stand unter den Panzersachverständigen aller Länder ein heftiger Meinungskampf um die Frage, ob die Panzerwaffe auch weiterhin eine bloße Hilfswaffe der Infanterie bleiben oder ob sie, in geschlossenen Verbänden zusammengefaßt, mit selbständigen Kampfaufgaben unter voller Ausnutzung ihrer Schnelligkeit und Kampfkraft betraut werden sollte. Im französischen Heere mit seinem schematischen mehr defensiven Denken ging man den ersten, im englischen Heere den zweiten Weg. In Deutschland wurden nach Wiederherstellung seiner Wehrhoheit, dem alten deutschen Anariffsßeist entsprechend, ebenso wie in England selbständige Panzerkampfverbände aufgestellt. Wenn trotz aller wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeiten der gewaltige Vorsprung der Westmächte in wenigen Jahren einqeholt wurde und beim Ausbruch des heutigen Krieges eine Reihe von deutschen Panzerverbänden bereitstand, die in zäher Frieoensausbildung und in enger Zusammenarbeit mit den Luftkampfverbänden zum Durchbruch und zur Umfassung vorzüglich ausgebildet waren, so war das in erster Linie dem weit vorausschauenden Blick und dem eisernen, kein Hindernis kennenden Willen des Führers zu verdanken.
Der Krieg hat dann den Kampf der Federn über die beste Verwendung von Panzertruppen sehr schnell durch den Kampf der Waffen entschieden. Gleich zu Beginn, im polnischen Feldzuge, haben deutsche Panzerverbände die polnischen Stellungen in ihrer ganzen Tiefe überrannt, Haven den polnischen Hauptkräften den Rückzug abge- schnitten und dadurch ihre volle Einkesselung tm großen Weichselbogen ermöglicht. Auch i m Westen hat die deutsche Führung nur mit Hilfe großer selbständiger Panzerverbände ihre genialen operativen Bernichtungspläne in die Tat umsetzen können. Sowohl der große Durchbruch über die Maas zwischen Givet und Sedan am 13. Mai 1940 wie der anschließende keilartige Vorstoß bis an die Kanalküste, der die Einschließung sämtlicher in Belgien und Nordfrankreich kämpfenden feindlichen Armeen und ihre schließliche Vernichtung zur Folge hatte, waren ohne große selbständige Panzerverbände, die ihre Schnelligkeit und Kampfkraft in freier Beherrschung des Geländes voll ausnutzen konnten, unmöglich gewesen. Ebenso haben gepanzerte Truppen im zweiten gro- ßen Kampfabschnitt im Westen bürd) ihren Vor- stoß westlich der Maas nach Süden bis zur schweizerischen Grenze den elsaß-lothringischen Raum gegen das übrige Frankreich abgeschlossen und damit die Vernichtung bzw. Kapitulation einer halben Million Franzosen, wirksam vorbereitet.
Auch in dem augenblicklichen Siegeszug auf dem Balkan haben wiederum selbständige Panzerverbände die verblüffende Schnelligkeit der Operationen entscheidend beeinflußt. Sie haben durch überraschenden Vorstoß auf Saloniki die griechischen Truppen östlich des Vardar abgeschnitten und zur Kapitulation gezwungen. Sie haben Risch und Agram genommen und sind schließlich von Norden und Süden aus in die Hauptstadt Belgrad eingedrungen. Ebenso sind die überraschend schnellen Erfolge in Nordafrika, wo der Krieg bereits über die ägyptische Grenze hinaus vorgetragen ist, in erster Linie dem Afrikakorps des Generals Rommel zu danken.
Freilich weiß auch die Panzerwaffe genau, daß ihre durch Schnelligkeit und Ueberraschung erkämpften Erfolge durch die nachfolgenden nichtmotorisierten Truppen gesichert und ausgebaut werden müssen, um zu einem entscheidenden Endsieg zu werden. Gerade diese mustergültige Zusammenarbeit einer weit vorauseilenden Panzerwaffe mit den schnell folgenden übrigen Waffengattungen sowie mit der Luftwaffe bestätigt voll und ganz, was der General der Panzertruppe Guderian kurz vor Kriegsausbruch geschrieben hat: „Schnelligkeit gebiert Die Ueberraschung. Zusammenfassen der Masse auf das entscheidende Ziel erzeugt Kraft. Der überraschende Einsatz der geballten Kraft aber ist der zuverlässigste Bürge des Sieges." z-ast 50000 BNT. versenkt.
Der Wehrmachtbericht vom Samstag.
Berlin. 17.Mai. (DltB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Ein Unterseeboot unter Führung von kapi- tänteutnant S ch e v e meldet die Versenkung von fünf britischen Handelsschiffen mit zusammen 33 612 DRT. Kampfflugzeuge vernichteten im Seegebiet ostwärts Schottlands und nordwestlich Irlands drei bewaffnete feind
liche Handelsschiffe mit zusammen 16000 VRT. und erzielten Vombenvolltreffer auf zwei weiteren Schiffen.
Kampffliegerverbände griffen in der letzten Nacht mehrere Stunden lang Rüslungs- und Verforgungsbetriebe einer Stadt in den Midlands mit guter Wirkung an. Dabei wurde ein britisches Flugzeug über feindlichem Gebiet abgeschossen. Kampf- und Jagdflugzeuge bombardierten bei Tag und Nacht britische Flugplätze, darunter besonders erfolgreich den Flugplatz Hawkings. Auf dem Flugplatz St.Eval entstanden durch Treffer in hallen, Unterkünften und auf dem Rollfeld schwere Schaden. Marineartillerie nahm feindliche Schiffe, die sich der Kanalküsie zu nähern versuchten, unter Feuer und zwangen sie zum Abdrehen.
In Nordafrika führten Spähtrupps des deutschen Afrikakorps bei Tobruk erfolgreiche Unternehmungen durch und brachten eine Anzahl Gefangener ein. Zwei feindliche Panzer wurden zer
stört. Die in Sollum und in das Fort La- p u z z o eingedrungenen britischen Kräfte wurden in kühnem Gegenangriff wieder nach Osten zurück- geworfen. Sollum und das Fort Capuzzo sowie sämtliche früheren Stellungen sind wiederinder Hand des Afrikakorps. Deutsche Kampfflugzeuge griffen mit guter Wirkung in die Kämpfe bei Sollum und Tobruk ein.
Im Mittelmeerraum griffen Einheiten der deutschen Luftwaffe in der Nacht zum 16. Mai und am gestrigen Tage mehrfach erfolgreich Flugplätze und Hafenanlagen auf der Insel Malta an.
Der Feind warf in der letzten Nacht mit schwächeren Kräften in Westdeutschland wahllos eine Anzahl von Spreng- und Brandbomben. Außer einem kleinen Jndustriewerk wurden keine wehr- wirtschaftlichen Ziele getroffen. Nachtjäger und Marineartillerie schossen zwei der angreifenden britischen Flugzeuge ab.
Der neue König von Kroatien.
Rom, 18. Mai. (Europapreß.) Der neue König von Kroatien, Prinz Aimone von Savoyen-Aosta, Herzog von Spoleto, wurde am 9. März 1900 in Turin als Sohn des im Jahre 1931 verstorbenen
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Prinzen Emmanuele Filiberto von Savoyen-Aosta (eines Vetters des Königs und Kaisers) und der Prinzessin Helene von Frankreich aus dem Haufe Bourbon-Orleans äeboren. In 12. Lebensjahr trat der Herzog von Spoleto als Zögling der Marine- Akademie in die italienische Kriegsmarine ein. Als Unterleutnant erreichte er im April 1917 den Offiziersrang und durchlief dann alle Offiziersstufen
der Kriegsmarine. Seit November 1939 stand er im Range eines Geschwader-Admirals. Bald nach seinem Eintritt in die Marine-Akademie nahm er an Bord des Schulschiffes „Flavio Gioia" am türkisch-italienischen Kriege teil; im Alter von 18 Jahren erwarb er den Ausweis als Marineflieger. Während des Weltkrieges wurde er mit verschiedenen Orden ausgezeichnet, im Abessinienfeldzug erhielt er die zweite silberne Tapferkeitsmedaille. Der Herzog hat weite Reisen unternommen, u. a. nach Jberoamerika und nach dem Femen Osten. Auch an wissenschaftlichen Expeditionen war er beteiligt; so an einer von ihm selbst organisierten und geführten Expedition in die Berge des Karakorum (Zentralasien 1928/29). In den folgenden Jahren war der Herzog mit wichtigen Missionen in Spanien, Nordamerika und dem Iran betraut. Der Herzog ist auch ein großer Sportfreund. So ist er als Polospieler bekannt. Er ist Außerordentlicher Kommissar der Vereinigung für Motorschiffahrt und Vorsitzender des Königlich Italienischen Automobil- klubs.
Mit dem Herzog von Spoleto wird nun die kroatische Dynastie fortgesetzt werden, die durch Tromir im 9. Jahrhundert begründet worden ist. Einen unabhängigen kroatischen Staat gab es schon fett 879. Im Jahre 925 nahm dann Fürst Tomis- lav die Königswürde an. Zur Zeit des deutschen Kaisers Heinrich IV. starb mit König Zvonimir die kroatische Dynastie aus. Bis in das erste Viertel des 16. Jahrhunderts waren dann die Könige von Ungarn gleichzeitig Könige von Kroatien, dessen Selbständigkeit immer anerkannt worden ist. 1527 wählten die Kroaten dann Ferdinand von Habsburg zum König. Durch das neue kroatische Staatsgesetz ist die Krone zum Repräsentanten der kroatischen Staatshoheit erklärt worden.
Roosevelt vnd die Weltwirtschaft.
Washington, 18. Mai. (DNB.) Anläßlich der amerikanischen Autzenhandelswoche erklärte Roosevelt, der Welthandel in der von den totalen Mächten beherrschten Welt würde nur die Waffe für eine neue Aggression werden und nicht dem Allgemeinwohl dienen. Deutsche Erklärungen bewiesen, daß jene Länder die Unterwerfung der Welt auf ihre Fahnen geschrieben hätten, die den Welthandel zum eigenen Vorteil streng kontrollieren würden. Es sei deshalb sinnlos, überhaupt von einem künftigen Welthandel zu sprechen, sofern Amerika nicht bereit sei, die Grundsätze zu verteidigen, auf denen der Welthandel beruhe. Die totale Aggression reiche fast in jeden Winkel der Welt, bedrohe den Handel ebenso wie das geistige Gebäude der Demokratie und begrenze bereits ernstlich den Raum, worin die Grundsätze internationaler Handelsbeziehungen operieren könnten.
Roosevelt schlägt einen ziemlich primitiven Weg ein: All die Absichten, die er selbst und sein engster Freundeskreis im geheimen hegt, unterstellt er einfach den Achsenmächten, als ob diese erst das Chaos in der Weltwirtschaft geschaffen hätten, obwohl Roosevelt sehr genau weiß, daß dieses Chaos bereits bestand, bevor die nationalsozialistische Regierung an die Macht kam. Roosevelt beruft sich
auf deutsche Erklärungen, die nie abgegeben worden sind, in der deutlichen Absicht, das Deutschland Hitlers zu verdächtigen und zu belasten. Dabei maßt er sich an, die Bedingungen, unter denen sich dereinst der Welthandel abzuspielen hat, selbst aufzustellen, obwohl er bisher den Beweis dafür schuldig geblieben ist, die Wirtschaft seines eigenen Landes in Ordnung zu bringen. Roosevelt sieht auch in Wirklichkeit nicht die wirtschaftlichen Interessen der USA. durch die Achsenmächte bedroht, sondern die Interessen seines Kreises, der um den arbeitslosen Ueberprofit bangt. Damit beantwortet sich auch von selbst die Frage, bis zu welchem Punkte die Interessen des Roosevelt-Regimes und die der Bevölkerung der USA. Zusammengehen.
Oieponikmache der llSA -Kriegshetzer
Stockholm, 17. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Kriegshetzer in den Vereinigten Staaten tun weiterhin alles, um das Volk unter den Eindruck einer drohenden Gefahr zu bringen. So hat der USA.= Kongreß 30 000 Dollar f ü r einen „absolut bombensicheren" Luftschutzraum angesetzt, in dem die Magna Charta, die britische Verfassungsurkunde von 1215, die seit der Weltausstellung sich in Neuyork befindet, ferner die ame-
Bor einem Fahr.
Am 17. Mai 1940 wurden Mecheln und Löwen! von unseren Truppen in hartem Kampf genommen. Brüssel wird kampflos übergeben. Auf der Insel Walcheren wird noch gekämpft, sonst sind die hol« ländischen Inseln in deutscher Hand. In Nordbelgien durchbrechen unsere Soldaten den äußeren Gürtel der Festung Antwerpen. Der aus der Dyle-Stellung zurückgehende Feind wird verfolgt. Südlich Mau« beuge durchstoßen unsere Panzer die französischen Grenzbefestigungen und zerschlagen zwei feindliche Divisionen. Der weichende Feind wird über die Sambre weiter südlich bis an die obere Oise verfolgt. Südlich Sedan wurde nach Süden Raum gewonnen.
Am 18. Mai 1940 weht auf dem Rathaus von Antwerpen die deutsche Kriegslage. Nach Durchbrechung der Festungsfront von Antwerpen joirD der Feind immer weiter nach Westen zurückgedrängt, westlich Antwerpen die Schelde überschritten, westlich Brüssel die Dendre erreicht. Le Cateau und St. Quentin sind in deutscher Hand. Laon und die Aisne bei Rethel sind erreicht. Nordwestlich Mont« medy ist in der Maginot-Linie das Panzerwerk 505 genommen. Der Feind verlor an beiden Tagen Ins«
19°Mai^lÄo^wird In Belgien die Verfolgung fortgesetzt. Die Dendre ist überschritten, die obere Schelde erreicht. Bei Maubeuge und südlich Valenciennes werden Angriffe einer nach Süden Ausweg suchenden französisch-belgischen Armee ab« gewiesen. Unsere Panzer und motorisierten Verbände erreichen an der Straße Cambrai—Perönne das Somme-Schachtfeld 1916. Der gesamte innere Fortgürtel von Lüttich, sowie alle Forts von Namur bis auf eines sind in deutscher Hand.
rikanische Unabhängigkeitserklärung und andere Doq kumente aufbewahrt werden sollen.
Dem deutschen Volk das Lebenslicht ausblasen.
Ein frommer Wunsch des NSA.-Jnnenministers.
Berlin, 18. Mai. (DNB.) Der Innenminister der Vereinigten Staaten, Ickes, hat in einer Versammlung im Central-Park in Neuyork eine Rede gehalten, in der er sagte: „Amerika muß England alles geben, was erforderlich, um unserem gemeinsamen Feind das Lebenslicht auszublasen. Amerika muß unsere Freunds und Verbündeten überall unterstützen und, was das Wichtigste ist, wir Amerikaner müssen.uns geistig für den Kampf rüsten. Wir müssen den Nebel der Ungewißheit und des Schwankens vertreiben und mit einem herzhaften Gelächter die zersetzenden Argumente unserer Friedensapostel und Faschisten quittieren."
Hinter der Larve des angeblichen Kreuzfahrers für Demokratie, Freiheit, Zivilisation, Ordnung der Weltwirtschaft und wie die Schlagworte alle heißen, erkennt man die haßverzerrte Fratze des Hetzers. Das also ist das Ziel: Dem deuffchen Volk soll das Lebenslicht ausgeblasen werden. Das U8A.-Volk weiß jetzt, wofür es mehr Steuern zahlen, mehr arbeiten, und wenn es nach dem Wunsch seines Präsidenten und seiner Anhänger ginge, auch sein Blut vergießen soll. Vom deutschen Volk wird niemand erwarten, daß es dem Versuch, ihm das Lebenslicht auszublasen, geduldig zusehen wird.
Aktivität der javanischen Lustwaffe.
Tokio, 19. Mai. (DNB. Funkspruch.) Japanische Kampfflugzeuge bombardierten S i a n f u, die Hauptstadt des alten China und jetziger Sitz der Provinzialregierung von Scheust. Mehrere Kasernen und andere kriegswichtige Anlagen wurden mit Sprengbomben beworfen. In W e i n a n, östlich von Sianfu, wurden heftige Brände in Lagerhäusern verursacht. Japanische Seeflugzeuge haben zum viertenmal in diesem Monat Tschung - fing schwer bombardiert. Durch Treffer auf militärische Anlagen ist besonders im westlichen Vorortring von Tschungking erheblicher Schaden entstanden«
Botschafter als Ehrengäste beim Premierminister Konove.
Tokio, 17. Mai. (Europapreß.) Die Botschafter Deutschlands, Italiens und Rußlands waren als Ehrengäste beim Premierminister Konoye zu ei-
„Oer Feldherr" von Händel.
$itr morgigen Aufführung.
In seinen Opern hatte Händel beweisstarke Proben dramatischer Gestaltungskraft gegeben und war in den Wettbewerb mit den Italienern getreten. Mochten diese ihm im eigentlich Theater- lischen überlegen sein, io überzeuat er durch das Tiefschürfende im Aufschluß der Charaktere. Der ihm eigene starke Zug für das Dramatische erhebt sich zur monumentalen Auswirkung in seinen Oratorien. An die Stelle der Einzelpersonen der Oper tritt hier der Chor als Ausdruck des Fühlens der Gesamtheit, der sich die Einzelpersonen als Glieder des Ganzen einordnen.
In der Wahl seiner Stoffe entscheidet sich Händel für das große Geschehen voll innerer Wucht, getragen von ethischen Triebkräften. Die Handlung an sich zieht ihn an, nicht aber die Umwelt, in der sie sich vollzieht. Die innere Verbundenheit mit der stofflichen Grundlage seiner Oratorien gründet sich auf einem idealisierenden, persönlich akzentuierten Durchleben. Das Heldische, überragend Große packt ihn, sei es in der Einzelgestalt, sei es in der Gesamthaltung des Volkes. So erlebt er selbst auch die lleberlieferung anderer Völker ganz im Sinne des blutmäßig Germanischen. 3a der hohe edle Schwung, der ihn beseelt, läßt ihn zum „größten Freiheitssänger werden, den die Musik jemals gehabt hat". (Kretzschmar.) Ganz besonders sein „Freiheitsoratorium". in dem er das todesmutige Ringen seines Volkes in stärkster Unmittelbarkeit durchleben läßt, war nach dem Zusammenbruch napoleonischer Fremdherrschaft zum grandiosen Ausdruck vaterländischen Bewußtseins geworden.
Die ursprüngliche textliche Fassung diesesWerkes von dem englischen Dichter Thomas Morell verliert sich in die Breite und läßt durch Wiederholung seelischer Situationen den straffen, mitreißenden Zug der Händels Musik innewohnt, nicht deutlich und klar genug in Erscheinung treten: überstieg doch die Aufführungsdauer des vollständigen Werkes (vier Stunden!) die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer. Darum war die Überarbeitung des Ganzen geboten. Das schien um so eher zulässig, als sich ja Handel selbst für seine Aufführungen Aende-
rangen, Umstellungen, Ausschaltungen und Einfügungen gestattete.
Hier setzt nun Professor Hermann Stephani mit der Umgestaltung des Werkes ein. Schon gelegentlich einer Aufführung im Jahre 1904 strebt er eine Verdichtung des heldischen Werkes auf das textlich und musikalisch ÜVesentliche an, jenseits aller Beengtheiten des historisch Gegebenen. y9n seiner Bearbeitung von 1914 wird Das Gesamtgeschehen, der Aufbau der Handlung, aus dem Grundgedanken eines Volksdramas gewonnen. „Seher und Feldherr verkörpern die sittlichen Grundkräste des Volkes — jener Selbstbesinnung und Sottnertrauen, dieser Tatkraft, Selbstbeherrschung, Siegerwillen." Die Herausstellung dieser Grundidee erforderte eine straffe Zusammenziehung der Handlung auf eine einzige, geschlossene, durch leichte Gegensätze in ihrer Entwicklung durchlebte dramatische Hauptlinie und damit eine Zusammenfassung des musikalisch Wertvollsten. Die vorliegende Fassung unter dem Titel „Der Feldherr" läßt, losgelöst von allen nebensächlichen Personen und Episoden, das Ueberzeitliche, Symbolhafte zur Grundlage des Geschehens werden und führt damit auf die in dem Werke ruhenden allgemein-menschlichen, völkischen Werte direkt hin. Bei dieser Umformung wurde die Reihenfolge in der Anordnung des Werkes, der leitenden Idee folgend, geändert, vieles Ueberschleppte aus der ursprünglichen Hebet’ setzun g ins Deutsche wurde sprachlich neu geprägt im engsten Anschluß an das Musikalische und so ein einheitliches Drama geschaffen
Das Ganze gliedert sich in drei Akte. Nach der fampfesfreubigen Ouvertüre erleben wir das Wehklagen des von feinen Unterdrückern geknechteten Volkes. Tief ist die Trauer, erloschen die Hoffnung (ergreifende Ausdrucksstellen des Chores). Das Volk richtet sich am Gebet auf; wählt nach dem Willen des Sehers den Feldherrn. Hoffnung auf die Freiheit erwacht (Duett für Sopran und Alt): entschlossener Siegeswille findet höchste Kündung im Chorischen. — Der zweite Akt spielt auf der Walstatt; er wird eingerahmt von einem begeisterten Kampfeschor; Vertrauen auf die führende Macht läßt alle Gefahren überwinden und den Willen zum Durchhalten aufs höchste entflammen. — Im dritten Akt sehen wir die Zurückbleibenden bei Gebet und
Opfer. Frohe Ahnungen kommenden Friedens durchziehen die Arien uno Chorsätze. Das Ueberbringen der Siegesbotschaft strahlt sich in dem Chor „Fall ward sein Los; so fällt dein Feind!" machtvoll aus. Der Einzug der Sieger mit triumphalen Klängen wird zu einem akustisch-chorischen Erleben; das Donkesgesühl der Siegesfreude findet in Einzelgesängen und im Schlußchor seine Krönung.
Es hat in der jüngsten Gegenwart nicht an Versuchen auch von anderer Seite gefehlt, dieses Werk Händels dem Musikleben zugänglich zu machen. In Hamburg hörte man es vor einigen Wochen mit einer neu unterlegten Handlung als „Wilhelmus von Nasiauen". eine andere Fassung schaltet unbedenklich verschiedentlich Teile aus anderen Werken Händels ein; der „Feldherr" aber gibt der Ursprung- lichen Tendenz des Werkes in klarster und reinster Prägung unmittelbare, gegenwartsnahe Auswirkung.
Dr. Hermann Hering.
Gießener Giadiiheaier.
10. Morgenveranstaltmig: ..Philotas" von Lessing.
Zwischen der „Miß Sara Sampson" (1755) und der „Minna von Barnhelm" (1763) erschien im Jahre der höchsten Not des Siebenjährigen Krieges, 1759, der Prosa-Einakter „Philotas", der dann von Gleim, dem Verfasser der preußischen Kriegslieder, nicht gerade zu Lessings Vergnügen, mit Begeisterung „versifiziert" wurde. Das Stück war als ein Schulbeispiel der klassischen Tragödie im Deutschen gedacht, aber man hat nicht mit Unrecht bemerkt, daß der Held, obwohl in griechischem Gewände auftretend, den knabenhaften Fahnenjunkern und Leutnants in Friedrichs Heer näher verwandt sei als den gleichgekleideten Helden der alten Tragödie: kein Zweifel jedenfalls, daß dieses mitten im Kriege entstandene Drama dessen Geist ebenso atmet wie das später entstandene „Soldatenglück" von Tellheim und Fräulein von Barnhelm, deren liebenswerte Gestalten freilich dem Deutschen mehr ans Herz wachsen mußten als die des sagenhaften Griechenprinzen. Dieser,-im Kriege gefangen genommen, lehnt es ab, sich gegen den Sohn des
feindlichen Königs austauschen zu lassen, sondern gibt sich mit dem Schwert selbst den Tod. Das Motiv war nicht neu: man findet es bei Brawe, der das Schicksal des Athenerkönigs Kodrus behandelte, bei Lessing selbst im „Kleonnis", in Calderons „Standhaftem Prinzen". Kriegerischer Geist, Liebe zum Vaterlande und der Gedanke des Opfertodes entfesseln seine dramatischen Energien. Das Ganze ist eine tragische Charakter- und Seelenstudie von epigrammatischer Schärfe und Zuspitzung: ein Akt, acht Szenen, vier Männer, keine Frau; eigentlich nur der dramaturgisch unterbrochene große Monolog des heroischen Logikers Philotas: „Folglich, wenn ich, ich elender Gefangener, meinem Vater den Sieg noch in die Hände spielen will, worauf kömmt es an? Aufs Sterben." Und zwar: „Zum Besten des Staates sterben." Das Gefühl des Soldaten und des Patrioten siegt in Philotas über die natürliche Regung des Sohnes, und er wird durch seine Tat „ein Mann, ob ich gleich noch vor wenig Tagen ein Knabe war".
*
Die Aufführung, die ursprünglich zum Geburtstage des Führers hatte erscheinen sollen und krankhetts- halber verschoben werden mußte, wurde eingeleitet mit Johann Rosenmüllers fünffüßiger Sonate in g-moll aus dem Jahre 1682; die Herren Ker- z i s n i k und E i n b r o d t (Violinen), Schneider (Cello) und S ö l l n e r (am Flügel) brachten das Werk, sauber und stilgerecht musizierend, zum Vortrage. — Vor einem großlinigen Bühnenbilde des Herrn Löffler hatte Herr Reuter den heroisch gestimmten Einakter in Szene gesetzt; der Ablauf Des Dramas war merklich auf die entscheidende Schlußwendung hin gesteigert und durch kurze Sprechchöre und Paukenschläge hinter der Szene akzentuiert. Herr Bernd wurde mit der recht umfänglichen Titelrolle zusehends wärmer; der kühlen rationalistischen Ueberlegung hiett ein schöner jugendlicher Ueberschwang die Waage; doch empfiehlt es sich, den Prinzen Philotas so untheatralisch und sachlich wie möglich zu sprechen. Herr Geiger, sehr würdig und gemessen, war der König, Herr Volck sein Feldherr Strato, Herr Laporte der gefangene Parmenio. — Die Hörer dankten mit leb« Haftern Beifall. Hans Thyrioi,


