Aus der Stadt Stehen.
Vom Ziegen.
„Sonne und Regen müssen ja fein, sollen zum Segen Saaten gedeihn."
So singt ein schwedisches Wiegenlied. Ja, wichtig i[t der Regen, aber allzuviel? Nein! Lieber nicht! Was ist nun eigenllich Regen? Es sind „Wasser- tropfen, die sich bei Abkühlung wasserdampfhaltiger Lust bilden und zur Erde fallen". Leider fallen nicht alle zur Erde, sondern auch sehr viele auf meinen neuen Hut und Mantel, auf mein Haar und auf meine Nase! Und nun müssen Sie sich vorstellen, was der Regen alles enthält: Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensäure, Ammoniak, salpetrige Säure, na, ich danke! Als Kind konnte ich den Regen- Pfeifer nicht ausstehen, da ich ihn in dem unberechtigten Verdacht hatte, den Regen herbeizupfeifen, auch fand ich es schrecklich ungerecht, daß es nicht auch einen Sonnenpfeifer gab!
Der Stadtmensch, der keine Felder hat, die nicht dürr werden dürfen, möchte doch lieber im Sonnenschein spazierenwandeln, als in den, wenn auch noch so wichtigen und nötigen „Wassertropfen, die
Verdrmkelmrgszeil
29. März von 19.51 bis 7.05 Uhr.
30. März von 19.52 bis 7.03 Uhr.
sich bei Abkühlung ..." (Siehe oben!) Immerhin, wenn es auch in Gießen ganz schön gießen kann, wir können uns trösten; nach genauen Feststellung Sen — sowas können dock nur Männer auskno- ein! — ist der regenreichste Ort in Deutschland der Brocken, und der ist ja ziemlich weit von Gießen entfernt!
Wie wichtig aber der Regen für das Land und die Landbestellung ist, zeigt die große Anzahl von Dauernregeln, die von ihm handeln. Ein Teil von ihnen beschäftigt sich mit den Folgen des Regens, wie etwa diese:
Nach dem Regen ist gut fischen." ober:
„Ein Tag Regen tränkt sieben dürre Wochen." Ein anderer Teil der Bauernregeln beschäftigt sich mit der Dauer des Regens:
„Wenn die Spinnen im Regen spinnen, wird der Regen nicht lange rinnen." „Morgenregen dauert nicht lange." „Wenn die Hühner in den Regen gehen, so hält er lange an."
Wieder andere kennen die Anzeichen, die Regen Voraussagen; nämlich, wenn die Frösche quaken, die Ameisen sich verkriechen und die Fische im Wasser emporspringen, gibt es sicher Regenwetter. Aber auch:
„Wenn die Schnecke ein grünes Blatt mit sich führt, es gewiß gut Wetter wird.
Beladet sie sich mit Grund, so tut sie starken Regen kund." oder:
„Wenn der Hund das Gras benagt, und die Frau ob Flöhen klagt, der Rauch nicht will zum Schornstein naus, kommt bald ein Regen übers Haus."
E. L. St
Vornotizen.
Tageskalender für Samslag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der laufende Berg". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die keusche Geliebte". — Oberhessischer Kunstoerein und Winter- hilfswerk: 17 bis 19 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Frühjahrsmesse auf Oswaldsgarten.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr „Die stumme Schönheit"; 19 bis 22 Uhr „Schwarzer Peter". — . Gloria-Palast, Seltersweg: „Der laufende Berg".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die keufche Geliebte". — Oberhessischer Kunstverein und Winterhilfswerk: 11 bis 13 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Frühjahrsmesse: Schlußtag auf Os» roalbsgarten.
Stadttheater Gießen.
Am morgigen Sonntag wird in der 9. Moraen- oeranftaltung die seinerzeit verschobene Erstaufsüh- rung des Lustspiels „Die stumme Schönheit" von Johann Elias Schlegel stattfinden. Spielleitung: Gerhard Reuter. Bühnenbild: Karl Löffler. Es mir» ken mit: Anneliese Garbe, Waltraut Goettke, Hella Henzky, Luise Prasser, Walter Erler, Heinz Müller, Gerhard Reuter, Hans Seitz. Außer Miete. — Am Abend wird die Märchenoper von Norbert Schultze „Schwarzer Peter" wiederholt. Außer Miete.
Montag, 31. März: Orchesterkonzert, (List, Pfitz- ner, Strauß, Schubert), Gruppe B Nr. 5. Leitung: Otto Söllner. Solist: Karlrob. Kreiten (Klavier).
Dienstag, 1. Aprll: Neuinszenierung „Clavigo", Trauerspiel von Goethe. 26. Dienstag-Miete!
Mittwoch, 2. April: „Madame Butterfly", Oper von Puccini. 25. Mittwoch-Miete!
Freitag, 4. April: „Clavigo", Trauerspiel von Goeche. 26, Freitag»Miete.
Sonntag, 6. Avril: Nachmittags Erstaufführung „Der Froschkönig , Märchenspiel von Rob. Brükner. Außer Miete! Abends: „Das Land des Lächelns", Operette von Lehär. Außer Miete!
Ortszeit für den 30. INärz.
Sonnenaufgang 7.07 Uhr, Sonnenuntergang 19.54 Uhr. — Mondaufgang 8.08 Uhr, Monduntergang 22.45 Uhr. Mond in Erdferne.
Ortszeit für den 31. März.
Sonnenaufgang 7.05 Uhr, Sonnenuntergang 19.56 Uhr. — Mondaufgang 8.39 Uhr, Monduntergang 23.47 Uhr.
Veranstaltungen zur OAI.-Sammlung
Zur Förderung der Reichssttaßeirsammlung der DAF. für das Kriegs-WHW. wird am heutigen Samstag von 15 bis 17 Uhr an verschiedenen Stellen der Stadt ein Doppelquartett singen. Am Kreuz- platz, in dem früheren Laden von Sckulze, steht ein Schiehstand heute von 15 bis 18 Uhr und am morgigen Sonntag non 14 bis 18 Uhr zu jedermanns Benutzung bereit. Im Saale des Cafö Leid werden sich unsere Kinder am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr in einem Kasperle-Theater erfreuen können, bas bei gutem Wetter sogar hn Freien wirken soll. Für den morgigen Sonntag von 14.30 bis 15.30 Uhr soll bei gutem Wetter auf dem Linden platz ein Konzert des Musikzuges der SA.-Standarte 116 stattfinden, bei dem die Bolkstumsgruppe Leih- geftern unter Leitung von Georg Heß mit Volkstänzen und Volksliedern in Erscheinung treten roilL Dazu werden allenthalben die Sammelbüchsen für bas Kriegs-WHW. herumgereicht.
Von der Zwiebeliüie bis zur „Erika".
Verlorene und vergessene Dinge des Alttags. - EinBlick in Listen und Schränke derFundbüros.
Ein kleines Kind im Kinderwagen wurde dieser Tage aus der Eifel als „gefunden" gemeldet Die Mutter selbst, die anscheinend vieles besprechen mußte, hatte ihr Kleines mttsamt dem Kinderwagen in einem Eisenbahnzug stehen lassen und den Der- lüft erst bemerkt, als der Zug längst „über alle Berge" war. Durch den Fernsprecher konnte das Mißgeschick behoben werden. Glücklicherweise gehören derartige „Verluste" nicht zu den täglichen Erscheinungen. Aber es wird doch noch allerlei verloren, und die „Musterkollektion", mit der die Fundbüros aufwarten können, ist von erstaunlicher Reichhaltigkeit Manche Spezialitäten würden mit ihrer Zahl ausreichen, ein ansehnliches Ladenge- chäft laufend mit reicher Auswahl zu versorgen.
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Was alles verloren oder liegen gelassen wird, offenbart schon ein Besuch im Fundbüro im Bahn- Hof Gießen. Von kleinsten Dingen dis zu gewich- tigen Sachen kann man in dem Fundverzeichnis dieser Dienststelle mit allem Möglichen Bekannt- chast machen. Da nimmt sich z. V. die Tüte mit Zwiebeln, die ein Volksgenosse aus Lang-Göns in Butzbach gekauft und beim Aussteigen vergessen hatte, so daß sie erst von Gießen aus ihren Herrn wiedersand, recht eigenartig aus neben der Reiseschreibmaschine „Erika" in dem eleganten Reise- küfferchen, die im Gießener Bahnhofsfundbüro ebenfalls eine Gastrolle gab. Silberne Trauringe, die anscheinend nicht sorgfältig genug in die Westentasche gesteckt worden waren, guckten sich die Tüte mit zwei Kilo Dickwurzkernen an, die in Friedberg gekauft, beim Aussteigen in Bad-Nauheim aber vergessen worden war und herrenlos im Gießener Bahnhof eintrudelte. Ein Stiefelknecht und zwei Bände von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen", einige Päckchen mit „Fettigkeiten" wje Butter, Wurst und bergt, aber auch ein philosophisches Lehrbuch über „Griechische Tempel" und eine wohlgespickte Brieftasche mit einem Sparbuch über tausend Reichsmark und etlichen hundert Reichsmark Bargeld fanden sich hier ein. Ein Volksempfänger, der in Herborn gekauft worden war und mit feinem Eigentümer nach Ballersbach im Dillkreis fahren sollte, wurde „ot)ne Herrchen" im Gießener Bahnhofsfundbüro angetroffen. Das gleiche Geschick hatten eine neue Kaffeekanne, die kurz vorher in einem Gießener Geschäft gekauft und prompt im Bahnhof stehengelassen worden war, eine Mundharmonika, eine Maurerwasserwaage und ein eben erst gekaufter und noch gutverpackter Wandspiegel. Wir konnten roeiter vernehmen, daß noch vielerlei andere Sachen vorübergehend Obdach im Bahnhofsfundbüro beziehen mutzten, well ie plötzlich auf der „Verlustliste" des Lebens standen. Da waren in Jahresfrist rund 400 Damen- chirme vom Knirps bis zum größten Famllien- chirm als „Regendach für sechs Personen", rund 200 Herrenschirme — den Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen wird hoffentlich niemand zu ungalanten Kommentaren benutzen — etwa 100 Damenhüte, 500 Aktentaschen (hört, hört, Ihr Herren!), 100 Damenhandtaschen und 150 Geldbörsen, viele Handschuhe, rechte ober linke, 200 Spazierstöcke, die in der „Hitze des Gefechts" beim Aussteigen vergessen bzw. vertauscht wurden. Daneben gab es noch Armbanduhren, Ohrringe, Photo- apparate, Musikaliengegenstände, Bügelsägen,
Kognak, Schuhe, Wein, Kaffeepakete und andere nütz- liche und schöne Dinge des Lebens als Derlierergut. In den Wintermonaten bemühten sich die Ski- (portier, durch stehengelassene Ausrüstungsgegen- stände verschiedener Art in den Zügen oder auf den Bahnhöfen zu bekunden, daß sie „auf der Bahn" gewesen waren. Pelze aller Art zeigten sich auch nicht so anhänglich an ihre Besitzerinnen, wie man eigentlich meinen solste, und das Fundbüro des Bahnhofs gewährte dann diesen molligen Wärmespendern vorübergehend Gastrecht. Daß Koffer vertauscht werden, kann schließlich Vorkommen, wenn es aber innerhalb eines Jahres auf einem einzigen Bahnhof etwa hundertmal in Erscheinung tritt, so ist das doch etwas reichlich, und wenn eine Reisende sogar erst in Berlin feststellt, daß sie ihren Koffer beim Einsteigen auf dem Gießener Bahnhof stehengelassen hat und ihn durch ein Telegramm refla» miert, dann bleibt einem doch vor Staunen „die Spucke weg".
An jedem Tage kommen durchschnitllich 15 bis 20 „Verluste" auf dem Gießener Bahnhof zur Sprache. Im vorigen Jahre waren es rund 2000, seit Jahresbeginn bis jetzt sind schon wieder rund 400 „Findlinge" in die Verzeichnisse dieser Dienst- stelle eingeschrieben worden. Manche Tage bringen geradezu eine .Invasion", z. B. an Regentagen mit Schirmen, an Sonntagen mit Wanberstöcken, Rucksäcken usw. Etwa 14 Tage werden diese Sachen im Fundbüro des Bahnhofs aufbewahrt. Wenn sich ihr Eigentümer bis dahin nicht gemeldet hat, werden die Sachen an das Fundbüro der Reichsbahndirektion in Frankfurt a. M. abgeliefert. Dort bleiben sie noch zwei Monate in Verwahrung. Sind sie nach Ablauf dieser Frist immer noch herrenlos, bann werden sie öffentlich versteigert. Die Eigentümer haben bann enbgültig bas Nachsehen. In den meisten Fällen erhalten sie aber bereits durch die einzelnen Bahnhofsfundbüros ihre verlorenen Sacken wieder zurück. Die „Wiedersehensfreude" ist dann immer groß, die kleine Verwallungsge- bühr an das Fundbüro tut nicht weiter weh. Meistens freuen sich die Frauen und Mädchen, denn sie stellen den größten Teil der Verlierer dar. Deswegen brauchen aber wir Männer uns nichts einzubilden, denn auch die Zahl der vergeßlichen ober unachtsamen Mannsbllber ist weit größer als man sich gemeinhin benkt. Wer es nicht glaubt, lasse sich im Funbbüro darüber belehren.
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Das Fundbüro der Polizeidirektion Gießen kann man beinahe als ein kleines Geldinstitut bezeichnen. Was dort an Geldbörsen mit mehr ober minber großem Inhalt als Funbgegenstand von ehrlichen Menschen abgeliefert wirb, ist geradezu erstaunlick. Unter ben rund 450 Funbeintragungen im Verlause des jetzt zu Ende gehenden Gesckäftsjahres ist ein sehr großer Teil in die Rubrik „Geldtaschenverlust" einzuordnen. Ob daran vielleicht die Nähe des Wochenmarktplatzes schuld ist? Schon möglich, daß manche Käuferin beim Einholen derart „in Fahrt" gerät, daß sie ihre Geldtasche daneben steckt. Man kann in den Schubkästen des Polizeifundbüros eine erstaunlich große Menge von Damenportemonnaies feststellen, die bis jetzt immer noch auf ihre Eigentümerinnen warten. Ein Jahr lang werden die Funde aufbewahrt. Wenn sie bis zum Ablauf dieses Jahres nicht abgeholt sind, gehen sie mit dem
Geldinhalt in das Eigentum des Finders über. Wer also von unseren Hausfrauen — aber auch von Männern, auf die viele Herrenporternannaies hin. weifen — aus der Zeit vom 1. April vorigen Iah. res bis jetzt einen Geldverlust zu beklagen hat, her sehe sich einmal auf dem Fundbüro Der Polizei, direktion um.
Neben den „Moneten" sind es noch viele andere nützliche Dinge, die dort in Kästen und Schränken auf ihre rechtmäßigen Besitzer warten. Die gefundene geräucherte Leberwurst ist allerdings schon aus diesem Büro wieder verschwunden. Ein Wolfshund, der ebenfalls als Findling bei der Polizei erschien, wartet inzwischen in der Veterinär-Klinik noch immer auf seinen Herrn. Eine große Rolle Dach, pappe sahen wir in einer Ecke stehen und auf die Stunde warten, die für ihre Verwendung schlagen wird. Auch ein Sack Briketts passierte als Findling bei der Polizei ein, ja sogar ein Fohlen, bas sich her- renlos in den Straßen unserer Stabt herumtrieb, würbe im Funboerzeichnis regiftriert; es fühlt sich mittlerweile bei seinem Eigentümer wieder wohl Armbänber, Damenhüte, Damen- unb Herrenschirme, Aktentaschen und eine Unmenge Handschuhe, immer nur entweder der rechte ober ber linke, führen in ben Behältern des Funbbüros ein trauernd beschau- liches Dasein, bis sie wieder an bie Oberfläche des Lebens kommen können. Währenddessen sind gefundene Fahrräder in einen Kellerraum verbannt, wo sie mit anderen größeren Fundsachen auf ihre Herren warten.
Alle „Gäste" dieser Polizeidienststelle sind in einem dicken Buch sorgfältig registriert. Wer als rechtmäßiger Abholer erscheint, hat in diesem Buche durch eigenhändige Unterschrift über den Empfang Quittung zu leisten. Die Quittungsspalten dieses Buches weisen aber aus diesem Geschäftsjahr noch viele Lücken auf, wodurch deutlich gemacht wird, daß es immer noch sehr viele Volksgenossen gibt, die anscheinend nicht gern mit der Polizei zu tun haben wollen, obwohl es sich ja hier um eine so ganz und gar unkriminelle Sache wie die Wiedererlangung eines rechtmäßigen Eigentums handelt. Oder sollten diese Verlierer \p „gutgesvickt" sein, daß sie ihren Verlust, auch an Geld und Armbändern, sogar eines Brillanttinges, nicht als wett genug ansehen, um den Weg zum Abholen bei der Polizei anzutreten? Vielleicht geben diese Zeilen ihnen Anlaß dazu oder frischen ihr Gedächtnis auf, nach den verlorenen Sachen auch in diesem Büro einmal zu fragen.
Im Fundbüro ber Straß enbahn tft das Bild nicht anders. Im nerfloffenen Jahre tarnen hier runb 400 Fundstücke zusammen. Auch in diesen Räumen waren es meist Damenschirme, Damen» unÄ Herrenhüte, rechte oder linke Handschuye, Portemonnaies, viele Pktentaschen und Einkaufsnetze, Haus- und Wohnungsschlüssel, Trauringe, Koffer und Pakete, sogar ein Paket mit Seife und eins mit Bohnenkaffee, die sich als herrenlos ein Stelldichein gaben. Vielfach waren es Sachen, die eben erst im Laden gekauft und auf dem Heimweg sofort in ber Straßenbahn liegengelassen worden waren. Die meisten Gegenstände wurden von ihren Eigentümern wieder abgeholt, der Rest wurde versteigert. Als Verlierer hielten auch hier die Frauen und Mädchen den Rekord. B.
Garteninspektor i. Jt. Uehnelt 80 Jahre alt.
Der langjährige Mitarbeiter des Botanischen Gartens ber Universität Gießen, Universitäts-Gar- teninspektor i. R. Friedrich Rehn e 11 in Gießen, kann am morgigen Sonntaa, 30. März, in ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. In weiten Bevölkerungs» kreisen unserer Stadt und des Kreises Gießen ist der Jubilar durch sein berufliches Wirken bekannt geworden, und vielen Gartenbauern unb -freunben hat er jeberzeit seine Förberung angedeihen lassen.
Friedrich Rehnelt stammt aus Schlesien, wo er in einer großen Obst- und Gemüsegärtnerei seine Lehrzeit durchmachte und anschließend seine ersten Gehilfenjahre erlebte. Dann ging er zur Lehranstalt für Obst- unb Weinbau in Geisenheim a. Rh-, wo er von 1885 bis 1888 wirkte. Hierauf war er von 1888 bis 1890 im Palmengarten m Frankfurt a. M. tätig. Sein Weg führte ihn banach nach Oberitalien, wo er sich von 1890 bis 1892 in einer Export-Samenhandlung betätigte. Im Herbst 1892 kam er nach Meßen zum Botanischen Garten der Universität, wo er 34 Jahre lang mit arbeitete und im Herbst 1926 als Unioersitäts-Garte ninspektor in ben wohlverdienten Ruhestand trat.
In feinen jungen Jahren unb während seines Wirkens in Gießen unternahm Herr Rehnett zahlreiche Studienreisen, um sein Wissen und seinen fachlichen Gesichtskreis zu erweitern und immer meyr zu verttefen. U. a. bereifte er zum Studium der Pflanzenwelt die Alpenländer und Südeuropa bis nach Sizilien, ferner die Niederlande und England. Zweimal machte er bie weite Reise nach ber Insel Ceylon, zum ersten Mclle vom Herbst 1911 bis zum Frühjahr 1912 als Begleiter von Geheimrat Hansen, zum zweiten Male von 1913 bis 1914 allein, um sich mit ber dortigen Pflanzenwelt und deren Lebens» und Wachstumsbedingungen Der traut zu machen.
Die praktische Arbeit im Gießener Botanischen Garten erschöpfte die Schaffensfreude des jetzigen Jubilars nicht. Er gab durch schriftstellerische Arbeiten unb in zahlreichen Vorträgen in Gartenbauvereinen usw. sein reiches Fachwissen unb seine vielfältigen Erfahrungen gerne auch ber Gemeinschaft aller Gartenfreunde zur Nutzanwendung bekannt. Lange Jahre war er erster Vorsitzender des Gießener Obst- unb Gartenbauvereins und zweiter Dorfitzenber Des Kreis-Obst- unb Gartenbauvereins für den Kreis Gießen. Ferner gehörte er früher als ehrenamtliches Mitglieb dem Prösibium der Deutschen Gartenbaugesellschast an. Seiner Wahlheimatstadt Gießen hat er wahrend lanaer Jahre als Berater auf dem Gebiete ber Anlagenpflege, des Blumenschmucks und ber einschlägigen Wettbewerbe unter der Betreuung des Fremoenverkehrsoereins in guter Weise gebient; u. a. hat er auch einen lehrreichen kleinen Führer burch die Anlagen der Stadt Gießen geschrieben, für ben auch jetzt noch allenthalben großes Interesse besteht. In verschiedenen anderen öffentlichen Ehrenämtern stellte er seine Mitarbeit ebenfalls gerne in ben Dienst der Allgemeinheit. Sein Mrken in allen diesen Funk- fronen hat ihm wohlverdiente reiche Anerkennung gebracht.
Mit der Lesergemeinde des „Gießener Anzeigers" fühlt er sich als gewissenhafter und unermüdlicher Mitarbeiter unserer Beilage „Die Scholle" eng verbunden. Seit Bestehen dieser Beilage (1925) hat er als Ratgeber in allen Fragen des Garten- und Obstbaues durch viele wertvolle Aufsätze und sorgsame Beantwortung von Fragen aus dem Leserkreis an der Förderung des Gartenbaues in unterer engeren Heimat eifrig mitgearbeitet. Sein geradezu universelles Wissen in allen Zweigen des Obst- und Gartenbaues ist auch auf diesem Wege für viele Gartenbauer in Stadt und Land zu einer Quelle vielfachen Nutzens geworden.
Sein vornehmer Charakter und sein persönlich bescheidenes, allezeit hilfsbereites und liebenswürdiges Wesen haben ihm in breiten Volksschichten in Stadt und Land große Wertschätzung gesichert. Diele werden daher am morgigen Sonntag gerne des Achtzigjährigen in herzlicher Gesinnung gedenken. n5-6emWflft M Statt W Stenöe
Achtung! Briefmarkensammler!
Am Dienstag, dem 1. April, 20 Uhr, findet in Gießen, „Württemberger Hof", Bahnhofstraße 15, eine öffentliche Tagung ber NSG. .Kraft burch Freube — Briefmarkensammelgruppe — statt. Alle Sammler, die sich bereits angemeldet ober Verbin- bung mit bem Kreis-, Gau- oder Reichssammlerwart aufgenommen haben, sowie Freunde unb Gäste werben zu dieser Besprechung eingeladen. 1561D
Siehen-Klem-Linden.
Am kommenden Sonntag feiern Werkmeister i. R. Adolf Brandenburger unb Frau Elisabeth, geb. Kinzebach, in geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Brandenburger, der sich um die deutsche Turnersache große Verdienste erworben hat, war viele Jahre lang erster Vorsitzender des hiesigen Turnvereins unb wurde in Anerkennung feiner treuen Mitarbeit zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. An bem» selben Tag können der Friseur Johannes L e n ß X. und Ehefrau Marie, geb. Schäfer, wohnhaft Lützel- lindener Straße 16, das Fest ber goldenen Hochzeit begehen. Mr gratulieren beiden Familien herzlich — Am Freitagnachmittag wurde eines ber ältesten Glieder unserer IBor ort gerne inte, Frau Johannette Naumann, geb. Wagner, die im 81. Lebens» jahr verstorben war, zu Grabe getragen. Sie hat ihren Mann, mit dem sie noch im November vorigen Jahres bie diamantene Hochzeit hatte begehen können, nur um wenige Wochen überlebt
Gießener lvochenmarktpreije.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A«2öare Für B-Ware ober abfaüenbe Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger
* (3 i e 6 e n, 29. März. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 7 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 45, Weißkraut, % kg 10 bis 12, Rotkraut 13 bis 14, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 5 bis 8, Zwiebeln 13 bis 15, Meerrettich 40 bis 65, Schwarzwurzeln 20,
Lauch 24, Sellerie 21 bis 23, Aepfel 25 bis 40, Blumenkohl, bas Stück 45 bis 70, Enbivien 20, Feldsalat, Vio 10, Salat, 1/M 30 Rpf.
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** D i e Wochenmärkte werden vom 1. April ab wieder am Dienstag, Donnerstag und Samstag jeder Woche durchgeführt
** Die Betreuung der Kriegsbeschädigten. Zu unserem Bericht vom vorigen Montag über die Arbeitstagung ber NSKOV. wird uns von ber Betreuungsstelle Gießen ber NSKOV. zur Richtigstellung mitgeteilt, daß ein Kinberzuschlog beim Vorhandensein von Kindern in allen Fällen gewährt wirb. Die Erwähnung eines Häneaus- gleichs (Uebergangsrente) bei ben Hinterbliebenen- Renten ber Witwen beruht auf einem Irrtum; richtig ist, daß dort, wo sich in einzelnen Fällen ein sozialer Abstieg ergibt, von ben Fürsorgestellen vor- läufia eine Uebergangsbeihilfe (nicht Uebergangs« rente) gewährt werben kann. Hinsichllich ber Be- schäbigten des neuen Einsatzes kann bei ben leichter Beschäftigten die Versorgung ziemlich ter ber Versorgungsberechtigten nach bem Reicksoer- sorgungsgesetz gleichgestellt werben. Bei ben schwe- rer Beschäftigten ergibt sich in manchen Fällen eine Härte. Hinsichtlich ber Umschulung ber Beschädigten soll in erster Linie versucht werben, bie Beschädigten ihrem früheren Berus wieber zuzuführen, nur dann, wenn dies auf Grund ber Beschädigung nicht mehr möglich ist, soll eine Umschulung erfolgen.
** Front gegen Feuer! Immer wieder wirft der Feind England Brandbomben auf unsere friedlichen Städte und Dörfer. Der Reichsluftfchutz- bund hat bas deutsche Volk zum Kampf gegen bie britischen Brandstifter auf gerufen. Im neuesten Heft ber „Sirene , ber großen deutschen Luftschutz- Illustrierten, beginnt ein Praktikum ber Brandbekämpfung für jedermann. In Wort und Bild werten Wirkung und zweckmäßige Bekämpfung ber britischen Brandbombe leicht faßbar erläutert. Das geht jeden Deutschen an! — Im gleichen Heft werben ausführlich unb allgemein verständlich die neue Kriegssachschäden-Verordnung behandelt sowie bie neuen Richtlinien des R ei chsl uftfahrtminifteriums über „Art und Umfang des Beitragens bei der Ausführung von behelfsmäßigen Lustschutzräumen und von Brandmauerdurchbrüchen" im Wortlaut abge» druckt.
Amtsgericht Gießen
Eine Frau aus Gießen hatte einen Strafbefehl über einen Monat Gefängnis erhalten, gegen den sie Einspruch einlegte. Sie war beschuldigt, einen Beamten ber Stabt Gießen in ber gröblichsten Weise beleidigt zu haben Die Angeklagte bestritt jegliche Schulb, sie wurde aber überführt unb unter Einbeziehung einer bereits erkannten Gefängnisstrafe zu einer Gesamtstrafe von fünf Mona«
Wenn Äugen versagen Magnus-Brillen tragen!


