Mittwoch. I«. Mörz I<>0
Oer Tag der Wehrmacht in Gießen
musizieren.
liegt 's drin —
Da
in
Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tat
Irland".
ohne Zeugen". — Öffentlicher Vortrag der Uni-
leien-Soda
zum sind
dentenheim am Leihgesterner Weg. Löffel Essen an Ort und Stelle der Ausgabelokale
gerade jorgen.
Uhr eine
Publikums, die Schriftsteller inbegriffen, einzige Aufgabe sein, so daß sich sagen ließe: Des Lebens und der Schriftsteller Güte erkennt man an der Unbeträchtlichkeit der Pointen. Wenn ein Leben und ein Schriftsteller trotz dem Fehlen der Pointen (denn bei beiden können sich „Pointen" in etwas ganz anderes verwandeln, wovon auch zu reden wäre) nicht langweilig sind, sondern fesselnd und packend, dann — erst dann allerdings sind sie wirklich gut.
Lichtspielhaus: »Tat ohne Zeugen^.
Dies ist ein italienischer Film der Vi-Va-Produk. tion in Rom, dessen Handlung im Jahre 1507 in Venedig spielt. Das Drehbuch schrieb T. Smith. Das prunkvolle Kostüm der Renaissance und die in ein malerisches Helldunkel getauchten Architekturen der Lagunenstadt ergeben die stilvolle Einkleidung und den Hintergrund für einen Kriminalsall, in dem sich eine ganze Reihe seit langem erprobter Motive wirksamen Theaters verbinden: Liebe und Eifersucht, Verdacht und Intrige, Duell und Meuchel- mord und zum Schluß eine große Gerichtsverhandlung, welche die kunstvoll geschlungenen Fäden entwirrt und den Beschauer mit einer seine berechtigten Erwartungen erfüllenden Befriedigung entläßt. Unter der Spielleitung von John Bard, der über bedeutende Mittel und große Ausstattung ver- fügte und die Konflikte stellenweise zu opernhaften Eindrücken steigerte, stellen sich die pikante Clara C a l a m a i als große Kurtisane Olympia, Enrico G l o r i als schurkischer Richter, Elsa de G i o r g i und Roberto Villa als unschuldig verfolgtes und leidendes junges Liebespaar in den Hauptrollen dem deutschen Publikum vor. Bemerkenswert sauber klingt die technisch einwandfreie Synchronisation. (Deutsche Fassung: Lüdtke und Dr. Rahnst e i n.) An der Kamera stand Jan Stallich, der hier in dankbaren Motiven schwelgen konnte.
Im Beiprogramm läuft außer einem Vorspann zur Wiederaufnahme des „Wunschkonzertes" eine reichhaltige neue Wochenschau; aus ihrem Inhalt: Krieg in Ferndst; Brandkatastrophe in Santander; Winterkampfspiele der HI.; Göring und Antonescu; Leipziger Messe; der Führer in Linz; U-Boot- Schule und U-Boot-Bau; die Luftwaffe in Bulgarien; deutsche Truppen in der Wüste; Fernkampfflugzeuge im Angriff auf einen Geleitzug.
Hans Thyriot.
Verdunkelungszeit
19. März von 19.33 bis 7.29 Uhr.
welcher Steigerung aber ist seine Stimmung erst irhig, wenn es sich zeigt, daß der Frühling auf die sier-ae steigt. Alle jene Grillen und hypochondrischen h-efuhle, die ein langer Winter hervorzurufen vermag, sinken wie ein Häuflein Asche zusammen. Da- |5r‘ bricht der ungestüme Drang hervor, auf Ent- lrckungs^ahrten auszugehen, um dem neu sich zei- gnden Wunder des Lebens nachzuspüren. Freilich, c äußert sich auf mannigfache Weise, dieser Drang, i5er immer ist er geradezu verklärt von dem be- gisterten Bestreben, sich als Freund der Natur zu l-tätigen.
Du hast vielleicht einen Garten, in dem du die inederenid eckte Liebe zur Natur unter Beweis irllen kannst. Das wäre auf alle Fälle die beste lölung, denn dann ist dir reichlich Gelegenheit ge- bten, die Zuneigung zur leben spendenden Scholle rJt erheblichem Schweißverlust aufzuwiegen. Im inderen Falle tut es natürlich auch ein Balkonkasten per ganz und aar ein Blumentopf. Die Hauptsache t ia, daß das Bemühen, das Wachstum zu fördern, [iiif feine Kosten kommt. Wenn es dir trotzdem nicht ' if)neTI genug gehen sollte, so brauchst du nur das Beispiel jener Ungeduldigen nachzuahmen, die sich on irgendeinem Blütenbaum . einige Zweige ab- jhneiden und sie in der geheizten Stube ins Wasser ftllen, womit sie dann sozusagen gratis einen Dor- shuß auf die Fruhlinasherrlichkeit erlangen.
Jedenfalls erfüllt dich die Gewißheit des ahnungs- öflen lenzl'ichen Werdens mit Gefühlen ledens-be- fthender Freude. Ob der Rasen hinter deinem ßnufe anfängt zu grünen, ob die Knospen an den Rüschen zu schwellen beginnen, ob der erste ver- fuhte Schmetter^'ng durch den sonnigen Mittag tuniE.lt oder ob Frau Meier im dritten Stock An- falten zu der alljährlich wiederkehrenden großen srühsahrsreinigung trifft: alles, was davon kündet, bfc nun endlich die schönen Tage wiederkehren, v-irb als glückverheißendes Zeichen gewertet und mit besonderem Interesse vermerkt. Es ist ja nur tintmal Frühling im Jahr! ______________Sch.
Wie von uns am vorigen Samstag bereits mitgeteilt wurde, führt der Standort Gießen am kommenden Sonntag — wie überall im Reiche — den „T a g der Wehrmacht" zum Besten des Kriegs-Winterhilfswerks durch. Aus diesem Anlaß wird am kommenden Sonntag a b 11 Uhr die Bergkaserne für den Besuch durch die Bevölkerung geöffnet fein. Bei dieser Gelegenheit werden die Besucher mancherlei Vorführungen unserer Soldaten zu sehen bekommen. In den Speisesälen der Kaserne werden die Besucher das Mittagessen aus der Feldküche einnehmen können.
Die Feldküchen werden das Mittagessen für die Besucher der Berg-Kaserne und für die Essenabnehmer in der Stadt in reichem Ausmaß Herstellen. Das Essen wird markenfrei zum Preise von 50 Pfennig pro Pdrtion abgegeben. Die Essenkarten, die zum Bezüge des Essens berechtigen, werden von den Blockwaltern und Zellenwaltern der NSV. in den Wohnungen der Volksgenossen jetzt bereits zum vorherigen Kauf angeboten. Wer also Wert darauf legt, sich ein
Manches Beispiel zeigt, daß die kulturelle Erschließung selbst kleinerer Dörfer kein utopischer Gedanke bleiben muß. Wo große Betriebe in der Nelhe kleinerer Ortschaften liegen, haben diese oft Theaterfahrten durchgeführt, denen sich die Einwohner der Dörfer anschlossen. Es war keine Seltenheit, daß ein ganzes Dorf sich zum Wochenende auf die Bahn fetzte, um in die nächste Stadt ins Theater zu fahren.
So sehr auf der einen Seite auch in den Menschen des Landes der Hunger nach kulturellen Dingen lebendig ist, so sehr muß man auf der anderen Seite mit der Trägheit derjenigen rechnen, die erst aus einem Zustand der Lethargie aufgerüttelt und an das Kunstleben herangeführt werden müssen. Diese Trägheit der Menschen hat besonders auch der Sportarbeit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" auf dem Lande größere Schwierigkeiten entgegengesetzt, als dies in der Stadt der Fall war. Auf vielen Wegen hat jedoch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ihre Gedanken in das Leben der Dörfer hineingetragen. Auch die Dorfoerschöne- rung war ein solcher Weg.
Manche Bresche ist bereits in den Wall der Gleichgültigkeit geschlagen worden. Trotz aller Schwierigkeiten ist die KdF.-Kulturarbeit auf dem Lande auch im Kriege nicht zum Stillstand gekommen. Die Aufgabe der Zukunft wird es fein.
gutes Feldküchenessen für den nächsten Sonntag zu verschaffen, sichere sich durch den sofortigen Kartenkauf diese Möglichkeit. Am kommenden Sonntag werden Essenmarken nicht mehr zu haben fein.
Die Ausgabe des Mittagessens erfolgt a m Sonntag von 11 Uhr ab in der Berg- Kaserne, in der Alten Pestalozzi- Schule am Wernerwall, im Caf 6 Leib, auf dem Platz vor der Universität und im Stu»
K-F.-Kuliurarbeii auf dem Lande
(Sin Weg zur Erschließung der Kunst für alle.
deckende und färbende » »e •
Nignn-fla?
für die Erweiterung der kulturoermittelnden Arbeit den kleinen Städten und Dörfern zu
Dornottzen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Schwarzer Peter". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Mein Leben für
das Geheimnis tadelloser Farbauffrischung selbst ganz aller und abgetragener farbiger Schuhe, in der Nigrin Patent- Rastel Die Anwendung ist ganz einfach; deshalb auch für Ihre Schuhe das
heißt, wie man eben heißt, wie andere Leute auch heißen, und ist, was ein Mann eben ist, und was andere Männer auch find, und es ist kein Geheimnis und nichts dabei, und kein verräterischer Zettel ällt ihm aus der Tasche, und er erblaßt nicht, wenn rgendwer plötzlich vor ihm auftaucht, sondern er aal: Das ist mein Freund Hugo Müller, wir waren zusammen auf der Schule.
Es ist ein Elend mit uns gemeinem Publikum. Es scheint, daß wir um mindestens Dreiviertel aller Lebenssensationen betrogen werden. Wenn wir in einer Gesellschaft sitzen, dann fallen keinerlei geist- sprühende Worte, wie sie in Romanen stehen, einem blitzblanken witzigen Rededuell, wie wir es von der Bühne her gewöhnt sind, haben wir im Beisammensein mit Freunden noch niemals angewohnt. Wenn wir wo sitzen, dann lachen Leute, wie wir selber sind, über mäßige Scherze, und unterhalten sich in ziemlich schlechtem Deutsch, wie man sich halt so unterhält. Wenn wir Ehemänner sind, dann sind mir — ob wir wollen oder nicht — braue Ehemänner, denn uns widerfährt es nun einmal nicht, daß in einer Hotelhalle eine rasend schöne Frau auf uns zustürzt und flüstert: Retten Sie mich!
Wie kommt das alles nur? Selbst wenn wir Schauspieler sind oder Zirkuskünstler oder überhaupt Künstler oder Rennfahrer oder Polarforscher ober was es sonst an Berufen gibt, von denen man Wunderbares erwarten könnte: uns begegnet nichts. Wir stehen auf der Probe und lernen Rollen oder wir üben am Seil und arbeiten am Trapez, wir machen bei Tee und Butterbrot Entwürfe oder haben einen Defekt am Motor oder suchen nach einem wasserdichten Stiefel, kurz, es ist ganz einerlei, was wir find oder machen oder vorhaben, uns hat die Prosa des Lebens unaufhörlich an der Gurgel, mit der Poesie haben wir kein Glück. Schließlich zucken wir resignierend die Schultern und sehen ein, daß es nun mal eben so mit uns ist und daß es vermutlich daher kommt, weil wir keine Ausnahmemenschen sind, sondern wie gesagt gemeines Publikum, nochmals: gemein im altertümlich freundlichen Sinn: im Geheimen aber wurmt es uns doch, daß es mit den herrlichen (Erregungen so gar nichts bei uns ist, und wir schielen weiterhin neidvoll auf jene uns aus Geschichten und Romanen, Theaterstücken und Filmen bekannten Leben, in denen in berauschender Reihe ein Wirbel dem andern folgt.
Was sind das nun für Leben? Um sie zu erkennen, muß man sich vor Augen halten, rote sie entstehen. Sie entstehen so, daß fast ununterbrochen viele Schriftsteller, denen persönlich auch nichts Be-
Wnhersteller.PJos.Möbs Seifenfabriken. Giessen.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hat im Sinne der als kulturelle Erlebnis-Gemeinschaft gestellten Aufgabe sich des Kunsthungers ländlicher Bezirke angenommen. An vielen Orten ist sie heute die alleinige Mittlerstelle deutschen Kulturgutes. Ihre Wanderbühnen bringen beste Leistungen aus begeisterungs fähigen Herzen und als aufrichtige Diener der Kunst.
Der Einsatz verschieden großer Spielkörper ermöglicht es, selbst in den kleinsten Städten, wo sich eine KÄF.-Theatergemeinde zusammengefunden hat, Aufführungen stattfinden zu lassen. Das Theater der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" erreicht selbst die entlegensten Baulager und bringt den dort arbeitenden Männern Freude und Entspannung in ihren harten Alltag. Von der Operette bis zur Oper und vom Schwank bis zum Schauspiel umfaßt das Programm dieser Wanderbühnen alles, was es in der großen Welt des deutschen Theaters an Sehensund Erlebniswertem gibt. Neben dem Theater sind auch die Kinder der leichteren Muse wertvolle Helfer für die KdF.-Arbeit auf dem Lande. Variete und Kabarett, die gleichfalls in Wandertruppen eingesetzt werden, bieten Zerstreuung und Entspannung. Filme, Puppenspiel und Bauerntheater runden das Bild einer Arbeit, die auf keines aller mir irgendwie greifbaren Mittel verzichtet, um einen Abglanz des Zaubers, den die großen Städte mit dem bunten Leben ihrer Theater, Konzertsäle und Lichtspielhäuser ausstrahlen, auch auf das Land zu tragen.
Was bisher im Dienste dieser Aufgaben erreicht wurde, kann nur als ein Anfang gewertet werden. Nach wie vor sind die technischen und materiellen Schwierigkeiten, die sich der Kulturarbeit in den kleinen Orten entgegenfteüen, außerordentlich groß. Wer die Landflucht an der Wurzel des Hebels bekämpfen will, muß auch den Unterschied, der im kulturellen Leben zwischen Stadt und Land besteht, ausgleichen. Nach dem Kriege muß hier ein großzügiger Einsatz aller Mittel Abhilfe schaffen.
Aus der Stadt Gießen.
Erfreuliche Gewißheit.
Eines Tages überkommt dich die Gewißheit. Mrzlich noch hattest du deine Zweifel und wußtest CJf die hoffnungsfreudigen Hinweise deiner Kolben nur mit einem pessimistischen „Na, na" zu dtmorten. Zugegeben: kürzlich' lieh deine Laune Üierhaupt zu wünschen übrig, vielleicht lag es Kran, daß du mit dem linken Fuß zuerst ausge- hnben warst. Jedenfalls schien dir noch kein Grund geben, Hymnen der Freude über das Nahen des Kühlings anzustimmen. Kurz darauf sah die Welt rit einem Schlage anders aus. Wenigstens erschien & dir so. Gerade, als du um die Ecke bogest, um bn kürzesten Weg zur Straßenbahn zu nehmen, k ertönte von dem First eines Hauses der melo- töse Schlag einer Amsel. Und eben dieser Jubel- nf brachte dir die erfreulidje Gewißheit, daß es un wirklich dem Lenz entgegengeht.
Der Mensch ist ein gefühlvolles Wesen. Er freut ich bereits, wenn ihm auf der Straße ein Schorn- ieinfeger begegnet, und er gerät in Rührung, wenn |>r Paketbote an feiner Korridortür klingelt. Zu
Pointen.
Von Rudolf Schneider-Schelde.
In den Geschichten, Erzählungen und Romanen, !rie man liest, und in den Theaterstücken und Filmen, ie man sieht, kommen fast immer interessante Dinge or, Schicksale, die aufregend sind, Zwischenfälle, die verblüffen, Leidenschaften, welche erregen, erheben der erschüttern, Lebensläufe zum Staunen, Auf- chwunge, Abstürze, schöne Frauen, machtvolle Männer, Menschen, welche wahre Wunderwerke von Zeist oder Liebe oder Güte oder Tiefe oder allem yfammen vorstellen.
Wir Publikum nehmen das alles gefesselt oder lerounbern (ober gelangweilt) zu uns und denken ns höchstens: Komisch, daß uns so gar nichts Der- : rtiges passiert! Uns gemeinem Publikum wider- öhrt nämlich eigentlich nicht das geringste im Le- iien an wunderbaren ober sonderbaren Dingen. Wir irrnen weder den verkappten Millionär kennen, der nsere Ideen finanziert, noch begegnen wir (wenn oir Frauen sind) auf einer Almhütte dem Zufällig tert weilenden Maharadscha, der uns fein Reich - ab seine Perlen vor die Füße legt. Wenn wir :Iber wirklich einen Milliardär kennenlernen, dann irden wir, daß er sich für alles auf der Welt mehr itereffiert als für unsere Ideen, und wenn wir i alb wir Frauen sind) eine Art von Maharadscha iiu Gesicht bekommen, müssen wir uns meistens ge- 1 eben, daß sein Aeußeres leider in keiner Weise un- -ren Erwartungen entspricht. Wie kommt das?
Wir erleben eben gar keine Romane. Wir gemeines Publikum, gemein im guten alten Sinn von Egemein verstanden, lieben natürlich auch und Giraten und bekommen Kinder und haben unsere Sorgen und Aufregungen und selbstverständlich auch '.mser Glück, aber — es ist eben alles so furchtbar irosaisch, was wir machen oder was uns begegnet. &enn wir junge Männer sind und em Mädchen lieben, dann stellt sich einfach gar nichts heraus, weder kommt sie aus Mexiko, wo sle bisher wilde Uferbe zuritt, noch reift sie in geheimer Mission durch He Welt, so daß ihre graziöse Erscheinung nur eine Verkleidung darstellt: Nein, das Mädchen, bas mir — man könnte schon fast sagen — das Pech zu heben haben, ist die ehrbare Tochter einer ehrbaren ramilie aus der Soundsostraße, sie muß um Zwölf ihr zuhaus sein, sonst schimpft der Papa, und sie inrf nicht mehr weggehen, basta! — Wenn wir em junges Mädchen sind, dann ist der Romeo, der er- lötend unfern Spuren folgt, auch keineswegs em | getarnter Hidalgo, sondern er stellt sich uns^or_urm
mitzubringen!
Am Sonntagvormittag von 8.30 bis 9.30 werden Spielmannszüge der Wehrmacht durch Reihe von Straßen marschieren und mit ihrem Spiel alle Volksgenossen noch einmal an die Bedeutung des Tages erinnern. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung von Obersturmführer Herrmann wird an diesem Tage
merkenswertes widerfährt, sich den Kopf zerbrechen, was sie machen könnten, damit bas, was sie schreiben, dem gemeinen Publikum gefällt. So ein Schriftsteller sagt sich: Wenn ich die Geschichte so erzähle, wie sie war, dann lieft sie natürlich kein Mensch; ich muß da etwas hineintun oder erfinden, eine Spannung, eine Handlung, einen Effekt, damit die Sache nach etwas aussieht. Da aber die Schriftsteller ihrerseits in ihren Lüsten, Wünschen und Träumen um nichts besser sind als mir gemeines Publikum, fällt ihnen natürlich auch nur ein, was uns zur Not auch noch einfallen würde. Also reißt bas Drahtseil, wenn der Artist drüber geht, weil ein eifersüchtiger Rivale es angesägt hat, also verbrennt dem Künstler sein wertvolles Werk, zu dem ihm in einsamer Mondnacht die gigantische Vision kam, also springt die unbekannte Schauspielelevin für den erkrankten Star ein und hat einen Erfolg, wie noch keiner da war, also jagt der Polarforscher durch Nacht und Eis auf feinem Hundegefpann mit einem Eisbären um die Wette (und gewinnt sie), nachdem fein letzter Schuß ein Rohrkrepierer war. So, aus der Suche nach Pointen, entsteht dieses Leben, auf das wir privatim vergeblich warten.
Es gibt es gar nicht in Wirklichkeit. Um jedoch gerecht und etwas ernsthafter zu fein: Sollte es im wirklichen Leben nicht doch jene tausendfältigen göttlichen und teuflischen Erregungen geben, die den Schriftstellern, wenn sie - lang genug danach suchen, manchmal einfallen? Von woher sollte ihnen denn schließlich etwas einfallen, wenn nicht aus dem Leben selbst? Es gibt sie natürlich, die Erregungen, oder richtiger gesagt: die Daten dazu, jedoch nicht in den Zusammenhängen, nicht in der Reihenfolge und nicht in der Häufung, wie die Schriftsteller sie zu brauchen glauben. Im wirklichen Leben, auch in unserem, des gemeinen Publikums Leben, sind sie etwa in der gleichen Menge enthalten wie Rosinen in einem ziemlich billigen Kuchen. Man merkt sie kaum, so selten kommen sie vor. Sie kommen so selten vor, daß man kaum einen Geschmack von ihnen wahrnimmt, während man an dem etwas faden Teig kaut, und erst hinterher erinnert man sich: da war doch irgendetwas.
Aber wir wollen nochmals nicht ungerecht und noch ernsthafter sein. Es gibt auch andere Kuchen. Es gibt Kuchen, bei denen der Teig so gut ist, daß jeder Bissen davon Genuß bedeutet, und man die Rosinen ganz vergißt, ja, daß es ganz unwichtig ist, ob Rosinen drin sind ober nicht. Es gibt auch solche Leben. So zu leben, dahin zu zie- Icn und dorthin zu schauen, müßte des gemeinen
oersität: 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße, Vortrag Prof. Dr. Vollrath über „Der Gestaltwandel britudjer Weltanschauung".
Sladtthectter Gießen.
Am heutigen Mittwoch wird die Märchenoper für kleine und große Leute „Schwarzer Peter von Norbert Schultze wiederholt. Musikalische Leitung: Otto Söllner. Spielleitung: Max Schwarze a. G. Bühnenbild: Karl Löffler. Tanzleitung: Irmgard Trömel. 23. Mittwoch-Miete.
Gießener Konzertring.
Im Rahmen der Konzertreihe des Gießener Kon- zertringes Arbeitsgemeinschaft NSG. „Kraft durch Freude", Gießener Konzertverein, Stadttheater Gie- ßen) findet am nächsten Montag, 24. März, das sechste Konzert der Konzert-Miete A statt. Es spielt das Rhein-Mainische Landesorchester unter Leitung von Professor Abendroth als Gastdirigent mit Kurt Stiehler (Violine) als Solist. Die Vortragsfolge sieht Werke von Mozart und Beethoven vor.
Die siebente Veranstaltung des Konzertringes 1940/41 bringt am kommenden Donnerstag einen Solistenabend. Die bekannte Altistin Lore Fischer und der Tenor Heinz Marten fingen Lieder und Duette von Schumann, Brahms und Wolf sowie Volkslieder. Das Konzert findet in der Aula statt.
Ortszeit für den 20. Mrz.
Sonnenaufgang >.30 Uhr, Sonnenuntergang 19.36 Uhr. — Mondaufgang 3.13 Uhr, Monduntergang 11.57 Uhr.
Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 20. März 1941 von 15 bis 17 Uhr in Gießen statt.
Urlaubsansprüche für 1940 sind vorerst noch nicht abzugetten.
In den Amtlichen Mitteilungen des Reichstreuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen Nr. 5 vom 10. 3. 1941 wird eine Bekanntmachung des Reichstteuhänders vom 6. März 1941 bett, die Abgeltung der Urlaubsansprüche für 1940 veröffentlicht. Hiernach bleiben die 1940 entstandenen Urlaubsansprüche bis zum 30. 6.1941 bestehen. Es ist gerade mit Rücksicht auf die starke Beanspruchung der Arbeitskraft jedes einzelnen während der Kriegszeit eine besonders wichtige Aufgabe der Betriebsfuhrung, dafür zu sorgen, daß möglichst alle Gesolgschaftsmitglieder ihren Urlaub durch Gewährung von Freizeit erhalten und daß die Abgeltung des Urlaubs nur auf dringendste Einzel- fälle beschränkt bleibt. Es wird besonders darauf


