Aeichskriegsflagge auf Förderturm in Sialino.
Sowjetregierung siedelt aus.
Es hat seinen guten Sinn, daß Gebirgsjäger Stalino, eines der wichtigsten Rüstungszentren im Done.zbecken, eingenommen und auf einem hohen Förderturm dieser Stadt die Reichskriegsflagge gesetzt haben. Das hat sogar einen doppelten Sinn: Das Donezbecken hat seinen Namen, weil es in dem weit nach Osten vorspringenden Donez-Don- Bogen liegt. Aber das ist nur eine seiner erdgestalt- lichen Eigenarten. Nach Norden und Nordwesten und Westen ist das Donezgebiet durch einen zweiteiligen Höhenzug begrenzt, der sich bis fast 400 Meter erhebt. Der eine Flügel gabelt sich zum Do- nez hin, der andere zum Schwarzen Meer. Dieses Randgebirge des Donezbeckens darf man nicht ganz vergessen, weil es dieses Gebiet eben als „Becken" erscheinen läßt. Und darum hat es seinen guten Sinn, daß hier auch Gebirgsjäger eingesetzt waren.
Aber die Flaggenhissung in Stalino hat offenbar noch einen anderen symbolischen Sinn: Die Stadt hieß in alten Tagen Jusowka. Die alten Tage von Jusowka sind noch nicht lange her. Denn erst um das Jahr 1890 begann die Erschließung der reichen Kohlenfelder durch französisches, belgisches und auch deutsches Kapital — in der Nähe befand sich die Hartrnannsche Lokomotivenfabrik, die schon damals 7000 Einwohner beschäftigte — und diese Erbschaft traten nach 1917 die Bolschewisten an. Im Zuge der Fünfjahrespläne wurde Jusowka zu einem gewaltigen Eisen- und Stahlzentrum entwickelt, wobei die Erze von Kriwoi Rog, von Kertsch (auf der Halbinsel Krim) und aus dem nördlichen Teil des Donezreviers herangeholt wurden. Jetzt wurde es auch nach Stalin in Stalino (Stadt des Stalin) umgewandelt, und die neu errichteten Eisenhütten bekamen den Namen Stalinwerke. Wenn jetzt in dieser Stadt die Reichskriegsflagge weht, so schließt sich für sie eine Epoche. Eine andere Epoche beginnt, in der der Name Stalin nichts mehr zu sagen hat.
„nichts" oder höchstens der berühmte Wassertropfen auf die glühende Herdplatte.
Dieser Ausfall schlägt um so mehr zu Buch, als die Kohlengruben von Kakakstan 1200 Kilometer von dem großen Hüttenwerk in Magnitogorsk entfernt und außerdem erst im Anfang ihrer Entwicklung sind. Die sehr großen und verkokbaren Steinkohlenvorkommen von dem (sibirischen) Kusnezk sind gar der Bahnlinie nach 2000 Kilometer vom Ural (!) entfernt und eben darum einfach nicht praktikabel. Wir erwähnen diese Einzelheiten nur, weil Engländer und Amerikaner schon jetzt große Geschichten von den mittelsibirischen Steinkohlengruben erzählen. Zu ihrer Beruhigung sei gesagt: über alle diese Dinge hat schon vor etwa 14 Jahren der in Ostfragen sehr bewanderte alte Georg Cleinow, der frühere Herausgeber der Zeitschrift „Die Grenzboten", mit Hilfe der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in seinem wohldokumentierten Standardwerk „Neu-Sibirien" nicht nur das Sach-, sondern auch ... das Bild material zusammengetragen. Dr. Ho.
Sih der Sowjetregierung nach Kuibyschew (Samara) verlegt. Stockholm, 21. Okt. (DNB.) Der Sitz der R e - gierungder UdSSR, soll Reuter zufolge nach Kuibyschew (Samara) an der Wolga, etwa 880 Kilometer südösllich von Moskau, verlegt worden sein.
Oie Zustände in Moskau.
Tokio, 21. Oktober. (Europapreß.) Aus Moskau berichtet „Japan Times" über die Zustände nach der Abreise des diplomatischen Korps. Sowjet- armisten sind danach über alle Stadtteile verteilt. Die Warenhäuser beginnen auszuverkaufen und lange Volksschlangen belagern die Läden. Auf die Nachricht von der Abreise des diplomatischen Korps packten Tausende von Moskauern ihre Sachen und strömten zu den Bahnhöfen, doch verweigerte die Eisenbahn die Ausgabe von Fahrkarten. Die Staatsbanken schlossen ab 16. Oktober ihre Schalter. „Starke Unzufriedenheit gärt in der Stadt angesichts der Handlungsweise der Regierung, welche die Staatsbehörden in eine sicherere Zone entfernte, ohne Rücksicht auf die Wohlfahrt und die Sicherheit der Einwohner Moskaus."
London und Moskau.
Madrid, 21. Oktober. (Europapreß.) Zwischen London und Moskau sind schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten zum Ausbruch gekommen, wie Assia dem „Pa" am Dienstag aus London zu melden weiß. Während man britischerseits darauf dringe, die noch vorhandenen Reste der Sowjetstreitkräfte zu retten, schienen die sowjetischen Machthaber den Hauptwert auf die Verteidigung Moskaus zu legen. Die Engländer bemühten sich, die Sowjets davon zu überzeugen, daß die Erhaltung der sowjetischen Streitkräfte für eine etwaige spätere Offensive gegen Deutschland notwendig sei. Dagegen seien die in London über die Sowjetabsichten einttefferrden Nachrichten nicht geeignet, diese brittschen Hoffnungen auf die Zukunft zu erfüllen.
Tapfere hessische Infanteristen.
Kompanie macht 120 Gefangene und erbeutet ein Geschütz. — Erfolgreicher Vorstoß eines Stoßtrupps.
Mit Stalino haben die Deutschen einen der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte des weitverzweigten Verkehrsnetzes des Donez-Ge- bietes in ihre Hand bekommen. Stalino zählte 1939 gegen 500 000 Einwohner. Die Stadt hat besondere Bedeutung für das Donez-Becken durch ein großes Kraftwerk, ein umfangreiches Hüttenwerk mit Hochöfen, Marttnöfen, Bessemerbirnen und Walzwerken. Ein anderes Hüttenwerk zeigt seine Bedeutung allein schon durch seinen Namen „Stalin". Der Rü- stungs- und Jndustrieaufbau der Sowjetunion wurde zu einem großen Teil in Stalino konzentriert. Außerdem befinden sich in Stalino Stickstoffwerke, die besonders Kunstdünger für die ukrainische Landwirtschaft herstellen, Trikotagenfabriken, Werke für Holzbearbeitung und vor allem Waffen- und Munitionsfabriken.
Stalins Aufenthalt ist nicht genau bekannt. Dis in die letzten Stunden wurde berichtet, daß er noch in den Kellern des Kreml weile. Das kann eine Zweckmeldung zur Verhütung einer Panik gewesen sein. Aber sicher ist, daß die eigentliche Sowjetregierung mit ihrem technischen Apparat Moskau verlassen und sich nach Samara jenseits der Wolga begeben hat.
Die jetzt begonnene Besetzung des Donezbeckens ist ein großes Ereignis und vollendet das, was mit dem Vorstoß deutscher schneller Verbände gegen den Unterlauf des Dnjepr und der Besetzung des Erzgebietes von Kriwoi Rog am 14. August begonnen wurde. Das Erzgebiet von Kriwoi Rog lieferte 61 v. H. der gesamten sowjetischen Erz förderung. Die Steinkohlenförderung im Donezgebiet betrug im Jahr 1938 : 80,7 Millionen Tonnen bei einer sowjetischen Gesamtproduktion an Steinkohle in Höhe von 132,9 Mill. Tonnen. Der Zufall will es also, daß das Donezrevier ebenfalls 61 o. H. der sowjetischen Steinkohlenerzeugung produziert.
Aber diese Zahl trügt. Kohle ist nicht gleich Kohle. Die übrigen Kohlenvorkommen in der europäischen Sowjetunion und im Ural, also etwa im Gebiet von Moskau oder in der Umgebung von Magnitogorsk, oder' in Kasakstan, liefern entweder gar keine verkokbare Kohle oder in ganz ungenügenden Mengen. Zur Verhüttung von Erzen aber ist eine verkokbare Kohle notwendig. Mit anderen Worten: In der ganzen europäischen Sowjetunion bis zum Ural gibt es keinen Koks zur „Beschickung" von Hochöfen. Mit Mühe und Not wird man einige wenige Millionen Tonnen mobil machen können, aber das ist eben
Lpd. Im Verlauf der Kämpfe während der letzten Septembertage erhielt eine Kompanie eines hessischen Infanterieregimentes den Auftrag, die Stärke, Gliederung und Bewaffnung der gegenüberliegenden Sowjets zu erkunden. Nach gründlicher Vorbereitung brach die Kompanie bei Nacht völlig überraschend in die sowjetischen Stellungen ein und vernichtete die Bolschewisten in ihren Unterständen und Erdlöchern durch Handgranaten. Im Anschluß daran kämmten die deutschen Infanteristen eine langgestreckte Ortschaft durch und nahmen eine dem Westrand des Ortes vorgelagerte Höhe. Hier hatten sich die von dem deutschen Vordringen überraschten Bolschewisten soweit gesammelt, daß sie ernstlichen Widerstand leisteten. Im kühnen Schwung wurde der Widerstand hier und in einer nordwestlich der Höhe ausgebauten Stellung rücksichtslos und schnell gebrochen. Mit 120 G e - f a n g e n e n und einem erbeuteten Geschütz kehrte die Kompanie zurück, nachdem sie den Sowjets bei geringsten eigenen Verlusten bluttge
Verluste mindestens in Höhe der Gefangenenzahl zuaefügt hatte.
Am gleichen Abend schlich sich ein Stoßtrupp einer anderen Kompanie dieses Regiments unter Führung eines Unteroffiziers durch die Horchposten und die erste Linie der Bolschewisten. Mit Handgranaten und blanker Waffe brachen die deutschen Infanteristen in die zweite sowjetische Linie ein. Hier wurden acht Bolschewisten gefangen genommen, sechs fielen im Nahkampf. Beim Rückzug durch die erste sowjetische Linie gab es ein heftiges Gefecht mit den Sowjets, die inzwischen auf den deutschen Stoßtrupp aufmerksam geworden waren. Die deutschen Infanteristen machten in diesem Kampf weitere 15 Gefangene und vernichteten zwei sowjetische Maschinengewehre. Zehn Bolschewisten fielen im Nahkampf. Ohne eigene Verluste kehrte der zahlenmäßig nur kleine Stoßtrupp mit 23 Gesänge- nen und wertvollen Erkundungsergebnissen über Stellungen und Stärke der Bolschewisten zurück.
Eine Panzerdivision kämpsle sich dnrch nach Örel.
In vier Angriffstagen 220 Kilometer kämpfend gewonnen.
Von Kriegsberichter Herbert Hahn.
DNB. ... (PK) Nach der Schließung des Feindkessels ostwärts Kiew winkten unserer Panzerdivision ein paar Ruhetage. Das heißt: „Ruhe" ist in diesem Zusammenhang etwas übertrieben; es galt die Flanke nach Osten zu sichern; es galt, Waffen, Geräte und Fahrzeuge instandzusetzen; es galt — wie immer nach dem Kampf — sich rüsten zu neuem Einsatz, zum Angriff in nordost- wärtiger Richtung.
Die Sowjets vermuteten von dem neuen Stoß in ihre Front offenbar nichts. Vielleicht glaubten sie, daß nach der Schließung des gewaltigen Feindkessels ostwärts Kiew unser Blick noch immer nach Westen, zu den eingescklossenen Armeen, gerichtet sei. Da aber durchbrachen eines Morgens unsere Panzer die feindliche Linie nach Nordost, vernichteten im ersten Ansturm etwa ein Dutzend Feindpanzer, darunter etliche schwerste, trieben die übrigen vor sich her und stießen tief hinter die gegnerische Linie vor. Die große Straße nach Nordosten w a r u n s e r ; was an Feindkräften nicht vernichtet wurde oder nicht schnell genug zum Rückzug kam,
wurde seitwärts abgedrängt und der sicheren späteren Vernichtung ausgeliefert. Was tafs, daß die Nachbarverbände zu beiden Seiten mangels brauchbarer Vormarschwege unser Tempo nicht halten konnten! Wir hatten nur ein Blickfeld: die große Straße nach Nordosten; nur ein Ziel: Vorwärts!
Es ging unvorstellbar rasch vorwärts; zumindest dort, wo sich die große Straße (die in unserer Heimat ein mittelmäßiger Feldweg wäre), feindwärts zog. Noch am Abend des ersten Angriffstages wurde die 50 Kilometer entfernte Stadt S e w s k genommen, die von den letzten flüchtenden Feindpanzern hinhaltend verteidigt wurde. Tags darauf fiel der Ort Dmitrowsk, vor dem die Sowjets zahlreiche befestigte Stellungen aufgeben mußten. Von der Flanke wurden indessen 30 Feindpanzer gemeldet; sie haben den Angriff auf die deutsche Panzerrollbahn bis zur Stunde noch nicht gewagt. An anderer Stelle drückten feindliche Jnfanterieeinheiten gegen unsere Dormarschstraße, die sie zu überrennen oder wiederzugewinnen versuchten: Sie hatten Pech, denn gerade
Zn jedem (Strumpf ein Loch.
Von Ralph Urban.
Der Herr ging eine Weile neben Olga und betrachtete ziemlich eingehend ihr Profil. Dann fiel er etwas zurück, um bald wieder auszuholen.
Jetzt wird er gleich entern — dachte das Mädchen und beschleunigte den Schritt. Richtig schob er sich auch schon so knapp an sie heran, daß man meinen konnte, sie wären ein Paar. Olga ging noch rascher, der Herr ebenfalls.
„Wenn wir so weitermachen", sagte er, „erreichen wir einen Durchschnitt von fünfzehn Stundenkilometer. Ein Glück, daß die Geschwindigkeit für Fußgänger noch nicht polizeilich begrenzt ist."
„Begrenzt hingegen ist meine Geduld", sprach Olga. „Ab!"
„Trotzdem sind Sie mein aroßes Erlebnis", behauptete der junge Mann. „Mein Name ist Hans Haselmann."
„Da kann man nichts machen"", erklang es eisig. „Außerdem schließe ich grundsätzlich keine Bekanntschaften auf der Straße."
„Das sagt meine Tante auch. Aber wenn ich Sie hier um einen Tango bitten dürste, wäre vielleicht der Form Genüge getan?"
„Sie langweilen mich entsetzlich", zischte Olga. „Wollen Sie mich endlich in Ruhe lasten?"
„Gut", sprach der Mann mit Verzweiflung im Kehlkopf. „Ich muß Ihnen nur noch sagen, daß Sie in jedem Strumpf ein Loch haben."
Olga zuckte zusammen. „Das ist nicht wahr!"
„Doch, ich schwöre!"
Das Mädchen sah an sich herab.
„Weiter oben", meinte Herr Haselmann. Olga war rot geworden und zog unwillkürlich das etwas kurz geratene Röckchen herab.
„Was mache ich denn da?"
„Vor allem kein Aufsehen. Dort drüben ist ein Eaf6; ich darf Sie doch einladen?"
„Sie sind ein schrecklicher Mensch", seufzte das Mädchen und ging mit. Nachdem sie Kaffee bestellt hatten, nahm Olga die Handtasche und begab sich hinaus, um den Schaden zu besehen. Wütend kehrte
sie zurück. Herr Haselmann zog das Genick ein. „Nicht nur, daß Sie mich durch Ihre dreiste Lüge in Verlegenheit brachten", kam es über ihn, „geschworen haben Sie auch noch. Pfui, schämen Sie sich, ich möchte gehen."
„Augenblick", flehte Haselmann. „Sie hatten solchen Eindruck auf mich gemacht. Ich mußte Sie kennenlernen. Verzeihen Sie mir daher den kleinen Schwindel. Außerdem war mein Schwur richtig, Sie haben in jedem Strumpf ein Loch."
„Wo, wieso?"
„Hier!" zeigte der junge Mann aus vorsichtiger Entfernung. „Wenn Ihre Strümpfe keine Löcher hätten, könnten Sie gar nicht hinein."
„Entsetzlich albern", seufzte Olga gequält. „Herr Ober, zahlen."
„Gleich, nur noch eine Minute", bat Herr Haselmann, „seien Sie doch nett. Ich möchte Sie Wiedersehen."
„Ich denke nicht daran."
„Aber meine Nummer darf ich Ihnen geben", sagte er und zog die Brieftasche, „vielleicht rufen Sie mich doch an?"
„Todsicher", höhnte das Mädchen, „gleich morgen früh."
„Um zwei Uhr ist es besser", sagte Haselmann und kritzelte mit seiner Füllfeder auf etwas in seiner Brieftasche, das er dann klein faltete. „Ich habe leider keine Karte, nehmen Sie bitte das hier." Um Ruhe zu haben, nahm Olga das zusammengeknüllte Papier und warf es unbesehen in die Handtasche. Dann stand sie auf.
Um Punkt zwei Uhr am nächsten Nachmittag klingelte der Fernsprecher auf dem Schreibtisch des Herrn Haselmann.
„Ja, Fräulein Olga?" meldete sich der junge Mann.
„Was fällt Ihnen denn ein", erklang es nicht mehr unfreundlich aus dem Hörer, „mir Ihre Telephonnummer auf einen Zwanzigmarkschein zu schreiben? Ich merkte es erst, als ich zu Hause war."
„Weil ich ganz richtig hoffte, daß Sie mich dann doch anrufen würden", meinte Herr Haselmann.
„Natürlich muß ich Ihnen das Geld zurückgeben", sagte Olga. „Erwarten Sie mich um acht in jenem CafL"
Der Stimmungsumschwuna bei Olga war vollkommen. „Wenn ein Mann für ein fremdes junges Mädchen zwanzig Mark riskiert", hatte ihre Mutter nämlich gesagt, „dann lebt er erstens in großzügigen Verhältnissen, und zweitens muß er heftig verknallt fein. Du kannst also ruhig hingehen."
Es wurde ein sehr netter Abend. Als er sie gegen Mitternacht nach Hause begleitete, gingen sie Arm in Arm und eng aneinandergeschmiegt.
„Ich bin ja so glücklich", flüsterte Haselmann, „daß du gekommen bist — weil ..." Da küßte er ihren Mund.
— weil du ohne uM»«nicht leben könntest —, dachte das Mädchen.
— weil ich sonst nll^Mußte, wovon ich ohne die zwanzig Mark bis zum Insten hätte leben sollen —, dachte der junge Mann.
Und beide waren selig.
Aequatornacht in der Mark.
Neuartige Züchtungsversuche.
Aequatornacht in der Mark? So etwas gibt es doch gar nicht.
Wirklich nicht? Nun, wer schon einmal Gelegenheit hatte, die Arbeiten auf den riesigen Versuchsfeldern und in den Gewächshäusern des Kaiser- Wilhelm-Jnstituts für Züchtungsfor- f ch u n g in Müncheberg in der Mark kennenzulernen, wurde eines besseren belehrt. Dort sind nämlich Wissenschaftler in emsiger Forschung seit vielen Jahren tätig, unseren Kulturpflanzen neue Eigenschaften anzuzüchten. Müncheberg ist z. B. die Wiege der Süßlupine. Hier sind Millionen von Pflänzchen chemisch untersucht worden, bis schließlich fünf Pflänzchen herausgefunden worden waren, die keine Bitterstoffe (Alkaloide) enthielten. Bis dahin war nämlich die Lupine als stickstoffspeichernde Pflanze nur als Grün-Dung verwendbar. Das Vieh aber verschmähte die Pflanze wegen ihres bitteren Geschmacks. Das hat sich völlig geändert, seitdem es gelungen ist, aus den ursprünglich entdeckten fünf bitterftofffreien Pflänzchen Zuchtstämme hercmzu- züchten, die ohne Rückfall auch, in den nachfolgenden
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schwersten Ausmaßes; um einzelne Stadtteile, wie etwa das Dahnhofsviertel, wurde noch nach Einbruch der Dunkelheit hart gerungen. Ab« die Panzer und die motorisierten Schützeneinhenten, die gemeinsam den Südring um die Stadt gelegt hatten und ins Weichbild eingedrungen waren, ge.
feuernd über den hohen Bahndamm kletterten. Was dann kam, war ein Straßenkampf
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an hundert Stellen brennende Stadtsilhouette zu V, betrachten, während die vordersten deutschen Panzer
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dort war unser Kradschützenbataillon im Vormarsch, das den Sowjets einen vernichten'! den Empfang bereitete. Die Panzerspitze rollte in- dessen unentwegt weiter vor. Die feindliche Luftwaffe, nachdem dem Gegner unsere Stoßrichtung klargeworden war, tat zwar das äußerste, um sowohl die Kämpfe wie den Vormarsch der Nachschubkolonnen zu stören; unsere Jagdabwehr, untere Flat und die Unerschrockenheit der deutschen Panzertruppe aber wurden auch damit fertig. Die Stadt K r o m y, bereits 170 Kilometer hinter der Ausgangsstellung des Angriffs, fiel am Abend des dritten Tages in deutsche Hand. Unübersehbar waren die Fahrzeuge, Panzerwagen, Geschütze und Munitiontransporte, die der Feind, zerstört oder unversehrt, an der Straße liegen lassen mußte; in langen Reihen zogen die Gefangenen den deutschen Koloynen entgegen.
Am Nachmittag des vierten Tages stand die Pan. zerspitze vor der Großstadt Drei und formierte sich zum Angriff auf dieses bedeutende Industrie- und Rüstungszenttum. Noch stiegen auf dem nahen 1 Sowjetflugplatz die feindlichen Bomber auf, um ihre Last über den angreifenden Deutschen abzuladen, noch schoß die gegnerische Artillerie aus der Stadl' heraus auf das südliche Vorfeld; noch brach wildes Schützenfeuer aus den Waldstücken, die Drei rechts^ und links umsäumten. Auf der Bahnlinie, die füb- j lich der Stadt vorbeiführt, bewegte sich noch ein I Sowjetzug, als die deutschen Panzer zum Angrift | anrollten. Die deutsche Artillerie nahm inzwischen I Bahndamm, Stadt und Flugplatz unter schwerstes» Feuer; und es war ein grausam schönes Bild, biei!
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wannen stündlich an Boden; und am Morgen des , fünften Angriffstages, nach einem Vorstoß von k'^oot mehr als 220 Kilometer, zog der beutfdjc. Diese 2 Stadtkommandant in Drei ein, in jene Stadt, die frote fml von den Sowjets für eine der großen Basttonen. Qrt vor dem Raum von Moskau gehalten wurde.
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Neuyork Sitz der kommunistischen Internationale?
Schanghai, 21. DEL (Dstasiendienst des DNB.) Wie die hiesige chinesische Zeitung „Tschunghuajih- pao" aus gut unterrichteten Sowjetkreisen erfahren haben will, soll auch die Dritte Internationale angesichts der kritischen Lage Moskaus und der Verlegung der Sowjetregierung bereit sein, ihren Sitz nach sichereren Plätzen zu verlegen, wo ihre Tätigkeit von der Fortdauer des Krieges unberührt bleibt. Es fei beschlossen worden, als eines der neuen Zentren der kommunistischen Internationale Neu- y o r k vorzusehen, wo die kommunistische Aktivität zufriedenstellend fortgesetzt werden könne. Die Angelegenheit sei bereits auf der Moskauer Konferenz besprochen worden. Die Vertreter der USA. hätten inzwischen ihrer Regierung darüber berichtet, und Washington habe stillschweigend zugestimmt.
30-Millionen-Oollar-Kredit für die Sowjetunion.
Washington, 21. DEL (Europapreß.) Nach einer am Montag von Finanzminister Morgen- thau abgegebenen ErElärung hat das USA.-Schatzamt der Sowjetunion einen Kredit uon 30 Millionen Dollar gegen künftige Goldlieferungen eingeräumt. Weiter gab der Minister bekannt, daß zum Wochenende sowjetische Goldlieferungen eingegangen sind, mit bene« die Sowjetunion den ihr vor etwa zwei Monate« eingeräumten Kredit von 10 Millionen Dollar abgedeckt hat. Die Abdeckung des neueinqeräumtc« Kredits von 30 Millionen Dollar soll im Laufe eines halben Jahres erfolgen. Washington hat diese« Betrag aus dem Stabilisierungsfonds des Schatzamtes bereitgeftellt Man nimmt an, daß die sowjetische Regierung für diese 30 Millionen vor allen» Kriegsmaterial aller Art in den USA. einkaufe« will.
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Wie Reuter aus Wafhington meldet, erklärte» hohe Beamte des nordamerikanischen Landwirtschafts-Departements, sehr wahrscheinlich müsse dis Sowjetunion in Kürze die Vereinigten Staate« um die Lieferung von Lebensmitteln unho besonders (Betreibe angehen. Dies sei eine Folge
Generationen süß geblieben sind. Heute kennt di- deutsche Landwirtschaft nur noch die Süßlupine, bie ein hervorragendes eiweißhaltiges Futtermittel geworden ist.
Das ist nur e i n Beispiel aus den mannigfaltige« Pflanzenzüchtungsoersuchen, die in diesem ynftitui vorgenommen werden. Man könnte noch von viele« Erfolgen berichten die unter Auswertung dec neuesten Erkenntnisse der Vererbungsforfchung erzielt worden sind. Darüber wird ein neuer Ufa- Kulturfilm unterrichten, der unter Leitung do« Dr. Ulrich K. T. Schulz entstanden ist: „Pflanzen als Helfer im Vierjahresplan".
Aber diese Aequatornacht in der Mark? Nun. auch sie gehört zu den wissenschaftlichen Mitteln, um eine Pflanze zu einem Leben zu zwingen, bas ihc bisher fremd gewesen ist: die ölhaltige Sojabohne zum Beispiel, die für die Margarineherstellung eine wichtige Rolle spielt. Da aber die Sojabohne eine Pflanze südlicherer Breitengrade ist, wollte sie siÄ den Umweltserscheinungen unserer Breitengrade nichtt fügen. Der Tag war ihr zu lang ... In den Trope» bricht nämlich früh am Abend die Dunkelheit Herei« und währt zwölf Stunden. Die Sojabohne ist als« von Natur aus eine Langschläferin". Und bafür fehlten ihr bei uns mit den langen Sommertage» unb ben kurzen Nächten bie entsprechenben Um- roeltsbebingungen. Die Erbmasse empörte sich gegen das viele Licht. Die Sojabohne schoß ungeheuer in® Kraut, blühte zu spät und reifte nur selten. Was tun? Nun, man „schwinbelte" ihr in Müncheberg» den äquatorialen Tagesablauf vor ... Punkt 6 W abends wurden sie „schlafen geschickt". Die Gärtnec in Müncheberg rollten einen auf Schienen laufende« Kasten über die Kulturen. Und dann blieb es bis 6 Uhr früh Nacht ...
Auf diese Weise wurden jene Pflänzchen heraus» gefunden, die sowohl bei Kurztag als auch bea Langtag früh reiften, unb die dann bie Eltern jenen Sojabohnen würben, denen das „Schlafbedürfnis der Aequatornacht erbmäßig nicht mehr so sehr zu- setzen konnte, sondern zu brav wachsenden unb ernte» reichen Kulturpflanzen geworden sind, bie sich nllC dem Tagesablauf unserer Breitengrade abgefunbeir haben. H. M*
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