Ausgabe 
20.11.1941
 
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zusuchen, unter der sie leben wollen". An dieser For­mulierung lieft sich nicht deuteln. Indien h a t feit langem bie Reaierungsform gewählt, unter der es leben will. Auf jeden Fall lehnt es die britische Bevormundung, überhaupt das britische Joch ab. Deshalb forderte man noch vernehmlicher eine ein­deutige Antwort. Nach rund zwei Monaten hat sich schließlich LhutchiU im englischen Unterhaus zu einer Antwort bereitgefunden. Sie lautete u. a.:Die ge­meinsame Erklärung stellt in keiner Weise eine nähere Bestimmung für die verschiedenen Verlautbarungen über die Politik dar, die von Zeit zu Zeit über Ent­wicklungen der konstitutionellen Negierungen in In­dien, Burma und anderen Teilen des britischen Empire abgegeben wurden ..." Das heiftt also nicht mehr und nicht weniger, als daft die Erklärung Churchills und Roosevelts vom 1. August ledig­lich eine Phrase war, die keinerlei bindende Berpslichtungen für die nach der alleinigen Welt- Herrschaft strebenden Länder enthält. Der indische Staatsrat hat demgemäß in einem mit großer Mehrheit angenommenen Beschluß der englischen Regierung die tiefe Unzufriedenheit über die wei­tere Vorenthaltung des Selbstbestirnmungsrechts der Inder übermittelt. England kämpft In Worten für die Freiheit, In Wahrheit für die Beherrschung der Völker der Welt setzt und in Zukunft.

Keine (Sntlaffung politischer <Sef ngener in Indien.

Kanton, 19 Nov. (DNB.) Die starke Benn- ruhlguna, die in ganz Indien über das Schicksal der in britischen Kerkern schmachtenden politischen (Befangenen herrscht, hat die britisch-indische Regie­rung jetzt zu einer hinhaltenden Erklärung veran­laßt. Innenminister Sir Reginald Marwell berich­tete der gesetzgebenden Versammlung, daß die Re­gierung i in gegenwärtigen Augenblick nicht in der Lage sei, Versprechungen hinsicht­lich der Freilassung politischer (Befangener in In­dien zu machen. Die Umstände seien nicht in allen Provinzen die gleichen. Die Angelegenheit müsse weiter In sorgfältige Erwägung gezogen werden, das Ergebnis würde ohne unnötigen Zeitaufschub und in wohlmeinendem Geiste zur Durchführung aelanaen. (!) Wegen zivilen Ungehorsams seien 1300 Personen in Arrest, wegen anderer Vergehen 950 und wegen politischer Verstöße 366.

LebenSmit eh und Brennstoffnot in Samara.

Gens, 19. Nov. (Europapreß.) Die Dersorgungs- läge in der vrovjsorischen sowjetischen tiauptftobt Samara hat sich nach Berichten nordamerikanischer Korrespondenten in den letzten Tagen außerordent­lich verschlechtert. Der Mangel an Lebensmitteln und Brennstoffen mache sich immer mehr fühlbar. Das fei nicht nur die Folge des ständigen Anwach­sens der Bevölkerung, sonoern auch durch olc Vereisung der Wolga herbeigeführt. Diele Schleppzüge feien eingefroren. Nur noch vereinzelt hätten kleine Boote mit Hilfe von Eisbrechern Sa­mara erreichen können.

Oer Duce zum Tode lldets.

Berlin, 19. November. (DNB.) Aus Anlaß des Todes des Generalobersten übet hat b e r D u c e dem Führer folgendes Beileidstelegramm über­mittelt:Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen den Ausdruck meines schmerzlichen Beileids zum Tobe des unvergleichlichen Übet übermittle. Als großer Flieger und aufrichtiger Freund Italiens zählte er unter uns viele Bewunderer und Freunde. Musso­lini." Der Führet dankte dem Duce in einem Telegramm für die herzliche Anteilnahme.

Da» Ritterkreuz.

Berlin, 19. Nov. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshaber» des Heeres das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Generalleut­nant Meyer-Bürdorf, Kommandeur einer Infanteriedivision, Oberst Luz, Kommandeur eines Schützenregiments-, Major Ritter, Bataillons- tommanbeur in einem Infanterieregiment; Major Grabl, Abtcllungskommandeur in einem Pan­zerregiment, Oberleutnant Peftke, Kompaniechef in einem Infanterieregiment, und Feldwebel Kopp. Zugführer in einem Infanterieregiment; ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshabers b<r Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant Schlbau, Batteriechef in einem Flakregiment.

Kleine politische Nachrichten.

Am Frontabschnitt von G o n b a r unternahm der Gegner nach Luftangriffen, die vom Morgen­grauen bis Sonnenuntergang anhielten, erneut hef­tige Angriffe auf einige Stellungen. Nach erbitter­ten Verteidigungskämpfen von Mann gegen Mann

Neue erfolgreiche Angriffe im Gange.

Der Wehrmachtbericht.

DJtB. Aus dem Führerhauptquartier, 19. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der O st f r o n I sind neue erfolgreiche Angriffe im Gange. Bei den Kämpfen der letzten drei Tage rourben über 10 000 Gefangene eingebracht und 171 Panzerkampswagen vernichtet.

Durch Luftangriffe auf die Festung Sewasto­pol entstanden in Wersten und Sprengstofslagern heftige Explosionen. 3m Hafen wurde ein großer Frachter durch Bombenwurf beschädigt.

Kampfflugzeuge bombardierten in der letzten Nacht militärische Anlagen in Moskau und Le­ningrad sowie rückwärtige Verbindungslinien des Feindes im mittleren Frontabschnitt.

Aus der britischen 3nsel belegte die Luft­waffe in der Nacht zum 19. November Häfen und Versorgungsbetrlebe vor allem an der O st k ü st e mit Bomben schweren Kalibers.

3n der Feit vom 9. bis 15. November verloren die s o w j e t i s ch e n L u f l st r e i t k r ä f t e 232 F l u g- zeuge. Davon wurden 122 in Lustkämpfen, 44 durch Flakartillerie abgeschossen, der Nest am Boden zerstört, wahrend der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 24 eigene Flugzeuge verloren.

GchwereVerlustederGow^eis

Berlin, 19. November. (DNB.) An einigen Abschnitten der Ostfront läßt setzt die Wetterlage neue Angriffsoperationen zu. Schon die ersten Be­richt« von diesen Kampfhandlungen geben ein Bild neuer Erfolge. Wenn in den letzten drei Tagen 10 000 (Befangene gemacht wurden, dann bedeutet bas die Zerschlagung einer 6 o ro i e t b l d i sion. Wenn im gleichen Zeitraum 171 Soroetpan- zer vernichtet wurden, dann besagt diese Zahl, daß etwa sechs dolschewi ft Ische Divisionen ihre gesamte Pan.zertampfkrast verloren haben. Die Luftwaffe hat zur Unterstützung des Heeres starke Kamp^verbänbe eingesetzt. Ihre Angriffe rollen Tag und Nacht gegen die Feldstellungen der sowjetischen Infanterie und Artillerie. Truppenbereitstellungen hinter den bolschewistischen Linien, Ortschaften und f Transportwege zur Front lagen unter Bomben aller Kaliber. Da Dörfer und Straße-n von Truppen | dicht belegt waren, hatten bie Sowjets ungeheure blutige Verluste.

Im mittleren Abschnitt unternahmen die Bolschewisten in den gestrigen Nachmittaqsstunden einen Panzerangrlsf gegen eine Ortschaft, die vorher von den Truppen einer deutschen Division genommen worden war. Die anstürmenden Sowjets

warfen die italienischen Truppen überall die An­greifer zurück, die schwere Verluste erlitten.

ch

Am 23. November wird die Universität Straßburg mit einem akademischen Festakt, in dessen Rahmen Nelchsminister R u st sprechen wird, roiebereröffnet.

Das Staatsdepartement beförderte zwei USA.- Konsuln in Burma und den Konsul der Vereinig­ten Staaten in W l a b l w o st o k zu Generation- suln, um ihnen angesichts des an diesen Orten jetzt zahlreich stationierten USA.-Militärs einen höheren Rang zu geben. Auf der Insel Antigua, einem USA.-Stützpunkt in Britisch-Wcstindien, wurde ein Konsulat eröffnet.

Nach der United Preß verfügte das Rüstungs- produktionsamt der USA. die Verringerung des amerikanischen Kraftwagenbaues ob Februar 1942 auf 43,9 v. H., da Material für die Rüstungsindustrie gespart werden müsse.

Die spanische Regierung stellte einen Kredit von 35,5 Millionen Peseten zur Erweiterung des Kriegs- Hafens Cartagena zur Verfügung; u. a. werden sieben elektrische Kräne gebaut.

Aus aller Mett.

Geheimrat Professor Dr. Walter Nernst f.

Der berühmte Physiker Geheimrat Professor Dr. Walter 91 e r n ft ist am 18. November auf feiner Besitzung Ober-Z belle bei Muskau (Schles.) im Alter von 77 Jahren gestorben. Nernst wurde IS64 in Briesen (DZestpr.) geboren, war nach dem Studium der physikalischen Chemie Assistent von Wilhelm Ostwald, kam 1891 nach (Böttingen, wo

verbluteten sich im deutschen Feuer und verloren in kurzer Zeit 27 Panzerkampfwagen. In einem ande­ren Dlwsionsabschnitt wurden in Panzerkämpfen weitere 23 Panzer, darunter zwei 52-Tonner und fünf 34-Tonner, abgeschossen. Nachmittags wurden weitere 13 Sowjetpanzer erbeutet ober vernichtet. 14 Geschütze fielen in deutsche Hand.

Wie bei diesen Kampfhandlungen waren Batte- rien des deutschen Heeres auch an anderen Stellen mit guten Ergebnissen tätig. Ein in der Fahrtrinne Leningrad Kron st adt im Eis fejtgefrore- ner 1200 Tonnen großer Truppentransporter wurde unter Feuer genommen, so baß bie eingeschifften Sowjettruppen, etwa 600 Mann, bas Schiff ver­lassen mußten und dabei im Feuer der deutschen Artillerie schwere Verluste erlitten. Auch bie d o r Sewastopol eingesetzte schwere Heeresartillerie konnte erneut einen bolschewistischen Transporter versenken. Befestigungen und Hafenanlagen lagen unter der anhaltenden Wirkung deutscher Bomben. Dabei wurden auf zwei sowjetischen Dersorgungs- schiffen schwere Treffer erzielt und ein Sprengstoff- lager zur Explosion gebracht. Im Donezbecken gelang es den Bolschewisten nicht, das erfolgreiche Vordringen der deutschen Truppen durch Gegenan­griffe, die von Panzern und Flugzeugen unterstützt waren, au^zuhalten. In den Kamp en einer deut­schen Division wurden 10 Sowjetpanzer, darunter zwei schwerste, vernichtet und etwa 1500 Gefangene gemacht. Im benachbarten Diviftonsabschnitt erlitten bie Bolschewisten bei ebenfaüs vergeblichen Gegen- angriffen starke Verluste.

Der Schrecken in London.

Madrid, 19. Nov. (DNB.) Die Nachricht der Einnahme von Kertsch durch deutsche Truppen ist den Briten mächtig in die Glieder gefahren. Man sehe in England bereite, so meldetABC' aus Lon­don, den Sprung über die nur fünf Meilen breite Meerenge von Kertsch zum Vorfeld des kaukasifchen Erdölaebietes voraus. Auch die Londoner ZeitungEvening News" schreibt: Alle eitlen Illusionen lösen sich auf, die Ereignisse sind immer anders als erwartet, wo es auch sei. Je weiter Deutschland im Osten vorrückt, um so größer wird in England auch bie 21 n g ft vor der End­abrechnung.Daily Expreß" meint sorgenvoll: Nehmen wir einmal an, daß die Meerenge von Kertsch, von wo aus Deutschland letzt weiter auf den Kaukasus vorrückt, der2lermelkanal wäre .. ." Aehnliche Sorgen bereitet den Londonern auch S e wastopol.Daily Telegraph" schreibt, Sewastopol liege fortwährend im schweren deutschen Artillerie- feuer und erleide dauernde Stukaanqrisfe. Es könne nicht mehr als ein irgendwie nützlicher Stützpunkt für die sowjetische Schwarzmeerflotte angesehen werden.

er 1894 Ordinarius wurde, und folgte 1905 einem Ruse an die Berliner Universität, zu deren berühm­testen Lehrern er bald gehörte. Allgemein bekannt würbe fe'n Name durch die Erfindung der Nernst­schen elektrischen Glühlampe. Zu den bedeutendsten Ergebnissen seiner Forschung gehört ferner das Nernstsche Wärmetheorem". Nernst war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften unb Ritter des Ordens Pour le mörite für Kunst unb Wissenschaft.

Schweres Schifssunglück auf dem pangkse.

Auf dem Pangtse ging das japanische Mo­torschiffB a l f e i Maru", bas mit 200 Chi- nesen als Passagiere und mit einer Ladung Wolle an Bord auf der Rückfahrt nach Schanghai war, auf der Höhe von Woosung plötzlich mit Mann und Miu- unter. Ein ihm entgegenkommendes japa­nisches Schiff sichtete dieBctsei Maru" in sin­kendem Zustand, fand jedoch beim (Erreichen der Unglücksstelle keine Spur mehr von dem Schiff vor. Weber Schiffsteile noch Oelflecke auf dem Wasser kennzeichneten die Stelle des Unglücks.

Schweres Eisenbahnunglück in Tokio.

In Tokio stießen zwei Personenzüge vor dem Ueno-Bahnhof zusammen. Es wurden 20 Personen getötet un'b viele verletzt.

Dena verzeichnet ein schweres Erdbeben.

Am Dienstag verzeichnete die Reichsanstalt für Erdbebenforschung um 17.58 Uhr 48 Sekunden Erd­beben stärksten Ausmaßes in 9200 Kilometer Herd- entfernung. Die Bodenschwankungen in Jena hiel­ten 2/s Stunden an. Die Energie des Bebens war so groß, daß bie Erdbebenwellen den Erdball meh­rere Male umkreist haften. Als Herdlage kommt Japan ober bie umgebenden Meere in Frage.

Aus -er Sta-i Gießen.

Krast-durch-Ireude^-Wocke in Gießen

Hervorragender Auftakt mit einem einzigartigen Lichtbildervortrag.

Arn gestrigen Mittwochabend wurde dieKraft» durch-Freude"-Woche in Gießen, die in der Zelt vom 19 bis 27. November eine Reihe interessanter Ber- anftaltungen bringen wird, mit einem geradezu sen­sationellen Lichtbildervortrag in der bis zum letzten Platz besetzten Aula der Universität eingeleitet. Auf Einladung des Deutschen Dolksbildungswerkes in der NSG.Kraft durch Freude" sprach der erst 22 Jahre alte Student Hans Haß aus Wien in so anschaulicher und mitreißender Art über das fesselnde ThemaUnter Korallen unb Haien", daß man ihm gern zwei Stunden lang mit lebhafter Spannung folgte unb dabei im Geiste eine Expedi­tion mitmachte, die für ihre Träger ein unvergeß- Heftes Ereignis war. .

Der Vortragende berichtete von feinen und feiner Kameraden ungewöhnlichen Erlebnissen und Erfah­rungen als Tiefseetaucher und Meeresforscher, von seinen Unterwasserjagden auf Fische aller Arten unb Größen, ja sogar au* Haie, mit Harpune und Kamera im Karibischen Meer. Einleitend erzählte er, wie er zu dieserausgefallenen Sache" über­haupt gekommen ist, die ikjren Anfang nahm am Strande der französischen Riviera, wo ber lungt Wiener Stubent während der Semesterferien aus sportlicher Leidenschaft den Gefteimnissen des Mee­res nachspürte urrb dabei von den Unterwasser- Schönheiten so gewaltig gepackt wurde, daß er nicht mehr davon loskam und den Wunsch empfand, auf diesem Wege in größerer freier W^dbahn des Mee­res weiterzu'orschen und noch gewaltigere Dinge und Schönheiten ber Unterwasserwelt zu erleben. Er zog bann, nachdem er das Geld mühsam ge­spart und zusammengekratzt baffe, mit zwei Sfu- denten-Kameraden hinaus nach Westindien, um tm Karibischen Meer seiner ungewöhnlichen Forscher- leidenschast zu leben und dabei immer neue und schönere Erkenntnisse zu sammeln. Wie dieses Le­hen für ihn und seine beiden Kameraden dort drau­ßen in ber Einsamkeit des Meeres und der unbe- wohnten Inselwelt ablief, welche Fülle von aufre­genden Erlebnissen, aber auch genußreichen Schön, betten der tropischen Meereswelt die drei jungen Menschen erfuhren, weich' reiche Nutzanwendungen sich dabei für die Meeresforschung und auch für die deutsche Wissenschaft ergaben, unter welchen großen Gefahren für Leib und Leben das Dasein der Drei inmitten der Raubfischwelt jenes Meeres sich ab­spielte, das alles erzählte der Vortragende in so anschaulicher unb schlichter Sprache, aber auch in so ungemein packender und mitreißender Art, daß die Hörer geradezu begeistert waren von dem Erleben, bas ihnen in dem etwa zweistündigen Dortrage in Verbindung des Wortes mit etwa 150 prächtigen Lichtbildern gefrfrnft rou**be.

Es ist für die Berichterstattung schlechthin unmög­lich, Einzelheiten aus diesem einzigartigen Vortrag fterauszuheben, da ein solches Beginnen die unver­diente Zurücksetzung anderer ebenso wichtiger Teile bedeuten würde. Der 93ort*-ag ronr non Anjana b's Ende en in sich fest geschlossener Reisebericht von einer Expedition, die unter beispiellos ungewöhn­lichen Umständen zustande kam und durchgeführt wurde, und die Erlebnisse und Ergebnisse brachte, die ebenso beispiellos ungewöhnlich sind Wer diesen Vortragsabend von Hans Haß erlebt hat, wird noch lange an den jungen Tiefseetaucher und Meeres­forscher sowie an seine Erlebnisse und seine Ziel­setzung znriickdenken, und er wird dem von großem Idealismus erfüllten jungen Manne von Herren wünschen, daß auch seine Zukunftspläne, die auf die Ausrüstung einer großen deutschen Forschungse'-ne- ' dition mit Schiff, Fachgelehrten usw. gerichtet sind und die der Erforschung der wunderbaren Korallen- und Fischreichtümer ferner Meer dienen soll, in Erfüllung gehen mögen.

Der Vortrag fand verdientermaßen starken dank­baren Beifall der begeisterten Hörer. Dem Vor­tragenden aber wird der Abend den Beweis ge­geben haben, daß auch die Gießener sich gerne für seine Arbeit und für seine Zielsetzung interessiert haben und ihr weiterhin mit starkem Interesse folgen werden.

tOornofben.

Tageskalender für Donnerstag.

NSG.Kraft durch Freude": Gloria-Palast 19.30 UhrLieder- und Arienabend Erna Sack". Wehr- wissenschaftlicher Vortrag: 20 Uhr im Physikalischen Horsaal, Stenhanstraße 34. Gloria-Valast. Sel­tersweg:Alkazar". Lichtspielhaus, Bahnhofstr.r Das Recht auf Liebe".

Derdunkelungszeit

20.11. von 17.21 bis 8.50 Uhr.

Karin Grunelius

Roman von Guiöo R.Branö

32 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Fast ohne Vorbereitung hatte Günther mehr als zwei Stunden gesprochen. Eine innere Begeisterung trug ihn über die falte Nüchternheit seines Vorsatzes hinweg, ganz sachlich au sprechen. War es nun, daß ihn der Anblick ber vielen jungen Mabchengesichter anfeuerte, waren es bie glühenden Augen, Die ihn vom ersten Wort an nicht mehr losließen, ober war es ber eine Blick, der ihn während des ganzen Vor­trages festhielt, Eva Rümelin, die In der ersten Bank saß er spürte den Schwung, den er sich selbst geben konnte, wie eine Erregung, die er bisher nicht an sich gekannt hatte.

Als er bann am Schluß seiner Rebe den eigent­lichen Zweck seines Besuches verkündete, herrschte eine Zeitlang fast beklommenes Schwelgen.

Ich verlange um Gottes willen nicht sofort eine Entscheidung von Ihnen. Jede, die irgendwie glaubt, einen Posten ausfüllen zu können, wie ich ihn Ihnen vorhin schilderte, möge sich bei dem Herrn Direktor melden.. Sie haben Zeit, es sich reiflich zu über­legen. Schließlich ist es ein Entschluß fürs Leben"

Der Direktor dankte ihm und unter Klatschen unb Trampeln verließ Günther den Hörsaal. Er kam sich wie ein Schauspieler, der aus dem Stegreif eine Rolle gespielt hatte, vor, eine Rolle, die er wahr­scheinlich niemals wiederholen konnte.

Ohne Zögern sagte er auch der Einladung zum Abendessen zu, und als er sich noch einige Augen­blicke im Zimmer des Direktors aufhielt, kam Eva Rümelin herein.

Ist der Herr Doktor nicht da?" fragte sie.

Wie Sie sehen, bin ich allein!"

Ich möchte mich nach Deutschost melden, Herr Merck!"

Günther trat ein paar Schritte näher:Wissen Sie, daß ich gewünscht habe, Sie möchten die erste sein, bie den Mut dazu hat?*

Eva ballte ihre Hände zu kleinen Fäusten. So persönlich war das nun doch nicht gemeint! Aber trotzdem antwortete sie nichts darauf. Ihr Blick ging weit über den Kaiser-Wilhelm-Kanal, über die wunderbare Geestlandschaft In den unendlichen Himmel hinein

Gunther blieb länger als diesen einen Tag in Rendsburg. Es gab auf einmal sehr viel zu er­ledigen, mehr als er vorausgesehen hatte. In einem Telegramm an seinen Vater, Der sich verpflichtet hatte, den Vermittler zu svielen, teilte er mit, daß er die geeigneten Kräfte gefunden habe. Er fei hoch­beglückt von dem, was er hier gesehen, gehört und gelernt habe. Alles Nähere werde ber Vater durch einen Luftpostbrief erfahren.

' 14.

Karin wußte selbst nicht, weshalb sie an diesem Abend einen Umweg über den Odeonsplatz machte. Sie ging gern zu Fuß die belebten Straßen ent­lang, allein mit sich, mit dem wunderbaren Gefühl, daß sich die Laboratoriumswelt langsam in dem Gewühl unb Lärm des Heimwegs verlor, daß sie sich wie in einer Brandung wiederfand, sich tragen lieft und als ein anderer Mensch nach Hause kam.

Im Laufe der unerhört mit Arbeit angefüllten Tage hatte sie diese Taktik, zu sich selbst zu kommen, für sehr erfolgreich gefunden. Noch mehr aber hatte sie das Bedürfnis, sich selbst zu finden, seitdem sie Günther ihre Absage gegeben, aber noch keine Ant­wort erhalten hatte. Er schien sich Zelt zu lassen. Jeden Morgen kam eine gewisse Unruhe über sie, well sie auf einen Bries hoffte. Vielleicht aber würde er In seiner Art einfach vor der Tür stehen und sagen:Hier bin ich!"

Sie wußte, daß viel Kraft dazu gehörte, dann stark zu bleiben. Irgendwie hatte sie sich bereits ganz dem Glauben an eine schicksalhafte Bestimmung hingegeben, die sie vorläufig in München bleiben hieß. Die Veranlassung hierzu gab nicht allein ihre

Tätigkeit selbst, sondern auch Thomas Bröger, der im Laboratorium wie ein Magier eine seltsam er­regende Atmosphäre hervorzaubern konnte.

Kaum, daß er sich um ihre Arbeit kümmerte. Nur hier und da fragte er nach Resultaten, besprach kurz unb nur orientierend bie Anlage ihrer Doftorabelt, zu der sie sich heute hatte überreden lassen. Alles andere schien für ihn nicht zu existieren.

Wie seltsam war es eines Tages, als sie etwas später ins Institut kam. wie immer freundlich grüßte, aber keine Antwort erhielt. Thomas Bröger saß vor einem flammenden Bunsenbrenner und blickte nur kurz auf. Ein weiches Lächeln, daß sie nicht zu deuten wußte, umspielte feine Lippen. Es konnte vielleicht ihr gelten als Entgegnung, es konnte aber ebensogut eine Siegesbotschaft ankündigen, konnte besagen, daß ihm wieder ein Versuch gelungen war.

Seitdem er sich mit der Strukturformel des Bio­tins beschäftigte, feine reversible Oxydation fest­gestellt hatte und eine aktivierende Wirkung auf eine Reihe eiweißspaltenber Fermente nachweisen konnte, hatte er sich wie Hieronymus in sein Gehäuse zurückgezogen.

Aber weshalb kümmerte sie sich überhaupt der­artig um ihn? Sie machte sich Vorwürfe, daß sie sich viel zu sehr mit seiner Anwesenheit befaßte. Konnte sie nicht einfach an ihren Schrank gehen und ihren weißen Arbeitskittel anziehen, gleichgültig, was jen­seits des Tisches vorging? Oder durfte sie es als wissenschaftliches Interesse auslegen, als kollegialen Beistand, der nur zum Vorteil gereichen konnte?

Thomas Bröger schüttelte noch ein paarmal das Reagenzglas über die Flamme unb schaute gespannt auf die helle Flüssigkeit, die sich langsam verfärbte. Eine ungeheure Erregung spiegelte sich auf seinem Gesicht.

Aber tat sie denn nicht das gleiche? Saft sie viel- leldü auch so aus, so besessen und einer einzigen Idee hörig, so ohne Beziehung zur Umgebung?

Seine Augen glühten unter den eng zusammen- gezogenen Brauen, die tiefeingegrabenen Falten auf der Stirn vibrierten, wie von einem flammenden

Hauch angeweht; um seinen Mund zuckte es in wech­selndem Spiel von Zweifel und Glauben an dem Gelingen. Ein leiser Schauer überlief sie. So mußten einmal die Goldmacher ausgesehen haben, die aus brodelnden Hexenkesseln die Elixiere des Lebens her­auskristallisierten und nach schlaflosen Nächten in die Mysterien der Natur geschaut zu haben glaubten. Ins Maßlose gesteigert, von Hunderten von Instru­menten und Tausenden von Werkzeugen umgeben, Brennpunkte flirrender, glitzernder Gläser und Re­torten, fiel sie ein jahrtausendealtes Ringen an. Endlich schaute er hoch.

Wie von einer unsichtbaren Hand fortgewischt, war die große Unruhö auf seinem Gesicht ver­schwunden, der Blick fiel in sich zurück, als er das Glas ins Regal stellte und eine kurze Notiz in ein Buch eintrug,

Gelungen?" fragte Karin, obgleich sie es schon an der Reagenz erkannt hatte unb erwartete, daß er es ihr mit einem Freubenschrei verkündete.

Fast nebensächlich, als wäre es unw chtig, be­stätigte Thomas es mit einem kurzen Ja.

Sie verstand das nicht. Noch weniger, als er ein wenig überheblich meinte, man müsse die Natur nur Im geeigneten Augenblick überlisten, um ihren verborgenen Kräften auf bie Spur zu kommen. In dieser Sekunde schien ihm jede Demut vor ber Größe zu fehlen.

Ohne weiter auf ihn zu achten, nahm sie bie Dersuchsanordnung vom Tage zuvor In die Hand und wiederholte eine Reihe, ehe sie eine neue be­gann. Noch während sie angestrengt den Vorgängen folgte, die Reduktionen eintrug und verglich, hatte sie das Gefühl, daß sich eine seltsame, etwas be­brillte Sch cht um sie legte.

Wißen Sie übrigens, daß Sie sehr schönes Haar haben, Fräulein Grunelius?" hörte sie mitten in der lautlosen Stille Thomas fragen. Sie hatte ihn gar nicht im Zimmer vermutet, glaubte ihn nebenan bei feinen Eintragungen.

(Fortsetzung folgt)