, die eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist, unter ben 3600 Hilfeleistungen 945 Abtransporte vom Berg, 53 lötenbergungen unb 23 Bergungen von Unverletzten zu verzeichnen waren. Es sind oft außer- orbentlich schwierige unb mit Gefahren oerbunbene Aufgaben, bie hier zu lösen sind: namentlich bei ber Suche nach Vermißten bei einem Lawinenunglück, bei ber bie Lawine mit Sonden abgesucht wirb ober Gräben ausgeschaufelt werben müssen, beim Herablassen von Verunglückten im schweren Fels mit ber Seilbahn, beim Abtransport von Verunglückten in schlecht gangbarem Gelände, ist eine umsichtige gute Zusammenarbeit ber Kameraden von ber Bergwacht notroenbig, bie oft auch bei schlimmstem Wetter arbeiten müssen.
Die Deutsche Bergwacht ist nicht nur im Alpengebiet zu-Hause, fonbern auch unsere Mittelgebirge verfügen über rührige Gruppen. Der alpine Kreis mit einem seiner Hauptsitze in München und einem Arbeitsgebiet, das weit nach Tirol hinein bis zu ben Kitzbühler Alpen reicht, spielt natürlich die wichtigste Rolle. So sind noch die großen Hilfs» fahrten zur Watzmann-Ostwand im Januar und die Suche nach ben Toten ber Eiger-Norbwanb in frischer Erinnerung. In ber nun 17jährigen Geschichte ber Deutschen Bergwacht war vor allem die schwierige Aktion am Watzmann, die der Füh
rer von seinem „Berghof" aus mit großer Anteilnahme verfolgte und durch persönliches Eingreifen entscheidend unterstützte, eine Tat, die ihren Ruf in alle Welt getragen hat. An manchen Wintertagen, wenn das Wetter bie Skifährer in Masten in die Berge hinauszieht, stehen oft 250 Bergwachtmänner auf ihrem Posten, und es hat Sonntage gegeben, an denen über 50 Derletztentransporte nötig waren.
Der Bergwachtdienst beschränkt sich nicht nwT auf den Rettungsdienst, sondern arbeitet planmäßig auf bie Verhinderung von Unglücksfällen durch Aushängen von Warnungstafeln und Aufstellung von „Marterln" hin.
Thomas-Kantor Straube 65 Jahre alt.
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Der derzeitige Kantor an ber berühmten Leipziger Thomas-Kirche, wo schon Johann Sebastian Bach wirkte, Karl Straube, begeht am 6. Januar seinen 65. Geburtstag. — (Scherl-BiHerdienst-M^


