1t. 205 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Wandervorschläge für den Sonntag
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er so oft besungen hatte:
„Das grüne Gläslein zersprang in meiner Hand, Brüder, ich sterbe fürs Vaterland!"
Löns bekundete seine soldatische Gesinnung nicht nur in seinem dichterischen Werk, er bestätigte und erfüllte sie mit der Tat. Bereits achtundvierzigjährig kannte er keinen brennenderen Wunsch, als mitantreten zu dürfen und die Waffe für Deutschland zu führen.
An seinen Verleger Eugen Diederichs schrieb er in den ersten Augusttagen 1914: „Don allen Seiten mahnt man mich, aber es kommt mir dumm vor, dazusitzen und zu dichten, wo andere, schwächere als ich, ihre Knochen vor den Feind bringen ..." In einem anderen Brief heißt es: „Ist das eine wunderbare Zeit. Hoffentlich werde ich (als Kriegsfreiwilliger) genommen. Mensch, das Leben ist doch so schön jetzt, daß es sich lohnt, zu sterben. Die Feder schmeiße ich in den Dreck. Das Schreiben ekelt mich."
Ende August rückte Hermann Löns als Kriegsfreiwilliger ein. Sein Glück war grenzenlos. Einen Monat später, am 26. September, siel er im Westen. Ein Kamerad berichtet über seinen Tod: „Den Morgen sollte er nicht mit, als der Angriff begann. Schon sonst war ihm die Teilnahme öfter abgeschlagen worden. Aber er wollte und wollte durchaus. Zuletzt
Verdunkelungszeit
29. August von 20.18 bis 6.23 Uhr-
Bieber — Helfholz — Hohensolms — Blasbach- lal — Simberg — Wetzlar.
Von unserem Ausgangspunkt Bieber wandern wir durch das Biebertal zur Obermühle. Beim Wegweiser verlassen wir die Straße, gehen geradeaus in das Dünsbachtal, bis wir auf die vom Dunsberg kommenden schwarzen Punkte stoßen, oenen wir nach links folgen. Durch Wald und Feld, unterwegs überraschende Blicke auf Königsberg, den Dünsberg und später auf die Westerwälder ^öhen genießend, führt uns das Zeichen über das Helfholz hinauf nach Hohensolms, wo wir rasten können. Von hier benutzen wir die Landstraße, die am Altenberg vorbei nach dem lieblichen Blasbach- tal führt. Die mancherlei Windungen, die durch das waldumsäumte Tal führen, können wir durch Fußwege abkürzen. Nachdem wir das schön gelegene Blasbach passiert haben, steigen wir nach links in die Höhe, genießen von oben prächtige Blicke auf das Dorf und die umliegenden Höhen und folgen jetzt roten Strichen, die uns nach dem unbewaldeten Simberg bringen. Auf dem mit Ruhebänken versehenen Kamm des Berges erschließt sich eine reizvolle Aussicht in das Lahntal, auf Wetzlar mit seinem Dom, auf Bismarcktum und Ruine Kals- munt. Den Abstieg nach unserem Endziel Wetzlar nehmen wir über Niedergirmes. Wanderzeit fünf Stunden.
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hat der Kompanieführer es erlaubt. So froh habe ich Löns nie gesehen als an diesem Morgen."
Zn offener Feldschlacht beim Sturmangriff fand Dichter den schönsten Soldatentod, jenen Tod,
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Die neuen Mitglieder unseres Stadltheaters
Sie berichten über ihr bisheriges Wirken.
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hilft und Weihe trank — aus dieses Tages Rosen- K. K.
Hermann Löns.
Zum 75. Geburtstag des Dichters
am 29. August.
Von Hans Spanholz.
IlWK. Wer sich damit begnügt, Hermann Löns die Mmizeichnung eines „Heidejängers" und „Tler- f Mirrs" anzuheften oder ihn als „Jagdschriftsteller
M „Naturjchilderer" abzustempeln, beweis , daß er M Dichters Werk in seinem tiefsten Wesen nicht e-i.t und ausgeschöpst hat. Er haftet an der Ober-
i|e, statt auf den Grund hinabzustelgen. .
!. Mellich hat Hermann Löns die Heide wie kein ter besungen, die geheimsten Regungen der MIL belauscht und kundgetan, das edle Weldwerk i ' diu,nachahmbarer Weise dichterisch geformt und ge- i |lti, das alles aber macht nicht Wesen und Wert Miiis Werkes aus. Entscheidend ist für uns die Tat-
W daß er ein deutscher Dichter im besten und J Men Sinne des verpflichtenden Wortes ge-
Nation beruhe, bei den Bauern, Handwerkern und Arbeitern. Er ' will lieber am blankgescheuerten Eichentisch des Baurrn sein Brot brechen, als in erlauchter Gesellschaft mit silbernen Bestecken hantieren.
Des Dichters ganze Liebe gehörte dem Wurzelechten, dem Bodenbeständigen und Eigenwüchsigen. Alles Art- und Wesensfremde ist ihm zuwider, er bekämpft fremden Flitter und Tand und die deutsche Vorliebe dafür in scharfer, rücksichtsloser Kritik: „Von Rom und Athen, Jerusalem und Paris, und von wer weiß wo noch her ließen wir uns den geistigen Hausrat und Wandschmuck aufschwatzen ... Kein Volk der Welt ist so arm an äußerer Eigenart, so weltbürgerlich verwurstelt, so um sein ureigenes Angesicht gebracht wie wir", klagt er 1913 unverblümt und verbittert. „Meine Tendenz ist , schreibt er als Fünfundvierzigjähriger einem Freunde Apffe - städt „meinem Volk den Rücken mit Franzbranntwein einzureiben, es mit Freude und Grimm zu füttern und mit Wonne und Weh zu tranken, damit es so bleibt, wie es ist, sich nicht verplempert m fremder Art, und nicht vergißt, daß es zwei Gesichter bat- ein gutmütiges und ein bösartiges. Wir kriegen allmählich zuviel Gemütsembonpoint, seufzen wenn irgendwo ein Schweinehund geköpft wird, und stöhnen wenn wir die Knarre zur Hand nehmen sollen, ffinen firieq, den möchte ich erleben, aber attiDl Löns haßt/ alles Halbe und Weichliche, ihm kam es darauf an, feinem Volke den Nacken zu fteifen und feine Haltung zu starken, ihm Selbstbewußtsem und nationalen Stolz anzuerzlehen.
>,Ein Pfui dem Mann, der sich nicht wehren kann. Not lehrt das Gebot: Schlah dot, schlah bot!"
Bester fremdes Blut am Messer, als fremdes Mester im eigenen Blut", läßt er 'tn „Werwolf Harm Wulf sprechen. In dem gleichen Roman he,ßt es Wer sich und die Seinen 8-gen Schandtat und Greuel wehrt und Witfrauen und Waisen beschützt den wird unser Herrgott willkommen heißen und " " (efne Hände auch über und über rot find. 2™ber aus dem „Kleinen Rosengarten" werden gelungen werden, solange deutsche Soldaten mar- cksteren Als Subeifanfare tont gegenwärtig des Mers Matrosenlied „Heute wollen wir em Lieden fingen, trinken wollen w,r den ckuhlen Wem , ba" Englandlied, landaus und landab um ruhmreichen Sieg über das von ihm so glühend gehaßte England zu verkünden. Das Lied der roten Hufaren fteift ist die Liebe, kalt ist der Schnee, der Schnee gchört zum eisernen Bestand jeder sangesfrohen Wannschast.
Aus der Stadt Gießen.
Kraft am Morgen.
Am Morgenhimmel Verladern die letzten Rosen- Himmen. Jetzt fallen die ersten Sonnenstrahlen jcräg und Mit wunderbar tiefem altgoldfarbenen glichten durch die dichten Zweige. Im kleinen Gar- singt ein früher Vogel. Er hat mich mit uner- Mdlich wiederholtem Lockruf aus dem Morgenschlaf zweckt, so bin ich vor Tag und Tau aufgestanden, ll-.b ihm dankbar dafür, denn so eine stille Morgen- jlmbe spendet Kraft und Gesundheit.
Auf den grünen Rasenflächen in den Anlagen rofcen die hauchfeinen Silbernebel der unberührten Kühe, der Tau fällt in großen klaren Tropfen mit le.em Klingen. Unbeweglich ruhen die Silhouetten -c Bäume im Frühnebel, sie schlafen noch ... sie
[öntjd) in der Wahl seiner Stoffe, m Kompo- h, Stil und Sprache, deutsch auch m der Cha- kliiirzeichnung seiner Romangestalten. Lons Lpa- Mr wurzelt im Bäuerlichen und Soldatischen.
und Schwert, scharf geschliffen, blinken durch
Dichtung dieses Sohnes, des deutschen Osten I*- rn und Kriegern hat er im „Werwolf em un- v'Sangliches Denkmal gesetzt. Der Rauer ist ihm
-Kulturträger und Rasseerhalter". „Ehe ihr da fix ihr Leute aus der Stadt, ob reich, ob arrm
>och und niedrig, war ich da! Ich brach d Mm, ich säte das Korn, ich schuf das Feld, auf dem | Isben und gedeihen konntet mit eurem Gewero , W i urem Handel, eurer Industrie, eurem Verkehr. & -and das Recht, ich gab das Gesetz, ich wehrte || Feind ab, ich trug die Lasten jahrtausendelang.
bin der Baum, und ihr seid die Blatter. -3d) | *ie Quelle, und ihr seid die Flut. Ich bm das
und ihr seid der Schein!" Ein Volk, d «vm seßhaften Bauernstand hat, ist nach des D cy- F Meinung kein Volk, sondern eine Handels 8Mast, ein Wirtschaftsunternehmen Die Bauern S:t gelten ihm als ein „adelig Volk, adelig
und Sinn". Klar und eindeutig bekennt er sily ih Rassegedanken, indem er feststellt: „Adel s Mi.. Adel ohne Reinrassigkeit ist Tressenstand und '^nsgeglitzer." Gegen Ende seiner Tage erzaylie ? l«ß während der Schulzeit ein Lehrer ihn - sich die' „Tendenz nach unten abzu- .«-ihnen. Es sei ihm aber nicht gelungen Sem W sei vielmehr immer bei dem breiten Untervau Wis Volkes geblieben, auf dem das Leben oer
Mendorf—Nordeck—Dreihausen—Holzhausen— Schröck—Clisabethbrunnen—Marburg-Süd.
Wir benutzen die Bahn bis zur Station Allen- dorf a. d. Lda., gehen durch den Ort und verfolgen die Straße nach dem.malerisch gelegenen, von seiner Burg überragten Nordeck, um von hier den mit gelben Punkten bezeichneten Weg nach Dreihausen einzuschlagen. Links vom Bahnhof bringt uns ein Fahrweg über den Seenberg und durch den Wald geradeaus nach Holzhausen. Hier versäumen wir nicht den großartigen Park des Freiherrn von Stumm nebst Schloß „Neu-Potsdam" zu besichtigen. Von Holzhausen gehen wir zunächst den Fahrweg durch das Gut in gerader Richtung auf Schröck, kommen dann auf die Straße, die von Roßdorf und Wittelsberg hier gemeinsam nach Schröck führt Von hier gehen wir die Straße weiter zu dem von der Sage umsponnenen Elisabethbrunnen, der von Linden und Buchen beschattet und mit Ruhebänken versehen ist, und über die Schröcker Gleiche durch den Wald an den Hansehäusern, beliebte Marburger Gaststätten, vorbei. Die Straße führt weiter in der Richtung auf Marburg-Süd. Rechts sehen wir den Bismarckturm, dessen Besuch sich wegen der schönen Aussicht auf Stadt und Umgegend von Marburg lohnt. Später wendet sich die Straße nach rechts. Bei der zweiten Rechtsschwenkung geht links ein schöner schattiger Fußweg zum Bahnhof Marburg-Süd. Dauer der Wanderung 5 Stunden.
Ines Rasst,'
Jugendliche Sängerinsoubrelle.
Ich bin in Wien geboren und machte mit 15V2 Jahren die Aufnahmeprüfung für die Akademie für Musik und darstellende Kunst. Ich hatte das große Glück, in die Klasse der ausgezeichneten Gesangs- pädagoain Frau Professor Singer-Burian zu kommen. Als ich dann auch noch die Opernschule Professor Markovskis besuchte, hatte ich die Ehre, bei einer Gesamtaufführung der „Fledermaus" die Ida zu singen und zu spielen. Zuletzt kam ich in die Meisterklasse von Professor Duhans, wo ich öfters Gelegenheit hatte, bei Fragmentabenden mitzuwir- ken und so mein Können in vielen Rollen zu beweisen. Bei der heurigen Schlußaufführung im Schönbrunner Schloßtheater fiel mir die ehrende Aufgabe zu, den Bastien zu singen. Mein Austritt aus der Akademie ist mir bestimmt nicht leicht gefallen, denn die sechsjährige Dauer meines Studiums war mit vielen Freuden verbunden. Von Februar bis Juni sang ich dann an der Volksoper Wien in Gastspieloerpflichtung die Adele in „Fledermaus" und die Cola in „Cavalleria rusticana". Ich sehe nun mit großen Hoffnungen meinem ersten Engagement entgegen.
Käte Jaenicke-
Naive Sentimentale und muntere Liebhaberin.
Ich verlebte eine herrliche Kindheit am Ostseestrand in unserem lieben, alten Danzig. Durch die Schönheiten unserer Stadt und durch Reisen nach Italien und Oesterreich angeregt, gewann ich früh eine tiefe Liebe zur Kunst, besonders zur Architektur und Malerei. Immer bedrängte ich meine Eltern, mich doch endlich auf die Theaterschule gehen zu lassen. Ich lernte für mich alle großen klassischen Rollen, wahllos durcheinander, die mich immer sehr erschütterten. Von der Oberprima meldete ich mich heimlich auf Anraten einer Schauspielerin, bei der ich vorsprach, zur Eignungsprüfung am Danziger Staatstheaters. Da ich sie als Beste bestand, gaben meine Eltern endlich nach. Ich wurde Schülerin der Staatlichen Schauspielschule in Danzig.
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? Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
l loria-Palast, Seltersweg: „Frau Luna". — Mspielhaus, Bahnhofstraße: „Diskretion — Ehren- w*.
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Volksbildungsstätte.
। toniitag, 31. August, Pilzwanderung, Treffpunkt ß.3 Uhr am Cafe Nizza.
Mittwoch, 10. September, Führung durch die Vci ichen Tonwerke, Treffpunkt 15 Uhr am Ein- ß:r| der Werke, Erdkauterweg.
| ^ilnehmerkarten sind in der Kartenverkaufsstelle, Mersweg 60, abzuholen. 36020
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i * Befreiungen von der Rundfunkgei ü h r. Nach einem Entscheid des Reichsarbeits- Wsters kann die Befreiung von der Rundfunk- M hr auch Angehörigen der Empfänger von Mgsbesoldung gewährt werden, wenn das Ein- tur nen die Grenze für den Einsatzfamilienunter- |bol nicht übersteigt. Eine schuldlos geschiedene Fru mit zwei Kindern kann einer Witwe mit zwei ’roro ern gleichgestellt werden, wenn Unterhaltsoei- tchs von dem Ehemann nicht zu erlangen find.
Seltsamer Bergfreund.
Von Joseph Baur.
Mein Bergkamerad und ich fühlen uns tzuweilen noch recht jung Und die „Wand", die wir diesmal bezwingen wollen, ist immerhin eine jener Wände, an deren Fuß schlichte Gedenktafeln von tödlich Abgestürzten künden ...
Wir haben gerade mit dem Einstieg begonnen, — da hören wir das herannahende Stapfen zweier Bergstockspitzen. Ein Herr und eine Dame kommen gemächlich den Pfad herauf, der am Fuße der Wand vorbei auf gefahrlosen Umwegen ebenfalls zum Gipfel führt.
Der Herr ist alt, die Dame jung, offenbar sind es Vater und Tochter. Beide tragen Sonnenbrillen. Der Herr trägt außerdem einen weißen Spitzbart, einen hellen Sommeranzug und einen Strohhut, die Dame ein fesches Sportkostüm, glänzende Seidenstrümpfe und ein sehr buntes Kopftuch.
slsofen ganz wahrhaftig! Und auch die zahllosen M."en an den schlanken Stämmen scheinen leiser als er Tage in der herben Morgenluft zu atmen und m duften. Kein einziges Rosaschälchen der zarten Menblätter rührt sich, nur wenn ein Tautropfen lik'ingleitet, geht ein leises Erschauern durch die lösende Rose, aber nur für eine einzige Sekunde.
ist, als ob sie ein bißchen lächelte, — wie ein stufender Mensch wohl lächeln mag, wenn man iljn. Rosen auf die Bettdecke legt und ihr Duft seine SiLume leise streichelt.
)ie taubesprengten Bänke in den Anlagen sind tb auf eine einzige noch leer. Darauf sitzt ein Ar- 6e:<r mit grauem Haar, die arbeitsrauhen Hände Iftil übereinandergelegt, die kleine blaue Emaille- f.iine neben sich, die ihn zur Arbeit begleiten soll.
kommen in ein Gespräch. „Im Sommer stehe i^immer noch eine Stunde früher auf, das tut so |gu so ein bißchen stille sitzen und nachdenken in bei schönen Luft, in der Fabrik nachher ist es so [n — und die vielen Menschen! Da kommt man bei ganzen Tag nicht mehr zur Besinnung!" — I ft ist an sein stählernes Tagewerk gegangen, und Illfbin allein unter den schlafenden Rosen und denke erliefen deutschen Arbeiter, der eben wie ein Weg- wtser von mir gegangen ist, der mit stillen Augen itrarbeitsoerroitterten Gesicht in die Rosen träumte in! sich für einen harten Tag sehnsüchtig Licht und
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Jetzt kamen die zwei schönsten Jahre. Neben dem Unterricht hatte ich oft Gelegenheit, abends kleine Rollen zu spielen. Unser Wahlspruch war: „Wir sind mit dem Theater verheiratet." Ich freue mich nun sehr, von Intendant Hans Walter Klein nach Gießen verpflichtet worden zu sein, an ein Theater, dessen guter Ruf sogar bis zu uns in den Osten gedrungen ist.
Hans Lott,
Charakter- und Heldenbariton.
Ich heiße eigentlich Johannes mit Vornamen, um die Sache aber kurz zu machen, rief man mich einfach Hans, und dabei blieb es denn auch. Geboren bin ich am 18. April, dem Karsamstag meine-"' Geburtsjahres. Da kurz darauf das Öster-Jubilate mit Macht einsetzte, probierte ich gleich, ebenfalls mitzusingen, na ja, lassen Sie mich darüber schweigen; auf jeden Fall entwickelte ich mich so nach und nach tatsächlich zu einem Sänger, so daß also nach der Kausaltheorie der eigentlichste Grund meines Hierseins in meinem Geburtsdatum (f. o.) zu suchen ist. Ich komme jetzt aus dem Ausland, aus Zürich, meine Kunst will ich immer einsetzen für die Erhaltung unserer deutschen Kultur und damit auch des herrlichen, von mir so heißgeliebten deutschen Theaters.
Ludwig Druschel,
Lyrischer Bariton.
Als Sohn eines einfachen Schlossers wurde ich Werkzeugmacher und schloß mich in meiner Begeisterung für Musik schon sehr früh an Gesangvereine an, in denen ich bald solistisch hervortrat und auch, wenn es sein mußte, den Dirigenten vertrat. Später als Aufseher in der Strafanstalt Frankfurt-Preungesheim bewog mich auch dort die Liebe zur Musik, einen Chor aus Insassen der Anstalt zusammenzustellen. Meine schöne Stimme fiel allgemein auf, und man drängte mich, Gesang zu studieren. Die Eignungsprüfung bestand ich glänzend. Von nun an ging es rasch voran. Seit September 1937 gehörte ich zur Meisterklasse für Gesang von Pros. Dr. Ligniez. Ihm verdanke ich alles. Es ist
Sreitag, 29. August 1941
SCHAUMPON
Vor den Gedenktafeln bleiben sie stehen. Der alte Herr deutet mit dem Bergstock zuerst auf die Tafeln, dann herauf zu uns. Dazu spricht er laut und vernehmlich, so daß es rings von den Felswänden widerhallt:
„Wenn hier, angesichts dieser Tafeln, noch jemand emporklettert, so kann dies nur Leidenschaft oder Wahnsinn sein!"
Pause. Dann:
„Leidenschaft kann es nicht sein; denn Leidenschaft, die angesichts so deutlicher Warnungen trotzdem frevelhaft das Leben aufs Spiel setzt, gibt es nicht. Folglich kann es nur Wahnsinn sein!"
Lange Pause. Dann, abschließend:
„Und es ist auch Wahnsinn!'"
Kopfschüttelnder Blick nach oben. Weitergehen.
Wir hören noch lange das sich entfernende kräftige Ausstößen der Eisenspitze seines Bergstockes.--
Einige Stunden später rasten wir auf glücklich erreichtem Gipfel. Wir genießen den Fernblick, die Einsamkeit, die Stille — und unseren Sieg. Nur eine Tafel stört uns. Sie ist erst neu angebracht worden und weist erklärend auf die „Aussicht" hin. Nach heftigem inneren Kampf haben wir uns entschlossen, sie stehen zu lassen.
Da hören wir von ferne, immer näher kommend, Ausstößen von Bergstockspitzen. Das kann doch nur unser kritischer Bergfreund mit seinem Töchterlein sein — und wirklich, sie sind es. Alle Achtung, das haben sie gut geschafft! Die Tochter sieht etwas mitgenommen aus, aber der Vater, wenn auch schweiß- beperlten Angesichts, betritt triumphierend den Gipfel. Uns „Wahnsinnige" findet er keiner weiteren Beachtung wert. Dafür aber schenkt uns seine hübsche und gutgewachsene Tochter um so mehr Aufmerksamkeit — bis ein gebieterisches „Margot!" sie an die Seite des Vaters ruft. Er steht — natürlich! — vor der Aussichtstafel und spricht:
„Sieh dir diese Tafel an! Was fällt dir daran auf?"
Margot studiert eine Weile. Dann sagt sie, etwas unsicher:
„Die Tafel ist in Fraktur geschrieben."
„Gut, aber doch nicht ganz präzise beobachtet!" sagt der Vater. „Was fällt dir außerdem noch auf?"
Darauf die Tochter, plötzlich freudig erleuchtet:
„Ja! Nur der Anfangsbuchstabe ,A‘ des Wortes ,Aussicht ist Antiqua!"
„Recht so!" sagt der Vater jetzt befriedigt. Und ohne noch einen Blick an die wirkliche Aussicht zu verschwenden, entschreiten die beiden, begleitet vom Rhythmus der aufstoßenden Bergstockspitzen.
Wir überlegen noch einmal, ob wir die Frakturtafel mit dem Antiqua-A nicht entfernen sollen, — aber jo jung fühlen wir uns eben doch nicht mehL
x} • Ebenso wie gespal-
- I tene Haarspitzen
\ i/Än0 e und Schlnncn oft
' eine Folge der Kopf-
wasche mit scharfen Waschmitteln. Abhilfe ist leicht: pflegen Sie Ihr Haar so, daß kein Alkali und keine Kalkselfe Im Haar Zurückbleiben, also mit
dennoch nicht immer leicht gewesen, künstlerische Studien zu treiben, alles Schöne aus sich Herauszuge« ben, um in der Uniform in der nächsten Stunde wieder strengen Dienst $u tun. Aber auch von meiner vorgesetzten staatlichen Behörde habe ich alle Erleichterungen und Vergünstigungen zur Vollendung Meines Studiums erfahren. Als ich zum ersten Male auf der Bühne stand, war es für mich eine Freude, die mir zu Herzen ging, zu sehen, wie mein alter Vater mit Tränen in den Augen im Zu schauer- raum saß.
Im Jahre 1939 erhielt ich den Musikpreis der Stadt Frankfurt. Bestimmend waren dafür zwei Abende innerhalb der Musikwochen der Staatlichen Hochschule, an welchen ich Schuberts „Winterreise" und Hugo-Wolf-Lieder zu Gehör brachte. Nun komme ich aus Nordhausen, wo ich als 1. lyrischer Bariton engagiert war. Ich freue mich hier auf alle die schönen Rollen, die mich schon jetzt erwarten.
Josef Franz Sattler,
Jugendlicher Heldentenor.
In Kärnten, dem südlichsten Gau des Reiches, der Heimat Koschats, wurde ich geboren, und die Lieder dieses Kärntner Komponisten mögen bestimmend auf meine Entwicklung eingewirkt haben. Dem Beispiel meines Vaters folgend, wendete ich mich der Technik zu und vollendete nach vorhergehender praktischer Ausbildung meinen Maschinen-Jngenieur. Mein folgender Aufenthalt in der Musikstadt Wien entrückte mich der Technik und zog mich unwiderstehlich zur Bühne. Nach dreijährigem Studium an der Staatsakademie für Musik wurde ich nach Essen an die städtischen Bühnen verpflichtet und von dort im zweiten Jahre zur Dienftleiftuna bei der Luftwaffe eingezogen. lieber das Grenzlandtheater Ra- tibor führt mich mein Weg nun ins schöne Hessenland. Die Gießener Bühne stellt mich vor große Aufgaben, und es wird mein ganzes Bestreben sein, mir im Dienste der Kunst die Anerkennung und das Vertrauen des Publikums zu erringen.
Walter Ecsy,
Lyrischer Tenor der Oper und Operette.
Mit einem Sprung aus dem Jmporthandel in Wien, wo ich als Korrespondent tätig war, in dis Meisterklasse — Kammersänger Hans Duhans der Musikhochschule und Staatsakademie in Wien begann meine Bühnenarbeit. Dieser ging jahrelanger Fleiß im Gesangsstudium voran. Die Schule konnte ich in verhältnismäßig kurzer Zeit von 2 Jahren absolvieren. Dann gab mir das Theater in Göttinnen in den Jahren 1938/39 und 1939/40 eine gute Grundlage, wo ich als 1. lyrischer Tenor für Oper verpflichtet war. Soldat war ich in Köln. Während dieser Zeit beauftragte mich das Reichspropagandaministerium mit einer Reihe von Auslands-Propagandakonzerten, hauptsächlich in Italien, wo ich zusammen mit Filmschauspielerinnen und Kolleginnen des Deutschen Opernhauses und der Staatsoper Berlin arbeitete. Anschließend daran konnte ich eine Reihe von Gastspielen und Konzerten in vielen Städten Deutschlands erfüllen. Ich hoffe nun, daß ich auch hier dem Publikum gefallen werde.
Herbert Köchlmg,
Jugendlicher Held.
Die letzten zwei Jahre war ich in der Ostmark am Steirischen Landestheater in Graz tätig. Vorher war ich an den Stadttheatern in Zwickau, Ulm, Ha-


