Ausgabe 
24.3.1941
 
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Montag,24.MarzlyN

r. Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fSr Gberheffen)

Der alte Herr dort gegenüber mit dem glänzen-

tn Kneifer vor den aufleuchtenden Augen sieht in M kleinen Jungen sich selbst, eine entschwundene,

2m Turmhaus am Brand wurde am Sonntag klve vom Oberhessischen Kunstverein und dem Wm- ieHilfswerk gemeinsam veranstaltete Ausstellung -riffnet, die bis zum 6. April dauern und deren iilanzieller Ertrag teilweise dem Kriegs-WHW. zu- Süte kommen wird: sie umfaßt Oelgemald^ Aqua- 'ele und Zeichnungen Frankfurter und Gießener

Gießener Gtadttheater.

Franz Lehär:Das Land des Lächelns".

Es ist uns verschiedentlich von Franz Lehar bekannt, daß er Operetten, die nicht den erwünsch­ten Erfolg hatten, in späterer Zeit einer gründ­lichen Umarbeitung unterzog. So lebte seinGöt­tergatte" sowohl in deridealen Gattin" wie auch in derTanzkönigin" wieder aus. Ebenso ist auch sein «Land des Lächelns" eine Ueberarbeitung der OperetteDie gelbe Jacke" (1923), die dann in der Neufassung 1929 zu einem Welterfolg geworden ist.

Bei der Uraufführung derGelben Jacke" ge­brauchte man scherzweise das WortMonsieur Butterfly" und bezeichnete damit den Eigencharak­ter dieser Musik; denn Lehar hat hier auf seine Weise die Welt des fernen Ostens eingefangen mit der Eigenheit seiner Melodik, mit Harmonien, die uns an die fremde Welt erinnern sollen und mit einem Rhythmus, der dieser Musik einen besonde­ren Wesenskern gibt.

Bis zu welcher Tiefe Lehars musikalische Durch­dringung des Stoffes führt, wird einem besonders zum Schluß des zweiten Aktes offenbar, wenn das Rein-Menschliche in seinen Konflikten den einzelnen erschüttert. Da sprengt er den Rahmen der bis da­hin üblichen Operette und man meint Opernhaftes zu hören: Der Stoff in seiner Grundidee mit seiner Auseinandersetzung der Anschauung zweier ver­schiedener Welten greift eben schon hinüber in das Gebiet des Tragischen. Die Melodien aus dem Land des Lächelns" sind uns alle hinreichend be­kannt, und dennoch wirken sie wieder frisch und farbig durch die Aufführung.

Harry G r ü n e k e ließ schon in der Gebärde des ersten Aktes diesen Kontrast heraustreten, und besonders die feierlichen Szenen zu Beginn des zweiten Aktes waren in ihrem Aufbau weihe­voll durchgliedert. Die innere und äußere Haltung der einzelnen Personen war auf den Grund­ton des Werkes ausgerichtet. Malerisch schöne und

hat, konnte man nicht nur in Gesprächen hören, andern auch an den zufriedenen Gesichtern erken- nen. Daß die gute Mittagsmahlzeit mit reichlicher Fleischzugabe und dem Brot sogar markenfrei ge­geben werden konnte, ist unseren Soldaten beson­ders zu danken, denn sie haben durch Einsparun­gen von ihren Berpfleaungsrationen die Möglichkeit geschaffen, daß das Essen markenfrei geliefert wer­den konnte. Ein schönes Beispiel der Kameradschaft und der Opferfreudiakeit unserer Feldgrauen. An diesen Kriegs-Eintops des gestrigen Tages der Wehrmacht wird man daher gerne zurückdenken.

Die Nachrichtenhelferinnen mußten leider in letz­ter Stunde das angekündigte Früylingsfingen ab­sagen, fodoch soll dieser Teil der Beranstaltungen nicht als endgültig aufgegeben angesehen, sondern an einem der nächsten Sonntage nachgeholt wer­den. Im übrigen hatte man gestern Gelegenheit, in der Kaserne mancherlei aus dem täglichen Dienst unserer Soldaten kennenzulernen, eine Möglichkeit,

die von vielen Männern und Frauen lind vor allem von unserer Jugend reichlich benutzt wurde. Dadurch hatten unsere Soldaten in der Kaserne auch recht zahlreichen Besuch, dem sie unermüdlich und gern zur Verfügung standen.

Um den schönen Erfolg des Tages machten sich noch die Frauen der NS.-Frauenschaft und dis Männer der NSV. verdient, die bei der Effenaus' gäbe und bei der Betreuung der Mittagsgäste eifrig tätig waren, um sowohl den Essenempfän­gern an den Feldküchen, als auch den Speisenden in den Sälen behilflich zu sein bzw. den Aufent-- halt so angenehm wie möglich zu machen. Beför­dere Anerkennung verdient auch der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung von Obersturm­führer Herrmann, der mit Konzerten vor bet Universität und im Cafe Leib die Besucher erfreute und durch seine guten instrumentalen Darbietungen dem Tag eine schöne Bereicherung brachte.

So nahm derTag der Wehrmacht" am gestri­gen Sonntag wiederum einen schönen Verlauf, und er wird sicherlich auch dem Kriegs-WHW. eine weitere starke Förderung durch seinen finanziellen Ertrag gebracht haben.

Gautagung

bet NSKOV. Hessen-Nassau in Gießen

Oberhessifcher Kunstverein und Winterhilfswerk.

Ausstellung im Turmhaus.

der Mühle bei Arnsburg und Kronberg im Taunus als das rein malerisch reizvollste Stück ein Stil­leben: Krug mit Aepfeln. Wilhelm Lefebre Frankfurt, 'ist u. a. mit einer anmutig-heimatlichen LandschaftBei Butzbach", denZiehenden Ochsen" und einer RadierungBei der Arbeit" vertreten. Eine gesunde, bodenständige Malerei kennzeichnet die Arbeiten des bekannten Frankfurter K. Luck- Hardt; wir nennen etwa die um des aufgehell- ten Hintergrundes willen bemerkenswerteKartof­felernte", dann denHeffenkopf", sehr realistisch gefaßtes Abbild eines bäuerlichen Kopfes mit allen Falten, Stoppeln und Borsten, endlich die farbigen ZeichnungenPferdegesnann" undBauernhof in Brandobemdorf". K. Mer gell, Frankfurt, bringt einige sympathische, unproblematisch darge­botene Landschaften (Niddatal",Tal im Schwarz­wald",Blühende Wiese".)

Den breitesten Raum in der'Ausstellung bean­spruchen die Arbeiten von Professor H. S ch l a r b, Gießen, wie eine Kollektivausstellung wirkend, aber kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen; das liegt wohl zunächst daran, daß die hier gezeig­ten Bilder aus zeitlich verhältnismäßig weit aus­einanderliegenden Schaffensverioden stammen, dann auch an der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Motive: neben Bildern des Führers und des Reichsmarschalls die Damen-BildnisseMeine Toch­ter Gerda" undFräulein Elze" (das bei einer leichten Verschiebung der Figur im Bildausschnitt nach links noch gewonnen haben würde), ferner Pferde- Reiter-, Historien- und Krieasbilder, über­wiegend lebhaft bewegt, einiges (Ackerpferde") auf­fallend hort im Kolorit. Während em kräftiger, m scharfen Konturen und betonter Farbgebung sich äußernder Realismus die Mehrzahl der hier auf- geführten Arbeiten beherrscht, wirkt em Stuck rote die Auffahrende Batterie.im Polenfeldzug" fast impressionistisch locker und aufgelöst. Beroegungs- Probleme spielen eine nicht unerhebliche Rolle auch in den Landschaften, von denen das große Seesruck (67) gut gegliedert und mit der lebhaften Reslektion des Lichtes auf der Wasserfläche, eine der interessan­testen Arbeiten dieser Sammlung ist.

Hans Thyriot.

Ml unseren Soldaten für das Kriegs-WHW

Alle opferten gerne am Tag der Wehrmacht in Gießen.

in ihrer Färb- und Lichtwirkung höchst eindring­liche Bühnenbilder (Karl Löffler) verstärkten die Stimmung der Szenen, an der auch die Be­leuchtung (Remigius Konen) berechtigten Anteil hatte. Entscheidend aber wurde die Musik. Arthur? A p e l t bewies mit federnder Hand Elastizität für die Rhythmen des Operettenhaften ebenso wie für den darin gebundenen lyrisch-sentimentalen Ein-« schlag. Da aber, wo die Sprache des Ostens kund wurde, trug sie den drohenden strengen Unterton mit seinem Sinn für die melodische Jnnenlinie. Das Menschliche wurde packend herausgestellt, aber stets wahrte er nicht nur den sicheren Kontakt zwischen Bühne und Orchester, sondern war äußerst dezent als Begleiter, gab der menschlichen Stimme ebenso Geltung, wie er in feinster Dämp­fung des Orchesterklanges die Schönheiten des An^ teils der einzelnen Soloinstrumente aufbluhen ließ.

Don ganz großer Wirkung war Christoph Neu­land als Prinz Sou-Chong. Don seinem ersten Erscheinen auf der Bühne an ging von ihm eine bannende, verhaltene Kraft aus, seiner Würde und der verkörperten Gestalt ganz angemessen. Wenn auch diese Operette von Lehar für den Tenor ge­dacht ist, so war es um so bewunderungswürdiger und anzuerkennen, daß Christoph Reuland sich nicht persönlich oordrängte und fein stimmliches Können und feine geschmackvolle Art zu fingen ganz in den Dienst des Werkes stellte.

Als feine Partnerin gab Gabriele Po flinke ihr Gegenstück zur Butterfly mit strahlendem. Stimm klang und hoheitsvoller Haltung. Eine sehe erfteuliche Erscheinung war Gerti Vogt als Mi» behende in Gesang. Spiel und Tanz, ursprünglich und echt in der Bindung ihrer seelischen Verfassung. Einen charmanten und dennoch urwüchsigen Grafen Gustav von Pottenstein stellte Harry Grüne ke dar; als gesetzesstrenger Oheim erschien Raoul La p orte. Alle übrigen Gestalten rundeten das Spiel und fügten sich in den Sinn des Ganzen euu

Der Beifall des voll besetzten Hauses roatj äußerst stark und herzlich.

Dr. Hermann Hering, (

Zu einer großen Tagung hatte die NS.-Kriegs- opferversorgung (NSKOV.) alle Kameradschafts­führer, Abteilungsleiter und Unterabteilungsleiter des Arbeitsgaues Hessen-Nassau in denBurghof" zu Gießen eingeladen.

Stellv. Kameradschastsführer Gravelius von der Kameradschaft Gießen begrüßte Kreisleiter Backhaus als den Hoheitsträger der Partei im Kreise Wetterau, die in überaus großer Zahl er­schienenen Amtswalter der Kameradschaften, ferner Gaukassenwalter Weber (Frankfurt a. M.), den Betreuungsobmann Kamerad Keßler von der Ka­meradschaft Mainz und den Leiter der Abteilung des früheren Bundes erblindeter Krieger in Hessen, Kamerad Kranz (Friedberg). Sodann gedachte der stellv. Kameradschaftsführer der Toten des Welt­krieges, der Bewegung und des jetzigen Krieges.

Anschließend sprach Gaukassenwalter Weber über die innere Arbeit und den Einsatz der Amts­walter der einzelnen Kameradschaften. Als Haupt­aufgabe ihres Arbeitsbereiches stellte er die Betreu­ungsarbeit der hierfür besonders eingesetzten Ob­männer und Kameradinnen voran. Der Bereich der Kameradfchaftsbetreuung und der Hinterbliebenen­fürsorge sei so groß und ausgedehnt, daß noch viel Arbeit zu leisten sei, bis alles so gehe, wie es er­forderlich sei. Er erinnerte an die Besetzung der Freiplätze für Kameradenfrauen und Amtswalter, die in einzelnen Kameradschaften noch nicht ganz zur Durchführung käme. Sodann machte der Redner über die Aufstellung von Ehrenformationen ein­gehende Ausführungen und wies Wege, die diesem Zwecke dienen. Ferner gab er wichtige Winke über die Errichtung eines Wohlfahrtsfonds. Im weiteren Verlaufe feiner Ausführungen sprach er über die Zusammenarbeit aller Kameraden mit dem Kame­radschaftsführer und besten Amtswaltern. Nur durch enge und zielbewußte Zusammenarbeit könne Er­sprießliches geleistet werden. Als weiteren wichtigen Punkt stellte er die Schulung der Amtswalter wie überhaupt aller Kameraden und Kameradenfrauen in den Vordergrund und gab Richtlinien für deren Durchführung. Hierauf sprach er über die Pflege der Kameradschaft überhaupt und erinnerte dabei an die feste Kameradschaft im Kriege 1914/18, wo vier Jahre lang der geistige Arbeiter neben dem Arbeiter der Faust'gestanden und gekämpft und alle zusam­men Freud' und Leid ertragen haben. Dies war, so betonte er, die Geburtsstunde der nationalsozialisti­schen Idee, der wahren und echten Volksgemein­schaft, die der Führer über das gesamte deutsche Volk verwirklicht hat. Deshalb müsse auch gerade in der NSKOV., in der sich alle Frontsoldaten des Großen Krieges vereinigten, diese Kameradschaft und Volks­gemeinschaft eine besondere Pflegestätte haben.

Nach einer kurzen Pause wandte sich der Be­treuungsobmann des Bezirkes Mainz, Kamerad K e ß l e r, der zur Zeit auch die Geschäfte des zum Heeresdienst einberufenen Obmannes B o n h a r d für den Bezirk Gießen führt, an die Kameraden.

Er sprach ausführlich über die neue Wehrmachtver­sorgung. In feinen Ausführungen stellte er di« im nattonalsozialiftischen Reich um vieles besser ge­wordene Elternversorgung der früheren Gesetz­gebung gegenüber und wies auf die vielen Aende- rurrgen hin, die in dem neuen Gesetz Ausdruck ge­funden haben, wodurch manche früheren Härten ge- mildert, ja ganz abgestellt worden sind. Die Reichs^ dienststelle sei weiterhin unentwegt daran, die im Laufe der Zeit sich noch ergebenden Härten aus- zugleichen. Ebenso sei es mit dem neuen Gesetz über die Witwen- und Waisenrente. Hier sei die Arbeit schon um ein Wesentliches fortgeschritten, denn schon heute werde zum Härteausgleich eine Uebergangs--- und Ausgleicbsrente gezahlt und ein Kinderzuschlag gewährt. Sodann behandelte der Vortragende in großen Zügen die neue Wehrmachtversorgung, bte abweichend vom früheren Versorgungsgesetz in bre-i Versehrtenstufen eingeteilt sei, nach denen die Ver­sorgung der Beschädigten des neuen Einsatzes gapz beträchtliche Verbesserungen erfahren hätte. Die Witwenversorgung sei in Neubearbeitung begriffen, auch hier bewillige man bis zur endgültigen Neu­regelung bereits Uebergangszcchlungen, so daß auch hier früher bestandene Härten bereits ausgeglichen würden. An diesen Neuregelungen erkenne man klar die wesentlich verbesserte Fürsorgeregelung deS nationalsozialistischen Deutschland. An vielen prak­tischen Beispielen gab der Redner dann den Amts­waltern der NSKOV. = Kameradschaften Richtlinien für ihre weitere Arbeit. Großes Interesse fanden weiterhin die Ausführungen des Redners über die Umschulung eines Kriegsversehrten, die auf Kosten! der Fürsorgestellen durchgeführt werde. Hierdurch sei jedem Kriegsverletzten, gleich welcher Art feine körperliche Beeinträchtigung sei, die Möglichkeit ge­boten, sich für einen ihm zusagenden Beruf uw schulen zu lassen, und jeder werde somit dem aff- gemeinen Arbeitsprozeß wieder zugeführt werden. Der Redner machte noch darauf aufmerksam, daß alle diese für die Kriegsversehrten so ungemein wichtigen Fragen in den vom Bunde ausgegebenen Befehlsausgaben näher erläutert seien, und er for­derte die Amtswalter auf, bei ihrer Arbeit um die Fürsorge der Kameraden regen Gebrauch von die­sen Einrichtungen des Bundes zu machen.

Sodann sprach Kreisleiter Backhaus zu den Kameradem Er wies darauf hin, wie wichtig es sei, daß NSKOV. und politische Leitung in enger Verbindung bleiben, um ersprießliche Arbeit zu leisten, denn gerade die enge Verbundenheit mit dem Hoheitsträger des Kreises stärke das Vertrauen aller Kameraden zu ihrer Führung. Der Kreisleiter sprach dann über die heutige Lage Deutschlands und betonte den unerschütterlichen Siegeswillen des ge­samten deutschen Volkes. Wenn das Ausland auch so gerne Deutschland als einen Gewalt- und Dik­taturstaat bezeichne, so wisse doch jeder Deutsche, daß Deutschland ein reiner Führerstaat sei, und dies auch für alle Zukunft bleiben werde zum Segen für ganz Europa. Der Kreisleiter erinnerte die Kamera-

Wie bei allen bisherigen Sammelveranstaltungen i für das Kriegs-Winterhilfswerk war am gestrigen Sonntag als demTag der Wehrmacht", im Dienste dieses großen sozialen Hilfswerks unsere Gießener Bevölkerung wieder mit aller Opferfreu- digkeit dabei. Unsere Soldaten, die an diesem Tage als Träger der Veranstaltung wieder mit aller Hin­gabe ihre ganzen Kräfte und alle Hilfsmittel ein- etzten, um das große Werk des Tages zum vollen Erfolg zu führen, fanden erfreulicherweise wie immer die tatfrohe Unterstützung aller Kreise unserer Volksgemeinschaft. Wenn auch, bedingt durch die Kriegsverhältnisse, das Ausmaß von Veranstal­tungen nicht an das der gleichen Tage in früheren Jahren heranreichte, so war doch das Interesse an dem, was unsere Feldgrauen in Gemeinschaft mit ihren Hilfskräften gestern boten, nicht minder groß als früher. Darin bekundete sich erneut in schöner Weise die enge Verbundenheit unserer Bevölkerung mit ihren Soldaten des Standorts Gießen.

Die schönen Abzeichen zu der gestrigen Samm­lung fanden begreiflicherweise sehr flotten Absatz. Nicht weniger Volksgenossen werden die gestrigen Spendezeichen sicherlich zu den wertvollsten Erin­nerungsstücken an das Kriegs-WHW. betrachten und gerne aufbewahren. Der Verkauf der Abzeichen war o rege, daß man kaum einen Mann oder eine Frau, einen Jungen oder ein Mädel mit weniger als zwei ober brei Abzeichen, oft sogar mit noch mehr feststellen konnte. Neben den alten Solbaten aus dem Weltkrieg 1914/18 machten sich die Hel­ferinnen vom Roten Kreuz und am gestrigen Sonn­tag die Nachrichtenhelferinnen, im VolksmundBlitz­mädel" genannt, mit ihren Führerinnen um den Verkauf der Abzeichen in eifriger und anerkennens­werter Weise verdient. Unermüdlich und mit im­mer wieder anfeuernden Worten, die bei der Opfer- fteudigkeit aller Volksgenossen starken Widerhall fanden, luden sie allesamt zum Kaufe ein, und so war es denn eigentlich nur selbstverständlich, daß die Kästen mit den Abzeichen in kurzer Zeit leer- gekauft waren ubd neuerBetriebsstoff" herange- holt werden mußte.

Der gestrige Sonntag zeigte in den Vormittags­stunden unsere Soldaten und die Sammler schon frühzeitig wieder in Tätigkeit. Spielleute von Mu­sikkorps der Wehrmacht marschierten durch, die Straßen und machten durch eifriges Spiel auf die Besonderheit dieses Tages immer wieder aufmerk­sam. Der Lautsprecherwagen unserer Polizei war zur gleichen Zeit eingesetzt und ließ von Schall- platten flotte Militärmärsche erklingen. Während dieser Zeit, aber auch schon lange vorher, wurde an den Feldküchen unserer Soldaten eifrig gearbeitet. Hier galt es. das gemeinsame Feldküchenessen für die Tausende von Bestellern aus der Bevölkerung herzurichten, damit es pünklich zur angekündigten Zeit zur Ausgabe bereitstand. Von 11 Uhr ab waren denn auch an allen Ausgabestellen die damp- penben Feldküchen zur Stelle. Unsere Soldaten hat­ten wieder, wie auch früher schon, ausgezeichnet ge­kocht. Es gab Bohnensuppe mit Fleisch, Nudeln mit Fleisch, Erbsen mit Speck und Gemüse mit Fleisch, alles gute und leckere Speisen, die, wie wir viel­fach hörten-, bei den Hausfrauen vollste Anerken­nung sanden. Und auf das Urteil der Hausfrauen kommt es ja in solchen Dingen sehr wesentlich an. Jedenfalls können die Soldatenköche die Gewißheit haben, daß sie auch vor dem prüfenden Geschmack der Hausfrauen in vollster Weise mit ihrer Koch­kunst bestanden haben. Don allen Setten her ström­ten Männer und Frauen mit Töpfen, Essenkannen usw. zu den Feldküchen, um fjjer denSchlag" in Empfang zu nehmen. Dazu gab es neben der Por­tion auch noch eine Scheibe Kommißbrot. Während ein Teil der Bevölkerung die schmackhafte Feld­küchensuppe zu Haufe verzehrte, vereinigten sich viele andere Familien im Studentenheim, in der Emp­fangshalle der Universität, im Saale des Caf6 Leib, in der geheizten Turnhalle der Alten Pestalozzi- Schule und in den Speiseräumen der Kaserne zum gemeinsamen Essen, um gleich an Ort und Stelle ihrenSchlag" zu vertilgen. Ein anderer Teil unserer Soldaten hatte sich in seiner Unter­kunft mit vielen Farmlien mm gemeinsamen Essen vereinigt und ließ sich dort das Mahl gut schmecken. Und daß es allen überall wirklich gut gemundet

Aus -er Stadl Gießen.

Das verräterische Lachen.

In der Straßenbahn sitzt eine Frau. Sie hat ien unruhigen, lauten ausgelassenen Jungen auf tn Schoß. Die Augen des Kindes sind brennen- (5 Interesse, sein Mund ist voll Frggen. Die Ge- hter rund herum fangen an zu lächeln.

Frauen, Männer, alte Herern, junge Mädchen |?uen sich über das Kind. Seine Anwesenheit schafft rund zum Vergnügen, in jedem bricht ein kleiner reudenquell auf. Doch in jedem anders.

Don den Gästen aus Frankfurt ist Joseph Cor - ggi o, seit Jahren auf zahlreichen Ausstellungen betreten, hier wohl am bekanntesten: neben einem stillen und friedlichen Motiv wie demAlten »Wall" wirkt das große GemäldeDie letzten Wilden von Veaugnoi" wie ein gemalter PK.-Be- W-st von damals, eine düster üb er flammte, beroij d)e Wkiifode aus dem Weltkriege. Kath. 9orrß?/ Wio-Neidlinger, Frankfurt, zeigt em appettt-.

üqes Früchte-Stilleben und einige Dlumenstucke j »in denen die kräftig kolorierte, strotzende tfuue 1 Wr Sonnenblumen das repräsentativste Buci e -

i't. In den Arbeiten von H. F r a n k e , tfranr= u t,Fvrellendach",Herbstlicher Park , D gründ" findet man eine Naturbeobachttmg timen Charakters: stille Winkel der Landschaft Ine Sensation, mit liebevoller Versenkung ms d tail gemalt. . _ ,.

von 'Professor Kempin, Frankfurt, sieht man ^nächst in der Mitte der rückwärtigen Wand das -r,ße. repräsentative Damen-Bilbnis die Tochter Künstlers darstellend, eine sorgfältig oufgebautt rmvosition in kühlem Blau. Daneben finden 'ch i^er hingesetzte, großzügig behandelte, südliche liidschasten (Forum Romanum, Positano, Basae) i Aquarell, eine Reihe von Portratstud,en. unter !nen der Kopf eines Schützen auffallt, *pMid) , ^uppe interessanter, kraftvoll und p!?st'sch durch- -'bellierter Akt-Studi-n. - W. K r ° l l, Gi-ß-n. rngt neben schon bekannten Stucken wie der rundlichen Landschast Steinau bet Schlüchtern,

jge Zett seines Lebens. Er denkt das nicht zuende, - vielleicht nicht einmal warum, doch fein icheln verrät alles. Das Gesicht der grauhaarigen ! ime neben ihm: ein typisches Großmutterlachen.

elleicht ist sie noch nicht Großmutter und wird es id) nie werden, doch das ist unwichtig ihr Ge­ht ist eitel weiche Güte. Das Lachen auf dem -sicht der dreißigjährigen Frau ist ein verstehen- s Mutterlächeln. Doch ein von Puder bedecktes atlitz daneben lächelt nur traurig und Neid zit- 7t leise um die Mundwinkel. Die beiden Backfische Zohlen alle zukünftige Mutterfreude in ihrem ichen auf das Kind; sie selbst wissen nicht, roarTim sich freuen, aber ihr Lächeln weiß es schon.

Zeige mir, wie und warum du lachst, und ich sage lr, wer du bist. Vom Engelhaften bis zum Sata- iichen zeigt sich jede menschliche Eigenschaft, jedes j?fühl auf dem zum Lächeln verzogenen Gesicht. j>r brutale Mensch lacht roh, der Gutherzige be- Lstt sein Kinderlachen. Das ßad)en der Schaden- j'ube enthüllt sich blitzartig im Charakter voller ! ißgunst. Alles enthüllt sich im Lachen: Verachtung, i raufamfeit, gute Laune, Ausgelassenheit, Unschuld, vott, Zweifel, Genugtuung.

Ein wenig Menschenkenntnis nur genügt, um dis dem Lachen alles über den Charakter zu ent- hmen, die Gesinnung des Menschen zu erkennen, cht umsonst lernen es die Diplomaten, ihre Ge­hler in ernste Falten zu legen, der Ernst verrät hts. Aber vergebens, durch die Maske bricht ein ines Lächeln es verrät Bände,

Frohsinn für unsere Verwundeten.

Im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht t die NSG.Kraft durch Freude" den Verwun­den in den hiesigen Lazaretten einen fesselnden chtbildervortrag von Oberstudiendirektor Philipp - is Friedberg, der im Auftrage des Landesfrem- nverkehrsverbandes Rhein-Main feine Hörer mit berhessen und Vogelserg" an Hand schöner far- zer Lichtbilder in mitreißender Schilderung be kennt machte. Dem Vortragenden, der alsUnkel I jhnneroab aus der Wärrerau" durch seine humor- n ripn Erzählungen und Vorträge bekannt ist, mirbe von den Verwundeten und von den Chef­ärzten für die schöne Stunde herzlich gedankt. A» einem anderen Tage konnten sich die Derwun- iitren einen FilmDer Mann, der Sherlok Hol- Ms war" und die neue Wochenschau ansehen. Hhrer Appelmann von der K^eisbildstelle Gle- Mn führte in einem Lazarett den FilmAlfted ! Hegeners Grönland-Expedition" vor und gab dazu bie erforderlichen Erläuterungen. Oberarzt Dr. Aathge brachte den Dank der stark interessierten Mrer zum Ausdruck. Am gestrigen Sonntag er- n?ute die Sing- und Spielschar des BDM. die I rrounbeten eines Lazaretts mit Gesängen und ^irmonikavorträgen in schöner Abwechslung. Feld- v?:bel Stumpf dankte den Mädels int Namen iir Kameraden. Ebenfalls am gestrigen Sonntag ureitete der GesangvereinViktoria" aus Garben- -ch unter Leitung von Chormeister Sommer c.5 Watzenborn-Steinberg den Insassen eines Baretts mit dem Vortrag von Volks- und Sol- Uenüebern eine schöne Sonntagsfreude. Nach dem nrtrefflidjen Konzert erfreuten die Sänger die ver- riunbeten Soldaten noch mit einer Stiftung von Äpfeln, Apfelsaft und Zigaretten. Oberstabsarzt ic. Neumann-Spengel übermittelte den Gängern und freundlichen Spendern den herzlichen ?ank der Verwundeten. Auf Veranlassung der Feisfrauenschaftsleiterin Meirich in Lauterbach irfteten die NS.-Frauenschaften in Elpenrod, Blei- biiirob und Nieder-Gernünden für die hiesigen Laza- ntte eine große Zahl von guten Kuchen.