Ausgabe 
18.2.1941
 
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Ur. 41 Zweiter Blatt

Dienstag, 18. Sebruar Ml

Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Vberheffen)

Aus -er Stahl Gießen.

Oer Urlauber.

Neben der prustenden D-Zug-Lokomotive standen ein Feldgrauer und ein Mädchen. Sie standen ein­ander gegenüber, Auge in Auge, und rings um sie lärmte und quirlte der Bahnsteigverkehr.

Wenn ich jetzt den Dampf ablasse dachte oben aus seinem Fuhrerplatz der Maschinist dann könnte rch die beiden künstlich vernebeln, aber ob bas dem kleinen Fräulein nicht zu wurm um die Waden wird?

V'zeihung!" bemerkte ein Herr, der seinen Rohr­plattenkoffer an ihnen vorüberschaukelte, während er beleidigt feststellte, daß die Verkehrserziehung im Grunde noch viel zu wünschen übrig lasse.

Eine aus dem Fenster ihres Nichtraucherabteils lehnende, mollige Dame fand das Paarunmöglich":

Verdunkelungszeit

18. Februar von 18.39 bis 8.33 Uhr.

er im Dienstanzug, und sie, als wenn es Ostersonn­tag wäre! Heberhaupt passe zu solch einem Mantel doch nur--

Achtung! Achtung!" kam vom Gepäckzufuhr- wagen die Warnung des Lenkers, dessen Stimme die Leidenschaftslosigkeit alltäglicher Hebung hatte. Ein älteres Fräulein aber, eilig im Schutz der fortrollen­den Koffer tippelnd, weidete ihr dürres Herz am Anblick des muskulösen Kriegers. Warum so etwas nicht auch unsereins zuteil wird? Warum es immer nur die anderen find, die das Glück erleben dürfen!?

Glück? stellte ein vorübergehender Gefreiter sich ernst und wissend die Frage. Ist Abschiednehmen Glück? Oder: keine Hand schütteln können und niemand haben, dem man zuwinkt, ist das Glück?

Der Zugführer, dessen leibliche Energien mehr nach dem Umfang, als nach der Höhe ausgebrochen waren, hob sich stirnrunzelnd auf die Schuhspitzen, um über den Eins-achtzig-Mann und seine zier­liche Gefährtin die Blickbahn freizubekommen.

Alles Platz nehmen!" röhrte er und entdeckte väterliche Milde in sich, da er nun auch die Riesen feinem Befehl untertan wußte.

Der Soldat aber hatte das meiste gesehen: die Wunderschöpfung Gottes, das Menschenauge. Die ganze Heimat lag darin, die stillen Wünsche, die großen Hoffnungen, der stärke Glaube an Deutsch­land und die Ewigkeit. So uralt leuchtete es aus ihrem Blau und so verwirrend jung: Ich liebe dich.

E. S.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gießener Woche für Kunst und Wissenschaft 1941: V 19 bis 21.30 Uhr im StadttheaterDer Biberpelz", j Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr 1 Ausstellungen im Stadtheater und im Turmhaus im Brandplatz. Gloria-Palast (Seltersweg): ISieben Jahre Pech". Lichtspielhaus (Bahnhof­straße):Blutsbruderschaft".

Aestaufführung im Gießener Sladttheater.

Am heutigen Dienstag wird als Festaufführung zur Gießener Kulturwoche Gerhart Hauptmanns KomödieDer Biberpelz" in neuer Inszenierung auf- qeführt. Die Spielleitung hat Hans Geißler, das Bühnenbild stammt von Karl Löffler. Es wirken mit: Waltraut Goettke, Hella Henzky, Hannelore Hinkel, Hilde Kneip; Kurt Bosny, Hans Caninen- berg, Walter Erler, Joachim Ernst, Gert Geiger, Raoul Laporte, HaRs Seitz, Karl Volck. 21. Diens- :ag-Miete.

Vortrag von Dr. Rockenbach.

Dr. Martin Rockenbach, der am 20. Februar n Gießen überHeiteres aus deutscher Dichtung" pricht, ist im Hauptberuf Leiter der Abteilung Schrifttum des Reichssenders Köln. Er hat durch rine Reihe von Büchern und Sammelwerken und ^urch die Herausgabe einer literarischen Zeitschrift »on Rang sich auch im literarischen Leben Deutsch­lands etnen Namen gemacht. Zum Thema des Hu- ? mors in der deutschen Dichtung hat Dr. Rockenbach | k»rei Bücher veröffentlicht: eine AnthologieHcms- | ruch neuen deutschen Humors" mit einem grund- | Btzlichen Nachwort über den Begriff des Humors,

A;

ie erhält man Kinderbeihilfe?

Runderlaß des Reichsfinanzministers über das Verfahren und die Ueberleitungsmaßnahmen.

Durch die Kinderbeihilfeverordnung vom 9. De- zember 1940 sind die Vorschriften über die Ge­währung von Kinderbeihilfen abgesehen von den Unterschieden, die wir gleich erwähnen weit­gehend den Vorschriften über die Gewährung von Kinderermäßigung des Einkommensteuergesetzes an­geglichen worden. Dadurch ergibt sich für manchen Familienvater ab Januar 1941, dem Termin, zu dem erstmalig nach den neuen Vorschriften die Kin­derbeihilfe ausgezahlt wird, eine Aenderung. Auch verfahrensmäßig findet vor allem für die Haushal­tungsvorstände, denen künftig Kinderbeihilfe für weitere Kinder oder erstmalig Kinderbeihilfe zu ge­währen ist, eine Aenderung statt. Der Reichsfinanz­minister hat deshalb in einem Runderlaß vom 30. Januar 1941, abgedruckt im Reichssteuerblatt Nr. 14 das Verfahren, die Voraussetzungen der Ge­währung und die Ueberleitungsmaßnahmen genau geregelt. Es handelt sich um einen Erlaß von rund vier Druckseiten, aus dem wir nachfolgend die wich­tigsten Bestimmungen behandeln wollen.

Die Unterschiede zu der Regelung des Einkom­mensteuergesetzes sind noch folgende: Die Kinderbei­hilfe wird nur für Kinder, nicht auch für andere Angehörige gewährt, und zwar in der Regel erst für das dritte Kind. Wenn sich die Zahlung der Kinderbeihilfe nicht mit dem vom Staat erstrebten Zweck verträgt, nämlich der Föörderung gesunder, gemeinschaftswürdiger deutscher Familien, dann kann auch sie versagt werden. Deshalb muß jetzt in jedem Falle die untere Verwaltungsbehörde (Landrat oder Oberbürgermeister) und der zustän­dige Hoheitsträger der NSDAP. (Kreisleiter) vor der Gewährung der Kinderbeihilfe durch das Fi­nanzamt gehört werden. Ausnahmsweise kann auch bei weniger als drei Kindern für das erste oder das erste und zweite Kind Kinderbeihilfe gewährt wer­den, wenn nämlich der Haushaltungsvorstand zu mindestens 85 v. H. seiner Erwerbsfähigkeit be­schränkt ist oder eine Pflegezulage, eine erhöhte Verstümmelungszulage oder eine Rente für Arbeits­unfähige bezieht. Diese Vergünstigung besteht auch für alleinstehende (verwitwete, geschiedene, dauernd von ihrem Ehemann getrennt lebende oder ledige) Frauen und für Kinder solcher alleinstehenden Frauen und Vollwaisen, die sich in Pflege bei an­deren Familien befinden.

Kinderbeihilfe kann selbstverständlich nur gezahlt werden, wenn die Verhältnisse des Haushaltungsvor­

standes dem zuständigen Finanzamt bekannt sind. Der Haushaltungsoorstand muß sich deshalb für die Gewährung von Kinderbeihilfe bei dem Finanzamt, in dessen Bezirk er seinen Wohnsitz ober seinen ge­wöhnlichen Aufenthalt hat, anmelden und einen An- meldevordruck. ausfüllen, den er dort unentgeltlich erhält. Um unnötige Schreibereien zu vermeiden, verfügt der Reichsfinanzminister, daß Haushaltungs­oorstände, die bisher schon Kinderbeihilfe erhalten haben und jetzt für 1941 für dieselben Kinder mindestens die gleiche Summe wieder ausgezahlt erhalten, keine neue Anmeldung einzüreichen brau­chen. Dagegen müssen diejenigen Haushaltungsoor­stände, die für weitere Kinder ober erstmalig Kin- berbeihilfe zu erhalten wünschen, sofort eine An­meldung einreichen', schließlich können diejenigen, denen die bisherige Kinderbeihilfe gekürzt wurde und die dadurch eine Einbuße erlitten haben, die Ge­währung der Abfindung beantragen, die in Ab­satz 12 des Runderlasses genau geregelt ist. Dieser jchtzlere Antrag auf Abfindung muß spätestens bis zum 31. Dezember 1941 gestellt fein.

Die neuen Antragsteller erhalten von ihrem Fi­nanzamt frühestens nach 6 bis 8 WockM. (das Bewilligungsverfahren erfordert nun einmal > eine aewiffe Zeit) einen Festfetzungsbefcheid ober eiben Ablehnungsbescheid. Gegen einen evtl. Ablehnungs- bescheid ist bie Beschwerbe zugelassen. Heber die Beschwerbe entscheidet enbgültig ber Gauleiter ber NSDAP., wenn ber Kreisleiter der Gewährung von Kinberbeihilfe wibersprochen hatte bzw. bie Vegie- rungspräsibenten, wenn ber ßanbrat ober Oberbür­germeister sich gegen bie Gewährung ausgesprochen hatten. Beide Instanzen haben, wie wir oben schon erwähnten, darüber zu befinden, ob- der Zweck der Kinderbeihilfe in der den Antrag stellenden Fa­milie erreicht wird oder nicht.

Der Anspruch auf Auszahlung ber Kinderbeihilfe kann grundsätzlich weder gepfändet noch verpfändet werden, noch kann er an einen Dritten abgetreten werden. Es darf auch keine Kürzung anderer Zu­wendungen aus öffentlichen Mitteln durch die Ge­währung von Kinderbeihilfe eintreten, da sie eine zusätzliche Zuwendung zur Erleichterung der Fa­milienlasten darstellt. Die Höhe ber Kinberbeihilfe beträgt einheitlich 10 RM. monatlich für jedes bei­hilfefähige Kind.

ein unterhaltsames LesebuchStill vergnügt mit allerlei Humor aus ber guten alten Zeit", in bem er vergessene Kostbarkeiten des 18.> und 19. Jahr­hunderts in die Erinnerung des Lesers zurückrief, und ein Auswahlbändchen aus den lebenskundlichen Plaudereien und Essays Justus Mösers.

Der Vortrag Dr. Rockenbachs wird von dem Sinn und der Aufgabe neuer Pflege gerade des hei­teren Schrifttums in unserer Zeit sprechen, im grundsätzlichen Teil typische Formen des deutschen Humors an Hand von Beispielen aus ber deutschen Literatur kennzeichnen und bei der Auswahl humo­ristischer Kleinkunst auch die Gegenwart nicht zu kurz kommen lassen.

Ortszeit für den 18. Februar.

Sonnenaufgang 8.35 Hhr, Sonnenuntergang 18.43 Hhr. Mondaufgang 3.03 Hhr, Monduntergang 12.29 Hhr.

Veranstaltungen für unsere Verwundeten.

, Im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht veranstaltete die NSG.Kraft durch Freude" in zwei hiesigen Lazaretten Vorträge des Oberleutnants a. D. P f a h l über das ThemaDeutschland und das Schicksal Europas". Der sehr interessante Vortrag wurde von den Hörern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Am Sonntagvormittag erfreute der Gesangverein Germania" Steinbach unter Leitung seines Ehren­chormeisters Georg Harnisch (Watzenborn-Stein­berg) die Insassen eines Lazaretts mit einem Ge­sangskonzert, das in ausgezeichneter Wiedergabe

Volkslieder und Soldatenlieder brachte. Den Sän­gern wurde in verdienter Weise starker Beifall zu­teil. Feldwebel St u m p f als Vertreter der Lazarett­verwaltung und Sprecher der Soldaten brachte deren Dank den Sängern in herzlichen Worten zum Aus­druck.

Oer Landdienst wirbt.

NSG. Der Landdienst der Hitler-Jugend wird ab April 1941 in rund 30 Lagern etwa 500 Jungen und Mädel, die Lust und Liebe an der Landarbeit haben, einsetzen. Die Zusammenstellung der Lager­mannschaften erfolgt im März. Wer also von den zur Schulentlassung kommenden Jungen und Mä­deln noch in den Landdienst eintreten will, muß schleunigst seine Anmeldung beim Arbeitsamt oder bei der HI.-Dienststelle abgeben. Anmeldungen wer­den bis zum 25. 2. 41 entgegengenommen.

Ehem. Landwehr-Znf.-Hegt. 116.

Die Kameradschaft des ehemaligen L.-J.-R. 116 hielt Samstag ihren sehr gut besuchten Monats­appell bei Kamerad Emil K i m p e l ab. Kamerad­schaftsführer Rud. Schneider begrüßte die Ka­meraden und feierte die Kameradschaft innerhalb der Vereinigung, die ihre besondere Note dadurch erhalte, daß alle ihre Mitglieder durch die gemeinsamen Erlebnisse des Krieges im selben Regiment mitein- deren Vereinigungen sonst ähnlicher Art. Er gedachte dadurch in charakteristischer Weise von vielen an» breen Vereinigungen sonst ähnlicher Art. Er gedachte bann der im Felde stehenden jungen Soldaten des Führers und brachte zum Schluß ein begeistert auf­

genommenes Sieg-Heil auf den großen Weltkriegs, kämpfer Adolf Hitler aus.

Zum Schriftwart wurde an Stelle des leider ver­storbenen Kamerad S t u d t, Kamerad Alb. P f e l « f e r bestimmt. In der kurzen Aussprache wurde vor allem auf die Bedeutung des Schießsports hin- gewiesen, der im neuen Jahr mit neuem Eifer gepflegt werden soll.

Abschied von Professor Gmelin.

Am gestrigen Montagnachmittag nahm in der Ka­pelle des Neuen Friedhofs in einer schlichten Trauer­feier mit den Familienangehörigen des Verstorbe­nen auch die llnioerfität Abschied von ihrem lang­jährigen Mitarbeiter, dem Unioerfitätsprofeffor Dr. Hans Ginelin. Zu der Feier hatten sich mit Sr« Magnifizenz bem Rektor, Professor Dr. med. H. W. Kranz, an ber Spitze ber Dekan ber Philosophischen Fakultät und viele Angehörige des Lehrkörpers, so, wie Vertreter der Studentenschaft in ber Friedhofs- kapelle eingefunben. Nach ben Arntshanblungen und der Gedenkrede des Geistlichen sprach namens ber Ludwigs-Hniversität der Rektor Professor Dr. med. H. W. Kranz, der mit herzlichen Worten die Verdienste des Verewigten um die Unioerfität in ihrer Gesamtheit würdigte und dabei seiner lang­jährigen Arbeit als Lehrer und Wissenschaftler wohlverdiente Anerkennung aussprach. Hierauf wies als Sprecher der Fakultät deren Dekan, Professor Dr. Frölich, auf die ausgezeichneten wissenschaft­lichen Leistungen hin, die der Heimgegangene sowohl als akademischer Lehrer wie auch als An­gehöriger der Philosophischen Fakultät durch sein Wirken vollbrachte, gleichzeitig machte er die vor­trefflichen menschlichen Eigenschaften erkennbar, die Professor Gmelin während seiner langjährigen Zu­gehörigkeit zur Fakultät unserer Hniversität und als Glied der Gießener Bevölkerung allezeit an den Tag gelegt habe. Als äußeres Zeichen der dank­baren Gesinnung legten der Rektor und ber Dekan je einen Kranz an der Bahre nieder. Ferner brachte die Studentenschaft durch eine Kranznieder­legung ihren letzten Gruß an den Heimgegangenen Lehrer zum Ausdruck.

Gießen-Klein-Linden.

Am Samstagabend hielt der MännergefangverelN E i n t r a ch t", der älteste im Orte, in feinem Ver« einslokalZum deutschen Hof" seine Generalver« sarnrnlung ab. Der auf Urlaub hier weilende 93er< einsführer Wilhelm Rinn begrüßte bie sehr zahl­reichen Vereinsmitglieber unb ben Ehrenchormeister Harnisch (Watzenborn-Steinberg). Schriftführer Wilhelm Gilbert gab zunächst ben günstigen Kassenstand bekannt. Die Rechnung fand, nachbem sie für richtig befunden war, Genehmigung. AuS ben Mitteilungen bes Vereinsführers war zu ent­nehmen, bah ber Verein im verflossenen Jahr fein 75. Stiftungsfest hätte begehen können. Des Krieges wegen konnte es, ebenso wie einst bas 50jährige während des Weltkrieges, nicht festlich begangen werden. Die Singstunden ließen sich nicht aufrecht­erhalten. Der Verein wird auch in ben kommen­den Monaten besonders um das Wohl feiner im Felde stehenden Sangesbrüder bemüht fein. Beim Gesang schöner Männerchöre und dem Gedankenaus­tausch mit ben anwesenden Frontkameraden ver­lebten die Sänger einige fröhliche Stunden.

Alkohol gegen Grippe!

Viele Menschen glauben, Grippe lasse sich durch reichliche Zufuhr von Alkohol kurieren. Das trifft aber keineswegs zu. Nur ausnahmsweise gelingt es, durch grobe Mengen Alkohol die Körperabmehrkräfte derart zu steigern, daß die Macht der Infektion schneller gebrochen wird. Häufiger aber find Versager! sogar Schädigungen sind möglich!

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Gießener Woche für Kunst und Literatur.

«Heitere deutsche Musik.

Es war ein Ehrentag für das Orchester; denn Hefe Anerkennung gebührt einem Klangkörper, der htrcf) Können, verantwortungsvolle Gewissenhafti^- leit und musikalisches Mitgehen eine solche hoch- Gehende Aufführung gewährleistete.

Schon daß die beiden Solisten im Moza r t» konzert aus den Reihen des Orchesters gewählt Derben konnten, bebeutet eine Hebung des An- ishens aller. Dieses sympathische Werk wurde liußerst liebevoll musiziert, bie beiden Solisten Lutze Schmidt-Frank (Harfe) unb Paul Kirch- n an n (Flöte) einander überbietend im Eingehen lind Bemühen um Schönheit des Klanges, Sauber- l*it ber Phrasierung unb im gefühlvollen Nachleben. Kaul K i r ch m a n n entwickelte einen schonen run- ten Ton auf seinem Instrument, weich und mobu- ' litionsfähig, perlend ausgeglichen im Paffageipiel, 'scher in der musikalischen Gestaltung. Luise Sch m i d t - F r a n k entlockte besonders in Den un= f ren Tonlagen ihrem diffizilen Instrument fülligen Vohllaut; ihr figuriertes Spiel war äußerst fauoer ^gliedert, peinlichst durchgearbeitet unb ben Eigen­werten des Instruments abgelaufcht. Em beson- tnrer Höhepunkt wurde die Kadenz, wo beide Ko­liken im Verschmelzen von Klang und Figuration, h den Kontrasten dynamischer Abstufungen nicht

c"t Gehörtes erleben ließen.

Das ganze Werk, in feiner Gesamtheit gesehen, !l-ß eine wohlige Sphäre wachwerden mit seinem Angegebenen Musikantischen. Besonders auch die Mischung der beiden Soloinstrumente mit *

bester, das stellenweise noch mehr hatte zurufnre- t-m können, ließ immer neue Reize in allen Sätzen entdecken, mit der Empfmdungshohe des An- bintino wie mit dem bunten Wechsel des Rondos

Eine Delikatesse eigner Art wurde die Suite aus br Musik zumB ärger als Edelmann , Werk 60, von Richard Strauß. Das gebgrdenhast r-ichnerische dieses Werkes weckte Prof Dr T e nesvLry im Lichte der Instrumente zu sar- bgster Klangplastik. Klangselig im Holz und na­

mentlich im Horn im Allegretto das Vorspiel; im Menuett galant, empfindsam, ein ungetrübtes Ge­nießen der Klangschönheit der Flöten; mit Elan erfüllt derFechtmeister". Dem Violinsolo im Tanz ber Schneibergefellen gab Konzertmeister Kerzis- n i k Schwung unb Eleganz. Tänzerische Anmut durchzog dasIntermezzo", und dasDiner", eine Vielfältigkeit der Genüsse, die einander zu über ttumpien schienen (das empfindungsstark gespielte Cellosolo von Ernst Schneider); alles sich im Wirbel des Tanzes zu höchstem Scbwung erhebend. Stets aber setzte der Dirigent musikalische Gebärde ins Plastische' um, treffend jeden Farbtupfen zum Leuchten erhebend, dabei die Durchsichtigkeit des Klanges wahrend und auf feinste dynamische Diffe- renzierung hinstrebend. So wurde diele Suite in ihrer Sonderheit zu einem außerordentlichen Ge­nuß; denn jeder im Orchester war schlagfertig mit präzisestem Können am Platze.

Beethovens IV. Symphonie faßte das Motto des Abends symbolisch zusammen. Es lag etwas Geheimnisvoll-Berückendes, Bannendes über der bedeutungsvollen Einleitung, das machtvolle Ansteigen vor Einsetzen des Allegro war stärkste Spannung mit der folgenden befreienden Lösung. Ganz prächtig führten die Holzbläser das zweite Thema ein mit angemessener Zurückhaltung des Tempos. Die Durchführung ließ das jungerwachte Gegenthema in Frische erstrahlen. Groß war der Hebergang zur Reprise mit seinem Versinken, fei­nem Einhalten, Auswachsen im ständigen Zuneh­men. Das Adagio weitete sich im schwellenden Bogen, weihevoll, mit dem zukommenden klang­sinnigen Empfinden durchblutet, in seinen Einzel­entwicklungen sehr klar artikuliert, innerlich be­reichernd. Stürmend das markante Scherzo, sich steigernd im Wiederholen der einzelnen Satzgrup­pen. Ein treibender Heberschwang im Finale, bis zum Einzelsten vom musikalischen Willen gebändigt, geradezu gigantisch in der Entwicklung zur Steige­rung der Fermate zur Koda; im Schluß ein fein­sinniger Humor beim allmählichen Entschwinden bes Themas.

So gab biefer Abend, indem er die lebensbe­jahende heitere Seite der deutschen Musik ins Licht rückte, den Hörern innere Entspannung und wahres Lebensgefühl. Dafür war der Dank aller äußerst herzlich. Dr. Hermann Hering.

Freunde auf dem Bauernhof.

Von Paul Eipper.

Was ich hier erzähle, an Hand einiger persön­licher Erlebnisse beweisen will, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Jedermann, der sich für Tiere interessiert, nicht achtlos an ihnen oorüberläuft, hat ähnliche Beobachtungen hundertmal schon gemacht. Dennoch, wann immer man dergleichen erlebt, ist man beglückt. Beglückt durch das Spontane, durch das Rückhaltlose, durch die Hingabe und Echtheit einer solchen Aeußerung.

Im Sommer war ich einige Wochen auf einem Bauernhof, lag in der roafferumfäumten Koppel zwischen Fohlen und buntscheckigen Kälbchen, hät­schelte die quietschenden, in rosiger Sauberkeit glän­zenden Ferkel, saß sttll bei Hunderten von Küken und Entenjungen, die wie goldene Flaumwölkchen durch Gras hüpften und mit ihren feinen (Stimm« chen die Lust in silbern klingende Schwingungen versetzten; ich stieg am späten Abend 4auf ben Heu­boden, wo die schwarze Katze drei Kinder versteckt hatte, lockte und wartete, bis die scheuen Tiere her­vorkamen und gierig nach der Milchschüssel schielten komischer Anblick, denn jeder der drei dunklen Kobolde hatte am Hals einen weißen Fleck.

Jedesmal aber, wenn ich aus meiner Bauern­stube auf den Hof ging, spürte ich über ber ganzen Oberfläche meiner Haut einen Blick der Sehn­sucht. Anders kann ich es nicht beschreiben!

Am ersten Tage meines Aufenthaltes hatte mich der Kettenhund wütend angekläfft. Nun muß ich gestehen, daß ich von Kindheit an eine leise Furcht vor bellenden Hunden empfinde, ein Angstgefühl, das ich sonst keinem Tier gegenüber habe. Ich ärgere mich und bekämpfe diese Schwäche so gut ich kann, aber ganz wird sich jener Schock nie über­winden lassen, den ich als vierjähriger Knabe mit einem Hunde erlebte.

Damals ging ich also auf ben großes Hund zu, holte aus meiner Tasche ein Stück Zucker, sprach im Abstanb von vielleicht anderthalb Meter begütigenb auf bas an seiner Kette zerrenbe Tier ein, warf ihm die Süßigkeit zu und setzte mich solange auf eine Wagendeichsel, bis der Hund ben Zucker fraß.

In der Folge schien es, als warte jenes einzige Tier des großen Bauerngutes, das nicht frei um­herlaufen konnte, immerzu auf meinen Schritt. Es hat nie mehr gebellt, wenn ich kam, weder aus Freude noch aus Wachsamkeit; es saß und blickte mir entgegen. In den ersten Tagen bin ich zuweilen gedankenlos vorübergelausen, habe aber jedesmal den Tierblick im meinem Rücken gefühlt, so sehr, daß ich umkehren mußte. Wenn ich dann auf den Hund zuging, klopfte sein Schweif, und die letzten Schritte kam der große Graue mir entgegen, ohne Hast, legte seinen Kopf in meine Hände und freute sich.

Skeptiker werden denken, der Hund habe sich auf den Zucker gefreut, nicht auf mich. Schon möglich, aber bann hätte er mich ja durch lautes Gebell rufen können, nicht auf diese schöne und edle Weise.

Zeitschriffen.

Freude am Lebe n", bebilderte Monats* schrist de/ Reichsbundes für Biologie. Herausgeber: Dr. Walter ©reite. Hugo Bermühler Verlag, Ber­lin-Lichterfelde. Das Februarheft der schönen, stets anregenden Zeitschrift für Naturfreunde bringt diesmal an erster Stelle einen Aufsatz von Proft Dr. W. Schoenichen, der in Wort und Bild Baum« denkmale im Warthegau, Buchen, Eiben, Kiefern und Eichen, in einer bem Reiche zurückgewonnenen echt beutschen Lanbschast vor Augen führt. Dr. habil. Steiniger zeigt an einem lehrreichen Beispiel mit hübschen Naturaufnahmen eine eigentümliche Le­bensgemeinschaft von Tier und Pflanze; die Arbeit bandelt von Zwergmöven und Krebsschere auf dem Drausensee in Ostpreußen. Dozent Dr. Kuhn schildert in einem Aufsatz über Lurche und Kriech­tiere aus der Braunkohle des Geiseltales den Reich­tum einer vorzeitlichen tropischen Lebewelt; inter­essante Aufnahmen hierzu zeigen überraschend wo Hk- erhaltene Heberreste von Fröschen, Eidechsen, Kro­kodilen, Schlangen und Schildkröten aus alttertiären Braunkohlenschichten. Zu höchst bemerkenswerten Ergebnissen gelangt ein BeitragNeue Gesichts­punkte zur Bekämpfung der Lepra" von Dr. Man- freb Oberdörffer vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitttt füc Biochemie in Dahlem.