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Gießener Anzeiger iGeneral-Anzetger für Gberhessen)
Ur. 26 Zweiter Blatt
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G elegenheit, sich wechselweise auserteien jm Organismus für sie entdecken und hielt sie nur
W ürdigkeiten und Ironien zu beheben. 6 cinen überflüssigen Krankheitsherd, den man Alexander hat eine ferner scharmantesten un 1 h i
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Dafür ist es auf der ganzen Erde um Hilfstrup- pen betteln gegangen ... sucht mit allen Mitteln, mit dem Druck seiner Flotte, mit der Unterbindung ihres Handels und mit direkten Drohungen die neutralen Staaten zum Eintritt in einen Krieg zu zwingen, der sie gar nichts angeht, ja ihren Inter- essen durchaus widerspricht."
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„Das Widerwärtigste von allem jedoch ist das Lügensystem, zu dem die Engländer gegriffen und mildem sie die ganze Welt überschwemmt haben: da tritt eine sittliche Verworfenheit zutage, von der man sich, mit Ekel abwendet. K^ne Verleumdung ist ihnen zu niedrig, keine Lüge zu sinnlos, um davor zurückzuscheuen. Daß sie am nächsten
Diele Fälle von chronischem Rheumatismus haben nur ihre Ursache in chronischen Mandelentzündungen. — Die teuerste Rheumakur kann auf die Dauer keinen Erfolg haben, wenn die Ursache bleibt und immer auf neue wirkt. Die durch Entzündungen geschädigten Mandeln sind nämlich, wie man heute weiß, ein gefährliches Gift- und Bazillendepot. Die giftigen Ausscheidungen der in den Mandeln sich austobenden Bakterien und schließlich sogar die Bakterien selbst werden in die Lymphbahnen und in das Blut ausgeschwemmt. Der ganze Körper gerät
nahmequelle Antwerpens.
„Sehen Sie", so sagt uns Bürger-meister Del- waide, „es heißt nicht umsonst, Antwerpen hat die Schelde Gott zu verdanken und alles übrige der Schelde. Und weil wir überzeugt sind, daß dieser Spruch auch einmal wieder seine Bedeutung haben wird, treffen wir bereits jetzt alle Vorbereitungen für später. Man überprüft, streicht und erneuert die Lagerhäuser, die Schuppen und Getreidesilos, Pe- troleumtanks und Kalifpeicher. Wir wissen, daß unter Hafen eine Anzahl technischer Fehler hat und wir benutzen jetzt die Ruhepause, um sie zu beseitigen. Aus der Geschichte unserer Stadt, die vom Aus und Meder Antwerpens berichtet, wissen wir, daß sich unser Hafen jedesmal nach einer Notzeit mit einer ungeahnten Schnelligkeit erholt hat. Darum sehen wir auch jetzt der Zukunft mit Vertrauen entgegen."
Im einzelnen erzählt der Bürgermeister noch von der sonstigen Arbeit, der Schleifung der Festungswerke, an deren Stelle in der Zukunft ein Grüngürtel Antwerpen umgeben soll. Straßen werden ausgebessert und ausgebaut, 5000 Arbeitslose (im Hafen arbeiteten in der Friedenszeit allein 20 000 Hafenarbeiter) konnten durch Ausführung außerordentlicher Arbeitsoorhaben bereits wieder in Arbeit gestellt werden. Man kann und wird mit dem Geld nicht sparen, denn außer der Arbeit für die Zukunft gilt es auch soziale Not der Gegenwart zu lindern. Auch hier wurde, wie Herr Delmaide berichtet, viel geleistet und seit dem 1. Mi 1940 wurden allein 300 000 Liter Milch an Kinder unter 6 Jahren, 1 500 000 Liter Suppe und 200 000 Portionen Volks.
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Berlin, 30. Zan. (DRV.) Vas Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Bei bewaffneter Aufklärung über den britischenInseln griff die Luftwaffe Industrieanlagen an der Ostküste Mitletengtands sowie im Südasien Englands an. Fernkampfartillerie des Heeres beschoß militärische Ziele in Südostengland. Stärkere Kampffliegerkräfte bekämpften in der Rächt zum 30. Januar kriegswichtige ZieK u m London mit Spreng- und Brandbomben.
Der Feind warf in der gleichen Rächt im nord- westdeutschenküstengebietan zwei Orlen Bomben, die ausschließlich Wohnviertel, darunter ein Arbeitslager, trafen. Mehrere Zivilpersonen wurden gelötet oder verletzt. Der ungerichtete Sach-
lius, ein schmaler, energischer Herr, hat sich mit Verständnis und Sachkenntnis für das Gedeihen Antwerpens eingesetzt.
Um diese Stadt aber nun wirklich auf ihre Zukunftsausgaben vorzubereiten, hat er gleich das schwierigste und brennendste Problem in Angriff genommen. Es ist die Schaffung eines Groß- Antwerpens, welches bisher viel gefordert, aber niemals verwirklicht wurde. Denn dieses Antwerpen, eine natürliche und wirtschaftliche städtische Einheit^ bestand aus 17 verschiedenen Gemeinden, in denen 17 Bürgermeister, 17 Schösfenkollegien, 17 Gemeinderäte nach 17 verschiedenen Gesichtspunkten und Richtungen regierten. In der einen Gemeinde herrschten die Katholiken, in der anderen die Sozialisten, in der dritten die flämische Konzentration, in der vierten waren zwei Liberale das Zünglein an der Waage. Jede dieser Gemeinden hatte ihre besondere Verkehrspolitik, Preiskontrolle, Lebensmittelversorgung, Stadtpolizei, jede stellte ihren eigenen Bauplan auf, und nahm dabei nicht die mindeste Rücksicht darauf, ob der „Anschluß" an das Der- kehrsnetz der Nachbargemeinde damit auch zweckmäßig hergestellt wurde.
Diese Gemeinden unter einen Hut zu bringen, ist nun keineswegs einfach. Denn wenn die Bürgermeister und die Gemeinderäte von Berchem und H o b o k e n auch einsichtig sind, so wollen die in Jkeren nicht von ihren Stühlen herunter, und in M o o r d z e l e , wo die große F i I ni r o I l e n f a - brik von Gevaerts praktisch alle Steuern bezahlt, ruft man: „Bleibt uns nur vom Leibe mit den Antwerpener Steuern!" Durch derartige Erwägun- gen, die nicht gerade aus der Erkenntnis „Gemein, nutz geht vor Eigennutz" stammten, läßt sich der Stadtkommissar Dr. Delius allerdings nicht sehr beirren, sondern geht ruhig und freundlich den Weg weiter, der zu dem für alle Beteiligten nützlichen Ziele führen soll. Das hat denn auch bereits den Erfolg gehabt, daß 280 000 Personen nach 21 nt-, werpen eingemeindet wurden, und die Einwohnerzahl der belgischen Handelsmetropole sich damit verdoppelte.
Zu einem äußern Symbol der deutsch-belgischen Zusammenarbeit in Antwerpen wurde bereits die vor einiger Zeit veranstaltete großartige Rubens- f e i e r, an der man sich von deutscher und belgischer Seite gemeinsam beteiligte. Zusammen aber mit dem großen Wiederaufbauprogramni für die Pro. vinz 2lntrocrpcn, das in einer Sonderausstellung in der Stadt Antwerpen an kleinen Modellen gezeigt wird, sich mit dem Bau von öffentlichen Gebäuden, Verkehrsanlagen und der Urbarmachung großer Landstrecken vorsieht, läßt sich für dieses Gesamt- । vorhaben nur der Satz zitieren, den der Bürgermeister Delmaide aussprach: „Wir wollen uns nicht darauf beschränken, wiederherzustellen, was durch den Krieg beschädigt wurde. Wenn die Stunde des Friedens geschlagen hak, wollen wir bereitstehen, um , unseren Platz in der Welt alsWelthafenund . Weltstadt einzunehmen."
Oer Wehrmachtbericht vom Donnerstag.
sten Ehemcmnsrollen, Albert Matterstock ist em forscher, aber etwas windbeuteliger junger Mann, Hans Leibelt ein kluger Kaufmann und kluger Papa; Erich Fiedler, Walter Steinbeck und das berlinisch-urwüchsige Ehepaar Paul Westermeier und Lotte Werkmeister seien nicht vergessen. — (TobiS.)
Im Beiprogramm gibt es die hier schon angezeigte Wochenschau, einen Lustspiel-Vorspann und den „Trichter" mit Jupp Huffels und allerlei merkwürdigen und drolligen Tierbildern.
Hans Thyriot.
„Das himmelblaue Abendkleid." Ein Tobis-Film im Lichtspielhaus.
essen verteilt.
Die 88 Kilometer vom Meer entfernt liegende Hafenstadt Antwerpen ist heute nach verschiedenen Seiten hin interessant. Sie ist interessant, weil es ich hier nicht wie in Rotterdam um einen reinen Imschlagplatz, sondern um einen Nationalha - e n handelt, der mit der Wirtschaft des Landes auf das engste verbunden ist und von dessen Einfuhrgütern 70 v. H. für Belgien bestimmt waren und von der Ausfuhr 55 v. H. aus bei- gischen Jndustrieprodukten bestanden. Er ist auch deshalb heute interessant, weil sich hier den Besuchern das Musterbeispiel einer sachlichen und freundschaftlichen deutsch-belgischen Zu- f ammenarbelt bietet. Die Gründe hierfür mö- gen teils darin liegen, daß Antwerpen weder kleinbürgerlich flämisch, noch frankophil-belqizistisch, son- dern mehr international aufgeschlossen ist. Dor allem aber geben die Personen den Ausschlag. Denn der deutsche "Stadtkommissar, Herr Dr. D e»
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Englische Politik.
Don Eduard Meyer.
Der große Historiker des Altertums (1855 bis 1930), Nachfolger Mommsens an der Berliner Universität, war kein weltfremder Gelehrter. Das zeigt feine im Weltkrieg entstandene leidenschaftliche Kampfschrift: „England, seine staatliche und politische Entwick- lung und der Krieg gegen Deutjchland", aus der der Verlag I. G. Eotta, in feinem Frühjahrsbericht einige Stellen zum Abdruck bringt, deren Aktualität England auch heute wieder Tag für Tag beweist.
„In den großen Kriegen tritt ein Grundzug der e glifchen Politik deutlich zutage, der sie bis auf bz Gegenwart immer beherrscht hat: sie verbindet ;fifj mit den schwächeren Staaten des Kontinents, m den stärksten zu bekämpfen ... So hat England inner von neuem die Kräfte der schwächeren Staa- iiin zu einer Koalition gesammelt und für sich aus- H nutzt, um seinen gefährlichsten Gegner zu demü- tjen; währenddessen hat es jeden Gewinn einge- t imft und festzuhalten versucht, der sich unterwegs ftsetet, und gar kein Bedenken getragen, jederzeit L>n dem Bunde zurückzutreten, ohne feinen Alliier- Ifir» irgendeinen der in Aussicht genommenen Vor- Mle zu verschaffen, wenn es feinen Zweck erreicht |hd, oder wenn gar, durch zu große Erfolge dek Baalition, eine wesentliche Verschiebung der Verhältnisse des Kontinents einzutreten drohte."
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„Aber für den Durchfchnittsengländer und den jtZentlichen Typus des Volkscharakters bleibt doch fczfer schrankenlose Egoismus der entscheidende Zug, |ir, auf den englischen Freiheitsbegriff gestützt, Ijiine eigenen Interessen mit voller Nücisichtslosig- ffit verficht und mit abstoßender Härte die berech- tsten Ansprüche jedes anderen niedertritt, wo sie iyn im Wege stehen ... Dabei tritt er, und das Tiidjt ihn noch unerfreulicher und noch gefährlicher, Uiinesroegs unverhüllt auf, sondern versteht die Sanft ausgezeichnet, sich jederzeit mit wohlklingen- I n, womöglich idealistisch und humanitär lauten- i n Phrasen zu decken und so den Schein zu er- lu’tfen, als kämpfe der Engländer und das eng» I.che Volk zum mindesten für sein gutes Recht, tDmöglid) aber für eine die gesamte Menschheit I rdernde Idee, wo es sich in Wirklichkeit nur um (inen Vorteil und die Gewinnung der Macht han- feit, die ihm die Ausbeutung aller anderen er-
Das himmelblaue Abendkleid ist das, was die trauen gern mit sanftem Augenaufschlag als emen Snaum oder als ein Gedicht bezerchnen. Man peht s zierst auf einer Modenschau, sozusagen neugeboren, i ib es erregt berechtigtes Aufsehen. Das ist m ijrb- r.ung, aber dann wird es nicht verkauft, sondern t-rfdientt, und das ist nicht in Ordnung, und damit t-ginnt die heitere Geschichte und Irrfahrt des l rnmelblauen Traumes. Es entsttcht em erstaun- Iches Durcheinander, weil nämlich das Kleid un- r ittelbar nach der Schenkung auch noch verkauft 1 ird. Die Folge davon ist, daß alsbald eine wilde faqb nach dem Himmelblauen beginnt; diese ^agd f:hrt durch die Pfandleihe, in die.Theatergarderobe, cur die Bühne einer Revue-Prenuere. Em Detekttv- V üro wird bemüht, weil der Verdacht eines l_he- lmchs entsteht, und schließlich beteiligen sich auch t.e Polizei und die Zollbehörde an der Fahndung, ! heil mit dem Kleide zugleich auch, ein wertvoller isgraffenschmuck verschwunden ist, der daran befestigt klar und vermutlich unverzollt über die Grenze kam, ran sieht: es ist ein ziemlicher Wirbel, und die Mißverständnisse, Schwindeleien, Zweifel undVer knchtigungen, die sich an die Irrfahrt des Klrnde k.üpfen, beleuchten und komplizieren die Beziehungen c ler an dem Fall beteiligten Personen auf eme I stspielhast erheiternde und manchmal recht witzige L-eise. Schließlich klärt "sich alles vor bem Unter h chungsrichter, wobei nicht nur bie drohende Scher Rung vermieden, sondern auch eme Berlobu. g g f stet wird, wie es sich gehört. UeberslipNg ck hm c-gen die späte Entdeckung eines.unehelichen«Kmbes, i.as ja aber neuerdings m Filmlustspielen M h urde. — Das Drehbuch schrieben Ench Engels und Berthold Ebbecke unter Mitwirkung von I.. +<aui I^ech. Erich Engels führte auch.mit^Phantasie und Luter Laune, die sich auf die Darsteller ubertr g, h'cqie- Tie Damen Käthe Haack, Ellen Mang, Ufie Maperhofer und Ali GHito haben reichllch ' Gelegenheit, fitf wechlelwen-^auSe-lesen- L.ebe
Wannmüssen dieMndelnheraus?
Ein Problem, das jeden angeht.
Wenn zu unserer Großeltern Zeiten ein Kind Mandelentzündung hatte, dann war das eine recht unkomplizierte Sache. Der Arzt wurde meist gar nicht bemüht. Kam er, dann sah er gründlich in den Hals, tastete unter dem Kinn rechts und links nach Schwellungen und verordnete Gurbelwasser und Fliedertee, dazu Schwitzen und notsalls ein Fiebermittel. Der kleine Hans lag bann ein paar Tage im Bett, die Schwellunyen und das Fieber gingen zurück, und damit schien alles wieder in Ordnung. Der Gelenkrheumatismus, der sich viel später, als der kleine Hans schon erwachsen war, eines Tages einstellte, der wurde natürlich beileibe nicht mit den Mandeln in Verbindung gebracht. Um das Rheuma los zu werden, mußte Hans für teures Geld in ein Bad gehen. Das half allerdings nicht auf die Dauer, aber er trug es als unentrinnbares Schicksal.
Groß-Antwerpens Geburtsstunde
Von unferem Dr. P.-Korrespondenten.
„Der normale Engländer hat eben immer zwei tlltgegengesetzte Formeln in seinem Rüstzeug, von 'bnen er jedesmal diejenige hervorzieht und im Brustton vollster Ueberzeuaung vertritt, die seinem I nomentanen Interesse entspricht."
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„Das Schlimmste aber, was der Krieg enthüllt tut, ist die barbarische Gewissenlosigkeit, mit der (nglanb auftritt, und die furchtbare Dekadenz sei- r-5 Charakters. Wieviel Lüge und Phrase sich hin- tir der scheinheiligen Miene verbirgt, die der Eng- ’ I: nber zur Schau trägt, wie wenig Ernst es ihm r it dem Grundsatz des Fair play ist, sobald es sich i n seinen Vorteil handelt, wie anrüchig oft die' 1>crsö>ilichkeitcn sind, die äußerlich als vollendete (bentlemen auftreten, war der Welt längst bekannt; wer den Tiefstand der Moral, den sie in diesem Jiriege offenbaren, hätte doch niemand mehr für r öglich gehalten."
„England begnügt sich nicht, den deutschen Han- H lahmzulegen und deutsche Schiffe rücksichtslos ! 'i kapern, sondern hält alle neutralen Schiffe an, i n die Deutschen auf ihnen festzunehmen. Es hat ,'nhlreiche Postsendungen aus und nach Deutsch- i Nd vernichtet. Es greift nach Willkür in den Han- l-l der Neutralen ein, hält ihre Schiffe fest, er- fährt für Konterbande, was ihm in den Sinn . li.mmt, ganz unbekümmert um die Satzungen des l.ölkerrechts und die Verpflichtungen, die es fclbft h. internationalen Verträgen übernommen hat.
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„3m übrigen hat England den Krieg bisher in l-r altherkömmlichen Weife geführt. Es laßt die i ’ erblindeten für sich mit Einsetzung aller ihrer Kräfte kämpfen, während es selbst sich nur mit | einer verhältnismäßig schwachen Macht beteiligen lunn und diese nach Möglichkeit zu schonen sucht.
in einen Zustand der Ueberempfindlichkeit: Rheuma- tische Erkrankungen entstehen, Nierenentzündungen, Darmbeschwerden, oder gar eine allgemeine Blutvergiftung mit allen ihren Folgen stellen sich ein. Daß bei einer solchen Häufung von Schädigungs. möglichkeiten die ominösen Drusen sich keines mehr sehr großen Ansehens erfreuen, und daß der Arzt sich meist nicht gerade schweren Herzens zu ihrer radikalen Entfernung entschließt, ist nicht verwunderlich. Dennoch wird er nichts übereilen, vor allem deshalb nicht, weil sehr wohl auch andere Stellen die gleichen schlechten Einflüsse ausüben können. Auch Kieferhöhlenvereiterungen, kranke Zahnwurzeln und andere chronische Entzünldungen können Gelenkrheumatismus verursachen. Der weitschauende Arzt wird also in jedem Fall erst feststellen, ob es wirklich die Mandeln sind und nicht vielleicht ein Backenzahn ober eine Zyste der sogenannten Neben- höhlen, die sich rechts und links von der Nase ver- stecken. — Findet sich ein solcher Bazillenherd ir- gendwo, dann muß er natürlich beseitigt werden, ehe man sich an den Mandeln vergreist. Oft kann man die ganzen Beschwerden mit einem einzigen Backenzahn entfernen, ober mit einer gründlichen Ausspülung und Behandlung der Nebenhöhlen ein für alle mal beseitigen. Der Arzt wird das lieber tun, als ein Organ herausschneiden, das immerhin eine Aufgabe im Organismus hat.
Wir wissen nämlich, daß der Körper wichtige Organe, die man ihm wegnahm, zu ersetzen ttach. tet. Auch an der Stelle, wo die Mandel saß, kann man manchmal später die Neubildung von Lymph- geroeben feststellen, das dann ganz ähnliche Formen annimmt, wie die entfernten Drüsen. Also braucht der Körper diese Organe, sonst würde er sich nicht mit ihrem Ersatz solche Mühe geben, also lasse man sie ihm, wenn nicht triftige Gründe jur das Gegenteil sprechen. Wenn aber der Arzt empfiehlt, die Mandeln herausnehmen zu lassen, dann muß der Patient wissen, daß das heute ein so einfacher Eingriff ist, baß man bas gewichtige Wort „Opera- Hon" bafür nicht gebrauchen möchte. Mit lokaler Schmerzbetäubung burchgeführt, ist die Manbelent- sernung tatsächlich nicht viel anbers als bas Ziehen eines etwas wiberspenstigen Weisheitszahnes.
Dr. L. Albert,
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2Ns die Chirurgen bann die Herausnahme der Mandeln zu einer ungefährlichen Operation gemacht hatten, fah man das einfachste Mittel zur Befeiti- gunq des Mergers mit diesen Organen dann, sie kurzerhand zu entfernen. Die Mandeloperation wurde geradezu Mode. Es ging den Mandeln wie dem Blinddarm: man konnte keine rechte Aufgabe
am besten bei allen Menschen radikal ausmerzte, ehe er noch Schaden anrichten könnte. Heute ist man wieder etwas anderer Ansicht und lehnt chirurgische Massenverfahren ab, weil sie der Auffassung von der Ganzheit des Organismus widersprechen. Außerdem wissen wir, daß die Mandeln, die eine Anhäufung von Lymphkörpern sind, offenbar als eine Art Aussangstation für eindringende Änjek- tionsteime, sozusagen als Blitzableiter für Bakterien dienen, bie sie auf bem Wege in den Schlund und in die Luftwege abfangen. Entzündungen, die sich sonst vielleicht in den inneren Organen abspielen würden, werben so in bie Munb- und Rachenhöhle oorverlegt. Es gibt übrigens im ganzen vier Mandeln. Zwei bavon liegen rechts unb links hinter bem sogenannten Gaumsegel, bas bie Munbhöhle abschließt unb von bem oben bas bekannte Zäpfchen herabhängt. Die dritte Mandel sitzt in der Zunaen- wurzel und die vierte oben in der Hinteren Rachenhöhle. Gerade diese kann sich — vor allem bei Kindern — recht unangenehm bemerkbar machen. Die sogenannten „Polypen" sind meistens nichts anderes als Vergrößerungen dieser Rachenmandel, Kinder, die daran leiden, schlafen nachts mit offenem Munde, das Atmen fällt ihnen schwer, sie sind unlustig unb haben keinen Appetit, ober blei, ben auch ohne recht sichtbaren Grunb in ihrer ganzen Entwicklung zurück. Wenn man solche Anzeichen feststellt, muß man bie Rachenmanbel untersuchen. Ist sie die Schuldige, bann hat sie zu verschwinden. Im allgemeinen meint man aber bie hinter bem Gaumsegel sitzenben Lymphbrüsen, wenn man von „ben Manbeln" spricht, sie sind auch der medi- zinisch interessantere Fall.
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vieler Generationen gesehen hat unb von den Sorgen der Gegenwart berichtet, so denkt man dabei
"."rlich an das vergangene Jahr zurück, da ___dieser Stelle von dem damaligen Schöffen Delwaide einen Bericht über den leeren Hafen von Antwerpen empfingen, unb traurige Ziffern mit nach Hause trugen. Will man von einer Besserung gegenüber bem Vorjahre sprechen, so kann man sie darin sehen, baß bie Ungewißheit über bas belgische Schicksal beseitigt ist unb bas Lanb heute weiß, baß auch es bestimmt ist, an der Neuorbnung Europas mitzuarbeiten, um an ber erhofften unb erstrebten besseren Zukunft teilzuhaben, Heute heißt es unter Anspannung aller Kräfte, die Sünben ber Vergan- genheit zu tilgen unb bie Grundsteine für diese bessere Zukunft zu legen. Außer ber Diamanteninbii- ftrie ist vor allem ber Hafen (er zählte 1937: 12 386 Schiffe mit 25121 471 Tonnen, 1939: 9524 Schiffe mit 19 389 516 Tonnen) die natürliche ©in-
Tag enthüllt wirb, beunruhigt sie nicht; inzwischen hat sie boch ihr Werk getan, unb bie Masse ihres Publikums ist zu unwissenb unb zu leichtgläubig, um sich burch bie Tatsachen eines Besseren belehren zu lassen. Zugleich tritt babei ihre tiefe Unbilbung unb bie völlige Unfähigkeit, anbere Völker zu verstehen, brastisch zutage. Für ben Augenblick haben sie mit biefem System großen Erfolg gehabt; aber bie Ernüchterung ist im Auslanbe fchon in stets wachfcnbem Maße eingetreten, unb ber Moment wirb kommen, wo sie auch in Englanb selbst ein» tritt. Unb bann, wenn es zu spät ist, werben sie einsehen, daß sie, ganz abgesehen von der morali» scheu Erniedrigung, sich selbst unb bem Ansehen Englanbs bamit ben größten Schaben getan haben."
II. '
Bei Bürgermeister Delwaide. ;
Brüssel, Januar 1941. ;
Wir gehen zum Ausgang bes Zentralbahnhofs, - in bem die gleiche Menschenmenge herumquirlt, wie ' vor dem Kriege. Auch auf den Straßen hat sich । nichts geändert. Denn im Gegensatz zu den (Ermattungen der Vorkriegspropheten haben Stadt unb Provinz Antwerpen unter ben Kriegsereignissen verhältnismäßig nur sehr wenig gelitten. Hier ging alles viel zu schnell, als baß burch Angriff : unb Widerstand» Verwüstungen hätten eintreten können. Auf ber breiten Keyzerlaan, bie vom Hauptbahnhof in bas Stadtzentrum führt, stehen nach wie vor unbeschädigt bie großen Hotels, bie Kaufhäuser unb die Bankpaläste, Häuserfronten, die in ihrer Massivität an die Zeil in Frankfurt am Main er- innern, Zeugen jener ausgeruhten zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sind, wo man so irrtümlich glaubte, allein durch Handel unb Wandel Friede und Wohlstand für alle Zeiten gesichert zu haben.
Wer über das heutige Antwerpen näheres ersah- ren will, begibt sich am besten In das am Groote Markt, unweit vom Hafen gelegene „Stadt- Huis", einen prächtigen Renaiffance-Dau. Dort regierte einst der hagere und ntroöje Kamiel H u y s- mans, ein gescheiter, geistreicher und die Zeichen ber Zeit nicht im mindesten begreifenber Herr. Denn ber geroanbte Kamiel, einst Kammervorsitzender unb eine führende Figur innerhalb ber Sozialisten, hatte bie fatale Gewohnheit, stets auf bas falsche Pferb zu setzen. Er war im Abessinienkrieg leibenschaft- licher Anhänger ber Sankttonen gegen Italien, was hanbelspolitisch für Belgien später recht üble Folgen zeitigte. Er war im Spanienkrieg ein leidenschaftlicher Gegner Francos und tat das Seine, um die Wiederaufnahme der belgisch-spanischen Beziehungen zu hintertreiben. Er war im Kriege von 1939 ein leidenschaftlicher Parteigänger der West- mächte unb schließlich im Mai 1940 — ein Flüchtling.
Das Gegenbeispiel einer belgischen Haltung kann man an dem Schöffen Delwaide demonstrieren, ber zur gleichen Zeit, wenn auch in anderer Weise ' für Antwerpen arbeitete, wie Herr Huysmans. Ruhig unb fachlich trug Herr Delwaide im vergangenen Winter als Sachverständiger für Antwerpe- ner Hafenfragen in der Kammer feine Statistiken vor, aus denen sehr klar und deuttich hervorging, wie bie Maßnahmen ber „englischen Freunde" Belgien ruinierten, den Hafen von Antwerpen lahm- fegten, Wachsen der Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen unvermeidlich machten. Für die mit den Weltmächten sympathisierenden Kreise im „neutra- len" Belgien waren solche Kammerreden bes Herrn Delwaide stets etwas peinlich, weil ihre Sachlichkeit entwaffnend war. Als aber bann die entscheidenden Mai-Stunden kamen, unterschied sich Herr Delwaide von anderen belgischen Amtsträgern dadurch, daß er den ihm anoertradttm Aufgabenbereich nicht ver- ließ, sondern gerade in der Stunde der Not seiner Heimatstadt Antwerpen treu blieb und zur Sette stand. Dieses Verhalten hat denn auch die Folge gehabt, daß heute Herr Delwaide der Höchstverantwortliche in Antwerpen und ebenda ordentlich be- ' stallter Bürgermeister geworden ist.
Wenn Herr Delwaide heute in dem alten braun- : getäfelten Zimmer empfängt, in dem einst die Spa, . nier regierten, und das danach das Auf und Ab so


