Hochsommer in Schweden.
Don Andre Baron Zoelckersam.
Eine Annehmlichkeit Schwedens, außer manchen anderen, besteht darin, daß es einem frier freisteht, die Jahreszeiten je nach eignem Belieben zu verlängern. Man braucht dazu nur ein Stückchen weiter nordwärts hinaufzurutschen. Ist der Frühling in Schonen bereits im Verblühen, stehen am Mälarsee in belfern lichten Blau sich die dicken erdbeerroten Türme des Schlosses Gripsholm spiegeln, die uralten knorrigen Eichen noch grau und blattlos, aber die Obstbäume schon voll verheißungsvoller frerziger Knospen, und wenn der Flieder in Stockholm blaß und fahl wird, sind in den Schären Tausende von Inseln weiß von Anemonen und gelb von Schlüsselblumen, während in Norrland die Renntierschlitten noch über schneefunkelnde Fjälle sausen.
Und doch zieht sich durch das sommerliche Schweden als Grundton ein und derselbe Farbdreiklang: ein Blau, ein Grün und ein Rot. Das Blau des Himmels und des vielen Wassers ist klar und leuchtend; gleich Hunderten von Himmelsscherben liegen die Seen da, von steilen Granitklippen, Wäldern und Wiesen umsäumt. Das Grün des Nordens ist stark und saftig; auch die heißeste Julisonne vermag nicht, diesem Grün seine Frische zu nehmen, — es scheint „lichtecht" zu sein. Zu diesen zwei Farben kommt das kräftige Rot der hölzernen Bauernhäuser. In Süd- und Mittelschweden ist dieser Dreiklang sanft und hell, weiter dem Norden zu, wo das Blau der einsamen Wälder und der Berge hinzukommt, wird er tiefer und ernster. Diese drei Farben hellt ein Weiß auf: das staubige Weiß der Landstraßen, das schimmernde der Birkenstämme, das Weiß der Türen und Fensterrahmen der Häuser, die wie hübsche Spielzeuge an einem Hügelhang, auf einer Felsenklippe, ober, von einem Birkenwäldchen umgeben, an einem See liegen: ihr Rot hat etwas Festliches unb Sorgloses.
Nur im südlichsten Teil, in Schonen, fehlt bieses für Schweben so typische Rot. Hier, wo bas Lanb sich flach hinbehnt bis an ben Himmelsrand, ein einziger fruchtbarer Garten mit wogenden (Betreibe» selbem, Aeckern, Wiesen und Weideland, und alte Herrensitze im Dunkel der Parke verborgen liegen, sind die reichen Bauernhöfe mit dem von der Sonne zu stumpfem Gold gebleichtem Strohdach, weißgetüncht. Auch die kleinen Kirchen mit ihren stufenartig gezackten Giebeln sind weiß; nur hier und da leuchtet ein Ornament auf, ein Dachfries aus hellrotem Ziegel, ein farbenfreudiger Akzent in einer sanft dahinfließenden Melodie. Auck in Blekinge, nordöstlich von Schonen, sind Landschaft und Himmel zart und hellfarbig, und in ben seit alters her berühmten Stickereien von Blekinge, mit denen die Bauern an Festtagen ihre Stuben schmücken, firtbet man bie Farben bieses Himmels mieber — ein mattes Blau unb Lachsrosa.
Die schwedische Landschaft atmet Ruhe, Weite und Unberührtheit. Sie breitet sich aus wie es ihr gefällt, — sie hat Platz. Zivilisation und Technik haben sie nicht zerstört, sie haben sich ihr angepaßt. Es gibt in Schweden keine häßliche Gegend. Wenn sie auch noch so arm und kümmerlich ist unb nur aus Wacholbergesträuch, dürrem Moos und Granitblöcken besteht, wie die äußersten Inseln der Schären, besitzt sie, als Ausgleich, ihre Beleuchtungen. Diese Beleuchtungen des Nordens, jenes wechselnde Spiel von Farbe und Licht, in unendlichen Zwi
schentönen abgestuft, verwandeln ihr Antlitz von Stunde zu Stunde und lassen es immer wieder neu und lebendig erscheinen.
Hell und sauber wie von außen, sind die schwedischen Bauernhäuser von innen. Ueber den ungestrichenen Dielen liegen aus bunten Flickern gewebte Läufer, — hier finden die Kleider sämtlicher Familienmitglieder ihre letzte Ruhestätte. Längs den Wänden hängen kupferne Schüsseln, Kessel, Pfannen, Kochtöpfe, Krüge und Kuchenformen, meist von Generationen vererbt, — blitzendes Arsenal und Stolz jeder Bauernfrau, und über dem offenen weißgetünchten Herd stehen in funkelnder Reihe Kaffeekannen in allen Größen. Je wohlhabender der Hof, desto mehr Kaffeekannen, und nicht selten sind es ein ganzes Dutzend.
Denn Kaffee trinkt man in Schweden, und vor allem auf dem Lande, zu jeder Tageszeit. Mit Kaffee fängt der Tag an und mit Kaffee endet er. Den ganzen Tag über steht die Kaffeekanne auf dem Herd, — es wäre undenkbar, sollte unerwarteter Besuch kommen, daß man ihn nicht sofort mit dampfendem Kaffee empfängt, und die alten Bauernfrauen wachen eifersüchtig am Herd über ihre Kaffeekanne. Denn der wahre Kafseetrinker muß eine eigene Kanne besitzen, und den „kasfe- gumor" den „Kaffeealten" auf dem Lande, ist die eigne Kaffeekanne der Inbegriff eines glücklichen Alters.
In den Bauernhöfen wird auch heute wie vor hundert Jahren, Seinen gewebt, nach alten Mustern, die sich von Mutter auf Tochter vererben. Die Großindustrie hat bie alten Muster ausgenommen, sie arbeitet mit den Heimarbeitern zusammen. In vielen Bauernhöfen, besonders in Västergöttand, wird dieses unverwüstliche silberglänzende Leinen gewebt.
Das Trachtentragen auf dem Lande ist immer mehr im Abklingen. In Dalarna, wo die Bauern zu jedem „Du" sagen, auch zum König, sieht man noch die alten Frauen im schwarzen, rvtumränder- ten Rock und buntbebänderter Schürze. Aber nur an Festtagen, wenn die Bauern in ben altersbunk- len, oft vierzig bis sechzigsitzigen Kirchbooten über ben einsamen Siljansee zum Kirchgang rudern, tragen bie Männer den breitranbigen schwarzen Hut, weiße Tuchjacke unb gelbe Hosen, leuchtet das kräftige Orange der weiten Mädchenröcke.
Seitdem über die schmalen Landstraßen Autobusse rattern und es fast in jeder Bauernhütte ein Radio gibt, sind auch die entlegensten Dörfer nicht mehr von der Außenwelt abgeschnitten wie noch vor ein paar Jahren.
Der Autobuschauffeur ist auf dem Lande „Mädchen chen für alles". Nicht nur, daß er zugleich Briefträger ist, indem er auf voller Fahrt Zeitungen und Postsäcke mit vollendeter Virtuosität auf die an der Landstraße befestigten Holzarme abwirft; er muß Schulkinder betreuen, kranke Nähmaschinen zur Reparatur bringen, Bestellungen und Grüße vermitteln, kurzum: er weiß alles, kennt alle, besorgt alles, wird überall sehnsüchtig erwartet,, und neben feinem Sitz häuft sich ein unheimliches Durcheinander der verschiedenartigensten Dinge. Der Bus- schöfför verwaltet fein verantwortungsvolles Amt mit erstaunlicher Ruhe und Würde, so wie überhaupt in Schweden alles mit große Ruhe, ohne
Neues für den Büchertisch
fter Tag und Nacht offen.
Vor dem Gekatter der Autos unb Motorräber ist bie „skogsra", bie Walbfrau, in bie entlegensten Wälder Schwebens geflohen. Aber noch heute gibt es auf bem Lanbe Leute, bie auf sie schwören. Die „skogsra" ist über alle Maßen schön, sie trägt einen Rock aus Birkengrün unb ihr offenes Haar ist wie sließenbes Seegras. Wenn sie aber lacht, entblößt sie ein Raubtiergebiß. Sie lockt bie Männer tief in Walb unb Sumpf hinein, von wo es keinen Weg zurück gibt, unb wenn sie sie enbhd) zu fassen glauben, roenbet sie sich um unb ist nur, — ein Baumstumpf.
Der schwedische Sommer ist kurz unb heiß. Die Tage, burch bie hellen Nächte kaum getrennt, gleiten fast ohne Uebergang ineinanber. Diese weißen Nächte, erfüllt vom bitterlichen Duft ber Birken unb jener gläsernen grünlichen Helligkeit, bie mehr Dunst ist als Licht, sind von einer großen feierlichen
mernacht immer silbriger, immer durchsichtiger bis sie hoch oben, in Lapplanb, nur noch einem langen zögernden Abenb gleicht.
treiben. Hier finb alle Schwierigkeiten vermieden. Jebe Hausfrau kann ohne Mehraufwanb an Zeit, ohne langes Ueberlegen unb Stubieren, ihre Ausgaben gleich georbnet aufschreiben. Am Schluß bes Monats hat sie bann schnell eine klare Uebersicht über die Ausgabengruppen. Nur eine geordnete klare Aufschreibung ermöglicht einen Vergleich der Ausgaben, ermöglich zu sparen. Das vorliegende Sommerhalbjahr des Haushaltbuches kann jederzeit begonnen werden. Darüber hinaus bringt es auf allen Gebieten des Haushaltes gute, zeitgemäße Ratschläge, vor allem für die Küche und für ben sonstigen Verbrauch, unb zwar für jeden Monat in Rezepten und Vorschlägen, gemäß der heutigen Sage. Auch für ben Garten, für bie Blumen im Zimmer, für bie Säuglingspflege unb Kinder- erziehung, für das Selbstschneidern von Sommerkleidern, für das Einmachen und Dörren von Obst und Gemüsen, für die Pflege ber Wäsche, fürs Eigenheim unb die häusliche Gemütlichkeit, für den „Urlaub zu Hause", für Modernisierung von Möbeln, für bie Hausapotheke — kurz für fast alles, was an bie Hausfrau zwischen Frühjahr unb Herbst herantreten kann, werben vorzügliche Ratschläge gegeben. Viele Silber machen alles anschaulich.
— Max Dauthendey: Das Herz singt auf zum Reigen. Gedichte. (Die kleine Büche- rei, Nr. 79.) Preis 80 Pf. Albert Langen / Georg Müller, München, 1937. — (198.) — Das Bänb- chen enthält eine Auswahl ber besten Gebichte Dauthenbeys unb rft geeignet, feine Lyrik volkstümlich zu machen. Aus diesen Natur- und Liebesgedichten klingt die Stimme eines Herzens, das die Wunder der Erde in festlichen Liedern besang und verklärte. Zum 70. Geburtstage des früh Verstorbenen erschienen, mögen sie fein Gedächtnis im großen Freundeskreise bewahren.
Midsommarnatten, die kürzeste Sommernacht wird in ganz Schweden gefeiert. Mit jungem Sin fengrün umwunden, mit Kränzen behangen, wird der „maistang", die „Maistange", auf einem' freien Platz vor dem Haufe errichtet. Mit einer „kalas", einem Festessen eingeleitet, das mit dem obligaten „smörgasbord", dem „Sutterbrottisch" mit feinen ungezählten „assietter" und Schnäpsen beginnt, um mit Kaffee und Kuchen gekrönt zu werben, wird biese hellste Sommernacht bis zum Sonnenaufgang burchgetanzt unb gesungen.
Aus dem Lande liegen die Tanzplätze unter freiem Himmel, am Ende des Dorfes auf einer Wiese ober in einem Birkenwälbchen, in ben Schären wirb auf ber „brygga", ber Landungsbrücke, getanzt. Die Harmonika spielt unermüdlich ben „Hambo"1 ober schwungvollen „Sjömansvalser", und immer wieder den beliebtesten von ihnen, den „Kalle Scheven". Wenn sich das erste schwache Rosa am Horizont zeigt, segelt man ins offene Meer hinaus, zum Sonnenaufgang. Kurz bevor bie Sonne aufgeht, ist das weite Wasser voller Segelboote. Langsam zie- hen sie über die noch farblose Flüche dahin, bem Osten 3U, wo schon alles Golb bes Himmels sich ange- sammelt hat, bem strahlenden Sommermorgen entgegen.
— Dr. ehern. Will Kraft: „Deutschlands Nahrungsfreihei t." Die für die Erhöhung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit dringend notwendigen Berichtigungen unserer heutigen Ernährungsweise und ihre Beziehungen zur deutschen Nahrungsfreifreit. Im Auftrage des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP., LL.-Schriftenreihe Heft 2. Müllersche Verlagshandlung, Dresden. Einzelpreis 50 Pfg. — (207) — Die Schrift beweist, daß eine durch viele Generationen bewährte bodenständige Ernährungsweise auch gesundheitlich richtig ist. Ueberwiegend Vollkornbrot und Vollkornspeifen, mehr Milch, viel weniger Fleisch, mehr Kartofeln und viel mehr Gemüse und Obst. Wenn wir unsere Ernährungsweise nach den Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft berichtigen, dann haben wir die volle deutsche Nahrungsfreiheit.
— Rudolf Müller-Schönhausen: Alte Kämpfer. Köpfe aus ber Gefolgschaft des Führers. Heft 5 der „Deutschen Meisteraufnahmen", Verlag F. Bruckmann, München. 85 Pf. — (204) — Im Rahmen ber „Deutschen Meisteraufnahmen" schildert der Verfasser das Gemeinsame, das die ersten Männer um Adolf Hitler auszeichnet: Glaube an Deutschland, Treue, Mut und Opferbereitschaft. Die kleine Veröffentlichung zeigt in vorzüglicher Ausstattung die Köpfe ber 25 bekanntesten „Ersten Kämpfer".
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Aufregung und mit viel Zeit vor sich geht. Steht Ruhe. Je nördlicher man kommt, wird die Som- der Empfänger eines Pakets nicht am Wege, so — wird es ins Gras abgeworfen, und ber Bus rollt weiter. Nie geht etwas verloren, nie verschwindet etwas, unb ein Fremder, ber zum ersten Male seine Koffer verlassen auf einsamer Lanbstraße ober blü= henber Wiese abgestellt sieht, finbet sie zu feinem Erstaunen am nächsten Tage genau auf Derselben Stelle mieber. Denn bie Schweben finb ehrlich, diese Eigenschaft ist ihnen wie ihre Gastfreundschaft angeboren, und auf dem Lande stehen Tür und Fen-
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