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Ländern. Die Ermordung des Muftigegners Fachri Nafchafchibi in B a g d a o , die Massenverhaftungen in Iran, die Unterdrückungsmethoden in Sy- r i e n und P a l ä st i n a beweisen, daß alle schönen Worte nichts nutzen und erst recht nicht jene Pläne, einenarabischen Staatenbund" zu errichten, der natürlich bestenfalls die Rolle einer englischen Ko­lonie spielen würde. Man kennt die Rolle der Zio­nisten und ihres Leiters Chaim Waitzmann, man weih um die Absichten, die England durch einige wenige bestochen? Familien verwirklichen möchte, wie etwa die des ermordeten Raschaschibi und den Emir von Transjordanien. Sowohl der Emir Ab­dullah als auch das Haupt der christlichen Rascha- schibi-Familie waren die im britischen Sold stehen- oen Antreiber des motzenNeuorünungs"-Planes, dellen Krönung in ver Ausrufung des großen sy­rischen Königreiches bestehen soll, das Syrien und Transjordanien und die vorwiegend arabischen Teile Palästinas umfaßt, dem dann ein jüdischer Rest- float in Palsästina und eine christliche Libanon- Republik angegliedert werden sollen. Abgesehen da- von, daß die Zionisten in London und Washington viel weitergehende Pläne haben, hat die Ermor­dung Rascyaschibis, des Hauptwortführers dieses schändlichen Planes zur völligen Unterdrückung der Araber, der Weltöffentlichkeit gezeigt, wie stark die Empörung bereits um sich gegriffen hat, wie groß die Spannungen geworden sind, die sich aus dem Ge­gensatz der britischen Ausbeutungs- und Verskla- vungspolitik und dem nationalen Freiheitswillen der Araber ergeben.

Kein Wunder, daß in all diesen Ländern eine Regierungskrise die andere ablöst und daß die Methoden, zu denen England greift, immer offen­sichtlicher den Parolen widersprechen, die Sir Walter M o n ck t o n als Leiter der britischen Propaganda­zentrale für den Rahen Osten verkündet! Monckton, Der sich mit dem jüdischen Agitator Losowsky in

Moskau zwecksCoordinierung" der englischen und bolschewistischen Lügenmethoden traf, soll ein Gegen­gewicht gegen den islamitischen Rationalismus schaffen; aber ständig wachsende Lebensmittelnot, ja, nagender Hunger, wirtschaftliche Unterdrückung und politische Gewaltherrschaft sind so gewichtige Argumente, daß sie heute in den arabischen Län­dern nicht mehr durch abgedroschene Phrasen über­tönt werden können, zumal in jedem nationalen Araber der Verrat Englands nach dem Weltkrieg lebendig in Erinnerung ist. Weder der englische Imperialismus, noch der Bolschewismus haben heute im Vorderen Orient Aussichten auf Erfolg.

Bkn.

Unruhe und Hungersnot.

Lissabon, 22. Roo. (Europapreß.) Befürch­tungen vor Ueberfällen auf Eisenbahnlinien und Landstraßen zwingen die englischen Militärbehörden in Iran, wie dieTimes mitteilt, diese Trans­portwege von Militär und Polizei bewachen zu lassen. Die Hungersgefahr in Iran habe man bisher nur dadurch abwenden können, daß man Lebensmittel aus der Sowjetunion und Indien nach dem Iran einführte. Aber man müsse damit rechnen, daß diese Zufuhren, vor allem die aus der Sowjet­union, in absehbarer Zeit aufhörten, lieber die türkisch-syrische Grenze hat ein großer Flüchtlings st rom eingesetzt. Zahlreiche Syrier und Libanesen verlassen bei Nacht das Land, um den Verfolgungen der britischen Behörden zu entgehen. Der gesamte Personenverkehr im unterägypti­schen Eisenbahnnetz ist auf Anordnung der britischen Militärbehörden auf ein Minimum redu- ziert worden. So verkehrt beispielsweise zwischen Kairo und Alexandrien täglich nur noch ein Zug­paar.

Der Kliegertod des Oberst Mölders.

Berlin, 22. Nov. (DNB.) (Ein hartes Geschick hak es gefügt, daß die deutsche Luftwaffe wenige Tage nach dem Heimgang des Fliegerhelden aus dem Weltkrieg, Generaloberst Udet, nun auch den

(Scherl-Bildarchiv-M.)

Kühnsten und Besten ans den Reihen ihrer jungen Jagdflieger verlor: Der Inspekteur der Jagdflieger, Oberst Werner Wälders, ist am 22. November auf einem Dienstflug mit einem Kurierflugzeug, das er selbst nicht steuerte, b e i Breslau tödlich abgestürzt. Born Feinde unbesiegt, fand der Sieger in 115 Luftkämpfen auf so tragische Weise den Fliegertod. Die Leistungen und Erfolge dieses von glühendem Kampfgeist be­seelten erst, 28jährigen Offiziers sind ohne Beispiel. Am 15. Juli 1941 verlieh der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht dem Kommodore Oberst Wälders nach feinem 101. Luftsieg im Frei­heitskampf des deutschen Boltes als erstem Sol­daten der Wehrmacht die höchste Tapferkeitsaus­zeichnung: das Eichenlaub mit Schwertern und Bril­

lanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. In Würdigung der einmaligen Berdienste des Obersten Mölders hat der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verfügt, daß das bisher von Wäl­ders zu so gewaltigen Siegen geführte Jagdge- schwader in Zukunft seinen Namen trägt. Zugleich hat der Führer für Oberst Wälders ein Staatsbe­gräbnis angeordnet.

Werner Wälders wurde 1913 in Gelsenkirchen als Sohn eines Sludienrates geboren. Er besuchte bis zur Reife das Realgymnasium in Brandenburg und trat 1931 in das 32t 2 ein. 1935 trat er zur Luftwaffe über und ging als Angehöriger der Le­gion (Eonbor 1938 nach Spanien, wo er im Kampf gegen den Bolschewismus mit 14 Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger der Legion wurde. Wit dem Spanienkreuz in Gold mit Brillanten ausge­zeichnet, kehrte er zurück. Im Wärz 1939 wurde er Kommandeur einer Jagdgruppe. Nach seinem 20. Abschuß im Kampf gegen England verlieh ihm der Führer im Wai 1940 das Ritterkreuz. Kurze Zeit später schon wurde Wölders Wajar und Kom­modore eines Jagdgeschwaders. Als zweiter Offizier der Wehrmacht erhielt er aus Anlaß seines 40. Luft­sieges am 22. 9. 1940 das Eichenlaub. Nach seinem 50. Abschuß wurde er Oberstleutnant. Bei Luft- kämpfen über der französischen Kanalküste am 26. und 27. 2. 1941 brachte Wölders seinen 60. Gegner zum Absturz. Born Beginn des Oslfeldzuges bis zum 17. 7. 1941 schoß das Jagdgeschwader Mölders 500 Sowjetflngzeuge bei nur drei eigenen Berlusten ab und konnte damit insgesamt 1200 Luftsiege ver­zeichnen. Mölders selbst errang seinen 72. Lustsieg. Der Führer verlieh ihm die Schwerter zum Ritter­kreuz. Nach Abschuß des 82. Gegners Übertraf Möt- ders sogar die Erfolge des besten Weltkriegsfliegers Manfred v. Richthofen. Am 17.7. hatte er im Berlauf des Krieges insgesamt 101 Luftsiege erzielt.

*

Nacheinander hat die Luftwaffe drei schwere Ver­luste erlitten: Udet, Werra und jetzt auch Werner Mölders. Es ist auch in den Einzelheiten ein son­derbares Zusammentreffen: Allen drei Fliegern wird nachgerühmt, was Reichsmarschall Göring feinem tödlich verunglückten Freund Udet am 21. November zum Abschied zugerufen hat:Du warst der froh-

Oie Schlacht

Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 23. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront wurden weitere Angriffs- erfolge erzielt.

Im SeegebietumEngland wurden in der vergangenen Nacht zwei Handelsschiffe mittlerer Größe durch Bombentreffer schwer beschädigt. Mit dem Berlust eines dieser Schiffe ist zu rechnen. Weitere Luftangriffe richteten sich bei Tage gegen Industrieanlagen in Schottland. In der letzten Nacht wurden Hafengebiete an der englischen Südoslküste erfolgreich bombardiert.

In N o r d a f r i k a haben die deuffch-italienischen Berbände in erfolgreichen Kämpfen mit den aus südostwärtiger Richtung vorgegangenen britischen Krästen über 260 p a a z e r k a m p f w a g e n und rund 200 gepanzerte Fahrzeuge vernichtet. Starke, durch Panzer unterstützte Aus­bruchsversuche der Besatzung von Tobruk wurden durch die italienischen Linschliehungskräste abge­wiesen. In hefttgen Lustkämpfen verlor der Gegner 25 Flugzeuge. Durch Luftangriff auf einen briti­schen Flugstützpunkt wurden mehrere Bombenflug­zeuge am Boden zerstört. Die Schlacht in Rordafrika dauert unter schweren Kämpfen an.

Stukas und Zerstörer gegen motorisierte Kolonnen in derMarmariea

Berlin, 24. Nov. (DNB.) Deutsche Sturzkampf­stieger starteten unter Jagdschutz am 22.11. in

lichste... Mtt Licht und Freude erfülltest Du uns, wenn wir Dich sahen. Optimistisch warst Du wie Dein ganzes Tun und Handeln. Lusttg konntest Du sein, damals als ganz junger Jagdflieger und auch jetzt als Generaloberst unserer Luftwaffe." In 115 Luftkämpfen war Oberst Mölders siegreich. Einmal, nach dem 25. Luftsieg, sprang er mit dem Fallschirm aus seiner Me 109 ab, die nicht mehr zu retten war. Er landete hinter den feindlichen Linien, wurde ge­fangengenommen, dann befreit. Und jetzt begann seine Siegesserie vom 25. bis zum 115. Luftsieg. Er, der an den Fronten den Feind gesucht und gejagt hatte wie kein zweiter, stürzte als Fluggast im Ku­rierflugzeug über heimatlichen Fluren ab. So folgte er, der 28jährige, der jüngste Oberst der deutschen Wehrmacht, seinem Vater zur großen Armee... sei- nem Vater, den er nicht mehr gekannt hat, der als Reserveoffizier 1915 fiel, als Werner Mölders ein Bübchen von zwei Jahren war. Das große Schicksal und das große Opfer, das gelegentlich in Todesan­zeigen für so manche Familie anklingt, tritt bei Mölders ins hellste Licht. Solche Schicksale sind tra­gisch im eigentlichen Wortsinn. Es ist aber mehr als die Tragik, die uns aus der Schwindsucht eines Mozart oder Schiller, aus dem Selbstmord eines Kleist oder Diesel, aus der Taubheit eines Beetho­ven anspricht. Denn: So strahlend diese Genies, so widersinnig ihr Schicksal bei Mölders reicht die Tragik sehr viel weiter aus dem persönlichen in den volkhasten Umkreis, ganz so, wie in denalten Mä­ren". Der Zusammenprall der Schicksalsmächte hat in ihm einen Mann getroffen, der aus dem lieber- persönlichen wirkte und dessen frohsinnige Natur das Erhabene dieses Wirkens für seine Kameraden und das deutsche Volk unterstrich. Dr. Ho.

3n Breslau aufgebahrt.

Breslau, 24. November. (DND.-Funkspruch.) Die Leiche des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen deutschen Fliegerhelden Oberst Mölders wurde in der Kapelle eines Breslauer Reservelazaretts aufgebahrt. Weiße Chry­santhemen und das dunkle Grün von Lorbeerbäu­men bilden den Schmuck des kleinen Raumes, der von flackerndem Kerzenschimmer erhellt wird. In der Mitte steht der offene Sarg von Oberst Mölders. Das Fußende ist mit der Reichskriegsflagge bedeckt. Rechts und links sind die Särge der beiden mit ihm tödlich verunglückten Kameraden, des Oberleutnants Kolbe als Flugzeugführer und des Feldwebels

in Tlordafrika.

mehreren Wellen gegen englische Panzerspähwagen und Kraftfahrzeugkolonnen in der Marmarica. Bet kühnen Tiefangriffen mit Bordwaffen konnte die vernichtende Wirkung der Bomben von den Be­satzungen klar erkannt werden. Zerstörerflugzeuge zersprengten über der Wüste eine größere Kolonne von Panzerspähwagen und setzten mehrere Wagen außer Gefecht. e

Oer italienische Bericht.

Rom, 23. Nov. (DNB.) Der italienische Wehr­machtsbericht vom Sonntag meldet u. a.:

Zn der Marmarica dauerten die Kämpfe an der ganzen Front von der Grenze zwischen der Cyrenaika und Aegypten und Tobruk an. Unsere Divisionen wiesen alle Angriffe des Gegnrs glatt ab, der neue und schwere Verluste erlitt. Die Di­vision Ariete allein hat über 250 Panzerfahrzeuge zerstört, darunter 55 Kampfwagen. Die deutschen Divisionen haben britischen Panzereinheiten in hartem Kampf erhebliä-e Verluste zugefügt. Es wurden u. a. mehr als 200 Kampfwagen zerstört. An' der Tobruk-Front haben die deutschen und italienischen Truppen dem Gegner bei der Ver­eitelung aller Ausfallsversuche aus Tobruk große Verluste zugefügt. Luftwaffe und Bodenabwehr haben 15 Flugzeuge abgeschossen. Die Flakbatterien der Division Pavia schossen weitere zwei Flugzeuge ab. Acht eigene Flugzeuge gingen verloren. Eine motorisierte Kolonne des Feindes, die isoliert in der Cyrenaika-Wüste vorging, wurde von italieni­schen und deutschen Luftwaffenverbänden angegrif­fen. Ueber 100 Panzerkraftfahrzeuge und Lastkraft­wagen wurden in Brand gefetzt. Während eines Unternehmens nördlich von Bardia geriet eine feindliche Flotteneinheit in Brand und scheiterte auf den Klippen der Küste.

In O st a f r i ka wurden am Nachmittag des

Hobie als Bordmechaniker, ausgestellt. Zwei Ofst- ziere der Luftwaffe halten die Totenwache. Nach der Aufbahrung legte der Kommandeur einer Luftkriegs­schule im Auftrage des Reichsmarschalls ©Öring einen Kranz nieder. Später legten Kränze nieder Gauleiter und Oberpräsident Hanke, ein Vertreter des stellvertretenden Kommandierenden Generals, ein Vertreter des Luftgaues, der Polizeipräsident und der Oberbürgermeister von Breslau. Die U e - berführung nachBerlin findet am Montag­nachmittag statt.

Ein Rachruf Görings.

Berlin, 24. Nov. (DNB.-Funksvruch.) Reichs­marschall Göring widmet Oberst Mölders im Völkischen Beobachter" folgenden Nachruf:Tief erschüttert und auf das schwerste getroffen von die­sem harten Schicksalsschlag, steht bas deutsche Volk an der Bahre seines größten Helden im Kampf um Deutschlands Freiheit und Ehre, in stolzer Trauer um den Offizier, der bis heute als einziger Soldat der deutschen Wehrmacht die höchste Tapierkeits- auszeichnung, das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, in Siegesbewußtfein und Bescheidenheit trug. Ehr­furchtsvoll senken sich die Fahnen aller Waffenteile der deutschen Wehrmacht vor dem ruhmgekrönten jüngsten deutschen Obersten, dem ob seiner edlen Gesinnung und seines überragenden Heldentums die Herzen aller, der Vorgesetzten wie der Karrte- raben und Untergebenen, entgegenschlugen, der sich die Liebe und Bewunderung der begeisterten deut­schen Jugend wie kein anderer in diesem Kriege erworben hatte. Ergriffen nimmt mit mir die deut­sche Luftwaffe nun Abschied von dem Tapfersten aus ihren Reihen, dem vorwärtsstürmenden Kämp­fer, der in mehr als 1000 Luftschlachten stets Sieger blieb und in beispielhaftem Angriffsgeist 115 feind­liche Flugzeuge vernichtete. Unbesiegt in allen Kämpfen ist der hervorragendste deutsche Flieger, der Offizier, der allen Vorbild war und Immer bleiben wird, das Opfer eines tragischen Unfalles geworden. Sieg und Ruhm ist an feinen Namen geheftet, der in der Geschichte dieses Freiheitskrieges und der deutschen Zukunft ewig fortleben wird. Durch die enge Verbundenheit, die ich stets für die­sen jungen Kameraden empfand, trifft mich fein Tod persönlich aufs tiefste."

Cmst Wilhelm Eschmann:Ariadne".

Uraufführung am Theater der Universitätsstadt Gießen.

Es ist notig, um dieses Stück* * in feinen Andeu­tungen und Zusammenhängen zu verstehen, sich einiger vielleicht vergessener Namen und Begeben­heiten aus der. griechischen Mythologie zu erinnern. Ariadne war die Tochter des kretischen Königs Minos und der Pasiphae, deren stterköpfiger Sohn Minotauros von Minos im Labyrinth gefangen ge­halten und mit je sieben Jünglingen und Jung­frauen gefüttert wurde, welche die Stadt Athen alle neun Jahre als schrecklichen Tribut nach Kreta schicken mußte. Don solcher Plage befreite der Königssohn Theseus seine Vaterstadt: er erschlug das Ungeheuer mit dem gefeiten Schwert, das ihm Ariadne gegeben hatte, und mit Hilfe ihres be­rühmten Garnknäuels fand er auch den Weg aus dem Labyrinth zurück. Dann flohen beide vor Minos' Zorn zu Schilf nach Naxos; hier wurde Ariadne die Sage ist in Variationen überliefert, die verschiedene Deutungen ermöglichen von The­seus verlassen und vom Gott Dionysos zur Ge­mahlin erhoben.

Die alte Fabel hat, vielfältig anregend, von der Antike bis zur Gegenwart ihre Spuren in der Kunst hinterlassen: eine vatikanische Marmorplastik zeigt die schlafende Ariadne; Tizian und Caracci malten sie an der Seite des Dionysos; Danneckers Frank­furter Gruppe bildete sie als Braut des Gottes auf einem Panther reitend. Melodramatische oder opern- hafte Fassungen des Stoffes kennen wir von Georg Benda, Haydn und Richard Strauß. Nur flüchtig, Erscheinung und Machtfülle des Gottes begleitend und untermalend, dienen Musik und Tanz als Hilfsmittel der mythologischen Dramaturgie dem Trauerspiele (in Versen und vier Bildern) von Ernst Wilhelm Eschmann, der als Mitherausgeber desXX. Jahrhunderts" , durch dieErdachten Briefe" und durch seinGriechisches Tagebuch" be­kannt wurde.

Wie in der antiken Amphitryon-Fabel, die in Kleists Lustspiel ihre letzte und gülttgste Deutung

Ernst Wilhelm Eschmann: Ariadne. Trauerspiel. 72 S. Eugen Diederichs Verlag, Jena.

erfuhr, ein Spiel zwischen Oottheit und Menschen, aber der Zusammenstoß der irdifchen und der über­irdischen Welt erzeugt in Eschmanns Stück eine Ver­strickung, die nicht nur im ursprünglich physischen Sinne tödlich wirkt. Als Ariadne und Theseus, von Kreta fliehend, mit einem Schiff voll Gold und Brot und Wein in Naxos landen, ist den ahnungslos glücklich Liebenden ihr Schicksal schon verhängt; der Priester der Insel tritt Theseus in den Weg, der Ariadne noch vor der Heimkehr nach Athen ins Brautgemach führen will: ,cher Gott, den ich ver­künde, fordert von dir die Gattin". Theseus' frei­williges Opfer werde Dionysos gnädig stimmen und den Fluch von der Insel nehmen, die von Mißernte und Hungersnot bedroht ist. Während Theseus, zu­erst empört, die Unwiderruflichkeit der ihm von der Gottheit verhängten Fügung anerkennt, gerät Ariadne in einen bestürzenden und verwirrenden Aufruhr ihres Herzens, das sich von Theseus ent­täuscht und dem unbekannten Gotte fremd und feind fühtt.

Doch erscheint Dionysos ihnen mild, in Gestalt eines jungen Hirten, und als Bittender: er hat Ariadne ausersehen unter den Irdischen um ihrer Vergänglichkeit willen; in ihr will er die Erde um­armen, will er, der ewigen Jugend der Götter müde, irdischer Vergänglichkeit teilhaftig werden. Von der hinreißenden Werbung des Gottes erst schnell Überwunden, muß Ariadne mit wachsender Verstörung, endlich mit Entsetzen die Unvereinbar­keit irdischen und göttlichen Wesens erkennen: als Dionysos sie in fein Reich einführt, Bäume und Felsen tönen und tanzen und Sternbilder reden läßt, empfindet sie Grenzen und Geborgenheit ihres Daseins:Ich will nicht ... entrissen werden dem oertrauten Grund, um in das Grenzenlose zu ver- wehn ... Ich vermag es nicht, den Wandel deiner Fülle zu ertragen und den gestirnten Weg mit dir zu gehn ..." Der Gott muh schmerzlich die Un­erfüllbarkeit seines Erdentraumes einsehen:Glück­licher Theseus! Stolzer Sterblicher, für den Diony­sos verachtet wird, dein Bild besiegt des Gottes

Gegenwart. Ariadne, geh! Dein Wille macht dich frei!" Aber Ariadne kann auch nicht mehr zu Theseus zurück, seit sie einmal die dionysische Welt hat erfahren dürfen:Der Erde nun für immer fremd, den Göttern feind, bin ich verdammt im Leeren taumelnd"; zwischen zwei Welten, zu denen sie keinen Zugang findet, weiß sie nur noch den schmalen Ausweg in einen freiwilligen Tod. In dem Augenblick, ha sie sich ins Meer stürzt, ist aber das Wunder geschehen, ist der Bann von Naxos genommen; während Dionysos, die Insel und den mit den Seinen nach Athen heimkehrenden Theseus segnend,sich der Erde enthebt", während Priester und Inselvolk zum Freudenfest in die Stadt hin- unterziehen, antwortet den klagend nach Ariadne rufenden Nymphen nur Echo,die niemals ernste": der Klang des Namens ist alles, was von der Kre­terin auf Naxos zurückbleibt.

Dies etwa sind die Umrisse eines tragischen Götter- und Menschenspieles, in welchem Eschmann dem antiken Mythos einen neuen Sinn zu geben sucht, in gedankenschweren und bilderreichen Versen die unüberschreitbare Grenze aufweisend, die beide Sphären trennt: in ihrem Zusammenprall bleibt der Mensch, hüben und drüben entwurzelt und heimat­los, der Selbstvernichtung anheimgegeben, zurück. Die dichterisch reinsten Partien des Trauerspieles gelangen Eschmann, wie uns scheint, in der wohl aus dem nachkl-ingenden Erlebnis seiner griechischen Reise gewonnenen Gestaltung des Dionysos und feiner Ausstrahlung auf die irdische Welt, in der Schilde­rung seiner Herrschaft durch Theseus, und in seiner Werbung und Wesensentfaltung vor Ariadne.

*

Den unbestreitbaren Schwierigkeiten einer büh­nenmäßigen Materialisierung des in mehrfacher Hinsicht fernen Stoffes juchte die von Herrn Mund geleitete Inszenierung durch weitgehende Einbe­ziehung opernhafter und ballettmäßiger Elemente zu begegnen. Die von Herrn Söllner geschriebene und dirigierte Bühnenmusik intoniert und begleitet streckenweise melodramatisch den Bühnenvorgang und überbrückt die Derwandlungspausen; unter ge­schickter Verwendung originaler altgriechischer Me­lodien erscheint sie in ihrer feierlichen Gehaltenheit und wuchtigen Akzentuierung dem Charakter des Trauerspieles angemessen. Ein von Meer und hohem Himmel begrenztes Bild der Insel hatte Herr ßöff-

l e r stilgerecht entworfen. Für die bewegten Grup­pen der Naturwesen und Nymphen war die von Herrn Dolpert geführte Tanzgruppe eingesetzt. Im übrigen war Oberspielleiter Mund um fpracb» liche Gliederung und Disziplinierung spürbar ebenso bemüht wie um eine theatralisch wirksame Belebung des Dialoges in den Ausstrahlungen des Dionysi­schen: der Erscheinung der Sternbilder (mit proji­zierten Tierkreis-Symbolen) und der Entrückung des Gottes in der Wolke (Schlußbild).

Bianca B l a ch a spielte die Ariadne, eine dunkel­haarige, geschmeidige Erscheinung, den umfang­reichen Text mit Sicherheit verwaltend und beherr­schend; das Schwanken der Kreterin zwischen den irdischen und überirdischen Bereichen fand in der sich steigernden Verstörung und ohnmächtigen Ver­zweiflung ihren schauspielerischen Höhepunkt. Herr C. B. Schmidt war Dionysos. Die darstellerisch hohe Anforderungen stellende Rolle wurde auf eine sympathische Weise menschlichen Maßen und Um­rissen angenähert, ohne an natürlicher Majestät und distanzhaltender, durch ausgeprägte Artikulation und gemessene Gebärden betonter Würde einzubüßen. Herr K ö ch l i n g unterstrich als Theseus das Iüng- linghafte, den aufbegehrenben Trotz und die er­gebene Fügung in das Walten der göttlichen Macht. Herr Funke war ein Priester von strenger Hoheit und, in einigen Augenblicken, visionärer Entrückung, Herr Fischer ein kriegerischer Herold. Die Stim­men der Sternbilder wurden von den Damen Freihen, Kneip, Rau und Herrn Zeppen- f e l d , die drei Nymphen von den Damen Schmitz, Ifjomae und Jaenicke gesprochen.

Den dankbaren Beifall am Ende der pausenlosen Aufführung konnten mit den Darstellern auch der Autor, der Komponist und der Spielleiter entgegen« nehmen. In einer Pressebesprechung vor der Premiere sprach nach Begrüßungsworten von Ober­bürgermeister Ritter Intendant Klein über die Schwierigkeiten dieser Uraufführung, über Autor, Stück und Bühnenmusik, während Herr Eschmann einiges von der durch ein Bild Tintörettos ange­regten Konzeption seines Trauerspieles erzählte, das keine humanistischen Tendenzen verfolge, sondern einer natürlichen Bindung an die eroiaen Gegen­stände griechischen Namens entsprungen sei.

Hans Thyriol J