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(Nachdruck verboten.)
34. Fortsetzung.
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Die Dominiks.
Roman von Hellmuth Nl.DöUcher.
Verdunkelungszelt
19. Juli von 21.35 bis 5.21 Uhr.
20. Juli von 21.33 bis 5.21 Uhr.
Da fliegt Brigitte ihrem Liebsten um den Hak und küßt ihn voll strahlender Freude.
Frau Lind steht mit abseits gekehrtem Gesicht.
Vielleicht denkt sie in diesem Augenblick an einem Kuß, den auch ein Dominik einst empfing — einem letzten Kuß für Leben und Tod.
Wer kann in der Seele eines Menschen lesen? w
Nun haben die Schulen ihre Tore für einige Wochen geschlossen: Sommerferien! Ranzen und Schulmappen haben Ruhe. Die große Pause ist
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
den Hochsommernächten aus!
Dornotizen.
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Bei Stockschnupfen
und ähnlichen Beschwerden hat sich das aus Heil' pflanzen hergestellte Klosterfrau-Schnupfpulver seit über hundert Jahren ausgezeichnet bewährt. Es wird hergestellt von der gleichen Firma, die den bekannt guten Klosterfrau-Melissengeist erzeugt.
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Aus der Stadt Gießen.
Sonnentage.
Wir kennen ein kleines, schlichtes Gedichtchen von Schoenaich-Carolath, in dem es heißt:
Es wogt das Korn im Sonnenbrand, darüber die Glocken schallen — Sei mir gegrüßt, mein deutsches Land, du schönstes Land von allen!
Als Ueberschrift wählte der Dichter das Wort „Daheim". Und so stellen wir uns auch in der Fremde unser schönes Vaterland vor: Die Höhen von grünen Wäldern betreut, die Abhänge und Flächen mit Getreidefeldern bedeckt und die Täler im Schmuck der blumenreichen Wiesen. So steht auch unsere Heimat vor dem geistigen Auge unsrer tapferen Soldaten, die weit draußen auf Sandwegen und unermeßlichen Ebenen kämpfen müssen, um ihr liebes Vaterland vor Einbrüchen fremder Gewalthaber zu schützen.
Sonnentage in Deutschland! Beim Durchschreiten der deutschen Gaue durchflutet uns ein beglückendes Gefühl. Es ist des Jahres beste und reichste Zeit. Das duftende Heu wurde schon in die Scheunen gefahren, die Ernte beginnt bereits. Auf den Getreidefeldern liegt ein goldner Schein. Zwischen den Halmen leuchten roter Mohn und himmelblaue Kornblumen, Rittersporn und Kornraden. Am schönsten aber sind die Wegraine, die im Schmuck der
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Ernährungsamt Gießen veröffentlicht heute die Termine für die Ausgabe der Lebensmittelkarten für den 26. Dersorgungsabschnitt vom 28. Juli bis 24. August. Dabei wird besonders betont, daß die Bestellscheine der Fett-, Eier-, Zucker- und Mar- meladekarten bis spätestens zum 2 6. 3ult bei den Warenverteilern abzugeben sind, bei verspäteter Einreichung eine Kürzung der auf den Bestellschein zu liefernden Warenmenge eintritt.
Dieser Hinweis sollte von allen Versorgungsde- rechtigten sehr ernst genommen werden, wenn sie sich Nachteile ersparen wollen. Der Geschäftsmann muß nämlich, um für feine Kunden die auf Bestellschein zu beziehenden Waren zu erhalten, die Bestellscheine vor Beginn des Versorgungsabschnitts beim Ernährungsamt einrekhen, um dort den entsprechenden Bezugschein empfangen zu können. Die rechtzeitige Anmeldung des Bedarfs wird dem Geschäftsmann aber unmöglich gemacht, wenn die Bestellscheine von den Derbrauckern nicht pünktlich vor Beginn des Dersorgungsabschnittes abgeliefert werden. Um seinen Geschäftsbetrieb nicht ins Stocken kommen zu lassen, kann der Geschäftsmann nur diejenigen Bestellscheine einreichen, die von den Verbrauchern rechtzeitig bei ihm abgegeben sind, und diese Kunden haben dann auch Anspruch auf pünktliche Belieferung mit den bestellscheingebundenen
Waren.
Gibt ein Kunde die Bestellscheine für Fett, Eier, Zucker und Marmelade aber nicht rechtzeitig, d. h. vor Beginn des Versorgungsabschnitts ab, so kann der Geschäftsmann diesem Kunden die entsprechende Warenmenge verweigern. Der Kunde muß dann zum Ernährungsamt gehen und sich dort eine Bezugsanweisung holen, die jedoch infolge der verspäteten Anmeldung um diejenige Menge gekürzt wird, die in der versäumten Zwischenzeit schon fällig gewesen und durch eigenes Verschulden nicht abge- holt worden ist. Praktisch wird der Fall dann so aussehen: Liefert ein Verbraucher die Bestellscheine nicht bis zum 26. Juli ab, sondern kommt erst am
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In solchen Tagen fällt das Starre von den Menschen ab. Sie werden freundlicher und zuaänglicher. Der Sonnenschein vergoldet ringsum die Welt, und wenn auch die Hitze uns manchmal seufzen läßt, so sind diese Sonnentage doch beglückend und reich an Erlebnissen. Nur draußen in der Natur muß man sie genießen, in Wald und Feld. Und wenn es am Tage zu heiß ist, wandern wir am Abend oder in der Nacht. Welch unendlicher Zauber geht von
Sommerblumen prangen: Schafgarbe, Wucherblumen, Leinkraut, Kamille und alle Arten Graser. Diese farbenprächtigen Naturkinder geben den Ge- treibefelbern den lebendigen Rahmen.
Staunend stehen wir vor dem Blütenwunder des Sommers. Farbe zu Farbe gesellend, durchrankt vom dunklen Grün der Blätter, so grüßen uns die Blumen. Ein Märchenzauber geht von ihnen aus. Es ist ein Gut, das allen gehört. Auch der ärmste, der verlassenste Mensch kann sich an den Blumen
erfreuen. , , . _
Das Jnsektenoolk strömt in Scharen herbei. Es summt und brummt wie eine ferne Orgel. Wer kennt alle Käfer und Schmetterlinge? Wie sie sich roieaen im Sonnenschein, unsere „Sommervögel' 1 Jeder Sonnentag ist ein Fest für die Schmetterlinge. Sie brauchen ja nur ein wenig Licht und Wärme, um ' icht und froh ihr kurzes Leben zu genießen.
Behutsam, wie aus wertvollen Kelchen, trinken sie aus den Blüten. Leise schaukeln die Blumen, wenn ein „Sommervogel" sich darauf niederläßt. Es ist so, als ob sie zustimmend nickten, als ob sie sagten: Nehmt nur, es ist genug da!
Beim Anblick des Sommerreichtums klingt in unseren Herzen das Lied des Sommers auf. Der leichte Wind flüstert in den Gräsern. Vom Walde her strömt ein harziger, würziger Duft. Im Garten der nahen Sommerhäuser blühen Nelken und Rosen. Mit voller Hand schenkt uns der Sommer seine
Frau Lind gibt ihm die Hand.
„Ich wußte es, Nissen."
Sie sieht ein Weilchen in das Gezweig der Kirsche hinauf. Sie muß wohl erst überlegen, ob sie das sagen darf, was sie nun sagen will.
„Sie sind nicht der erste Dominik, der in mein Leben greift ... Einem Donünik kann auch der Treueste aller Drachen fein Gut anvertrauen, ohne Feuer zu speien und mit den Krallen zu schlagen."
Nissen muß die Hand dieser Frau nochmals küssen. Und dann nimmt er sich ein Herz.
Warum soll er vor ihr das zurückdämmen, was ihm am meisten Sorge macht! Einmal muß ja doch gesprochen sein.
Frau Lind hört zu mit gesenktem Scheitel.
Sie hat das alles ja schon längst gefühlt. Don dem Aktiengeschäft freilich weiß sie nichts, sie weiß auch nicht, daß ihr Mädchenname in die Sache hineingezogen ist. Mattheus Lind spricht zu seiner Frau nicht Dorf Geschäften. Vielleicht denkt er, sie verstehe nichts davon.
„Das ist sehr schlimm, Nissen. Mein ganzes Leben bat unter dem Haß der beiden Männer gestanden. Mich überrascht nichts mehr. Für mich habe ich mich auch damit abgefunden. Aber für euch — für Brigitte und für Sie, mein Junge, finde ich mich nicht ab. Ob ich euch helfen kann, das weiß ich nicht. Aber mit meinem Herzen bin ich bei euch. Darauf können Sie sich — darauf kannst du dich verlassen, mein armer, lieber Junge."
Die beiden Menschen sitzen einander schweigend gegenüber.
Nur einmal nimmt Frau Lind noch bas Wort.
,^ch habe schon immer barauf gewartet, daß Sie sprächen. Deshalb fing ich Sie auch heute ab. Ich weiß von Ihrer Neigung für meine Tochter unb von Brigittes Neigung für Sie. Ich habe nur biefes eine Kinb, unb es ist mir lieber als mein Leben. Ich weiß auch, daß ihr bcibe wohl noch zu jung feib, um euch über bie Zukunft völlig klar zu fein. Aber — ich weiß jetzt — Sie sind ein rechter Dominik. Wenn Sie bas bleiben, bann werden Sie später, es mag kommen, wie es will, allein wissen, was Sie zu tun haben."
Durch bie Sträucher leuchtet ein buntes Sommerkleid.
„Brigitte!"
Nissen springt auf unb läuft ihr entgegen.
Ein heißer Hänbedruck, leuchtende Gesichter.
Brigitte wirbelt heran.
,4>at er bestanden, Mutti?"
Frau Linds Augen blinken.
„Ich glaube ja, mein Kind."
„Störe ich Sie auch gan* bestimmt nicht? Sie wollten doch sicher hier in Ihrem lauschigen Winkel ein Feierstündchen allein verbringen."
Frau Lind schüttelt den Kopf. Nissen fällt auf, daß das Haar in den letzten Wochen weiß geworden ist. Damals im Frühling, als er feinen Besuch machte, war es noch grau.
„Fehlgeraten! Ich bin überhaupt nicht für einsame Feierstunden. Bei mir muß alles quicklebendig sein. In dieser Beziehung bin ich wieder schrecklich unmodern. Sie haben sicher auch sonst schon manches Altmodische an mir entdeckt? Ich hoffe, daß wir trotzdem weiter gut miteinander auskommen."
Sie lehnt sich in ihren Korbsessel zurück. Ihre Teetasse balanciert sie auf der Hand.
„Nun plaudern Sie mir mal was vor. Erzählen Sie mir ein bißchen von Ihrer Arbeit, von Ihren Ideen."
Nissen fühlt nun doch wieder Befangenheit. Es ist nicht einfach, sich von einer fo klugen Frau in bie unklare, brodelnde Seele blicken zu lassen.
„Sie müssen entschuldigen gnädige Frau. Ich habe so gar kein Talent zum Plaudern. Was soll ich Ihnen erzählen?"
Frau Lind lacht mit blinkenden Zähnen.
„Na, hören Sie. Da hat Brigitte mir von Ihnen ein ganz anderes Bild gegeben. Ich meinte, so ein jungen Mann wie Sie sitze sprügelvoll von wirbelnden Gedanken, von welteinreihenden Plänen und auf ihre Stunde wartenden Ideen. Da sei alles mühsam gebändigtes Pulsen, gärender Wein, sprengende Kraft. Und nun fällt Ihnen nicht einmal soviel ein, daß Sie mir alten Frau eine Viertelstunde des Wartens verschwatzen helfen."
Nissen muß lächeln. Die Art, wie ihm da der Kopf gewaschen wirb, ist so herzig unb so herzlich, daß sie wohltut. Tiefe sichernbe Geborgenheit geht davon aus.
„Sie müssen mich recht verstehen, gnädige Frau. Ich war nicht darauf vorbereitet."
„Die Prinzessin von ihrem Hausdrachen bewacht zum sehen", unterbricht Frau Lind ihn lachend. .Trösten Sie sich, Sie teilen da bas Geschick aller Befreier. Und gehen Sie nun nicht gleich auf den Drachen mit Feuer unb Schwert los, sondern halten Sie ihm zugute, daß er zunächst den Ritter prüfen will, bevor er bie Prinzessin freigibt."
Ihre Stimme schlägt in tastendem Ernst um:
„Denn darum handelt es sich doch wohl zwischen uns dreien, Nissen Dominik?"
Ihre Augen suchen bie seinen.
„3a", (agt er herb.
raupenzucht auch unterrichtliche Ergebnisse so nebenbei mitgewonnen werden, fei nur erwähnt.
Dann kam die Aufforderung, Altmaterialien und Knochen zu sammeln. Auch hier setzte sich bie Schule mit allen Kräften ein. Gerade im Gau Hessen« Nassau und auch im Kreise Wetterau wurden erfreulich hohe Ergebnisse erzielt. Da besuchen die Kinder alle ihre Bekannten und Verwandten unb bitten, bis sie das letzte Stückchen Eisen, ein wenig Kupfer oder auch Blei und Zinn erhalten haben. Jedes Knöchlein wird gesammelt, und alle Arten Lumpen werden zusammengetragen. Jede überflüssige Zeitung wird für die Sammlung mit in bie Schule genommen. Ganze Berge von Altmaterial kommen -zusammen, werden sortiert und an den Althändler weitergeleitet. Daß bas Tausende von Tonnen ergibt, ist ein erfreuliches Zeichen unb eine wertvolle Zugabe für unsere Kriegswirtschaft.
Eine weitere Nebenaufgabe der Schule ist die Heilkräutersammluna. In den beiden letzten Jahren ist gerade bei dieser Sammlung fast ein Höchstmaß erreicht worden. Kamillen, Schafgarben, Holunderblüten, Erdrauch, Blätter von Brombeeren, Erdbeeren und Himbeeren, Taubnesseln usw. wurden von fleißigen Kinderhänden 3ufam- mengetragen, vorschriftsmäßig getrocknet, gesondert verpackt und an die Hauptsammelstelle eingesandt. In einigen Fällen mußte dem Sammeleifer sogar ein Riegel»vorgeschoben werden, da der Bedarf schon vollständig gedeckt ist. Wenn man in Erwägung zieht, urtter welch schwierigen Verhältnissen die Schule zur Zeit ihren Betrieb aufrechterhalten muß, wenn man weiterhin an die vielen anderen Arbeiten denkt, die auf Lehrern und Schülern lasten, dann ist diese Heilkräutersammlung, die doch fast nur außerhalb der Schulzeit vor sich geht, eine ge-
Seit Nissen bei Frau Lind Besuch gemacht hat, ist die Liebe der beiden jungen Leute sicherer geworden.
Nissen ist oft im Hause von Mattheus Lind. Aber der Zufall will es, daß er den Herrn dieses Hauses nie antrifft. Oder ist es kein Zufall, und nur die weitsichtige Klugheit der beiden grauen fügt es so, daß nicht ein Zusammenstoß mit dem Vater der hoffnungsvollen Freude der Tochter ein jähes Ende bereitet?
Mit Frau Martha steht Nissen sich gut.
Von Mattheus Lind wird niemals gesprochen. Er lebt nicht in seiner Familie. Er lebt in einer Welt, die Frau unb Tochter fremb ist, unb nach ber sie auch kein Verlangen haben.
Die erste Rosenblüte neigt sich ihrem Snbe zu. — Juni unb Anfang Juli haben eine Ueberfülle von Blüten unb Blüten davon gebracht. Im Garten um Villa Lind werden schon die ersten Himbeeren reif.
Nissen hat versprochen, Brigitte abzuholen.
Als er über bie Kieswege zum Hauseingang schreitet, ruft ihn aus einem ber sträucherbeschatteten Seitengänge eine Frauenstimme.
Frau Linb!
Ueberrascht hält er Umschau. Schließlich entbeckt er sie hinter Jasmin unb Haselsträuchern.
„Guten Tag, gnabige Frau."
Er beugt sich tief auf die schmale Frauenhand unb küßt sie.
„Habe ich Sie gestört?"
„Aber nein, ich habe Sie boch selbst gerufen. Setzen Sie sich unb leisten Sie mir ein Weilchen Gesellschaft."
Sie nehmen im Korbsessel Platz am nachmittäglich gebeckten Tisch unter einer Süßkirsche. Die leuchtend roten Früchte dieser späten Sorte hangen ihnen fast vor den Augen.
„Brigitte wird sicher auch gleich kommen. Nein, nein, Sie brauchen kein verlegenes Gesicht zu machen. Ich spotte nicht. Ich spotte, wie Sie wisien, überhaupt nie. Spott ist eine non den neuen Formen geistreicher Gesellschaftsplauderei, bie mir alten Frau nicht liegt."
Sie gießt Tee ein unb reicht Zucker, Sahne unb Gebäck.
Der alte Dominik sieht mit Freude, wie sich bas Bild ber Einheitsantriebsmaschine rundet und volle endet.
Die Konstruktionen scheinen in Ordnung zu fein.
Die Maschinenteile auf dem Montagestand häufen sich.
Es wird nicht mehr lange dauern, bann kann man mit ber Zusammensetzarbeit beginnen. Und dann wird sich zeigen, was an ber Sache ist.
Dann wirb es sich endlich zeigen. Endlich!
Er ist unbefangen genug, um Konrad Lietzen- borf einen ehrlichen Anteil an dem Fortschritt der Arbeiten zuzugestehen. Trotzdem sieht er bof Freundschaftsverhältnis, das sich zwischen feiner. Sohn und dem Ehesingenieur an gebahnt hat, ni# gern.
Zu tief steckt ihm das Mißtrauen und der Widerwille im Blut gegen alles, was von Lind kommt.
Derartige Ablehnungen erwachsen aus den 6p fahrungen eines Lebens. Man kann nichts dagegen tun.
Auch daß Lietzendorf nach wie vor an seiner eigenen Konstruktion weiterarbeitet, paßt ihm nicht.
Was soll das für einen Zweck haben?
Entweder hat der Chefingenieur Vertrauen zu bei von Nissen ausgearbeiteten Methode — bann sol! er feine Eigenbrötelei lassen und an ber Stelst helfen wo's nottut.
Oder er hat kein Vertrauen — und dann soll et mit gewichtigen Einwänden kommen und nutzlost Arbeiten verhindern.
So sieht ber alte Herr die Sache an. Und f- glaubt, baß seine Ueberfegung logisch unb schlüssig ist Leiber denkt aber nicht bloß Lietzendorf anders, sondern auch ber Sohn verschließt sich ben Darlegungen des Vaters. Im Maschinenbau, da kann man wohl im allgemeinen sagen, daß eine orbeni* lieh burchkonstluierte Sache auch funktioniert. Obwohl es auch da Fehlschläge geben kann. Aber auf dem Gebiete der Chemie, da handelt cs fiO um die Dienstbarmachung von Naturkräften. Unü Naturkräfte haben ihren eigenen Willen.
(Fortsetzung folgt.)
Für ben Verteidigungskrieg, den Deutschland : durchzukämpsen hat, ist das gesamte Volk aufgerufen worden. Daß auch unsere Kinder, die noch zur Schule gehen, mithelfen wollen in der Heimat- ront, ist ganz natürlich. Wie oft sitzen die Buben an den Lautsprechern, und wie glänzen ihre Augen, wenn eine Sondermeldung durchgeht!
Die Betreuungsarbeit für unsere Soldaten ist mehr für die Mädchen. Sie schreiben die Briefe an die tapferen Krieger, sie sorgen dafür, daß zu Weihnachten jeder Soldat ein Päckchen erhalt. Daß olche Kinderbriefe und -gaben die größte Freude ,ei ben Soldaten auslösen, bafür haben wir un- zählige Beispiele. Nur ein kleines Erlebnis soll hier mitgeteilt werden.
In einer Dorfgemeinde hatten die Schulkmber im ersten Kriegsjahr an alle Soldaten aus ihrem Dorf einen Brief geschrieben unb dazu eine Ansichtskarte ber Heimat beigefügt. Kinder, die ihren Vater, ihren Bruder oder sonst einen Bekannten an der Front hatten, sandten ihre Karten natürlich diesen. Die übrigen Starten wurden den Briefen einfach bei gelegt. Ein junger Offizier kam nun in feinem Heimaturlaub in einen Laden, in dem er einen achtjährigen Buben sah, den er kannte und den er sehr herzlich begrüßte. Darauf sagte er zum Kaufmann: „Haben Sie noch etwas Schokolade für mich?" Der Kaufmann: „Gewiß, für einen Sol- baten ist immer noch was da," Der Offizier kaufte eine Tafel Schokolade und schenkte sie dem Buben, indem er sagte: „Du hast mir in dem letzten Hei- matbrief eine Ansichtskarte von unferm Dorf beigelegt und herzliche Grüße daraufaeschrieben. Das jat mir soviel Freude gemacht, daß ich dir dafür diese Schokolade schenke? Hocherfreut zog der Bub ab.
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So sorgen die Schulkinder in vielen Fallen dafür, daß die lebhafte Verbindung zwischen Front und Heimat nie abreißt. Daß sie dabei besonders an ihren eigenen Lehrer, der draußen im Felde steht, schreiben, versteht sich von selbst. Da werden alle Ereignisse, die sich in diesen Tagen in der Heimat abfpielen, mitge teilt, und es ist eine große Freude für die Schulklasse, wenn dann ein Brief des Lehrers von der Front eintrifft. Es sind gar viele Lehrer eingezogen, es gibt Dörfer, die nur an wenigen Tagen einen „Wanderlehrer" haben. Klassen mußten zusammengelegt werden, 80, 100 und mehr Kinder sitzen zusammen und machen ihre Schulausgaben. Das erfordert größte Anstrengung unb stärkste Anteilnahme; denn es will doch niemand zurückbleiben.
Daß die Schulkinder aber neben der eigentlichen Schularbeit noch viele Sonderausgaben haben, ist bekannt, und wir wissen, wenn die deutsche Schule einmal eine Arbeit übernommen hat, bann wird sie auch vorbildlich ausgeführt.
Davon können der Volksbund für das Deutschtum im Ausland und ber Verband der Jugendherbergen berichten. Mit dem Kameradschaftsopfer für bie Volksdeutschen, mit den fünf Pfennigen, bie fast jedes deutsche Schulkind monatlich spendet, wurde schon viel Gutes geschaffen. Und wie sind die Schulkinder habet, wenn sie — außer dem Jugendher- bergspfennig im Monat — mit ihren kleinen Heftchen für die deutschen Jugendherbergen sammeln! Bei der großen Zahl der Schulkinder — es sind immerhin einige Millionen — gibt es da immer ganz schöne Summen.
Als im vorigen Jahre der NS.-Lehrerbund gemeinsam mit dem Oberkommando der Kriegsmarine zu einem Wettbewerb „Seefahrt ist not" aufrief, da machten sich nahezu vier Millionen Schulkinder mit ihren Lehrern an die Arbeit. In einer Ausstellung des Kreises Gießen konnten wir viele der Kinderarbeiten bewundern. Daß die Bu- . ben besonders viel Schiffsmodelle bastelten, ist erklärlich. Wir sahen Wikingerschiffe, Segler unb die neuesten Kriegsschiffe. Daneben konnten mir Pla- täte, Zeichnungen und Seekarten bestaunen. Zwischen ben Arbeiten der achtjährigen Schüler standen ganz werkgerechte, genau nach Maßstab angefertigte Modelle von Schlachtschiffen, die die Schüler der Oberschule ausgestellt hatten. Auch die Mädchen standen nicht zurück. Aufsätze über die Seefahrt,
über Großdeutschland unb die See würben beige- steuert. . ..
Das waren unvergeßliche Stunden, in denen die Kinder mit ganzem Herzen bei dieser freiwillig übernommenen Arbeit waren. Nun werden bie besten Stücke auf den Gauausstellungen gelernt, bann folgt eine große Reichsausstelluna in Köln. Die besten Arbeiten werden mit Preisen ausge- dC'©o‘mürbe ber Gebaute „Seefahrt ist not" bis in bie kleinste Dorfschule getragen. So merken auch alle deutschen Kinder, daß Großdeutschlaud sich anschickt, wieder eine Seemacht zu werden. Nach dem Sieae werden sich uns alle Meere wieder auftun. Deutsche Schiffe werden nach den Kolonien fahren, unb viele toufenb junge Menschen werben mit Freube unb Zuversicht bie neuen Schiffe bevölkern. Die Kinder von heute aber werden dereinst an diese Tage denken. Ebenso wie sie in den vergangenen Jahren sich mit Eifer dem Segelflugmobellbau Hingaben. Sie wissen heute Bescheid tu der Fliegerei, sie können mitsprechen.
Die eigentliche Kriegsarbeit setzte aber erst em, als aufgerufen wurde zu Sonberleistungen, zu Sondersammlungen. Ganze Schulklassen zogen hinaus in ben Wald und halfen bei der Forstarbeit, auch in unferm Gau wurde davon berichtet. In den Dorfgemeinden wird der Flachs von den Schul- kindern gerupft und geerntet, viele andere Feldarbeiten werden gern und freiwillig übernommen. (Kartoffelkäfersuchaktion!)
Neben dem Schulgarten wurde ein Stück Land mit Maulbeerpflanzen angelegt. Es wurde gegraben, gepflanzt und gehackt unb noch einmal gehackt. Zur Gewinnung von Rohseide wurden alle Schulen herangezogen. Viele hatten schon vor Jahren mit dieser Arbeit begonnen und können nun im Sommer eine reiche Ernte von Seidenkokon einsenden. Wie wichtig diese Seide für unsere Wehrmacht ist, feines Hinweises. Daß bei ber Seiden-
30. Juli damit zu seinem Warenverteiler, bann wird dieser die Entgegennahme der Bestellscheine ab» lehnen und die Abgabe ber fälligen Warenmenge verweigern. Der Verbraucher mutz nun ben Weg zum Ernährungsamt antreten, um sich bort eine Bezugsanweisung zu holen. Da inzwischen aber die halbe Woche bereits verstrichen ist, wirb ihm für bie durch seine eigene Schuld versäumte Zeit bie fällige Versorgungsmenge entsprechen!) gekürzt, er verliert also beispielsweise bei ber Buller einen halben oder ganzen Wochenanteil. Daß dieser Verlust für jebermann sehr empfindlich fein wird, bedarf keiner Betonung. Wer sich also vor solchem Nachteil schützen will, liefere bie Bestellscheine rechtzeitig, b. y. für bie fommenbe Verforgungszeit bis spätestens zum 26. Juli bei dem Warenverteiler ab,
Bei ben Eierkarten ist zu beachten, baß Selbstoer» forger, b. h. bie Halter von Hühner und Enten, keinen Anspruch auf bie Aushändigung einer Eier» karte haben. Unberechtigter Bezug ber Eierkarte ist strafbar. Bei dieser auf sechs Monate gültigen Karts dürfen bie Warenverteiler nicht alle Bestellschein», abschnitte auf einmal abtrennen, sondern sie haben nur ben für bie fommenben vier Wochen fälligen Abschnitt abzuschneiden, bamit der Verbraucher innerhalb ber sechsmonatigen Gültigkeitsdauer ber Ei erkürte jederzeit bie Möglichkeit behält, nach Wunsch seine Bezugstelle zu wechseln.
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Tageskalenber für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebe ist zollfrei". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sieben Jahre Pech .
Tageskalenber für Sonntag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebe ist zollfrei". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sieben Jahre Pech .


