Einzelbild herunterladen

setzten. Larissa, das antike Larisa, in der fruchtbaren Ebene des Peneios, einer Kornkammer Nordgrie­chenlands, zählt heute etwa 26 000 Einwohner und ist mit seinen griechischen Kirchen, Moscheen und Synagogen ein Spiegelbild des Völkergemisches im heutigen Thessalien. Hier ist Seiden- und Baumwoll­weberei zu Hause, auch Tabakbau wird gepflegt, lieber Larissa hinaus weiter nach Süden gelangen unsere Truppen wieder in das Gebirge. Der Golf von Arta im Westen und der Malische Golf im Osten schnüren Mittelgriechenland von Norden ab. Von Osten her drängt eine andere deutsche Kampfgruppe über das berühmte Pindosgebirge. Der Zygos-Paß führt bei der Ortschaft Mecovon in einer Höhe von über 1500 Meter aus dem von rauhen Gebirgen erfüllten Epirus nach Thessalien hinüber. Mecovon liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich von Janina, der Hauptstadt von Epirus. Von Mecovon führt die Straße den schon genannten Peneios abwärts auf Trikala zu. Unsere Soldaten haben ihre Erfolge nicht nur in stetem erbitterten Kampf mit einem sich zäh zur Wehr setzenden Gegner errungen, sondern auch unter Ueberwindung außerordentlicher Schwie­rigkeiten, die das ungeheuer zerklüftete Gelände der thessalischen Randgebirge, wie das Klima jedem Feld­zug in Griechenland bieten. Es ist ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit und den hervorragenden Geist der deutschen Soldaten, daß es ihrem schneidigen Zu­packen gelingt, immer wieder dem weichenden Feind auf den Fersen zu bleiben. Fr. W. L.

Fünf britische Truppen­transporter versenkt.

Berlin. 21. April. (DNB.) Nach beim Ober­kommando der Wehrmacht vorliegenden Meldungen gelang es heule nachmittag Kampfverbänden der Luftwaffe im Seegebiet zwischen den Inseln Euböa und Kreta, einen Teil der von den Engländern zum Abtransport ihrer Truppen aus Griechenland benutzten Flotte zu stellen und wirkungsvoll anzugreifen. Fünf mit britischen Truppen beladene Trans­porter mit rund 23 000 BRT. wurden versenkt. Zwei weitere große Schiffe, die ebenfalls mit bri­tischen Truppen beladen waren und in Richtung Kreta zu entkommen suchten, erlitten durch Bom­bentreffer schwere Beschädigungen und blieben mit Schlagseite liegen. Ferner wurden noch zwei Transporter beschädigt.

Kritik an der englischen Kriegführung.

Stockholm, 21. April. (Europapreß.) Die deut­schen Vergeltungsmaßnahmen beginnen bereits in der Erörterung der englischen Presse ihre Wirkung auszuüben. InSunday Times" undSundyy Ex­preß" wird die Frage erörtert, ob England über­haupt praktisch in der Lage sei, auf die deutsche Vergeltung auch seinerseits mit Vergeltung zu antworten.Sunday Times" kommt dabei zu dem Ergebnis, daß ein solcher Versuch untunlich und sogar höchst gefährlich sei, weil Eng­land sich dann einer neuen Wiedervergel­tung aussetze, aber z u s ch w 4ei, um nach dem GrundsatzAuge um Auge, Zahn um Zahn" wirkungsvoll zu antworten.

Sunday Expreß" kritisiert die brititoe Kriegs- führung im Nah en Osten besonders scharf. Der Entschluß, ein britisches Expeditionskorps nach Griechenland zu senden, fei ein Fehler gewesen. Unsere Armee dorchin zu schicken war die Auf­forderung, sie ins Meer zu werfen." Das Problem bestehe gegenwärtig darin, wie man «us Griechenland wieder fortkommen solle. Es sei eine Dummheit, wenn England versuchen wolle, die deutsche Armee auf dem Kontinent zu bekämpfen. England müsse sich darauf beschränken, den Krieg nur zur See und in der Luft lediglich zu dem Ziele der Verteidigung Ae­gyptens und des Suezkanals zu führen.

Eingeborenen-Truppen aus Tlieder- ländisch-Indien nach Nordafrika?

Tokio, 21. April. (Europapreß.) Die Agentur Domei berichtet aus Batavia, gewisse Kreise Nieder-

Der italienische Wehrmachtbericht.

Nom, 21. April. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

Am gestrigen Tage haben unsere Truppen die griechischen Truppen, die in den befestigten Stel­lungen an der albanischen Grenze zähen Wi­derstand leisteten, zum Rückzug gezwungen. Es fanden erbitterte Kämpfe statt, in deren Ver­lauf sich besonders das 4. Bersaglieri-Regiment aus­zeichnete. Es wurden alle Ortschaften längs der Küste des Ionischen Meeres bis zur alten Grenze besetzt.

Unsere Luftverbände haben in aufeinanderfol­genden Wellen feindliche Artilleriestellun­gen, Truppen- und Kraftwagenan­sammlungen angegriffen. Eine große Zahl dieser Kraftwagen wurde zerstört und beschädigt. In den Kanälen von Ithaka unb Korfu wur­den zahlreiche feindliche Schiffe getroffen. Die Ha­fenanlagen des Stützpunktes von M i f s o l u n g h i und der Bahnhof von Kalamata würden bombardiert.

Italienische und deutsche Flugzeuge haben den Flottenstützpunkt von La Valetta (Malta) heftig angegriffen. Eines unserer Flugzeuge ist nicht zu- rückgekehrt. Weitere Abteilungen unserer Flugwaffe haben wiederholt den Luftstützpünkt von Iraklion (Kreta) und die in der Suda-Bucht vor Anker liegenden Schiffe bombardiert. In I r a k l i o n wur­den an den Anlagen des Flughafens schwere Schä­den hervorgerufen In S u d a ist ein f e i n d l l ch e r Zerstörer in Brand gesteckt worden. Ein durch schwerkalibrige Bomben getroffener Dampfer ist gesunken.

Torpedoverbände haben wiederholt im östlichen Mittelmeer südlich derInselGuado einen feind­

lichen Geleitzug angegriffen und einen großen 15000-BR T.-Tanker sowie einen Hilfs­kreuzer von 8000 BRT. torpediert und versenkt. Alle unsere Flugzeuge sind trotz hef­tiger Abwehr der feindlichen Jagdflieger und der feindlichen Flak zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt.

In Nordafrika wurde ein Landungs­versuch des Feindes in der Gegend von B a r d i a prompt zurückgewiesen. Alle Truppen, denen es gelungen war, an Land zu kommen, wurden ge­fangen genommen.

Italienische und deutsche Flugzeuge haben wieder­holt Tobruk bombardiert und Hafenanlagen und die vor Anker liegenden Schiffe beschädigt. Weitere deutsche Flugzeuge haben englische Schiffe in der Bucht von S o l l u m getroffen. Ein Trans- p o r t s ch i f f wurde versenkt.

In S o l l u m sind vier englische Flug­zeuge von Jagdfliegern abgeschossen worden. Eine Blenheim wurde von der Flak zum Absturz gebracht. Der Feind hat in der Nacht zum 20. April Emflüae auf einige Ortschaften der Cyrenaika durch­geführt. Weder Opfer noch Schäden.

In O st a f r i k a sind feindliche Abteilungen im Abschnitt von T o g r a i unter unserem heftigen Ar­tilleriefeuer in die Flucht geschlagen worden. Im Gebiet von Galla und S i d a n o haben wir auf feindliche Truppen, die versuchten, sich unseren Stel­lungen zu nähern, sofort einen Gegenangriff durch­geführt und sie mit starken Verlusten für den Feind abgewiesen. Ein englisches Flugzeug, das von der Flak getroffen wurde, war gezwungen, innerhalb unserer Stellungen niederzugehen. Die Besatzung wurde gefangen genommen.

ländisch-Indiens befürworteten die Entsendung von Eingeborenentruppen nach Nordafrika, weil die in Nordafrika kämpfenden australischen Truppen die bevorstehende Sommerhitze weniger leicht ertragen könnten als die javanischen Eingeborenentruppen. Militärkreise Niederländisch-Indiens seien jedoch offenbar mit diesem Plan nicht einverstanden, sie erklärten, der Plan müßte an den Transport- schwierigkeiten scheitern. Es sei anzunehmen, daß der siegreiche deutsch-italienische Vormarsch in Nordafrika in Kürze die Verkehrsverbindungen s b - schneiden könnte.

Japans Stellung im Pazifik.

Tokio, 21. April. (Europapreß.) Mit der Poli­tik Englands und der USA. im Pazifischen Ozean beschäftigt sich erneut die Tokioter Presse vom Montag. Die Blätter sind der Ueberjeugung, daß die Politik der USA. im Pazifik auf den Versuch hinziele, eine Stärkung der japanischen Stellung in diesem Raum zu verhindern. Die Haltung der USA. und Englands habe für Japan eine Vor­bereitung auf Zwei-Fronten-Operatio- nen erforderlich gemacht. Die ZeitungPimiuri" betont, daß der japanisch-russische Neu» tralitätspakt Japan jetzt die Hälfte der Bürde abnehme und ihm erlaube, seine ge famten Kräfte an der Seefront zu kon­zentrieren. Der Abschluß dieses Paktes sei zugleich die beste Widerlegung der englischen und amerika­nischen Ansicht, daß Japan nach dem vierjährigen Chinakrieg zusammenbrechen werde und der 3fo« lierung verfallen fei.

Matsuoka in Tokio erwartet.

Tokio, 22. April. (DNB. Funkspruch.) Außen­minister Matsuoka flog am Dienstagmorgen von Dairen ab, um sich über Fukuoka nach Tokio zu begeben, wo er am Nachmittag erwartet wird. Matsuoka wird sich sofort in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten K o n o y e begeben. In einem Außerordentlichen Kabinettsrat wird Mat­suoka über das Ergebnis seiner 40tägigen Guropa« reise Bericht erstatten. Ein Geheimer Staatsrat wird sich am Donnerstag mit dem japanisch-russi­schen Neutralitätspakt befassen, dessen Ratifizierung noch am gleichen Tage erfolgen dürfte.

Oer Führer empfing König Boris von Bulgarien.

FührerhauptquarNer, 21.April. (DNB.) Der Führer Hal am 19. April König Boris von Bulgarien zu einem Besuch empfangen. Der König ist am 20. April nach Sofia zurück- gekehrl.

Oer erste deutsche Gesandte in Agram

r-

SA.-Obergruppenführer Siegfried Kasche, den der Führer zum deutschen Gesandten in Kroatien ernannt hat, wurde 1903 in Straußberg, Mark Brandenburg, geboren und besuchte das Kadetten­korps. Nachdem er an den Kämpfen im Baltikum 1919 teilgenommen hatte, schied er 1920 als Fähn­rich aus der alten Armee und betätigte sich in der Landwirtschaft, im Bankwesen, in der Glas-industrie und im Textilhandel. Gleichzeitig gehörte er den Wehrverbänden und seit Ende 1925 der NSDAP, als stellvertretender Gauleiter und als Führer ver­schiedener SA.-Gruppen an. Seit 1930 ist er Reichs­tagsmitglied, seit 1937 Führer der SA. -

Gruppe Hansa und seit Beginn dieses Kriege Offizier. Er nahm am Feldzug gegen Polen urfr am Feldzug im Westen teil, wobei er am 27. ; 1940 verwundet wurde. Kasche ist Träger des ($&. denen Ehrenzeichens der NSDAP, des Satten frei, zes, des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse und qn derer Orden und Ehrenzeichen.

Rückkehr der italienischen Flaggen nach Dalmatien.

Rom, 21. April. (Europapreß.) Eine nach dx anderen kehren die italienischen Flaggen nach, matien zurück, die 1923 bei dem Abzug der 3^ liener aus den dalmatinischen Städten nach Jtali«, gebracht worden waren. Diese Flaggen sind als ar« vertrautes Gut sorglich aufbewahrt worden, Flagge der Insel Arbe (Raab), die in San Marir» aufbewahrt worden war, ist ebenfalls dieser Tag ihrer Bestimmung wieder übergeben worden.

Kleine politische Nachrichten.

Aus Anlaß des Geburtstages des Führers hab« zahlreiche ausländische Staatsober­häupter und Regierungschefs, darunter ür König und Kaiser von Italien und dcr Duce, telk, graphisch ihre Glückwünsche übermittelt, die ntt Danktelegrammen erwidert wurden. Viele andnl Persönlichkeiten und weite Kreise des Ausland« gedachten ebenfalls des Tages.

*

Unter der Schirmherrschaft von Reichsminis!ir Dr. Goebels und des italienischen Botschafters Alfieii findet zugunsten des 2. Kriegshilfswerkes für bcj Deutsche Rote Kreuz am Donnerstag in der PH« Harmonie -e i n Konzert mit Benjamin, Gigli und seiner Tochter Rina Lorenzelli-Tig.! unter Mitwirkung des Orchesters des Deutsch« Opernhauses statt.

*

Als zweite Aufführung des italienischen Opern gastspiels bot das römische le atro Reale im Bn liner Deutschen Opernhaus BellinisNorme' unter musikalischer Leitung von Tullio Serafin Persönlichkeiten aus Partei, Staat, Wehrmacht uri Kunst waren auch an diesem Abend anwesend Außerdem hat Reichsminister Dr. Goebbels für fett Vorstellung mehrere hundert Karten verwunde!« Soldaten, kinderreichen Müttern und Frauen an! Rüstungsbetrieben zur Verfügung gestellt.

Reichsminister Dr. Goebbels empfing den ®oe oemeur von Rom, Fürst Gian Giacomo Borgtz, e je, der anläßlich des Gafffpiels der Kgl. ita lienischen Oper zu Rom in Berlin weilt. Füri Borghese sprach als Vorsitzender des Verwaltungs- rotes der Kgl. italienischen Oper in Rom Dr. Goeb bete seinen Dank aus für die gastliche Aufnchmk der römischen Oper.

Im Berliner Sportpalast fanden sich aus AM des italienischen Festtages der Arbeit die in Berlm tätigen und die Abordnungen der im Reich eingifr setzten italienischen Arbeiter mit ihren Kameradin der DAF. zu einer Kundgebung zusammen. (9f sandter Cosmelli überbrachte die Grüße des ito lienischen Botschafters. Sodann richtete Dr. ße? im Namen des schaffenden deutschen Volkes herzliH Worte der Begrüßung an die italienischen Arbeit kame-vaden.

c I 1

Wie Havas aus Beirut meldet, soll Köniz Beter von Serbien in Begleitung Genercil

imowitschs, des Vizepräsidenten, des Außew Ministers und des Hofministers in Jerusalem eingetroffen sein. Das Flugzeug des Königs sei ad dem Fluge nach Alexandnen angegriffen und em Minister dabei getötet worden.

In Uesküb in Mazedonien hat sich ein zen­traler Aktionsausschuß für Mazedonien gebildet, be: die hervorragenden Vertreter des dortigen Bulgaren tums vereinigt. Ein bulgarisches Vorkommando wurde von der Bevölkerung mit größter Begeh!» rung begrüßt.

Das im Dienste Englands fahrende 9400 BRT große TankschiffNina Börthen" ist untergegangem

WWWlISUsMIchl.

Roman von Otto WM.

(Schluß.)

Und nach Hause!"

Aber auch zu mir?"

Ja..." Sie lächelte.Damit deiner Eitelkeit ein bißchen geschmeichelt wird, will ich dir sogar ge­stehen, daß du mein erster Gedanke warst!"

Dafür will ich dir..."

Es pochte kurz und hart gegen die Tür. Charlotte sprang auf und trat ans Fenster. Auch Peter erhob sich. Gert trat ein und zeigte noch immer fein un­wirsches Gesicht.Was ist mit euch beiden eigentlich los? Ist euch vielleicht entfallen, daß ich auf euch warte? Soll ich da unten anwachsen? Wurzeln schlagen? Verhungern? Na, was seht ihr mich so blöd' an? Komm ich euch ungelegen?"

Vor allem solltest du leiser sprechen", sagte Char­lotte,der Junge schläft."

Der würde auch schlafen, wenn neben ihm die Erde unterginge, so müde war er."

Peter trat einen kleinen Schritt vor.Ja, du störst furchtbar, lieber Junge. Du hast ein gottbe­gnadetes Talent darin, in den unpassendsten Augen­blicken aufzutauchen."

Dann kann ich ja wieder gehen."

Bleibe meinetwegen, aber dreh' dich mal für zehn Sekunden um."

Umdrehen? Wieso? Was habt ihr denn für eine Ueberraschung?"

Dreh' dich um, zum Donnerwetter!" rief Peter mit verhaltener Stimme, um Jockele nicht wach zu machen.

Gert drehte sich brummend zur Wand, worauf Peter zu Charlotte ging und ihr zuflüsterte:Hier­bei wurden wir vorhin unterbrochen, Lolott? Es muß rasch nachgeholt werden, ehe dir's wieder leid wird, was du mir alles gesagt hast." Er nahm ihr Gesicht zwischen die Hände und küßte sie.

Don der Wand her sagte Gert:Ich habe auch hinten ein Paar scharfe Augen, und meine Ohren sind gut. Also, dann gratuliere ich man auch schon!"

Arn anderen Morgen war Hanne da und meldete sich bei Peter im Hotel."Er war die Nacht über ge­reist und sah etwas verwildert aus. Außerdem war er sehr gedrückt und niedergeschlagen. Seine erste Frage galt Jockele.

Peter war gerade beim Rasieren und schäumte sein Gesicht vor dem Spiegel ein.Der ist bei den Mathesius-Leuten in Lolotts Obhut. Sie rft noch gestern zu ihren Eltern übergesiedelt."

Große Versöhnung also?"

Wahrscheinlich. Sie hat eine lange Unterredung mit ihrem Vater gehabt und nicht mal mir erzählt, wie es dabei zugegangen ist. Als die beiden heraus- tamen, saßen wir gerade beim Abendbrot, und Vater und Tochter waren in einer etwas feierlichen, aber durchaus friedfertigen Stimmung. Familien­tafel, verstehst du? Ich immer mitten drin."

Schon richtig und feierlich auf genommen?"

Richtig ja; feierlich nicht. Die Mutter ist eine reizende alte Dame, Gerts Bruder ein feiner Kerl und dessen Frau entzückend."

Na, dann paßt du ja in die Runde."

Denk' ich auch. Wir saßen noch lange beisammen, und der alte Herr hat mich auf Herz und Nieren ausgefragt, bis ich..."

Ja, und der Junge?"

Geht an die Mutter zurück."

War's sehr schwer mit Lolvtt? Ich meine, hat sie viel Einwände gehabt?"

Ich hob's dir ja schon am Telefon gesagt: es ging. Es wird wcchl noch zum Abschied ein paar Tränen geben und dann..."

Hanne räusperte sich und strich sich mit der Hand über sein borstiges Haar.Die Sache ist nämlich die," bemerkte er,daß der Junge bei mir bleibt."

Peter fuhr herum.Bei dir? In Gatow? Du als Amme?"

Na, von einer Amme kann ja bei Jockele nicht mehr die Rede fein."

Ja, aber Menfchenskind, was willst du mit dem Jungen? Du kannst dich doch gar nicht um ihn kümmern."

Hanne richtete sich empört auf.Wie? Hab' ich mich etwa nicht genug um ihn gekümmert? An wem hängt er am meisten? An dir etwa?"

Nun reg' dich nicht auf, Hanne! Aber fo ein Kind bei einem Junggesellen das geht nicht gut!"

Die Mutter bleibt nämlich auch bei mir."

Peter ließ seinen Rasierapparat sinken.Hör' mal, ist das dein Ernst?"

Warum soll ich dumme Witze machen? Was ist denn auch dabei zum Staunen? Ich brauche je- | manben im Hause, wo doch Lolott nun weggeht. Soll ich mir wieder so einen Drachen ins Haus nehmen, der mir alles verkommen läßt? Und da bin ich denn also mit Jockeles Mutter übereinge­

kommen, daß sie zu mir kommt. Sie weiß auch nicht recht wohin."

Ein großartiger Ausweg."

Siehst du! Finde ich nämlich auch. Sie hat ja zwarne Arbeit gefunden, aber in einer Fabrik, Spulen wickeln, und sie fühlt sich elend dabei. Kein Wunder! Sie hat immer im Haushalt auf dem Lande und in frischer Luft gearbeitet. Kann sie bei mir wieder haben soviel sie will. Sie ist selig und ich... na, ich bin froh, daß auf diese Weise der Junge bei mir bleibt. Es wäre mir eine Last auf dem Herzen gewesen, wenn ich ihn hätte hergeben müssen und nie gewußt hätte, ob er's auch gut und ordentlich hat. Jetzt sorge ich selber dafür."

Nette Frau Jockeles Mutter?" fragte Peter arglos. I

Gott ein dummes Mädel, augenblicklich ziem­lich de- und wehmütig, ein ganz braves Kerlchen, glaube ich. Du wirft sie ja noch fennenlemen. Es ist ihr mächtig aufs Gewissen gegangen, daß sie den Jungen damals auf dem Bahnhof hat sitzen lassen. Und manchmal ist es ganz gut, wenn ein Mensch Mal gehörig bei seinem Gewissen gepackt wird."

Ist sie hübsch?"

Hanne überlegte.Weiß ich nicht. Na ja, we­nigstens nicht gerade häßlich. Sie sieht dem Jungen ähnlich, so um die Nase herum, weißt du."

Ist sie jetzt schon bei dir zu Hause?"

Sie kommt erst morgen, wenn ich mit Jockele zurück bin. Bist du nun also endlich bald fertig? Mein Zug geht schon gegen Mittag."

So eilig?"

Mir macht zu Hause keiner meine Arbeit, und mit dem Jungen kann ich doch nicht nachts reifen."

Stimmt! Daran hab' ich nicht gedacht! Also dann wollen wir uns mal auf den Weg machen. Spiel' den feinen Mann, Hanne, spuck' nicht in den Salon und tritt dir die Füße schon draußen ab!

i Du kommst in ein vornehmes Haus!"

Quatsch!" antwortete Hanne.Die werden wohl auch man bloß mit Wasser kochen, und ich komm' ihnen ja nicht zum zweitenmal unter die Augen."

Doch!"

Wann denn?"

Zu unserer Hochzeit fm Herbst, Hanne! Auch das hat geklappt, und du wirst dafür sorgen müssen, daß es auch im Herbst klappt. Wo wir drei doch so gut zusammen gelebt haben, darfst du nicht fehlen, wenn es wirklich ernst wird."

Hanne war nicht für die Teilnahme an groß- j artigen Feierlichkeiten. Er kratzte sich den Kopf, suchte nach Ausflüchten und machte bann eine weg.1

schiebende Handbewegung.Bis dahin ist ja noch eine Menge Zeit. Und wenn's durchaus fein miH werd' ich schon kommen. Ihr sollt nicht sagen, toi ich euch im Stich gelassen habe."

Charlotte befand sich mit ihrer Schwägerin W im Garten, als Peter mit Hanne eintraf. Jockckr hockte vor ihr im Rasen und beobachtete wohl einen Käfer, der zwischen den Grashalmen hin und N kroch. Hanne blieb stehen, und fein Gesicht wari von einem seligen Lächeln verklärt, als er den gen erblickte. Er spitzte den Mund und pfiff umd stellte sich gleichzeitig hinter einen dicken Baum Jockele kannte den Pfiff. Zu vielen hundert Malen hatte Hanne ihn damit herbei gerufen. Er fpraity auf und sah sich um. Kein Hanne weit und breit zv sehen. Jockeles erwartungsvolle Miene erlosch. Chai' lotte griff nach ihm, aber in diesem Augenblick M Hanne um den Baum herum und wiederholte den Pfiff. Da jauchzte Jockele auf. Charlotte wollte i^ halten, aber er riß sich gewaltsam von ihr los, fi» beinahe, weil er in so heftigem Schwung mar utu' rannte auf Hanne zu.

Charlotte war vergessen.

So fühlte sie es wenigstens. Peter sah es ihr flj Als er vor sie hintrat, blickte sie noch immer Iockell! nach, und in ihren Augen wurde es feucht.

Mit einem Freudenschrei warf Jockele sich M Hannes Arme.

Er ließ sich hochheben, durch die Luft schwenken strampelte vor Entzücken und kreischte in unbäin big er Lust.

Charlotte wendete keinen Blick von den beidein Ihr Gesicht war sehr ernst, ein wenig enttäufefc und voll schmerzlicher Entsagung. Dann legte I» eine Hand auf Peters Arm und wendete sich ilM zu. Sie seufzte tief auf.Du lachst ...", jagte F leise,ich kann nicht lachen. Ich habe ihn sehr ü* gehabt, den kleinen Bengel, und er nimmt ein Stück Herz von mir mit."

Dein Herz wird dadurch nur reicher werdet, Lolott! Und daß ich eben lachte du lieber Gott- ich hatte Grund dazu!"

Einen Grund? Welchen?"

Ich habe an einen anderen Jockele gedacht, den fein Hanne eines Tages für sich beanspruchen vnnr der keinem gehören wird als dir und mir on unseren Jockele."

Da lächelte sie ein wenig, drückte seinen AM und ging auf Hanne zu, um ihn zu begrüßen. Nst Gang war leicht und unbeschwert, ihre Miene heitea und Peter wußte, daß auch sie nun an den Jockei" dachte, der chr ganz allein gehören würde.