Nr. 172 Zweites Statt
Aus her Stadt Gießen.
Hygiene in Llrlaubstagen.
Bon Dr. med. Hartmann.
Heute unteichalten wir uns einmal mit denen, die un Urlaub sind oder in absehbarer Zeit in Urlaub gehen können. Der Kreis dieser Glücklichen ist unvergleichlich viel größer als von 50 oder auch nur vor 20 Jahren, und bannt ist ein wesentliches Stiick auf dem Wege zur vollkonnnenen 'Volksgesundheit geschasst. Die HOgiene des gesamten Boltes ist da- her allein durch die Tatsache, daß grundsätzlich jeder Volksgenosse seinen Urlaub haben soll, um eine oder gar mehrere Stufen höher gehoben worden
Aber leider weiß nicht jeder seinen Urlaub in der rechten Weise anzuwenden. Mancher verschläft ihn im wesentlichen, andere sitzen beim schönsten Son- nenschein im rauchigen Lokal (das auch ein feiner Salon mit Klubsesseln sein kann) und verbringen die Zeit beim Kartenspiel, andere meinen, der Platz vor der Theke sei der richtige, wieder andere bekam- men cs mit dem Kilometerfressen oder ralen die Berge hinauf, jeden Tag einen anderen, und kommen überhaupt nicht zur Entspannung. Sie müßten dann am Ende des Urlaubs gleich nochmal einen Urlaub antreten, um sich von dem ersten zu erholen.
Entspannung aber ist das A und 0, der Anfang und das Ende jedes rechten Urlaubs. Entspannung im allgemeinen, so daß keine Uebermüdung eintritt, Entspannung aber auch für die einzelnen Körper- organe, die man nicht überlasten soll. Herz und Nieren, Lungen und Magen, sie alle sollen nicht zu viel zu tun bekommen. Auch sie bedürfen der Erholung, und rechtes Maß ist eine Vorbcoingung für die „große Gesundheit", die doch das Hauptziel jedes Urlaubs ist. Dazu muß auch eine seelische und gel-
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22. Juli von 21.28 bis 5.23 Uhr.
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stige Entspannung kommen. Es ist am besten, sich möglichst jvenlg mit den Dingen zu befassen, die unseren Sinn während des ganzen Jahres in Anspruch nehmen. Der geistig Arbeitende mache sich also von Papier und Druckerschwärze möglichst frei, wer den ganzen Tag an der Schreibmaschine sitzt, klappere nicht im Urlaub, sondern schreibe seine Briefe und Ansichtskarten ruhig handschriftlich (mancher merkt dann, daß er kaum noch schreiben kann; dann tut cs ihm sehr gut, eß wieder zu lernen). Am besten hat es in dieser Beziehung der Handarbeiter. Für ihn kann es geradezu eine Erlösung und besondere Freude bedeuten, daß er sich einmal ruhig in Zeitschriften oder ein Buch vertiefen kann.
Nun nehmen wir aber einmal an, daß wir so vernünftig sind und befolgen diese grundsätzlichen und vorbeugenden hygienischen Ratschlage gerne unb vollkommen. Wir haben also einen schönen Ausgleich gefunden zwischen Schlafen und Wachen, Essen und Trinken, Wandern, Klettern aber Sdpvlmmen und Nuhen. Wir verspielen oder vertrinken nicht die Nächte, um dann im Morgengrauen ins Bett zu gehen. Aber auch dann noch lauern (Gefahren, die wir uns besser vorher überlegen; sonst verderben wir uns den halben ober gar den gan.zen Urlaub. Da bekommt her eine nach ein paar Tagen eine Verdauungsstörung, ber andere kann nicht schlafen, den dritten plagen die Mücken so, daß er am liebsten gleich wieder nach Hause möchte, der vierte ärgerr sich so entsetzlich über schlechtes Wetter, daß ihm der ganze Urlaub zur Qual wird.
Da ist oft guter Rat teuer, aber wir wollen gerne versuchen, ihn zu geben. Der erste: es kommt allerdings häufig vor, daß die veränderte Kost zu einer Magenverstinzmung sührt, besonders wenn plötzlich heiße Witterung eintritt. Man wird oft tage- ja wochenlang nicht damit fertig, und muß womöglich sogar die Urlaubsreife abbrechen. Also, seien wir vorsichtig und essen und trinken wir bei plötzlich auf- tretender Hitze sofort weniger, auch wenn wir nach nichts Besonderes spüren! Ist aber die Sache einmal ausgebrochen, so verschleppen wir sie nicht, sondern nehmen sofort Nizinus, unb zwar auch wenn wir denken, „es sei nicht mehr nötig"; denn es müssen alle schlechten Stoffe heraus, wenn fein Rückfall kommen soll. Dann, wenn das Del gewirkt hat, Xannalbin mit Wismut, und bann fange man langsam an, Nahrung aufzunehmen. Man ängstige
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'n Mädel zu mir .
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,Dante. Es kam mir nicht auf dos Gelb an. Ich wollte nur wissen, ob ber Herr sein Wort gehnI- Hn hat!" Und sie nickte ihm zu und verschwand. ,Was ist das für 'n Fünfziger?" erkundigte ich mich, ;<t) erfuhr, daß jene Dame einem fremden Herrn, l?r fein Geld vergessen hatte, in ber Straßenbahn
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3m Ieitungshäuschen
Von K. R. Ncubcrt.
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„Sie ahnen ja nicht, was man hier tagsüber alles ij fo erlebt", sagte der alte, bictere Mann in der Zeitungsbube. „Sic sollten mal hier sitzen!" Daraufhin i. stieg ich zu ihm tn die Zeitungsbude.
Zum erstenmal sah ich das Leben der Straße | burd) das kleine Schiebefenster, hinter dem mein j Zeitungshändler nun schon so manches Jahr sitzt. || „Ija" — begann er. Da kam eine Dame unb oer- j langte eine Illustrierte. Sie zahlte mit einem Zwanzigmarkschein, anders hatte sie es nicht. „Das | jt noch gar nichts", sagte der Händler, als die
Dame gegangen war, „aver wenn sie mit m Hun- I i>erter kommen! Hab ich auch schon erlebt! Ein I tiungc steckte seinen Kopf zum Fenster. „Hamse ne I neue Fliegcrzeitschrift?^ Bedächtig lächelnd blickte
! er Händler dem Jungen nach, der mit seiner Flic- !:erzeitschrift davonging. „Wir lasen früher Hauber* I |»istolen!" sagte er. „Ja, ja, wenn man noch mal png sein dürfte. Heute!" Er besann sich. „Aber ich öollte Ihnen ja erzählen ... Ach so! Da kam mal I ’n Mädel zu mir ..." In diesem Augenblick stand wirklich ein Mädchen vor dem Kiosk. Ein sehr huv- (ches Mädchen. Ausmerkfam betrachtete es die aus- iehängten Plakate. Der Händler stieß mich an. .Passen Sie auf: Film!" flüsterte er. Und wirklich: I jrtzt verlangte vas Mädchen eine Filmzeitschrist. । ,Das seh ich den Mädels schon an", sagte er.
Bald tauchte ein neuer Kunde auf. Nein, dies- I nal war es kein Kunde. Jemand fragte nach dem । !ßcg zur Straße 3E. Der Mann im Kiosk wußte Äefcheib. „Zwanzig sind's so am Tag, die nach dem d ^Leg fragen", meinte er dann. Plötzlich wurde sein I czesicht sehr freundlich Eine Dame stand am Fern fcfer. „S>at der Herr die 50 Pfennig abgegeben? B s'agte ie interessiert. „Aber gewiß doch, meine ■ bame", erwiderte der Händler und reichte ihr einen M fünfziger, „wenn's auch nicht gerade der war! W l»ie Dame lächelte, nahm aber das Geldstück nicht.
Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Kindergärten in der Obhut der 7tGV.
Zu den bisher schon in zahlreichen Orlen von der NSV. betreuten Kindergärten, In denen unsere Kleinen eine gute unb liebevolle Obhut genießen, während ihre Mütter ber Arbeit in 'Betrieben ober auf den Werfern nachgehen, sind am geftrigen Montag weitere 30 Kindergärten im Kreise WeHeran durch die NSB. übernommen worden. Die lieber- gäbe erfolgte in örtlichen Feiern jeweils diirch den Ortsgruppenleiter ber Bartei an den Drtsgrllppen- amtmeiter der NSB. in (flegemonrt ber örtlichen Führerschaft der Partei unb ihrer Gliederungen, ber Bürgermeister und zahlreicher Mütter unb Kinder. Ueberall vollzog sich die Ueberführuna dieser Kindertagesstätten in die Obhut ber NSB. in schlichi-seierlichem Nahmen. — Jii Gießen wurden die Kiiidersllzulen in der Diez st ratze und im Wetzlarer Weg, ferner in Klein-Linden der NSB. übergeben. Lieber die Veranstaltungen lagen uns heute früh die nachstehenden Berichte vor.
lleberiiahme des Kindergartens in der 'Oiezstraße.
In einer schlichten Feier in dem mit dem Bild des Führers, Fahnen unb Blumen schön ge schmück- ten Aufenthaltsraum mürbe gestern vormittag ber Klelnkinbergarten in der Diezstraße von dem Orts* gruppenleiter Gießen-Nord E. H i tz als 'Vertreter ber Partei in die Betreuung burd) Die NSB. überführt. An ber Feier nahmen neben 'Vertretern der NSB., der NS.-Frauenschast unb ber Stadt (fließen auch etwa 60 Mütter unb runb 100 Kinder teil.
Orlsgruppenleiter H i tz wies in einer kurzen Ansprache u. a. darauf hin, Daß der iiatlonalsozialistlfche etaat die gesamte Erziehungsarbeit an Der Jugend als eine besondere Ausgabe unb Verpflichtung ansehe, die er auch Im Nahmen ber Kindergartenarbeit zu erfüllen habe. Er würdigte bann ble verdienst- volle Arbeit ber bisherigen Kindergärten an der Jugend unseres Volkes mit Worten der Anerkennung und dankte dabei oud) Den bisher im hiesigen Klelnkinbergarten wirkenden Kräften unb Betreuerinnen ber Kinder für ihre Mühewaltung. Im Hin- bllrf auf den Totalitätsanspruch des Staates bei ber Jugenderziehung auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung erfolge nunmehr, wie überall im (flau Hessen-Nassau, auch die llcberfüh- rung des hiesigen Kleinklndergartens in die Betreuung burd) die NSB., ber anschließend von ber Vertreterin der NSV. übernommen wurde.
Als Vertreter ber Stadt (fließen sprach hierauf der Vorstand des ftäbtlfdjen Sozialamtes, 'Verwaltungsdirektor Reifeer über ble soziale Bedeutung der Kindertagesstätten besonders in der heutigen Zeit mit ihrem stärkerem Einsatz der Frauen als Mithelferin bei unserer kriegswirtschaftlichen Arbeit. Er übermittelte bann der 'NSV. die Glürfwünsche ber Stadt (fließen für diese neue Aufgabe Ihrer guten Arbeit an unserer Jugend unb zum Aufbau unseres Volkes, und er bat die Mütter, Ihre Kleinen and) weiterhin dem Kindergarten anzuvertrauen. — Die Leitung des Kindergartens in ber Diezftraße wurde der Kindergärtnerin Frl. L e i) c r- zapf aus (fließen übertragen.
Gieften-Mein'Linden.
In Gegenwart des Vertreters der Partei, der NSV., der örtlichen Frauenschaft, vieler Mütter
und Kinder wurde am Montagvormittag die Liebergabe der hiesigen Klnderschule an die NSB. vollzogen.
Ortsgruppenleiter Jung als Beauftragter her NSDAP, begrüßte die 'Dhltter und Kinder unb widmete der neuen Leiterin des Kindergartens, Frl Hildegard DI e tz ((fließen), besonders herzliche Worte der 'Begrüßung. Er übergab bann die KInder schul e der 'NSV. und führte höbet u. a. aus, daß noch dem Willen des Führers ble 0 yiehung der Heranwachsenden Jugend Ausgabe des Staates und der Partei |cl. Der Staat letze sich heute in besonderem Maße |ür die Erziehung der Jugend ein unb sorge dafür, baß eine starke Jugend In ble gesicherte Zukunft unseres Volkes hineinwachse. Es bestehe deshalb für alle Eltern ble Verpflichtung, ihre Kinder In die Jugenderzlehungsltätten zu schicken. Pg. Jung svrach bann nodj Worte bee Dankes an die seitherige KinberschGtz-hweller Lina Morio, ble sich mit viel Mühe und großer Liebe Ihrer Arbeit angenommen habe. Er sprach den Wunsch aus, daß auch ble neue Kindergärtnerin, die auf dem Gebiet der Klndergartenarbelt genügend Erfahrung gesammelt habe, sich die Herzen der Kinder bald erobern werde.
NSB -0rtsgruppenomtsIe11er K e h 1 übernahm den Kindergarten, wünschte der neuen Kindergärtnerin guten Erfolg In ihrer Arbeit unb versprad) vollste Unterstützung und beste Mitarbeit am neuen Werk, damit es lcld)t falle, die Kinder im Sinne des nationalsozialistischen Staate» zu erziehen. Er teilte nod) mit, daß dar Schulgeld In derselben Höhe Höhe bestehen bleibe wie seither. Frl. DI e ß al» neue Klnbergartenlelterln nahm nun ble Kinder in ihre Obhut und teilte nach Rücksprache mit den Eltern mit, daß die Besuchszeit des Kindergartens von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 1!) Uhr festliege.
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Die Kinderschule In Klein-Linden wurde im Jahre 1896 von dem damaligen Pfarrer Hepding in Gemeinschaft mit weitblickenden Männern gegründet. Als (flrübimgotag de» damaligen Klnderschulverelns ist der 4. Juni 18U0 anzusehen. Die Nechnergeschäste lagen 30 Jahre lang In Händen des damaligen Lehrers und späteren Nektar» Albert Boßler. Die erste Schwester Luise Frei b u r g e r hielt am 17. Juni 1806 Ihren ('Inzug unb war 22 Jahre lang hier tätig. Als Lokal für die Kindersd)Ule dienten anfangs einige Räume Im Hause von Johannes Germer II. Im Jahre 11)06 wurde die heutige Kinderschule erbaut und das Gebäude im September desselben Jahres seiner Bestimmung übergeben. 'Von Vereinen, Instituten und Firmen, ble der Kinder- schule viele Jahre lang Unterstützung gewährten, verdienen besondere Erwähnung die Bezlrkvspar- kasse Gießen, ble ehemalige Ferniescho Bergwerksverwaltung, die Gießener Firmen Henllgenstaedt, Goll und Klingspor, der ehemalige Naiffeisenvereln und die Spar- und Darlehnskosse Klein-Linden, ble 'Verwaltung der Nelchsbohn, ble Frauenhilfe Klein-Linden, die Gemeinde Klein-Linden und seit der Eingemeindung die Stadtverwaltnng (fließen. In den letzten Jahren nahm sid; her von Pforrer König wieder in» Leben gernsene „'Verein znr Fördernng der Klcinkinderschule" der Station besonders an.
sich nicht burd) Begriffe wie Sommer rühr! Dies alles gilt für den Normal fall; jeher muß sich aber so gut kennen, daß er weiß, wann er zum Arzt gehen muß. Dao gleiche gilt für Zahnschmerzen, die Den ganzen Urlaub verderben können. Man muß aus Erfahrung wissen, ob Job hilft ober ob man lieber Zeit, Mühe unb Kosten opfert, um zum nächsten Zahnarzt zu gehen ober zu fahren. Damit rettet man bann oft den Rest her Erholung.
Dem zweiten faaen wir: für die Reise, wo man mit lauten Gast Hausern ober summenden Fliegen ober nächtlicher Mufik rechnen muß, Ohropax mit- nehmen! Tüchtig marschieren, dann kommt der Sd)las meist fdwu. Nicht zu hoch hinauf in die 'Berge, wenn man sich nicht kennt und weiß, baß man dort and) Schlaf findet!
Dem dritten: immer eines der bekanntesten .Hausmittel gegen Mückenstiche mit (Id) führen, unb |n nie blutig kratzen! Und dem vierten: grundsätzlld)
sid) nid)t über das Wetter ärgern, sondern and) viel bei Neuen ouogehen, das Ist sehr gesund, jebenfallo sofort jede kleine Lücke Im schlechten Wetter ano- nützen; notfalls kann man and) den Aufenthaltsort wechseln, wenn man ausgerechnet in eine Rege necke geraten ist.
Und nun noch ein Wort für ble, ble aus irgendeinem Grunde den Urlaub zu Hanfe verbringen müßen (was übrigens sehr fd>ön sein kann). Für sie gilt fast alles Gesagte mörflld) and). Also lesen Sie eo nod)malo! Dao erste und letzte auch, hier: Ent'spanuung an Leib und Seele und maßvoll und vernünftig leben!
Vornotizen.
lagcßfalnibcr für Dienstag.
Gloria-Palast, Seitersweg: „Benns vor (flerld)l". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von hem "Hin spricht" ____________________
auogebolfen hatte. Der .Herr hatte ver]vrod)en, dos Geld Im Zeitungskiosk abzugeben, weil es ein Ort mar, zu dem sie beide manchmal kamen.
„Wenn sie sid) wieder mal in der Straßenbahn treffen", schmunzelte der Händler, „unb er hat diesmal fein Geld nicht vergessen, wird er sie wohl zu einer Tasse Kaffee einlaben."
Dine Stunde faß ich bei dem Zeitungshändler im Kiosk. Immer neue Gesichter waren vor dem Fenster erschienen, wildfremde, die auch der Händler nicht kannte, aber auch solche, die er wohl leben Tag sah. „Wie geht'o Ihrer Frau?" fragte er. Ober: ,,'Jla, wie war Die Reise?" Da waren Beziehungen, ble man mir ahnen konnte. Sicher wußte der Mann im Kiosk so manches aus den Häusern und Läden ber Gegend. Eine Frau kam und fragte, ob schon ber Milchwagen vorbeigekommen wäre. Dann stellte sie ihre Mild)slasche aus dem 'Brett ab und ging davon. Manche Leute, die eilig ankamen, wollten keine Zeitungen, sondern mir ein Markstück in Groschen gewechselt haben. „Dao find die leie- Isomerer!" erklärte mir her Händler. Der Milch- mögen kam vorbei, und das Mädchen, das den Wagen begleitete, füllte hie Flasche auf dem Ab- ftcllbrett. Die Frau hatte wohl das Geld glcid) daneben gelegt. Später kam sie und holte sich die Milch ab. „Manchmal steht hier 'n halbes Dutzend Flaschen!" meinte der Händler. Jetzt erhob er sich „Muß mal weg. Komm gleich wieder. Sie wissen a hier Bescheid. Ist ja nur ’ne Kleinigkeit, unb Vertrauen kann man doch zu Ihnen haben."
Mußte er wirklich fort, ober wollte er mich nur mal allein im Kiosk la-ssen? Etwas aufgeregt faß ich da. Schließlich hatte ich noch nie Zeitungen verlauft. Plötzlich stand ein junger Mann da. „Vater Schulz!" sagte er hastig. „Können Sie mir dis morgen drei Ern borgen?" Da erkannte er, daß nicht Vater Schulz im Kiosk saß. Erlagen entfernte er sich. Sicher hätte Vater Schulz ihm das Geld geborgt. Ein neuer Zweig feiner vielseitigen Tätigkeit war mir bekannt geworden.
Nacheinander verkaufte Id) nun zwanzig Zel- tun gen. Zwei Kunden zahlten mit Zehnmarkscheinen, was mir Schwierigkeiten bereitete. Eine junge Dame erschien unb verlangte ein Modenheft Ich gab ihr eins, aber sie blätterte nur Darin herum, bann gab sie es zurück. Es war nicht das richtige. Ich gab ihr ein anderes. Nachdem flc aufmerksam
Darin geblättert hatte, gab sie es wieder zurück. Auch dies war leider nicht dan rlrfytlge. „Haben Sie nicht noch etwas anderes? fragte sie von oben herab. Id) weiß irldü, was Vater Schulz gesagt hätte. Viel leid)!: „Bitte sehr! Natürlich!" Oder auch: „Scheren Sie sid) zum Teufel!" Dao hätte id) am liebsten gebrüllt, ober ich begnügte mich mit einem zornigen: „'Jlein!" Die Dame runzelte die Stirn. „Ilnl)oflid)er Mensch!" sagte flc und stelzte Davon Jeden Tag solche Kundin, und man iviiö gallen- krank, dachte ich. Eine Frau kam. „Ad) (flott", stöhnte sie, „ist Herr Schulz nicht ha? Ich möchte nur mein Netz hier ab geben. Herr Schulz ist immer so freunblid). Ich muß noch was besorgen." lind |d)on reichte sie mir das Netz durch das Fenher, nickte mir zu und verschwand. Ich legte das Netz beiseite. Es waren Apfelsinen Drin und in Zel- tungspopier gepackte Dinge.
Endlid) kam Vater Schulz zurück. „Via, wie geht's?" fragte er. „Alles in Ordnung", erwiderte id). Dann erhob ich mich. „Sie wollen schon gehen?" fragte er. ,/kf) habe Ihnen ja nod) gor nicht erzählt, was man hier tagsüber alles fo erleben kann."
Dos war nicht mehr nötig. Id) weiß jetzt, daß Vater Schulz nicht nur Zeitungshändler ist, sondern oud) 'Verkehrsbüro, Wechselstube, Leihamt, Ge- oärfaufbewahrungsstelle und Zentrale für kleine Neuigkeiten. Was wäre Die Straße oyne Vater Schulz!
flinoerflärer und Kinoorgel.
„Kinder, wie die Zeit vergeht ..." ist der Titel eine« Film», der ein Thema anschlägt, bas une immer wieder das größte Vergnügen macht: zu sehen, aus welchc'n uns heute grotesk erscheinenden Anfängen her Film sich in» Laufe weniger Jahrzehnte zu seiner heutigen Hähe entwickelt hat. Ganz abgesehen von den llnoollkommenheiten her Technik, die hie Menschen nur in rurfartlgen Bewegungen vorwärts kommen ließ, ist es auch ble wilde Dramatik des (flesd)ehens, die lieber finge rung des Ausdrucks bei den Schauspielern, über hie mir Tränen lachen. Aber eins fehlt in diesen Vorführungen, und es lohnt sich, sie nad) dieser Seite zu ergänzen, die Art nämlich, wie die Szenen auf der Flimmerleln- wand dem Publikum elnbringlld) näher gebracht
»tatst««. 22.31111 Ml
Gloria Palast . vor CtcricfyP.
Das Motiv zu diesem Film (Buch und Sviel- leitung: Hans .» Z e riet I) findet sich bereit» iBßO In Hebbels kleinem Drama „Michel Angela" der Künstler vergrabt einen van Ihm gesd)assenen Torso, um Ihn „zufällig" finden und wieder ausgraben zu lassen nnd ans diese Weise an einem vermeintlich antiken Werk von klassischer Vollkommenheit seine reise Künstlerschast und die «Hagwürdigkelt de» zell- genössisüien Urteils zu beweisen. Der dramatuvgifd) eniseheihendc' Punkt ist natürlich die Beiveisbarkelt der nachträglid) vorgebrochten Behauptung: '1)1 ld)eh angelo bei Hebbel erbringt den Nachweis mühelos, weil er voraussdmuend einen Arm seiner Statue zur-Ückbehalten hat, den e> dann vor aller Augen dem J m fo anpassen kann. Der junge Bildhauer Brake, der sid) al» Natlonalfozlalist In der < nstemzeit und gegen Ihre entartete Kunst nicht durdrzufetzen vermag, versucht es mit demselben Einfall; aber Ihm mangelt der Beweis. Seine Zeugen in einem Meineidvprozeß verfagen; auf die einzige Kronzeugin, sein Modell, verzichtet er selbst an» Anständigkeit, um da» Mädchen, das inzwischen den Bürgermeister einer kleinen Stadt geheiratet hat, nicht All kompromittieren. Im letzten Moment, knapp vor der 'Verurteilung, wird er Durch die freiwillige Aussage dieser Kronzeugin gerettet Zwar geht deren Ebe hil|äd)lld) an einem Skandal in bin Brüche, aber <» Ist nicht schade darum: der Bürgermeister erweist sid) al» geschäftstüchtiger Lump, und die Fran wird, wie der odjhiß des Films andeutet, mit dem Bildhauer glücklicher werden als mit dem wurmstichigen Drisoderhaupt Zerlett hat dem nrsprünalld) teilt äschetifchen Motiv ein» entschiedene Wendung ins Politlscho und Kultur- volillsche gegeben: die Szenen beim Kunsthändler, Im Kultusministerium, vor Gericht und Im Wirts- Haussaale der Heinen Stadt, wo zuguterletzt eine gediegene Prügelei ausbricht, sind ätzende Satire. Das drückt sid) auch In der Darstellung aus: Siegsried Breuer als jüdisdier Kunsthändler, Erhard Siedel als Kultusmi-nister, Hubert v. Mene- r I n (f als Sachverständiger und Paul Dahlke als Bürgermeister sind satirisch gesehene Tnpen versd)ie- denen Grades nnd- von nnterschiedl!<b»r Lautstarke, stellenweise schon an der (flrenze der Karikatur- Hannes Stelzer gibt den Brake jugenhlld) Idealistisch, anständig und arglos. Hansl Knoteck ist das Modell, flcbHld) bemüht, eine nicht ganz selbstverständliche Entwicklung glaubhaft zu machen. 'Von, großen Ensemble seien noch Earl Wery, Han» B r a ii s e w e t le r und Liesl K a r 1 st a d t, bekannt als Partnerin des Münchner Komikers Karl 'Valentin, erwähnt. (Bavaria.) Im 'Beiprogramm die neue Wochenschau, die sd-on desvrochen wurde.
llnna Thyrlot.
Die Untcrossizier.Vorschule der Kriegsmarine.
Die Kriegsmarine bietet hurd) ihre Unkroffljletv Vorsd)nlen unseren Jungen, die sid) dem Seemannsberuf bei der Kriegsmarine widmen wollen und die Neigung unb Eignung für den Beruf des Unteroffizier" her Kriegsmarine besitzen, eine sorgfältige Ausbildung unh zugleich ein Leben in |iol)er Kameradschaft. Auf diesen schulen werden die Jngendlichon In soldatischer Umgebung In geistiger unb körperlicher Schulung, In theoiktischem unh praktischem Unterricht, fü> ihren (unteren Berns und für ihr ganze» Leben zu tüd)tlgen Mannern ausgebildet.
Diejenigen Jugendlidien, die die ted-nischen Laufbahnen elnschlagen, erhalten bei den IlnternfflAlar- Vorsd-nlen der Kriegsmarine eine abgeschlosseno ted)iilfd)C Fachausbildung, die her Lehrllngsanv-
Gesundheit ist Schönheit.
Wenn wir durch richtige Zuhupsteqe, die 3<tl)iic gesund erhalten, Haden wir auch schöne Zöhne.
Ch lorodont
wulet don W«u ?ur rlchtlgun /nhnpllofli'
warben burd) bau Wort des Erklärer» unh ble de» gleitende Musik, Der Älnoerflärer Ift eine Figur an« Den Kiiidheltvijahren de» Dilins, Die vsi non un- wibersiehlicher Komik war. So erzählte einer unserer ältesten Filmregisseure von seinen Ersaiirnn- gen ans Dieser Zell. Nr Halle einen Filin gedreht, In dem er selbst eine Hauptrolle spielte. Er mußte als herabgekommener Jüngling in ein Hau» ein« brechen. Plötzlich flammte da« Licht ans, nnd er stand seiner -chwesler gegenüber .. . Diesen Film sah er fldj nun In einem kleinen „St len topp" einen 'Bororth an unb erlebte hier eine schönste 'Blüte ber KlnoerklärUng „Der Älnnerflärer", erzählt er, „begleitete hie jene ungefähr mH folgenden Worten:
i brlrfl ble Scheibe in un slelcht durchs Fensla. Del Licht flammt uff; er sieht ihr vi*-ä-vi*, sie steht Ihn» vin A-vin. Er kiekt Ihr an, sie rieft ihn an. Er sagt: Mensch, da hauste lang hin! Sie sagt: Oller Dussel, kvnnsle nid) wo anders Inbredjen als bei deine Schwefln?" Unh |n ging bas weiter, Nachdem Id) mich von meinem Vadtframpf erhall halte, ging Ich am Schluß her Vorstellung zu dem Erklärer, sagte Ihm, wer Id) bin, unh bedeutete ihm, daß Id) nicht Im entferntesten beim Drehen de» Films an ble Worte gebucht hätte, ble. er den Personen In den Mnnb legte. Da ermlberte her Biedere: „Wissense, Filme drehen fännfe ja tanz jut, ftbn mie ble i^ilme Dein Publikum na|ldnhlid) jemad)t ment missen, bavon hamse feene Ahnung. Del »asleho nu inleba icke!"
Ein anderes Bild aus jenen lagen: da« Xtlno» hrama ist auf ber Höhe seiner Spannung angelangt. Der Böse mich! richtet seinen Revolver auf hie verfolgte Unschuld, unh ein junge - Mädchen Im Zuschauerraum sängt schon an zu schluchzen, Da wendet sich freundlich ein neben Ihr sitzender Mann zu ihr unb sagt „Regen Sie sid) man nicht ans, Fräulein. Sv lange nod) nicht die Orgel svlell, besteht noch keine unmittelbare Lebensgefahr? Diese Ge- schichte kennzeichnet die Bedeutung, die In den Anfängen ble Begleitmusik Im Kino spielte. Erst mar es ein einfaches Klavier, das m-ehr ober weniger paffenb zu den Bildern gehämmert mürbe, unb Dann entwickelte sich baraus das Harmaniirni unh schließlich ble „Orgel", die In den guten Lichtspielhäusern in der Zelt des stummen Film» einen Höhepunkt darstellte. C. K,


