Ausgabe 
29.1.1941
 
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des hin (z. B. Löwenpaar fällt ein Zebu-Rind an) und prägte hierfür den AusdruckNatur-Urkunden", Görz hatte für Schillings eineFernkamera zum Handgebrauch" konstruiert, die man wie eine schwere! Büchse in die Schulter einsetzte-, gleichzeitig wurden in Zusammenarbeit mit Schillings neuartige Blitz­lichtapparate hergestellt, mit denen sich das näch­stens auf Raub gehende Wild selbst aufnahm, so­bald es an einen gespannten Faden stieß. Weil Schillings in gewissem Sinne das Großwildzwei mal erlegte", einmal mit Blitzlicht und dann mit der Büchse, nannte er sein erstes großes Reisewerk Mit Blitzlicht und Büchse", das nicht nur in Deutschland begeistert ausgenommen, sondern auch in viele Sprachen übersetzt und so in der gan­zen Kulturwelt verbreitet wurde. Auf Grund seiner Erfolge unternahm Schillings noch mehrere Reisett und schilderte sie in einem zweiten Buche,I rrt Zauber d e s Elelescho". Beide Bücher er­schienen später unter dem gemeinsamen TitelMit Blitzlicht und Büchse im Zauber des Elelescho". Elelescho ist nach Schillings einCharakterstrauch", der, wie in der deutschen Heide der Ginster, in den weiten Steppen des Masailandes blüht, seinen Duft dem Wasser und dem Wind mitteilt und die hellen Nächte mit silbernem Glänzen erfüllt.

Unter den Afrika-Reisenden nimmt Schillings eine besondere Stellung ein. Haben Schwein- furth. Nachtigal und Wißmann den dunk- len Erdteil mehr nach länderkundlichen Gesichts­punkten durchforscht, so lag Schillings mehr die Er­forschung der Tierwelt am Herzen. Wie L ö n s die Tiere unserer Heide, so läßt Schillings die Wildrudel der afrikanischen Steppe und Urwälder lebendig werden, und was das Wort nicht schil­dern kann, deutet das Blitzlicht-Bild, das ihm den ehrenden BeinamenBlitzlicht-Iäger" eintrug. Spä­ter wurde Schillings als deutscher Vertreter zu internationalen Naturschutzkonferenzen entsandt, wo er nicht nur für die Erhaltung seltener Tierarten, wie Paradiesvögel und Edelreiher, eintrat, sondern sich das ist wenig bekannt auch für die Ver­größerung des deutschen Kolonialbesitzes in jeder möglichen Weise einsetzte; unter anderem forderte er die Heranbildung tüchtiger deutscher Kolonial- forscher, weshalb er damals hier und da ein wenig mitleidig belächelt worden ist. Wir Heutigen haben allen Grund, den Afrikaforscher, Tierfreund und Kolonialpionier, der nun 76 Fahre alt wäre, zu ehren. Hans Sturm.

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Nlg Zeihe

r. 24 Zweites Blatt

Aus der Stadt Gießen.

Telegramm aus heiterm Himmel.

Wir Privatmenschen bieten einen etwas kornischen Anblick, wenn wir ein Telegramm öffnen sollen. Ins fehlt die souveräne Geste, mit der Herrenrnen- i)en und Forschungsreisende einer neuen Situation egenüberstehen. Ein Griff, ein Riß, das ist alles. Iber was geht in uns vor!

Wir erschrecken immer. Wir verlieren einen Au­sblick die gute Haltung, kommen aus dem Gleich- 'wicht Ein Telegramm ist gekommen! Ein Tele­gramm hat eingeschlagen, müßte man richtiger sa- len. Wie heute: ich komme ahnungslos nach Hause, nd da liegt ein Telegramm auf dem Tisch. Ich n erschrocken. In Gedanken gehe ich blitzschnell i!le Möglichkeiten durch, die mit diesem Telegramm aentuell in Zusammenhang stehen könnten, aber ich veiß keine. Ich lasse mir einen neuen Anzug ma- <tien, aber der Schneider wird mir den Termin der 'ften Anprobe höchstens auf einer Postkarte mit« ilen... Meine Finger beginnen nun schon nach 'm Telegramm zu zittern, und ich suche noch in

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30. Januar von 18.03 bis 9.08 Uhr.

er Erinnerung die seltenen Fälle, wo ich gute und flechte Neuigkeiten durch Telegramme erfuhr. Ein­mal kam ein Telegramm:Vertrag perfekt!" Ja, da ?f ich dann mit dem Papier in der Hand im Zim- er hin und her, stieg auf Sessel, Diwan, Tisch, el der überraschten Wirtin um den Hals, ehe sie Helten konnte, und rannte zum Telefon:Du, >mm endlich! Es ist alles gut!"

Und jetzt bin ich wieder ahnungslos nach Hause -kommen und finde ein Telegramm auf dem Tisch, ch habe keinen Vertrag zu erwarten. Ich habe keine Tri)feit zu feiern. Ich habe fein Examen bestanden, ch weiß nicht, wer mir ein Telegramm schicken nnte. Ich ahne nur, daß da in dem zusammen- e falteten Papier etwas lauert, etwas Böses, Dro- !"ndes.

Ich strecke die Hand danach aus, wie durch die Htter eines Raubtterkäfigs, jetzt reiße ich es auf, nb während noch das Papier zwischen meinen . Ungern raschelt, fällt mir dunkel jener Abend ein, 1-5 ich ahnungslos wie heute nach Haufe kam und pn Telegramm auf dem Tisch lag:Vater gestör­ten!" Mir gehen im Bruchteil von Sekunden Na-

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ttcn durch den Kopf.

Vor meinen Augen flimmert die Schrift. Es ist, d-s mollfen die Buchstaben davonlaufen, ich muß t mit starrem Blick festnageln, aufsaugen, ich lese, er paar Worte, ich weiß alles, alles...

Mt atme ich tief und lang aus, als würde so i fr? Angst aus meinem Körper gestoßen. Die schreck- li-he, unbegründete, lächerliche Angst vor einem Megramm, das unerwartet auf meinen Tisch flog.

Es ist nichts Schlimmes. Jemand ist auf der Zmrchreife, will mich sehen, nach langer Zeit.

Ein Telegramm hat eingeschlagen. Kalter Schlag. ?ch erhole mich, freue mich, lache... K. R. N.

borgen keine Sprechstunde des Kreisletters

Die Sprechstunde des Kreisleiters fällt am 30. Ja- r.iar aus.

Gießener Vochenmarkkprelfe.

fiMchstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sch für ä-Ware. Für 8-Ware oder abfallende Ware f fimiie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger

*: Gießen, 29. Ian. Auf dem heutigen Wochen- r arft kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., " Waffe 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, k. k» 10 bis 12 Weißkraut 8 bis 10, gelbe Ruben h* bis 14, rote Rüben 11 bis 13, Unterkohlrabi S bis 8, Grünkohl 10, Feldsalat (/m) 8, % kg 80 Jnrtoffcln, % kg 4,2, 5 kg 42, Aepfel, % kg 28 1 s 40, Lauch 24, Sellerie 21 Rpf.

Ortszeit für den 30. Januar.

Sonnenaufgang 9.12 Uhr, Sonnenuntergang 18.05

Ihr. Mondaufgang 10.03 Uhr, Monduntergang

2153 Uhr.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesjen) Mittwoch, 29.)anuar 1941

Veamle nnb Handwerkersammeln für dasWHW

Von diesen aus Majolika gefertigten Abzeichen sind 45% Millionen hergestellt worden. Die Figürchen wurden in verschiedenen deutschen Gauen angefertigt und können bei der Reichsstraßensammlung am Samstag und Sonntag erworben werden. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Als Sammelabzeichen für die fünfte Reichs­straßensammlung des zweiten Kriegs-Winterhilfs- werks 1940/41 gelangen am kommenden Samstag und Sonntag, 1. und 2. Februar, zwölf Symbole des Tierkreises mit astronomischen Zeichen zum Verkauf. Männer der Beamtenschaft und des Hand­werks als Sammler werden die schönen Abzeichen aus Majolika den Volksgenossen anbieten.

Wie in anderen größeren Städten unseres Gaues sollen auch in Gießen bei dieser Sammlung mancherlei Sonderveranstaltungen durch­geführt werden, mit deren Hilfe das Sammelergeb­nis gesteigert werden soll. Die Reichsbahner wer­den eine große deutsche Scynellzuglokomotive und als Gegenstück dazu eine französische Lokomotive zur Besichtigung freigeben, ferner eine Signalan­lage zeigen und Schaffnerinnen mit einem Elektro­karren der Reichsbahn durch die Straßen der Stadt fahren lassen. Die städtischen Beamten werden' auf einem Wagen die Amtsstube eines Stadtschreibers der alten Zeit in Begleitung von Stadtsoldaten in alter Uniform in die Straßen der Stadt entsenden und damit an ein Stück Alt-Gießen erinnern. Zoll­schranken am Selterstor, vor deren Passierender

Der stellvertretende Bezirksführer des NSRL- Bezirks Gießen, Stein (Gießen), führte mit seinen Mitarbeitern eine wichtige Sitzung durch, der auch der hessische Bereichssachwart für Turnen, Hermann Schäfer (Kassel), und Bereichspressewart O ß - w a l d (Bad-Nauheim) bewohnten. Die Besprechung galt dem Vorrundenkampf für d i e 2. Deutsche Kriegs meist erschaff im B e - r e i ch s m a n n s ch a f t s k a m p f der Turner, auf dessen Bedeutung wir vergangene Woche be­reits hingewiesen haben. Kamerad Stein hat bei den bisherigen Vorbereitungen bereits das weit­gehende Entgegenkommen der Partei und des Gie­ßener Oberbürgermeisters gefunden, die die Ver­anstaltung, die auch andere Städte gern in ihren Mauern gesehen hätten, freudig unterstützen und

Zoll" für das Kriegs-WHW. erlegt werden muß, werden die Beamten des Hauptzollamts errichten, um mit dieser Einrichtung dem Kriegs-WHW. zu dienen. Die Forstbeamten planen etwas Besonderes, worüber sie sich aber bis jetzt noch in Schweigen hüllen. Ferner ist ein Platzkonzert des Musikzuges der SA.-Standarte 116 vorgesehen. Daneben findet noch eine Sondersammlung statt, die von dem Kreisleiter, dem Oberbürgermeister, dem Rektor der Universität und dem Landgerichtspräsidenten durch­geführt werden wird. Das Handwerk macht sich ebenfalls bereit, dem Kriegs-WHW. bei dieser Sammlung mit aller Kraft zu dienen.

Alle Sammler und alle Pläne stehen im Dienste des Kriegs-Winterhilfswerks, dessen Erfolgsziffem von Jahr zu Jahr im Anwachsen sind. Wir wollen deshalb auch bei der kommenden Straßensammlung am Samstag und Sonntag die Worte des Füh­rers beherzigen:Das Kriegs-Winterhilfswerk 1939/40 ist ein Dokument einer sozialen Volks­gemeinschaft, wie es etwas Aehnliches auf der gan­zen Erde nicht gibt. Das Kriegs-Winterhilfswerk 1940/41 wird das kann heute schon erklärt wer­den diesen Eindruck nur verstärken."

fördern werden. Jetzt schon zeigt sich in Stadt und Land lebhaftes Interesse für den turnerischen Groß­kampf, der bekanntlich die ersten Kräfte der deut­schen Spitzenklasse nach Gießen führen wird.

Der Kamps findet in der Gießener Volks­halle am 9. März statt. Er beginnt am Vor­mittag. Die Endkämpfe am Nachmittag werden von Vorführungen der besten Turnerinnen des NSRL.- Bezirks Gießen und von Darbietungen im Kinder­turnen (Tv. 1846 Gießen) umrahmt. Verantwortlich für die Durchführung ist der damit vom NSRL- Bereich Hessen beauftragte stellvertretende Bezirks- führer Stein, der von seinen Mitarbeitern in der Bezirksführung und den noch zu bildenden Ar­beitsausschüssen tatkräftig unterstützt wird.

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Tagskalender für Mittwoch.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude": 19.30 Uhr in der Großen Aula der Universität Lichtbilder oortrag des Gauvolkswagenwarts Müller über Der Volkswagen, feine Entstehung und Entwicklung bis heute". Stadttheater. 19 bis 21.15 UhrDer Ahnenpaß". Gloria-Palast, Seltersweg:Wunsch, konzert". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Herrscher". Oessentlicher Vortrag der Universität 20 bis 21.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße, Lichtbildervortrag Prof. Dr. Glöckner überDas Tier in der Kunst". Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Ausstellung Deutsche Graphik der Gegenwart" im Foyer des Stadttheaters.

Lichtbildervortrag über den Volkswagen.

Am heutigen Mittwochabends 19.30 Uhr beginn nend, veranstaltet die NSG.Kraft durch Freude" in der Großen Aula der Universität einen Licht­bildervortrag, der dem Volkswagen, feiner Ent­stehung und Entwicklung bis heute gewidmet ift Der Vortrag soll Sinn und Zweck des Volkswagens, der nach dem Willen des Führers geschaffen wird, darlegen und dazu beitragen, daß unser ganzes Volk an diesem Fortschritt der Technik teilhaben kann. Der Vortragende wird die Vorzüge des KdF.-Wa­gens schildern und über Versuchsfahrten über Mil­lionen von Kilometer mit diesem Wagen berichten^ Weiterhin wird er die Hörer mit den vielerlei tech­nischen Einzelheiten des Wagens bekannt machen.

Gießener Vortragsring.

Wiens deutsche Sendung" ist das vielverspre- chende Thema des Lichtbildervortrages, den der von seinen früheren Dorträgen in Gießen bekannte Kunsthistoriker Dr. Oskar Schürer am Mon« tag, 3. Februar, im Rahmen des Gießener Vor- ttagsringes auf Einladung des Goethe-Bundes, den Kulturellen Vereinigung und der Volksbildungs­stätte Gießen halten wird. Mit der Heimkehr der Ostmark und insbesondere Wiens in das Reich ist uns allen, uns im Altteich und den Volksgenossen in der Ostmark, eine tiefe Verpflichtung zur Besin­nung aufgegeben worden: Was hat die Ostmark und Wien für das Reich von je bedeutet? Was sollen sie künftighin für das Großdeutsche Reich be­deuten? Wir sind zu leicht geneigt, das Wien des 19. Jahrhunderts zu sehen, das Wien mit seinen Walzerklängen. Wir müssen das wirkliche Wien, das alte Bollwerk gegen den Osten, die Stadt des Prin. zen Eugen, erkennen lernen. Dr. Schürer gestaltet an Hand ausgezeichneter Lichtbilder einen Gesamte eindruck der alten- Kaiserstadt, aus dem lebendig wird, was Wien allen Deutschen zu fagen und zu geben hat.

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Nachdem der Obst- und Gartenbauverein seine Jahreshauptversammlung abgehalten hat, führte auch der KleingartenvereinLahntal" feine Jahres­hauptversammlung imBurghof" durch. Im letzten. Jahre hat sich der Kleingartenverein, der stärker auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebaut ist, von dem' Obst- und Gartenbauverein, der mehr wirt- schaftliche Ziele verfolgt, gelöst. Der Kleingarten­verein umfaßt die Pächter auf Gailfchem Land und die auf städtischem Gebiet am Leimkauterweg.

Wie Vereinsführer Ehr. Junker in seinem Jahresbericht ausführte, ist die Mitgliederzahl un­verändert geblieben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fanden Schulungen in den Gärten statt, um den Kleingärtnern praktische Anleitungen zu geben. Durch Gemeinschaftsarbeiten konnten die Garten­anlagen instandgehalten werden. Um in der heu­tigen Zeit eine intensive Ausnützung der Gärten zu erreichen, wird in den nächsten Wochen ein Vortrag über die richtige Bewirtschaftung der Gar­ten, die Pflanzzeiten und Fruchtfolgen sowie dis Bodenbearbeitung veranltaitet werden. Aus dem vom Vereinsführer erstatteten Rechnungsbericht cing hervor, daß bei sparsamster Verwaltung der Mittel gute Erfolge erzielt wurden. Für die An- laae der Gärten am Leimkauterweg wurden etroa 2100 RM. aufgewandt. Die Erledigung des Reichs­darlehens wird in der nächsten Zeit erfolgen. Der* Verein wird eine gute wirtschaftliche Grundlage

Der Vereichsmamschasiskamps der Turner.

Am 9. März in der Dolkshalle zu Gießen.

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den Rundfunk schon zu einer populären Melodie geworden.

Die Partitur wurde von Kapellmeister Apelt in sorgfältigem Eingehen auf die dynamischen Schattierungen und kräftiger Herausarbeitung der rhythmischen Akzente vorteilhaft erschlossen. Herr Grüneke führte Regie und brachte eine farbige, figurenreiche und belebte Aufführung mit beifällig aufgenommenen gelegentlichen Abstechern ins Schwankhafte heraus. Auch für den Bühnenbildner, Herrn Löffler, und den Kostüm-Meister, Herrn End r ich, ergaben sich aus dem grünweißroten Thema dankbare Motive, besonders für die groß­zügig ausgestattete Ballettszene im Preßburger Schloß. Die Tanzgruppe unter Führung von Irm­gard Xrömel hatte hier und überhaupt an die­sem Abend mancherlei lohnende Gelegenheit, sich farbenfroh zu präsentieren.

*

Gabriele Possinke gab die Janka, eine fast über das übliche Operettenmaß hinausreichende Par­tie, mit vollem Einsatz ihrer organischen Mittel und breiter Entfaltung der gesanglichen Linie. Herr Reuland war der Obergespan Graf Bardossy und nahm sich dieses galanten Kavaliers und seines Verwandlungsabenteuers darstellerisch wie in der musikalischen Steigerung des Ausdrucks mit unga­rischem Temperament an. Herr Grüneke, als der gräfliche Kammerdiener Erdödy, nutzte die ihm unvermutet zuteilgewordene Rangerhöhung und die sich daraus ergebende Verwirrung der Beziehungen zu lebhaft ausgespielten komischen Wirkungen. Der Soubrette Gerti Vogt bot die Rolle der unver­sehens zu einem Mann kommenden Etelka allerlei Chancen, die heitere Partie gesanglich, darstellerisch und im Bühnentanz auszuschöpfen. Herr Heinz Müller war der sündige Stuhlrichter, der hier am wenigsten zu lachen hat, Hella H e n z k y seine energische und geistesgegenwärtige Gemahlin. Die gute Kaiserin Maria Theresia war in Luise Präs- s e r s Händen eine liebenswürdig menschliche, weib­lich anziehende Majestät, die auch im ungewohnten Raume der Operette die Würde der geschichtlichen Persönlichkeit bewahrte. Herr B o s n y (Pötök) und Herr ßa p orte (Halmay) seien vom großen En­semble noch genannt.

Besuch und Beifall ließen nichts zu wünschen Hans Thyriot.

Gießener Giadiiheater.

Hermann Hennecke und Rico Tostal: Tie ungarische Hochzeit."

Die drei Akte von Herwecke spielen aus einem d r schon klassisch zu nennenden Operettenschauplatze, ii Ungarn, das sich seit langem, unmittelbar nach feien, ber Vorliebe der Librettisten erfreut unb par um 1750, zur Zeit ber großen Mana The- Sia Die Fabel hat kulturhistorische fjintergrunbe i d neu man sonst in diesem Umkreise selten begegnet 2ie Kaiserin pwnfcht die sremden Kolonisten die [i- in Ungarn angesiedelt hat, nicht nur mit Land simdern in weiser Voraussicht auch durch fteira nit einheimischen Bauerntochtern dauernd sehhast 8i machen. Im Dorse Poplaka entsteheni Wider- lliinbe, weil ber bort amtierenbe Stich nchter ben ftomben nicht gerabe bie Blute der weiblichen Sanb iixienb zur Hochzeit angeboten hat. Als der Ober g span von Hermannstadt, Gras Bardossy, em g beiten Abenteuern geneigter Junggeselle, ,m Aus- tage der Majestät nach dem Rechten sehen ,oll. intoniert man in Poplaka e.ne Schemhochzett mtt lnbschen Mädchen, die das ungarische Dorf den be r hinten Patemkinschen ähnlich macht Immerhin mürbe bies für eine ausgewachsene, L'bret °hanb- 'lima mit brei Akten unb einem Vorspiel kaum ge- nig9en. Deshalb tauschen, um das Durchemanber willkommen zu machen, ber gra iche vbersespan uiib fein Sammerbiener -hr- Rollen, woraus sich itneberum bie erforberlidjen Berwick ungen für bie it Poplaka sich anspinnenbe, amouröse Doppechanb- lung ergeben, mbem bie Tochter bes adligen Ctubl- rchters den verkleideten Grafen für einen armen «foloniften halten muß, während das muntere und MH iratslustige Bauernmädchen Etelka deni Lokai e , h den sie sich verschossen h<tt, fürben Krasen per Mnlich ansieht. Bei solcher Bedrohung der ozm en -eltordnung und der pattrarchalisch-absolutlstrsch !^a gründeten Standesunterjchiede fällt natürlich> zu- I giter Letzt der leutseligen und menschenkennerifchen l&ferin bie Ausgabe in den Schatz, mit gnad, er hfnnb die Fäden zu entwirren und alles zum oegen ! l kehr"Nico Dostals Musik, breit unb recht f i anspruchsvoll gesetzt, sanb in ben national-unga- h rächen wie ben historischen (Elementen ber itabe Il nnUtommene Anregungen: ber ^urd^ ,'st U°ch

I Diener Malier noch immer die beliebteste Operetten Iknzform und ber Märchentraum der Liebe" durch übrig.

Mit Blitzlicht und Büchse.

C. G. Schillings ;um 20. Todestage.

Am 29. Januar vor zwanzig Jahren starb der leider allzu früh vergessene Professor Carl Georg Schillings an einem Schlaganfall, noch nicht 55 Jahre alt. Sein Bruder, der Komponist Max von Schillings, trat das künstlerische Erbteil der Mutter, einer geborenen Brentano, an, er dagegen erbte vom Vater eine große Tierliebe. Schon als Knabe züchtete er Stubenvögel, vor allem edle Sän­ger, und auj dem Weiher (großer Teich) des väter­lichen GutesWeiherhof" bei Düren (Rheinland) sammelte er allerlei Wassergeflügel, das er vom Berliner Zoologischen Garten bezog, Papageien sprechen zu lehren, bemühte er sich damals schon derart, daß es für seine Schulzeugnisse nicht immer gerade vorteilhaft war. Jeglichen Sport betrieb er, rittwie ein Beduine" und war ein guter Schütze

Als sein Freund und Landsmann Schüller eine große Afrikareise vorbereitete, bot er Schil­lings die Leitung des zoologischen Teils an. Da­mit war die Wende in dessen Leben gegeben. C. G Schillings kam nach Berlin, lernte den damaligen Leiter des Zoologischen Gartens, Geheimrat Dr. Heck, kennen und holte sich bei diesem Rat für das Unternehmen. Ueber diese Begegnung hat Tier­vater Heck selbst berichtet:Als ich von seinem Vorhaben hörte, war mein erstes: Da müssen Sie aber auch photographieren, daß uns das afrikanische Wild endlich einmal nicht nur mit Worten geschil­dert und bestenfalls in einigen Aufnahmen erlegter Jagdbeute gezeigt, sondern lebend inmitten seiner natürlichen Umwelt vor Augen gestellt wird. Dar­aus warten wir alle, die wir dieser reichsten, präch­tigsten Tierbevölkerung unserer Erde mit Begeiste­rung zugetan sind " Zunächst wollte der Sportsmann und Jäger Schillings davon nichts wissen, allen­falls einen Diener zum Photographieren anlernen lassen; als er jedoch den Wert der Anregung er­kannte, warf er sich mit seinem ganzen Tempera­ment und fein'er zähen Ausdauer auf die neue Ar­beit. Die deutsche optische Weltsirma von Gorz nahm sich der Sache an, und ihr militärischer Mit­arbeiter, Major Kiesling, stellte seine ganze Erfindungsgabe begeistert in den Dienst der Schil- lingschen Wünsche und Bedürfnisse. Geheimrat Heck wies in einem Vortrag in der Berliner Kriegsakademie zum erstenmal auf die Bedeutung der Schillingsjchen Aufnahmen lebenden Großwil-