Ausgabe 
27.10.1941
 
Einzelbild herunterladen

genommen! In den Buchhandlungen der Heimat bietet sich das gleiche Bild. Hier zeigt es sich, daß eins der Hauptanliegen der Buchwochen früherer Jahre: das Hinführen eines möglichst großen Teils des Boltes zum guten Buch, bereits feine Verwirk­lichung gefunden hat.

So liegt denn auch das Schwergewicht der dies­jährigen Kriegsbuchwoche auf anderem Gebiet. Sie will vor allem das ganze deutsche Volk daran er­innern, wie sehr es darauf ankommt, unseren Soldaten die Bücher zu geben, die sie brauchen. Daß bei der Erfüllung dieser Ehren­pflicht jeder Deutsche mithelfen kann, sei hier am Rande vermerkt. A,uch daß der Griff nach dem Lieblingsbuch auf dem eigenen Bücherbrett höher anzurechnen ist als der schnelle Gang in den näch­sten Buchladen, mit dem der Angesprochene sich los­kauft.

Mit Stolx kann das deutsche Buchschaffen in allen seinen Zweigen auf das feit der Kriegsbuchwoche 1940 verstrichene Jahr zurückblicken. Es war ein mit angestrengter, aber auch erfolggekrönter Arbeit angefülltes Jahr. Galt es doch, die während des ersten Kriegsjahres begonnene Umstellung auf die besonderen Bedingtheiten des Krieges fortzusetzen und auszubauen. Vorbildlich arbeiteten Schrift­tumsführung, Verlag und Buchhandel Hand in Hand, um die Gesetze des Krieges zu erfüllen, gleich­zeitig aber das deutsche Buchschaffen auf einem möglchst hohen Leistungsstand zu halten.

Der deutsche Verleger hatte bald verstanden, was die neue Lage von ihm forderte. Es galt, die Buch- Manuskripte mit vermehrter Sorgfalt auszusuchen und zu prüfen, die Autoren von abseitigen, ver­fehlten Themen zu finden und zu fördern, kurz: nur solche Bücher herauszubrinqen, für die der Der- legerische Einsatz im Kriege sich lohnte. Daß bei dieser Auswahl von den deutschen Verlegern nicht beckmesserisch vorgegangen wurde, beweist ein Blick auf die alle Buchgattungen und Themenkreise in reicher Auswahl enthaltende Liste der Neuerschei­nungen.

Das gleiche gilt für die Uebersetzungen auslän­dischen Schrifttums. Der selbstverständlichen Aus­schaltung des Schrifttums der Feindstaaten stand eine gesteigerte Beschäftigung mit dem Schrifttum unserer Verbündeten und der Staaten gegenüber, die sich zum neuen Europa bekennen. Auch hier darf man also von einer Bereicherung des deut­schen Buchmarktes sprechen, die sich mitten im Kriege vollzog.

Dem guten Unterhaltungsroman, der (wie auch der gute Unterhaltungsfilm) gerade im Kriege wich­tige Aufgaben zu erfüllen hat, galt weiter die Auf­merksamkeit asier für das deutsche Buchschaften Verantwortlichen. Er hat die Aufgabe, das billige und minderwertige Reihen-Schrifttum zu ersetzen, das in früheren Jahren an jedem Buchkiosk zu sehen war und zu der heute leider weithin noch üblichen negativen Bewertung auch des guten Unterhal­tungsschrifttums beigetragen hat.

Die Arbeit der Reichsschrifttumskammer darf nicht vergessen werden, wenn vom Einsatz für das deutsche Buch die Rede ist. Auch sie stellte der Krieg vor neue Aufgaben. Die schwierigen Fragen der Selbstverläge und der Buchqemeinschasten wur­den u. a. geklärt, in Schulungslagern und Arbeits­tagungen wurden Verleger und Buchhändler mit ihren Kriegsaufgaben vertraut gemacht. Wie immer fand im Frühjahr 1941 das große Leipziger Kan­tate-Treffen des deutschen Buchhandels statt, das starker denn je zuvor besucht war. Der Leiter des deutschen Buchhandels, W. Baur, konnte bei dieser Gelegenheit den deutschen Buchhändlern für ihre verständn'svolle und selstlose Arbeit danken. Einen schönen Hintergrund erhielten feine Worte dadurch, datz fast gleichzeitig zwei führende deutsche Verlage (Wilhelm Limpert. Berlin, und Ferdinand Hirt, Breslau) vom Führer zu Nationalsozialistischen Musterbetrieben ernannt und mit der Goldenen Fadne ausgezeichnet wurden.

Nimmt man den großen Erfolg der zahlreichen deutschen Ruchausstellungen im befreundeten und neutralen Ausland sowie in den besetzten Gebieten hinzu, so darf man mit Stolz sogen: Das deutsche Buch, diese blanke Waffe des Geistes, hat auch im Zweiten Kriegsjahr bewiesen, daß es würdig neben feiner Schwester, der Waffe aus Stahl, zu stehen vermag.

(Srönbuna eines europäischen c^chnffsteNerverbandeS.

Weimar, 25. Okt. (DNB.) Auf der Deutschen Dichtertaqung in Weimar wurde auf Anregung der ausländischen Dichtergäste ein europäischer Schrift st ellerverband gegründet. Den Vor­sitz des Verbandes hat der bekannte deutsche Dichter Hans Caroffa übernommen.

Michelangelo, der Mensch und Künstler.

Von Felix Timmermans.

Felix Timmermans nimmt an der gegenwärtig stattfindenden Deutfchlandreise ausländischer Schriftsteller und an der Kriegs­buchwoche teil und wird in Berlin aus fei­nen Werken lesen. Es wird unsere Leser, von denen viele Timmermans bei seinen Be­suchen in Gießen auch persönlich kennen ge­lernt haben, interessieren, den Dichter des Pallieter, des Franziskus und des Brueghel über Michelangelo sprechen zu hören.

Als ich die ersten Werke Michelangelos zum ersten Male sah, war mir, als käme ich aus einer lieb­lichen Landschaft in einen mächtigen, dunklen Wald. Ich wüßte nicht, ob ich vor Ehrfurcht knien sollte oder aber die Flucht ergreifen.

Im Geiste habe ich gekniet.

Ein Gott stand vor mir: in der Sixtinischen Ka­pelle erlebt man die Schöpfung der Welt und des Menschen zum zweitenmal. Aber der Sündenfall durchschneidet die Verbindung zwischen Gott und Mensch, und während die Bäume des verlorenen Paradieses noch nicht alle verblüht sind, sehen Pro­pheten und Sybillen bereits den Untergang, das Ende dieser Welt.

Das Jüngste Gericht donnert durch den Raum. Im Feuer des Blitzes wirbeln und taumeln Riesen- fiyuren um den gewaltigen Gott, den ungeheuren König der Ehren, der seinen Fluch zerschmetternd über die Verdammten schleudert.

Gott, Engel, Heilige und Propheten, Sybillen und Verdammte, die sind überdimensional und groß­artig, geschwollen und gemuskelt aus Ueberfluß an inneren Kräften, die nicht wissen, wohin-, Gewitter- gestalten, die prädestiniert sind, den Raum zu stür­zen und die Zeit in Scherben zu brechen, Planeten gegeneinander zu zerschlagen.

Keine Spur von Seligkeit, keine Hoffnung, kein gelobtes Land in Aussicht, kein Wunsch zum Weiter­leben. Und sogleich sieht man ins Herz dieses Künst­lers, ki dem Abgründe tiefster Schmerzen glühen.

Zeitschriften.

Die MonatsschriftK u n st d e m V o l k" (Her- ausgeber Professor Heinrich Hoffmann, Verlag Heinrich Hofsmann, Wien) hat ein Sonderheft der Großen Deutschen Kunstausstellung München 1941 gewidmet und bringt in einer ersten Folge eine Auswahl von malerischen, plastischen und graphi» schen Werken, die wohl als charakteristisch für das Gesamtbild gelten können. Die Wiedergabe ist durch­weg vorzüglich und technisch einwandfrei, besonders was die farbigen Reproduktionen der Gemälde be­trifft; wer die Ausstellung nicht selbst besuchen kann und auf (vielfach unzulängliche) Schwarzweiß-Wie- bergaben- angewiesen ist, wird hier am ehesten einen Eindruck gewinnen können. Aus dem reichen Jnhall seien hervorgehoben dasBildnis des Führers" von Triebfch, das stimmungsstarke, sehr eindrucksvolle WeltkriegsbildSie trommeln" von Elk Eber, Franz GerwinsHochöfen", Hans HappsThetis" und Hans SchachingersOstmärkische Bauernfamilie 1940".

Der Taucher und der Krake.

Ein aufregendes Abenteuer hatte kürzlich em spanischer Taucher zu bestehen, der in der Nähe von Tarragona das Wrack eines gesunkenen Fisch' dampfers untersuchte. Er wurde plötzlich durch einen gewaltigen DftopuS, eine achtarmige Riesenkrake, angefallen, der seine Schlangen gleichenden Arme mit großer Heftigkeit um den Mann schlang. Das Tier hatte eine Größe von nahezu 2 Meter, und hätte der Taucher in letzter Sekunde nicht noch ver­zweifelte Hilferufe nach oben signalisieren können, wäre er bei dieser Begegnung mit dem Ungeheuer nicht mit dem Leben davongekommen. Man zog den Taucher auf seine Notsignale hin sofort an die Oberfläche und brachte mit dem Bewußtlosen zu­sammen das riesige Tier nach oben, das sich mit allen acht Armen fest an sein Opfer geklammert hatte. Der Oktopus wurde sogleich getötet und der naturwissenschaftlichen Sammlung in Tarragona übergeben.

Das deutsche Buch im Kriege.

Bindeglied der Heimat zur kämpfenden Front.

Zett der stolzesten Blüte feiner Geschichte beginnt.*

Die Worte des Ministers fanden den begeisterten Widerhall der Versammlung. Darauf erklärte der Minister dieKriegsbuchwoche 1941" für eröffnet

Weimar, 26. Okt. (DNB.) Mit einer festlichen Kundgebung in der Weimar-Halle wurde am Sonn- tagDormittag dieKriegsbuchwoche 1941" durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels eröffnet Die An­wesenheit führender Autciren von 14 Nationen gab dieser Stunde eine kulturpolitische Bedeutung, nicht nur für Deutschland, sondern für alle mit uns be­freundeten und verbündeten Länder (Europas, die im Kampf gegen den zersetzenden jüdisch-bolschewisti­schen Geist stehen. Vor Beginn der festlichen Stunde begab sich Reichsminister Dr. Goebbels mit dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Johst, und einer Abordnung in- und ausländischer Dichter zur Fürstengruft und legte an den Särgen Goethes und Schillers Lorbeerkränze nieder.

Nach kurzen Ansprachen des Gauleiters Reichs- stattbalters S a u ck e l und des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Staatsrat Dr. I o h ft hielt der Präsident der Reichskulturkammer

Reichsminister Dr. Goebbels

eine Rede, in der er einen Rechenschaftsbericht über die Leistungen und Erfolge des deutschen Schrift­tums im zweiten Kriegsjahr gab und in umfassen­der Darstellung die Bedeutung des deutschen Buches als Spiegel unserer Zeit und als Bindeglied von der Heimat zur kämpfenden Front umriß. Er wies auf das symbolische Zeichen dieser Buchwoche hin, das die Einheit von Buch und Schwert auf sicht­bare Weise zum Ausdruck bringe. So wie das Schwert im Kampf um eine neue Anschauung auch eine Waffe des Geistes sei, so sei das Buch in diesem Kampfe eine Waffe der Front geworden.

Der Krieg, den heute unsere Soldaten siegreich an allen Fronten durchfechten, fei für uns Deutsche mehr als nur ein Kampf um Rohstoffe und Lebens­raum. Er bedeute für unsere Volksgemeinschaft die Behauptung der europäischen Kultur, die die Achsen­mächte in ihren sicheren Schutz genommen hätten.

Eines der wichtigsten kulturellen Güter, denen die nationalsozialistische Führung in den vergangenen Jahren des Ausbaues ihre besondere Fürsorge habe angedeihen lassen, fei das deutsche Buch.Die Zeit,

chendem Format herausgebracht und der Wehrmacht 3ur Verteilung übergeben. Als erstes Ergebnis die­ser Aktion werden wir in Kürze drei Millionen Bücher an die deutschen Soldaten an der Front zum Versand gelangen lassen. Diese großzügige Maß­nahme, die von unseren Soldaten mit Freude be­grüßt werden wird, soll im Laufe des Winters noch einmal wiederholt werden." Daneben gehe die um­fassende Ausführung des Aufrufs des Reichsleiters Rosenberg zur 3. Büchersammlung der NSDAP. Wenn die nationalsozialistische Bewegung jetzt wie­derum an das deutsche Volk appelliere, so wolle das nicht heißen, daß der Bücherfreund noch einmal seinen Bücherschrank von überflüssigen Schmökern reinigen soll. Für unsere Soldaten sei auch hier das Beste gerade gut genug. Unter Einsatz von 7000 Mitarbeitern der Partei hätten bisher 6,7 Millionen Bücher an 60 000 Wehrmachtbüchereien abgeliefert werden können. Diese Großaktion werde mit einem machtvollen Aufwand fortgesetzt werden. Daneben gehe die Fortführung der Werbung für Buch- und Feldpostsendungen. Weitere sechs Millionen deutsche Bücher seien so an unsere Soldaten gelangt.

Nach dem Dank an alle im Dienste des deutschen Schrifttums schaffenden Volksgenossen erklärte Dr. Goebbels abschließend, daß wir mehr denn je die Berechtigung hätten, in unserem Ausblick auf die Zukunft glücklich und zufrieden zu sein. Der Führer habe den Mut gehabt, den Kampf gegen den ewigen Weltfeind auf sich zu nehmen. Mit seinen Soldaten beschütze er alles, was wir besäßen: Haus und Hof, unsere Frauen und unsere Kinder, aber auch unsere Kultur, unsere ewigen Güter und nicht zuletzt unter ihnen das deutsche Buch als die schärfste Waffe unseres Geistes.

In einem Ruf an die Dichter unserer Zeit faßte Reichsminister Dr. Goebbels das Bekenntnis dieser geistig Schaffenden in den Worten zusammen:Daß wir der Zeit würdig sein wollen, das soll unser Ge­löbnis in dieser Stunde sein. Mit der Kraft des Wortes wollen wir sie schildern, so wie der deutsche Soldat sie mit der Kraft des Schwertes gestaltet. Mit ihm gemeinsam wollen wir sie am Ende er­füllen. Die große Zeit soll uns in Bereitschaft finden. Dann wird die Stunde kommen, da das Reich die

Graf Eiano beim Führer.

Aus dem Führerhauplquarller, 25. Oktober. (DNB.) Der Führer empfing am Sams- tagvorrnitlag in feinem Hauptquartier den König­lich-Italienischen Außenminister Graf Llano zu einer Unterredung, die im Geiste der traditionellen Freundschaft und der bewährten Waffenbrüderschaft zwischen den beiden Völkern verlief.

An der Unterredung nahm der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop teil, auf dessen Einladung Graf Liano zu einem mehrtägigen Be­such in Deutschland weilt.

Das Ritterkreuz.

Berlin, 25. Okt. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres, Gene­ralfeldmarschall von Brauchitsch, das Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an Generalleutnant Kurt Herzog, Kommandeur einer Infanterie- Division; ^-Oberführer Max Simon, Regiments, kommandeur in einer ^-Division; Oberstleutnant Walter Herold, Kommandeur eines Artillerie. Regiments; Major Hans Reinhardt, Abtei­lungskommandeur in einem Artillerie-Regiment; Major Max Lemke, Kommandeur einer Auf- klärungsabteilung; Hauptmann von Görne, Kommandeur einer motorisierten Aufklärungs- abteilung; Oberleutnant Plinzner, Kompanie- führer in einem Panzer-Regiment; Leutnant Wil­helm H ü m e r i ch , Zugführer in einer Panzer­jäger-Kompanie; Leutnant Heinz Jürgen Lütje, Kompanieführer in einem Infanterie-Regiment; Leutnant Kylling-Schmidt, Kompanieführer in einem Infanterie-Regiment; Oberfeldwebel Wil­helm V i e lw e r t h , Zugführer in einem motori. fierten Infanterie-Regiment; Feldwebel Karl Hirsch, Zugführer in einem Schützen-Regiment; Unteroffizier Alois Z m u g g in einem Schützen- Regiment; Unteroffizier Heinz "Fritsch in einem Panzer-Pionierbataillon; ^-Sturmmann Chri­st en, Richtschütze in einer ^-Panzerjäger-Abtei- lung.

die wir heute durchleben, findet im Buch ihren Ausdruck. So wie das Buch ein Zeichen der Zeit ist, so ist die Zeit auch im Buche gestaltet worden. Niemals kam das in unserer deutschen Geschichte stärker zum Ausdruck als heute. Wenn wir das epochale Werk des Führers Mein Kämpft hierbei mit in Betracht ziehen dürfen, so ist es nicht zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß Bücher die geisti­gen Durchbrüche unserer Zeit gewesen sind. Sie' haben zu ihrem Teil Geschichte gemacht.

Dr. Goebbels wies dann auf zwei große Auf­gaben hin, die das deutsche Buch im Kriege zu er­füllen habe: Es zeige dem deutschen Volke die ge­waltigen Hintergründe des geschichtlichen (9e- schehens unserer Tage und es spende ihm Kraft und Entspannung in den schweren Wochen und Monaten des Krieges. Gerade darum sei das deutsche Buch vor allem zum wahren Eigentum des deutschen Soldaten an der Front geworden. 250 Millionen Bücher und Schriften seien im abgetan- fenen Berichtsjahr im Reich herausgebracht worden bei einer Durchschnittsauflage aller Erscheinungen von rund 11000 Stück. Wieder stehe an erster Stelle das schöngeistige Schrifttum mit einer Ge- samterzeugung von 72 Millionen Büchern. Hier­unter befänden sich allein 39 Millionen Bücher aus Neuerscheinungen. Die Zahl von 44 Millionen neu aufgelegter Bücher'beweise, daß bei uns das Buch als Eintagssensation vollkommen verschwunden sei. An zweiter Stelle stehe die politische und dokumen­tarische Literatur der Zeit mit einer Gesamtauflage von 56% Millionen. Unter den 56% Millionen Büchern der Zeit befänden sich 33 Millionen Bücher als Neuerscheinungen auf dem Gebiete des Wehr­und Kriegsschrifttums. Daneben stehe die stärkste Anteilnahme des deutschen Volkes am Schrifttum der uns befreundeten Nationen. Allein 641 auslän­dische Werke seien im Berichtsjahr ins Deutsche übertragen worden.

Dr. Goebbels wies dann auf die bevorstehenden großen Aktionen im Dienste des deutschen Schrift­tums hin und richtete zugleich einen Appell an das ganze deutsche Volk, mitauarbeiten an der ersten und vornehmsten Aufgabe, die deutsche Wehrmacht im kommenden Winter ausreichend mit guten Büchern zu versorgen.Es werden dazu in der Hauptsache zwei Wege beschritten. Eine Auswahl bester ßitera* tur wird in Großauflage in handlichem und anspre-

für den das Leben, das Dasein, ja, der Himmel selbst ein lastendes Gebirge ist. Seht diesen Adam, wie müde und matt erwacht er durch Gottes Finger aus feinem Schlaf! Sein Verlangen nach Leblosig­keit hat der Künstler auf dem Sarg der Medici in dem schlafenden Bild der Nacht ausgedrückt: lieb ist mir der Schlaf, doch lieber wäre mir ein Stein zu fein.Wecke mich nicht auf, fei leise und gehe vor­über!"

Wir wissen, das Leben war ihm zu schwer, schwer durch Angst und durch seine Dual mit sich selbst, durch die Springfluten der Wut, schwer durch Min­derwertigkeitsgefühle, Zweifel und Zaghaftigkeit, durch Scham, Haß und Mißtrauen.

Er kannte feine Grenzen, und sie reichten nicht weit, aber in feiner Kunst gab es für ihn keine Grenzen. Da war er Held und Kämpfer, da rang er mit einem Engel, mit Dutzenden, wenn es fein müßte, und er siegte. Er siegte immer. Er haßte das Leben, er hatte Angst vor ihm, und er würde sich am liebsten ins Unbewußte verkrochen haben.

Aber in der Kunst sprach er mit Gott, da war er Feuer und Flamme, unnahbar, besessen, über das Leben hinaus jubelnd. Das Genie riß ihn heraus aus der Kleinheit der Menschen und der Welt, und packte ihn, ruhelos und unerschöpflich in Arbeits­kraft und Phantasie.

Er kannte keine Grenzen in feiner schöpferischen Kraft und.schreckte nie zurück, Tag und Nacht ar­beitend, kärglich lebend von Wein und Brot.

Ein Kind sieht in den Wolken allerlei lebende Wesen. Er sah in den Marmorfelsen von Carrara die Gestalten seiner Grabmäler, Sklaven und Hel­den. Er hätte sie auf der Stelle aus den Felsen hauen mögen! Keine Grenzen, und über dem St. Deter wölbt er die mächtigste Kuppel der Welt. Darin können die höchsten Türme: Freiburg, Ant­werpen, Utrecht noch tanzen.

Und doch, obwohl selten, blüht neben die der ge­waltigen, aufbäumenben Kraft und Kunst eine frühlingshafte Zartheit auf, in der PietL, in dem Madonnenbild in Brügge, das wie ein blanker Seufzer von Mutterliebe ist, in der jugendlichen, kräftigen Davidsgestalt und in den kleinen Engels- köpfen, die wie Blumen über feine imposante Arbeit gestreut sind.

Sharkow, emMrischastszentrumderSowjeianion

Charkow, bisher der Sitz der ukrainischen Sow­jetregierung, liegt an der Vereinigung der Flüßchen Lopani und Charkow. Infolge der Nähe des Do- nez-Kohlenbeckens, des Eisenreviers Kriwoi Rog und der fruchtbaren Schwarzerdegebiete bildet die Stadt das größte Wirtschaftszentrum der Sowjet­union.

Die Stadt hat eine Entwicklung hinter sich, die an amerikanische Städte erinnert. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch ein kleiner Ort mit 10 000 Einwohnern, hatte Charkow um 1900 bereits gegen 200 000 Einwohner. Durch das gewaltige Vor­wärtstreiben der Industrialisierung in der bolsche­wistischen Zeit ist Charkow inzwischen viermal so groß geworden. Heute weist die Stadt über 800 000 Einwohner auf, gehört also mit Leningrad, Mos­kau und Kiew in die Spitzenklasse der sowjetischen Großstädte. Diese Industrialisierung verwandelte gleichzeitig den ursprünglichen ukrainischen Charak­ter der Stadt, da die zugezogenen Arbeiter und Angestellten zu einem großen Teil aus anderen Gebieten kamen. Sein erstaunliches Wachstum ver­dankt Charkow feiner Lage inmitten der reichen ukrainischen Landwirtschaft und der Nähe des Erz­beckens Kriwoi Rog einerseits, des Donezbeckens anderseits. Sieben Bahnlinien, die die notwen­digen Verbindungen nach allen Seiten geschaffen haben, machten Charkow zu dem wichtigsten Eisen­bahnknotenpunkt dieses Raumes.

Charkow ist die wichtigste und größte Industrie­stadt der Ukraine. In ihr haben die führenden Werke der sowjetischen Elektro-Jndustrie und der metallverarbeitenden Industrien ihren Hauptsitz. Charkow nimmt ferner eine bedeutende Stellung in der Produktion von Eisenbahnwagen, Lokomotiven und Panzerkampfwagen ein. Das Charkower Trak­torenwerk ist das drittgrößte der Sowjetunion und stellte früher jährlich über 10 000 Traktoren für die sowjetische Landwirtschaft her. In der letzten Zeit wurde es auf die Produktion von Panzerkampf­wagen umgestellt. Zahlreiche Erzeugungsbetriebe des Eisenbahnbaues, der Werkzeugmaschinenfabri- kation und andere Werke machen Charkow zu

Es konnte wohl beinah nicht anders fein, er mußte in Florenz geboren werden, wo die Medici residierten, Machiaoelli lauerte, wo Savonarola verbrannt wurde und Fra Angelico seine himmlischen Visionen zeigte, und Michelangelo selbst das Ge­sicht zerschlagen wurde. In diesem feurigen Flo­renz, wo Geschlecht gegen Geschlecht Krieg führte und jedes Haus eine Festung war; zu einer Zeit des Meuchelmordes, des Gifttrankes, der masfier- ten Entführungen, Zweikämpfe, Bacchanale und tiefsten Mystik; im vollen Glanz der Renaissance, im Luxus der Fürstenhäuser. Dies alles drängte sich in ihm zusammen. Aber er wächst darüber hin­aus, über seine Zeit und über die Menschen, wie ein Gebirge über das Tal. Er kann zu den Menschen hinabsteigen, aber er kann sie nicht mitnehmen. Er wächst über fein Land hinaus, er ist so wenig Ita­liener, wie Rembrandt Holländer ist. Er gehört jedem, weil er von demselben Geist ist, aus dem wir alle unsere Seele ernähren.

Michelangelo kann sagen: Mein Gott, ich bin ein Meißel in deinen Händen; damit gestaltest du die Bewunderung, die ich für dich fühle. Denn immer spürt er Gott in sich und um sich, er war froh wie ein Kind, und er konnte in tiefster Gottes- befeelung mitten in der Nacht unter den Sternen knien.

Wie Faust durch seinen Zauberspruch den bösen Geist der Finsternis bannte und alles ihm gehorchte, während er trotzdem Faust und Mensch blieb, so Zog Michelangelo durch sein Genie das Wunder der Kunst auf die Erde, aber blieb doch Michelangelo.

Zwischen Kunst und Mensch ist ein Abstand, der bei Fra Angelico, bei Goethe und da Vinci har- monisch überbrückt werden konnte. Bei anderen ist aber dieser Widerspruch notwendig. Er bedeutet Kampf und Heldenmut und vielleicht auch Sieg.

Als Mensch war Michelangelo ein armer Stüm­per wie wir alle, als Künstler aber war er ein Gott.

Das ist das große Wunder in diesem Menschen, das wir alle still und fromm belauschen und de­mütig schaudernd und dankbar anschauen.

(Berechtigte Uebersetzung aus dem Vlä- mifchen. Interpreß.)

einem bedeutenden Glied der sowjetischen Industtie. Im Rahmen der Rüstungsindustrie war Charkow für die Sowjets besonders deshalb so wertvoll, well alle Werke der Charkower Industrie auf die Her­stellung von Pänzerkampfwagen, Geschützen und dazugehörigen Einzelteilen umgestellt worden waren. Außerdem befanden sich in Charkow zwei Flugzeugsabriken mit einer beachtlichen Erzeu­gungskapazität.

Charkow ist unser.

Feindwiderstand, Regen und Schlamm bezwungen.

Von Kriegsberichter Herbert Rauchhaupt.

DNB...... 25. Okt. (PK.) Als vor etwa vier

Wochen die große Umfassungsschlacht in der Ukraine oftmärts Kiew im Gange war, fiel zusammen mit der Hauptstadt Kiew auch Poltawa, die am Ostrand des von den deutschen Truppen gebil­deten Kessels gelegene Großstadt. Der Fall Polta­was bildete gleichzeitig den Beginn neuer nach Osten gerichteter Operationen: der Angriffsbe­wegungen auf Charkow, das mit fast 850 000 Ein- wohnern nur wenig kleiner als Kiew und die viert- größte Stadt der Sowjetunion ist.

Sind es auch nur 150 Kilometer von Poltawa nach Charkow, so sind doch die Schwierigkeiten taum zu beschreiben, die die Truppen bei der Ver­folgung des geschlagenen sowjetischen Gegners überwinden mußten. Zwar war der Widerstand des Feindes nicht mehr der, den die deutschen Truppen von Kiew und der Umfassungsschlacht her gewohnt waren. Besonders das tiefgestaffelte Befestigungssystem, das die Einnahme von Kiew so schwer gemacht hatte, fehlte. Die Bolschewisten beschränkten sich vielmehr in erster Linie auf Der- tedigung in geschickt angelegten Feldstellungen, mit denen sie ihre Widerstandslinie spickten. Aber un­vorstellbar waren die Wetter» und Straßenverhält- Nisse, die unsere Infanterie zu meistern hatte.

Als am 7. Oktober ein eisigkalter Schneesturm