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der Gebirgsjäger, die dort oben am nördlichsten Eis­meer stehen. Anschließend stattete er dem Wehr« Machtbefehlshaber in Norwegen, Generaloberst von Falkenhorst, und dem Wehrmachtbefehlshaber der Luftflotte, Generaloberst S t u m p f f, Besuche ab. Hierbei wurde die Truppenbetreuung zu Weih­nachten festgelegt.

Roosevelt verlangt weitere

6,7 Milliarden für die Armee.

Washington, 18. Nov. (DNB. Funkspruch.) Präsiden' Roosevelt forderte vom Kongreß weitere 6687 Millionen Dollar für die Armee an. Der Präsident befürwortete ferner den Kriegsminister $u ermächtigen, unter dem Pacht- und Leihgesetz über Material 3u verfügen, das seit dem 11. März 1941 für die Armee angekauft wurde. Er forderte weiter 308 Millionen Dollar für die Marine an.

Oie Transportfchwierigkeiten nach -em mittleren Osten.

Stockholm, 17. November. (Europapreß.) In der britischen Botschaft in Kairo hat eine Konfe­renz stattgefunden, die sich mit den Transport­schwierigkeiten nach dem Mittleren Osten befaßte. Der Vertreter des britischen Kriegskabinetts im Mittleren Osten, L y t t l e t o n, hat aufaefordert, mit allen Mitteln Schiffsraum zu sparen und Waren, die eingeführt werden müßten, zu ra­tionieren, die Eigenproduktion zu steigern und den Verbrauch der Vorräte einzuschränken. Gleichzeitig soll auch alles getan werden, damit das Löschen der

Zahlen gegen Lügen.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Die Versenkung derArk Royal" durch ein deut- ches Uboot hat in England lähmendes Entsetzen ausgelöst. Um den niederschmetternden Eindruck über diesen bedeutenden deutschen Seeerfolg über starke Einheiten der brittschen Flotte etwas zu per. wischen, hat Churchill eine große Propaganda über dienunmehr erreichte Gleichwertigkeit der briti­schen Luftwaffe mit der deutschen" gestartet. Weiß der liebe Himmel, wie er dieseGleichwertigkeit" so schnell errechnet hat. Denn vor etwa acht Tagen noch hieß es in der englischen Presse, daß die deut, sche Luftwaffe der britischen im Westen ur^ der sowjetischen im Osten weiterhin überlegen sei und daß nur die beiden verbündeten britischen und sow- jettschen Luftflotten zusammen eine Ueberlegenheit gegenüber der deutschen erwarten ließen. Jetzt aber erklärte Churchill:Wir haben jetzt eine Luftwaffe, die der deutschen Luftwaffe an Umfang und Zahl mindestens ebenbürtig ist, ganz zu schweigen von der Qualität." Diese Erklärung hat selbst in der englischen Presse überrascht. Daraus erklärt sich wohl auch die Unsicherheit ihrer befohlenen Propa. gandakommentare.Wenn diefe Ankündigung von jemand anderem als Churchill gemacht worden wäre, dann hätten wir immer noch Zweifel", heißt es z. B. imDaily Chronicle". Das ist sehr vor­sichtig ausgedrückt. Es sind noch keine vierzehn Tage her, da bemühten sich alle verantwortungsbewußten Sprecher der englischen öffentlichen Meinung, der britischen Regierung klar zu machen, daß die soge­nannteNon-Stop-Offensioe" eine sehr teure und außerdem erfolglose Demonstration sei, die man im

Interesse des dabei verlorengehenden Materials an Maschinen und Menschen so schnell wie möglich ein- stellen sollte. ...

lieber die deutsche Luftüberlegenheit gegenüber England ist nie ein Zweifel gewesen. Dafür gab der deutsche Wehrmachtbericht täglich neue Beweise. Seit dem 22. Juni 1941 von welchem Tage auch die Non-Stop-Offensive Churchills gegen den euro­päischen Westen datiert bis zum 31. Oktober 41 verloren die Briten insgesamt 1590 Flugzeuge, in der gleichen Zeit gingen im Westen 228 deutsche Flugzeuge verloren. Vom 1. bis 11. November ver­lor die britische Luftwaffe weitere rund 150 Flug­zeuge, die deutsche 13! Churchill nennt dasGleich­wertigkeit der britischen Luftwaffe mit der deut­schen . Diese Behauptung wird noch durch folgende Zahlen beleuchtet: Vom 1. Januar bis 31. Oktober 1941 wurden 2501 britische Flugzeuge abgeschossen, in der gleichen Zeit gingen 602 deutsche Maschinen verloren. Das spricht nicht gerade für die englische Luftüberlegenheit, geschweige denn von der Dor­trefflichkeit der englischen Luftfahrzeugkonstruktion. Wie unterlegen man sich fühlte, dafür gab im Juli der englische Nachrichtendienst ein unfreiwilliges Beispiel, als er erklärte, die Nachtverteidigung sei eines der schwierigsten Dinge im Kriege, in Eng­land sei es niemals gelungen, den Gegner während der Nacht abzuschießen. Churchills kühne Behaup­tung von der Ueberlegenheit der britischen Luft­waffe findet durch die harte Sprache der Zahlen ihre schneidendste Widerlegung.

Die Sondertagung des japanischen Reichstags.

Tokio, 17. November. (Europapreß.) In beiden Häusern des japanischen Reichstages wurde schon vor der Anhörung der Ministererklärungen eine weitgehende Einigung über eine rasche Annahme des Zusatzbudgets erzielt und der Regierung das allgemeine Vertrauen zum Ausdruck gebracht. In beiden Häusern wurde die Einbringung vyn Reso­lutionen beschlossen, durch die der Regierung für die Durchführung der nationalen Politik die unein- geschränkte Unterstützung des Reichstages zugesichert wiro.

Außenminister Togo bezeichnete den Dreimächte­pakt als Instrument zur Schaffung einer gerechten neuen Ordnung in Ostasien und Europa. Der Außen- Minister hob die Entschlossenheit Japans hervor, die Zusammenarbeit mit der chinesischen National- regierung weiter auszubauen und die militärischen Operationen zur Bezwingung des Tschungking-Re- gimes weiter durchzuführen. Die Vereinigten Staa­ten und England hätten begonnen, zusammen mit Australien, Niederländisch-Jndien uno Tschungting Japan ei n z u kreisen. Der Druck, den die an- gelsachstschen Mächte ausübten, berühre die Existenz des japanischen Imperiums. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten hätten sich immer weiter verschlechtert. Wenn ein Fall eintreten sollte, der die Existenz des japanischen Imperiums bedrohe oder das Prestige Japans als Großmacht bloß- stellen würde, müßte Japan dem entschlossen entgegentreten. Die ganze Nation müsse sich vereinen, um der schwierigen Lage Herr zu werden. In gleicher Weise sei Japan entschlossen, a u ch i m Norden die Entwicklung einer Lage zu verhin­

dern, welche die Rechte und Interesien Japans be­drohen würde.

Ministerpräsident General T o j o sprach über die Operationen in Chinq und erinnerte an die Ereig­nisse, welche zum Abkommen mit Frankreich über die Verteidigung Französisch-Jndochinas führten. Die Wirtschaftsblockade gegen Japan stelle einen feindlichen Akt dar. Es seien genügend Rohstoffe sichergestellt, um den Druck Englands und der USA. auszugleichen. Alle Vorbereitungen seien getroffen, um das Tschungking-Regime zu beseitigen und ge­rüstet zu sein zum Schutze der von Japan erstrebten ostasiatischen Zone des allgemeinen Wohlstandes.

Finanzminister Kaya erklärte, trotz viereinhalb Jahren Chinakonflikt seien Japans Finanzen gesund, es seien genügend Finanzquellen vor­handen, um die Staatsausgaben zu decken. Auch die Wirtschaftskraft des Landes fei auf den ver­schiedensten Gebieten verstärkt worden. Der Finanz­minister wies auf die zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Japan, Mandschukuo und China hin sowie auf die Notwendigkeit der Aus­beutung der reichen Rohstoffvorkommen Ostasiens zur Verstärkung der nationalen Verteidigung. Die Einfrierungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens machten es zur Notwendigkeit, eine Wirtschaftsmacht aufzubauen, die stark genug fei, um den riesigen Rüstungsbedarf zu befriedigen. Damit jeder Unternehmung fremder Mächte begeg­net werden könne, die Japans Programm zur Neu­ordnung in Ostasien zu verhindern- trachteten. Die zusätzliche Haushaltsvorlage für außerordentliche Militärausgaben in Höhe von 3,8 Milliarden Pen wurde vom Reichstag einstimmig gebilligt.

der Halbinsel, Simferopol, genommen. Am Tage darauf werden die Truppen der Sowjets in zwei Gruppen zersprengt. Und wieder einen Tag darauf wird die Südküste bei Feodosia erreicht. Am 6. No­vember meldet der Wehrmachtbericht, daß die Süd- küste zwischen Feodosia und Jalta in breiter Front besetzt ist; am 8. November, daß der Durchbruch bei der Enge zur Landzunge Kertsch durch eine 10 Kilometer tiefe, neuzeitlich ausgebaute Stellungs­zone erfolgt ist. Die Landzunge Kertsch ist HO Kilo­meter lang. Trotzdem verzeichnet schon der Wehr­machtbericht vom 12. November, daß die Küste süd­lich von Kertsch erreicht ist. Tags darauf Angriff auf die Befestigungsanlagen; am Sonntag Einnahme der Stadt.

Kertsch, eine Stadt, die heute bereits über 100 000 Einwohner zählt, liegt an einer geschützten Bucht am Fuße eines Beraes. In Friedenszeiten war sie der Hauptort des Kertscher Eisenerzgebietes, das aber erst am Anfang seiner Erschließung steht. Das Vorkommen wird auf 2,7, wenn nicht sogar auf 3,5 Milliarden Tonnen geschätzt, während die För­derung 1938 erst 850 000 Tonnen erreichte. Das Kertscher Gebiet steht also dem von Kriwoi Rog noch nach. Aus diesem Gebiet wurden die Hütten in Markupol und Taganrog an dem bereits eroberten Nordrand des Asowschen Meeres beliefert. Der Haupt­teil ging in die Kertscher EisenhütteWojkow", die über drei Hochöfen, zwei Walzwerke, eine Thomas- fabrik und eine Sintersabrik verfügt und mit 20 000 Arbeitern belegt ist. Die Kapazität der Derhüttungs- werke beträgt 450 000 Tonnen Eisen, 500000 Ton­nen Thomasmehl und 260 000 Tonnen Walzgut. Die anfallende Thomasschlacke wird in der Land­wirtschaft der Krim verwandt. Außerdem werden in der Umgegend noch Salz und Mangan gewonnen. Auf dieser Grundlage hat sich in Kertsch ehre viel­seitige Industrie entwickelt. Es seien nur das große Koks-Chemische WerkKyrow", eine Waffenfabrik und ein Flugzeugwerk erwähnt. Für Reparaturen der Kriegs- und Handelsflotte ist eine kleinere Werft vorhanden. Die Stadt verfügt außerdem über zwei Elektrizitätswerke zu fe 20 000 Kilowatt. Der H a fen von Kertsch besitzt Kais von 3000 Meter Länge und umfaßt eine Fläche von 65 Hektar, die durch breite Molen geschützt wird. Er dient neben der Ver­ladung von Erz, Salz, Mangan und Del dem Ab­transport der landwirtschaftlichen Produkte, die aus dem Hinterland heranströmen. Südlich der Stadt ist ein eigener Petroleumhafen entstanden. Die Bol­schewiken haben ferner alles getan, um Kertsch eine militärische Bedeutung zu geben. Die Stadt war ein dicht belegter Standort. Dazu kommen Küsten­werke, militärische Magazine, Minenlager, Muni­tionsdepots, Funkstationen, Flugplatz und andere Anlagen.

Die Einfahrt zum Asowschen Meer durch die 40 Kilometer lange und bis 3,5 Kilometer enge Meerstraße von Kertsch liegt unter deutscher Kon­trolle. Der von Natur aus gut geschützte kau­kasische Kriegshafen Noworossisk liegt 130 Kilometer entfernt, der den Nordstürmen preisgegebene Pe­troleumhafen von Saturn 500 Kilometer. Aber die sowjetische Schwarz-Meer-Flotte hat bereits schwer gelitten. 69 Handelsschiffe mit 235 000 BRT. sind nach einer nur ungefähren Statistik versenkt. Zehn Kriegsschiffe und 36 Handelsdampfer sind schwer beschädigt. Die deutsche Luftwaffe (und ru­mänische U-Boote) haben der Sowjetflotte bei dem Versuch des Abtransportes der Krimtruppen und des Kriegsmaterials schwere Schläge versetzt. Uebrig bleibt auf der Krim nur Sewastopol, das aber iso­liert ist, mit seiner Front nach Westen gegen die Donaumündungen weist und seinen kriegsaescbicht- lichen Namen der Konstellation des 19. Jahrhunderts verdankt, in dem das Zarenreich nach den Donau­fürstentümern und den Donaumündungen griff. Heute sieht die Front nach Osten! Dr. Ho.

Oer neue Generalstabschef -er italienischen Luftwaffe.

Rom, 17.Nov. (DNB.) Der neue Generalstabs­chef der italienischen Luftwaffe, Luftgeschwader­general F o u g i e r, der vor dem Duce feinen Eid als Staatssekretär im Luftfahrtministerium ablegte, wurde 1894 auf Korsika geboren. Er nahm als In­fanterist und später als Flugzeugpilot am Weltkrieg teil. 1928 wurde er Kommandeur des ersten italie­nischen Jagdfliegersturmes. Fougier gilt als Gründer jener Iagdfliegerschule, die im Spanienkrieg glän­zende Erfolge errang. 1935 wurde Fougier Kom­mandeur der libyschen Luftwaffe und 1937 Inspektor der Fliegerschule beim Luftfahrtministerium. Im April 1939 wurde er Geschwadergeneral und über­nahm das Kommando des dritten Luftgeschwaders.

Im Winter 1940/41 kommandierte Fougier das an der Kanalküste operierende italienische Fliegerkorps. Fougier zählt zu den ältesten Kämpfern der faschisti­schen Partei.

Oas Ritterkreuz.

Berlin, 17. November. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleut­nant Michalek, Flugzeugführer in einem Jagd­geschwader, und Feldwebel O h l r o g g e, Flugzeug­führer in einem Jac^geschwader. Oberleutnant Mi- chalek hat in zahlreichen schweren Luftkämpfen 36 Feindstugzeuge abgeschossen und in kühnen Tiefan­griffen auf Erdziele aller Art dem Gegner schweren schaden zugefügt. Feldwebel Ohlrogge hat 39 Feind­flugzeuge im Luftkampf vernichtet.

Rordnorwegeu.

Oslo, 17. November. (DNB.) Aus einer Infor­mationsreise nach Nordnorwegen lernte Reichskom- missar Terboven in Narvik die wiederher ge­stellten Hafenanlagen, Umfchlagplätze und den Er§- fai kennen. Große Freude löste bei den Soldaten die Zusage aus, daß das Soldatenheim in Narvik nod) rechtzeitig vor dem Weih nachts fest fertiggefteöt fein werde. Von Narvik ging die Fahrt nach Tromsö, von dort mit dem Schiff nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt Europas. Nach Banat war Kir­kenes die nächste Station, wo der Reichskommissar die Hafenanlagen, das Soldatenheim und Kriegs- lazarett besuchte. Dann stattete Reichs ko mmissar Terboven General Dietl einen Besuch ab, ging bis in die vorderste Linie der Murmansk-Front vor und überzeugte sich von der vorbildlichen Stimmung

An der Spitze der neuen Zivilverwaltungen.

Gauleiter Dr. A1 f r e d M e y e r wurde 1891 als Sohn eines Regierungs- und Baurates Carl Ludwig Meyer in Göttingen geboren. 1911 bestand er in Soest das Abiturientenexamen und trat 1912 als Fahnenjunker in das Infanterieregiment 68 (Kob­lenz) ein. Er nahm an den Kämpfen im Priester­wald, an der Somme und in der Champagne teil. 1917 in der Aisne-Champagne-Schlacht fiel er ver­wundet in französische Gefang^ischaft. Erst im März 1920 kehrte er über die Schweiz nach Deutschland zurück. Im Mai 1920 fand er einen neuen Wirkungs­kreis als kaufmännischer Angestellter bei der Zeche Gras Bismarck", Gelsenkirchen. Nach Abschluß der kaufmännischen Ausbildung bezog er die Univer­sitäten Bonn und Würzburg, wo er zum Dr. rer. pol. promovierte. Nach Ablegung des Staatsexamens trat er in die juristische Abteilung der ZecheGraf Bismarck" ein. Anfang 1928 wurde er Mitglied der NSDAP, mit der Nummer 28 738; bald darauf Ortsgruppenleiter von Gelsenkirchen. 1931 ernannte ihn der Führer zum Gauleiter des Gaues West- falen-Nord. 1938 wurde er Oberpräsident der Pro­vinz Westfalen. Zu Beginn des Krieges war Dr. Meyer Chef der Zivilverwaltung einer Armee im Westen, dann Reichsverteidigungskommissar für den Wehrkreis VI.

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Erich Koch wurde 1896 in Elberfeld geboren. Nach dreijähriger kaufmännischer Lehre trat er in den Dienst der Eisenbahnverwaltung. Don 1915 dis 1918 Frontsoldat, dann aktiver Teilnehmer an den Abwehrkämpfen in Oberschlesien und an der Ruhr, trat er früh mit der nationalsozialistischen Bewegung in Verbindung. Von 1922 bis 1928 gehörte Koch der GauleitungRuhr" der NSDAP, an und wurde 1926 wegen seiner politischen Betätigung aus dem Staatsdienst entlassen. 1928 wurde er Gauleiter von Ostpreußen. 1933 wurde er Oberpräsident der Provinz, der er die Grundlage der Wiedergesun- düng gab.

(Bauleiter Lohse wurde 1896 in Holstein als Sohn eines Landwirts geboren. Er besuchte nach Absol­vierung der Volksschule in Hamburg die Handels­schule und war dann kaufmännischer Beamter, bis er im September 1915 in das Reserve-Jnf.-Rgt. 76 eintrat. Im November 1916 wurde er wegen Krieas- dienstbeschädigung entlassen. Er war dann Bankbe­amter. Seit 1921 ist £?t)fe Nationalsozialist. Er wurde 1924 Vorstandsrnitgti'd des Völkisch-Sozialen Blocks. Von 1924 bis 1930 nationalsozialistischer Stadtverordneter in Altona. Seit 1925 Gauleiter des Gaues Schleswig-Holstein. Im März 1933 Ober­präsident von Schleswig-Holstein. Lohse ist SA.« Obergruppenführer. Im Oktober 1934 wählte der Große Rat der Nordischen Gesellschaft in Lübeck Lohse zum Leiter der Nordischen Gejellschaft.

Mozarimusik im Hause.

Von Hans Joachim Moser.

Der bekannte Musikhistoriker schreibt hier aus eigenem Erlebnis über häusliche Mozart- musik und ihr verzauberndes Wesen, soweit sie mit Worten erfaßt werden kann. Der Bei­trag wird zumTagederHausmusi k", der in diesem Jahre im Zeichen Mozarts steht, willkommen sein.

Freunden, die irgendwie durch Zusammenstöße mit der harten Realität vergnatzt ooer verwundet wurden, empfahl ich feit Jahren drei besterprobte Heilmittel: entweder eine Fahrt mit dem Flugzeug, um einmal zu sehen, wie klein die scheinbar großen Dinge dieser Welt werden können; oder durch ein gutes Fernrohr einen nachdenksarnen Blick in Pla­netenweiten und zur Milchstraße hinauf, um zu er­kennen, daß es auch drüben noch und da erst recht atoße Dinge gibt. Vor allem aber, und dies viel­leicht am zeitgemähesten: eine Stunde Mozartiche Musik angehört oder (besser noch) mitgespielt das reinigt die Seele für geraume Frist von allen ver­gänglichen Schlacken. Bach und Beethoven, Händel, Schubert oder Wagner sind dafür selbstverständlich auch nicht ungeeignet aber Mozart übt eine eigene geheime Heilkraft aus, die nirgends ins Sub­jekt zurücktreibt (um mit Goethes Molltheorie zu reden). Worin besteht diese spezifische Gabe feiner Musik? Nun, sie ist der Flugreise und der Stem- guckermedizin verwandter, als es zunächst scheinen möchte: sie hebt uns weit empor über die rauchig­stickige Alltagsatmosphäre in kristallklaren Ozon, und sie ist von der kosmischen Höhenstrahlung, der Ster- nengesetzlichkeit so durchflutet, daß sich alle quer­gelegten Seelenfasern wie von selbst zur Ordnung strählen und zurechtgestriegelt werden. Sie ist von allen Musiken diejenige, die die meiste Seligkeit ent­hält. Aber woher denn eigentlich? War der Kapell­meister Mozart mit Schulden und Krankheit, mit problematisch wirtschaftender Frau und ewigen Kindbettsorgen so besonders fröhlich aufgelegt? Nun, obwohl er dem Vater einmal in einem herrlichen Brief geschrieben hat, er halte gute und nahe Dauer­nachbarschaft mit dem Tode, ist er doch gewiß fein romantisch Unglücklicher und Zerrissener gewesen. Er

hat unerschöpflich viel salzburgisch-augsburgische Schelmenspäße und Eulenspiegeleien im Kopf gehabt, Freundschaftstalent und Frozzeleinfälle, und wär's auch nur gewesen, um dadurch ein Gegengewicht gegen das pausenlose, behexte Schaffenmüssen zu gewinnen. Seine Späße Haden es oft hinter den Ohren und waren man denke an die Kanon­texte nicht eben für spröde Jungfernohren be­stimmt. Aber sie entwaffnen durch die Kindlichkeit des Humors, durch das derbe. Geradezu der Scherze. Und der Gehalt an Jugendlichkeit, eine höchste Art von Naivität ist es auch, die feine und Haydns herrlich tieffinnige Musik noch beglückender als die erhaben weifen und oielerfahrenen Tonsprachen von Schütz, Bach und Händel, den drei insbesondere reliaiösen Genies der deutschen Musik, hilfreich im geschilderten Sinn werden läßt. Auch Mozarts Musik ist fromm aber sie läßt den Menschen willensfrei und zwingt ihn gerade dann wieder zu einem selbst- verantwortlichenStehe auf und wandle!"

Die beglückende Wirkung Mozartscher Musik be­ruht nicht nur auf seinem Menschlichen, sondern be­stätigt sich auch aus der ästhetischen Sphäre: sie ent­steht aus demklassischen^ Gleichgewicht zwischen Form und Inhalt. Während es von erhabener und erhebender Wirkung sein kann, zu beobachten, wie ein Beethoven und Bruckner titanisch gegen die Form angeht und sie in heroenhafter Mühe dehnt und sprengt, zeigt sich Mozart fast immer und überall fähig, trotz reichsten Strömens der Phan­tasie (mit der er oft erstaunlich verschwendet) den gegebenen Rahmen genau zu füllen. Diese Aus- geroogenfeit braucht nicht jeweils dem Bewußtsein der Hörer bewiesen zu werden, sondern strahlt auch schon auf das Unterbewußtsein beruhigend, ent­spannend, festigend aus. Dabei ist Mozart in Wahr­heit alles andere als der akademistische Formalist, der blasse Apollinier schlechthin gewesen, zu den ihm das idyllenfrohe Biedermeier mißverstanden und verkleinlicht hat, fein liebes Adonislein der guten Stuben ... 3m Gegenteil wogt und pocht in ihm ewig der heiße deutsche Junglingsdrang nach Aus­sprechen des Höchstpersönlichen, Unkonventionellen, Einmaligen und Besonderen, ganz im Gegensatz zu demPopulären", dessen Pflege ihm der rationa­listische Vater Leopold Mozartlebensklug" anzu- empfehlen bemüht war. Aber es war die seltsame Gabe des Wolfgang Amadeus, derlei Privates den­

noch bruchlos, ja nur dem genauer lauschenden Ohr vernehmlich in den scheinbar üblichen italienischen Formelkram seines Nachbarock und hochreifen Ro­koko einzubauen, den Sturm und Drang seines Her­zens in der Klassik und Klassizität der Gesellschafts­kunst hinein zu geheimnjssen und das Haus unver­merkt zur Welt zu weiten.

So wird Mozartsche Musik unversehens zu etwas viel Größerem und Höherem als bloßerMusik fürs Haus" und bleibt trotzdem ideal in den Grenzen, die häuslichem Musizieren äußerlich gesetzt sind.

Das Schöne ist, daß der Schwierigkeitsgrad im allgemeinen in den Grenzen eines hochwertigen Laientums bleibt; das soll nicht Stümper auf feine Fährte locken (denen ist er gottlob sogar meistzu leicht"!), denn vom höchsten Standpunkt aus ist Mozart auch wieder am schwierigsten von allen Meistern zu spielen, weil er der durchsichtigste ist. Aber man kann doch bei gehöriger Frömmigkeit des Musikmachens immerhin an ein zureichendes Bild des von ihm Geforderten gelangen. Und wenn man in den Bannkreis des Zauberers eingebaut ist, ich denke aus eigner Erfahrung etwa an die Bratschen­partie des Kegelstattrios, so trägt er uns zauberhaft auf Flugschwingen in ein Können hinein, das uns eigentlich gar nicht eignet, er reißt uns mit durch den schier dämonischen Zwang seiner Form, in deren Untergründen fein urdeutsches Sonderwesen schwingt und flutet. Zwischen Instrumentalmusik des Meisters streue man einige feiner Lieder ein, welche immer man wählen mag, hier redet er den Laien meist noch unmittelbar an und läßt ihn hin- einschauen in seine Welt, wo gegen die Leibnitzische präftabilierte Harmonie der Mensch bereits ver­einzelt, aber nie verlassen und verraten steht. Wir hatten vor einiger Zeit in unserer winzigen Woh­nung einen ungefügen Gast, einen Kontrabassisten, und legten Mozarts Baßarie mit obligater Violine auf die PulteIn questa bella mano welch seliges Schwellen und Brummen stieg von halber durchs ganze Haus. Und am nächsten Tag begann unser zweijähriges Bübchen die hoDfelige Melodie zu fingen das ist das' Geheimnis Mozartifcher Kunst, daß sie von volksliedhafter Schlichtheit und Einfalt zu fein scheint, aber sie übersteigt zugleich den Scheitel der kunstverständigsten Kenner und Könner Emanation des Göttlichen.

Uraltes Spiel.

Untrennbar vom kulturellen Leben der Völker ist das Spiel, sind die Spiele, mit denen sie sich beschäftigten. Schon vorgeschichtliche Gräberfunde bezeugen, daß auch in den Menschen jener früh- geschichtlichen Epoche die Lust am Spiel vorhanden war.Sie pflogen heiter im Hose des Brettspiels", sagt auch die Edda. Reste von Spielbrettern mit Spielsteinen aus Bernstein und aus Knochen sagen auch mancherlei aus über die Art der damals be­liebten Spiele. Zu den-ältesten Spielen gehört auch das Ballspiel, das ebenfalls durch Gräberfunde und durch früheste bildliche Darstellungen als uralt bc= zeuat wird.

Besonders spielfreudig waren das 16., 17. und das 18. Jahrhundert, in denen vor allem die Ge- duld- und Vexierspiele beliebte Unterhaltungsmittel waren. Eines der ältesten Spiele dieser Zeit und Art war das Nonnen- oder Grillenspiel, auch So­litär-, Einsiedler» oder Melancholiespiel genannt, das nur von einer Person gespielt wurde.

Die große Zahl der alten deutschen Gesellschafts­spiele läßt sich in Gruppen einteilen wie die schon erwähnten Geduld- und Verierspiele, Brett-, Lotto- und Domino-, Karten-, Geschicklichkeits- und Wür­felspiele. Unter den Brettspielen erfreuten sich von altersher bis auf unsere Tage besonderer Beliebt­heit Dame, Mühle und Schach. Das Dominospiel war auch den alten Chinesen bekannt.

Die ältesten europäischen Kartenspiele scheinen in Feldlagern entstanden zu sein; die dazu benutzten Spielkarten waren aber orientalischen Ursprungs. 2)ie ältesten europäischen Karten stammten aus Italien und sind bald danach, etwa um 1384 in Nürnberg alsTrappolierkarten" bekannt gewor­den. Heute sind in Deutschland die alten Karten­spiele, wie Whist, Lchombre, Pikett und Tarock ganz durch den Skat verdrängt.

Geschicklichkeitsspielen Zählen Federball, Flohhupfen, das Plattenwerfen, wie es auf Schif­fen gespielt wird, und auch die Schießspiele aller Art im Zimmer ober im Freien. Während die heu­tigen deutschen Würfelspiele mit einem oder zwei Augenwürfeln gespielt werden, benutzte man früher deren drei und hatte so die Möglichkeit zu den ver­schiedensten Wurffällen. Das älteste deutsche Würfel­spiel dürste wohlGlocke und Hammer" jem.