Ausgabe 
19.3.1941
 
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hmgewiesen, daß unter allen Umstanden dann Ur­laub in Form von Freizeit gewährt »erben muß. wenn im Vorjahr bereits eine Abgeltung des Ur« laubs erfolgt ist. Wenn sich die Gewähruna von Freizeit bezüglich der noch ossenstehenben Urlaubs­ansprüche aus tarn Jahr 1940 bis zum 30. 6. b. 3 nicht für sämtliche basür in Frage kommenden Ge- folgschallsmitglieder mit ihrem vollen Urlaubsam sprach durchführen läßt, haben bie Betriebssührer schon jetzt Vorkehrungen zu treffen, daß ben Urlaubs» berechtigten ein möglichst großer Teil ihres Ur­laubs in Form von Freizeit bis zum Ende des Monats Juni gewährt werden kann. Anträge auf Urlaubsabgeltung können erst nach dem 30. Juni d. I. gestellt werden. Die Betriebssührer werden er­sucht. von der Einreichung von Anträgen auf Ur- laubsabgeltung bis dahin abzusehen.

Osterjendungen nicht zu spät abschicken.

** Siebzig Jahre alt Am morgigen Don-' sitzender des früheren Marinevereins Gießen, der nerstag, 20. März, vollendet der Spengler- und heutigen NS-Marinekameradschast, zu deren Ehren- Jnstallaleurmeister Rudolf R ö di g e r. Walllor« Mitgliedern er zählt. Als Obermeister der Jnstallä- straße 35 wohnhaft, sein 70. Lebensjahr. Der Jub>- tcurinnung leistete er viele Jahre lang seinen Ve­lar stammt aus dem Rheinland In M.gdeburg er- ' russkameraden wertvolle Dienste, in deren Atter- lernte er sein Handwerk, auf der Wanderschaft kam ; kennung er bei dem Rücktritt von dem Amt des er im Jahre 1890 nach Gießen. Hier arbeitete er, Obermeisters zum Ehrenobermeister ernannt wurde, bis zu seinem Eintritt in die Kriegsmarine u. a. : Heute noch, feit 39 Jahren, versieht er das Amt bei dem Spengler Marx. Nach seiner Dienstzeit in eines Meisterprüfers. Dem Jubilar gelten auch der Kriegsmarine übernahm er hier das Joh. unsere herzlichen Wünsche zu seinem morgigen Ge- Schneidersche Geschäft, das 1936 in eine offene Han- burtstage und für einen weiteren schönen Lebens- delsgesellichaft umgewandelt wurde. Rudolf R ö - j abend.

big er war Mitbegründer und lange Jahre Vor-! --------

Mehrleistung der Landkrankenkassen.

Abweichen von den beschränkenden Bestimmungen jetzt möglich.

Unter den gegenwärtigen außergewöhnlichen Der­baltnissen ist es mehr denn je vaterländische Pflicht der Postbenutzer, Ostersendungen (Pakete und Päck­chen. hauptsächlich Feldpostpäckchen) so früh ro.e mög­lich. spätestens bis zum 3. April, ein^uliefern. Halt­bare Verpackung und genaue Aufschrift sind unbe­dingte Erfordernisse für richtige Ankunft. In febe Paket- oder Päckchensendung ist ein Doppel der Aufschrift einzulegen. Auch brieflidje Ostergrüße dürfen nicht erst an ben letzten Tagen vor dem Fest aufgeliefert werben, wenn sie rechtzeitig bei dem Empfänger eintrcssen sollen.

siebener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schtackstvieh-Derteitungsmarkt) ip der Diehoersteige- rungshalle Rhein-Main koste tert: Ochsen 30 bis 45,5, Dullen 32 bis 49,9, Kühe 20 bis 46,5, Färsen 21 bis 49,9, Kälber 37 bis 57, Schafe 44 Rpf. fe Vs kg Lebendgewicht, Ziegen 25 RM. Für Schweine wurden fe kg "Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,13, bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11, c (90 bis 119 5 kg) 1,07, d (80 bis 89.5 kg) 1,01, ef (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Sveckfauen) 1,13, i (Altschnei- der) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktvertauf: regelmäßig, alles zugeteilt.

©tefoener rvochenmarktpreife.

Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für ä-Ware Für 6-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger

* G i e ß e n, 19. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, 'A kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kar­toffeln 5 kg 45, Wirsing, % kg 13 bis 14, Weiß­kraut 10 bis 12, Rotkraut 13 bis 15, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10 bis 12, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 13 bis 15, Feldsalat, */.o 10, Aevsel. % kg 25 bis 40, Lauch 24, Sellerie 21 bis 23 Rpf.

Oieöen-Klein-Linden.

In der Wirtschaft von Fritz Weller hielt am Sonntagnachmittag die Kricgerkameradschaft Klein- Linden ihren gut besuchten Jahresappell ab. Kame- radschastsführer Diehl gedachte nach seinen Gruß- worten zunächst der Gefallenen des Weltkrieges, der nationalsozialistischen Bewegung und des jetzi­gen Krieges, zugleich ehrte er das Gedenken der im letzten Jahre verstorbenen Kameraden. Den Kassenbericht erstattete Kassenwart Philipp Wei- g c l XXIV. Die Rechnung wurde genehmigt. Schieß- roart Gottfried Benderoth erstattete Bericht über das Schießwesen. Wie in früheren Jahren, so wurde auch dieses Jahr wieder dem Winterhilfswerk ein Betrag über wiesen. Kamerad Philipp Diehl, der von 1916 bis 1920 in russischer Gefangenschaft ge­weilt hatte, gab einen Bericht über diese Zeit. Zum Schluß wies Kamerad Valentin Kehl als Parteivertreter auf die besonderen Aufgaben der Kriegerkameradschaften und ihren Einsatz am kom­mendenTag der Wehrmacht" hin.

♦♦ Deutsches Frauenwerk, Abt. Gie­ßen-Mitte. Am Donnerstag, 20. März, findet imBurghof" um 15 Uhr ein Amtswallerinnen- Appell statt. Um vollzähliges Erscheinen wird ge­beten.

** Grund- und Bürger st euerfällig- feiten bezahlen. Die Stadt fasse mahnt im heutigen Anzeigenteil die Zahlung von Grund- und Bürgersteuer. Sie weist nochmals darauf hin, daß die Östundsteuer nicht mehr wie früher jeden zweiten Monat, sondern monatlich zu entrichten ist.

Noch immer bestand für die reichsgesetzlichen Krankenkassen, die einen Beitragssatz von mehr als 5 v. H. erhoben, aus der Systemzeit her eine Be­schränkung in der Gewährung der Mehrleistungen. Davon wurden gerade die Landkrankenkassen be­troffen, die infolge des niedrigen Grundlohnes viel- i fach gezwungen waren, Beitragssätze von über I 5 v. H. zu nehmen. Eine große Reihe von Land- | krankenkassen befand sich finanziell in der Lage, die Mehrleistungen auszubauen, war aber infolge der ! obengenannten Beschränkungen daran gehindert. Nunmehr ist durch dasGesetz über weitere Maß­nahmen in der Reichsversicherung aus Anlaß des Krieges" vom 15. Januar 1911 im §3 geregelt, miß der Reichsarbeitsminister über Mehrleistungen Näheres bestimmen und damit von gesetzlichen Vor­schriften abweichen kann.

Soweit es also den Landkrankenkassen finanziell möglich ist, das ist der weitaus überwiegende Teil werden sie jetzt in die Sage versetzt, an den | Ausbau der Mehrleistungen heranzugehen. Es ist selbstverständlich, daß vor allen Dingen Leistungen hierbei berücksichtigt werden müssen, die für das Landvolk von besonderer Bedeutung sind. Zu diesen Mehrleistungen gehören insbesondere folgende:

1. Die Krankenhilfe für Mitglieder über 26 bzw. die Krankenpflege für Familienangehörige über 13 Wochen hinaus;

2. größere Heilmittel an Mitglieder oder Famr- lienangehörige bzw. die Uebernahme höherer Kostenzuschüsse dafür;

3. Familienhilfe ansonstige Angehörige" der Kassenmitgkieder;

4. weitere Mehrleistungen in der Wochenhilfe und in der Famliienwochenhilfe.

Von besonderer Bedeutung ist, daß ärztliche Be­handlung, Versorgung mit Arznei- sowie kleineren Heil- und Hilfsmitteln sowohl den Mitgliedern, als auch i-h»en Familienangehörigen für die ganze 1 Dauer einer Krankheit zugesichert werden. Es be­idarf hierzu allerdings noch einer entsprechenden 'gesetzlichen Regelung, die in Kürze erwartet werden kann. Dadurch entfallt für diese Leistungen die so- genannte Aussteuerung, d. h. das Aushören der Le ist un-gs pflicht der reichsgesetzlichen Krankenver­sicherung. Hierdurch ist es möglich, unnötige und unverständliche Härten re-stlos zu b-ef eiligen.

Jedenfalls weiden die Landkrankenkassen, soweit es ihnen irgendwie finanziell möglich ist, alles ver­suchen, um Urtier Beachtung der obengenannten Richtlinien die Mehrleistungen für ihre Mitglieder und deren Familienangehörige auszubauen und da­durch noch stärker an der Gesunderhall'ung des Landvolkes mitzuwirken.

Von besonderer Wichtigkeit ist, daß nach dem erb enge nannten Gesetz bei Ge schle chtskra n khe iten so­wohl die Mitglieder als auch die mitversicherten Fa­milienangehörigen die Krankenpfle-ge bereits zeit­lich unbegrenzt erhalten. Die Kosten für Arznei-, Verband, und kleinere Heil- und Hilfsmittel werden in vollem Umfange von der Kasse getragen und er« forderliche Krankenhausbehandlung von ihr ge­währt.

Die Gebühren für den Krankenschein und der Beitrag für bas Arzneiverordnungsblatt entfallen bei Geschlechtskrankheiten.

Aus her engeren Heimat.

Generalleutnant v Kleinschmit f.

SPD. Darmstadt, 18. März. Im Alter von fast 83 Jahren ist Generalleutnant Exzellenz von Kleinschmit in Darmstadt gestorben. Er trat 1875 in das ehemalige Großh. Artilleriekorps ein und hat ihm über 30 Jahre lang, zuletzt als Major und Abteilungskommondeur, angchört, Im Weltkrieg zog er als Kommandeur des Reserve-Art.- Regts. 51 ins Feld und erwarb sich 1916 an der Spitze der 60. Artilleriebrigade vor Smorgon be­sonderen Ruhm. Später war er Artilleriekomman­deur auf dem westlichen Kriegsschauplatz und wurde mit den höchsten Orden ausgezeichnet.

Grmeinderat in Schotten.

CO Schotten, 15. März. Mit verschiedenen wichtigen gemeindlichen Fragen befdjäftipte sich der Gemeinderat in seiner gestrigen Sitzung. Mit einer geplanten Umgehungsstraße um Schotten für den Durchgangsverkehr könnte sich die Stadt nicht einverstanden erklären, dagegen wird ein groß­zügiges Projekt der Straßenerweiterung und Niederlegung verschiedener Gebäude, wie es vom Straßenbauamt ausgearbeitet wird, sehr be­grüßt. Mit den Einzelheiten dieses Projektes wird sich der Gemeinderat noch zu belassen haben. Die Stadt hat bereits das Anwesen Blum gekauft, das zwecks Verbreiterung der Orts st raße, die an diesem Teil besonders eng ist, niedergelegt werden wird. In der Schulstraße ist ein neuer Bür­gersteig angelegt worden. Ein Teil der Straße wird Klempstasterung erhalten. Mit den Arbeiten ist be­reits begonnen worden. Das Gelände des früheren Sägewerks Neumann wird ein anderes Gesicht be­kommen, so daß das gesamte Straßenbild und der Weg zum städtischen Friedhof wesentlich verschönt

werden wird. Die Frage der Neubesetzung der Schäferstelle bei der städtischen Schafherde wurde besprochen, ebenso bas Projekt eines neuen Kin­dergartens, bas in Verbindung mit der NSV. gelöst wird.

Der große Brand von Ulrichstein.

Line Erinnerung an den Winker 1763.

cZ Ulrichftein, im März 1941. In diesen Tagen jährte sich wieder der Tag, an dem vor fast ISO Jahren unsere Stadt von einem k a t a ft r o » phalen Brand Unglück heimg-sucht wurde. Am 5. März 1 7 63 schreibt der damaliae Bürger­meister von Ulrichi't'ein in einem Bericht an das Amt folgendes:Als Geschichte der großen Feuers­brunst, welche jedem Bürger der Stadt Ulrichstein diesen Tag so wichtig macht, kann folgendes erwähnt werben. Der Winter von 1762 und 63 war gegen alle Erwartungen dergestalt lind, daß bein-ahe jeden Tag bas Rindvieh zur Weide ausgetnieben werben konnte. Es trat kein harter Frost ein, es fiel fein Schnee, und die Strohdächer y-atten eine große Dürre angenommen. Der 1. Februar war sehr schön, man glaubte oder konnte glauben, der Frühling wäre schon eingekehrt. Durch den Sieben-jährigen Krieg hatten sich Erwachsene sowie auch Kinder in den Besitz von Schießpulver gesetzt. Auf diese Weise waren selbst Schulknaden in den Besitz eines Materials gekommen, das nicht in die Hände von Kindern gehörte. Ein zwöl-fjähriger Knabe fertigte sich aus einem Hohlschlüssel eine sog. Schlüsselbuchs-e. Sobald dieselbe fertig, mußte nach einem Schwarm Sperlingen geschossen werden, die auf dem Hause des Bürgers Johann Georg dermalen von Johann Henrich Alt, Schuster, saßen. Der Stopfen von Werg oder Papier flog in das ausgetrocknete Stroh- I ss ! IM Ulf, .................

i dach, welches sofort Feuer fing. Kaum erklang di« i Sturmglocke, so erhob sich ein solcher Wind, der mehrere Strohdächer mit sich führte und sechs an- bere Häuser in Brand setzte. Der Jammer war an« deschreiblich. Auswärtige Hilfe konnte so schnell nicht ha fein. Alle Brunnen und Teiche, bis auf bin Siadtbrunnen, waren trocken. Ein altes Mütterchen, welches na di ein paar Habseligkeiten retten wollte, kam nie meyr Aum Vorschein. Ein paar kümmerlich« verbrannte und' verkohlte Reste fand man später unter den Trümmern. Unterdessen war auswärtig Hilfe herbeigeeilt, von denen besonders die Bürg.-r von Herbstein hervorgchoben werben. Dieselben leisteten nicht nur tatkräftige Hitte, sondern stellten auch noch vier Wochen lang täglich 16 Mann zur Aufräumung und Bewachung der noch glimmenden Ruinen. 103 Gebäude mürben bei dem Brande ein. geäschert." Die Namm der Brandgeschädigten sind in dem erwähnten Schriftstück aufgezcichntt. Hundert Jahre lang wurde dieses Tages alljährlich in einem Gottesdienst gedacht.

G A Sport.

LfK. VS Alsfelv

Brrirksm jster im Ringen.

Am Sonntag kämpfte die Ringermannschaft des VfB.-Reichsbahn in Alsfeld um die Bezirksweister« schaft und verlor knapp mit 4:3 Punkten. Die Er- gebniffe:

Bantamgewicht: Lorenz (Gießen) wird kampflos Sieger.

Federgewicht: Dem (Gießen) war gut in Form und besiegte Bröder (Alsfeld) mit Hüft­schwung in der ersten Minute.

Leichtgewicht: Hier hatte Gießen dem Ge­wichtheber Fritz Funk stehen, der gegen den Ge- bietsmeister Kraft (Alsfeld) nach guter Gegenwehr verlor.

Weltergewicht: In dieser Klaffe standen sich in Alois Funk und Schott I. (Alsfeld) zwei alle Bekannte gegenüber. Diesmal war Schott der Glülk- kichere, denn Funk warf sich in der 11. Minute bei Ausführung eines Schlenders selbst.

Mittelgewicht: Braun (Alsfeld) wird kampflos Sieger, da Gießen diese Klasse nicht be­setzt hat.

Halbschwergewicht: Schember (Alsfeld) konnte bei bem schwereren Klotz seine gefürchteten Hüftschwünge nicht anbringen. Klotz erreichte durch Hamerlok und Ueberstürzer Wertungen und siegte in der 5. Minute durch Hüftschwung.

Schwergewicht: Der bärenstarke Gießener V o b e l t setzte dem erfahrenen Schwalm (Alsleld) hart zu und konnte ihn auch wiederholt gefährden. Sck)walm erzielte zum Schluß noch eine Wertung und wurde knapper Punktsieger.

Lecke, Kassel, siegt im Leichlgewichtsturnler.

Dor dem Mannschaftskampf fand ein Turnier statt, das eine gute Besetzung aufzuweisen hatte. Leider war der deutsche Meister Bischoff, Dort­mund, durch Verletzung nicht am Start. Der aus­gezeichnete Kasseler Lecke wurde nach spannenden: Kämpfen Turniersieger vor Wissel (Hanau) unfr Kraft (Alsfeld).

BfA. Reichsbahn Kietzen.

Allen-Bufeck 1. Igd. Vfv.-N. 1. 3gb. 1:2 (0:1).

Die 1. Jugend von DfB.-R. Gießen, die mit drei Ersatzleuten nntreten mußte, konnte einen verdien­ten Sieg über bie 1. Jugend von Alten-Buseck er­ringen. Vom Anstoß weg entwickelte sich ein seht schnelles Spiel, das VfB. in der ersten Viertelstunde überlegen gestalten konnte. Dann wurde das Spiel ausgeglichener. Teilweise war sogar Alten-Buset tonangebend. Kurz vor Schluß der ersten Halb- nahm Pütz eine Flanke aus der Luft und schoß ben Ball aus 25 Meter Entfernung unhaltbar ein. In der zweiten Halbzeit sah man wieder ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Gegen Mitte der zweiten Hälfte schoß Dörr einen vom Tormann abgewehr- ten Ball zum zweiten Treffer ein. Nun drückte Alten-Buseck auf eine Verbesserung des Resultats, wobei der Hintermannschaft von VfB. einige krosse Deckungsfehler unterliefen. Zehn Minuten vor Schluß erzielte Alten-Buseck das verdiente Ehrentor.

Morgen Donnerstag, 20 30 Uhr. Univ.-Aula

Me 8 er des Gesanges / Lieder und Du tte

AMWiisiisSer Ml.

Roman von Otto flcufclöt.

17. ^orflettnng «Nachdruck verboten >

Er wischte sich mit seinem Aermel das Gesicht ab und u« zu u.i)aiiütte auf. als |a)ame er sich sei­ner unmännlichen Tränen. Sie kniete vor ihm nie­der, streichelte ihn, gab ihm Koseworte und fühlte [ich bei aueOim von oem Mäocnen beobachtet. An­scheinend waren auch bie Stubenmädchen in ben Hotels oute Menschenkennerinnen und durchschauten jeden Schwindel ihrer Gäste.

Sicher benimmt eine Mutter sich ganz anders! dachte Charlotte beklommen. Ich mache alles falsch. Das Mädchen sieht so verständig aus. Wahrschein­lich hat sie kleine Geschwister. i|t den Umgang mit Kindern gewöhnt und hat längst erkannt, welche Hochstaplerrolle ich hier spiele

Das Mädchen ging endlich hinaus. Jockele folgte ihr aufmerksam mit den Augen und sagte an­scheinend etwas Lobendes über sie, was Charlotte indessen nicht verstand. Seine Tränen waren ver­siegt. und mit einem kleinen begeisterten Juchzer schlang er seine Aermchen um Charlottes Hals. Sie mußte lachen wie er, und für Augenblicke ver­gaß sie alle ihre Verlegenheiten und vergaß sogar, daß sie Lasard erwartete.

Er kam, noch ehe eine Viertelstunde um war. Das Stubenmädchen hatte ihn bis zur Tür be­gleitet. Charlotte richtete sich vom Boden auf, wo sie neben Jockele gekniet hatte, und errötete vor Gluck, vor Verlegenheit, vor Erwartung, als sie Lasard auf der Schwelle erblickte.

Er hatte beide Hände halb erhoben und ließ sie sinken. Seine Ueberraschuna, sie neben einem Kinde auf bem Boden fnieen zu sehen, war so groß, daß er vor der Tür stehen bl'eb. so daß das Mädchen sie nicht hinter ihm schließen konnte. Beide schwie­gen, beide starrten sich i dann ging Lasards Blick zu Jockele, der gleiapalls den Fremden mit großen Augen musterte. .,Hö!" rief Jockele.Na, du?"

Lasard trat näher, wortlos und zaubernd. Die Tür wurde endlich hinter ihm geschloffen.

Wer ist denn bas?" fragte er.

.Henry!" rief Charlotte und lief ihm entgegen Er machte eine halb abwehrende Handbewegung,

lächelte aber, wie man eben lächelt, wenn einem ein Stretch gespielt worden ist, besten Sinn man noch nicht versteht.Was ist denn das für ein Kind?"

Gott sei Dank, Henry, daß du da bist! Denk dir an, ich habe auf der Reise nach Berlin diesen Jungen aufgegabelt."

Ja, wie denn, um alles in der Welt?"

Jockele richtete sich auf seinen kleinen strammen Beinen auf, ram näher und nv sterle mit todernstem Gesicht Lasard, indem er schräg zu ihm aufblickte. Er stellte auch eine Frage, die jedocy von beiden nicht beachtet wurde.

Charlotte beugte sich zu ihm nieder.Sei hübsch artig, kleiner Jockele! Komm, mir setzen dich dort ans Fenster und du siehst ein bißchen hinaus. Die vielen Autos, die Straßenbahnen und die Menschen, bie -Väben drüben ..."

Ja, was ist benn nun eigentlich mit dem Bengel?" rief Lasard ungeduldig.

Jockele drehte, sich nach ihm um, als wolle er ihn ermahnen, gie chs>llsartig zu fein. Lasard folgte ihnen zum Fenster.

Ich begreife das alles selbst noch nicht", begann Charlotte und erstattete ihm aussührlich Bericht, wie sie ju Jockele gekommen war.

Er horte kopfschüttelnd, halb belustigt, halb mit ärgerlicher Ungeduld zu.Ja, und nun?"

Ich weiß nicht, was ich tun soll!"

Das erste und wichtigste ist, ben B ngel so ge­räuschlos wie möglich wieber loszuwerben!"

An wen und wie?"

Das muß dir gleichgültig sein!"

Das ist mir nicht gleichgültig!" rief Charlotte.

Aber ich bitte dich! Was willst du benn tun? Hast du einen emsigen Grund, mütterlicher zu sein als feine eigene Mutter?"

Sie schwieg und betrachtete Jockele, der nun auf bem Stuhl am Fenster stand und mit lauten Ent- zück"n--rnfen die '^orgönae auf der Stroke verf"l"te

Du meinst also", begann sie zögernd,ich soll ihn im Stich lassen, ihn einfach...

Du überaibft ben Jungen der Polizei, wie es sich gehört. Das ist wahrscheinlich sogar deine ge­setzliche Pflicht."

Daran habe ich selber schon gedacht."

Na also! Und mirum hast du es nicht getan?" ..Weil .. weil ich mich vor der Polizei fürchtete? Man wird Verhöre mit mir anstellen, wird mir nicht glauben wollen, wird mich vielleicht sogar

festhalten, bis sich meine Aussagen als wahr her- ausgestellt haben. Ich weiß ja gar nicht, wie Jockele heißt, wer seine Mutter ist, wo sie jetzt steckt... nichts, nichts! Und das alles soll mir die Polizei glauben? Man wird in Oschnitz rückfragen, uni) ich werde lächerlich sein vor meinen Angehörigen, vor ber ganzen Stadt! Begreifst du nicht?"

Das begriff er. Vor allem mit ber Polizei' durfte sie nichts zu tun bekommen. Das mußte unbedingt vermieden werden. In ihrer Ahnungslosigkeit würde sie ihn rnithineinziehen in bie ganze Angelegenheit, und die Folgen könnten unabsehbar sein. Darin hotte sie recht. Er nahm eine Zigarette, zündete sie an und betrachtete den kleinen Jockele.Schöne Be­scherung!" murmelte er.

Charlotte gab keine Antwort.

Eins ist sicher", erklärte er,wir müssen ihn loswerden, und dies so bald wie möglich. Wir wol- len weiter. Ich wollte morgen mit dir nach ber Schweiz Weiterreisen."

Dos wird nicht gehen, Henry!"

Ja, worum benn nicht?" rief er ärgerlich. Wegen dieses kleinen Ungeziefers, das bu bir hast aufhängen lasten?"

Jockele drehte sich roieber zu ihm um. Er schob beide Lippen vor, und sein Gesicht bekam dadurch einen Ausdruck, als habe er dos Wort .Ungeziefer' richtig verstanden. Charlotte legte schützend einen Arm um ihn.

Ich kann ben Jungen nicht im Stich lasten, Henry! Ich kann einfach nicht! Bedenke doch! Seine Mutter kümmert sich nicht um ihn ..."

Eben! Und was verpflichtet dich, für diese Frau einzuspringen?"

Mein menschliches Gefühl. Henry!" antwortete sie leise.

Ja, was willst du denn für ihn tun? Bitte, überlege dir das! Wollen wir ihn morgen mitneh­men noch Lugano? Oder willst du hier in Berlin bleiben? Und soll ich dir dabei Gesellschaft leisten? Worauf willst bu warten? Unb wie lange? Bis seine Mutter sich melbet?"

Ich habe auf bem Bahnhof hinterlassen, wo ich abgestiegen bin!"

Er lochte höhnisch aus.Viel Glück beim War­ten! Die Mutter ist zufrieben, daß sie bie Plage los ist."

Wenigstens ein paar Tage ..."

Es wäre sinnlos! Sei besten sicher! Sie kommt

nicht! Sie hat es darauf angelegt, bas Kind los- zuwerden, unb bu bist töricht genug gewesen, bar« auf hereinzusallen."

3a, Herrgott, was soll ich benn tun?"

Lasard ging einmal hin unb her durch ben Heb nen Raum.Die einzige Möglichkeit ist, den Jun« gen genau so loszuwerden, wie sie es getan hat."

Wem soll ich ihn geben?"

Es wird sich schon jemand seiner onnehmen/ Ihn ... einfach aussetzen?"

Nenn's, wie du willst! Nicht bu trägst bie Ver­antwortung für ben Jungen?"

Wie stellst bu bir bas praktisch vor? Soll ich ihn hier im Hotel zurücklassen, wenn wir morgen weiterreisen?"

Er schüttelte eifrig ben Kops, ba sie endlich auf feine Ratschläge einzugehcn schien.Das geht natür­lich nicht. Man kennt hier doch deinen Namen, nicht wahr? Na, also! Statt der Mutter kämest du zu­nächst in Teufels Küche. Nein, hier im Hotel dür­fen wir ihn natürlich nicht zurücklassen. Ich glaube nicht einmal, daß es klug wäre, ihn hier in Berlin nuszusetzen. Man käme zu leicht auf deinen Namen unb deine Spur. Wir reifen morgen zum Beispiel nach München ober nach Köln'das ist gleichgül­tig- bleiben dort ein paar Stunden, unb wenn wir es so einrichten, daß wir abends dort sind, ist es sicher leicht, den Jungen irgendwo abzusetzen, wo ihn bald Leute finden, bie sich um ihn küm­mern werden. Ihm geschieht nichts, unb wir sind ihn los, ohne baß jemand auf dich einen Verdacht haben kann "

Charlotte schwieg: sie betrachtete den ahnungs­losen Jockele, ber wieder auf bie Straße hinunter- sah unb jauchzend seiner Freude über olles das Ausdruck gab, was es dort unten zu sehen gab. Sie stellte sich vor, was mit ihm geschehen sollte: Man würde morgen nachmittag in München ober Köln ankommen, mit Jockele durch die Stobt gehen, einen wenig begangenen Park oufsuchen unb war­ten, bis es dunkelte, bis bie Menschen sich verlaufen hatten. Dann würde man Jockele roegjagen wie einen kleinen räudigen Hund, ihn sich selbst über­lasten. Er würde eine Weile umherirren, meinen, würde sich niederhocken, die Kälte würde ihn schüt­teln, bis ... bis ihn vielleicht Leute bemerkten, die sich seiner annohm"n ober ihn auch seinem Schicksal überließen, weil sie sich nicht mit ihm befallen wollten. (Fortsetzung folgt.)