Gast waren, inzwischen meinen Later um sechshunderttausend Pesos gebracht hat?"
Das klang wie ein Peitschenhieb. Irgendwo ertönte ein unterdrückter Aufschrei. Marino war weiß bis in die Lippen, — aber sie lächelte.
„Oh, gewiß, — ich habe von der Sache gehört! Aber Sie würden mir einen Gefallen tun, wenn Sie von diesem Swann nicht als von seinem Freund sprächen. Ich habe in Tucumän flüchtig seine Bekanntschaft gemacht, ohne zu wissen, um was für eine Sorte von Menschen es sich bei ihm handelte. Selbstverständlich bestanden und bestehen zwischen ihm und mir keinerlei Beziehungen! Und nun kommen Sie! Nehmen Sie Platz! Sie auch, lieber Don Perez! Was darf ich Ihnen anbieten lassen?"
Wie ein allgemeines Aufatmen ging es durch die ganze Gesellschaft.
12.
Don Ricardo betrat sein Hotel und steuerte auf einen Empfangsherrn zu.
„Ist meine Frau im Hause?"
„Frau Calvo hat sich vor etwa einer Viertelstunde in ihre Zimmer begeben!" antwortete der höflich.
Calvo lief eilig zum Lift, der ihn nach dem ersten Stockwerk hinaufbrachte. Dort bewohnte das Ehepaar eine Reihe Zimmer, an die sich die von Don Francesco und der Zofe anschlossen.
Donna Elena hatte die beiden gerade bei sich, als Ricardo eintrat. Er stürmte auf Frau Elena zu.
„Das Neueste!"
„Von Manuela!?" fragte seine Gattin.
„Ja! Ich komme gerade aus dem Fremdenklub. Ich dachte, der Schlag treffe mich, als man mir dort erzählte, Manuela fei im Klub gewesen und habe dort einen Florettkurs begonnen! Und was meinst du, wer in ihrer Begleitung war?"
„Am Ende doch — dieser Deutsche?" riet Elena.
„Kein Gedanke! Der junge Perez Castillo!"
„Perez Castillo aus Irmin? Aber das ist ja — einer der besten Namen der Pampa!"
„Allerdings!" nickte Ricardo. „Aber davon ist jetzt nicht die Rede. Ich sage dir nur eines: Meine Geduld ist zu Ende! Ich habe nicht Lust, mich von diesem Grünschnabel an der Nase herumführen zu lassen!"
„Sprichst du — von unserer Tochter?" fragte Frau Elena.
m. 152 Zweiter Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GSerhessen)
aller-
ganz
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
. Marina tanzte mit einem nicht mehr ganz jungen 'Htrn, von dem die Rede ging, daß er in Texas -r»fee Oelfelder besäße und an Bord einer eigenen W auf eine Reise um die Welt begriffen fei.
ten unterrichtete Amerikaner kein Hehl daraus, daß amerikanische Wirtschaftskreise, die am Del in Niederländisch-Indien stark interessiert sind, an der Festsetzung der Delmengen mitgewirkt haben, welche die Verwaltung von Niederländisch-Indien Japan zugestand. Diese amerikanischen Delkreise arbeiteten eng mit dem Außenministerium und mit dem Kriegsministerium in Washington zusammen. Legt man diese Erfahrungen zu Grunde, dann braucht man nicht lange zu suchen, um die Urheber des jetzigen Bruchs zwischen Japan und Niederländisch-Indien zu entdecken.
Zugleich kommt in dieser amerikanischen Kulissenarbeit eine Auffassung zum Ausdruck, die unsere schon erwähnte Vermutung bestätigt, daß Amerikas Teilnahme an den Auseinandersetzungen im Fernen Osten die Ursache für einen rascheren Ablauf der Ereignisse zu werden scheint, als er der bedrängten, aber in fernöstlichen Dingen auch erfahreneren britischen Diplomatie vor Augen steht. Weniger die provozierende amerikanische Inselbrücke über den Pazifischen Ozean, an deren Ausbau und Auswertung die Vereinigten Staaten noch lange zu arbeiten haben, als vielmehr diese von Menschen erdachte und von Menschen gemachte Politik, mit der sich Roosevelt und seine Mitarbeiter in die gegenwärtigen weltpolitischen Auseinandersetzungen einzuschalten versuchen, bringen es zuwege, daß eine Betrachtung der englisch-japanischen Beziehungen unvermeidlich auf eine Darstellung der amerikanischen Aktivität hinauslaufen muß. Im Fernen Osten bahnt sich das gleiche Schicksal an, das in Europa ein weit fortgeschrittenes und schon als endgültig anmutendes Stadium erreicht hat: der Rückzug Englands aus priviligierten Stellungen. Unter diesem Gesichtswinkel ist die Reise des Londoner japanischen Botschafters zu betrachten.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, Ende Juni 1941.
In Madrid ist es endlich wärmer geworden! Der deutsche Leser dürfte kaum erwartet haben, diese Feststellung im Monat Juni zu hören: Die spanische Hauptstadt liegt 2000 Kilometer südwestlich von Berlin sowie südlicher als Neapel, und da hört man so häufig über „bie Hölle von Madrid?" Das Thema „Wetter" besitzt auch hier den gleichen ewigen Aktualitätswert wie bei unp in Deutschland und es gibt hier wie dort kaum Sprichwörter, die so häufig zitiert werden, wie die auf das Klima oder Wetter bezüglichen. Mit dem Wort „nueve meses de in- vierno y tres meses de infierno“ ist das Klima Madrids am besten charakterisiert:- Neun Monate Winter und drei Monate Fegefeuer! Und wenn je-
„Nun, Ada?"
„Es ist alles noch ruhig. Er wird es nicht wagen!
„Stehen die Männer im Garten, wie ich es befohlen habe?"
„Ja! Jeder mit einem Revolver!" „Uebrigens — wo ist Herr Droste?" „Ich werde — nach ihm schauen." Marina eilte zu ihren Gästen zurück. Ada bediente sie mit Erfrischungen. Als sie einigen Senoras Süßigkeiten präsentierte, erblickte sie an der Tur den Luciano. So schnell sie es einrichten konnte, lief sie zu ihm.
Was gibts?"
"Unser Haus ist — von der Polizei umstellt! Zwei von den Leuten da draußen gehören zum Geheim-
Schüsse in Tucumän
Roman von Heinrich Lang.
23. Fortsetzung.
te ber Seemeg von den Vereinigten Staaten durch i ^en Ozean nach England hat. Sie ist zunächst durch Roosevelts Erklärung unterstrichen Horden, daß das Rote Meer für die amerikanische ^chlssahrt offenstehe, bleibt aber auch bestehen, wenn infolge einer veränderten Lage der Weg um das Kap der Guten Hoffnung führen müßte. An einer entscheidenden Stelle dieser Route liegt Singapur. In den kürzlichen Besprechungen auf Ma- J11 krem britischen Oberkommandierendcn
in Ostasien, Luftmarschall Sir R. B r o o k e - P o p - 7?™/ un& höheren amerikanischen Befehlshabern soll die Auffassung amerikanischer Marinekreise zu- lage getreten sein, daß am gleichen Tage, an dem etwa japanische Seestreitkräfte in dem indochine- p|a)cn Hasen Ca m r a m h auftauchen sollten, der als einer der besten des Fernen Ostens gilt, die Vereinigten Staaten Singapur übernehmen JD.urpen Unabhängig davon, ob diese Ansicht zu- trisft oder nicht, wird jedenfalls offen von einem bevorstehenden neuen Tauschgeschäft gesprochen, burct) das England weitere überzählige Zerstörer von den Vereinigten Staaten gegen die Abtretung Singapurs und anderer Stützpunkte im Fernen Osten erhalten würde.
Oer Abbruch der Wirtschaftsverhandlungen zwischen Japan und Niederländisch-Indien hat die Lage im Fernen Osten weiter verschärft. Als vor einigen Monaten ein Abkommen über die Lieferung einer bestimmten Oelrate aus Hollän- disch-Indien an Japan abgeschlossen wurde, mach-
mals ein Wetterspruch zutraf, so war es in diesem Jahre der Rat: „hasta el cuarenta de mayo no te quitas el sayo“: „Bis zum 40. Mai behalte dein Unterhemd an! Haargenau am „41. Mai" begann der Sommer ...
Der Reisende, der Pfingsten z. B. im Wannsee, dem Riesenbad der Reichshauptstadt, badete und braungebrannt im leichten Sommeranzug gen Süden flog, zog noch zu Beginn dieses Monats blaß und fröstelnd durch die iberische Metropole. Ein ungemütlicher Wind blies über die Hochfläche, während in Berlin bereits sommerliche Wärme herrschte. In den Kirchen Spaniens wurden Bittgottesdienste abgehalten, denn dieses Land braucht besonders dringend eine gute Ernte. Glückliche Besitzer motorisierter Vehikel fahren an den Sonn-
! „Der Name ist nicht selten!" antwortete Ada. IjUber woher kennst du so vornehme Leute, Kaj?"
„Das muß ich dir einmal erzählen, wenn du I cintas mehr Zeit hast als jetzt, liebe Ada!" [ „Zeit habe ich jetzt allerdings sehr wenig!" rief |2ba. „Man klingelt schon wieder! Auf Wieder- IlHen! Kommen Sie übrigens bald herunter, Herr 2rofte? Madame scheint Sie bereits zu vermissen! I Droste brummte etwas Unverständliches.^ „Manila wird eine kleine Enttäuschung erleben! sagte IN ,Lch werde keine vierundzwanzig Stunden m [fiter Millionärskolonie aushalten! Meinst du nicht [»ich, Kaj, daß du bald wieder etwas Ernsthafteres
packen müßtest, als die kleine Manuela spazieren führen?"
„Meine Manuela heißt jetzt Ada", lächelte der . bine. „Wir haben schon allerlei Pläne gemacht.
wirst staunen."
.,Am Ende gar Heiratspläne?" fragte Droste. --UN, — die Wienerin scheint mir nicht die schlechte Partie zu sein!"
,Und Marianne Clevenz?"
Heinz Droste trat ans Fenster. „Lassen wir bas!" 'a;te er. „Es sollte wohl nicht sein! Du trafst sie pii)t an, als du in meinem Auftrag nach Tucuman tauft! Dann hat Manuela, dieser Irrwisch, meinen Sief verloren. Und zuletzt kam ich eine knappe blinde zu spät, als ich durch dich ihre Adresse Mchuhr..."
.Du hast recht, — es war eine Kette widriger Önftänbe!" nickte Kaj. „Aber die Welt ist klein.
barfft bie Hoffnung noch nicht aufgeben!"
Heinz Droste lächelte vor sich hin. „Weiß ich denn, sie überhaupt noch an mich denkt? Das Leben Mt roeiter.^mit oder ohne Marianne."
Stockholm, Ende Juni.
Mit dem englischen Flugzeug nach Lissabon, mit dem amerikanljchen Clipper nach den Vereinigten Staaten und von dort mit einem japanischen Darnp- fer nach Japan reift in diesen Tagen der Londoner japanische Botschafter Shigernitsu. Für einen japanischen Diplomaten in Europa ist eine Fahrt in jeme Heimat ein solcher Umstand, daß sie nicht un- fonunentiert zu bleiben pflegt. „Die Frage einer englisch-japanischen Annäherung", die früher in einem solchen Fall automatisch auftaudjte, muß heute in der neutraleren Form als Frage nach dem gegenwärtigen Stand der englisch-japanischen Beziehungen gestellt werden.
Man mag es als durchaus sinngemäß ansehen, daß die Reise von England nach Japan über die Vereinigten Staaten führt, berei Zwischenschaltung dazu beigetragen hat, das englisch-japanische Verhältnis auf die einfache Frage „Krieg oder Frieden" zuzuspitzen. Das jetzige Stadium ist nicht unähnlich dem eiltzlisch-deutschen Verhältnis zur Zeit der Münchner Krise 1938. Ein englischer Diplomat, von dem es hieß, er habe den Auftrag, eine englisch- japanische Verständigung herbeizuführen, und der iu dem Ruf stand, mit Ueberzeugung und Optimismus an diese Aufgaben heranzugehen, antwortete .einem Berichterstatter der „Saturday Evening Post" «uf diö Frage, ob er wirklich glaube, ein Krieg mit Japan lasse sich vermeiden, folgendes: „Nein. Wir j werben gegen Japan zu kämpfen haben. Meine Aufgabe ist es, den Kampf soweit wie möglich hin - ouszuschieben. Ich vermute nicht, bah ich großen Erfolg haben werde, aber ich hoffe, daß wir nicht allein stehen werden, wenn die Schlacht kommt."
Klingt diese simple Auskunft nicht wie eine ge- Fieimc Information aus den Münchner Tagen? Nur kfieß es damals Deutschland statt Japan, und hätte innn Chamberlain damals die Motive zugeschrieben, zu denen sich ein ungenannter Diplomat bekennt. Dann wäre empörte Entrüstung Englands Antwort gewesen. Für ein englisch-japanisches München ist Die Zeit aber schon zu weit fortgeschritten — we- entlid) infolge der Haltung der Vereinigten Staaten, deren fernöstliche Hilfsstellung für England dazu geführt hat, daß das Zeitmaß der Entwicklung, welches dem erwähnten englischen Diplomaten offenbar vorschwebt, eine unvermeidliche Beschleunigung erfährt. Wenn die Amerikaner behaupten, ihre Hilfe für China, die schon so weit geht, laß amerikanische Flieger als „Freiwillige" die an Lhina gelieferten Maschinen bemannen, diene nur iazu, die „Japaner von den Engländern fernzu- jalten" (also im Sinne des obenerwähnten Aus- pruches des englischen Diplomaten zu liegen scheint), frann übersehen sie vielleicht, daß der offensive Cha- - öfter ihrer Maßnahmen den Ausbruch eines Fern- »stkonfliktes zu'einem sehr viel früheren Zeitpunkt »erbeiführen muß, als den Engländern lieb zu feyi cheinsi Es wäre nid)t das erste Mal, daß die Ver- Inigten Staaten einem Lande, dem sie ihre diplo- uatische Hilfe gewähren, einen Bärendienst leisten.
Von japanischer Seite ist mit Recht die Frage auf- :i>morfen worden, was die Amerikaner hindern ein ne, Java oder Borneo zu „übernehmen", nach- em sie hinsichtlich der spanischen und portugiesischen Itlcmtikinseln ihre Absichten mehr als deutlich zu | rfennen gegeben haben. Könne nicht die „Verpach- | iung" von Stützpunkten in Westindien, so fragt man I 'ch nicht nur in Japan, in Ostindien wiederholt ! werben? Grunbsätzlich besteht kein Unterschieb zwi- |r |3jen bem Erwerb Trinibads und dem Erwerb Sin- I icipurs durch die Vereinigten Staaten. Die andau- I irnbe Ueberführung amerikanischen Kriegsmaterials, | \or allem von Hunderten amerikanischer Flugzeuge » ivch Singapur, könnte sich schon in absehbarer Zeit | i(5 Beispiel für andere Formen amerikanischer I Hilfe" für England entvuppen.
■< Von amerikanischer Seite wird in diesem Zu- I !immenha»g die große Bedeutung hervorgehoben,
Sturmgeschiihe werden über einen Fluß transportiert
Auf einer von deutschen Pionieren erbeuteten Fähre werden schwere Sturmgeschütze und anderes Kriegsmaterial über einen Fluß in Sowjetrußland gebracht. — (PK.-Schödl. — Scherl-M.)
Zwischen Madrid und Aranjuez.
Von unserem R.-Berichterstatter.
Englands Rückzug im Kernen Osten
Von unserem Ttr.-Korrespondenten.
Marina verstand sich darauf, solche „Beziehungen" zu „pflegen". Aber immer wieder schweiften während des Tanzes ihre Augen fragend zu 2lba hin. Ein Wink — und Ada verstand.
Marina^schien sehr erheitert^ „Sie haben . recht," erwiderte sie gelassen. „Mem Name i t Dir . lich Celina Naaella. Da ich m Tucuman als Stu- bentin lebte, führte ich natürlich nicht meinen Kunst, lernamen, sondern meinen bürgerlichen. Hier in Buenos und San Isidro aber kennt man weniger
Studentin Nonello als die Schauspielern, hall- ®r Ä- Aufklärung sagte Ma- nueta ,Sie haben sicher schon gehört daß Ihr Freund Swann, mit dem Sie damals bet uns zu
dienst des Polizeipräsidiums!
Ada hatte ganz blasse Lippen. An der entgeistert dastehenden Zofe vorbei tanzte em elegantes Paar. Marina und ein junger Inder, der auf der Universität von Buenos seinen Studien oblag. Der gallo- nierte Diener kam auf Marina zu. „Herr Perez Castillo!" meldete er. Und fügte hinzu: „Fraulem Manuela Calvo!" ' _
Die Herrin der Villa Mantovam erbleichte. Dann hatte sie sich wieder in der Gewalt
’ Don Perez! Sehr erfreut, daß Sie mir die Ehre geben. Und die junge Dame die Sie da bei mir einführen, — welche Ueberraschung! Wir sind alte Bekannte,' nicht wahr, Senorita?"
Manuelas Lippen zuckten „Ich kenne Cie binas’ Aber nannten Sie sich damals nicht tftau Novello, als Herr Everett Swann Sie in unser
J
2S./29,3nttl 1941
tagen dem Sommer entgegen nach Aranjuez, dem Garten Madrids an der Mündung des Manzanares in den Rio Tajo, wo die schönsten Spar- geln und Erdbeeren des Landes gedeihen und wo Paläste und großzügig angelegte Parks mit wuchernden Blumengärten von der Pracht der spanischen Könige zeugen. So recht von Herzen kann sich jedoch niemand an dem Blühen und Gedeihen dieses schönen Erdenfleckchens erfreuen, denn schon jenseits der Gärten strecken sich dem Fremden hungrige Hände entgegen, die feit Beginn des Bürgerkrieges nidjt weniger wurden. Das Land blutet noch aus vielen Wunden, die vor Beendigung des großen Ringens mit England schwer heilbar erscheinen.
Die breiten Straßen und Alleen von Madrid zeigen an den Feiertagen ein besonders xeges Leben. Jede verwandelt sich in einen „Rummel", dem dis Lebensfreude des jungen Spaniens, das Temperament und die Sorglosigkeit des Südländers das Gepräge geben. Mail wünscht so manchem deutschen Volksgenossen, daß er sich wie ein Spanier mit einer Handbewegung über manche — meist unabänderliche — Widerwärtigkeiten des Alltags hinwegsetzen könnte. Wie sehr diese Eigenschaft des Spaniers sich ausprägen kann, wird in den Außenbezirken Madrids deutlich: Auf Schritt und Tritt sieht man dort die Spuren heftiger Kämpfe aus dem Bruderkrieg, Schutthaufen und Ruinen, in denen ein erheblicher Teil der Bevölkerung sich ein notdürftiges Asyl hergerichtet hat. Zwischen den Ruinen, wie eine Verheißung, die Zukunft des schwergeprüften, tapferen Volkes: Scharen spielender Kinder, die immer und überall Sonne finden und Sonne bringen, in denen man hier Gottesgeschenke sieht.
Es drängen sich unwillkürlich vielerlei Betrachtungen auf angesichts dieses Kindersegens: Madrid mit seiner rund 1 Million zählenden Einwohnerschaft hat einen Geburtenüberschuß von fast fünfzig vom Hundert, wobei allerdings eine verhältnismäßig hohe Kindersterblichkeit berücksichtigt werden muß. Woher nimmt das Volk in dieser schweren Zeit den Lebenswillen? Wie bringen seihe vielfach unterernährten Frauen die Kraft auf, neues Leben zu schenken und ihre Kinder auch zu ernähren — lieber selbst zugrunde zu gehen, als die Kleinen hungern zu lassen? Liegt der Grund in der größeren Ursprünglichkeit des Volkes und in seiner Genügsamkeit? Schon mancher, der etwas in der Welt herumgekommen ist, hat sich gefragt, wie die Metr- schen hier überhaupt existieren können, wovon sie sich ernähren. Wenn man dabei etwa deutsche Maßstäbe anlegt, kommt man aus der Verwunderung über die unbeschreibliche Genügsamkeit mancher Menschen und Völker nicht heraus. Ader man sieht schließlich, wo ihr Existenzminimum liegt: Millionen und aber Millionen in Indien, in China, in Japan und auch in beiden Amerika leben von einer Handvoll Reis täglich mit etwas Soyabohnenöl, oder von einigen süßen Kartoffeln, einigen rohek oder gebackenen Bananen ... Man sieht, daß der italienische Arbeiter sich mit weniger als der Hälfte dessen, was der deutsche verzehrt, ernähren kann: man sieht, daß der japanische ober chinesische mit dem dritten ober vierten Teil existieren kann, und baß zwischen den Ansprüchen an-bie Reichhaltigkeit und Abwechslung des Speisezettels noch unverhältnismäßig viel größere Divergenzen bestehen. Wie es jedoch möglich ist, daß die Masse der ärmeren Bevölkerung Spaniens ohne Mehl, ohne Kartoffeln und praktisch ohne Brot, ohne Fleisch, ohne Fett und ohne Zucker leben kann, davon kann man sich sehr schwer einen Begriff machen. Auch die tüchtigste deutsche Hausfrau hätte an diesem Problem IVier Regeln, um mit dem
Herdputz auszukommen:
l.Nur die handwarme Herdplatte putzen
Sie brauchen dann weniger Putzmittel 2. Den Putzlappen immer feucht halten das Putzmittel ist dann ergiebiger 3. Statt mit weichem Lappen nachzupolieren, einfach eine zusammengeknüllte Zeitung nehmen. So sparen Sie Putzlappen 4. Nur Qualitäts-Herdputz kaufen
weil Sie damit die beste Putzwirkung haben
WEEN Herdputzpulver
aus der - Fabrik
5 ist gut und ausgiebig.
„Von wem sonst? Ich werde ein Ende machen! Dieser Castillo wird Manuela — heiraten!"
Da schnarrte das Haustelephon. Francesco nahm den Hörer auf. „Ein Herr Cesar Leccia!?" sagte er flüsternd.
Da lief Calvo zum Fernsprecher. „Es ist einer meiner Detektive, die ich sofort hinter Castillo hergeschickt habe!" sagte er hastig. „Hier Calvo! Nach San Isidro, <sagen Sie? Wie bitte? Villa Manto- vani? — Marina? Marina Hallström? — Es ist gut! Ich fahre persönlich hinaus!"
Calvo wandte sich seiner. Gattin zu. „In dieser Stunde noch werde ich das Pärchen stellen! Manuela ist mit ihrem neuen Freunde nach San Isidro gefahren, auf das Gartenfest einer Filmschauspielerin in der Villa Mantovani ... Sorgen Sie für einen schnellen Wagen, Gälvez!"
„Du wirst mich mitnehmen!" rief Donna Elena. „Ich muß dabei sein!"
Zehn Minuten später verließ das Ehepaar das Hotel.
Als Ada in die Kammer gestürzt kam, die Droste und Iversen mit dem Rauch ihrer Zigarren füllten, war sie ganz außer Atem.
„Ich — halte das nicht mehr länger aus!" schrie sie. „Ich bin mit meinen Nerven am Ende!" Iversen sprana auf, um die Weinende in die Arme zu nehmen. „Ada! Um Gotteswillen! Was hat es gegeben?"
Die Zofe schmiegte sich wie Hilfe suchend an die Brust des Freundes. „Ach — ich weiß es selbst nicht! Ich werde das Gefühl nicht los, daß da unten — schreckliche Dinge im Gange qinb —"
„Was meinst du damit?"
„Ich — kann es nicht sagen!" schluchzte Ada. „Sage mir die Wahrheit, Kaj! Hast du — irgend etwas angestellt? Kann es sein, daß — die Polizei nach dir sucht?"
„Aber Kindchen!" stotterte er und wurde rot. Ada schrie auf. „Du hast mir etwas verschwiegen! Die Polizei hat dieses Haus umstellt! Jeden Augenblick können sie einbringen."
Droste war aufgesprungen. „Fräulein Ada!" sagte er. „Sie dürfen nicht denken, daß Kaj etwas Ehrenrühriges begangen hat!"
(Fortsetzung folgt.)


