erleichtert den Einkauf! Wenn ihr int Laden einmal warten müßt, so bedenkt, daß viele Kaufleute und Verkäufer einberufen sind.
Eine Warnung für Ausflügler.
Spaziergänger und Wanderer können jetzt immer wieder die Wahrnehmung machen, daß hier und dort im Walde oder dicht am Waldrand von Ausflüglern Feuer zum Abkochen oder Effenwärmen angezündet wurden, die oft größere Flächen entzündet und in Mitleidenschaft gezogen haben. Man trifft sogar Feuerherde an. die noch nickt eijunol abgelöscht sind und noch Glut hinterlassen haben, die bei einem Windstoß schweren Schaden anrichten kann. Obwohl das Abkochen im Wald oder am Waldrand wegen der damit verbundenen Feuersgefahr streng verboten ist und schwer bestraft wird, gibt es verantwortungslose Menschen, die sich über diese Anordnung Hinwegsetzen und nach der Rast ihres Weges gehen und das Feuer, das „ja doch ausgeht", einfach sich feLbst überlassen. Wer leichtsinnig unseren Wald in Gesahr bringt, begeht ein Verbrechen. Dabei mag erwähnt sein, daß auch das Anzünden vo n Gras flachen an Rainen, B ahndämmen ufw. verboten ist.
** Beim Spaziergang auf der Straße vom Tode ereilt. Am gestrigen Donnerstag gegen mittag befand sich der betagte Invalide Hemrich G r o ß h a u s. der in einem Altersheim in Frankfurt a. M. wohnte und sich zu Besuch in Gießen aufhielt, auf einem Spaziergang in der Marburger Straße. Plötzlich brach der bÄ)auerns- werte Mann zusammen und verstarb auf der Stelle. Ein herbeigerufener Arzt stellte einen Herzschlag als Todesursache fest.
** Zappel-Philipp im Luftschutz- raum. Sie kennen diesen Zeitgenossen? — Rein? — Um so besser, er wird durch die Lücke, die er hinterlaßt, mehr als ersetzt; denn er ist ein Störenfried, ein Lustschutzekel, einer, der uns durch feine Zappelei, durch feine nervöse Quatscherei auf die Nerven fällt, wenn wir uns im Luftschutz raum aufs Ohr gelegt haben, damit wir am nächsten Tage wieder arbeitsfrisch sind. Bei allem Wohlwollen — Herrn Zappel-Philipp oder fein weibliches Gegenstück mochten wir nicht mehr sehen! Wir begrüßen deshalb seinen Steckbrief in der „Sirene", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluftschntzbundes. Das gleiche Heft illustriert sehr wirksam und augenschem- lich auch die zehn Leitsätze, die das Merkblatt „Front gegen Feuer" zusammensaßt. Lies und lerne, es kommt auch aufchich an!
Licher Bank.
Lich , 22. Mai. Die L i ch e r B a n k e. G. m. b. H. hielt am Mittwochnachmittag in der „Stadt Gießen" chre diesjährige sehr gut besuchte Generalversammlung ob. Der Jahresabschstiß für 1940 zeigt ein Bild sichtbarer Aufwärtsentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr. Es hat sich sowohl der Gesamtumsatz, als auch die Bilanzsumme wesentlich erhöht. Besonders der Sparvertehr erfuhr einen bedeutenden Zuwachs; 203 Sparkonten wurden neu eröffnet, so daß zu Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres 2312 Sparkonten verwaltet wurden. Au<y im Giro- und Kontokorrentverkehr ist eine wesentliche Erweiterung des Geschäftsverkehrs festzustellen. Dagegen war die Nachfrage nach Darlehen sehr gering, so daß die überschüssigen Gelder des Bankinstituts für die vordringlichen Aufgaben des Reiches durch Kauf von Wertpapieren vorwiegend zur Verfügung gestellt werden konnten. In das abgelaufene Geschäftsjahr fällt auch der Umzug in das von der Stadt angekaufte Haus gegenüber dem Bahnhofsgebäude. Nach Fertigstellung der Umbauarbeiten konnten die neuen Geschäftsräume am 1. Juli 1940 bezogen werden, die den erhöhten Anforderungen des Geschäftsverkehrs nun» mehr weitgehendst entsprechen._________________
Der ReichssporlwMamps unserer Zugend.
t.
Kleine Sportmadels in hängezüpsen
Zum 5. Male wird an diesem Wochenende der Re-ichssportwettkampf der Hiller - Jugend, der in seiner Massenbetelligung die größte sportliche Kund
gebung darstellt, durchgeführt An den verschiedenen Hebungen beteiligen sich HI. und BDM in allen AltersNassen. Auch diese Mädels wollen daran teil-
nehmen. (Schirner-M.)
Millionen werden aufmarschieren ...
Am Samstag und Sonntag stehen Deutschlands Turn- und Spielplätze im Zeichen des Reichssportwettkampfes. Die deutsche Jugend, die seit Beginn des Krieges zusätzlich im Dienst an Volk und Vaterland einen gewaltigen Aufgabenkreis zu erfüllen hat, wird in einer Millionenzahl aufmarschieren, um in einer großen leibeserzieherischen Kundgebung die Forderung nach der Turn- und Sportpflicht aller jungen Deutschen zu verwirklichen. Sie will beweisen, daß chr die körperliche Ertüchtigung heute Sache des Herzens und das Spiel gesunder Körperkräfte zur Grundlage ihrer Lebensführung geworden ist
Es gibt kein schöneres Zeugnis für die Kraft und Unbesiegbarkeit eines Volkstums als diesen Apvell eines starken Geschlechts, das in strahlender Gesundheit Uebgewordene Gewohnheiten seiner Kinderzeit im volkstümlichen Gewand eines leichtachle- tischen Dreikampfes auf dem Sportplatz wiederholl und damll einen Beweis der in ihm lebendigen Kräfte gibt .
Diese Jugend, die sich im Reichssportwellkampf zur Leibesübung bekennt, sieht im sportlichen Wettkampf den besten Weg, Mut und Ausdauer, Bescheidenheit im Sieg und Festigkeit in der Niederlage zu gewinnen. Für sie gilt es, in der Heimat die Tugenden zu erwerben, die Väter und Brüder an den Fronten vorgelebt haben.
Währungsreserven in der Wildflora.
ergab jedoch, daß er noch viel mehr auf dem Kerb» holz und Güter im Werte von über 15 000 RM. unter Ausnutzung der Kriegsverhältnisje gestohlen hatte. Förtsch und verschiedene Helfer und Hehler hallen sich jetzt vor dem Sondergericht zu verant» warten. Die gestohlenen Sachen — Stoffe, Schuhe, Fleischwaren, Spirituosen, Gemüsekonserven. Rauchwaren und Schokolade — waren offen am Tage von der Rampe am Güterbahnhof meist von dem Allhändler Lorenz Barth abgefahren und vorwiegend nach Höchst gebracht worden; sie wurden dann meist an Wirte abgesetzt Bei Förtsch fand man in einer Wäschetruhe zwei Säcke voll mit Stoffen, den Eisschrank gefüllt mit Schokoladervaren, 2000 RM. in bar und einen Schuldschein über 1000 RM Das Geld stammte aus dem Erlös des Diebesgutes, 1000 RM. davon hatte er als Darlehen einem Gewerbetreibenden in Gießen aegeben. Die gestohlenen Sachen waren auch in Ze il s- heim und L o r s b a ch versteckt worden. Wesentliche Vorteile genoß eine Näherin in H ö chst die namentlich mit Kleiderstoffen beliefert wurde Ein Lokal in Höchst war der Treffpunkt, wo das Fuhrwerk anfuhr und die Hehler die Sachen in Empfang nahmen
Förtsch und Barch Handellen als Dolksschädlmge. Ersterer erhiell 6, letzterer 5 Jahre und 1 Monat Zuchthaus, beide je 5 Jahre Ehrverlust. Als gewerbsmäßige Hehler wurden verurteilt die 36jährige Luise Hofmann zu P/3 Jahren «aus, der 45jährige Georg K r a u s e r t zu
,r Zuchthaus und ebenfalls zu 2 Jahren Ehrverlust. Zwei weitere Angeklagte erhielten je 6 Monate Gefängnis.
Schroeinemirft in Homberg
—Homberg (O h m)22. Mai. Der Auftrieb zum gestrigen Schweinemarkt betrug 191 Stüw Ferkel. Für 6-—8 Wochen alte Ferkel zahlte man 25—30 RM., 8—10 Wochen alle 28—35 RM., für 10-12 Wochen alle Ferkel 32-40 RM. Das Geschäft ging flott; alles ausoerkaust.
Das Los hat entschieden.
Zur Enllastung des Frühgemüsemarktes, sowie zur Ergänzung des Küchenzettels, der llotz Ratto- nierung der HauptnahrungsmittA möglichst abwechslungsreich blecken muß, ist starker als bisher auf die Verwendungsmöglichkeiten von Wildkräutern zu Suppen, Gemüsen, Salaten und anderen Gerichten hinzuweisen. Die Wildfrüchte verschiedenster Art bieten daneben die Möglichkeit, für die durch die Frostschäden des Winters 1939/40 auf Jahre hinaus geschmälerten Ernten an Kern- und Steinobst bis zu einem gewissen Grad — vor allem bei der Verarbeitung zu Brotaufstrich, Saft und Kompott — einen in bezug auf ihren Nähr- und Gesundheitswert vollwertigen Ausgleich zu schaffen.
Alle diese Wildpflanzen und Wildfrüchte enthalten Vitamin C in verhältnismäßig großen Menaen. Außerdem sind sie reich an5 nützlichen Mineralstoffen und Nahrsalzen. So erklärt es sich, daß unsere Altvorderen, denen diese Dinge noch nicht bekannt sein konnten, ihnen geheimnisvolle Kräfte zuschrieben.
Das Sammeln der Krauter und Früchte wird vor allem durch Schulen, HI. und BDM. für die Großverpflegungsstellen des Roten Kreuzes und der NSV. erfolgen; auf dem Markt werden sie kaum erscheinen; deshalb müssen die Hausfrauen angeregt werden, auf sonntäglichen Spaziergängen das für ihren Haushall Benötigte zu sammeln.
Dabei sind die Vorschriften des Naturschutzgesetzes, daß keine geschützten Pflanzen zertreten, aus. gerissen und abgepflückt werden dürfen, zu beachten. Saatflächen, bestellte Aecker und Wiesen dürfen nicht betreten werden. Es wachsen genug Kräuter am Feldrain, Wiesen- und Waldrand, an Gräben, auf Schotterhallen und Unland, so daß man auf unsaubere Standorte, wie staubige Straßenränder
unb -gräben verzichten' kann. Man sammle nur junge, gesunde Pflanzen und -teile und ernte nicht alles von einer Pflanze (außer bei ausgesprochenen „Unkräutern"), weil sie sonst in ihrem Bestand gefährdet wird. Zwischen dem Wildgemüse dürfen keine Verunreinigungen liegen, wie Grashalme, Zweige, dürres Laub, Steinchen.
Die günstigste Sammelzeit ist der Nachmittag; denn die Pflanzen dürfen weder tau- noch regenfeucht fein. Die Blüte einer Pflanze beendet im allgemeinen die Möglich kett deren Verwendung. Als Sammeckehäller nehme man Kartons, Buchsen, Körbe usw., weil das Sammelgut nicht gebrücft werden soll. Man breite es zu Hause sofort aus und verwende es möglichst bald, weil es längere Zell nicht aufgehoben werden kann.
Wegen ausreichender Mengen braucht man beim Sammeln von WiDgemüse nicht besorgt zu sein. Die meisten Kräuter kommen zahlreich als „Unkraut" vor. Außerdem verwendet man nur selten ein Kraut allein; am schmackhaftesten und auch bekömmlichsten sind Gerichte aus verschiedenen Kräutern.
Für 15000 Mf. Waren gestohlen
Gülerdlebe und Hehler vor dem Sondergerichk.
Lpd. Frankfurt a. M., 22. Mai. Die Bahnpolizei kam vor einiger Zell umfangreichen Diebstählen im Frankfurter Hauptaüterbahnhof auf die Spur, die auf das Konto des in Unterlieber = bad) ansässigen 37jährigen Güterbodenarbeiterd Karl Förtsch gingen. Förtsch war im August vergangenen Jahres wegen Diebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verurteill worden, well er vier Stoff» ballen gestohlen hatte. Die weitere Untersuchung
Schalke gegen Köln und Rapid gegen DSL.
Die Frage, wie die Paarungen der Meisterschafts- Vorschlußrunde am 8. Juni lauten werden, hat in diesen Wochen die große deutsche Fußballgemeinde stark beschäftigt. Schneller als erwartet, wurde sie beantwortet, denn der Reichssportführer hat bestimmt, daß das Los entscheiden möge. Schalke 04, der Titelverteidiger und fünfmalige deutsche Meister, hat es mit dem V f L. 9 9 Köln zu tun, während das zweite Spiel Rapid Wien — wie schon im Vorjahr — mit dem Dresdner SC. zusammenführen wird. Dabei ist angenommen, daß Schalke und DSC. Gesamtsieger über Hamburger SV. und V/R. Gleiwitz werden.
tim die Gebietsmelsterschast 1941 im H ndboll.
Bann 81 Frankfurt a.M gegen Bann 88 Wehlar.
Am kommenden Sonntag beginnen die Spiele um die Gebietsmeisterschaft. Die Vertreter des Bannes 88 treffen auf den Titelverteidiger des Vorjahres, Bann 81 Frankfurt, in Frankfurt Die Frankfurter verfügen über eine gute Elf, die sich im vorigen Jahre schon den Gebietsmeister erkämpfen konnte. In der Wetzlarer Mannschaft wirken gute und spielerfahrene Kräfte des Gebietsmeisters Lützellinden -mit Hoffentlich ist es den Wetzlarern in diesem Jahre vergönnt, mit etwas mehr Glück in die kommende Runde zu starten. Aufstellung: H. Loh, Lützellinden; 2B. Gumbel, I Lützellinden, R. Weller, Whtzlar; E. Strasheim, I Dornholzhausen, H. Sommerkorn, Hochelbeim H. Brücktpann, Wetzlar; E. Glaum, Dornholzhauien, A. Weber, Lützellinden, W. Engel, Lützellinden, H. Jung, Lützellinden, H. Schmidt, Hörnsheim. Ersatz: W. Luh, Lützellinden.
SjEamelmM.
Boman von Elisabeth -tjolt
25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Wenn er verblüfft war, so ließ er nichts merken. „Sie wollen fort von Frau Luckner?"
Sie überlegte und suchte nach Worten. „Wollen ist nicht der richtige Ausdruck."
Er schattete schweigend den Motor ein. Das goldene Lindenblatt glitt vom Kühler herunter. „Wo fehll's im Haufe Luckner?" erkundigte er sich und steuerte tollkühn über die Kehren abwärts. Die Strafe war naß und unglaublich rutschig.
»Hn sechs Wochen fährt Pola nach Neuyork und nimmt nur Gredlsr und die Jungfer mit. Wozu sollte sie mich also bezahlen?"
„Ich habe nicht die leiseste Absicht, Ihnen eine Abstellung zu verschaffen."
„Warum nicht?"
„Weil Sie die nicht annehmen wollen, die ich Ihnen zugedacht habe", sagte Dr Kempf.
Gerda runzette die (Stirn: „Wahrscheinlich nicht."
„Warum reist Pola übrigens so spät?" wollte er wissen. „Sie wird eine verteufelte Ueberfahrt haben im Dezember."
Gerda zpgerte — „es ist wegen des Films — ,9teDoIution‘. Sie erinnern sich vielleicht."
„Ist denn der noch immer nicht fertig?"
Sie gab sparsam Bericht. Offiziell wurde an der Wendung festgehallen, es sei der Film, der Polas Abreise so ungebührlich hinausziehe. Zu fünfzig Prozent beruhte das auch auf der Wahrheit. Van- roy hatte plötzlich noch einige große Szenen für sich verlangt, hatte sie nach endlosem Hin und Her auch durchgesetzt. Also schnitt man einige fünfhundert Meter Streifen heraus, änderte um, klebte, verdrehte die Bildfolge und gab Vanroy drei weitere Ateliertage zu.
Immerhin hätte Pola Luckner ihren Park in einer knappen Woche vorwegnehmen und dann nach Neuyork fahren können. Das diesjährige Amerikagastspiel aber war eine schwergeborene, hintergründig erftrittene Angelegenheit, der jeder Schwung fehlle. Man war theatermüde drüben.
„Leiermann ist nicht der richtige Mann für Pola", behauptete Kempf, „er arbeitet zu ernsthaft, und Neuyork ist augenblicklich nicht geheuer. Man müßte anders ins Horn blasen. Zum Beispiel der Einbruch. Die geraubten Juwelen!"
„Nein", sagte Gerda hitzig und mar fr den Kopf zurück, „so etwas kann nur ein unmusikalischer Mensch Vorschlägen. Sie haben nie Herzklopfen gehabt, wenn die Luckner in der Toska in ihrer gelben Samtschleppe hereingekommen ist wie eine Löwin, um mit Scarpia abzurechnen. Polas Kunst hat das einfach nicht nötig. Sie wißen nicht, wie das ist---!"
„Nein',, sagte Kempf und hatte ein Lächeln um den schmalen Mund — er lächelte selten — vielleicht wirkte es darum so menschlich und unverbraucht. „Aber ich bekomme Herzklopfen, wenn ich Ihnen zuhöre. Jammerschade, daß Sie so.bürgerlich sind."
Ms der große Wagen an der grauen Flanke der Over vorfuhr, lächelte Gerda ihrem Bealeiter abschiednehmend zu, während er steinernen Angesichts murmelte, er sei absolut nicht geneigt, auf ihren Besitz zu verzichten.
Am fünften Dezember sollte die „Neuyork" mit Pola Luckner an Bord auslaufen. Acht Tage vorher gab Pola »einen Gesellschaftsabend in ihrem Haus, eine ungemütlich großartige Angelegenheit mit vielen offiziellen Persönlichkeiten und rund sechzig Gedecken. Leierwann trug an diesem Aufschwung von Gastfreundschaft schuld. Es war feine Idee gewesen, daß der Fllm „Revolution" in Polas Haus eine Erstaufführung erleben sollte. Gerade für die so schwer in Fluß zu bringende Amerikatournee versprach er sich Reklame davon.
Eine Woche verzweifelter Unterhandlungen mit der „Crema-Produktion", die den Film gedreht hatte, lag hinter ihm.
Man hatte endlich nachgegeben, als er behauptete, der Film gewänne an gesellschaftlicher Bedeutung, wenn die Villa in der Parkstraße die erste Vorführung in erlesenem Kreis übernehme. — Man würde also Polas großes Musikzjmmer auf Kosten der Sie Deringer in einen Kimsaal umge- siallen, den Spannrahmen mit der Leinwand, die Projektionsapparate, zwei Vorführer schicken, die
verstärkte ßeitung legen, die Lautstärke einstellen und die Zeitungen verständigen. Sonst noch etwas?
„Nein", sagte Leiermann genügsam und entschwand.
Mitte November wurde Frau Maurer gekündigt. Nicht Pola tat es, sie schickte Birinsky vor, und der Baron entledigte sich seiner Aufgabe im Handumdrehen. Es tat kaum weh. Birinsky zeigte sich liebenswürdig, er gestand drei Monatsgehalte als Abfertigung zu und gab lobende Phrasen von „glänzend erfüllter Pflicht" und „errungenem Vertrauen" von sich. Gerda begab sich seufzend zu Pola, die auf einem Sofa lag und ihr, ein glitzerndes Licht in den Samtaugen, neugierig ent» gegenschaute.
„Ich habe nichts anderes erwartet", sagte Gerda und öffhete die herabhängenden Hände, „Sie haben ja wirklich keine Verwendung für mich. Schütz wird das Telephon besorgen, und die paar Briefe, dis zu schrecken sind, dafür wird sich schon jemand färben."
Diese Auffassung paßte der Luckner nicht aan^ „Zum Kuckuck, Frau Maurer", sagte sie, ,chaufen Sie nicht glühende Kohlen auf mein Haupt. Ich kann Sie tatsächlich nicht brauchen, aber ich möchte uns beiden den Abschiedsschmerz ein bißchen verzuckern und Ihnen etwas Hübsches schenken — ein Abendkleid oder so etwas. Ich habe nie eine bessere Sekretärin gehabt und werde wahrscheinlich auch nie eine bessere kriegen. Uebrigens muß man die Einladungen für den Film ab end so bald wie möglich cckschicken."
„Heute", sagte Gerda, „ich bin fertig."
„Wieviel Echte werden wir haben?"
„Zu Tisch etwa fünfzig ober fünfundfünfzig — aber nachher zur Vorführung kommen mindestens noch ebensoviel."
„Gott behütet" sagte Frau Luckner zerstreut. „Sehen Sie nur zu, daß genug Stühle da sind—."
In der zweiten Novemberhälste begann es zu schneien. In den Gärten blieb der Schnee schon liegen, auf der Straße aber schmolz er rasch weg unb machte das Pflaster naß. Gerda mußte fetzt fast jeden Tag in die innere Stabt fahren und Polas vielseitigen Wünschen nachrennen. Stundenlang hetzte sie mit kalten Füßen umher. Eines Abends traf sie sich todmüde mit Paul in irgendeinem Cch6.
Sie legte verschiedene Pakete auf verschiedene Stühle und bestellte Tee, „Sehr viel und sehr heiß! Paul", sagte sie, „du bist doch schon viel gereift. Ich frage dich: muß man unbedingt königsblaue Schwebenhandschuhe haben und drei unsichtbare koosische Schlösser an den Schiffskoffern? Wieviel Baskenmützen braucht man für eine Ueberfahrt, und warum muß eine Frau, die auf sich hält, den Morgenspaziergang in Hosen machen? Hier geht Pola nie spazieren und trägt auch nie Hosen Warum ist bas so? Erkläre es mir."
„Keine Ahnung!" Paul war erschüttert. „Ich bin nie drüben gewesen. Uber vermutlich ist so eine Ueberfahrt eine höchst mondäne Angelegenheit. Meine Reisen — —■ , er machte eine Handbewe- gung, die Verdammnis hieß, aber er lachte, und Gerda beneidete ihn, daß er lachen konnte, obgleich ihm von einem vergeudeten Sommer nichts in der Hand geblieben war als die Aussicht, wieder in den Balkan zu gehen. Dort wartete ein Auf» trag in einem bulgarischen Provinznest auf ihn. Gerda war nahe daran, chm Mut zuzusprechen, aber sie sah, er brauchte ihn nicht. Er lachte und behauptete, froh zu sein, daß er überhaupt Arbeit gefunden habe
„Ich habe eine Neuigkeit, Paul." „Erfreulich?"
„Gar nicht! Sie hat mir gekündigt."
Gleich darauf mußte sie sich rolmbem. Paul schien das mächtig zu ärgern. Er bekam ein ganz neues Gesicht, ein Gesicht, bas eigentlich nur aus zwei harten Linien der Stirn und des Kinns bestand, feine Augen waren ruhig und grau wie Eis. „Sie schickt dich weg? Tatsächlich?" '
„Taffächlich. Ich will aber hoffen, daß ich dabei nicht so empört aussah wie du jetzt."
Er verzog mechanisch die Lippen und sttich mit Zwei Fingern die böse Falle Mischen den Brauen fort „Was will dieses Wecksbild eigentlich? Bist du nicht eine glänzende Sekretärin? Wann mußt du gehen? Sofort?7'
Sie beschwichtigte ihn. Von sofort sei keine Rede. Die „Neuyork" fährt am 5 Dezember, bis dahin kann Pola keinen einzigen Menschen ihrer Umgebung entbehren.
(Fortsetzung folgt.)
Für alle grobe Putzarbeit — Steinböden, Fliesen, Becken usw.— sollten Sie jetzt an Stelle von Seife ATA grob nehmen,- es ist der zeitgemäße Reinigüngshelfer für jeden Haushalt.;


