Ausgabe 
17.7.1941
 
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den Menschen vor diesen Großen die nötige Ehr« furcht beizubringen." Dieses Gefühl der Ehrfurcht mußte Erzieher und Schüler packen, als am geftri- gen 16. Juli, am letzten Tage des Schuljahres 1940/41, die Lang^marckfchule, einer Anregung der Reichsmufikkamer folgend, zur Erinnerung an den 150. Todestag W. Ä. Mozarts eine eindrucksvolle Feier dieses frühvollendeten, frühverstorbenen, genialen Tonkünstlers veranstaltete. Studienrat B u ß würdigte in schönen Worten Lebenslauf und Wirken des tragischen Menschen, des hervorragen, den Künstlers, des guten Deutschen. Unter der be. währten Leitung des Musiklehrers Blaß gaben die Schüler ihr Bestes, die Vokal« und Jnftrumen. talmufik der Hauptwerke und die großartige Aus« druckskraft des Meisters würdig vorzutragen. Die Sauberkeit der technischen und geistigen Ausfüh­rung war lobenswert. Das schwere Ave verum wurde ergreifend gesungen. Die Feier hinterließ starken Eindruck.

Derwoltungsberufsschule in Gießen.

Eine Verwaltungsberufsschule für Lehrlinge der Staats- und Gemeindeverwaltung wurde mit Beginn des laufenden Schuljahres von Handels-Studiendirektor Dr. Wendel mit Ge­nehmigung des Reichsstatthalters als Abteilung der hiesigen Kaufmännischen Berufsschule ins Leben gerufen. Die Schule wird von den Lehr- lingen der öffentlichen Verwaltungen im Kreis Gie­ßen besucht, die wöchentlich an zwei Halbtagen zehn Unterrichtsstunden (z. Z infolge der Kriegsverhält- niste ermäßigt) in Wirtschaftskunde mit Schriftver­

kehr, kaufmännischer und kameralistischer Buchfüh­rung, in Rechnen, Kurzschrift, Mafchinenschrelben, Deutsch Reichskunde und Verwaltungskunde haben. Das letztere Fach, für das wöchentlich zwei Stunden vorgesehen sind, wird als spezielle Brufskunde von Oberinspektor Rahn von der Gießener Stadtver- waltung erteilt.

** Grüße von derFront. Die besten Grüße an die Heimat senden von der Ostfront Karl Degen, Elimar Schirmer, Arthur Sack, Hans Löb er, Bernhard Becker, Karl Hock, Karl Dietz und Heinz Goß.

Canbfrei» Gießen

# Mainzlar, 15. Juli. Dieser Tage fand bei Gastwirt Wilhelm Müller die Generalveriamm-- lung des Vereins für Krankenpflege statt. Rach Ehrung der verstorbenen Dorstandsmtt- glieder, des Schriftführers Pflüger und des Ehrenvorsitzenden Dekan G u ß m a n n erstattete der Vorsitzende, Bürgermeister Kreiling, den Jahresbericht. Zur Zeit wird der Krankenpflege- dienst von der Schwester in Daubringen in aner­kennenswerter Weise mitversehen, da die örtliche Krankenschwester sich im Krankenhaus befindet. Rechner Wilhelm Wehn gab den Rechnungsbe- richt. Die Kassenlage ist gut. Zu Rechnungsprüfern wurden August Kern und Karl Dietz bestimmt. In den Vorstand wurde Aug. Kern als 2. Schrift­führer neu berufen. Hch. Krug I. wurde 1. Schrift­führer. Sonst blieb der Vorstand unverändert. Nach reger Aussprache schloß der Vorsitzende die Der- sammlung in üblicher Weise.

Werner Plath. Ursula Pollack. Inge Schmidt.

SJL-'fpoti

Joachim Balke.

WB

Die Großdeutschen kriegsfchwlmmelslerfchaften in Wien.

Bei den im Wiener Prater-Stadion am vorigen Samstag und, Sonntag, ausaetragenen deu^chen Schwimmeisterfchaften gab es bei spannenden Kämpfen eme Anzahl ^^Erraschungen. Der über raaende Schwimmer der Meisterschaften war Werner Plath (Askania Berlin), der tm Kraul schwimmen nach wie vor eine Klasse für sich ist unb alle vier Meistertitel Im Krau en gewanm Er holte sich im 100-, 200=, 400« und 1500-m-Kraul chwlmmen den Sieg, und zwar 100 m in der Ait von 1 02 3 200 m in 2:18,3, 400 m in 5:02,2, 1500 m in 20:26,5. - Die Meisterschaft lM 200-m-Brustsch'wimmen holte sich Joachim Balke (Kriegsmarine Kiel) in 2:45 - Bei«denFrauen siegte im 200-m-Brustschwimmen in der Zeit von 3:00 vor der bisherigen Rekordhalterin Ann Kapetl die Hamburgerin Inge Schmidt. Ursula P o l l a ck (Spandau) gewann das Ivo-M.

Kraulschwimmen in 1:10,15. (Schirner-M.)

Die rückwirkende Aenderung der Lohnsteuerkarke.

Die erste Lohnabzugsoerordnung enthält neben den zahlreichen Deremfochungsmaßnahmen auch eine wichtige Aenderung des Lohnsteuerrechts, näm­lich die rückwirkende Berücksichtigung des Fa­milienstandes und der Lohnsteuererstattung. Der Grundsatz, daß die wirklichen Verhältnisse beim Steuerabzug erst dann berücksichtigt werden, wenn sie auf der Lohnsteuerkarte eingetragen sind, führt in der Praxis zu Spannungen, die jetzt soweit wie möglich ausgeglichen werden sollen. Die Neurege- lung gibt die Gewähr dafür, daß alle innerhalb eines Kalenderjahres vorkommenden Abweichungen zwischen dem Inhalt der Steuerkorte und dem tat­sächlichen Familienstand auch für die Vergangenheit beseitigt werden können. Zuviel einbehaltene Lohn­steuer wird erstattet. Da auch diese Bestimmmung am 1. August in Kraft tritt, gilt sie für alle Fälle, in denen nach dem 31. Juli Aenderungen der Lohn­steuerkarte erfolgen. Der Reichsfinanzminister wird sich damit einverstanden erklären, daß auch die Fälle eingeschloffen werden, in denen der Antrag auf Aenderung schon im Juli gestellt wurde. Eine Er­stattung von Lohnsteuer ist auch dann zulässig, wenn dabei ein Zeitvunkt in die Steuerkarte eingetragen wird, der vor Dem 1. August liegt.

Pilzvergiftungen, von denen oft ganze Familien betroffen werden, und die nicht selten sogar tödlich verlaufen, kommen alljährlich vor. In den meisten Fällen werden sie durch selbstgesammelte Pilze ver- ursacht. Wer Pilze sammelt, sollte nur solche Arten nehmen, die ihm sicher als eßbar bekannt sind. Ist er sich über die Genießbarkeit im geringsten im Zweifel, so wende er sich an eine Pilzberatungs­stelle (in Gießen. Universitäts-Garteninspektor i. R. R e h n e l t, Heyerroeg 18).

Allgemein gültige Erkennungszeichen und Prü- fimgsmittel zur Unterscheidung von eßbaren und giftigen Pilzen gibt es nicht. Weder das Vorhanden­sein von Milchsaft oder die klebrige Beschaffenheit des Hutes, noch die Braunfärbung eines in das Pilzgericht getauchten Löffels oder die Verfärbung einer mitgekochten Zwiebel deuten auf Anwesenheit von Giftpilzen. Allein die genaue Kenntnis der be- sonderen Merkmale der einzelnen eßbaren und gif­tigen Pilze schützt vor schädlichen Folgen des Pilz- genusseo.

Besonders hüte man sich vor dem gefährlichsten aller Giftpilze, den KiwUenblätterschwämmen, von denen der grüne Knollenblätterschwamm (Amanita phalloides), der öfters mit einigen eßbaren Taub« lingsarten ober mit dem eßbaren Grünling ver- wechselt wird, die meisten tödlichen Vergiftungen

In einer Erläuterung der neuen Bestimmungen in derDeutschen Steuerzeitung" bezeichnet der Sach­bearbeiter des Reichsfinanzministeriums, Regie- rungsrat Hoheisel, diese Maßnahme als eine beson­ders großzügige Regelung. Sie komme den Arbeit­nehmern in großem Umfange entgegen. Der steuer­liche Ausgleich für die Vergangenheit könne sich auf einen Zeitraum bis zu einem Kalenderjahr er- strecken. Es werde nicht mehr geprüft, ob den Ar­beitnehmer an der verspäteien Aenderung der Steuerkarte ein Verschulden trifft oder nicht, ob er biß Haushaltslifte sorgfältig ausgefüllt hat unb ob er bie Lohnsteuerkarte nach Empfang geprüft hat. Es müsse aber oermieben werben, daß aus dieser großzügigen Regelung eine wesentliche Mehrbe­lastung der Arbeitgeber ober Finanzämter entsteht. Die Fälle einer ruckwirkenben Aenderung müßten auf ein Minbestmaß eingeschränkt bleiben. Das werbe bann erreicht, wenn alle Arbeitnehmer in der bisherigen Weise die Haushaltsliste besonbers sorg­fältig ausfüllen unb ihre Steuerkarte sofort nach Empfang auf die Richtigkeit ber Eintragungen prüfen. Es sei' weiter erforderlich, baß alle Arbeit­nehmer bei einer Veränberung im Farnilienstanb usw. die Ergänzung ber Steuerkarte beantragen.

verursacht. Es gibt aber noch eine Reihe anderer Giftpilze, deren Genuß verhängnisvolle Folgen haben kann.

Um die Kenntnis der Pilze zu verbreiten unb bamit ber Gefahr ber Pilzvergiftung nach Möglich­keit entgegenzuarbeiten, hat bas Reichsgefunbheits- amt einen Ueberblick über bte wichtigsten eßbaren unb fchäblichen Pilze in gemeinverftänblicher Dar­stellung im Pilzmerkblatt gegeben, bas unter Mit­wirkung bes Botanischen Museums in Berlin-Dah­lem unb ber Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt bearbeitet wurde. Wer Pilze für seinen Haushalt sammeln will, verschaffe sich zu- nächst durch Beteiligung an Pilzwanderungen unter sachkundiger Leitung die erforderlichen Kenntnisse.

Zeigen sich nach dem Genuß von Pilzen Erschei­nungen, die den Verdacht einer Vergiftung erregen, so versäume man keine Zeit, für ärztliche Hilfe zu sorgen. Bis solche zur Stelle ist, muß man sich bemühen, bas Gift aus dem Magen zu entfernen. Falls Erbrechen nicht bereits erfolgt ist, rufe man es dadurch hervor, baß ein Finger tief in ben Rachen gesteckt wirb. Die fchäbliche Wirkung bes Ge­nusses giftiger Pilze äußert sich gewöhnlich nach einigen Stunben, bei ben Knollenblätterschwämmen tritt sie meist erst nach 8 bis 40 Stunden ein.

46. Deutsche Leichtathletik- Meisterschaften.

Im Vordergrund der sportlichen Veranstaltungen bes kommenben Wochenenbes stehen biesmal bie Titelkämpfe ber Leichtathleten im Berliner Olyrn- pmftabion. Die zweiten Kriegsmeisterschaften weisen eine Beteiligung unb Besetzung auf, wie sie in bie- fern Ausmaße nicht erwartet wurden. Rund 800 Männer und Frauen sind gemeldet; 850 Meldungen entfallen auf bie Einzel- unb 80 auf die Staffel­wettbewerbe. Mit ganz wenigen Ausnahmen wer­den alle Dorjahrsmeister unb Spitzenkönner am Start erscheinen, so baß von vornherein ausgezeich­nete Leistungen gewährleistet sinb. Bei ben Män­nern Hot ber 100-Meter--auf mit 64 Bewerbern bie größte Beteiligung gefunben, aber auch alle an­deren Wettbewerbe weisen Rekorbfelber auf. Bei ben Frauen vermißt man bie tüchtige Erika Bieß biesmal als Einzelkämpferin, außerbem fehlt bie Meisterstaffel bes Hamburger SV. Die Kämpfe werden, wie üblich, an zwei Tagen erledigt.

Oie Reichswettkämpfe der Studentinnen.

Die in diesem Jahr wegen bes Krieges nur auf bie Stubentinnen beschränkten akademischen Reichs- Äportwettkämpfe in Darmstadt haben eine stattliche Besetzung gefunden. Für bie vom 24. bis 27. Juli im Darrnstäbter Hochschulstabion ftattfinbenbe Ver­anstaltung haben sich 800 Teilnehmerinnen ange- melbet, bie etwa 1000 Wölbungen abgaben. Zu ben eigentlichen Reichswettkämpfen in ber Leichtathletik, im Schwimmen unb im Tennis, wo gewisse Win- beftforberungen gestellt wurden, haben sich 400 Aktive eingetragen, unter denen sich zahlreiche be­reits im NSRL. hervorgetretene Spitzenkönnerin­nen befinden. Die übrigen Weibungen verteilen sich auf bie Rahmenwettbewerbe im Handball, Hockey, Basketball sowie bie Vorführungen gymnastischer unb tänzerischer Art.

Vom Handhall.

Ein Sonntag mit großen Ueberraschungen. Alle Platzmannschaften mußten Rieberlagen hinnehmen.

Holzheim Lang-Göns 8:11 (4:6).

Dieses Treffen fügte sich gut in ben Rahmen bes Holzheimer Sporttages ein. Die Platzmannschaft in oeränberter Aufstellung mußte eine verdiente Nie­derlage hinnehmen. Die junge Gastmannschaft über­raschte in angenehmer Weise. Beiderseits wurde das Spiel anständig durchqeführt. Im Jugendspiel bei­her Vereine gewann Holzheim mit 7:0 (2:0) Toren.

Heuchelheim 2Nlv. Gießen 7:12 (4:6).

Die Gießener zeigten diesmal eine bessere Leistung als in ben früheren Spielen, mährenb es bei Heu­chelheim nicht klappen wollte Leiber war der an- gefetzte Schiedsrichter ausgebüeben. Wit dem Er­satzmann war man beiderseits nicht zufrieden.

(Brtiningen Luftwaffe Gießen 7:16 (2:6).

Ein Spiel, wie man es nicht gern sieht. Solche Härte muß unter allen Umständen unterbleiben, bann werben auch bie vielen Strafwürfe unb Her­ausstellungen nicht erfolgen. (Brüningen eröffnete ben Torreigen, jeboch glichen die Soldaten sofort aus. Wiederum ging bie Platzmannschaft in Füh­rung. Allmählich kam bie Luftwaffe mehr auf unb stellte bas Halbzeitergebnis von 6:2 zu ihren Gun­sten. In ber Mannschaft ber (Brüninger wollte es nach bem Wechsel nicht mehr klappen. Wan ver­suchte burch gegenseitige Vorwürfe unb hartes Spiel zu Erfolgen zu kommen unb erreichte gerabe das Gegenteil. Die Solbaten waren tonangebenb und nützten bie Schwächen ber Gastgeber aus. Diese konnten wohl noch einige Treffer erzielen, Siea und Punkte mußten sie jeboch bem Gegner überlassen.

Gpielvereinigung 1926 Leihgestern.

Leihgestern 2. 3gb. Göbelnrod 1. 3gb. 6:3 (1:3).

Arn Sonntag hatte die 2. Jugenb die 1. Jugend von Göbelnrod zu Gast. In diesem Spiel zeigte sich abermals, daß die 2. Jugend sich so leicht nicht geschlagen bekennt. Durch überraschende Durchbrüche konnte die körperlich stärkere Jugend von Göbeln- rod zu Anfang gleich mit 3 Toren in Führung gehen. Die 2. Jugend von Leihgestern lief nun zu großer Form auf. Tor auf Tor wurde geschossen, so baß am Enbe das Spiel 6:3 für Leihgestern ausging.

Da bie 1. Jugend von Grünberg in letzter Minute ab sagte, blieb die 1. Jugend von Leihgestern ohne Spiel. Arn kommenden Sonntag will Grünberg das Versäumte nachholen unb bas fällige Rückspiel aueftraAn. Die 2. Jugenb von Grünberg wirb vor diesem Spiel ihre Kräfte mit ber 2. Jugend von Leihgestern messen. Hier werben die Gäste wohl kaum um eine Niederlage herumkommen.

Betriebssport in den Heereöbetrieben.

Am vergangenen Sonntag kam in ber Bleiborn­kaserne ein Faustballwettkampf zum Austrag, an dem sich 5 Mannschaften beteiligten. Es entwickelten sich spannende Kämpfe. Die Mannschaft der Be­triebssportgemeinschaft ber Bezirkssparkasse Gießen ging als Sieger aus bem Wettkampf hervor. 1. Sieger: Bez.-Sparkasse Gießen; 2. St.-O.-Sport­gemeinschaft Gießen, 3. St.-O.-Sportgemeinschaft Warburg: 4. N.-E.-Abt. 15 Wetzlar; 5. St.-O.-Ver- waltung Wetzlar.

Kurze Sportnotizen.

Zur 17. Hanauer Ruder-Regatta am 27. Juli auf bem Main haben 22 Gemeinschaften aus Hanau, Offenbach, Frankfurt, Aschaffenburg, Gießen, Wiesdaben, Kassel, Mainz und Hann.- Wünben 50 Boote mit 200 Ruberem und Rübe- rinnen gemelbet.

Vorsicht beim Gammeln von Pilzen

Die Dominiks.

Roman von Hellmuth M. Böttcher.

32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nissen ist aufgeftanben.

Das ist hoch selbstverstänblich "

Gut!" Noch eine kleine Pause laßt ber Chef­ingenieur verstreichen, in ber er seine Gebauten ordnet. Dann sagt er:Vielleicht ist das auch bei Weg, ber bem Pflanzenexperiment am nächsten kommt. Denn wir brauchen babel feine so hohen Temperaturen unb bebienen uns bes gleichen Mit­tels zur Wegnahme des Sauerstosfs wie bie Natur cs offenbar anroenbet: des Kohlenstoffs "

Das heißt mir leiten bie Kohlensäure über glühenbe Kohlen?" fragt Nissen.

Sie haben mich verstanden!"

Seitdem arbeitet jeder ber beiben Herren an sei­nem eigenen Projekt.

Die Nordbeutsche Werst hat bie gleiche Anfrage gekriegt wie Dominik nach pncl Eisbrechern unb hunbertunbsünfzig Flußdampfern

Linb setzt sich sofort ins Auto und fährt nach Berlin Er ist ein Mann ber Verbindungen. Warum soll nicht eine darunter fein, die nach Unter den Linden in bie Vertretung ber sübamerikanischen Schiffahrtsgesellschaft führt.

Es ist eine barunter.

Nach brei Tagen kann Lind wieder nach Hause fahren Den Auftrag für die beiden Eisbrecher hat er in der Tasche Der Auftrag für die Flußdampfer ist ihm so gut wie sicher.

So gut wie

Mattheus Lind wejß, was man im geschäftlichen Leben von solchen halben Zusagen zu halten hat.

Er wird in ber nächsten Zeit öfters nach Berlin fahren müssen. Immerhin sinb hunbertunbsünfzig Flußbampfer ein Auftrag, um den man schon ein paar hundert Mark Spesen machen kann. Selbst auf ein paar braune Lappen würde es da nicht an- kommen.

Die Dominiks warten vergeblich auf ihr so sorg- faltig ausgearbeitetes Angebot.

Die Verkaufspraxis der Dominik«Werke ist zu spröde für bas Geschäft mit Südamerika

Seit der Unterredung zwischen Friedrich Dominik und Frinzka ist wieder geraume Zeit vergangen. Frinzko hat aber nichts von sich hören lassen. Das kann bedeuten, daß er die vierwöchige Frist aus- nützen will, es kann aber auch sein, daß er bie Dinge an sich herankommen läßt

Zur Besserung ber Stimmung Friedrich Dominiks kann diese Ungewißheit nicht beitragen. Er hat auch eine Auskunft bei seinem Rechtsanwalt eingeholt, die zwar grundsätzlich bie gleiche Auffassung für ver­tretbar hielt, bie Dominik Frinzka gegenüber ein­genommen hat. Aber ber Anwalt hat auch gleich­zeitig einen Prozeß gegen Frinzka für recht bedenk­lich erklärt. Schon bie ungeheuren Kosten dieses Rechtsverfahrens könnten die Vermögensverhältnisse selbst eines reichen Mannes in Unordnung bringen. Das sei schließlich wieder ein Grund mehr für die Verständigung mit Frinzka, ber, wie jeder Mensch von Einsicht, sich sagen mußte: einen Prozeß, den man oermeibet. hat man halb gewonnen.

Lietzendors hat sich auch roieber als ein Helfer von anftänbigem Charakter erwiesen. In einer gerabe,^u heroisch anmutenden Selbstlosigkeit springt er sei­nem jungen Chef immer wieder mit seinem wissen­schaftlichen Rüstzeug bei, wenn es diesem an ben theoretischen Grundlagen für seine Arbeit fehlt.

So kommt es, daß er selbst mit seinen Planun­gen ins Hintertreffen gerät und Nissen Dominik ihm schnell den Vorrang abläuft

wieder füllen sich Blatt um Blatt mit Zeich- nungen.

Grundrisse und Schnitte entstehen.

Schon ist Nissen so weit, daß er an die Konstruk- Hon ber Einzelteile gehen und Zeichner aus bem Konstruktionsbüro an die Kleinarbeit stellen kann. Denn keiner vermag bem Detail anzusehen, in wel­ches Gesamtbilb es einmal hineingehören wird. An dieser Stelle wäre also sede Geheimnistuerei vom Hebel Sie wurde nur ben Fortschritt ber Arbeit unnütz aufhalten

Dann kommt ber Tag, wo alles so weit vorge­schritten ist, baß man mit ber Ausführung in der Werkstatt beginnen barf.

Für bie Dominik-Werft ist das natürlich nicht bie richtige Arbeit. Das gehört in ben Bereich ber Ma­schinenfabriken. Davon gibt es viele in Deutschlanb, die gerne knifflige Apparaturen nach Zeichnungen liefern.

Nach einem vorsichtig ausgearbeiteten Plan geht Nissen dabei zu Werke. Dann vergibt er bie Her­stellung ber Einzelteile an bie verschiebensten Klein­betriebe.

Keiner ber Fabrikanten hat eine Ahnung bovon, welchen Zwecken ber Hebel, bas Ventil ober bas Guß­ober Schrniebestück bient, bas er zu liefern hat. Nur bie genauen Maße, die Materialvorschriften, bie winzigen Toleranzen, die ihm aufgegeben sind, lasten ihn ahnen, daß es sich um einen Maschinen­teil handelt, an den allerhöchste Präzisionsansprüche gestellt werden

Unb nach unb nach kommen aus allen ©egenben bie Arbeitsstücke wieder, Dreharbeiten, Hobelarhei- teil, Rohre, Hähne, Kolben, Kupplungen, Zahnräder, Nippel, Zapfen, Achsen, Wellen, Lager, Nieten, Keile. Schrauben, Exzenter, Schubstangen.

Aber kaum sinb bie Bauelemente eingetroffen, ba verteilt Nissen sie roieber in bie verschiedenen Ab­teilungen der Sck)losserei unb Maschinenbauroerk- ftatt. Die Leute, die ba zusammenpassen, bohren, schrauben, nieten, drehen, hobeln, schlichten, feilen, schrubben keiner ahnt, wozu seine Arbeit dient, keiner weiß, wie sein Werkstück zu dem seines Nach­bars ober eines ganz entfernt arbeitenden Kame­raden paßt.

Nur Nissen weiß Bescheid. Und Lietzendors.

Sie gehen durch die Fabrikräume. Erklären, er­läutern, verbessern, loben, fabeln, greifen ba unb dort mit zu

Wenn ein Teil fertig montiert ist, wirb er fort- geschasst, in einen gegen sede Sicht verkleideten Teil des Wontageftanbes, zu besten kompliziertem Schloß Nissen allein ben Schlüssel hat.

Keiner barf da hinein.

Nicht einmal ber ßageroerroalter, ber zu allen anberen Abteilungen ben Schlussel hat. Der Wann, ber sich nie im Leben etwas hat zuichulben kommen lasten, ist natürlich gekränkt. Er versteht die Vorsicht nicht, die er für Mißtrauen hält, und läuft herum mit einem Gesicht, daß bie Arbeiter ihre Milch­flaschen vor ihm in Sicherheit bringen, damit ber Inhalt nicht sauer wirb.

Wag er beleidigt sein. Wag er mit Recht ober ohne Recht ben Gekränkten spielen. Es geht hier nicht um ben Wann. Es geht um die Sache. Das hat nichts mehr mit Vertrauen ober Witfrauen zu tun. Es hanbelt sich um Selbstverständlichkeiten.

Unb allmählich sammelt sich Stück für Stück auf bem Wontageftanb.

*

Die Südamerikaner haben sich nun doch noch ge< rührt!

Die Leute brauchen bie Flußbampfer zum Trans­port von ßanbesprobutten zur Küste und für die Einfuhr von technischen Emrichtungen ins Landes- innere. Der Amazonenstrom ist auf 4300 Kilometer schiffbar unb erschließt über 7 Millionen Quadrat­kilometer Land. Von seinen Nebenflüssen sind hun­dert schiffbar. Der Parana ist 3500 Kilometer lang. Daher die große Anzahl von Dampfern mit ver­hältnismäßig kleiner Tonnage.

Mit einem Wale haben bie Herren es eilig.

Urplötzlich kommt ein Anruf aus Berlin, und schon fünf Stunben später ist ein kleiner, lebhafter Herr ba, ber ganz leiblich beutsch spricht unb mit bem man sich barum tabellos verstänbigen kann. Die fertig ausgearbeiteten Vertragsentwürfe hat er gleich mitgevracht. Don Bauttsta be Castro heißt er.

Auf bie Vertragsentwürfe kommt's ihm besonders an. Die sind ihm von Buenos Aires mit Flugpost zugesandt worden, nachdem man dort monatelang mit ber Schwestergesellschaft in Rio be Janeiro über leben Satz unb jebe Bebingung herumgeklügelt hat.

Danach soll bie Dominik-Werft sofort mit bem Bau beginnen unb schon zum 1. Oktober bie ersten brei Flußbampfer liefern. Und dann jeden Monat wieder drei

Dauer des Abkommens vorläufig vier Jahre.

Dominik überrechnet bie Zahlen im Kopf. Sie ver­schlagen ihm ben Atem. Der liebe Gott hat also doch noch einmal ein Einsehen gehabt!

Wozu brauchen Sie aber so viele Dampfer?" fragt er. Er muß irgend etwas sagen, um dem Druck in seinem Herzen Luft zu machen.

Der Südamerikaner erklärt bereitwilligst. Er ist die Liebenswürdigkeit in Person.

(Fortsetzung folgt.)