Ausgabe 
24.1.1941
 
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vße Netz mit ganz kleinen Silberstreifchen be­ipickt vorfinden Es sind Sardinenfischer. Wie ein Silberstrom ergießen sich die winzigen Fisch­lein aus dem Netz und werden in einen großen Korb geschüttet. Den mißmutigen Gesichtern der Äscher entnehmen mir, daß der Fang sie nicht be­friedigt hat. Und erneut werden die Boote klar ge- | macht, es geht wieder hinaus, die Arbeit beginnt von neuem.

Am anderen Morgen machen wir eine Rundfahrt über die Höhen von Genua und kommen bei dieser Gelegenheit auch zu dem berühmtenCampo Santo", dem Friedhof von Genua, der am Berg­abhang ansteigend angelegt ist. Dieser Friedhof steht dem Cimitero Monumentale von Mailand an Pracht und Größe nicht nach, auch hier wie dort prachtvolle Denkmäler in Marmor gehauen, die durch den terrassenförmigen Aufbau es sind über 350 Treppen ganz besonders schön zur Geltung kommen.

In der Stadt sind die herrlichen Paläste beson­ders interessant, die, wie uns erklärt wird, in der Hauptsache aus der künstlerischen Hand eines Schü­lers von Michelangelo, Galeazzo Alessi, stammen.

(Fortsetzung folgt.)

HHetneinM M krall W Steuöe

Sportamt KdF.

Heute, Freitag, von 16 bis 17 Uhr: Kindergymnastik

Schillerschule, Schillerstraße. Anmeldungen im Kurs. Schwimmen

von 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr im Dolksbad für Männer und Frauen.

Georg Becker 80 Lahre alt.

Der in Gießen und weit darüber hinaus be­kannte Bauunternehmer Georg Becker in Gie­ßen kann am morgigen Samstag in bester körper­licher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Wurde schon vor zehn Jahren bei seinem 70. Geburtstag in diesen Spalten gesagt, daß man dem Jubilar trotz seines arbeitsreichen Lebens die sieben Jahrzehnte nicht im geringsten ansehe, so ist die gleiche Feststellung auch jetzt nach einem wei­teren Jahrzehnt zu machen.

Seine umfangreiche berufliche Tätigkeit in der Bauwirtschaft hatte ihn nicht gehindert, seine Kraft in langjähriger Tätigkeit auch für ehrenamtliche Aufgaben einzusetzen. Der evangelischen Gesamt­gemeinde in Gießen stand er während langer Jahre bei den Beratungen von Bauangelegenheiten mit seinem umfassenden fachlichen Wissen und Können zur Seite. Eine Reihe von Jahren stellte er seine Kraft auch in dem früheren Gießener Stadtrat un­serer Stadt ehrenamtlich zur Verfügung, und auch hier leistete er wertvolle Dienste. Nachdem am 1. Februar 1926 in Gießen eine Handwerkskammer- Nebenstelle eingerichtet worden war, übernahm er den Vorsitz und damtt die Leitung dieser Einrich­tung der Handwerkskammer, um auf diesem Wege dem Handwerk im Gießener Bezirk ein guter Be­treuer und Helfer zu sein. Mehrere Jahre lang war er ferner stellvertretender Vorsitzender der Hessischen Handwerkskammer in Darmstadt. Nach jahrelanger Mitarbeit trat er von diesen Aemtern zurück, um sich dann nur noch seinen eigenen beruflichen Auf­gaben zu widmen.

Sein Wirken im Dienste der Allgemeinheit, ins­besondere des Handwerks, wird dem Jubilar eben- so unvergessen bleiben, wie seine vielfältigen Be- Ziehungen zu weiten Kreisen der Volksgemeinschaft in unserer engeren Heimat, in denen ihm allge- meine Wertschätzung dargebracht wird. Dem Jubi­lar gelten zu seinem morgigen 80. Geburtstage und zugleich für einen weiteren schönen Lebensabend auch unsere herzlichen Wünsche.

Gietzen-Wieseck.

Unsere Mitbürger Heinrich Deibel IX., Land­wirt, und Ehefrau Margarete, geb. Reuter, Alten- Busecker Straße 2, können am 25. Januar bei guter Gesundheit und reger Anteilnahme am Zeitgeschehen das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Der Mann ist 1866 und die Frau 1868 hier geboren. Dem Jubelpaar herzlichen Glückwunsch.

Ortszeit für den 25. Januar.

Sonnenaufgang 9.19 Uhr, Sonnenuntergang 17.56 Uhr. Mondaufgang 7.11 Uhr, Monduntergang 16.19 Uhr.

Oie Sozialausgleichsabgabe.

Die Vorschriften über die Erhebung der Sozial­ausgleichsabgabe waren bisher nur auf Polen an­zuwenden. Durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen haben nunmehr auch die Juden die Sozialausgleichsabgabe in Höhe von 15 v. H. des Einkommens zu entrichten. Arbeitgeber, die jüdische Arbeitnehmer beschäftigen, sind verpflichtet, die So­zialausgleichsabgabe zusammen mit der Lohnsteuer vom Arbeitslohn einzubehalten und abzuführen. Nähere Einzelheiten ergeben sich aus der Bekannt­machung des Finanzamts im heutigen Anzeigenteil. Es empfiehlt sich für die Arbeitgeber, die besonders herausgegebenen Tabellen für die Lohnsteuer einschl. der Sozialausgleichsabgabe zu beschaffen.

Oie Ost-Gteuerhilfe-Lerordnung.

Die Ost-Steuerhilfe-Derordnung bringt ab 1. Ja­nuar 1941 für die Arbeitnehmer in den eingeglie­derten Ostgebieten weitgehende steuerliche Vergünsti­gungen. Die Vergünstigungen gelten auch für die Arbeitnehmer, die ihre dauernde Arbeitsstätte in den eingegliederten Ostgebieten, im übrigen aber ihren Wohnsitz noch im anderen Reichsgebiet haben. Die den Arbeitnehmern zustehenden steuerfreien Be­träge sind von den Arbeitgebern bei Berechnung der Lohnsteuer zu berücksichtigen, ohne daß es eines Eintrags des zuständigen Finanzamts auf der Lohn­steuerkarte des Arbeitnehmers bedarf. Näheres er­gibt sich aus der Bekanntmachung im heutigen An­zeigenteil.

Oie Versorgungslage im Rhrin-M^in-Gebiei.

Die allgemeinen Anlieferungen an Rindern, Schweinen und besonders an Kälbern waren in dieser Woche so reichlich, daß nicht nur der Bedarf überall hinreichend gedeckt wurde, sondern Kälber und Schweine für die Reichsstelle für Tiere heraus­genommen werden konnten. Auch in der kommen­den Woche wird die reichliche Belieferung anhalten.

Der Bedarf an Vollmilch und übrigen Milch- erzeugnisien konnte voll gedeckt wenden; bei der Abgabe von entrahmter Frischmilch mußten jedoch Kürzungen vorgenommen werden.

Die.Kartoffelversorgung erfolgt infolge der um­fangreichen Einkellerungen nach wie vor reibungs­los. Der geringe Bedarf der Zivilbevölkerung in den Großstädten kann aus den Lagern des Han­dels ohne weiteres sichergestellt werden.

Auf dem Obstmarkt sind Aepfel weiterhin so reichlich angeboten, daß es möglich, ist, nunmehr Auslagerungsposten in andere, weniger gut oer? sorgte Gebiete umzuleiten. Die gute Versorgung mit Aepfeln wird auch im Februar noch anhalten. Während Apfelsinen nur in kleineren Posten her­eingelangten, sind italienische Zitronen ausreichend am Markt vertreten. Auch in der Gemüseversorgung

konnten durch Zufuhren von Kopfkohl aus Schles­wig-Holstein und notwendig gewordene Auslage­rungen der Bedarf im großen und ganzen gedeckt werden.

Zurückstellung ländlicher Haus- wirtschastslehrlinge vom Arbeitsdienst.

Auf Veranlassung des Reichsbauernführers ist die Frage der Einberufung von ländlichen Hauswirt- ' lchaftslehrlingen zum Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend vom Reichsarbeitsführer geklärt worden. Danach werden Lehrlinge zum Reichs- arbeitsdienft grundsätzlich soweit es die Belange des Reichsarbeitsdienstes zulassen erst nach Be­endigung der Lehrzeit einberufen. Lehrlinge, die in der Zeit des Aufrufes in der Landwirtschaft tätig sind und sich über ihr Lehrverhältnis ausweisen, sollen demnach unter diese Regelung und werden von der Ableistung der Dienstpflicht bis nach been­digter Lehrzeit zurückgestellt.

Zwei Todesurteile vollstreckt.

LPD. Darmstadt, 23. Jan. Die Justizpresse­ftelle teilt mit: Am 23. Januar 1941 ist der am 17. Juli 1917 in Kriegfeld, Kreis Kirchheimbolanden, geborene Adolf Brand hingerichtet worden, den das Sondergericht in Darmstadt als Gewaltverbre­cher und Volksschädling zum Tode und zum dauern­den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt hat. Der arbeitsscheue und mehrfach vorbestrafte Brand hat unter Ausnutzung der Verdunkelung ver­sucht, eine alloinreisende Frau aus einem fahrenden Zug zu werfen, um ihr Gepäck rauben zu können. Gestellt, hat er seine Verfolger mit geladener Pi­stole bedroht.

Am 23. Januar 1941 ist der am 13. April 1905 in Offenbach a. M. geborene Georg Christ hingerich- tet worden, den das Svndergericht Darmstadt als Volksschödling zum Tode sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt hat. Der Verurteilte, ein 13 mal vorbestrafter ge­fährlicher Gewohnheitsverbrecher, hat sich neben an­deren Straftaten unter Ausnutzung der Verdunke­lung als Einbrecher betätigt.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 23. Jan. Es notierten je 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45 bis 46,5, b) 40 bis 42,5; Bullen a) 43 bis 44,5, b) 40 bis 40,5; Kühe a) 4L5 bis 44,5, b) 38 bis 40,5, c) 32 bis 34,5, d) 18 bis 25; Färsen a) 44,5 bis 45,5, b) 41 bis 41,5; Kälber a) 59, b) 55 bis 59, c) 45 bis 50, d) 35 bis 40; Hümmel b2) 50 bis 51, c) 38 bis 44, d) 25; Schafe a) 41 bis 44, b) 33 bis 37, c) 20 bis 29; Schweine a) 57,5, bl) 57,5, b2) 56,5, c) 54,5, d) 51,5, e) 49,5, gl) Sauen 57,5. Marktverlauf: alles zugeteilt.

gang der Spiele des kommenden Sonntags erwor« ten, die folgende Paarungen bringen:

Tv. Lützellinden Tv. Garbenheim Tv. Katzenfurt Tv. Hochelheim

Lützellinden ist sich zweifellos der Größe der Lus- gabe, die ihm diesmal zufällt, bewußt, und es roifo seinerseits alles tun, um ehrenvoll abzuschneiden. Auf der anderen Seite weiß auch Garbenheim, daß es im Falle eines Punktverlustes endgülttg ausge, schaltet ist. Auch Katzenfurt fällt diesmal eine wich­tige Aufgabe zu. Es kann Garbenheim und Dorn- Holzhausen Wegbereiter sein, wenn es gelingt, Hochelheim eine Niederlage beizubringen. Daran,st aber nach Lage der Sache kaum zu denken. Denn man darf annehmen, daß sich Hochelheim bewußt ist, was ihm bevorsteht, und daß es deshalb mit aller Kraft nach einem günstigen Ergebnis streben wird.

*

Das erste Entscheidungsspiel um den Aufstieg |n die Klasse I wird zwischen

Tv. Lang-Göns und Sp. G. Gardenteich in Lang-Göns ausgetragen. Beide Mannschaften sind als sehr stark anzusprechen und haben bis jetzt beständige Leistungen gezeigt. Ob es ihnen gelingt, sich auch diesmal voll einzusetzen und ihre stärkste Vertretungen mobil zu machen, ist nicht zu sagen. Auf jeden,Fall kann angenommen werden, daß sie alles tun werden, um die Oberhand zu behalten

Jugendspiele:

Tv. Heuchelheim Mtv. Gießen 1.

Tv. Klein-Linden Sp. G. Großen-Buseck Tv. Lich Tv. Watzenborn-Steinberg To. Hausen Sp. G. Garbenteich Wetzlar-Niedergirmes Tv. Katzenfurt 1 Tv. Atzbach Tv. Krofdorf Tv. Oberkleen Tv. Hochelheim

Bei der Jugend gibt es diesmal eine ganze Anzahl wichtiger und interessanter Treffen. Irgendwelche Voraussagen zu treffen, wäre verfehlt, weil nicht feststeht, ob und inwieweit sich die Jungens mit den Platzverhältnissen abfinden werden.

Lehrgang für Uebungsleiter auf dem Hokerodskopf.

Da der Schisport in den letzten Jahren starken Aufschwung genommen hat, ist es erforderlich, daß für den nötigen Nachwuchs von Uebungsleitew und Fachwarten gesorgt wird. Zu diesem Zwecke wird am kommenden Samskagnachmtttag und Sonntagmorgen auf dem Hoherodskopf ein Lehr­gang für Uebungsleiter, Kampfrichter, Zielrichter usw. durchgeführt. Die Durchführung des Lehr­ganges liegt in Händen von Bezirksfachwart für Schilauf Fritz Dörfner. Dieser hat an der 3. Reichsarbeitstagung des Fachamtes Schilauf auf dem Schneefernerhaus (Zugspitze) vom 20. bis 24. November 1939 teilgenommen. Er wird die Richtlinien, die ihm vom Reichsfachamt mitgegeben wurden, an seine Kameraden weitergeben.

Kurze Sportnoiize«.

Zwei Militär-Patrouillen entsendet Deutschland zu den Schi-Weltmeisterschaften nach Cortina d'Ampezzo. Mannschaftsführer ist Oblt. Gaum. An der Spitze der ersten Mannschaft steht Oblt. Meergans, die zweite wird von Oblt. Pössinger angeführt. *

D i e deutschen Schimeisterschaften wurden am Donnerstagnachmittag in Spindelmühle im Beisein des NSRL.-Stabsleiters Guido von Mengden mit der feierlichen Flaggenhiffung er­öffnet. Bei einem Probespringen derKombinier­ten" auf der Klausengrundschanze bewies Welt­meister Gustl Berauer seine prächtige Form.

Der 5. Turnländerkampf zwischen Deutschland und Ungarn wird am30. März in Stuttgart durchgeführt. In allen bisherigen deutsch-ungarischen Begegnungen siegte Deutschland.

Deutschlands Handballspieler konn­ten in Göteborg vor 5000 Besuchern den Hallen- länderkampf gegen Schweden knapp mit 15:14 (6:4) Toren siegreich gestalten. Es war ein aufregender Kampf, in dem von beiden Mannschaften hervor­ragende Leistungen gezeigt wurden. Dieser Sieg ist der vierte in ununterbrochener Folge über die in der Halle überaus spielstarken Schweden.

SJl.-^pOTt

Nächsten Sonntag keine Kriegsmeisterschastsfpiele.

Nach einer Mitteilung des Bezirksfachwarts für Fußball fallen am kommenden Sonntag alle Fuß­ballspiele im Bezirk Gießen-Wetzlar aus.

Lehrgang im Radballspiel des NSRL

In der Turnhalle des To. von 1846 fand kürzlich der erste Lehrgang im Radballspiel statt. Dem Leiter des Lehrganges Gottlieb Häßler stellten sich 8 Mann­schaften. Diese wurden von den Vereinen Aßlar, Wetzlar, G.R.V. 1885 mit je 2 Mannschaften, sowie Krofdorf und Wieseck mit je 1 Mannschaft gestellt. Es wurde jedesmal in Serien gespielt. Jede Mann­schaft gab ihr bestes und nahm gerne die Belehrun­gen des Lehrgangleiters sowie des Kampfgerichtes an. Seriensieger wurden die beiden Mannschaften der G.R.V. 1885.

Am Sonntag wurden dieselben Spiele in Wetz­lar-Niedergirmes wiederholt. Hieran nahmen sämt­liche Mannschaften teil. Es gab wieder schöne Kämpfe. Die Mannschaften waren wieder recht gut in Form. Zum ersten Male waren auch die Jugend- manNschaften vertreten. Hier waren es die Mann­schaften aus Krofdorf und Wetzlar, die schon recht gutes Können verrieten.

Am kommenden Sonntag, 26. Jan., findet der Lehrgang in der Turnhalle des Tv. von 1846 in

Gießen seinen Abschluß. Sämtliche Mannschaften werden wieder daran teilnehmen. Diese Spiele wer­den in Punktspielen ausgetragen, um so die beste; Mannschaft aus dem Lehrgang zu ermitteln. Gleich-1 zeitig werden diese Spiele über die Spielstärke der Mannschaften, die 8 Tage später in Aßlar die Be- zirksmersterschaften austragen, Aufichluß geben.

Oer kommende Handballsonntag.

Die Tabelle der Handballbereichsklasse zeigt gegenwärtig folgenden Stand der Spiele:

1. Tv. Hochelheim 12:4

2. Tv. Dornholzhausen 14:6

3. Tv. Garbenheim 12:6

4. Tv. Kirchgöns 10:8

5. Tv. Katzenfurt 8:10

6. Tv. Lützellinden 6:12

An der Spitze steht also nach wie vor Hochelheim, bas allerdings noch zwei Spiele auszutragen hat. Dornholzhausen ist . fertig, wahrend alle übrigen Teilnehmer kurz vor dem Abschluß stehen (noch je 1 Spiel). Hochelheim muß beide ausstehenden Tref- fen gewinnen, um. Sieger zu werden. Tritt noch einmal ein Punktverlust ein, so werden Entschei­dungsspiele notwendig, vorausgesetzt, daß auch Gar- benheim sein Spiel gegen Lützellinden gewinnt. Dornholzhausen aber wird dann in jedem Falle noch ein Wort mitsprechen.

Man darf daher mit einiger Spannung den Aus-

Umwege des Herzens

Roman von H.H. Hansen

Copyright by Prometheus «Verlag Dr. Eichener Groben teil

7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Großartig. Wir müssen also die Waffe suchen, die zu dem Geschoß paßt."

Sa. Aber nehmt euch in acht, denn es gibt eine ganze Menge von der Sorte."

Wird gemacht. Bielen Dank und Schluß jetzt."

Bruchhausen kehrte in den kleinen Saal zurück und berichtete fast wörtlich das geführte Fernge­spräch.

Also Hauptaugenmerk auf einen unbearbeiteten Militärkarabiner legen, meine Herren." Der Staats« anwalt wandte sich an die Versammelten.Wir sind achtzehn. Fünf Haussuchungen finden statt. Ent­fallen auf jede einzelne drei Mann. Bei der Haus­suchung in den Fällen der oorbeftraften Korn und Schulze werden Herr Kriminalrat Doktor Bruch­hausen und ich anwesend sein. Ein Mann bleibt hier zur Entgegennahme von Ferngesprächen."

Die Aufteilung der kleinen Trupps war schnell erledigt. In drei Dörfern mußten die Haussuchun­gen vorgenommen werden. Für jedes wurde einer der anwesenden Gendarmen als Führer mitgegeben. Eine Viertelstunde Jpäter waren alle unterwegs.

*

Die nächsten Erieignisse folgten Schlag auf Schlag. Kurz nach sechs Uhr begannen bei den fünf verdäch­tigen Personen die Haussuchungen. Die beiden erft- genannten Tlänrner der Liste wohnten in dem Dorfe, das der Mordstelle zunächst lag, und in dem die Polizei ihr Quartier aufgeschlagen hatte. Staats­anwalt und Kriminalrat begleiteten die drei für die Haussuchung bestimmten Beamten zu dem nur we­nige Minuten von dem Gasthaus entfernt liegenden Hause des Tagelöhners Wilhelm Schulze. Er war zu Hause und gerade damit beschäftigt, seinen Ka­ninchen Futter zu geben, als die Beamten bei ihm auttauchten.

Der Ortsgendarm nahm zunächst das Wort. Schulze, HaussuchungSbefehl der Staatsanwalt­schaft. Deffnen Sie uns alle Türen und Behältnisse."

Der Mann richtete sich mit bedächtiger Langsam­keit aus feiner gebückten Stellung hoch. ,Mha, der Mord. Ich habe nichts damit zu tun. Ich habe reine Hände." Sein Blick fiel auf Fecht und Bruchhausen. Sie sind wohl hohe Herren aus Berlin? Es ist eine Schande, daß man einen- ehrlichen Menschen, der nur aus Not und Hunger neunzehnhundertzweiund- dreißig einmal ein Reh geschossen hat, jetzt gleich für einen Mörder hält."

Bruchhausen mischte.sich ein.Lassen Sie erst mal das viele Reden, Mann. Wir tun nur unsere Pflicht."

Schulze ging voran, öffnete alle Türen und machte den Eindruck, als habe er das allerbeste Gewissen. Doktor Fecht ließ ihn nicht aus den Augen, während die anderen sich damit beschäftigten, Zimmer für Zimmer, Schrank für Schrank, Stallgebäude, Keller, Bodenräume und Heuboden gründlich zu durchstö­bern. Dielen und Wände wurden abgeklopft, um Hohlräume festzustellen. In die Schornsteine leuch­tete man mit Stablaternen. Nach einer Stunde zog der Staatsanwalt Bruchhausen zur Seite.

Ich glaube kaum, daß hier etwas gefunden wird. Der Mann ist dafür zu ruhig."

Scheint mir auch so. Aber abbrechen möchte ich die Haussuchung noch nicht."

Natürlich nicht. Gehen wir inzwischen lieber mal zu Korn."

Sie verließen das Grundstück und wanderten die Dorfstraße hinunter. Etwa hundert Meter hinter den letzten Häusern nach dem Walde zu lag das fragliche Gehöft.

Als die beiden Herren den Hof betraten, war die Haussuchung bereits in vollem Gange. Ein Gen­darm und zwei Beamte hatten die Durchsuchung von Stall und Scheune bereits beendet und wandten sich jetzt dem Wohnhause zu. Korn besaß einige Morgen Land und leistete für ein größeres Gut in i der Nähe noch Arbeit als Gespanrttührer. Er hätte sorglos, wenn auch bescheiden leben können, so daß es allen Bewohnern des Dorfes immer ein Rätsel war, warum der Mann die Straftaten begangen hatte.

Bruchhausen beteiligte sich mit dem Etter des ab en erfahrenen Draktikers sofort an der weiteren Ar­beit, während Doktor Fecht auf Kom zuging.Na.i haben Sie ein reines Gewissen? Cs ist Ihnen doch bekannt, warum die Haussuchung stattfindet?" '

Der Mann sah chn von der Seite an.Mord? Nee, Gustav Korn läßt von so etwas die Finger. Zuschlägen mal, ja, das geht noch. Aber gleich um« bringen?" Er schüttelte den Kopf.

Dem Staatsanwalt gefiel weder Haltung noch Ge­sicht des Menschen. Es war die typische verschlagene und brutale Physiognomie, wie sie gewalttätige Ver­brecher auszeichnet.Wo waren Sie denn vergan­gene Nacht?"

Im Bett, nur im Bett, Herr Kommissar."

Ich bin Staatsanwalt."

Entschuldigen Sie, das konnte ich Ihnen nicht an sch en.

Wann haben Sie sich denn schlafen gelegt?"

So um elfe herum."

Und wann sind Sie aufgestanden?"

Um fünf. Ich muß doch meine Kuh füttern."

Also waren Sie kurz vor fünf im Stall?"

Ja, das wird wohl so sein."

'Wird wohl sein? Das müssen Sie doch ganz positiv wissen."

Was positiv ist, weiß ich nicht. Wenn's was ge« gen's Gesetz ist, habe ich nichts damit zu tun."

Anscheinend umging Korn eine präzise Antwort. Doktor Fecht folgte mit ihm den Beamten, die keinen Winkel ohne Untersuchung ließen. Die Zeit schritt langsam vorwärts. In der Küche saß eine Frau mit verängstigtem Gesicht und hatte drei Kin. der bei sich, von denen das älteste vielleicht vier­zehn, das jüngste zehn Jahre zählen mochte.

'Nach einer Stunde hatte man die Parterreräume verlassen und ging nach oben, wo drei kleine Kam­mern lagen. Die Zimmer brachten keinen Fund. Bruchhausen war es schließlich, der eine Entdeckung machte. Er hatte sorgsam die ganzen Balken. Bret­ter und Latten des Daches abgeklopft und dabei einen Balken gefunden, der einen anderen Klang beim Draufichlagen von sich gab als die übrigen.

.Kommen Sie mal her, Korn."

Doktor Fecht beobachtete, wie der Mann zufam« menzuckte und hielt sich dicht an seiner Seite.

Als sie bei dem Kriminalrat angekommen waren, fragte dieser:Was ist denn mH dem Balken los? Er klingt so hohl."

Korn antwortete schnell: ,.Da werden wohl die Würmer oder der Schwamm drin sein."

Nein, dann klingt es dumpf, aber nicht hohl." Der Kriminalrat untersuchte den Dalken Zoll für

Zoll, konnte jedoch keinen Ritz und keine Deffnung entdecken. Die Angelegenheit kam ihm aber so ver­dächtig vor, daß er beschloß, von der Dachseite her den Balken weiter zu untersuchen. Zwei Beamte nahmen Korn in die Mitte, und der ganze Truvp verließ das Haus. Auf dem Hose wurde eine Leiter allgestellt, und Bruchhaufen kletterte zum Dach Kaum war er oben angelangt, als ihm ein Ruf der Ueberrgschung entfuhr. Der Balken hatte an seinen unteren Ende, das zwischen Ziegeln und Hausmauer etwas vorstand, einen Verschluß, der bei näherem Zusehen deutlich erkennbar war.

Den Mann feschalten. Fluchtversuch vereiteln/ Bruchhausen rief die Befehle von oben herunter.

Wird gemacht, Herr Kriminalrat", antwortete der Gendarm.

Reichen Sie mir mal einen Hammer hinauf."

Korn stierte gläsern nach oben und war trotz seiner gegerbten Haut bleicher geworden. ,Lch mache Ihnen den Balken schon auf, Herr Kriminalrat."

Nee, Korn, das machen wir schon lieber selber.' Ein Polizist stieg die Leiter empor und gab Bruch' häufen einen Hammer. Nach ein paar Schlägen fiel ein fünfzehn Zentimeter Durchmesser aufweisen­des Stück Holz aus dem ausgehöhlten Balken. Der Kriminalrat fuhr mit dem Arm hinein und brachte einen in Sackleinwand eingeschlagenen langen Ge­genstand hervor. Schnell stieg er die Leiter herunter. Na. Korn, was ist denn das?"

Ein Gewehr", gab der Mann zu.

Soso. Na, da gehn wir mal in Ihre Stube und besehen uns den Fund."

Als fit alle in der Wohnstube standen, legte Bruchhausen seinen Fund auf den Tisch und wickelte ihn sorgfältig aus. Zum Vorschein kam eine Pirsch- büchfe, für jeden ehemaligen Soldaten ganz offen­sichtlich ein umgearbeiteter Militärkarabiner.

Doktor Fecht fixierte Korn scharf.Mit einem solchen Gewehr ist in her vergangenen Nacht zwi­schen vier und sechs Uhr früh der Pächter der hie­sigen Jagd, der Berliner Kapellmeister Kühlitz, er« schossen worden. Wo sind Sie um diese Zeit wesen?"

Im Sttll beim Füttern."

...fraben Sie dafür einen Zeugen?"

. Nein. Meine Frau und die Kinder schliefen ba noch."

(Fortsetzung folgt.)