Ausgabe 
29.7.1941
 
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Kr. 178 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 29. Mi Ml

Aus der Stadt Gießen. Neuer Gpielplan mit neuen Kräften

Hundstage und Hungersteine. _. _ K22C 2 . K 1

Das Gießener Stadttheater in der Spielzeit 1941/42.

gewonnen wurden. Da die

Verdunkelungszeit

29. Juli von 21.18 bis 5.34 Uhr.

Lumpen als Rohstoff

Warum Reichsspinnstoffsammlung?

Vom 28. Juli bis 23. August wird eine Reichs-Spinnstoffsammlung durchgesührt.

Am Flügel: Luise Llllrich.

Kleine Szene in einem Filmatelier.

Wenn die Lichter im Zuschauerraum erlöschen und die Leinwand die Namen derer nennt, die mitge­schaffen haben an dem Werden das neuen Films, all die Autoren, Spielleiter, Architekten, wird nicht jedem Betrachter bewußt sein, daß die Arbeit jedes einzelnen dieser Männer nicht wezudenken war bei dem Zustandekommen auch der kleinsten Szene. Nur die Leute vom Bau wissen um das kamerad­schaftliche Zusammenarbeiten von Darsteller und den vielen, vielen anderen, die nur die Stab-Liste des Drehbuchs in ihrer Vollständigkeit verrät. Es ist immer wieder ein Erlebnis, an der eigentlichen Ge­burtsstätte des Films, im Atelier, zu verfolgen, wie eine Idee sich in solcher Gemeinschaftsarbeit gestal­tet zum lebendigen Bild.

Wir sind in Johannisthal bei den Innenauf­nahmen zumFall des Leutnants Rai- n e r". Ein Musikzimmer des Schlosses Kronenburg ist aufgebaut. Pausbäckige barocke Engelsköpfe lächeln von Türen und Gesims, in schwerer goldner Steif­heit warten Sessel und Ruhebänke an den Wän­den, und in hundert Facetten gebrochen sprüht ein Kronleuchter strahlendes Licht aus den Flügel, der das Bild beherrscht. Luise Ullrich, die Prinzeß

Unter der Gesamtleitung des Intendanten Hans Walter K lein werden als Bühnenvorstände tätig sein: Wilhelm Michael Mund (vom Stadttheater Greifswald) als Oberspielleiter des Schauspiels und Chefdramaturg, Karl Maria Zeppenfeld und Gerd Fritz Ludwig als Spielleiter des Schau­spiels, Karl V o l ck als Spielleiter des Lustspiels, Max Schwarze (vom Deutschen Theater Wies­baden) als Oberspielleiter der Oper, Horst Verg­ne r (Oberschlesisches Landestheater Beuchen) als Spielleiter der Operette, Kurt Deichmann als Dramaturg und Regieassistent, unb Andreas Vol­pe r t (Deutsches Nationaltheater' Weimar) als Ballettmeister unbr Solotänzer: ferner als Musik­vorstände.- Otto Söllner, 1. Kapellmeister und musikalischer Oberleiter, Oswald E n t e r l e i n (Mit­teldeutsches Landestheater Halle) als Kapellmeister und Chordirektor, Karl Willy Hahn als Solo- repetitor, Heinz Markwardt (z. Z. Wehrmacht) als Kapellmeister und Chordirektor, und Franz Kerzisn i k als 1. Konzertmeister. Als tech- nifcfjer Oberleiter und Bühnenblidner wird, wie seit Jahren, Karl Löffler tätig sein.

Eine Liste der zahlreichen für Schauspiel, Oper, Operette, Chor und Ballett neuverpflichteten Mitglieder ist bereits am Ende der letzten Spielzeit an dieser Stelle veröffentlicht worden. Außer ihren Bildern bringt das Werbeheft kurze programmatische Hinweise des neuen Oberspiel­leiters Wilhelm Michael Mund (Junges Schau­spiel in Gießen") und Max Schwarze (Heber meine Inszenierungen".)

Nach dem Geburtstagsessen wurde die Flasche feierlich eingeholt, wie eine Fahne. Behutsam wischte Herr Kruger die Spinnweben und den Staub ab. Dann stellte er sie einen Augenblick zur Bewunderung auf den Tisch. Allen war ein wenig feierlich zumute. An den Wänden der guten Stube hingen die Bilder aller Vorfahren Herrn Krugers, durch deren Hände diese Flasche gegangen war. Sie schienen voll Ernst und Würde an dem Schick­sal der Flasche teilzunehmen. Herr Kruger kratzte das Siegel ab, setzte den Korkzieher an und zog. Lautlos glitt der Kork aus dem Flaschenhals. Im nächsten Augenblick gluckste das kostbare Naß in das Glas.

Aber immer länger wurden die Gesichter. Der hundertjährige Wein sah gewöhnlichem Wasser zum Verwechseln ähnlich. Nach der ersten Kostprobe gab es keinen Zweifel mehr: in der Flasche war nichts als Wasser. Voll Bestürzung entschuldigte sich der Hausherr bei seinem Gast. Der Professor lächelte und sagte:

Daß sich ein guter Wein hundert Jahre halten kann, ohne getrunken zu werden, ist an sich schon unnatürlich, um nicht zu sagen, unmenschlich. Aber daß von deinen Vorfahren keiner auf den guten Gedanken gekommen sein sollte, den Wein auszu- trinken und durch Wasser zu ersetzen, würde mich wundern. Am ehesten würde ich die Sache deinem Ur-Onkel, dem Bankier zutrauen, der dort neben der Wanduhr so verschmitzt herüberlächelt. Schon so mancher hat Wein in Wasser verwandelt. Dein Vorfahre war sicherlich ein guter Menschenkenner. Er wußte, daß der Augenblick des .Trinkens nur ein flüchtiger Genuß ist, während die vermeintliche Weinflasche im Keller ein wirkliches Glück bedeutet. Vielleicht siebzig Jahre lang hat die Weinflasche eurer Familie die Freude eines kostbaren Besitzes gewährt. Zwei Generationen sind im Glauben an sie dahingeschwunden. Wie leicht wiegt dagegen der kleine Augenblick der Enttäuschung, dem ja auch bei dir viele Jahre gläubigen Glücks vorangegangen sind. Ich möchte daher vorschlagen, daß wir die ehrwürdige Flasche neuerlich mit Wasser füllen und sie zur Freude künftiger Geschlechter weiterhin auf­bewahren."

Anfangs schien dieser Gedanke Herrn Kruger im höchsten Grade verwerflich. Dann aber sand er Ge-

Ärn Kriege, in dem die Einfuhr sowohl von Neu- wie Alttextilien außerordentlich beschränkt ist, ist

... , , Rohstoffen aber noch größer

war, mußten im gleichen Jahre noch Alttextilien für rund 25 Millionen RM. vom Auslande einge­führt werden.

fallen daran. Er füllte die Flasche mit Wasser, verkorkte und versiegelte sie wieder und hüllte sie abermals in Spinnweben und Staub. Er konnte sich jedoch nicht entschließen, die Flasche einem der wenigen noch lebenden Verwandten zu schenken. Er bewahrte sie in seinem Keller auf bis zu seinem Tode.

Dann ging die Flasche an seine alkoholfreie Toch­ter über und fand dort im Keller für viele Jahre ein ruhiges Plätzchen. Sie schenkte die Flasche ihrem Sohn, und dieser hob den kostbaren Wein auf für feine goldene Hochzeit. So ging von der Flasche wieder Glück aus für viele Generationen.

Und so ist es bei vielen Dingen, an welche die Menschen ihr Herz hängen. Wer das Glück lange bewahren will, möge sich an seinem Besitz erfreuen. Nach dem Inhalt soll er nicht fragen.

Die Zähne hängen eng mit dem Blutkreislauf zusammen. Ist es ein Wunder, daß kranke Zähne den Körper vergiften?

Dornotizen.

Tageskalender für Dienskag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Hohe Schule". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die blonde Christl". Steuerinspektor a. O. August Siebe.

Der Verwaltungsführer des NS.-Kreiskriegerver- bandes Gießen, Steuerinspektor a. D. August Glebe, kann am heutigen Dienstag, 29. Juli, in aller Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Aus diesem Anlaß übermittelte ihm der Kreiskrieger- führer Regierungs-Obervcterinärrat Dr. M o n narb, die herzlichen Glückwünsche der alten Sol­daten des Kreises Gießen.

August Glebe wurde am 29. Juli 1871 in As­bach (Kreis Hersfeld) geboren. Er diente vom 14. Oktober 1893 bis 30. September 1895 aktiv im Infanterie-Regiment 143 in Straßburg i. E., kapi­tulierte dann, wurde 1895 zum Unteroffizier und 1901 zum etatsmäßigen Feldwebel befördert. Er bestand dann die Prüfung und die Probedienstzeit für den Garnisonoerwaltungsdienst, war hierauf vom Oktober 1908 bis April 1911 Karnisonoerwal- tungsinspektor in Langensalza (Thüringen), vom Mai 1911 bis Juni 1919 Garnisonverwaltungsin- fpektor in Hagenau (Elsaß), dann bis November 1919 in Thale am Harz und vom 1. Juli 1919 bis 30. Juni 1921 Garntsonoerwaltungsinspektor bei der Garnisonverwaltung in Gießen. Er schied dann aus

DieHundstagshitze" ist sprichwörtlich geworden Sie gehört der meist ziemlich langen Reihe von fielen Jahren im letzten Drittel des Monats Juli beginnt und gar nicht so selten den ganzen August über anhält. Allerdings 6'bt es m den verschiedenen Gauen des großen deutschen Vaterlandes immer Abweichungen von der Durchschnitts-Wetterlage. Gewöhnlich werden die vorn europäischen Kontinentalklima beeinflußten Gebiete beständigeres Wetter und deshalb auch größere Hitze aufweisen als etwa die nordwest- deutsche Ecke der großdeutschen Heimat. Nicht der yechelnde, von der Hitze mitgenommene Hund hat dieser Schonwetterzeit den Namen gegeben, sondern der Hundsstern, der Sirius, der vom 23. Juli bis zum 23. August gleichzeitig mit der Sonne auf- uuo untergeht. Das warme, beständige Wetter, das in diesen Wochen häufig beobachtet wird, kommt ,r Landwirtschaft im großen und ganzen recht ge- !E6.en. Es ist Erntezeit, es ist vor allem die große Zeit des Mähens und des Einbringens der Brot- getreiideerute. Da wünscht sich der Bauer nicht qe- rade errdlose Regengüsse, Gewitterplatzregen oder Hagelschlage, denn das Korn soll weder durch

Chlorodont

weist den Weg zur richtigen Zahnpflege

Die Weinflasche.

Von Bruno Wolfgang.

Mit der Weinflasche des Herrn Kruger hatte es Ane eigene Bewandtnis. Sie war ein altes Fami­lienerbstück und sicherlich das Feinste, war Herr Iruger in seinem bürgerlichen Haushalt besaß. Sie ag jahraus, jahrein im Keller, halb im Sand ver­graben, und immer zum Geburtstag wurde sie her­vorgeholt und der versammelten Familie gezeigt. Es mar eine dickbauchige, grünliche Flasche. Der iorf war luftdicht versiegelt und der Hals mit Spinnweben bedeckt. Die Aufschrift war nicht mehr esbar.

Sollen wir oder sollen wir nicht?" sagte Herr Kruger mit einem lüsternen Augenzwinkern. Aber er wußte im voraus, daß weder er noch sonst je­mand in der Familie das Herz gehabt hätte, einen 9 köstlichen Wein auszutrinken. DasSollen wir «der sollen wir nicht?" gehörte zu den Jugenderin- iierungen Krugers bis in die früheste Kinüerzeit. Der ^ater hatte die Flasche von Onkel Eduard bekom­men, der ein Bankier in Graz gewesen war. Dieser fatte sie von seinem Vater, einem Arzt, und dieser Mieder von dem Großvater, dessen Vater ein See- fchrer gewesen war und die Flasche aus Italien lvitgebracht hatte.

Die Jahre vergingen. Es war schon recht einsam in Ha.use geworden. Der Sohn war nach Amerika 0-isgewandert und ließ nur selten etwas von sich bxen. Die Tochter war in Böhmen an einen fana- b'chen Feind des Alkohols verheiratet. Nur ein Q ter Freund, Professor Grill, kam hie und da zu besuch. Der sechzigste Geburtstag Herrn Krugers slund vor der Tür. Nach alter Gewohnheit wurde Die Flasche hervorgeholt.Sollen wir oder sollen ir nicht?" blinzelte Herr Kruger sein Frau an. diesmal war die Frage ernster gemeint als sonst. Stetes hatte sich in der Welt geändert. Vieles, was iierschütterlich schien, war gestürzt. Was sollte noch ie Flasche in dieser veränderten Welt? Für wen ic^te sie nach aufbewahrt werden?

"Weg damit!" rief Herr Kruger mit plötzlichem ^tschluß. Seine Frau stimmte nach kurzem Zögern

Sie beschlossen noch, zur Geburtstagsfeier den 6-eund, Professor Grill, einzuladen.

Decken, Gardinen usw. werden feit langen Jahren unter Beimischung von, Reißwolle und Reißbaum­wolle angefertigt. Aus groben und minderwertigen Lumpen fabriziert man Roh- und Dachpappen. Weiße und hellbunte Leinen- und Baumwoll­lumpen werden von der Papierindustrie gebraucht, die sie zur Herstellung von Banknotenpapier, Zi­garettenpapier, feinem Briefpapier und anderem Spezialpapier benötigt Die Polsterindustrie ver­wendet zur Herstellung van Polstermöbeln aller Art fast ausschließlich die aus Lumpen gewonnene Polster- und Putzwolle. Schließlich bedient sich auch die Preßstoffindustrie der Lumpenschnitzel als Füll- und Bindematerial.

Für die Hausfrauen ergibt sich nun die Frage, was alles durch die Sammlung erfaßt werden soll. Dazu ist zu sagen, daß Textilien jeder Art aus Wolle, Baumwolle, Leinen, Zellwolle, Seide, Kunstseide, Jute, Hanf oder Kokos erwünscht sind. Neben nicht mehr tragfähsgen Kleidungsstücken, darunter auch alte Hemden, Kragen, Taschentücher, Unterwäsche, Hosenträger und Kravatten, alte Strümpfe, Schneidereiabfälle U'sw. kann man bei­spielsweise nicht lyehr oerwendungsfähige Teppiche/ Kokosmatten, Säcke, Scheuertücher,Bundfadenreste, ja auch Abfälle von Strick-, Stick- uni) Stopfgarn zur Ver­fügung stellen. Man braucht auch keinen Anstoß daran zu nehmen, wenn diese Dinge verschmutzt sind. Allerdings sollen die zur Ablieferung ge­langenden Textilien möglichst von fremden Bestand­teilen wie Knöpfen, Leder, Gummi usw. befreit fein.

Die Spender bringen, wie bei der Metallspende, bie Alttextilien selbst zur Annahmestelle, wo sie eine Spendenurkunde erhalten, auf der der Name des Spenders und das Gewicht der abgegebenen Spinnstoffe verzeichnet werden. Da sich die Reichs- spinnstoffsammlung an den Opfersinn des deutschen Volkes wendet, kommt eine Bezahlung oder eine Punktoergütung nicht in Betracht. Die Aktion soll dazu beitragen, die Spinnstoffreserven des Reiches zu vergrößern. Wie bei der Metallspende, wird das deutsche Volk auch bei dieser Gelegenheit seinen be­währten Opfersinn zeigen und die auf die Spinn- toffsammlung gesetzten Hoffnungen nicht enttäu» chen.

Die Bedeutung der Lumpen als Rohstoff ist schon vor Jahrzehnten erkannt worden. Deutschland hat bereits vor dem Weltkriege eine leistungsfähige Reigwoll- und Reißbaumwollindustrie besessen, in öer beispielsweise im Jahre 1913 40 000 Tonnen Lumpen im Werte von 30 Millionen Mark ver­arbeitet wurden. Es mag erstaunlich klingen, ist aber Tatsache, daß die besten englischen und deut- schen Exporttuche schon immer beträchtliche Bei­mischungen von Reißwolle aufgewiesen haben, die dem Gewebe eine besondere Festigkeit verliehen. Nach dem Weltkriege ist die Altwoll-Jndustrie aus- gebaut worden, und die verarbeiteten Mengen an Reißwolle und Reißbaumwolle stiegen erheblich an 1937 wurden in Deutschland 170 000 Tonnen Alt­textilien im Werte von 130 Millionen NM. ver­arbeitet, woraus 60 000 Tonnen Reißwolle, 44 000 Tonnen Reißbaumwolle und 37 000 Tonnen Pol­ster- und Putzwolle ae ...

Nachfrage nach diesen R>

fin Battenstein des Spiels, läßt die Finger über die Tasten gleiten und hört gesammelte Auf- merksamkeit in den ernsten Augen auf die Worte Paul Verhoenens, des Spielleiters. Es geht um die Szene, in der sie nach dem Willen des Autors ihr Herz verliert an'den jungen Leutnant, der durch Paul Hubfchmid verkörpert über ihre Schulter hinweg ebenfalls auf den Spiel­leiter sieht. Eindringlich schildert Verhoeven seine Auffassung von dieser Szene. Der Held des Stückes soll die Prinzessin auf der Violine begleiten, aber bedrückt von der ungewohnten Umgebung verpaßt er wieder und wieder den Einsatz, bis ihn ein nach­sichtiger Anruf seiner Partnerin wieder zurückbringt auf die Erde.

Der Spielleiter hat geendet. Fast unbewußt probt der Offizier Blick und Geste, wie sie eben bespro­chen waren. Behutsam aber erhebt Frau Ullrich Einwände. Sind Liebesdinge nicht auch eigentlich die ureigenste Sphäre der Frau? Die Prinzessin wird den Mann anlächeln, der, die Violine um­krampfend, vor ihr steht in einer Befangenheit, die er vergeblich abzuschütteln bemüht ist. Ja, aber kränkt nicht bereits ein Lächeln in dieser Situation und kann eine Frau einen Mann verletzen wollen, den sie doch liebt? Es ist nicht müßig, um ein Lächeln so lange zu reden, das Erwachen dieser Liebe muß glaubhaft sein und echt; aus ihr ergeben sich alle -weiteren Phasen des Spiels. Deshalb muß Verhoeven versuchen, sich verständlich zu machen; noch einmal erklärt er, entwickelt die Szene in jedem Wort, der sparsamsten Geste, in jedem Augenauf- schlag. Und nun ist es so weit: die Kamera läuft. Ein Schubertsches Liebeslied klingt in bebenden Rhythmen durch den Raum und bricht jäh ab< Ratlos wandern die Blicke des jungen Offiziers. Auf den Lippen der Prinzessin aber erblüht ein Zanz kleines Lächeln und umfängt zärtlich den gro­ßen dummen Mann, der Zeit hat, mehr zu sehen als das junge blühende Geschöpf da vor ihm.

Viertelstunde um Viertelstunde ist vergangen, bis dies kleine Lächeln einer bezaubernden' Frau 'ein­gefangen war. Wird das Publikum später fühlen, wieviel Geduld, wieviel Arbeit und wieviel Nerven dieses Bildchen gekostet hat, das in feiner Zartheit doch nur ein Hauch ist von der Stimmung des ganzen Films. , Kurt Spillen

Bi^et,Die B o h ö m e" von Puccini undF i - garos Hochzeit" von Mozart (Neuinszenie­rung).

Die Operette bringt außer derZ i g e u n e r- liebe" von Lehar denO p e r n b a I l" von Heu­berger,Karneval in Rom" von Johann Strauß,Monika" von Nico Dostal,Saison in Salzburg" von Raymond, denZare­witsch" von Lehär,Liebe in der Lerchen- g a s s e" von Vetterling undFrau Lun a" von Paul Lincke.

Ferner sind geplant: ein Tanzabend, zwei Kindermärchen, zu Weihnachten und zu Dffern, -ehn Morgenfeiern, deren Spielplan noch bekanntgegeben werden soll, außerdem im Kon -> 3 ß r t r i n g vier Orchesterkonzerte und vier Soli­stenkonzert. Im Spielplan sollen auch, gegebenen­falls durch Austausch, wertvolle Neuerscheinungen berücksichtigt werden.

Das Gießener Stadttheater wird die neue Spielzeit 1941/42 am 2. September mit einer Festoorstellung desPrinzen von Homburg" von Kleist unter der Spielleitung von Wilhelm Michael Mund eröffnen. Als nächste Premieren folgen am 7. September die OperetteZigeuner- liebe" von Lehar und am 12. SeptemberDie Z a u b e r f l ö t e" von Mozart, beide unter der Regie von Otto Söllner. Dem soeben erschie­nenen Werbeheft des Theaters, dem Geleitworte von Reichsminifter Dr. Goebbels, Reichsdrama- turgen Dr Rainer Schlösser, Kreisleiter B a ck- h a u s, Oberbürgermeister Ritter und Bann- fuhrer Sigurd T a e s l e r nebst einem kurzen Auf- nif des Intendanten Hans Walter Klein an das Gießener Publikum vorangestellt sind, entnehmen wir die folgende Uebersicht über die zur Auffüh­rung m der Spielzeit 1941/42 vorgesehenen Werke.

Im klassischen Schauspiel ist außer der bereits erwähnten Neuinszenierung desP r i n - z e n von Homburg" von Kleist eine solche der Jt aub e r" von .Schiller und die Erstaufführung des SchauspielsDon Juan und Fau st" von Grabbe geplant, im klassischen Lustspiel:Das Auge der Liebe" von Jmmermann,Der Lugner von Goldoni undDer D i a man t" von Hebbel. e

. . Für das moderne Schauspiel finden wir die folgende Zusammenstellung:Veit Stoß" von H. H. Ortner,Dschungel" von Frank,

P . r,DOn Skoepen" von Friedrich Bethge, C h r t ft i a n d e W e t" von Krieger,Die ver- f u n F e n e Glock e" von Gerhart Hauptmann (als Neuinszenierung),Der Reiter" von Heinrich Zerkaulen undJakob von Artevelde" von SerrM.aCDl (ols Uraufführung). Hinzu kommt als VolksstuckDer Verschwender" von Rai­mund.

rc £?? stspiel und Schwank sind folgende Erstaufführungen oder Wiederaufführungen ge­plant:Die Perlenkette" von Külb,Das Himmelbett von H i l g e n h ö h" von Brück- ^/^^^^.^erboxer" von Schwarz und Acathern,Ich bin kein Casanova" von Bie­len,Das Mädchen Till" von Gondolat ch undHokuspokus" von Curt Götz.

Der Spielplan der Oper sieht im Werbeheft öic folgenden Werke vor:Die Z a u b e r f l ö t e" von Mozart,O t h e l l o" von Verdi,DerWild - schütz" von Lortzing,K ö n i g s k i n d e r" von Humperdinck,,I e n u f a" von Janaceck,Don Pasquale" von Donizetti,Carmen" von

es eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, die Alt- textilien weitgehend zu erfassen und der Wieder- oerarbetfung zuzuführen. Daß hier noch große Mengen von Textil-Rohstoffen zusätzlich gewonnen werden können, geht daraus hervor, daß bisher durchschnittlich nur 25 v. H. der Neutextilien -als Altmaterial in den Rohstoffkreislauf zurückgekehrt sind. Da aber im Höchstfälle nur 50 v. H. der Tex­tilien durch Verschleiß vollständig verloren gehen, bleibt noch ein Rest von 25 v. H., der in den mei­sten Haushalten verbrannt wurde, im Müll ver­rottete, oder im Lumpensack den Motten zum Opfer fiel. Diese 25 v. H. stellen aber, wenn man den Durchschnittsverbrauch an Textilien in den letzten Jahren zu Grunde legt, eine Menge von etwa 200 000 Tonnen oder 200 Millionen Kilogramm Alttextilien dar. Diese ungeheure Menge für die Wlederverarbeitung zu erfassen und damit für die deutsche Volkswirtschaft zu retten, ist der Sinn der Reichs-Spinnstoffsammlung.

Reißwolle und Reißbaumwolle werden in erster Linie zur Deckung des Kleidungsbedarfs verwandt. Das ist übrigens, wie bereits angedeutet, keine Kriegserfindung, sondern ein seit Jahrzehnten ge­übtes Verfahren. Die sogenannteStapelware" der Herrenkleiderfabriken war größtenteils aus Reiß­wolle hergestellt. Aber auch Teppiche, Hauswäsche,

Lagern" beeinträchtigt werden, noch soll an­dauernde Feuchtigkeit das Getreide gefährden. Da­gegen hilft die Glut des Hochsommers die Trock­nung beschleunigen, und deshalb nimmt der Bauer bie vielen Schweißtropfen geduldig hin, die ihm eine derartigeReihe von guten Tagen" abzwingt.

das allmählich in immer größerem Umfange zur Reise gelangende Kern- und Steinobst, vor allem aber die Weinrebe kann jetzt einiges an Son- nenglut vertragen. Regenfälle von längerer Dauer die bei dem jetzt zumeist Ferienfreuden sich hin­gebenden Städter alsLandregen" einen besonders schlechten Ruf haben können gegenwärtig schon einmal entbehrt werden, weil sich in den Nächten der Hundstagszeit wieder reichlicher. Tau niederschlägt als in den Wochen des Frühsommers.

Eine ganze Reihe von Wettervoraussagen, meist bäuerlicher Prägung, geht von denLostagen" wahrend der Hundstagszeit aus. Daß der Inhalt vieler Wetterregeln scheinbar oft recht widerspruchs­voll ist, sagt durchaus nichts gegen die Genauigkeit der Beobachtung, wie man in der Stadt zuweilen meint, sondern versteht sich einfach daraus, daß die Orakel" ja aus den verschiedensten Gauen des Reiches stammen und deshalb auch über die ver­schiedensten klimatischen Einflüsse aussagen. In vie­len Gebieten stimmt es meist, wenn der Bauer sagt:Wie die Hundstage eingehen, so gehen sie auch aus!" Andere Gaue, deren Witterung mehr von ozeanischen Klimaeiuflüssen abhängig ist, lassen den Bauern die gegensätzliche Meinung äußern: Beginnen die Hundstage naß, so enden sie ttocken; beginnen sie trocken, so enden sie naß." Ueberwie- gend heißt es jedoch:Zeigt sich der Hundsstern rem und klar, laßt er erhoffen ein gutes Jahr." Nicht selten hat die Hundstagshitze zuviel Ausdauer gezeigt, so daß es zu regelrechten Trockenperioden kam. Da der mangelnde Regen die Quellen immer dünner sickern oder sogar versiegen ließ, trockneten die Bäche aus, und die Flüße und Ströme ver­wandelten sich in Rinnsale. Im trodeng-etegten Flußbett wurden die Steine sichtbar, die im Zu­sammenhang mit der knappen Ernte alsHunger­steine" bezeichnet werden.

Wenn sich die Hungerstein' tun zeigen, Muß alle Fröhlichkeit wohl schweigen. Der Sommer hat nicht gut getan.

Ein böses Hungerjahr geht an", so heißt es in alten Berichten. Doch hat der deutsche Bauer aus den Erlebnissen seiner Väter gelernt. Insbesondere entwickelte die Erzeugungsschlacht Maßnahmen im Landbau, die zwar nicht die Dürre beseitigen, aber ihre Folgen so weitgehend beein­flussen können, daß uns weder Hundstagshitze noch feindliche Blockadeversuche gefährlich werden können.