Öffentlichkeit den Beweis erbringen soll, daß es bei diesem-Plane nicht nur um unverantwortliche Erwägungen obskurer Leute geht, sondern daß hinter ihm die ganze Autorität des Kaisers beider He- mispären, Franklin Delano Roosevelts steht. Herr Miller gehört nämlich wie der famose Verfasser des Buches „Deutschland muß sterben", der uns bekanntlich alle sterilisieren will, ebenfalls zu dem Kreise der Vertrauten Roosevelts. Was fordert dieser Mann nun? Zunächst einmal muß Deutschland alle Länder herausgeben, die es gestohlen hat (vermutlich den Amerikanern!). Dann wird verfügt, daß den Deutschen keinerlei Kapital mehr Mr Verfügung gestellt werden davf (unseres Wissens haben wir uns schon recht lange nicht mehr um Kapital aus Amerika bemüht). Schließlich aber soll Deutschland aller seiner Industrie, und Derkehrsanlagen von irgendwelcher. Bedeutung beraubt werden. Seine Kohlen- und Erzgebiete (sprich Ruhrgebiet und Oberschlesien) sollen vom Reich abgetrennt werden. Die Einfuhr von Maschinen und Metallen soll verboten werden, so daß praktisch der Deutsche auf die Landarbeit beschränkt wird. Die Städte werden „entvölkert", die deutsche Jugend wird zur Auswanderung gezwungen.
Ist das nicht ein Geschäft? Mit einem Schlage werden England und Amerika die deutsche Konkurrenz los. Das ist das neue Argument, mit dem man die öffentliche Meinung in Amerika endgültig einfangen will. Welch ein Wirtschaftsaufschwung muß sich für Amerikas Industrie, für Amerikas Arbeiter und nicht zu vergessen, für seinen Handel ergeben, wenn die deutsche Konkurrenz so radikal vernichtet würde. Lieferte nicht Deutschland allein mit seiner Maschinenausfuhr 30 o. H. der gesamten Weltausfuhr an Maschinen? Das lohnt stch doch, da ist noch etwas zu gewinnen! Was tut es demgegenüber, wenn in Deutschland 7,4 Millionen Arbeiter und 1 Million Angestellte, die nach dem Stande von 1938 in der deutschen Industrie beschäftigt waren, brotlos werden. Sollen sie verhungern! Und was schert es die Amerikaner, wenn die in den deutschen Industrieanlagen investierten Werte
von rund 90 Milliarden Reichsmark (1938) restlos vernichtet werden. Amerika muß ja ein um so größeres Geschäft machen. Das ist die neue Parole, mit der man dem Amerikaner endlich in seiner eigenen Sprache kommen will.
Es mag sein, daß der Durchschnittsamerikaner den verbrecherischen Wahnsinn solcher Pläne nicht erkennt und wirklich glaubt, es sei auf diese Weise ein Geschäft für Amerika zu machen. Das haben ja auch die Engländer im vorigen Kriege geglaubt. Auch damals hieß es, wenn Deutschlands Hande! zerstört wird, wird jeder Engländer im gleichen Augenblick um ebensoviel reicher. Aber die Wirklichkeit hat etwas ganz anderes gezeigt. Sie zeigte, daß mit dem Ausfall eines so großen und fleißigen Volkes, wie es Deutschland ist, auch der Welthandel zurückging. Englands Handel ist nach dem Kriege 1914/18 nicht größer geworden, sondern eher kleiner. Insbesondere ist seine Ausfuhr abgesunken. Wenn wirklich eine so restlose Ausschaltung Deutschlands, wie sie diese verrückten Pläne beabsichtigen, möglich wäre, so wären die Folgen für die Wirtschaft aller Völker katastrophal. Was der Ausfall Deutschlands als Kunde bedeutet, das erfahren die südamerikanischen Staaten sehr bitter am eigenen Leibe. Und was würde aus den europäischen Ländern werden, die heute ihre Industriewaren, ihre landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen im Austausch gegen eigene Produkte von Deutschland erhalten? Sie würden wieder auf den Stand von Agrarstaaten zurückfallen, die unfähig sind, mit den Weltmarktpreisen zu konkurrieren und die mangels der Unmöglichkeit, ihre Bevöl- kerungsüberschüsse durch den Aufbau neuer Industrien zu beschäftigen, genau fo verelenden müßten wie das deutsche Volk. Gelänge dieses amerikanische „Geschäft", so wäre Europa eine einzige Sklaven- kolonie für den wahnwitzigen „Kaiser von Amerika", d. h. in Wirklichkeit für Juda. Aber es wird nicht gelingen, denn in der großen Schlacht im Olten wird nicht nur der Bolschewismus geschlagen, sondern auch das Judentum mit seinen englischen und amerikanischen Bütteln. V. A.
Das Neutralitätsgesetz durchlöchert.
Waffentransporte auf amerikanischen Schiffen nach Empire-Gebieten. Von unserer Berliner Schriftleitung.
Roosevelt, schon lange auf der schiefen Ebene des Wortbruchs, des Bruchs der amerikanischen Verfassung, der unverhüllten Kriegshetze, hat sich einen neuen Schwung gegeben, um noch schneller in den Krieg hinabzugleiten. Er hat jetzt verfügt, daß amerikanische Passagiere, Rüstungsmaterial usw. zu „einigen Gebieten des britischen Empire" auf amerikanischen Schiffen sich begeben dürfen. Damit hat Roosevelt die schon völlig durch- löckerte Neuträlitätsakte selbstherrlich außer Kurs gesetzt. Er hat den Schießbefehl als Oberkommandierender der U8A.-Flotte geben können, da das U8A.-Parlament darüber nicht zu bestimmen hat, aber unzweifelhaft bedeutet er einen weiteren Schritt zum Kriege, und die Forderung von 58 sehr prominenten Amerikanern ist wohl sehr berechtigt, der Kongreß möge nachprüfen, ob Roosevelts Schießbefehl an die Flotte gutgeheißen werden könne, denn über den Krieg habe der Kongreß allein zu befinden, und dieser sei nicht gefragt worden.
In einem, dem Kongreß von Roosevelt zuaeleite- ten Bericht über das Englandhilfgesetz sagt Roosevelt: „Amerika muß nicht nur den Schild, sondern auch das Schwert, die Werkzeuge für den Endsieg, demjenigen bieten, die mutig ihr Blut in den Frontlinien dieses Kampfes vergießen." Vor dem Kongreß gibt Roosevelt sich so, als ob die USA. nur Waffen den Kämpfenden liefern und sich selbst außerhalb dieses Kampfes halten. Das ist natürlich eine bewußte Täuschung, denn zwei sehr Prominente aus der nächsten Umgebung Roosevelts, der Marineminister Knox und der jüdische Newyorker Oberbürgermeister Laguardia haben gerade jetzt erklärt, der Krieg müsse auf deutschem Boden,zu Ende gebracht werden. Und da sogar Litwinow- Wallach-Finkelstein erklärt, England habe nicht genügend Soldaten, um den Krieg zu gewinnen, das deutsche Volk könne dank der Anlage großer Vorräte unmöglich durch eine Blockade besiegt werden, lassen beide prominente Kriegshetzer erraten, was Roosevelt zu tun gedenkt.
Ein anderer Prominenter aus dem Roosevelt- kreis, ber USA.-Agrarminister Wickard, ein, wie die amerikanischen Blätter schrieben, Mann mit sektiererischen Neigungen, hat aber am Dienstag in Galt Lake City, der Stadt der Mormonen, kurz
und bündig erklärt: „Der jetzige Krieg ist Amerikas Krieg." Und um auch den leisesten Zwei«- fei zu beheben, hat der Marineminister Knox am Montag auf einer Versammlung der amerikanischen Legion erklärt: „Von morgen ab wird die USA.= Marine alle Schiffsladungen von Pacht- und Leihlieferungen, die den Ozean zwischen dem amerikanischen Kontinent und den um Island liegenden Gewässern überqueren, schützen." Wie sie das tun soll, das sagte Knox unmittelbar darauf, als er die an die amerikanische Atlantikflotte ergangenen Befehle unzweideutig dahin kennzeichnete, „jeden Ue= berwasser- ober Unterwasser-Achsenpiraten, der an« getroffen wird, zu kapern oder zu vernichten". Wir müssen mit Nachdruck den Amerikanern zu Gemüte führen, daß dieser Befehl Roosevelts und die Anweisung, Passagiere und Kriegsmunitton auf amerikanischen Schiffen nach England zu bringen, heißen: Das Leben amerikanischer Staatsbürger durch Roosevelt aufs Spiel zu setzen.
Die Anordnung der amerikanischen Regierung, die Waffentransporte und Passagierfahrten auf amerikanischen Schiffen zu „einigen Gebieten des britischen Empire" gestattet, zählt als solche Gebiete vor allem britische Besitzungen im Indischen und Pazifischen Ozean auf wie Ostafrika, Burma, Singapur, Borneo, die Falklandinseln, Westindien, Neufundland und Labrador, aber auch „Britisch-Aegypten", den Sudan und Aden am Roten Meer, also ausgesprochenes K r i e q s g e - biet. England selbst, Kanada, Südafrika, Indien, Austtalien, Neuseeland bleiben für die Waffentransporte vorerst verschlossen. Als Roosevelt das Rote Meex, das von Italien und Deutschland zum Kriegsgebiet erklärt worden war, der amerikanischen Schiffahrt freigab, weil es als Zufahrtweg nach dem ägyptischen Kriegsschauplatz für den brittschen Nachschub von größter Bedeutung war, war dieser Willkürakt Roosevelts eine der vielen Provokationen des Präsidenten auf der krampfhaften Suche nach Zwischenfällen. Die Erlaubnis für die amerikanische Schiffahrt, nun auch USA.-Bürger als Passagiere auf solchen Fahrten in das Kriegsgebiet an Bord zu nehmen, treibt eine Politik auf die Spitze, die die Gefahr aufsucht, um für das amerikanische Volk den Krieg unvermeidlich zu machen.
Roosevelts Englandhilfe.
Washington, 16. Sept. (DNB.) Roosevelt leitete dem Kongreß den zweiten Rechenschaftsbericht über die Englandhilse zu. Nach ihm haben die Ausfuhren an USA.-Kriegsmaterial an Nationen, die gegen die Achse kämpfen, bis zum 31. August einen Wert von 190 447 670 Dollars. Hinzu kommen Rüstungsmaterialien im Werte von 35 946 701 Dollars, die bereits abgetreten, aber noch nicht verschifft worden sind. Reparaturen von Kriegsschiffen beliefen sich auf weitere 78 169 377 Dollars. Insgesamt haben also die USA. für 324 563 748 Dollars zur Unterstützung der Achsenfeinde geliefert. Bereits vergebene, aber noch nicht sertiggestellte Aufträge beliefen sich auf rund 162 Millionen Dollars. Die Hilfeleistungen im Gesamtbetrag von über 300 Millionen Dollar verteilen sich auf zwölf Länder. Der weitaus überwiegende Teil ging jedoch an Großbritannien.
-Die Politik der Hinterhältigkeit.
Madrid, 16. September. (Europapreß.) Die spanische Zeitung „Alcazar" bringt unter der Ueberschrift: „Roosevelt oder die Politik der Hinterhältigkeit" einen viel beachteten Artikel, der sich mit der Haltung Roosevelts und seinen Methoden des Vorwandes und der Ausflüchte befaßt. Das Blatt geht davon aus, daß man in politischen und diplomattschen Kreisen Washingtons immer wieder die konkrete Frage stellt: „Wo sind die Grenzen der n o rd a m e r i k a n i s ch e n Verteidi- gungszone?" „Außer Roosevelt selbst", fährt das Blatt fort, „kann niemand den Sinn seiner Erklärungen dechiffrieren Roosevelt ist der eigentliche Kriegshetzer in Europa. Seine mysteriöse Demarkationslinie, über die die nordamerikanische Oef- fentlichkeit vergeblich Aufklärung verlangt, wird er niemals erläutern, weil seine Pottttk jeden Anspruch auf Klarheit zurückweist."
Roosevelt und Japan.
Tokio, 16. Sept. (Europapreß.) In der Tokioter Zeitung „Nicht Nichi" äußert der bekannte Journalist Tokutomi gegenüber den schwebenden Verhandlungen mit den USA. starkes Mißtrauen. In dem Artikel heißt es( daß Präsident Roosevelt bemüht sei, Japan so'lange friedlich zu erhalten, bis ein geeigneter Zeitpunkt gekommen sei, um andere Maßnahmen zu ergreifen. Roosevelt wolle Englands Erbe antreten und bereite daher einen Kampf im Atlantik vor. In dieser Lage sei den Vereinigten Staaten eine Auseinandersetzung auf zwei Meeren unerwünscht. Daher solle Japan nach den Plänen Roosevelts^ so lange befriedet werden, bis für die Abrechnung mit ihm ein günstiger Zeitpunkt gekommen sei. Auf diese Weise hoffe Roosevelt, das japanische Vordringen nach dem Süden abzuschneiden, während England Und die USA. verfuiHten, Japan einzuschläfern.
Churchill«! Abordnung für Moskau.
Stockholm, 16. September. (DNB.) Wie „Nya Dagligt Allehanda" meldet, wurde in London mit« geteilt, daß Lord Beaverbrook die britische Abordnung, die , in den nächsten Tagen nach Moskau abreift, führen wird. Neben Beaverbrook sollen der Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium, Kapitän Balfour, der Stabsoffizier im Dertei- tngungsminifterium, Generalmajor Sir Hastings I s m a y und der britische Generalstäbler Mac Ready an der Reise teilnehmen. Außerdem soll die Abordnung auch Mitglieder der schon in Moskau weilenden britischen Militärdelegation umsal- scn, nämlich Generalleutnant Mason Mac Far- lane, Konteradmiral Miles und Dizeluftmar- fchall Collier.
Bulgarien weist Vorwürfe Moskaus zurück.
Sofia, 17. September. (DNB.-Funkfpruch.) Die bulgarische Regierung ließ am Montag durch ihre Gesandtschaft in Moskau der Sowjetregierung d i e Antwort auf d i e kürzlichenSowjet- vorstellungen überreichen. Die bulgarische Regierung verwahrt sich gegen den Dorwurf einer illoyalen Haltung und erklärt, sie wisse nichts von herausfordernden Akttonen gegen die Sowjetunion auf bulgarischem Gebiet. Weder habe die Sowjet- gefandtschaft in Sofia darauf hingewiesen, noch habe die bulgarische Polizei darüber etwas vermerkt. Für die Luftangriffe auf bulga
risches Gebiet besitze sie genügend uberzeu. gende Beweise, daß die in Frage kommenden Bomben von sowjetischen Flugzeugen herrührten. Ein Beweis dafür sei auch die Landung von Fallschirmspringern, deren Herkunft klar festgestellt worden sei. Das Benehmen der bulgarischen Presse'sei lediglich eine Folgeerscheinung des Der. hallens der Sowjet-Presse und des Sowjet-Rundfunks. Schließlich sehe sich die bulgarische Regierung veranlaßt, dagegen zu protestieren, daß reine Schutz- und Abwehrmaßnahmen, die Bulgarien getroffen habe, in Angriffsmaßnahmen umgedeutet würden. Im übrigen handele es sich um rein innere Fragen.
Rumäniens Dank.
Feier für Generaloberst Ritter v. Schobert.
Bukarest, 16. Sept. (Europapreß.) Zum Gedenken des gefallenen Generalobersten Ritter von Schobert fand in der Bukarester evangelischen Kirche eine Gedenkfeier statt, an der ein Vertreter des Königs, ferner sämtliche Regierungsmitglieder, der deutsche Gesandte von Kittinger, der italienische und der japanische Gesandte sowie Vertreter der Militärmissionen teilnahmen. Vizeministerpräsident Auto n e s c u sagte: „Mit Worten läßt sich das Heldentum nicht umreißen, mit dem Generaloberst Ritter von Schobert zu seinen früheren glänzenden Waffentaten die tapfere Führung in diesem heiligen Kriege hinzufügte, in welchem er als ein Held starb und ein Beispiel des Opfers ist, das rumänische und deutsche Soldaten geben, die er zu Sieg und Freiheit führte. Die königlich-rumänische Regierung bringt heute vor seiner Heldengestalt die Weihe der Dankbarkeit eines ganzen Volkes dar. Indem Generaloberst Ritter von Schobert für sein deutsches Vaterland kämpfte, kämpfte er gleichzeitig für unsere heiligen Rechte und für den rumänischen Boden."
General P a n t a z i gab der Teilnahme des verbündeten rumänischen Heeres Ausdruck und würdigte die Persönlichkeit des Generalobersten als Armeefuhrer und Mensch. Dank seiner meisterhaften Kriegführung sei überall der Ruf der rumäni* scheu Gebirgsjäger und der rumänischen Kavallerie hingedrungen. Für die rumänische Armee sei der Verlust unersetzlich. Sie werde ihn niemals vergessen. Er werde ewig nicht nur das Symbol der Blutsoevbundenheit der beiden Armeen, sondern auch des Opfers sein, und sein Name werde in Ru- mänien aus der Geschichte in die Legende einziehen. Oer Schah von Iran hat abgedantt.
Ankara, 16. Sept. (DNB.) Einer Meldung des Teheraner Rundfunks zufolge wurde Dienstag morgen auf einer außerordentlichen Sitzung des iranischen Parlaments die Abdankung des Schahs befanntgegeben. Die britischen und sowjetischen Truppen sind, wie Reuter meldet, bis auf wenige Meilen vor Teheran aufmarschiert.
Meine politische Nachrichten.
Der Reichsverband der deutschen Ge - birgs - und Waudervereiue hat in Würzburg auf Anregung des Gebietsführers des Taunus-Bundes, des Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. Krebs, beschlossen, den Deutschen Wandertag 1942 in Frankfurt a. M. abzuhalten. Zum letzten Male fanden sich die deutschen Wanderer 1933 in Frankfurt zusammen.
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Deutsche Sturzkampfflugzeuge bombardierten im Raum von Murmansk Kampfstellungen der Bolschewisten.
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Deutsche Kampfflugzeuge versenkten im Nördlichen Eismeer zwei sowjetische Transporter von 2000 BRT. und 1000 BRT. Ein weiteres Schiff von 1000 BRT. wurde schwer beschädigt.
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In der Nacht zum Dienstag haben britische Kampfflugzeuge durch Abwurf einer großen Zahl von Spreng- und Brandbomben auf die Wohnviertel der Stadt Le Havre erheblichen Schaden angerichtet. Durch diesen militärisch völlig wirkungslosen Terrorangriff wurden zwanzig Wohnhäuser zerstört, zehn Franzosen getötet und neun verletzt.
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In Ostafrika lebhafte Feuertätigkeit der Ar» tillerie, der Mörser und automatifdjen Waffen im Abschnitt von Uolch esit sowie Annäherungsversuche des Feindes, die sofort in Zusammenwirkung mit der Stellung von Culqu adert ab gemief en wurden.
Meeresleuchten.
Von Josef Wenter.
Ich sah es zum erstenmal in einem kleinen Aquarium. Langsam und staunend war ich in dem grün- dämmernden Raum von Behälter zu Behälter gegangen. Die großartige Vielfalt der Geschöpfe des Meeres, ihre Gestalten, die in nichts denen gleichen, die unsere Lust atmen; die gebrochenen Farben ihrer Leiber; das seltsame Glotzen ihrer Augen, die wie außer aller Zeit starren, verzauberten mein Gemüt.
Dann stand ich vor einem mäßig großen Glasgesäß, das nur mit Meerwasser gefüllt war. Darunter war ein Zettel zu lesen: '„Meeresleuchten." Das Wort ergriff mich. Sein Klang rührte meine Seele an mit Bildern und Gefühlen schweifender Sehnsucht. Diesseits und Jenseits schienen in ihm sich zu vermählen. Der Wärter drehte das Licht aus. Es ward dunkel in dem kellerartigen Gewölbe. Nur das feine Sausen des zuströmenden Wassers war zu hören, und manchmal das von starkem Winde bewegte Meer. Die grün erleuchteten Behälter dehnten sich vor meiner Einbildungskraft zu untermeerischen Weiten und Tiefen. Die Verzauberung war groß.
Da blitzte und wetterte grünes Geleucht in dem wassergefüllten Gefäß vor meinen Augen. Ich stand und schaute, und es war wie ein Wunder. Der Wärter hatte mit der Hand das Wasier aufgewühlt, und ich sah in einen blitzedurchzuckten Wetterhimmel. Das grünsilberne Geleucht ging mit den Wellen, rundete sich dort, strudelte da zu Grunde, stieg strahlend hinan, fächerte auseinander, wölkte silbern, schneeweiß, mondgrün. „Ich habe es heute schon zu oft gezeigt", sagte der Wärter. „Sie haben nicht mehr Kraft aenug."
Wenige Tage später sah ich das Meer selbst leuchten. Ich fuhr mit einem Krabbenfänger über das Watt. Der Wind kam von Nordwest, und der Kutter schlingerte unter einem dunklen und niedrigen Himmel in die hohe See hinaus. Ich hatte mich an den Bug auf die Ankerwinde gesetzt. Einer
der Fischer hatte sein Schifferklavier, die Ziehharmonika, und spielte, an die Türe der Kombüse gelehnt, Weisen, deren Text ich kaum verstand. Sie waren in holsteinischem Platt, und er sang sie so vor sich hin.
Wir waren etwa eine Stunde gefahren. Ein feiner Regen kam mit dem Winde Im Schein des Steuerbordlichts ging er grün silbern nieder. Das Meer lag an den Bordwänden schwarz, und eine Schiffslänge voraus tanzte der unbestimmte Schein der Laterne vom Topmast auf dem Wasser. Am Horizont war eine hingeisternde Helle. Dort schien vielleicht der Mond, lieber den Himmel flogen zerfetzte nasse Wolken. Das Leuchtfeuer auf der Mole blinferte sicher und genau seinen Rhythmus über die große Oe de. Wie tief es hier wohl fein möge, fragte ich einen Fischer, der mit einer Netzleine an mir vorüberkam. „Och, hier ist es nichts. Wir sind noch im Watt. Etwa zwanzig Meter. Hinter der Sandbank dort wird es schon besser" ... Auf der Sandbank draußen blitzte das Licht einer Leuchtboje in kurzen Abständen auf. Zwanzig Meter! Ich- bog mich über die Schiffswand und schaute hinunter in die Schwarze, der ich recht nahe war. Da sah ich das Meeresleuchten.
Die Bugwellen hatten mählich eine marmorne Weiße, die an den Rändern grünlich schimmerte. Große Blasen rollten hinweg und leuchteten wie mondgrüne Bälle. Weiter draußen zerstoben sie und sprühten mondenen Glanz weithin. Jetzt wurde das marmorne Weiß des Bug-Gischtes hoch und höher von dem zauberischen Schein erhellt. Das Schiff schwamm durch grünes Silber. Wo eine Welle sich brach, leuchtete sie hellgrün. Die runden Wogen unserer Schiffsschraube wiegten sich hinter uns her und glichen einem mondbeschienenen Wege, der in die Weite führte, bis er in die Nacht zerging. Mählich wurde das Geleucht so stark, daß die Augen davon wie geblendet waren. Milliarden kleinster Geschöpfe, aufgeregt durch die elektrischen Spannungen unter dem Iulihimmel, sandten solchen Schein aus. Mir erschien er wie ein großes Wohlwollen des um das Schiff rauschenden Meeres, wie eine freundliche, aus jedem Ueberfluß gespendete Gabe. Als ob am Tage, in all der großen
Vielfalt des Lichts, der Schönheit nicht genug gewesen wäre, bereitete das Meer sich ein Fest des Lichtes nahe der Mitternacht.
Hinter den Sandbänken zerging das Geleucht fo sacht in die Schwärze, wie es aus ihr erschienen war. Der Fischer sang noch immer halblaut vor sich hin. Ich verstand die wenigen Worte:
Morgen haben wir keine Heimat mehr. Morgen fahren mir zur See...
Kurt Heynicke.
Zu seinem 50. Geburtstage.
Der Dichter Kurt Heynicke, dessen Roman „Der Baum, der in den Himmel wächst" gegenwärtig in den Familienblättem erscheint, wird am 20. September 50 Jahre alt.
Der Dichter Kurt Heynicke, in den letzten Jahren vielgenannt als Dramatiker und Verfasser von Romanen, kommt von der Lyrik her. Die ihn in seinen Anfängen kannten, waren erstaunt, ihn auf den Brettern mit recht handfesten Stücken zu sehen ober ihm später als Erzähler zu begegnen. Nach dem Weltkriege wurden seine ersten Verse weiteren Kreisen bekannt.
Heynickes Gedichte sind Spiegelungen einer „singenden Seele", unverbrüchliche Hingabe an das Metaphysische, Ergriffenheit und Leidenschaft aus deutscher Gefühlsinnigkeit heraus. Sie erscheinen wie leuchtende Melodien im Raum, schwebend über Staub und Lärm des Alltags; und die Stimmen, die oft aus seinen Versen rufen, glätten Zorn und Fluch, mildem Jammer und Weh; „brüderliche Spur ist sein Weg", sagte einmal Heinrich Lersch von ihm.
In Heynickes ersten Bühnenwerken fpürt man noch den LyrikerMo zum Beispiel in dem Schauspiel „Der Kreis", einem „Spiel über den Sinnen". Der Dichter versteht das Erlebte symbolhaft auszuweiten und ins Allgemein-Menschliche zu steigern. Dieses Spiel, in dem auf die Frage „Was ist nach dem Tode?" eine Antwort zu geben versucht wird,
ist mehr ein Gleichnis; das nächste Werk „Das Meer" dagegen ist ein kleines, balladeskes Drama, in dem der Kampf um eine Frau geht. Die Natur, bas Meer, spielt hier in szenisch starken Bildern mit.
In dem Schauspiel .Kampf um Preußen" spürt man, wie neben dem Lyriker in Heynicke der Dramatiker kraftvoller geworden ist. Der Stil ist knapp, ohne jeden unnützen Aufwand, ohne jedes kmrvcke Beiwerk. Dieses Werk rollt die Frage von der Freiheit der Völker auf mit historischer Treue und in starker Szenenführung. Die Uraufführung (1927) bedeutete damals einen Weckruf.
Weitesten Kreisen des Volkes bekannt wurde Kurt Heynicke durch fein Spiel „Neurode", mit dem der Festspielplatz auf den Brandbergen bei Halle eröffnet worden ist. Dieses Volksfprel für große Chöre, Massenauftritte, mit weithin brandender Musik und mit den Kulissen Himmel, Wald, Höhenzüge und Weite war ein Versuch, der für spätere ähnliche Spiele sehr lehrreich wurde. Ein Jahr später tarn Heynickes Aufbau-Spiel „Der Weg ins Reich" auf dem „heiligen Berge" bei Heidelberg erfolgreich zur Darstellung. Sinnbilder treten auf: Der Kämpfer, der Abtrünnige, der Schwankende, der Heimkehrer, allen dröhnt die Fanfare entgegen: "Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen."
Großen Erfolg hatte Heynicke mit seinem letzten Roman „Der Baum, der in den Himmel w ä ch st". Er verdient den Untertitel eines heiteren Romans vollauf. Gern folgt man dem Erzähler auf den winkligen Wegen durch die behäbige Kleinstadt, wo Ruhe, Ordnung und Behaglichkeit derart zu Hause sind, baß ein Tannenbaum, der nicht am rechten Orte wächst, unabsehbare Verwirrung in den geruhsamen Alltag der Stadt und mehr noch ihren Bewohnern bringen kann. Natürlich wäre es kein heiterer Roman, wenn der „böse Baum" nicht am Ende doch noch Glück stiftete! Auch der Roman „Herz, wo liegst du im Quartier?" (der ebenfalls tn den Gießener Familienblättern erschien) zeigte Heynickes ausgeprägte Eigenart und Begabung für die bei uns nicht übermäßig häufige Form des kultt- vierten heiteren Romans. —na


