Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
^31 Otto Kombach über sich selbst
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Ortszeit für den 21. Februar.
Sonnenaufgang 8.31 Uhr, Sonnenuntergang 18.47 Uhr. — Dlciibaufgang 5.05 Uhr, Monduntergang 14.13 Uhr.
Mittel dar. Das konnte erst dann der Fall sein, wenn man dieses Gemisch aus vielen verschiedenen Giftstoffen in seine einzelnen Bestandteile zerlegen und deren Wirkungen genau erkennen konnte. Der erste Schritt dazu wurde um das Fahr 1803 von verschiedenen Chemikern gemacht, die in dem ein- getrockneten Milchsaft des Mohnes, dem fogenann-' ten Rohopium, kristallisierbare Stoffe feststellten und diese rein zu gewinnen suchten. Bei der damaligen geringen Kenntnis im Zerlegen komplizierter organischer Verbindungen gelang dies freilich nicht so schnell. Der Mann, der als erster das reine Morphium in seiner Grundverbindung darstellte, war Friedrich Sertürner, ein Apotheker aus Paderborn. Als ihm dieser große Wurf gelang, war er knappe zwanzig Fahre alt, und dennoch verdankte er diese Entdeckung nicht einem Zufall, sondern systematischer und planmäßiger Arbeit. Fm Fahre 1806 veröffentlichte er seine erste Arbeit über den neuentdeckten Stoff, dessen große Bedeutung für die medizinische Wissenschaft er richtig erkannte. Statt Anerkennung aber erlebte er nur Enttäuschungen. Obwohl er auch über die Auffindung des Morphiums hinaus noch viele grundlegende Arbeiten auf chemischem Gebiet durchführte und veröffentlichte, blieb ihm jede Zustimmung von Seiten der Wissenschaft versagt, und er beendete fein Leben vergrämt und verbittert als Ratsapocheker in der kleinen Stadt Hameln. Kennzeichnend für die Aufgeschlossenheit Sertürners ist seine für die damalige Zeit erstaunlich fortschrittliche Annahme, daß die Cholera ihre Entstehung einem lebendigen, sich selbst fortpflanzenden Wesen verdankt. Die Größe und Tragik dieses Menschen wurzelte, wie bei so vielen anderen Forschern und Entdeckern darin, daß er seiner Zeit weit voraus war und das deutsche Volk und die deutsche Oeffentlichkeit es in den vergangenen Jahrhunderten oft genug versäumten, den eigenen Wissenschaftlern jene Beach- tunb zu schenken, bie es allzu eifrig den Auslän- ländern entgegenbrachte.
Nach Sertürners Entbeckung verging noch ae- raume Zeit, bis bas Morphium Eingang in Die Heilkunde fanb. Seit bem Jahre 1828 stellte bie Chemische Fabrik Merck bas Morphium unb an- bere Alkaloibe bes Opiumsaftes rein her. Der Name „Morphium" selbst mürbe erst im Jahre 1846 ge- prägt. Die Benennung nach bem griechischen Gott des Schlafes deutet schon darauf hin, daß man das
Derbunkelungszeit
20. Februar von 18.43 bis 8.29 Uhr.
frei. Im Falle der Versicherungspflicht zahlen Lehr- meister und Lehrling je die Hälfte des Beitrags Der Lehrmeister hat den Beitrag allein zu zahlt
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Fingerhutes; sie findet sich in dem Porträtbuch der Nürnberger Mendelschen Stiftung und zeigt den Fingerhutmacher bei der Arbeit: er bohrt gerade mit >em Rennbohrer die Löchlein in den Fingerhut. Erwähnenswert ist auch die Zeichnung der Werkstatt unes „Fingerhuters", die Jost Ammann mit vielen inberen Werkstattbildern zusammen herausgegeben tat, und zwar bemerkenswert auch besonders bes» ,alb, well Hans Sachs ber Schuh-Macher und Poet, »azu, dem Bild die folgenden Verslein zur Selle ^schrieben hat (im Jahr 1568):
„Aus Messing mach ich Fingerhüt. Blechweiß werden im Feuer glük.
Dann in das Eisen glenck (behänd) getrieben, Danach Löchlein darein gehieben Gar mancherlei Art, eng und weit, Für Schuster und Schneider bereit, Für Seidensticker und Näterin.
Des Handwerks ich ein Meister bin."
Wie es scheint, wurden bis etwa 1500 die Fingerhüte nur aus Messing hergestellt, denn noch im Jahr .490 werden die Nürnberger Fingerhutmacher der 3unft der Rotschmiede zugewiesen; erst 1531 erholen sie eine eigene Zunftordnung. Das Handwerk »lichte und gedieh denn auch in ber Stabt bis im Hahr 1696 bie Anfertigung ber Fingerhüte durch Maschinen eingeführt wurde (angeblich durch Berd ton der Becke). Da nämlich Nürnberg in feinen Mauern bie maschinelle Herstellung nicht gestattete, wese aber mit ber Zeit auf ber ganzen Linie siegte, » ging das ehrsame Gewerbe der Fingerhutmacher r Nürnberg immer mehr zurück, so daß dort im ^ahr 1784 nur mehr zwei Meister nachzuweisen sind.
L. B.
Zwölf Regeln für die Lehrlingseinstellung im Handwerk.
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Uornnfit^n.
Tageskalender für Donnerstag.
Gießener Woche für Kunst und Literatur 1941: Veranstaltet von der NSG. ,Kraft durch Freude": 19.15 Uhr in der Großen Aula der Universität 5rofjer Vortragsabend von Dr. Rockenbach .Heiteres aus deutscher Dichtung". — Gloria-Pa- «ast, Seltersweg: „Sieben Jahre Pech". — Licht- Tielhaus, Bahnhofstraße: „Blutsbrüderschaft". — Öberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Ausstellungen im Stadttheater und im Turmhaus im Brandplatz.
Glehener konzerlring.
Der Lieder- unb Duettenabenb von Lore Fischer inb Heinz Marten, ber im Januar wegen Erkran- ‘nng ber Künstlerin ausfallen mußte, ist nunmehr uf Donnerstag, 20. März, festgelegt worben. Der 3;nünabenb von Vasa Prihoba, ber ebenfalls wegen Erkrankung verschoben werben mußte, wird vor- :ussichtlich Anfang MaiAattfinben.
wq ipuzen i bei SÄ Buf 3^
Die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, Gießen, Schanzenstraße 18, Fernsprecher 2141 teilt mit, baß 14tägig montags, von 10 bis 12 Uhr vormittags, Spredjftunben zur (Srfinberberatung durchgeführt werden. Die Sprechstunden finden im ersten Vierteljahr des Jahres 1941 an folgenden Terminen statt: 5998V
24. Febr., 10. März, 24. März.
Kleines Schnupfen Kapitel.
Daß zum Winter und Frühjahr unbedingt auch , Husten, Schnupfen und Grippe gehören, ist ein alter Aberglaube. Bei Kenntnis ihrer Entstehungsursachen lassen sie sich meist vermeiden oder doch in wenigen Tagen überwinden. Auch die übertriebene Bakterienfurcht, die vielen Menschen eine Ansteckung unvermeidlich erscheinen läßt, ist ganz unbegründet. Dreierlei gehört zum Ausbruch einer Erkältungskrankheit: Anfälligkeit — also eine Störung im Kräftehaushalt des Körpers — eine Erkältung und erst dann Bakterien, bie ohne die beiden Vorbedingungen nichts ausrichten können. Und wenn der Kräftehaushalt im Gleichgewicht ist, kann es kaum
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Der Dichter Otto R o m b a ch , bekannt durch seine Werke „Der standhafte Geometer , „Adrian der Tulpendieb", „Der Ikarus von Ium" und durch seinen neuen großen Roman „Der junge Herr Alexius", wird in der Feierstunde des Goethe-Bundes am 21. Februar Heiteres aus eigenen Werken lesen.
Mit fünfunddreißig Jahren ist ein Rückblick auf | ins eigene gelebte Leben nur vergleichbar einer - iurzen Atempause, die ein Wanderer im Gebirge 11 nlegt, ber über sich bie Gipfel im Wolkerrmeer verargen weiß unb ber burch Höhennebel, Die Den ' 13eg des Anstiegs fast verdecken, wie durch Wolken- rl'cher hinunterschaut ins Tal. Dort liegt, vom i unfein einer sanften Sonne überzaubert, Das uano |i:r Kindheit: Schwaben, mit dem Neckarflutz unD : r it dem Tal der Enz, mit Rebenbergen und einer ■t inkelreichen, stillen Landschaft voller Fachwerr- fäufer. Der Blick schweift weiter: Die Taunusberge, l e vor unseren Fenstern lagen, zeigen sich. Der Siain bei Frankfurt, Romer, Dom und znqtaDr. 1 amats war Krieg. Die Brüder zogen aus. Zwei f ieben. Der jüngste, ich, der wie der Vater Maier t erben sollte oder Musiker (der Urgroßvater ist im Schwäbischen als Pfeifenmacher nachgewiesen; ich hoffe: Orgelpfeifenmacher!), ich griff zur Feder 0:5 Sefretarius des Magistrats. Dann tarn JMriin* ?rrn, wie man im Gebirge die großen Städte im liunft der Welle ahnt, scheint mir Berlin zu liegen, obwohl ich mitten drinnen an meinem Schreivtt|ch fige, nun zehn Jahre schon. Dom Rebaktionspuck hibe ich erst kürzlich zum eigenen Tintenfatz g- finden. Denn nebenher entstanden Bucher Duhnen- vrrke, Rundfunkspiele. Den Schneider Berblinger ans Ulm, der fliegen lernen wollte, habe itn in eitern Volksstück an die Rampe treten (offen. Wnstersprung", Uraufführung jm National- ticater Mannheim.) In ber Geschichte unb Berlins verankert ist mein Schauspiel um An b-eas Schlüter ben genialen Meister des Er ichen Siarois. („Sin Wann an der W°nd° Urauftuh- r:mg im Deutschen Theater. Berlin.) Dach auch m drsem ernsten Stück erscheinen einige Gestalter, d - niir be,anders nahe liegen. Leute aus dem Volk » .Adrian, der Tulpendleb" und seine S,ppIch-ftT wie be kauzige Gesellschaft, die in meinem Raman mn
wenn ber Lehrling eine Barentschädigung von höchstens 6 RM. wöchentlich erhält. Kinder im Betriebe der Eltern sind versicherungs'rei.
8. Der Lehrling muß sich, ttotzdem seine Lehrlingsvergütung der Lohnsteuerpflicht nicht unterliegt, eine Lohnsteuerkarte bei der Gemeindebehörde seines Wohnortes- besorgen und dem Handwerksmeister aushändigen.
9. Dem Lehrling muß ein Exemplar der Fachlichen Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens für das Handwerk, das er erlernt, ausgehändigt werden. Auch der Lehrmeister muß ein Exemplar dieser Vorschriften besitzen. Sie sind bei der Innung vorrätig.
10. Der Lehrling muß ein ordentliches Werkstattwochenbuch führen. Er bekommt dieses Wertstattwochenbuch auf Anforderung von seiner Innung. Allwöchentlich ist hier eine Arbeit zu beschreiben, die ber Lehrling neu hinzugelernt hat. Bei Zulassung zur Gesellenprüfung find die während ber Lehrzeit geführten Werkstattwochenbücher mit vorzulegen.
11. Der Handwerksmeister muß den Lehrling bei der zuständigen Berufsschule anmelden.
12. Die Dauer der Arbeitszeit beträgt für ben Lehrling unter 16 Jahren im Kriege einschließlich ber Unterrichtszeit in der Berufsschule bis zu zehn Stunden täglich, ausschließlich der Unterrichtszeit jedoch nicht über 48 Stunden wöchentlich. Liegt keine dringende Mehrarbeit vor, richtet sich die Arbeitszeit nach dem Jugendschutzgesetz.
Bei mehr als 6 bis zu 9 Stunden Arbeitszeit muß der Lehrling eine halbe Stunde, bei mehr als 9 Stunden Arbeitszeit eine Stunde Pause erhalten, sofern die Arbeitszeit durch kurze Pausen wiederholt unterbrochen wird. Ist das nicht der Fall, so müssen bei einer Arbeitszeit von 4% bis zu sechs Stunden 20 Minuten, bei mehr als 8 bis 9 Stunden % Stunde und bei mehr als 9 Stunden eine Stunde Ruhepause gegeben werden. Dem Lehrling unter 16 Jahren muß ferner samstags ab 14 Uhr ober an einem anberen Tage ber Woche an einem Nachmittag ab 14 Uhr ober an einem Vormittag bis 14 Uhr freigegeben werben. Auch ber Lehrling über 16 Jahre muß biefen freien Vor- ober Nachmittag erhalten, sofern er nicht mit bringenber Arbeit beschäftigt wird.
Oer gestillte Schmerz.
Zum 100. Todestage
Friedr. Wilh. Sertürners am 20. Februar.
Der großblumige Mohn ist ein Kind bes fernen Ostens. Dort hat man auch schon frühzeitig bie ihm innewohnenben berauschenben Kräfte entbetft. Es ist bies nicht ausschließlich zum Nutzen ber Menschheit geschehen, und man mag darüber streiten können, ob ber weiße Milchsaft bes Opiums mehr Segen ober mehr Fluch in unsere Welt gebracht hat. Tatsache jebenfalls ist, baß bie abend- länbische Heilkunde nach der Entdeckung dieses Giftes für ihre Zwecke daraus großen Nutzen gezogen hat unb ber leibenben Menschheit viel überflüssiger Schmerz erspart blieb. Die Narkotika stammen nicht alle aus bem Pflanzenreich, fonbern finb zum großen Teile in der Retorte bes Chemikers geboren. Das Problem ber „Kopfweh- pulver" hat gerabe in ben letzten Jahren bie Mebiziner viel beschäftigt und bie Gemüter stark bewegt. Der nervöse und ben verschiebensten Einflüssen allzuleicht erliegenbe Großstabtmensch greift oft ohne viel nachzubenken bei ben geringfügigsten Schmerzen nach ben verschiedenen Pulvern und Pillen und verliert dadurch viel von der so notwendigen eigenen Widerstandskraft.
Anders war das noch vor hundert Jahren. Damals steckte die Schmerzbekämpfung noch in den Anfängen, unb wa? bem Arzt biefer Zeiten zur Verfügung ftanb, um unerträgliche Leiben zu lin- bem, war herzlich wenig. Auch als man das Opium in Europa schon kannte, stellte es noch keineswegs ein sicheres und leicht zu dosierendes
Aus der Stadt Gießen.
Vom Fingerhut.
Die Holländer behaupten gern, der nützliche Fingerhut sei bie Erfinbung eines Nieberlänbers Dies Märchen — denn ein solches ist es — rührt wohl daher, daß die Nachricht überliefert ist ber Amsterdamer Goldschmied Niclas von Benschöoten habe am 19. August 1684 seiner Angebeteten, der Madame van Reusselaar, einen von ihm gefertigten zierlichen Fingerhut übersandt. Diesem Geburtstagsgeschenk war ein Schreiben beigefügt, worin ber Goldschmieb bie Empfängerin bat, baß sie ,biese neue Bekleibung zum Schutze ihrer fleißigen Finger □fe Beweis seiner Hulb annehmen möge".
In Wirklichkeit aber war biese „neue Bekleidung Der Finger" keineswegs neu, denn schon im Altertum finden sich Fingerringe, die genau dieselben Vertiefungen aufweisen, wie sie der Fingerhut zum Festhalten der Nadel besitzt, auch gab es schon damals offene Nährinqe aus Gold und Bronze sowie aus Knochen und Elfenbein.
Ferner wissen wir von der gelehrten Hildegrad Don Bingen, daß sie bereits etwa 1150 den „Dinger» guth" kannte. In Nürnberg werden Fingerhutmacher um bas Jahr 1374 erwähnt. Aus bem Jahr 1382 stammt bie wohl erste bildliche -Darstellung eines
die junge Donau „Der stanbhafte Geometer" ihr Wesen treibt, Leute wie Kunz und Brosam, bie „Das schwäbische Weinschiff" besteigen, Männer von jener Art, wie mein Großvater einer gewesen fein muß, dem ich in bem Büchlein „Ewige Wanderung" auf die Spur gegangen bin. — So lieft man feine Büchertitel vor, ein Wanderer beim Anstieg, der sich kurz verschnauft und rückwärts blickt, auf manchen Rastplatz, manchen überwundenen Berg, und ber doch glücklich ist, noch andere Givfel über sich im Wolkenmeer zu wissen!
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zu einer Erkältung kommen, weil der Körper sich Temperaturschwankungen leicht anzupassen versteht, ohne Schaden zu nehmen. — Daraus folgt, daß der beste Schutz gegen alle Krankheiten überhaupt eine gesunde Lebensweise ist, die den Körper kräftig und widerstandsfähig erhält. Jede Hausfrau hat starken Einfluß auf den Gesundheitszustand ihrer Familie. Wenn sie es versteht, für zweckmäßige Kleidung, gute Hauptpflege, richtige Ernährung unb aus» reichende Entspannung in Freizeit unb Schlaf zu sorgen, farm es kn Ihrem Wirkungskreis kaum zu ernsthaften Erkrankungen kommen. Sehr wichtig ist der nötige Wärmeschutz für ben Körper. Ein Verweichlichen ist gewiß nicht gut, aber die Kleibung muß immer ber Außentemperatur entsprechen. Frieren ist bas erste Alarmsignal bei beginnenber Unterkühlung bes Körpers, volkstümlich ausgebrückt: Erkältung. Ünb so wenig überheizte Zimmer gesund sind; so wenig sind es zu kalte. Wer bei der Arbeit sitzt, braucht ein wärmeres Zimmer als der körperlich Arbeitende. Das wichtigste sind warme Füße. Kalte Füße sind als Ursachen vieler Krankheiten längst erkannt. Bei nassen Füßen z. B., die dem Körper am meisten Wärme entziehen, kann man gleich auf einen Schnupfen warten. Also im Winter warme Strümpfe tragen und feste Schuhe oder Ueberschuhe! Bei feuchtem Wetter sollte man möglichst an ber Arbeitsstätte bie Schuhe wechseln, damit die Füße immer warm und trocken sind. Vielen Menschen fehlt die gute Blutzirkulation, so daß sie an chronisch kalten Füßen leiden. Diesem Hebel ist leicht durch Wechselfußbäder abzuhelfen, die eine
1. Der Lehrling muß sich bei dem für feinen letzten Wohnort zuständigen Arbeitsamt ein Arbeitsbuch besorgen. Eine Beschäftigung ohne Arbeitsbuch ist nicht gestattet.
2. Der Handwerksmeister muß sich den Wortlaut des Jugendschutzgesetzes besorgen und diesen im Betrieb aushängen; ferner müßen die im § 23 des Jugendschutzgesetzes vermerkten Aushänge unb Verzeichnisse ausgehängt werden. Auch alle übrigen Anordnungen, die nach besonderer Anweisung bei ber Beschäftigung von Jugendlichen im Betrieb vorhan- ben sein müssen — z. B. über bie Bezahlung ber Lehrlingsmehrarbeit — sind auszuhängen.
3. Don der Kreishandwerkerschaft obet ber Handwerkskammer sind drei Lehrvertragsformulare an- 3uforbern und ausgefüllt, mit ber eigenen Unterschrift, ber des gesetzlichen Vertreters und ber des Lehrlings versehen, über bie Innung an bie Hanb- werkskammer zwecks Anmeldung zur Lehrlingsrolle zu Übersenden. Gleichzeitig ist die vorgeschriebene Einschreibegebühr an die Innung zu übermitteln.
4. Die Probezeit soll nicht zu kurz bemessen sein. Der Lehrmeister muß sich in Der Probezeit darüber klar werden, ob der Lehrling für fein Handwerk geeignet ist oder nicht. Nach Beendigung ber Probezeit ist eine Auflösung bes Lehrvertrages wegen Ungeeignethell nicht möglich.
5. Nach einem Erlaß bes Reichswirtschaftsmini- fters empfiehlt es sich, ben Lehrvertrag noch vor Be- ainn ber Lehrzeit abzuschließen, damit rechtzeittg bei der Krankenkasse bie Befreiung des Lehrlings von der Arbeitslosenversicherungspflicht beantragt werden kann. Nur dann, wenn die Befreiungsanzeige form- und fristgerecht eingeht, kann vom Beginn der Lehrzeit ab Befreiung von ber Arbeitslosenversicherung eintreten.
6. Sofort nach Eintritt muß der Lehrling zur Krankenkasse angemeldet werben. Lehrlinge im Betriebe ber Eltern können auf Antrag von der Krankenversicherungspflicht befreit werden.
7. Der Lehrling muß sich bei der zuständigen Ausgabestelle eine Jnvalidenversicherungskarte besorgen. Versicherungspflicht liegt bann vor, wenn ber Lehrling ein Drittel bes Ortslohnes für Jugendliche (ohne Kost unb Wohnung), oder wenn er neben dem freien Unterhalt (Kost unb Wohnung) ein Sechstel bes Ortslohnes für Jugendliche verdient. Die Hohe bes Ortslohnes ist bei ber Gemeindebehörbe zu erfahren. Eine Beschäftigung, für bie als Gegenleistung nur freier Unterhalt gewährt wirb, ist versicherungs-
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Gymnastik ber Haargefäße an ben Füßen darstellen. Die Füße werden abwechselnd 15 Sekunden in heißes und fünf Sekunden in stubenwarmes Wasser gesteckt. Man beginnt mit warm. Auch schnelle kalte Abreibungen des ganzen Körpers sofort nach dem Aufitehen und kurz vor dem Schlafengehen Härten ab und stärken die Widerstandskraft des Körpers. Das Wort „Abhärtung" Darf jedoch nicht falsch verstanden werden. Alles Gewaltsame ist zu vermeiden.
Ienchelgemüfe.
Zur Zell reichlich und billig angeboten ist bie Fenchelknolle, richtiger gesagt, knollenartige Der- bickung ber Fenchelpflanze, ein gesunbes unb angenehmes Wintergemüfe. Vorwiegenb Italien fenbet es zu uns, boch hat auch bereits beutfcher Anbau verschobener Sorten guten Erfolg zu verzeichnen. Wie bereitet man es zu? Nach Entfernen bes geringen Abfalls (einige harte Stengel, Wurzeln unb, wenn nötig, Außenblätter) können bie Knollen feingeschnitten als Brotbelag ober als Salat angemacht werden. (Salzen, mit Zitronensaft beträufeln, später etwas Oel ober Quark nebst Petersilie hinzufügen). In etwas Fett unb ganz wenig Brühe können bie ganzen ober zerschnittenen „Finocchi" gargedünstet werden. Entweder abgetropft mit gerösteten Weckbröseln (Zwiebackbröseln) anrichten ober in einer hollänbischen Tunke bzw. wie Schwarzwurzeln in weißer Tunke burchziehen lassen. Auch in Tomatentunke schmeckt Finocchi vorzüglich. „Fenchelgemüse in Tunke" ist überbacken auch sehr gut: in leicht gefettete Backform füllen, eine Backschicht von Weckmehl, Reibkäse, Fettflöckchen ober statt Käse mit Milch verrührter Quark hinzufügen unb 20 Minuten backen. Ober: Fenchelgeynise mit restlichem Kartoffelbrei, Bouillongraupen ober Kartoffelscheiben be- becfen, eine Backschicht (wie oben) auflegen unb überbacken. Bei trockenen Kartoffelscheiben ist ent- roeber bie Gemüsetunke sehr reichlich zu halten ober zwischen bie Kartoffeln etwas gesalzene, entrahmte Frischmilch zu gießen. Besonders beachte man, daß „Finocchi" eine billige, zusätzliche Frischkost im Winter bedeutet, die uns vorwiegend Italien schickt.
** Beförderung. Der in Gießen-Wieseck als früherer Fähnleinführer bekannte Helmut Schäfer aus Gießen wurde zum Leutnant befördert.
** Einstellung von Anwärtern für den gehobenen Justizdienst. Der Ober» landesgerichtspräfident in Darmstadt veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung, in der junge Männer zur Einstellung als Anwärter für den gehobenen Justizdienst aufgefordert werden. Die Bekanntmachung fei zur besonderen Beachtung empfohlen.
** Berufskundliche Aufklärung. Im Frauenfunk des Reichsfenders Stuttgart tpirb von dieser Woche ab an jedem Freitag der nächsten Wochen zwischen 19.45 Uhr und 20 Uhr eine Sendung zur berufskundlichen Aufklärung durchgegeben werden, die namentlich für Jugendliche und Deren Eltern von besonderer Bedeutung sein wird.
Strafkammer Gießen.
Der I. H. in Gladenbach war durch Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 13. Dezember v. I. wegen Kameradendiebstahls zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen verurteilt worden. Er war beschuldigt, einem Arbeitskameraden auf der Baustelle eine Är° beitshofe entwendet zu haben. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Der Anklagevertreter war der Ansicht, daß nach dem Ergebnis der Verhandlung die Anklage nicht aufrechterhalten werden könne. Nach dem seitherigen Verhalten des Angeklagten und nach dem Eindruck, ben er mache, fei ihm eine berart verwerfliche Tat nicht zuzutrauen. Die Entfcheibung stellte er in bas Ermessen bes Gerichts. Das Urteil des Amtsgerichts Gießen wurde aufgehoben unb ber Angeklagte freigefprochen.
Gift zuerst vorwiegenb als Schlafmittel anroanbte. Als solches ist es heute längst durch weit weniger schädliche unb gefährliche Präparate ersetzt. Als wirksamstes Mittel der Schmerzstillung spielt es aiber auch heute noch eine große Rolle. Die ©eit» erzeugung an Morphium betrug im Jahre 1936 nach ben Schätzungen ber Opiumkommission rund 37 Tonnen. Demgegenüber stehen aber bie Schätzun- aen ber Wissenschaftler, bie auf eine weit höhere Erzeugungsziffer kommen und nach benen man an» nehmen kann, daß in ben 50 großen Rauschgift
fabriken ber Welt bis zu 1000 Tonnen jährlich erzeugt werben. Daß ber Bebarf für mebizinische unb wissenschaftliche Zwecke ein weitaus geringerer sein muß, wirb jeder verstehen. Wirken boch schon 0,3 Gramm reinen Morphiums tödlich auf einen erwachsenen Menschen. Allerdings kann bie ungefährliche Dosis burch Gewöhnung an das Gift bis auf
5 Gramm täglich aefteigert werden. Neben bem Heroin gewohnt sich der menschliche Organismus an kein anderes Rauschgift so schnell wie an das Morphium. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß z. B. die Schweiz, deren Morphiumbedarf für medizinische Zwecke kaum 10 Kilo pro Jahr übersteigen Dürfte, jährlich rund 23 000 Kilo dieses Giftes erzeugt.
Die Wirkung des Morphiums tritt erst dann ein, wenn es entweder durch den Magen an die Organe und Nerven gelangt od?r unter bie Haut eingefpritzt wirb. Seine weite Anwendung als Schmerzlinderungsmittel kam ja auch erst im Zusammenhang mit ber Entwicklung ber einfachen Injektionsspritze auf. Die wirksamste Form ist bie Iprozentige Mor- phium-Hybrochlorib-Lösung, bie schon 15 Minuten nach ber Einspritzung wirksam ist.
Im Kriege bes Jahres 1870 wurde bas Morphium zum erstenmal in größtem Maßstab angewandt unb konnte unzählige, qualvolle Schmerzen linbern. Ein berühmter beutfcher Chirurg sagte einmal: „Ohne Morphium mochte ich nicht Arzt sein." Die entscheibenbe Tat zur Finbung unb Verwertung dieses für bie Menschheit so heilbringend gewordenen Stoffes aber verdanken wir dem unbeachtet gebliebenen deutschen Apotheker, und es ist eine zwar späte, aber umso gerechtfertigtere Ehrenpflicht, ihm heute jene Anerkennung zu zollen, die ihm bei Lebzeiten von feinem Volk gänzlich verweigert wurde, Heinz Scheibenpflug.


