Ausgabe 
24.2.1941
 
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plan, der von dem Oberkommando der Streitkräfte in Albanien ausgearbeitet worden war, einstimmig genehmigt wurde, und daß zwischen dem Beschluß und dem Beginn der Aktionen lediglich eine Ver- zögerung von zwei Tagen verlangt wurde, wie das ein für alle Mal festgestellt sei. Die italienischen Soldaten in Albanien haben sich glänzend ge­schlagen. Im besonderen sei hervorgehoben, daß die Alpenjäger mit ihrem Blut Ruhmesblätter geschrieben haben, die jedem Heer zur Ehre gereichen würden. Wenn man einmal von diesen Dingen wird erzählen und berichten können, so wird man sehen, daß der Marsch der Gebirgsdivision Julia einfach eine legendäre Tat ist. Neutrale Zuschauer sollten mit ihrem Urteil beschämt schweigen und sich nicht auf vollkommen willkürliche und verleumderische Entstellungen einlassen. Die italienischen Gefange­nen, die in die Hände der Griechen fielen, belaufen sich nur auf wenige Tausende, zum größten Teil Verwundete. Die griechischen Erfolge bleiben auf taktischem Gebiet beschränkt, und nur ihre levanti- nische Großsprecherei konnte sie ins Uebertriebene verzerren. Die griechischen Verluste sind außer­ordentlich groß. Nun wird es bald aber Früh­ling werden, und, wie das die Jahreszeit und insbesondere unsere Jahreszeit mit sich bringt, gut Wetter kommen. Ich sage euch, daß gut Wetter kommen wird, und zwar nach allen vier Himmels­richtungen.

Nicht weniger gering sind die englischen V e r- l u st e. Wenn man, wie die Engländer, behaupten will, daß ihre Verluste in der Cyrenaika kaum 2000 Tote und Verwundete betragen, so heißt das, dem Drama eine groteske Note frecher Lügen hinzu­fügen wollen. Es muß mindestens noch eine Null an diese Zahl angesetzt werden.

Seit dem 11. November, an dem englische Torpedoflugzeuge, aber nicht etwa von grlechi- . schen Stützpunkten, sondern von einem Flug­zeugträger aus ihren Angriff auf latent mach­ten, dessen Erfolg wir übrigens sofort zugege­ben haben, war uns das Kriegsglück abhold. Man muß zugeben, daß das in allen Kriegen und zu allen Zeiten das Schicksal mit sich brin­gen kann. Ihr braucht nur an die panischen Kriege zu denken. Mit der Niederlage von

Cannae schier. Rom zerschmettert am Boden zu liegen, aber mit dem Sieg von Zama wurde Karthago zerstört und geographisch wie geschicht­lich für immer ausgelöscht. Unsere moralische wie materielle Kraft, eingetretene Lücken wieder aufzufüllen, ist ganz einfach enorm. Sie bildet eine der besonderen Charaktereigenschaften un­serer Rasse. Gerade in diesem Krieg, der die ganze Welt zum Schauplatz hat und auf dem Meer, zu Land und in der Luft die Kontinente direkt oder indirekt aufeinanderprallen läßt, ist die Endschlacht das Entscheidende. Daß man hart wird kämpfen müssen, ist gewiß. Daß man wird lange kämpfen müssen, ist auch recht wahr­scheinlich, aber das Endergebnis ist der A ch f e n f i e g.

Großbritannien kann den Krieg nicht gewinnen. Italien wird, was immer auch geschehen möge, mit Deutschland Seite an Seite bis zum Ende marschieren. Jene, die versucht sein sollten, etwas Gegenteiliges zu behaupten, vergessen, daß das Bündnis zwischen Italien und Deutschland nicht nur zwischen zwei Staaten, zwischen zwei Heeren oder zwei Diplomaten, sondern zwischen zwei Völkern und zwei Revolutionen besteht, die der Geschichte dieses Jahrhunderts ihr Gepräge geben werden. Die vom Führer angebotene Zu­sammenarbeit deutscher Luft- und Panzerstreitkräfte im Mittelmeer ist nichts anderes als der Beweis dafür, daß alle Fronten und die an ihnen ent­falteten Kraftanstrengungen gemeinsam sind. Die Deutschen wissen, daß eine Million englischer und griechischer Soldaten, 1500 Flugzeuge, ebenso viele Panzerwagen, tausende von Geschützen und mindestens 500 000 Tonnen der feindlichen Kriegs­flotte auf den Schultern Italiens lasten. Die Zu­sammenarbeit zwischen den Streitkräften Deutsch­lands und Italiens erfolgt auf dem Boden kamerad- sckaftlicher, loyaler und spontaner Solidarität. Die Ausländer, die immer zu wilden Verleumdungen bereit sind, müssen sich gesagt sein lassen, daß die Haltung der deutschen Soldaten in Sizilien und Libyen in jeder Hinsicht eines starken Heeres und eines starken Volkes würdig ist, das in der streng­sten Disziplin erzogen wurde.

Das Kriegspotential der Achse ist giganstsch.

Alsdann zählte der Duce zum Beweis dafür, daß die Niederlage Englunds und der Sieg der Achsen­mächte sicher ist, folgende zehn Punkte auf:

1. Das Kriegspotential Deutschlands ist nach 17 Kriegsmonaten noch gigantisch gewach­sen. Seine Verluste an Menschenleben haben sich im bescheidensten Rahmen gehalten. Die Verluste an Material werden durch die ungeheuere Kriegsbeute mehr als ausgeglichen. Die Einheit des politisch­militärischen Kommandos ist in den festen Händen des Führers, jenes Mannes, der einstmals ein einfacher Kriegsfreiwilliger war und heute den Operationen einen geradezu hinreißen­den, unwiderstehlichen revolutionären, das heißt nationalsozialistischen Schwung gibt, der alle von den höchsten Generalen bis zum letzten Soldaten in Bewegung setzt. Großbritannien wird das bin­nen kurzem noch einmal zu spüren bekommen.

2. Die deutschen Rüstungen sind qualita­tiv und quantitativ unendlich größer als zu Beginn des Krieges. Deutschland hat seine Effektivbestände noch lange nicht eingesetzt, wie übrigens auch Ita­lien nicht. Wir haben heute über zwei Millionen Mann unter den Waffen, aber noch im Laufe dieses Jahres können wir bis auf vier Millionen kommen.

3. Während Deutschland im Weltkrieg von Eu­ropa und der Welt abgeschnitten war, ist die Achse heute Herr des Kontinents und außerdem mit Japan verbündet Im Mittelmeer ist uns Spanien befreundet. Bleibt Rußland. Aber feine Grundinteressen legen ihm auch für die Zukunft eine Politik guter Nachbarschaft nahe. Europa ist also, abgesehen von Portugal und von der Schweiz, und noch für einige Zeit von Griechenland, ganz außerhalb des Einflusses von England, ja ist gegen England.

4. Diese Lage ist eine ganz klare Umkehrung dessen, was 1914 bis 1918 war. Damals war die Blockade eine furchtbare Waffe in den Händen Eng­lands. Heute ist sie stumpf geworden, weil Eng­

land unter dem Druck der Gegenblockade der Luft- und Seestreitkräfte der Achse steht und immer mehr bis zur Katastrophe dieser Blockade ausgesetzt sein wird.

5. Die innere Haltung der Völker der Achse ist der Haltung des englischen Volkes un­endlich überlegen. Die Achse kämpft mit der Ge­wißheit des Sieges. England kämpft, weil es, wie Halifax sagte, keine andere Wahl hat. Es ist im höchsten Grade lächerlich, auf ein eventuelles Nach­geben der inneren Haltung des italienischen Volkes zu hoffen. Das wird niemals eintreten. Von Sonderfrieden sprechen kann nur ein geistig Minder­wertiger. Daß Churchill die Beschießung der In­dustrieanlagen von Genua anordnete, um den Ar­beitsprozeß zu unterbrechen, ist begreiflich, aber eine Stadt bombardieren zu wollen, um ihre innere Haltung zu zermürben, bedeutet, daß er auch nicht im entferntesten die lateinische Rasse, ihr Tempera­ment und die geistige Einstellung der ligurischen Be­völkerung kennt. Es bedeutet, die Bürgertugenden und die urstolze Vaterlandsliebe eines Volkes miß­achten, das an seiner Meeresküste dem Vaterlands einen Columbus, einen Garibaldi und Mazzini ge­geben hat.

6. England steht allein. Diese Vereinsamung treibt es zu den Vereinigten Staaten, bet denen es verzweifelt und dringend Hilfe verlangt. Die industrielle Leistungsfähigkeit der USA. ist be» stimmt grandios, aber wenn sie von Nutzen sein soll, müssen ihre Lieferungen ungestört nach Eng­land gelangen können und von solchem Ausmaß sei, daß sie nicht nur die bereits erlit­tenen und die künftigen Zerstörungen an den in­dustriellen Anlagen Englands wettmachen, sondern eine Ueberlegenheit über Deutschland schaffen, was schlechtweg unmöglich ist, weil heute Manner, Ma­schinen^ Rohmaterial des ganzen europäischen Kon­tinents mit Deutschland zusammenarbeiten.

7. Wenn England fallen wird, dann wird der Krieg sein Ende haben, auch wenn er

Japan gegen die britische Panikmache in Ostafien.

Mailand, 23. Febr. (Europapreß.) Der'Gaz- zetta del Popolo" erklärte der japanische Botschafter Zemdei Horikiri, Japan begegne der englisch­nordamerikanischen Hetze im Fernen Osten m i t vollkommener Ruhe. England befinde sich in einer äußerst schwierigen Lage. Es überrasche daher nicht, daß es zu allen Agitations - mitteln greife, um auf die Vereinigten Staa­ten Einbruch zu machen. Japan habe seine Staats­angehörigen in den Vereinigten Staaten nidjt heim- berufen. Es sei auch kein Grund vorhanden für einen Auszug der Engländer und Nordameri­kaner aus Japan und den von Japan besetzten Ge­bieten in China. Japan hege durchaus keine A n g r i f f s a b s i ch t e n. Die auswärtige Politik Japans bleibe auf den D r e i e r p a k t begründet, der nicht für eine Kriegsausweitung abgeschlossen

worden sei, sondern zur Schaffung eines dauerhaf­ten Friedens.

Amerikanische Bomber für Singapur.

Neuyork, 21. Febr. (Europapreß.) WieNem Uort Post" meldet, würden die neuesten Bomber über den Pazifik nach Singapur geflogen. Die Bomber gehen zunächst nach Hawai, wo sie von britischen Fliegern für Singapur abgenommen wer­den Das Entgelt für die Piloten und Mannschaften liege zwischen 600 und 1000 Dollar je Flug. In Washington hält man die Lage im Fernen Osten für eryster, als man bisher vermutete. Militär- experten schätzen, daß mit einer Zwischenlandung in China zum Tanken 60 Bomber durchaus in der Lage wären, in einer einzigen Nacht Japans größte Städte mit ihren leichten Holzbauten in Brand zu werfen. Englands Panikmache in Ostasien scheint ihren Zweck zu erreichen, die USA. für Abgabe vou Flugzeugen in bislang nicht vorgesehenem Ausmaß zu bewegen, um durch ihren Einsatz die britische Stellung in Singapur zu entlasten.

Roosevelt will der Opposition einen Maulkorb umhängen.

Washington, 23. Febr. (Europapreß.) Die oppositionelle Senatoren W h e c 1 e r und Clark kritisieren Roosevelts Mahnung an Presse und Kon­greß, sich in militärischen und außenpolitischen Reden Dritten gegenüber mehr Zurückhaltung auf; zuerlegen. Jeder, so äußerte sich Wheeler, der nicht für den Krieg sei, bekäme bald einen Maul­korb u m g e b ä n g t. Es sei einfacher, ein Volk heimlich in den Krieg zu manövrieren, als wenn es die Tatsachen kenne.

Der Vorsitzende des Militärausschusies des Re­präsentantenhauses, Morris Sheppard, hin­gegen sagte, Roosevelt habe vollkommen recht.

In politischen Kreisen glaubt man an einen Ver­such des Präsidenten, bald nach Verabschiedung der Englandhilfe-Vorlage der Presse einen Maul­korb anzulegen. Roosevelt versuche ja schon leit lan­gem, die Presse zu diskreditieren. Roosevelt und die ihm nahezustehenden Kreise sollen ganz syste­matisch bemüht sein, das Vertrauen der USA.- Oeffentlichkeit in die Presse zu untergraben. Der Grund hierzu sei in den Haßgefühlen zu suchen, die Roosevelt gegenüber der Presse habe, weil diese bei der Präsidentenwahl sich vorwiegend gegen seine Person eingestellt habe.

Der Kampf

um die Englandhilfe.

Washington, 22. Februar. (Europapreß.) Der fünfte Tag der Senatsdebatte über das England- Hilfe-Gesetz stand wieder unter dem Zeichen der Opposition, die sich weiter energisch gegen die An­nahme dieses Gesetzes wendet. Der republikanische Senator Brooks aus Illinois bezeichnete die Vor­lage alsSprung in die Diktatur" und als Vorbereitung zur aktiven Kriegsteilnahme der USA. Es sei höchste Zeit, ein Ende mit dem feigen Ge­rede zu machen, die USA. hätten vor Deutschland

Angst. Der demokratische Senator ®ilette(3oroa) nannte die Vorlage ebenfalls einen Auftakt zur Kriegsteilnahme der USA. Der demokratische Se­nator Bulow (Süd-Dakota) erklärte in seinen, scharf antibritischen Ausführungen, der Krieg gehe nicht um Menschenrechte, sondern um die Ausein­andersetzung zwischen Deutschland und England. England stehe offenbar auf dem Standpunkt, jede europäische Grenzveränderung bedürfe englischer Zustimmung. Er sehe nicht den geringstem Grund für dte USA., sich über Hitlers europä­isches Programm aufzuregen. England versuche offenbar wieder einmal, den europäischen Kontinent zu dirigieren.

Der demokratische Senator Clark erklärte, daß das Englandhilfegesetz denWegzurnKriegbe. beute. Zum amerikanischen Volk gewandt, sagte er: Ihr bewegt euch durch gefährliche Stromschnellen, von Mißinformationen, Halbwahrheiten, rührseliger Hysterie und wohlfinanzierter Propaganda. Durch internationale Finanz männer, die große Reichtümer aus dem Blut eurer Söhne ziehen werden, werdet ihr dorthin gebracht. Die end­gültige Folge des Englandhilfegesetzes wird sein, eure Söhne den Tyrannen aller Welt zu verpachten und zu verleihen. Die Schuld wird jedoch nie be- z a h l.t werden, weil viele eurer Söhne nicht zurück- kehren werden. Ironischerweise ist die Nummer der Gesetzes 1776 eine heilige Jahreszahl in der Ge­schichte der Vereinigten Staaten. Es dürfte ein son­derbarer Schicksalsstreich fein, wenn die gleiche Zahl, die den Vereinigten die Freiheit gab, diese Frei, beit wieder wegnimmt Wenn ihr kleinen Leute Amerikas und euere Kindeskinder für die­nlichsten hundert Jahre arbeiten und schuften müßt, um Zinsen für Milliarden und aber Milliarden zu zahlen, die Europas blutiger Krieg kostet, nur um die Habgier internationaler Finanziers zu befriedi­gen, dann werdet Ihr wissen, was Krieg bedeutet."

etwa in den Ländern des englischen Imperiums noch weitergehen sollte, falls nicht, was wahrschein­lich ist, diese Länder, wo bereits eine gewisse Gä­rung vorhanden ist, ihre Unabhängigkeit verwirk­lichen wurden. Dann würde man nicht nur vor einer Veränderung der politischen Karte Europas, sondern vor einer Veränderung oer politischen Karte der ganzen Welt stehen.

8. Italien fällt bei diesem gigantischen Ge­schehen eine erstklassige Rolle zu. Auch unser Kriegs­potential wird Tag für Tag qualitativ und auanti- tativ besser. Zwei von den drei großen in Tarent getroffenen Kriegsschiffen stehen unmittelbar vor ihrer völligen Wiederherstellung.

9. Daß das faschistische Italien es gewagt hat, sich mit Großbritannien zu messen, mar ein Akt ver­antwortungsbewußten Mutes. Die Völker werden groß, wenn sie wagen, wenn sie sich Opfer unter­ziehen, nicht aber wenn sie sich als niedrige Schma­rotzer an den Rand der Straße fetzen und warten. Nur wer kämpfend die Geschichte gestattet, kann Rechtsansprüche für sich geltend machen, die ein­fachen Zuschauer niemals.

10. Für einen Sieg über die Achse müßte das eng­lische Heer auf dem Kontinent landen, in Deutschland und Italien einfallen, ihre Heere vernichtend schla­gen, und das kann nicht einmal einem Engländer adch nur im Traume einfallen, wenn er auch vom

Gießener Staditheaier.

Norbert Schultze:Schwarzer Peter".

Seit HumperdincksHänsel und Gretel" hat es manchen zur Märchenoper hingezogen. Siegfried Wagner bemühte sich, die Märchenwelt auf der Bühne lebendig werden zu lallen. Eine Reihe von Weihnachtsspielen mit Musik knüpfte an das Mär­chen an, weil gerade seine Welt dem kindlichen Emp- slnbungskreis am nächsten steht, zumal in der Ver­bindung mit dieser Festzeit des Jahres. Eine Mär­chenoper für Kinder zu schreiben findet im Wesen der Oper seine Begrenzung. Wenn auch die Oper, zumal die romantische Oper, das Zauberhafte und das Wunderbare gerne in sich schließt, so sind an- .dererseits die traditionellen Ausdrucksmittel der Oper in den meisten Fällen dem kindlichen Aufnahmever­mögen zu fernliegend.

Norbert Schultze, der vielen durch seine Musik zu dem FilmFeuertaufe" bekannt ist, der uns aber allen mit seinen kernigen LiedernWir fliegen gegen Engeland" und demLied vom UBootsmann" ge­läufig ist, hat nun eine Märchenoper verfaßt für kleine und große Leute",Schwarzer Peter".

Es lehnt sich mit diesem Werk aber nicht an ein eigentliches Volksmärchen an, sondern die Ge­schehensgrundlage für seine Oper bildet die Dichtung des Flensburger Volksdichters und Hafenarbeiters Heinrich Traulsen, die in Ueberarbcitung durch den Erforscher und Sammler des plattdeutschen Mär­chens Professor Wilhelm Wisser 1904 bei dem Märchenwettbewerb derWoche" Preisträger wurde.

Es handelt sich hier also weniger um ein Märchen wie etwa die Grimmschen, die in ihrer Symbolik noch manches an Volksbrauch und mythologischen Anklängen aus alter Zeit konserviert haben, sondern um eine schlichte Erzählung, die unterhaltsam sein will und unbekümmert um Verknüpfung und tiefere Motivierung am wundersamen Geschehen selbst ihr Genüge findet. Das Textbuch von Walter L i e ck gibt sich infolgedessen sehr naiv und fordert von dem Hörer nichts als kindliche Gläubigkeit und Phan- taste. Alles was geschieht, will und soll so hingenom- men werden, wie es als Tatsache erkannt wird, ohne Hintergründigkeit, ohne Nachdenklichkeit. Es ist ganz auf das Gefchehensbedürfnis der Kleinen abgestimmt, ja stellenweise scheint das Mitwirken der Kleinen im Zuschauerraum erwünscht.

Zwei Könige, deren vornehmster Lebensilchatt tat

Schwarzer-Peter"-Spielen ist, entfremden und fin­den sich wieder durch ihre Kinder. Ein lustiges Spiel, das selbst da, wo es tragisch erscheinen könnte, mit leichter Hand die Lösung schafft.

Dem Musiker standen zwei Wege offen. Er konnte einmal das Naiv-Primitive des Textes in ein musi­kalisches Gewand kleiden, das besonders auch den Erwachsenen zu fesseln vermochte, indem er das Geschehen mit der eindringlichen Kraft der Musik zur Seelenschilderung vertiefte. Der zweite Weg stellt sich auf die Basis des Textes und kleidet in seinem Sinne das Geschehen musikalisch ein. Norbert Schultze folgt diesem Unproblematischen der Dich­tung; er findet in einfachster, sehr eingängiger Me­lodik, sich stellenweise auf die Pentatonik des Kinder­spielliedes stützend, volksmäßig anklingend und so der Welt des Kindlichen entsprechend, den Weg zu den jugendlichen Hörern.

Die stark im Volkstümlichen verwurzelte Er­findungskraft Norbert Schultzes prägt sich aber ganz besonders in den Tanzweifen aus, die schwung­voll und frisch aus dem unerschöpflichen Born der Volkskunst schöpfen und in der Ausstrahlung der Szenen zu zünden vermögen. Mit allen Mitteln der Satzkunst wohlvertraut, läßt er da Gegenthemen in Natürlichkeit heraussprießen, und auch sonst unter­stützt und vertieft er die an sich primitiv erschei­nende Melodik durch ostinate Themen, so imSchä­ferlied" Die musikalische Formgestaltung wird durch den Text durch die Aneinanderreihung von Lied­sätzen bestimmt. Größere Abschnitte läßt er gern durch ein grundlegendes Thema beherrschen und so­mit an Einheitlichkeit gewinnen. (..Bin ich auch ein armer König.") In derKindelbier-Szene" wird z. B. der Ländler und in derHandwerker-Szene" des dritten Bildes die Polka zum treibenden Im­puls. Die Weise des Spielmanns wird zum Leit­gedanken für das ganze Stück in ihrer häufigen, fast symbolhaften Wiederkehr. Darüber hinaus aber erhebt sich Norbert Schultze an einzelnen Stellen zu einer besonderen Höhe des Ausdrucks, die für feine künftigen Leistungen im Rahmen etwa der Volksoper berechtigte Hoffnungen zu erwecken ver­mag. DasWiegenlied" erscheint ebenso stimmungs- gebunden wie das Lied des Besenbinders charakte- ristisch. Zu einem musikalischen Höhepunkt, der den vorgesetzten Rahmen der Kinderoper sprengt, wächst sich die Liebesszene des jungen Paares aus. Hier ist der Zauber der Heide ebenso eingefangen wie das tiefe Empfinden, das die beiden jungen Menschen durMtrömh dir sthöns melodisch» Avis

verbindet sich mit schwelgendem Wohlklang der Stimmen. z

»

Die Inszenierung dieser Over fordert vom Spiel- (eiter ein ungemein feines Takt-, man möchte fast sagen, Fingerspitzengefühl. Denn es ist nicht leicht für einen Erwachsenen, den das Kinderherz tref­fenden Ton zu finden, ohne dabei kindisch ober gar lächerlich zu wirken Max Schwarze vom Deut­schen Theater in Wiesbaden als Gast ließ die Märchensphäre in ihrer Unbekümmertheit so sich er­schließen, daß selbst der Erwachsene von ihr ge­fangen werden konnte. Frei von Uebertreiblmgen entwickelte sich das Geschehen in gelöster Natürlich­keit, dabei ebenso bedacht in der Gruppierung und Durchdrinaung der Massenftenen, dem Auge an­ziehende Bilder zu geben. Die innere Bewegtheit und Gliederung der einzelnen Szenen geschah im engsten Kontakt mit dem Musikalischen und her zeichnerische Charakter wurde rhythmisch, plastisch in Mimik und Gebärde umgesetzt. Es gelang der Spielleitung die meist vordergründige Handlung da, wo die Szene es gestattet, mit durchbrechendem Empfinden zu füllen und die Figuren des Spieles in ihrer Menschlichkeit erleben zu lassen.

Berechtigten Anteil an der Wirkung des Spiels hatte Karl Löffler mit feinen schönen stimmungs- kräftigen Bühnenbildern, die durch die Beleuchtungs- führung (Remigius Konen) in ihrem Stimmungs­wert vertieft und gesteigert wurden. Die Tanz­gruppe (Irmgard T r ö m e l) bereicherte das bunte anziehende Geschehen organisch sich eingliedernd und zu eigenen Werten herauswachsend, zumal im fünf­ten Bild bei der Blumenparade. Die Musik in ihrer charakteristischen Instrumentation fordert ebenso herzhaftes Zugreifen wie feines Nachgeben, den Stimmungen folgend. Dem entsprach Otto Söll- n e r mit unpassendem Empfinden Er musizierte mit Frische unbx lebendigem Impuls und auch mit Schlagfertigkeit, allerdings nicht ohne leichte Schwan­kungen des 'Einvernehmens zwischen Sänger und Orchester.

Die große Zahl der Darsteller folgte sichtlich dem einheitlichen Ziel der Spielleitung. Jeder gab das ihm Zustehende, so runbete sich das Ganze zur geschlossenen Einheit. Kontrastreich waren die beiden Könige abgeprägt: wohl standesbewußt, würdevoll und doch wieder so menschlich nahe- kommend in seiner Einsamkeit und in seinem väterlichen Fühlen war König Klaus (Bern- hach SLmitz). urwüchsig nutfin in der Trink'

szene, machtvoll gebieterisch in der Stimme. Als armer König erschien Harrn G r ü n e k e , willig er« geben in sein Schicksal, echt in Haltung und (Be* bärbe, gesanglich sickstpointlert einfügend. Als Spiel* mann leitete Gustav Bley die Geschicke, ein liebe« voller Freund der Kinder wie auch stets bereiter, menschlich teilnahmsvoller Helfer der Großen. In musikalischer- Frische und Ausgeglichenheit veran« schaulichte er seinen Part mit Leichtigkeit der Ton­gabe und fühlender Innigkeit des Klanges.

Das Natürliche, Kindliche, Unerfcbloffene der Erika wurde durch Liesel Schröter-Beckers sehr fein erfaßt, warmes Empfinden strahlte aus ihrer Stimme in der finnig und schön gelungenen Liebes* fzene. Den Roderich gab Kurt K a n i e ck (Stadt- tbeater Pforzheim) naturburschenhaft, lebendig tmb gewitzt Seine Stimme kam nicht in dem erwünschten Format zur Geltung. Als Königin Margarete zeigte Ilse Win dold warme Mütterlichkeit; den Besen- binber erfüllte Gustav Brunn mit charakteristi­scher Note. Die streitbaren Ammen wurden sehr nlastisch verkörpert durch Cilly M a u e r unb Martha Neuhausen.

Die frohe beschwingte Sphäre der Bühne ariff halb auf bie Zuschauer über, und die Großen fühl- ten sich wieder jung unb bankten mit herzlichem Beifall. Dr. Hermann Hering.

Tier Fähnrich.

Der Fähnrich Heinrich Foveaux, der mit dem Honv^b-Infanterieregiment Nr. 29" zu Beginn des Weltkrieges ins erste Gefecht kam, merkte dabei, baß die noch unerfahrene Mannschaft unter dem serbischen Feuer ihre Ruhe verlor und zu hastig und ohne zu zielen schoß. Sofort erhob er sich und stand aufgereckt zwischen den Schützen wie auf dem Eremierplatz, als übte er dort die Schwarmlinie ein. Wie er es Hundermal im Frieden getan, ref er auch hier die Soldaten mit Namen an, befahl, den Gegner ordentlich aufs Karn zu nehmen, lang­sam abzubrücken unb bas Gewehr nicht zu ver« reißen, und gab ihnen mit solchen altgewohnten Worten Mut und Zuversicht zurück Ihr nun treff­sicheres Schießen leitete er auch weiterhin aufrecht und schien lange Zeit gefeit zu fein gegen dis ser­bischen Kugeln, bis ihn endlich doch eine nieder« warl. Da rief er, im Sturze noch die Kämpfenden aufpeitühenb unb bem Sieg verschworen:Seht ihrs, Ungarn, wie lang die da drüben brauchen, um einen Mann zu treffen, der wie eine Scheibe öehU* Heinrich AUisd°