Oie abzugsfähigen Sonderausgaben bei -er Einkommensteuer-Erklärung.
Bis zum 28. Februar sind wieder die Einkommensteuer-Erklärungen abzugeben. Was kann dabei abgesetzt werden?' Neben den Werbungskosten (Schuldzinsen, Beiträge zu Berufsständen, z. B. DAF., notwendige Führten von und zur Arbeitsstätte, Aufwendungen für Arbeitsmittel usw.) sind es vor allem die sag. Sonderausgaben, die vom Einkommen abgesetzt werden können. Nachdem die Kirchensteuer und der Abzug für die Hausgehilfin als Sonderausgaben entfallen sind, verbleiben als solche die Schuldzinsen, die nicht Werbungskosten sind, die Beiträge zu Bausparkassen, für gewisse Steuerpflichtige der Derlustvortrag, und vor allem neben den Beiträgen zu Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Angestellten-, Invaliden- und Erwerbslosenversicherungen die Beiträge zu Versicherungen auf den Lebens- oder Todesfall und zu Witwen-, Versorgungs- und Sterbekassen.
Bei diesen Versicherungen ist die Abzugsfähigkeit an einige Voraussetzungen geknüpft. Einmal sind diese Beiträge zusammen mit den Beiträgen zu Bausparkassen in der Abzugsfähigkeit durch einen Höch st betrag begrenzt. Der Höchstbetrag ist bei Ledigen jährlich auf 500 RM. festgesetzt: der Jahresbetrag erhöht sich für kinderlose Verheiratete auf 800 RM., für Verheiratete mit einem Angehörigen auf 1000 RM., mit zwei Angehörigen auf 1500 RM., mit drei Angehörigen auf 2100 RM., mit vier Angehörigen auf 2900 RM. und steigt dann für jeden weiteren Angehörigen um 1000 RM. Die Erhöhung nach der Zahl der Angehörigen tritt dabei nur ein, wenn die Angehörigen mit dem Steuerverpflichteten zu
sammen veranlagt werden, oder, sofern es sich um volljährige Kinder handelt, wenn dem Steuerverpflichteten für diese Kinder Kinderermäßigung gewährt wird.
Als weitere Voraussetzung ist zu beachten, daß die Versicherungsbeiträge zu den obengenannten Versicherungsverträgen gezahlt werden müssen, ent- weder für den Steuerpflichtigen selbst oder für seine Ehefrau oder für Angehörige, die mit ihm zusammen veranlagt werden bzw. wenn es sich um volljährige Kinder handelt, für Kinder, für die ihm Kinderermäßigung gewährt wird.
Immer dann wird Kinderermäßigung gewährt, wenn ein minderjähriges Kind oder ein minderjähriger Verwandter oder Verschwägerter oder ein minderjähriges Pflegekind dem Haushalt des Steuerpflichtigen angehört. Und immer dann erfolgt bei der Einkommensteuer eine Zusammenveranlagung, und immer dann stehen dem Steuerpflichtigen die erhöhten Lchresbeträge für die abzugsfähigen VersicherunKbeiträge zur Verfügung, und immer dann kann er auch Versicherungsbeiträge abziehen, die diese Kinder und Angehörige betreffen, z. B. bei Aussteueroersicherungen, Studienversicherungen usw.
Zu beachten ist dabei, daß mir diejenigen Versicherungsbeiträge abzugsfähig sind, die auf Verträge entrichtet werden, bei denen der Steuerpflichtige selbst oder seine Ehefrau oder seine Kinder und andere Angehörige, mit denen er zusammen veranlagt wird, die zur Zahlung der Beiträge Verpflichteten und auch die Versicherten sind.
zont ab. Nach einer gemütlichen Schlußrast, in der auch der Gesang nicht zu kurz kam, wurde nach 19 Uhr die Heimfahrt angetreten.
Overhesfischer Gebirgsverein.
Anschließend an die Februar-Monatsversammlung wurde ein Lichtbildervortrag veranstaltet. Studienrat Dr. Flohr hatte sich hierfür zur Verfügung gestellt. An Hand zahlreichen Bildmaterials aus Selbstaufnahmen, zum Teil in Farbenphotographie naturgetreu wiedergegeben, zeigte er den Wanderfreunden im Bild die Schönheiten unseres Vaterlandes. Im ersten Teil sah man die Nordseeküste, Hamburg und seinen Welthafen und erlebte noch einmal die im Jahre 1939 erfolgte siegreiche Heimkehr der Legion Condor auf den schönen Schiffen der KdF.-Flotte. Anschließend führte der Redner in die Bergwelt des Berchtesgadener Landes und ließ eine Bilderserie über den glanzvollen Festzug in München anläßlich der Deutschen Kunstausstellung folgen. Der zweite Teil des Vortrags war unserem engeren Wandergebiet Oberhessen und dem Vogelsberg gewidmet. Zum Schluß fah man in vortrefflichen Farbaufnahmen die Flora unserer Heimat und prächtigen Blumenschmuck aus Ziergärten.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten Ochsen 33,5 bis 45,5, Bullen 33,5 bis 43,5, Kühe 25 bis 46,5, Für- sen 34 bis 49,5, Kälber 45 bis 57, Hämmel 18 bis 40 Rpf. je % Kilogramm Lebendgewicht; Ziegen das Stück 23 RM. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,13, bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11, c (90 bis 119,5 kg) 1,07, d (80 bis 89,5 kg) 1,01, e—f (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,13, i (Altschneider) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. — Marktverlauf: Auftrieb gut, alles zugeteilt.
Gießener Wochenmarktpreise.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A»2ßare. Für 6-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
* G i e ß e n, 19. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, Vi kg 12 bis 13 Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 13 bis 14, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 11 bis 13, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 10 bis 14, Feldsalat 1 RM., Vio 10 Rpf., Kartoffeln, kg 4,3, 5 kg 43, Aepfel, % kg 28 bis 40, Lauch 24, Sellerie 20 bis 30, Blumenkohl, das Stück 40, Endivien 20 Rpf.
*
* * Richtigftellung. In unserem gestrigen Bericht „Abschied von Professor Grnelin" muß es statt Philosophische Fakultät richtig Juristische Fakultät heißen, ebenso ist richtig zu lesen, daß Professor Dr. Frölich als Dekan der I u r i ft i • schen Fakultät gesprochen hat.
*♦ Haftpflichtversicherung als Hausluftschutzwart prämienfrei. In letzter Zeit ist häufig die Frage aufgetaucht, ob die gesetz- liche^hastpfNGt als Hausluftschutzwart in den Versicherungsschutz der Privathaftpflichtversicherung bzw. Haushaftpflichtversicherung eingeschlossen ist oder nicht. Nunmehr ist folgende Regelung ergangen: Die Tätigkeit als Hausluftschutzwart ist prä- mienfrei in die Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen. Auch die Haftpflicht des Hauseigentümers, die im Zusammenhang mit seiner Betätigung als Hausluftschutzwart steht, kann beitragsfrei in die Haushaftpflichtversicherung einbezogen werden. Versicherungsschutz genießt aber nicht der Hausluftschutzwart, der als staatliches Organ oder im Dienste bzw. Auftrage des Reichsluftschutzbundes und seiner Gliederungen tätig wird.
** Auch die Selbstschutzgeräte müssen gepflegt werden. Der tapferste Hausfeuerwehrmann und die umsichtigste Laienhelferin sind im Ernstfall hilflos, wenn sie . ihre Selbstschutzgeräte nicht gebrauchsfertig zur Hand haben. Luftschutzhandspritzen und alle anderen Geräte und Mittel
Umwege -es herzens
Roman von H.H. Hansen
Copyright by Prometheus «Verlag Dr. Eich acker • Groben teil
29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Zunächst wurde das neue zu errichtende Testament notariell aufgesetzt, das die beiden Söhne Koß- manns zu alleinigen Erben bestimmte und ihrer Mutter nur eine kleine Rente zusicherte. Legate für langjährige Angestellte und Arbeiter der Fabrik wurden ausgeworfen und eine Stiftung für den im Werk bestehenden Fonds für Hinterblievene errichtet.
Dann übergab Koßrnann dem Anwalt einen Schriftsatz mit den Richtlinien für den Verkauf des Werkes. Er nannte den zu erzielenden Preis, gab Anweisungen für die Uebernahme von Hypotheken für den Fall der nicht völligen Barauszahlung und nannte die Bedingungen für die Uebernahme der Gefolgschaft durch den neuen Herrn.
Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten wandte man sich der Frage der Verteidigung in dem zu erwartenden Prozeß gegen Hannes Koß- inann zu. Der Justizrat ließ sich noch einmal Bericht erstatten, verglich an Hand der Zeitungsberichte die Aussagen Korns mit den Angaben Koß- manns und kam zu dem Schluß, daß er hoffe, einen Freispruch und völlige Rehabilitierung seines Klienten zu erzielen.
Ehe man sich den Fragen der Taktik bei der Verteidigung zuwenden konnte, war die Zeit verstrichen, die Doktor Hirte zur Verfügung stand. Er verabschiedete seine Besucher und eilte zum Termin, nachdem er noch versichert hatte, er würde für den Fall der Verhaftung Koßmanns alles tun, um eine Aufhebung des Haftbefehls zu- veranlassen und die Einzelheiten der Verteidigung mit Koßmann später besprechen, wenn notwendig, im Untersuchungsgefängnis.
Dann standen die drei auf der Straße. Koßmann holte mit tiefen Zügen Atem und erklärte, als handle es sich um eine nebensächliche Angelegenheit, daß er jetzt Staatsanwalt Doktor Fecht aufsuchen wolle.
„Jetzt schon, Hannes? Das hat doch noch Zeit. Bitte gib uns noch wenigstens eine Stunde, um alles zu besprechen."
„Es ist doch alles besprochen, Mutter. Du ziehst solange in mein Haus, um dich der Jungen etwas anzunehmen oder holst sie hinaus zu dir nach Werder."
„Ich will gern alles tun, was du wünschst, aber Überstürze nichts,"
der Brandbekämpfung und der Ersten Hilfe müssen ständig überprüft, gepflegt und, wenn nötig, ergänzt werden. Was im einzelnen notwendig ist, darüber unterrichtet ein Aufsatz im neuesten Heft der „Sirene", der großen deutschen Luftschutz-Illustrierten. Außerdem enthält das Heft, wie immer, die Mitteilungen des Präsidiums und Berichte der Gruppen des Reichsluftschutzbundes.
Amtsgericht Gießen.
Ein Geschäftsmann in Gießen hatte einen Strafbefehl über 25,— RM. erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Er war beschuldigt, als Lehrherr an vier Tagen im verflossenen Jahr eine Berufsschülerin unentschuldigt vom Berufsschulunterricht zurückgehalten zu haben, und zwar trotz Aufforderung durch die Schulleitung. In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte die Schülerin nicht zurückgehalten, aber auch, was seine Pflicht gewesen wäre, zum Schulbesuch nicht ange- halten hatte. Die Geldstrafe wurde auf 15,— RM. ermäßigt.
Ein Mann aus G. hatte einen Strafbefehl über zwei Monate Gefängnis erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Er war beschuldigt, am 23. Dezember v. I. auf der Straße Grüningen—Lang-Göns feinen Onkel, den Zeugen W., mit einem Schraubenschlüssel mehreremal über den Kopf geschlagen zu haben, so daß der Mann schwere Verletzungen an Kops erlitt. Der Angeklagte beftritt, mit einem Schraubenschlüssel geschlagen zu haben, der einzige Gegenstand, den er gehabt habe, sei eine Peitsche gewesen. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 100,— RM. verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, es könne dahingestellt bleiben, ob mit einem Schraubenschlüssel oder mit einem Peitschenstiel geschlagen worden sei. In jedem Falle handle es sich um ein gefährliches Werkzeug. Trotz ungünstiger Vermögenslage des Angeklagten müsse ihn oie Strafe schwer treffen. Strafmildernd kamen der jahrelange Erbschaftsstreit zwischen dem Angeklagten und dem Verletzten, sowie die seitherige Un- bestraftheit des Angeklagten in Bettacht.
Er lächelte. „Nein, nicht überstürzen. Das ist alles seit Wochen erwogen. Jetzt kommt nur die Ausführung. Halt, mir fällt eben ein, ich muß mir noch zuerst Gewißheit verschaffen wegen der Familie Korn. Wir fahren in meine Wohnung, damit ich in Hamburg anrufen kann."
Frau d'Oleron atmete auf, daß der gefürchtete Augenblick noch einmal hinausgeschoben wurde, obwohl es ihr bewußt war, daß ein kleiner Aufschub doch keinen Sinn habe.
Koßmann meldete ein dringendes Gespräch nach Hamburg an und erreichte nach Herstellung der Verbindung keinen der beiden Anwälte, mit oenen er verhandelt hatte. Der Bürovorsteher konnte ihm aber mitteilen, daß die Adresse der Fräu Korn ermittelt worden sei. Der Umschlag sei mit einem Begleitschreiben der Hamburger Anwälte an einen Potsdamer Anwalt geschickt worden, der die lieber- reichung an Frau Korn sicher schon vorgenommen habe.
Sofort meldete Koßmann ein Gespräch nach Potsdam an und erreichte dort auch wunschgemäß Rechtsanwalt Doktor Schreiner.
„Hier spricht Brauer, Berlin. Von Hamburg erhalte ich die Mitteilung, daß Sie beauftragt worden sind, Frau Korn in Neudorf den Umschlag auszuhändigen. Sind Sie über die Einzelheiten informiert?"
„Einigermaßen, Herr Brauer. Sie sind wohl der Vermittler oder Ueberbringer des Umschlages gewesen, den der Bruder der Frau Korn für diese bestimmt hat."
„Ganz recht. Haben Sie den Auftrag schon ausgeführt?"
„Ja, ich war vorgestern persönlich dort."
„Sind die Anweisungen des Bruders von Frau Korn befolgt worden?"
„Ja. Das Geld ist auf der Kreissparkasse eingezahlt. Die Beträge wurden entsprechend den vorgeschriebenen Bedingungen gesperrt. Ich habe selbst alles erledigt und unangreifbar gemacht. Die Zinsen werden Frau Korn vierteljährlich ausgezahlt."
„Und wie hat Frau Korn die Nachricht aufgenommen?"
„Sie war überglücklich, Herr Brauer. Ich habe in meiner Praxis noch keinen Fall erlebt, in dem einer meiner Klienten so außerordentliche Freude zeigte Zuerst konnte Frau Korn es kaum fassen, bis ich ihr alles genau auseinandergesetzt habe. Dann meinte sie vor Freude und beruhigte sich mühsam. Die Mitteilung an ihre auswärts lebenden Kinder hat sie selbst unter meiner Anleitung vorgenommen. Ich wünschte, daß ich oft solche Aufträge hätte, die viel Schweres, was man sonst mit anzusehen hat überdecken."
„Vielen Dank, Herr Rechtsanwalt. Ich bitte, auch in Zukunft von meiner Vermittlerrolle gegenüber
Es wurde dann noch gegen einige Derdunkelungs- sünder verhandelt. Geradezu unglaublich sind die Entschuldigungen, die von den Angezeigten vorgebracht werden. Einmal ist diese, das anderemal jene Person im Hause die Schuldige nur der Sünder selbst nicht. In jedem Falle ist der Wohnungsinhaber der allein Verantwortliche für ordnungsmäßige Verdunkelung. Offenbar kommt es den Verdunkelungssündern nicht zum Bewußtsein, wie sehr sie durch ihren Leichtsinn andere Volksgenossen in Gefahr bringen. In einem Falle wurde nach entsprechender Belehrung der Einspruch gegen den Strafbefehl zurückgenommen. In den beiden anderen Fällen wurden die Einsprüche aufrechterhalten, und es blieb bei den in den Strafbefehlen festgesetzten Geldsttafen.
G.A.-Gport.
Leichtathletische Hallenweitkämpfe des VfB-Reichsbahn Gießen.
Die Hallenwettkämpfe des VfB.-Reichsbahn Gießen am Sonntag brachten einen guten sportlichen Erfolg. Dadurch, daß die Wettkämpfe auch die besten Leichtathleten aus dem übrigen Bereichsgebiet erfassen konnten, lag von vornherein fest, daß sich die Teilnehmer zu höchsten Leistungen treiben würden. Leider konnten einige unserer besten, wie Storch, Fulda, Henkel, Wallau und Bartels (Marburg) ihre Meldung nicht erfüllen, so daß die Kämpfe der Männer durch diesen Ausfall den Erwartungen gegenüber etwas abfielen.
Nachdem die Jugendlichen am Sonntagvormittag ihre Wettkämpfe austrugen, bei denen fick besonders die Teilnehmer aus Dillenburg auszeichnen konnten, begann die Hauptveranstaltung am Nachmittag. Neben den Wettkämpfern hatte sich eine geringe Zahl von Zuschauern eingefunden, die im Verlauf des Nachmittags recht gute Leistungen verfolgen konnten. Vor den angetretenen Leichtathleten wies alsdann der Bezirksfachwart für Leichtathletik Gustav Himmelmann in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des Sportes, insbesondere wäh-
niemand zu sprechen, du ich überflüssige Dankes- begeugungen vermeiden will."
„Wird besorgt, Herr Brauer/
Koßmann bängte ein. Er wandte sich zu Schwiegermutter und Schwager. „Gott sei Dank, daß ich wenigstens das tun konnte. Es ist eine Sühne für die Sorge und Angst, die Frau Korn und ihre Kinder auszustehen hatten."
„Ja, Hannes." Frau d'Oleron nahm feinen Kopf zwischen beide Hände. „Wenn es dir nur innerlich hilft. Geld ist erst dann etwas wert, wenn man damit Freude machen kann."
„Und jetzt will ich gehen, Mutter."
„Willst du, —" sie schluckte, „willst du nicht noch von den Jungens Abschied nehmen, ich meine für alle Fälle, wenn du nicht gleich zurückkommst?"
„Besser wäre es nicht, Mutter. Sagt ihnen, ihr Vater hätte verreisen müssen und bliebe ein paar Wochen fort."
Draußen in der Diele brach Lärm aus.' Zwei Kinderstimmen stritten und machten Spektakel genug für ein Dutzend. Hannes Koßmann lächelte. „Meine Jungens. So war ich auch einmal" Er ging zur Tür und öffnete sie. Sobald ihn die Kinder erblickten, ließen sie Spielzeug und Gegenstand des Streites sofort fallen und stürmten mit Geheul auf ihren Vater zu.
„Fein, daß du da bist, Vati. Ist denn heute Sonntag?"
„Nein, Sonntag ist nicht. Ich muß verreisen und bin deshalb nach Hause gekommen. Aber Großmut- ter und Onkel Richard bleiben hier, um mit euch zu spielen, ober wollt ihr lieber zu Großmutter auf Besuch nach Werder?"
„Klar". Utz, der ältere, erklärte das energisch. „Besuch ist immer fein, und Großmutter hat einen größeren Garten als wir hier, Vater, außerdem das viele Wasser."
„Dann sprecht einmal mit Großmutter, ob sie euch mitnehmen will."
Sofort ließen sie von ihm ab und stürmten zu der Großmutter hin. Bettelnd, schmeichelnd und fordernd wünschten sie sofortige Ueberfieblung nach Werder. In diesem Augenblick ■ betrat Gitta die Diele. Ihr Mann stand allein, da die Kinder mit ihrer Großmutter eine Gruppe bildeten, die für nichts anderes Augen hatte. Frau Koßmann trat auf ihren Gatten zu. Sie war bleich wie eine Tote, hatte tiefliegende Ringe um die Augen und fah nicht so gepflegt aus wie sonst. Sie schien nicht dreißig, sondern vierzig Jahre alt zu sein.
Mit einer bittenden Gebärde, die hilflos aussah wie die einer Sterbenden ober eines eingeschüchter- ten Kindes, trat sie näher zu ihm. .Hannes, verzeih mir." Ihre Augen schwammen voll Tränen.
Eine Sekunde überkam ihn Rührung. Dann hatte er sich wieder in der Gewalt. Nur nicht weich wer-
renb des Krieges hin und begrüßte im Auftrage des Bezirksführers Teilnehmer und Gäste Herz, lichsl
Leider waren die Vereine aus unserem Heimatbezirk sehr schwach vertreten. Wenn berücksichtigt wird, daß das Fachamt seither immer bestrebt war, besonders die Leichtathletik im Bezirk Gießen vorwärtszubringen, so ist die geringe Beteiligung mit Bedauern festzustellen. Erfreulich dagegen ist, mit welchem Eifer sich die Leichtathleten des DfB.-R. Gießen einsetzten. In den Männerwettbewerben errangen sie alle Siege und damit auch die gestifteten Ehrenpreise. Hervorzuheben ist auch diesmal wieder die Kugelstoßleistung von Dr. Luy mit 15,27 Meter. Ebenfalls gut schlugen sich Weiler, Decher und Z e r n d t, währet Moll noch völlig außer Training ist und sich nicht durchsetzen konnte.
Dieser ausgezeichneten sportlichen Veranstaltung wohnte Bezirkssührer Stein mit mehreren seiner Mitarbeiter bis zum Schlüsse bei. lieber den Verlaus der einzelnen Wettkämpfe und die Ergebnisse berichten wir in unserer morgigen Ausgabe —1—
Gewichtheben beim Hallensportfest.
„Marburg 88" erzielt 2715 Pfund.
Im Rahmen des Hallensportsestes des VfB.°R. unterzog sich die Marburaer Gewichthebermannschaft einer Leistungsabnahme für die Bereichsmeisterschaft; sie erzielte trotz einiger Ersatzleute die gute Leistung von 2715 Pfund. Die Ergebnisse:
Beidarmig
Drücken Reißen Stoßen Gesamt
Pfund
Pfund
Pfund
Pfund
Bantamgewicht: Mootz
155
130
170
455
Federgewicht: Gebert
90
100
140
330
Leichtgewicht: Herrmann
170
160
210
540
Mittelgewicht: Clement
120
110
140
370
Halbschwergewicht: Balke
110
130
140
380
Schwergewicht: Gary
200
190
250
640
2715
Kröhsch turnt in Gießen.
Als erster der vier Bereiche, die am 9. März kn der Volkshalle in Gießen zur Vorrunde im Be- reichsmannschaftskampf der Turner antreten, hat der Bereich (Gau) Mitte seine Mannschaft gemeldet. Sie wird von zwei Turnern von internationalem Ruf geführt: von den beiden ßeunaem Kurt Krötzsch und Alfred Müller, die beide zu den ersten Meistern deutscher Gerätkunst und zu den ersten Kräften der deutschen Nationalmannschaft gehören, in vielen Reichskämpfen und ßän- berfämpfen bewährt. Krötzsch war Turnfestfieder 1933 in Stuttgart und vorjähriger deutscher Gerät- meister. Bei den diesjährigen Gerätmeisterschasten in Karlsruhe wurde er Dritter, erwies sich aber als Bester im Kürturnen. Sein Dereinskamerad Alfted Müller zählt schon seit Jahren zu den allerersten Kräften der deutschen Spitzenklasse. Er gilt z. Z. als der beste Barrenturner. Seine einzigartige Barrenkür wurde kürzlich in Karlsruhe unter größtem Beifall mit einer „20" bewertet. Auch die übrigen Turner der Mitte-Mannschaft sind alle Vertreter der Turnkunst, die über ihren Heimatgau hinaus als Meister am Gerät bekannt sind: Fritz ßimburg (Ruhla i. Th.), Walter Baumbach (Zella-Mehlis), Willi Böhm (Ruhla), Adolf Böhm (Halle a. d. Saale). Als Ersatzmann ist Paul Klein (Gehren i. Th.) gemeldet. Führer der Mannschaft ist Bereichsmännerturnwart Nietzold (Gera-Langen- berg).
Die äußerst kampfstarke Mannschaft des Bereichs Mitte, die in diesem Jahre die besten Aussichten hat, sich in der Endrunde durchzukämpfen, wirb uns am 9. März in Gießen die Gerätkunst auf einer ßeistungsstufe zeigen, wie wir sie zuvor noch nie hier gesehen haben dürften.
den. Die Schande, die große Schande stand deutlich vor feinen Augen. Und vor ihm lag eine Zukunft grau und trübe, deren Ausgang nicht abzusehen war. Diese Frau war schuld an allem.
„Verzeihen mag dir ein anderer. Ich kann es nicht. Es ist billig, erst alles heraufzubeschwören und dann zu kommen und um Verzeihung zu bitten. Alles Gitta, ohne Ausnahme, alles hätte ich dir verziehen, selbst wenn du ein Verbrechen begangen hättest. Nie würde ich dich verlassen und mit deinem Schmerz allein gelassen haben. Aber das kann ich dir nicht verzeihen, nicht heute und nicht morgen und nicht am Ende meiner Tage."
Er drehte sich auf dem Absatz herum. Sem Gesicht blieb unbewegt und gewann erst wieder Leben, als er sich wieder zu seinen Kindern herabbeugt«, sie küßte und sich von ihnen verabschiedete. w
„Seid schön brav, solange ich verreist bin, ja?
„Ja, Vater." Sie küßten ihn heftig. „Bleibst du lange weg?"
„Nicht lange, nur ein paar Wochen."
„Oh, bas ist aber sehr lange."
„Aus Wiedersehen, Mutter, auf Wiedersehen, Richarv." Er drückte beiden die Hand und küßte seine Schwiegermutter auf die Stirn, während sie ihn umklammert hielt. Dann nahm er feinen Hut vom Haken und ging ohne einen Blick nach rückwärts durch die Diele. Sein Schritt war fest und sicher.
Dem Chauffeur gab er Weisung, zum Gebäude der Staatsanwaltschaft zu fahren. Der Mann würde ohnehin morgen alles wissen. Er sah geradeaus, als der Wagen durch Berlin fuhr. Keine Miene war anders als sonst. In der gleichen straffen Haltung, wie man es von ihm gewöhnt war, stieg er die Treppe zum Gebäude der Staatsanwaltschaft empor, nachdem er dem Chauffeur bedeutet hatte, heimzufahren. Dann fiel die Tür hinter ihm zu.
*
„Ich habe Ihnen ein Geständnis zu machen, Herr Staatsanwalt." Koßmann stand aufrecht neben dem Schreibtisch Doktor Fechts, obwohl dieser seinem Besucher nach der Begrüßung einen Stuhl angeboten hatte.
..Nanu, Geständnis? Was haben Sie denn verbrochen?" Der Staatsanwalt schlug einen scherz« haften Ton an.
„Ich habe den Kapellmeister Ralf Kühlitz er- schossen." f .
Fecht gab sich elften Ruck, stand auf und stame Koßmann an. „Sie, Mann? Wissen Sie, was »ie da sagen? Gestern hat vor Gericht der Angeklagte Korn gestanden, und jetzt kommen Sie mit ber Behauptung, daß nicht er, sondern Sie der Tater seien. Und warum kommen Sie erst jetzt?'
(Fortsetzung folgt)


