und der Kohle im Donez-Vasfin, während das Ural-Kusnezker Kombinat in Westsibirien etwas über ein Fünftel lieferte. 1938 hatte sich dos Verhältnis dahin verschoben, daß die sibirische Produktion bereits die Hälfte der ukrainischen ausmachte. Diese behauptete aber immer noch die führende Stellung, und daran wird sich bis heute nicht viel geändert haben.
Die Lage der Vorräte an Kohle und Eisenerz innerhalb der heutigen Sowjetunion zueinander ist im europäischen Teil nicht gerade günstig, aber erträglich, im asiatischen dagegen höchst ungünstig. Das Eisenerz von Kriwoi Rog, von dein die Sowjetindustrie jetzt abgeschnitten ist, muß über einige hundert Kilometer zu den Hochöfen und Walzenstrgßen im Donez-Kohlenbassin gefahren werden. Zwischen dem großen Eisenerzvör- rat von Magnitogorsk im Süd-Ural bis Kusnezk im Zentrum der westsibirischen Kohle beträgt die Entfernung jedoch über 2 0 0 0 Kilometer. Auf europäische Verhältnisse übevtragen, würde das bedeuten, daß die Kohle im -östlichen Deutschland liegt und das Eisen in Portugal. Ein Pendel- Zugverkehr über diese enorme Distanz bringt das uralische Esen nach Kusnezk und die Kusnezker Kohle nach dem Ural. Un beiden Enden dieses „Kombinats" sind Hochöfen und Walzenstraßen errichtet. Dieses Nutzungssystem ist aber so schwierig, daß es nidjt zu verwundern ist, wenn das Schwer-, gewicht für die Erzeugung des zur Militarisierung notwendigen Rohmaterials immer noch nicht in Meftfibirien liegt, sondern in der Ukraine.
Die Hauptwerke für die Herstellung von Kampfwagen liegen in Tscheljabinsk im mittleren Ural, in Charkow in der östlichen Ukraine, in Stalingrad (früher Zarizyp) an der unteren Wolga und in Petersburg. Tscheljabinsk hat die größte Produktion. Die Hauptfabriken für Last- und Personen-Kraftwagen sind das Stalinwerk in Moskau, das Molotowwerk in Gorki (früher Nifch- nij Nowgorod) am Zusammenfluß von Oka und Wolga und das Werk in Jaroslawl im Gebiet der oberen Wolga, wo nur Lastwagen gebaut werden. Reparaturwerkstätten liegen in Moskau, Petersburg, Mogilew, Kiew, Simferopol in der Krim, Charkow und Tiflis. Man sieht, in welchem Maß die Rüstungsindustrie ostwärts, ins Innere und nach Asien zu verlagert worden ist. Dasselbe gilt für die Herstellung von Geschützen, Gewehren und Munition, ebenso für die Flugzeuge.
An einem Punkt haben auch die rücksichtslosesten Anstrengungen nicht ausgereicht, das Kriegspotential auf die erstrebte Höhe zu bringen, nämlich i m Eisenbahnwesen. Die Eisenbahnen waren schon im früheren Rußland der schwache Punkt und deshalb wurden früher die zarischen Armeen, heute die roten Heeresrnassen, so nahe wie möalich an der Westgrenze massiert. In allergrößtem Maßstab ist das jetzt zur Vorbereitung des Einfalls nach Deutschland geschehen. Die Folge ist, daß der Ersatz für die riesenhaften Verluste aus großer Entfernung herangeführt werden muß und während des Antransports den Angriffen der deutschen Luftwaffe ausgesetzt ist. So groß auch die Masse des in drei Fünfjahresplänen aufgehäusten Sowjet- Kriegsmaterials fein mag — unerschöpflich ist sie nicht, und mit der fortschreitenden Einengung der Herstellungs- und Bersorqungsbasis — das gilt auch für die Manganerz-Lager in der Ukraine — muß der Sowjet-Atem immer kürzer werden.
Teheran von Bolschewisten und Briten besetzt.
Berlin, 18. Sept. (DNB.) Wie der Moskauer Nachrichtendienst mitteilt, sind am 17. 9. die somjetrussischen Truppen in Teheran einmarschiert. Am gleichen Tage trafen auch englische Gcneral- stabsoffiziere in Teheran ein, um den Einmarsch britischer Truppen vorzubereiten. Die Aufgabe des Widerstandes hat die Iraner also nicht das Geringste genutzt. Entsprechend ihren ursprünglichen Plänen setzen Briten und Bolschewisten ihre Besetzung gegen alles Völkerrecht und alle herkömmlichen Moralbegriffe fort.
Unmittelbar nach dem Eintreffen der Engländer und Russen in Teheran fand dort eine außerordentliche Parlamentssitzunq statt, in der der n e u e Schah den Eid auf die Verfassung ablegte. Wie
Reuter meldet, richtete der neue Schah nach der Vereidigung eine kurze Ansprache an das Parlament, in welcher er die Zusammenarbeit seiner Regierung mit Großbritannien und der Sowjetunion versprach, deren Interessen er als „an die iranischen grenzend" bezeichnete.
„0er Bolschewismus muß ausgerottet werben."
Berlin, 18. September. (DNB.) Der große schwedische Forscher Dr. Sven Hedin erließ einen Aufruf gegen den Bolschewismus, in dem er sagt: „Für alle Kulturvölker, für alle Nationen, die an Gott glauben, ist es eine lebenswichtige Mission, eine Weltanschauung auszurotten, die das Ziel verfolgt, durch eine blutige Weltrevo- lution die Vertreter der Intelligenz, der Wissenschaft und des Gottesglaubens zu ermorden,^ so wie es in Rußland selbst nach der Revolution im November 1917 geschehen ist. Es ist die unabwendbare Pflicht für alle Völker der Welt, sich ein für alle mal von dieser Drohung zu befreien. Es ist mehr als tragisch, daß gewisse große Völker das nicht einzusehen scheinen und sich in dem gigantischen Kampf zwischen Barbarei und Kultur, zwischen Bolschewismus und Christentum, zwischen Mördern und Kul
turmenschen auf die Seite der Barbaren stellen. Besonders auch die Arbeiter und Bauern in aller Welt müssen sich jetzt zusammenschließen, um dieses liebel für alle Zeiten zu vernichten. Ich habe schon früher gesagt und wiederhole es immer wieder: Der Bolschewismus ist ein Unglück für die ganze Welt, er muß ausgerottet werden."
Oie englischen Bergbauunternehmungen in Spanien.
Madrid, 18. Sept. (Europapreß.) Der spanische Arbeitsminister ist in Hueloa zu einer Inspektionsreise durch das bedeutende Erzabbaugebiet der Provinz eingetroffen. Zu diesem Bezirk gehören auch die im englischen Besitz befindlichen Gruben am Rio Tinto und im Tharsisgebirge. Da seit langer Zeit bei der spanischen Regierung die Absicht besteht, diese wertvollen Gruben in e i ge n e Verwaltung zu nehmen und den verhängnisvollen Einfluß des englischen Kapitals in Spanien auszuschalten, wird der Reise des Ministers besondere Bedeutung beigemessen. Dor allem wird der Mi- mifter sich über die Arbeits- und Lebensbedin^ungen der spanischen Bergleute unterrichten. Es uft bekannt, daß diese Klagen über die Behandlung durch die Engländer vorgebracht haben. Die englischen
Nebelwerfer im Einsatz
Bon Kriegsberichter
DNB. ..., 18. Sept. (PK.) lieber eine steile Leiter klettern wir auf den Boden der Molkerei, winden uns durch das schräge Gebälk des Daches bis zur Stirnwand des Hauses. Mit der Schere schneidet ein Landser ein Loch in das Wellblech. Ungeduldig wartet der Beobachtungsoffizier, das Glas in der Hand. Das Loch ist fertig, wir haben Sicht nach drüben, wo der Feind sich verschanzt hat. Mit sicherem Blick hat der Batteriechef der Nebelwerfer-Abteilung die günstige Lage der Molkerei erkannt, die etwas außerhalb des Dorfes, dicht am Fluß, einen Blick in das feindliche Gelände zuläßt. Durch die Bodenluke reicht eine Hand das Scherenfernrohr herauf. Der B-Offizier tastet sorgsam das Gelände ab.
Von unserer Molkerei aus ziehen sich die Gärten mit ihren schrägen Lattenzäunen bis fast zum Fluß hin, dann 'kommt die gesprengte Brücke, die vorläufig unseren Vormarsch aufhält, dann 600 bis 800 Meter jenseits des Ufers Wiesen mit den braunen Flecken grasender Kühe, ein kleiner Hügel mit niedrigem Gebüsch, quer schiebt sich in den Blick ein gelbes Kornfeld, dahinter dräut der dunkle Fichtenwald, in dem der Gegner lauert.
Der Offizier ist mit feiner Beobachtung fertig. „Schauen Sie selbst. Das Rohr ist jetzt genau a u f eine feindliche 8 - Stelle gerichtet. Sehen Sie den kleinen Hügel?" Die schwache Erhebung mitten in dem flachen Gelände, die vielleicht 400 bis 500 Meter entfernt ist, scheint jetzt dicht vor der Molkerei zu liegen, deutlich sind zwischen dem Gesträuch einige Gestalten auszumachen.
„Drehen Sie langsam nach links, haben Sie das Geschütz dicht vor dem Waldrand? Die anbeten Geschütze der Batterie' müssen tiefer im Walde stehen. Noch weiter links sehen Sie einige hellgelbe Flecke aufgeworfener Erde. Dort müssen sich feindlich e M G.s eingegraben haben."
Noch schweigt der Feind. Will er uns in eine Falle laufen lassen? Sollen wir glauben, daß er iese günstige Verteidigungsstellung kampflos räumt? Unsere B-Stelle aber hat ihn gefunden. Gerade an dieser Stelle kann er, durch das Gelände begünstigt, seinen Rückzug hervorragend decken. Vom Dorf, in dem die Infanterie und eine Kompanie Pioniere sich zum Angriff bereitstellen, bis zum Fluß ist ein 200 Meter breiter Streifen, der keine Deckung bietet und von den Sowjets mit SMG. und Granatwerfern bestrichen werden kann, lieber den Fluß muß unser Vormarsch gehen. Die Pioniere sollen den Ucberganq schaffen, über den sich der Angriff ergießen sott.
An dieser delle ist eine Nebelwerfer- Abteilung eingesetzt, die hier vor einer ihrer typischen Aufgaben steht. Der Funker sucht Verbindung mit der Feuerstellung der Batterie.
Lambert Hoeing.
Schon notiert er einen Funkspruch: Batterie feuerbereit! Ein Blick aus die Karte, ein paar Berechnungen, dann schickt der Beobachter den B e - fehl zum Einschießen durch den Aether. Einige Sekunden vergeben, dann zieht es heulend über unsere Köpfe hinweg und schlägt krachend drüben ein. Eine Lage Granaten, dann ist wieder Ruhe. Der B-Offizier kontrolliert die Einschläge, gibt einige Zahlen an den Funker, der sie zu den Werfern weiterleitet. Jetzt dröhnen auch von drüben Abschüsse zu uns herüber. Der Feind sucht unsere Feuerstellung.
Auf 16.05 Uhr ist der Angriff befohlen. Wir warten, den Blick auf die Uhr gerichtet. Alles ist ruhig. Im Dorf flauen sich Pioniere und Infanterie. Balken und Bretter sind geschnitten, alles ist bis zum Letzten durchdacht. Erst kommen die Pioniere, schlagen die Brücke, bann kommt die Infanterie, arbeitet sich über das freie Gelände bis zum Wald vor, wirft den Gegner aus feinen Stellungen und säubert den Wald, der die Flanke unserer Vor- marschstraße bedroht. Punkt 16.05 Uhr gibt der B-Offizier den Befehl: „Feuer frei!"
Wieder singt es über uns hinweg. Vier Erdfontänen spritzen dicht am Waldrand hoch. Drüben liegt Einschlag neben Einschlag. Dann quillt es weiß auf. Nebel! Immer neue weiße Fahnen wachsen aus dem Boden, vereinigen sich und bilden eine dichte Wand, die fast unbeweglich vor dem Waldrand steht. Blind liegt jetzt der Gegner, feine so sorgsam eingebauten Waffen können wir wirkungslos in den Dunst schießen. Planlos setzt jetzt drüben MG.-Feuer ein. Einzelne Gewehrschüsse peitschen. Da sind aber auch schon unsere Pioniere im Schutz der Nebelwand vorgestoßen. Bretter und Balken werden zum Fluß geschleppt, auf Floßsäcken sind Infanteristen über den Fluß gepaddelt, bauen ihre MG.s ein und dann rasseln die Gewehre und kämmen den Waldrand ab.
Ein Brückenkopf ist gebildet. Schon wächst deutlich sichtbar der Uebergang über den Fluß, das tragende Gerüst ist eingerammt, die Bretter für den Laufsteg werden genagelt. Immer noch heulen die Geschosse über unseren Köpfen, drüben am Waldrand verdichten sich die weißen Nebelschwaden immer mehr. Während noch die Pioniere das Geländer der Brücke anbringen, geht schon die Infanterie vor. Gruppenweise arbeitet sie sich auf der Wiese an den Waldrand heran. Später erfahren wir, daß die Bolschewisten fast kampflos den Wald geräumt haben. Der plötzliche Nebelhorn Hellen Tage hatte ihre Kampfmoral derart geschwächt, daß eine ganze Batterie unbeschädigt von ihnen im Stich gelassen wurde.
Unternehmer haben derart krasse Unterschiede in der Bezahlung ihrer englischen und spanischen Angestellten eingeführt, daß man geradezu von kolonialen Ausbeutungsmethoden spricht. Man erwartet eine Intervention der Regierung zugunsten der im Rio-Tinto-Gebiet und im Tharsisgebirge beschäftigten spanischen Arbeiter, 'wie überhaupt eine Neuorientierung gegenüber den ausländischen Pro» duktionsgesellschasten in Spanien.
Kleine politische Nachrichten.
Reichswirtschaftsminister Funk hat dem Generaldirektor Dr. Emst P o e n s g e n zu seinem 70. Geburtstag-ein Glückwunschtelegramm gesandt. Er betont darin den vorbildlichen Aufbau der Vereinigten Stahlwerke und die straffe Zusammenfassung der eisenschaffenden Industrie. Der Führer hat ihm den A d l e r s ch i l d des Deutschen Reiches verliehen mit der Widmung: „Dem um die deutsche Rüstung hochverdienten Wirtschaftsführer."
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Staatspräsident Ryti hat dem Oberbefehlshaber der in Nordfinnland operierenden deutschen Truppen, Generaloberst v. ^alkenhorst, das Großkreuz des Ordens der finnischen Weißen Rose mit Schwertern verliehen. Die Auszeichnung und ein persönlicher Brief des Staatspräsidenten wurden dem Generalobersten durch jGeneral Oestermann überreicht. Es stellt die höchste Kriegsauszeichnung Finnlands dar und ist bisher nur an Feldmarschall Mannerheim verliehen worden.
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In der Cyrenaika wurden Angriffe feindlicher Einheiten an der Front von Tobruk abgewiesen. Deutsche Flugzeuge bombardierten Tobruk, wobei Kraftwagen und Unterkunstsgebäude getroffen wurden.
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Ein U-Boot unter dem Befehl des Korvettenkapitäns Emilio Berengan versenkte im Mittelmeer durch Geschützfeuer ein feindliches mit Kraftfahrzeugen beladenes 3000-Tonnen-Handelsfchiff.
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Wie Associated Pseß aus Dover meldet, traten deutsche Ferngeschütze auf der französischen Kanalseite nach achttägiger Pause wieder in Aktion. Häufig wäre das gesamte Dovergebiet von den Einschlägen der schweren Granaten erschüttert worden.
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Acht schwere terroristische Bombenattentate ereigneten sich am Vorabend des 10. Jahrestages des Mukden-Zwischenfalles in Kanton und nötigten die Behörden, über die ganze Stadt bis zum Donnerstag den Belagerungszustand zu verhängen.
Der englische Kreuzer „Exeter" ist mit schweren Beschädigungen in Gibraltar eingelaufen. Zahlreiche Verwundete wurden in die Lazarette Gibraltars gebracht.
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Der Verlust des Unterseebootes „P 32" mußte von der britischen Admiralität zugegeben werden. Das Boot gehörte zu derselben Klasse wie das am 20. 8. als versenkt gemeldete Boot „Cachalot". Es hatte eine Wasserverdrängung von 1520 Tonnen und eine Besatzung von 55 Mann, die als verloren gilt.
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0er Neichsstudentenführer bei bett Studenten im Kriegseinsah. NSG. 1500 Studentinnen und Studenten stehen in unserem Gau gebiet während der Se« mefterferien im Kriegseinsatz in Fabriken. Sie stehen an der Werkbank und am Hochofen, an der Stanzmaschine und im Laboratorium, am Bunsenbrenner und am Zeichentisch, im Bergwerk wie in der Montagehalle. Ihnen stattete Reichsstudent^n- führer Dr. Scheel einen Besuch ab. Nachdem er von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger empfangen worden war, besichtigte er das Verwaltungsgebäude der JG.-Farben und besuchte die in den Heddernheimer Kupferwerken sowie im IG.-Farbwerk Höchst eingesetzten Studenten und Studentinnen. In letzterem vereinte ein Beisammensein den Reichsstudentenführer mit allen in' der Umgebung Frankfurts arbeitenden Kameraden und Kameradinnen, für die er in einer kurzen Ansprache Worte der Anerkennung fand.
M Örti HcllMngMÜcr
' Vornan von Horst hiernach
22 Fortsetzung. (Nachdruck^verboten.)
„Hallo, Konni, wohinr*
„Bibliothek —", brummte er und wurde rot dabei.
„Du, Konni, beim Zucker-Storz in der Kaufinger- straße gibt es solchene Gummigutteln, rote und greane und gelbe — dringst welche mit?"
„Das wird kaum möglich sein, Lydia, da Eomrn’ ich ja gar nicht vorbei — uni> 's Parken ist da auch verboten, aber wenn's Pfefferminzgutteln fein dürfen oder ein Stück Nußtorte, wäre das was?"
„Au ja, pfundig!"
„Und für mi Punschtorte!" schrie Söhnchen. Er hatte einen ausgesprochenen Männergeschmack, und das Wort „Punschtorte" gehörte überhaupt zu den ersten Worten, die er nach „Mama", „Kathi" ,unb „Konni" auszusprechen gelernt hatte.
„Also gut, ich will sehen, was sich tun läßt. Aber jetzt lauft geschwind und macht das Tor auf!"
Die Kinder rannten über den Rasen, ein Wirbel von braunen Beinen unter bunten, kleinen Hintern. Söhnchen wackelte hinterdrein, er hatte noch einen richtigen Suppenbauch.
Hellwang fuhr den Wagen aus der Garage. Hinter dem Tor wendete er scharf nach links. Britta schaute ihm mit offenem Ri und nach.
„Du, ich glaub', der hat uns beschwindelt! Der fahrt ja gar nicht in die Stadt! Der fahrt auf Starnberg .."
„So ein Kerl!" stieß Lydia empört hervor, „traun soll er sich und die Torte vergessen!"
Hellwang drückte auf den Gashebel. Der Tank war voll, Del, Kühlmasser, Reisen, alles in Ordnung. Der Motors dröhnte hell, die sechs Zylinder arbeiteten sauber. Hellwang beugte sich leicht vor und horchte mit sachverständiger Miene auf ihr exaktes Spiel. — Der Wind orgelte über die Schutz- scheibe und zerrte an seinem Haar. Die Bäume rauschten an ihm vorüber, und hinter ihm wehte, als nebele er sich gegen einen Verfolger ein, eine
gelbe, lange Staubfahne. Und wie alle Männer hinter einem surrenden Motor der unwiderstehliche Zwang befällt, den Mund zu öffnen und Lieder in die Welt hinauszuschmettern, so begann auch Hellwang zu singen. O alte Burschenherrlichkeit, und Wohlauf, die Lust geht frisch und rein, und dazwischen Melodien und Texte eigener Komposition, freie Rythmen zu Fanfarenklängen, die sich zumeist auf Ereignisse des Augenblicks bezogen.
Fräulein Zögling wartete mit dem Abendessen eine halbe Stunde, dann setzte sie sich mit den Kindern, die müde und hungrig waren, zu Tisch. Kathi trug das Essen auf, zerteilte Bücklinge mit Bohnen- gemüfe. Lydia und Britta sahen einander verstohlen mit niedergeschmetterten Blicken an. Bücklinge mit Bohnengemüse! Das Entsetzlichste, was ihnen widerfahren konnte. Kathi zeigte ihnen richtig ihre Macht. Gewiß gab es morgen zu Mittag gräßliche Fischkotelette und übermorgen sauere Nierndln — ad), sie kannten schon den Speisezettel, wenn Kathi grollte und von ihnen nichts wissen wollte. Lydia stocherte in ihrem Teller herum.
„Man hebt die Gabel zum Mund und nicht den Kopf zur Gabel!" rief das Fräulein scharf. „Wie oft soll ich dir das sagen, Lydia? Iß nur! Bücklinge sind sehr gesund! Und zappele nicht so herum! Sitz ruhig!"
„Mir juckt der Kopf", murmelte Lydia verdrossen: „vielleicht san's Laus'... Die, wo in der Klasse neben mir sitzt, hat nämlich Läuse..."
Britta erstarrte.
„Um Gotteswillen!" schrie Fräulein Zögling auf. Sie zerrte Lydia ans Fenster und unterzog ihre Haare einer gründlichen Untersuchung. „Ich kann nichts entdecken, als daß du einen sehr schmutzigen Kopf baft", stellte sie mit einem erleichterten Aufatmen fest. „Ick) möd)te nur wissen, wie ihr das anstellt, in drei Tagen so entsetzlich schmutzig zu werden. Morgen wird Kopf gewaschen!"
Britta ließ ihre Gabel fallen.
Hellwang kam erst geaen zehn Uhr heim. Die Kinder schliefen schon. Es war eigentlich Kathis Aufgabe, bei feinem Signal Tor und Garagentür zu offnen, aber dieses Mal kam ihr das Fräulein zuvor. Sie hatte nämlich auf der Terrasse Hell-
mangs Heimkehr erwartet. Sie hielt den linken Flügel der Garagentür fest, als Hellwang einfuhr, denn er hatte die gefährliche Eigenschaft, von selber zuzufallen. Hellwang schaltete die Beleuchtung aus und kletterte aus dem Wagen.
„Gott sei Dank, daß Sie wieder da find!" rief Fräulein Zögling in die tiefe Dunkelheit hinein, „ich habe mir schon solche Sorgen gemacht. Es passiert doch so viel..." Sie schloß das schwere Eichentor und sd)vb den Riegel in die Ritze. Hellwang stand im Sternenlicht hinter ihr und knisterte mit einem Päckchen, das er in der Hand trug.
„Sie waren in der Bibliothek, Herr Doktor..."
„Nein — das heißt, ich wollte in die Bibliothek fahren, aber dann ließ ich mich durch das schone Wetter verführen und habe eine prachtvolle Fahrt rund um den Starnberger See gemacht..."
„Haben Sie schon zu Abend gegessen?"
„Einen wunderbaren Karpfen."
„Dann darf Kathi also abräumen und schlafen gehen?"
„Ja, natürlid)..Er verhielt plötzlich, als wäre soeben ein Stichwort gefallen. Fräulein Zögling die ooranging, blieb ebenfalls stehen. Hellwang warf einen Blick zum Küchenfenster hin, über dessen Vorhang sich ein Schatten bewegte. Er dämpfte die Stimme: „Uebrigens: Kathi — ich bin sozusagen mit dem Eisbrecher gegen sie losgefahren und höbe ihr zum Schluß klipp und klar die Bedingungen gestellt, unter denen ihr Verbleiben im Haus möglich ist ..."
„Nun — und?" fragte Fräulein Zögling gespannt.
„Sie hat kapituliert." — Es tarn nickst so ganz sicher heraus, inic er es zu sagen gewünscht hatte. Fräulein Zögling öffnete die Haustür und drehte das Licht an. Hellwang gab ihr das Päckchen: „Ich habe den Kindern etwas nütgebracht, ein paar Stückchen Torte. Bitte, legen Sie das Päckchen ins Kinderzimmer, damit sie es morgen gleich beim Aufwachen finden." — Er trat vor den Garderobenspiegel, um sich die Krawatte zurechtzuziehen. Auf seinem braunen Gesicht lag eine graue Puderschicht, durch die sich dunkle Fingerspuren zogen. Sein Haar war wie mit Mehl bestäubt. „Haden wir warmes Wasser zum Kopfwäschen da?"
„Der Badeofen ist leider nicht angeheizt: aber für morgen ist bereits große Kopfwäsche angesagt."
„Gut, dann schieb' ich's halt auf." Er neigte ben Kopf und schüttelte die Haare aus. Eine graue Wolke sank zu Boden. „Ein phantastischer Dreck", stellte Hellwang fast ehrwürdig fest und verschwand im Badezimmer, um wenigstens vom Gesicht und von den Händen die Spuren der schmachvollen Niederlage zu beseitigen, die ihm auf der Heimfahrt fein großer Mercedes auf den niederträchtigen Straßen des Ostufers bereitet hatte.
„Wollen Sie heute noch arbeiten?" fragte Fräulein Zögling, als Hellwang ins Eßzimmer trat, wo sie mit dem Nähkorb am Tisch saß und Schürzen von den Mädeln ausbesserte. Er hob abwehrend die Hände.
„Nein, nein! Man muß einen guten Tag auch gut beschließen. Kennen Sie das Sprichwort, das wir in meiner Heimat haben? Es heißt: Fischchen wollen schwimmen. Mein Karpfen macht da keine Ausnahme. Zünden Sie, dexweil ich eine Flasche hole, auf der Terrasse die Windlichter an und stellen Sic zwei Gläser auf, Moselgläser! Sie werden mich doch nicht im Stich lassen?"
„Nein, Herr Doktor, selbstverständlich nicht..."
Hellwang stieg in den Keller hinab, um den Wein 5" besorgen. Fräulein Zögling verräumte eiligst das Nähzeug, sie holte Gläser aus dem Büfett, stellte sie draußen auf und zündete die Lichter an, zwei Kerzen in tulpenförmigen, rötlichen Kelchen. Die Nacht war mild und still. Die Flamftien brannten in langen Zungen und überhauchten ihre Umgebung mit mattem Glanz. Um den gelben Gartentisch standen drei Stühle herum, bequeme Strecksessel mit verstellbaren Rückenlehnen. Fräulein Zögling schob den übrigen Stuhl bis ans äußerste Ende der Terrasse. Die beiden anderen Sessel rückte sie enger zusammen, so daß ihr Abstand voneinander nicht mehr als eine knappe Armlänge betrug. Dann eilte sie, als Hellwang immer noch nicht kam, auf ihr Zimmer hinauf. Sie fuhr mit der Puderquaste über Hals, Gesicht und Arme und verrieb einen Tropfen ..Mille fleurs" an ihren Ohrläppchen.
(Fortsetzung folgt.)
~&enke dran bei jedem fchrirr:
“£±eine
Johlen
soltit
„SOLTIT gibt Leder$oh/en tangere _______ Haltbarkeit, verhütet naf$e Fuße,!


