Ausgabe 
29.1.1941
 
Einzelbild herunterladen

erhalten, weil bet der Anlage der Gärten durch Gemeinschaftsarbeit viele Unkosten gespart werben konnten.

Im Voranschlag sind wieder als Gemeinschafts­arbeit die Erneuerung der Pumpanlage und die Bepflanzung des Einganges zu den Gailschen Gär­ten sowie die Instandsetzung der Wege in den Gärten am Leimkauterweg vorgesehen. Gleichzeitig soll der Gemeinschastsgedanke auch rein äußerlich in der möglichst einheitlichen Gestaltung der An­lagen zum Ausdruck kommen, denn sie sollen Mustergärten darstellen. Für die Gärten am Leim­kauterweg werden einheitlich geformte Garten­häuschen beschafft, die 2 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,80 Meter hoch sein werden. Jeder Pächter erhält die notwendigen Bretter zugeschnit­ten geliefert, die andere Arbeit kann er selbst ver­richten. Es bleibt dabei noch soviel Spielraum, daß jedes Häuschen ein eigenes Gepräge tragen kann. Die Häuschen sollen so beschaffen sein, daß sie bei evtl. Veränderu.rgen vom Nachfolger übernommen werden können.

Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen gab der Vereinsführer bekannt, daß in einen anderen Garten überhängende Aeste jetzt schon beseitigt wer­den sollen. Es darf kein Garten unbestellt bleiben. In den Gärten der einberufenen Mitglieder wird die Bestellung in Gemeinschaftsarbeit durchgeführt. Für die einberufenen Mitglieder wird vom Ober­kommando des Heeres in Gemeinschaft mit dem Reichsbund der Kleingärtner ein Lehrbrief in mo­natlichen Folgen mit einem Arbeitskalender her­ausgegeben, die durch die Truppe anzufordern sind.

Anschließend wurden einige praktische Fragen und hierauf die neuen Satzungen besprochen. Da­mit die Mitglieder beim Einkauf von Dünger gut beraten sind, sprach der Vereinsführer über den Wert, die Beschaffenheit und die Anwendung von Wirtschasts- und von Kunstdünger.

Be,Hilfen für Maulbeerhalbstämme.

Für die bevorstehende Pflanzzeit hat das Reich Beihilfen zum verbilligten Bezug von Maulbeer­halbstämmen zur Verfügung gestellt. Diese werden gewährt, wenn von privaten Interessenten auf Eigenland wenigstens 18 und höchstens 20 Maul­beerhalbstämme zur Anpflanzung kommen. Die Höhe der Beihilfe beträgt 5 v. H. des Bezugspreises. Anträge auf Gewährung der Beihilfe find an die zuständige Landesbauernschaft, Bestellungen auf Maulbeerhalbstämme an die Reichsfachgruppe Sei­denbauer e. V., Berlin W 50, Neue Ansbacher Str. 9, zu richten.

Gießener Gcklachtviebmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Diehoersteige- rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 47,5, Bullen 32,5 bis 49,5, Kühe 19 bis 43,5, Färsen 40 bis 49,5, Kälber 32 bis 57 RM. je % kg Lebend­gewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,13, bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11, c (90 bis 119,5 kg) 1,07, d (80 bis 89,5 kg) 1,01 ef (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,13, i (Altschneider) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: Auftrieb gut, alles zugeteilt.

** Seinen 70. Geburtstag beging eine bekannte Persönlichkeit unserer Stadt, der Post­inspektor a.D. Karl Flohr, Fröbelstraße 28, ein sehr rüstiger Wanderer, der dem Oberhessischen Ge­birgsverein angehört.

** Mutterehrenkreuze in der Orts­gruppe Gießen-Nord. Am nächsten Sonn­tag, 2. Februar, um 10.30 Uhr, findet im Rah­men einer schlichten Feier die Ueberreichung der Mutterehrenkrei^ze an diejenigen kinderreichen Müt­ter statt, die im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Nord wohnen und denen dieses Ehrenzeichen ver­liehen wurde.

** D ie Einsendung der Lohnsteuer» tarten 19 40 an die Finanzämter betrifft eine wichtige Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die hiermit hingewiesen sei.'

Briefkasten der Redaktion.

J. G. G. Eine erschöpfende Auskunft auf Ihre Frage kann von hier aus nicht gegeben werden, da zuvor verschiedene Rückfragen gehalten werden müß­ten. Es fei Ihnen empfohlen, mit der für Ihren Wohnort zuständigen Kreishandwerkerschaft in Verbindung zu treten und dort den Versicherungs­schein, die letzte Prämienquittung und den letzten Einkommensteuerbescheid vorzulegen.

Aus der engeren Heimat

denn ein Bauer, es war im Jahre 1720, auf den Gedanken, vor dem Ort tiefe Keller »ns Erdreich zu graben. Auch mag der hohe Erundwasserstand des Ortes erst diesen Einfall hervorgebracht haben. Die anderen Bauern griffen den Gedanken auf und leg. ten einen Kartoffelkeller neben dem anderen an. So entstanden im Verlauf von etwa fünf Jahrzehnten die Keller st raßen von Wohnbach, die heute jeder Fremde wie einen Engpaß durchschreiten muß, um ins Dorf zu gelangen, dessen Höhen ringsum von prächtigen Obftbäumen bestanden find.

Jahreshauptversammlung des Oberhessischen Gebirgsvereins

solch teuren Leckerbissen wie die Kartoffel leist« konnten, revolutionierend in der wetteramschen Land, wirtschaft. Die Bauern erkannten sehr wohl den Segen, der mit der neuen Frucht ins Land kam. Aber wohin mit diesem Segen? Das war die Frag^ die sich in manchen Dörfern der Wetterau erhob. Die Fruchträumlichkeiten genügten den neuen Raum. ' ansprüchen nicht mehr. Jetzt mußten die Vorrats*

Heil!"

Oie ersten Wanderungen.

Zu der ersten Wanderung des Zweigverems Gießen des Oberhessischen Gedirgsvereins im neuen Jahre hatten sich etwa 30 Wanderkameraden ein­gefunden. Durch den Bergwerkswald ging es über die Rindsmühle und Leihgestern nach Großen-Lin- oen, wo Mittagsrast gehalten wurde. Dann wurde, ein Stück Wegs dem Kleebach folgend, weitermar­schiert, an Lützellinden vorbei nach Klein-Linden, wo eine Stunde geselligen Beisammenseins den Wandertag beschloß. Am Sonntag darauf unter­nahmen einige Wanderer eine Wanderung nach dem Dünsberg. Don Krofdorf ging es nach Fellings­hausen, wo zunächst eine kurze Rast stattfand. Dann ging es über die Hänge und Wälle des Dünsbergs hinauf zur Höhe, von der aus die Teilnehmer einen prachtvollen Blick über die herrliche Landschaft ge­nießen konnten. Nach frohgestimmter Kafteepause in der rasch geheizten Hütte wurde der Abstieg vom Berg vorgenommen, lieber Fellingshausen ging es nach Rodheim, von wo aus die Heimfahrt mit der Biebertalbahn angetreten wurde.

Landkreis Gießen.

t Albach, 29. Jan. Am morgigen 30. Januar kann der frühere Bürgermeister und Ehrenkirchen* Vorsteher Ludwig Arnold II. feinen 87. Ge­burtstag feiern. Der alte Herr erfreut sich emer I für fein Alter erstaunlicher Gesundheit. Noch im letzten Jahre ging er zu Fuß von Albach nach Gießen und zurück, um feine Angelegenheiten dort zu erledigen. Dem Jubilar unsere herzlichen Glück­wünsche.

O Großen*Buseck, 28. Januar. Der Schweine- Versicherungsverein G ro­tz en-Buseck hielt unter Leitung des Vereins- führers H. Wagner VII. in der Gastwirtschaft von Hahn seine diesjährige Generalversammlung ab. Dor Eintritt in die Tagesordnung wurde der verstorbenen Dereinsmitglieder in der üblichen Weise gedacht. Danach erstattete der Rechner Ernst Dörr den Geschäftsbericht. Dem Rechner wurde für feine tadellose Kassenführung Entlasttmg erteilt Vorstandsmitglied Schlossermeister H. D ö r i n g gab anschließend eine Reihe von praktischen W nken über verschiedene Fragen der Schweinezucht, wobei er auch auf die zweckmäßige Förderung der Schweinehaltung hinwies. Der bisherige Vorstand wurde erneut in seinen Aemtern bestätigt; er be­steht aus dem Dereinsführer H. Wagner, den Taxatoren H. Döring, W. Hahn und ft. Damm sowie dem Rechner Emst Dörr. Di- Mitgliederzahl des Vereins ist auf 160 gestiegen; daraus geht hervor, wie hoch die Vorteile einge* * schätzt werden, die der Verein seinen Mitgliedern bietet. Trotz zahlreicher Derstcherungsfalle war es dem Verein im verflossenen Jahre möglich, die Bei­träge auf der seitherigen geringen Höhe zu lassen. Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, auch in diesem Jahre die Impfung der Schweine­bestände der Mitglieder wieder durchzuführen.

Watzenborn-Steinberg, 28. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Gesangverein Germania" im Dereinslokal seine Jahres­hauptversammlung ab. Nach Begrüßungsworten des Dereinsführers Theo Jung wurde in ehren­der Weise derer gedacht, die im abgelaufenen Jahre durch den Tod dcm Verein entrissen wurden. Der Vereinsführer schloß in das Gedenken auch alle diejenigen ein, die im Kampfe für Führer und Vaterland ihr Blut gaben. Der Verein betrauert zwei hoffnungsvolle Sänger, die von diesem Opfer- gang nicht mehr zurückkehrten. Den Jahresbericht erstattete der Vereinsführer. Aus dem Bericht war zu entnehmen, daß der Verein trotz Krieg mehr­mals an die Oesfentlichkeit treten konnte Besonders unterstrich er das Chorkonzert in einem Lazarett Ferner sprach er herzliche Worte des Dankes an den Chorleiter des Vereins Georg Harnisch für seine erfolgreich geleistete Arbeit im vergangenen Jahr. Für den zum Wehrdienst eingezogenen Der- einsrechner K. P i tz verlas der Vereinsführer den Kassenbericht, der mit einem kleinen Ueberschuß ab« schloß. Dem Dereinsführer und seinen Mitarbeitern konnte Entlastung erteilt werden. Die Vorstands­wahl zeigte keine Neubesetzungen der Aemter, lediglich wurde Sangeskamerad Habermehl mit der Führung der Kasse kommissarisch beauftragt Mit einer Ermahnung des Dereinsführers, der mt Felde stehenden Sangeskameraden in Treue zu ge­denken, aber auch das deutsche Lied gerade in . Kriegszeiten besonders in Obhut zu nehmen, damit es nach siegreichem Friedensschluß unversehrt in ' ein größeres Reich, in eine bessere befriedete Welt hineingestellt werden kann, schloß der Dereinsführer t mit dem Gruß an den Führer als den Gestalter des neuen Europa die Versammlung.

614. Am Jahresende bestanden an Guthaben auf Girokonten 496 474, RM., gegenüber 340 409, RM. Ende 1939; sie haben sich mithin um 156 000, RM. erhöht. An Krediten waren am Jahresende beansprucht 91904, RM.

Die Nachfrage nach Darlehen war sehr gering, so daß infolge der Rückflüsse ein kleiner Rückgang im Darlehensbestand eintrat. Der Bestand an Hypotheken und sonstigen Darlehen betrug am Jah­resende 1935 987, RM. Die reichlichen Mittel der Sparkasse konnten daher für die vordringlichen Auf­gaben des Reichs durch Kauf von Wertpapieren zur Verfügung gestellt werden.

Die ausgewiesenen Rücklagen der Bezirksfpar- faffe betragen 456 411, RM. Unter Hinzurechnung der stillen Reserven besitzt die Kasse ein gesamtes eigenes Vermögen von über 600 000, RM. Das sind rund 11 v. H. der Gesamteinlagen.

Nach Abschreibungen auf Gebäude und Geschäfts­einrichtung auf je 1, RM., verbleibt ein Rein­gewinn von 38 986, RM.

Merkwürdige Kellerstraßen in der Wetterau.

Lpd. Wohnbach in der Wetterau zeichnet sich durch merhöürtnge Kellerstraßen aus. Solche An­lagen gibt es auch noch in anderen Orten der Wet­terau, etwa in Berstadt und in Obbornho­fen. Doch in keinem zweiten Dorf sind die ft eiter= straßen so ausgeprägt wie in Wohnbach. Ste stam­men aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Da­mals wirkte der siegreich vordringende Anbau der Kartoffel, die bis dahin als Seltenheit in botani­schen Gärten wuchs und als luxuriöse Kostbarkeit die Tafeln der Reichen zierte, die sich eben einen

Oie Bezirkssparkaffe Grünberg im Kriegsjahr 1940.

-r- Grünberg, 27. Jan. Der Jahresabschluß der Bezirkssparkasse Grünberg für 1940 zeigt ein Bild außergewöhnlicher Aufwärtsentwick­lung im abgelaufenen Geschäftsjahr. Der Jahres­umsatz betrug 32,6 Millionen, gegenüber 22,4 Mill. RM. im Vorjahre; er ist also um 10 Millionen RM. gestiegen. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 1209 000, RM. auf 6 095 000, RM. Im Sparoerkehr wurde der schon sehr günstige Zuwachs des Vorjahres mehr als verdop­pelt. Die Einzahlungen betrugen mit Einschluß Der kapitalisierten Zinsen 1486182, NM.; zurück- bezahlt wurden 442 578, RM., so daß ein Rein­zuwachs an Spareinlagen von 1043 604, RM. erzielt wurde, gegenüber 434 752, RM. im Jahre 1939. Damit sind die Spareinlagen auf 5 089 966, RM. angewachsen. Neue Sparkassenbücher wurden 751 Stück ausgestellt und 252 Stück aufgelöst. Am Jahresende waren 6195 Sparkassenbücher der Be­zirkssparkasse im Umlauf. Hier ist zu beachten, daß die Aufwertungssparkonten vollständig erledigt find, so daß es sich nur um neue Sparkassenbücher han­delt. Auch, das Kleinsparen (Schulsparkassen, Heim­sparbüchsen) brachte recht befriedigende Ergebnisse. Von den ausaegebenen Spargeschenkgutscheinen für neugeborene Kinder wurden 171 Stück ä 3,RM. auf neuangelegte Sparkassenbücher gutgeschrieben.

Auch im Giro- und Kontokorrentverkehr ist eine wesentliche Erweiterung des Geschäftsverkehrs feft« zustellen. Der Umsatz in dieser Abteilung betrug 8 037 555, RM., gegenüber 6 928166, RM. im Vorjahre. Die Zahl der Konten stieg von 582 aus

Unter dem Vorsitz des Dereinsführers Hugo Lucas fand imHotel Hopfeld" die diesjährige Jahreshauptversammlung des Zweigvereins Gießen des Oberhessischen Gebirgsvereins statt. Der 23er» emsführer gedachte der verstorbenen Wanderkame­raden (Steuerinspektor Hch. Zimmermann und Kaufmann Paul Heidlindemann) und verband da­mit die Ehrung der Gefallenen. Hieraus galt dem Führer der erste Gruß. Mit besonderer Freude wurde Kamerad Geldmacher begrüßt, der in Urlaub weilt.

Der Dereinsführer erteilte den Jahresbericht und betonte dabei, daß die Mitgliederzahl behauptet und der Wanderplan mit einer Wanderung über-, troffen wurde. Durch die Beteiligung am Deutschen Wandertag in Marburg, den viele Mitglieder be- suchten, um wieder einmal den Deutschen Wander­führer Professor Dr. F.Werner, Breslau, zu hören, kamen statt 14 sogar 15 Wanderungen zu­stande. Die Wanderungen führten in den Taunus, oen Dogelserg, ins Salzböde- und Blasbachtal, nach Blasbach, Schwalbach und die nähere und weitere Gießener Umgebung, sowie mehrmals nach Mar­burg. Die für Gemünden an der Wohra angefetzte Hauptversammlung des Gesamtverbandes fand gleichfalls in Marburg statt, die Sternwanderung führte zahlreiche Zweigvereine in Staufenberg zu­sammen. An den Wanderungen beteiligten sich 385 Mitglieder, das sind durchschnitlich 26 Personen, ein beachtlicher Prozentsatz des Mitgliederbestandes. Am 13. Oktober war der Zweigverem 07, am 20. 10. der Zweigverein 1894, beide aus Marburg, in Gießen zu Gast.

In finniger Form wurde die Ueberreichung der Wanderauszeichnungen vorgenommen. Acht Mitglieder erhielten das goldene Eichblatt, und zwar Elisabeth Meyer, Martha Will, Minna Weller, Maria Wagner, Erna Heimes, Paula Süßel, Heinrich Meyer und Vereinsführer Hugo Lucas; 12 Mitgliedern wurde die silberne Eichel überreicht.

Im letzten Jahre wurden die Mitglieder Hans Schäfer und Hugo Lucas für Verdienste um die Wandersache mit dem Ehrenwanderstock aus­gezeichnet. Die Adoentsfeier war von Frl. Dreyer in sehr schöner Weise durchgeführt. An der Reichs- straßensammlung für das WHW. hat sich der Zweigverein erfolgreich beteiligt. Mit den Kame­raden an der Front wurden enge Verbindungen

aufrechterhalten. Der Gefamtverband hat b^m un|p1UujcH*/* ~-v-w - .

Deutschen Roten Kreuz 100 RM. gespendet. Der räume der neuen Frucht angemessen sein. So kam Vereinssührer H. Lucas dankte allen Mitarbeitern --- ....... iM1 1720 ÖUf ben

für ihre Hilfe und das treue Zusammenstehen.

Aus dem von Kassenführer Höpfner erteilten Kassenbericht war zu entnehmen, daß die finanziel­len Verhältnisse in bester Ordnung sind. Der Zweig- oerein überwies dem WHW. 20 RM. Der Beitrag wurde in gleicher Höhe belassen. Rechnungsprüfer Steinhäuser beantragte die Entlastung, und Wanderkamerad Emil Kinkel sprach namens der Versammlung dem Vereinsführer das Vertrauen und den herzlichen Dank für die umsichtige Füh­rung aus. Der Dereinsführer bestätigte alle seine Mitarbeiter in ihren Aemtern. Hierauf wurde der Wanderplan für das laufende Jahr festgesetzt. Im Mittelpunkt steht die Beteiligung an der Haupt- Versammlung des Hauptverbandes, die in Gemün­den an der Wohra stattfickden wird. Es schloß sich eine lebhafte Aussprache am Dann schloß Ver­einsführer Lucas die Hauptversammlung mit dem Wunsche des Reichswanderführers Professor Dr. Werner:Ehre und Heil dem deutschen Füh­rer! Stärke und Sieg dem deutschen Schwert? Ruhm und ^rieben dem deutschen Vaterland-! Sieg

Umwege des herzens

Roman von h.G. Hansen

Copyright by Prometheus «Verlag Dr. Eichacker - Gröbentell

11 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Darauf verabschiedeten sich die Besucher und fuh­ren in Koßmanns Wagen wieder zurück. Der Staatsanwalt bemerkte unterwegs:Alles so, wie ich es gedacht habe. Die Gründe für das Fernblei­ben von der Verabredung zur Jagd sind ausrei­chend. Ich hätte nach sechzehnstündiger Arbeit auch keine Lust dazu gehabt, am allerwenigsten um zwei Uhr, dorthin zu fahren. Außerdem reicht die Zeit gar nicht hin, die Mordstelle zu erreichen, da der Kraftwagen in der Garage stand."Die Zeit würde doch reichen. Koßmann wohnt nicht weit vom Bahn- Hof Grünewald, also in einem Stadtteil, der vor den andern in Berlin den Vorzug hat, dem Mord­revier besonders nahe zu sein. Es sind mit der Bahn kaum dreißig Kilometer bis dahin. Und Züge fahren noch so spät. Schließlich wissen wir ja nur, wo Koßmann bis ein Uhr war. Heber die Stunde von eins bis zwei liegen nur Angaben von ihm selbst vor, desgleichen über die Zeit bis sieben Uhr."

Doktor Fecht lächelte.Alles zugegeben. Aber wenn wir jeden Menschen verdächtigen wollen, der Zeit genug gehabt hätte, ohne Zeugen zu der Mord­stelle hinauszufahren, müßten wir eine ganze Menge verhaften. Bei Herrn Koßmann liegt doch nicht der geringste Grund zur Tat vor."

Genauer gesagt, wissen wir keinen Grund. Ob keiner vorliegt, ist uns nicht bekannt."

Sie sind ein scharfer Dialektiker. Aber ich glaube, wir halten uns an den verhafteten Korn. Bei dem Mann sind eine Menge Indizien vorhanden, die ur feine Täterschaft sprechen."

Ganz richtig. Ich verdächttge Koßmann auch ?eineswegs. Ich bin nur gewohnt, jede denkbare Möglichkeit ins Auge zu fassen."

*

Als die Tür hinter seinen amtlichen Besuchern «schlossen war, machte sich die seelische und gerftige [nfpannung der letzten zwei Stunden bei Koßmann

bemerkbar. Er sank in seinen Schreibttschsessel zu­rück und zündete sich zur Beruhigung der Nerven eine Zigarre an, die er hastig rauchte.

Soviel wußte er von der Praxis einer gericht­lichen Untersuchung, daß dabei der Vernommene meist völlig im unklaren über die Ziele und Beweg­gründe des Vernehmenden blieb. Also konnte hinter den glatten und entschuldigenden Worten des Staatsanwalts mehr stecken als auf den ersten Blick erkennbar war. Koßmann ging seine Lage Stück für Stück und Abschnitt für Abschnitt sorgfäl­tig durch. Er fand keine Lücke. Nachzuweisen war ihm auf jeden Fall nichts, nicht das geringste. Der einzig mögliche Rechenfehler war gewesen, daß er beim Nachhausekommen von einem der Dienstboten gesehen worden wäre. Damit hatte er gerechnet und für diesen Fall auch eine Erklärung zurechtgelegt. Sie war nicht notwendig geworden.

Niemand hatte ihn gehen und kommen gesehen. Niemand konnte vermuten, daß er während der Nacht fast sechs Stunden aus dem Haufe gewesen war. Die Zugverbindungen zum Revier waren leicht festzustellen, aber es wckr ausgeschlossen, daß darauf gegen ihn eine Anklage aufgebaut werden konnte. Niemand wußte von dem Verhältnis zwischen Frau Koßmann und Ralf Kühlitz außer ihm und der Frau selbst. Ein Motiv zum Mord an seinem Freunde war unauffindbar. Damit entfiel auch jeder Grund zu einer Verdächtigung.

Er atmete auf, als auch bei Berücksichtigung aller Möglichkeiten keine Lücke in seinem Gedanken­gebäude zu finden war, nur das eine ließ sich nicht wegwischen, die Verhaftung des Unschuldigen. Er hatte sich gescheut, den Staatsanwalt nach Einzel­heiten in der Affäre Korn zu fragen. Das wäre vielleicht auffallend gewesen. Zudem konnte ein Be­amter kaum über die dienstlichen Angelegenheiten zu einem Dritten sprechen. Koßmann wußte nur das, was in den Zeitungen stand. Die Mittags­blätter hatten neue Einzelheiten gebracht, in großen Umriffen jedoch das gleiche wie am Morgen.

Je weiter die Zeit fortschritt, um so beklemmen­der war es ihm aber zumute, wenn er sich die Lage des Verhafteten vorstellte. Gegen den Mann sprach eine ganze Menge, abgesehen von seiner Vergangenheit, vor allem der Fund der Büchse, die zu der Mordkugel paßte, und die Tatsache, daß er um die Zeit des Mordes irgendwo draußen beim

Wildem gewesen war. Die Geschichte mit den in einer ganz andern Gegend gelegten Schlingen konnte von der Polizei als reine Finte angesehen werden.

Immerhin war es fraglich, ob die Indizien dazu ausreichten, den Mann zu verurteilen. Eine schwere Bestrafung wegen Wilddieberei war sicher auch verdient. Ob aber eine Bestrafung wegen Mordes in Frage kam, entzog sich vorläufig der Beurteilung jedes Außenstehenden. Einige Blätter stellten es so hin, als ob in Korn wirklich und endgültig schon der Mörder gefaßt sei. Das konnte Ansichtssache und Effekthascherei fein. Ein unerschütterlicher Schluß ließ sich daraus nicht ziehen.

Dann bohrte die Frage in Koßmann: Und wenn es nun doch zu einer Verurteilung kommen sollte? Wenn ein Unschuldiger zum Tode verurteilt würde? Nur ein Mensch wußte ganz bestimmt, außer Korn selbst, daß dieser nicht der Täter war, er, der Fabrikant Koßmann. Als er seine Sühne an Kühlitz beschloß, hatte er sich deren Verlauf anders vor­gestellt. Das hinterlistige Vorgehen des Kapellmei­sters rechtfertigte den Mann, der die Ehre seiner Familie vertreten hatte, erst recht. Es war kein Mord, nicht einmal ein Duelloergehen, sondern le­diglich ein Akt der Notwehr gewesen. Nicht einen Augenblick empfand Koßmann Gewissensbisse.

Aber Korn, der Vater von sechs lebenden Kin­dern, der Ehemann seiner Frau. Mit seiner letzten Kraft redete Koßmann sich selbst zu, ruhig die wei­tere Entwicklung abzuwarten. Die Haft war neben­sächlich für Korn. Er wäre ohnehin als Untersu­chungsgefangener abgeführt worden, wenn die neuesten Wilddiebereien bekannt geworden wären. Nur durfte der Mann nicht wegen Mordes bestraft j werden. Vielleicht konnte seine Abwesenheit an dem verhängnisvollen Morgen noch aufgeklärt werden. Vielleicht hatte ihn jemand gesehen. Man durste nichts überstürzen und mußte nur eins tun, in Ruhe ab warten.

Eine Stunde hatte Koßmann gegrübelt. Dann raffte er sich zusammen und ging an die Erledigung seiner Arbeiten. Um sechs Uhr abends machte er Schluß. Er wollte unbedingt die Kinder noch vor dem Schlafengehen sprechen. Dazu kam, daß er zu Hause möglichst unbefangen auftreten muhte. Eine schwere Unterredung mit Gitta stand ihm zweifel­los bevor. Sie mutzte auch noch erledigt werden, bevor er nach außen hin Ruhe hatte.

Gegen dreiviertel sieben Uhr traf er vor seinem Hause ein. In der Halle stürmten ihm die Kinder, die den Wagen gehört hatten, mit Jubelgeschrei entgegen. Die kurze Zeit bis zum Abendbrot ver­brachten sie mit Spielen und Scherzen. Als er das Speisezimmer betrat, meldete ihm das Mädchen, seine Frau sei krank und liege zu Bett. Sie könne nicht zum Essen kommen, bitte aber den Herrn, sie nach dem Essen zu besuchen. Er nickte und dankte Gitta innerlich für ihre Zurückhaltung. Der Grund zur Erkrankung lag auf der Hand. Sie wollte oder konnte ihm nicht in Gegenwart her Kinder und Fremder gegenübertreten.

Die Mahlzeit verlief wie immer in ungetrübter Heiterkeit und mit munterem Geplauder. Um halb acht Uhr nahm er seine beiden Jungen auf den Arm und trug sie die Treppe hinaus in ihr Zim­mer. Beim Waschen half er fürsorglich und sorg­fältig. Zum Lohn dafür wurde er nahaespritzt. Dann noch Gutenachtküsse, und er verließ den Raum, in dem er den Schalter umdrehte.

Vor der Tür zum Zimmer seiner Frau zögerte er eine Sekunde. Dann klopfte er an und betrat auf ein leises Herein den Raum. Gitta richtete sich langsam Zoll auf Zoll hoch, bis sie aufrecht saß. Sie bot einen rührenden Anblick. Die dunkelbrau­nen Haare umrahmten etwas verwirrt ein blasses Gesicht mit fiebrig glänzenden Augen und einen unnatürlich roten Mund.

Er trat näher und zog sich einen Stuhl heran, um Platz zu nehmen.Guten Abend. Du hast mich hierher bitten lassen." Er sprach beherrscht und kühl. Sie sah ihn brennend mit weit aufgeriffenen Augen an. Ein Schlucken stieg die fast durchsichtige Kehle empor und wurde nur mühsam unterdrückt. Sie krampfte mit den Fingern in der Bettdecke und suchte offenbar nach passenden Worten, ohne sie gleich finden zu können.

Jannes, warum hast du das getan?" Die Frage war wie ein Hauch, wirkte aber wuchtig wie ein Schlag.

Was meinst du denn?"

Ditte, verstell dich nicht. Du hast das nie ge­mocht, und es paßt nicht zu dir. Warum hast du

. hast bu ... Ralf ... Herrn Kühlitz erschollen?*

(Fortsetzung folgt)