Verhütet Wald- und Heidebrände
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CREME
schützt
pflegt -
Schuh den Vögeln!
Hecken und Nistkästen als wertvolle Hilfe.
Nach den'gesetzlichen Vorschriften wird, wer vorsätzlich Waldungen in Brand setzt, mit erheblichen Zuchthausstrafen belegt. Wer durch Fahrlässigkeit einen derartigen Brand- herbeisührt, kann Gefängnis bis zu einem Jahr erhalten. Wer an gefährlichen Stellen in Wäldern und auf Heiden oder in gefährlicher Nähe von feuerfangenden Sachen Feuer anzündet, kann mit empfindlichen Geldstrafen oder mit Haft bestraft werden. Diese Bestimmung gilt insbesondere für das Abbrennen von trockenem Gras auf Weiden, Wiesen usw. in der Nähe von Wald. Weiterhin sind Geld- und Haftstrafen angedroht für Personen, die mit unverwahrtem Feuer und Licht Wald- oder Heideflächen betreten, oder sich ihnen in gefahrbringender Weise nähern, wer in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober irrt Walde oder auf Heideflächen raucht, im Wald oder auf Heideflächen brennende oder glimmende Gegenstände fortwirft oder unvorsichtig handhabt, wer ebendort ohne Erlaubnis des Grundstückseigentümers oder seines Vertreters oder des.zuständigen Forstbeamten Feuer anzündet oder das gestattete Feuer gehörig zu beaufsichtigen oder auszulöschen unterläßt, wer schließlich bei Wald- oder Heidebränden, von der Polizeibehörde usw. zur Hilfe aufgeford'ert, keine Hilfe
Zu den Eindrücken, die sich in unserem Erinnerungsbild mit dem Begriff der Heimat verbinden, gehört nicht nur, was unsere Augen sehen, sondern ebenso und oft noch nachhaltiger auch alles, was die Natur mit dem Wipfelrauschen der Wälder, dem sanften oder wilden Lied der Wellen, mit allem Singen und Klingen in Nähe und Ferne an tiefer Empfindung in unserer Seele weckt. Zum Sommermorgen gehört das jubelnde Tirilieren der Lerche, dis aus der Höhe Kaskaden von Tönen herniederrieseln läßt. Wo immer ein Dichter ein Liebesidyll besingt, wird neben dem duftenden Blütenrausch der Syringen das Schluchzen der Nachtigall nicht fehlen. In den Volksliedern lebt der Ruf des Finken und der des Kuckucks, wird von Amsel, Drossel, Fink und Star, von allen Vögeln gesungen! Wir brauchen uns nur der andachtvollen Stimmung zu erinnern, die auf einsamer Wanderung in der tiefen Versunkenheit dämmernder Buchendome oder am schilfgesäumten Ufer deutscher Seen über uns kam, um zu begreifen, wie untrennbar das Singen und Zirpen, das Rufen und Locken der Vögel in das unvergeßliche
wald. Durch einen unglücklichen Zufall war der bedauernswerte Mann mit dem Oberkörper zwischen sein Lastauto und eine anrollende Kipplore mit Steinmaterial geraten, ipobei er so schwer verletzt wurde, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Um den so jäh aus dem Leben abberufenen Mann trauern seine Frau und mehrere kleine Kinder.
mer errichtet, der auch die Leitung der Fachklasie übernommen hat. Bis letzt sind für diese neue Fachklasse der Berufsschule bereits über 20 Schüler vorgemerkt.
** Im Steinbruchtödlichoerungluckt. Am gestriaen Montagmittag verunglückte der 34 Jahre alte Kraftfahrer Franz Urrigshardt, Schottstraße 17 wohnhaft, im Steinbruch im Stadt-
Lied verflochten ist, das die ' Heimat unserem Herzen sang.
Und doch sind wir in Gefahr, dieses köstlichen Volksgutes beraubt zu werden. Was Jahrhunderte zuvor den Sängern des Waldes an Hege und Pflege gaben, was Hecken und Zäune, Nistkästen und winterliche Futterhäuschen ihnen an Heimstatt und Nahrungsmöglichkeit boten, das alles hat ein Zeitalter materiellen Denkens und fortschreitender Sachlichkeit, zwar ohne vorgefaßte Absicht, aber mit umso nachhaltigerer Wirkung genommen. Es ist so manches über die Notwendigkeiten gesprochen worden, um der Erhaltung des Heimatbildes willen, jedoch auch mit Rücksicht auf die unzerstörbare Lebenseinheit von Pflanze, Mensch und Tier eine neue und bewußte Harmonie zwischen Natur und Technik zu schaffen. Dahin gehört auch die schon vom guten alten Brehm erhobene Forderung „Schutz den Vögeln!", — nur in einem tieferen und umfassenderen Sinne, als wir dies je zuvor erfaßt und erfüllt haben.
Mancher wird auch öfters yrit Verwunderung und Bedauern festgestellt haben, um wieviel klang
Jugendliche machen noch immer mit ihren Fahrrädern vollkommen überflüssige Fahrten. Aber auch Erwachsene gibt es, die gern einmal mit ihren Rädern hinaus ins Grüne flitzen, was man begreifen kann und was ihnen auch von Herzen gegönnt wäre, wenn dies zu einem anderen Zeitpunkt geschähe als gerade zu dem jetzigen. Der Stabsführer des Reichsjugendfuhrers hat durch entsprechende Maßnahmen das Radfahren der Hiller-Jugend für die Dauer des Krieges unterbunden. Sein eindringlicher Appell ist nicht ungehört verhallt, und die Hitler-Jugend wird gern das Opfer des Verzichtes auf das Radfahren für die Kriegsdauer auf sich nehmen. , v _
Ein ebenso ernster Appell gilt nun auch den Er- wachsenen. Manche Fahrt könnte eingespart werden, vor allem auch in den Städten. Da gibt es Straßenbahnen, die uns jederzett gut befördern. Aber auch das Laufen ist gesund. „Es ginge alles viel besser, wenn alles mehr ginge", hat einmal ein kluger und erfolgreicher Arzt gesagt. Folgen wir ihm, wir tun dabei etwas für unsere Gesundheit,
Kahrradmäntel und -schlauche schonen Sas Fahrrad nur zur Berufsfahrt verwenden.
und lassen wir die kostbaren Fahrradmäntel und -schläuche für unsere werktätigen Volksgenossen, denen die Entfernungen und Verkehrsverbindungen zu ihren Arbeitsstätten, an denen heute jeder einzelne unentbehrlich ist, Schwierigkeiten bereiten. Wir alle wissen, daß Fahrradmäntel und -schläuche aus dem kostbaren Rohstoff Gummi hergestellt werden. Daß dieser bei uns in Kriegszeiten knapp ist, ist für uns keine Neuigkeit. Und weil wir das wißen, wollen wir alles tun, um die Schwierigkeiten auf diesem Gebiete nicht noch zu verschärfen.
Verzichten wir alle darum jetzt auf überflüssiges Radfahren zugunsten derer, die es aus triftigen Gründen nach wie vor tun müssen. Und je einsichtiger und treuer wir all diese Dinge auch im kleinen befolgen, desto mehr arbeiten wir für den Sieg. Darum heißt unsere Parole: Unser Fahrrad wird jetzt in Ferien geschickt, unsere Mäntel und Schläuche sollen den Werktätigen vorbehalten bleiben! Nach dem Kriege aber dürfen wir wieder mit einem zünftigen „Allheil!", so oft wir nur immer mögen, ins Grüne fahren!
leistet. Auch Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Feld- und Forstpolizeiverordnung oder das Sengen von Rotchecken, über das Brennen von Waldflächen, über jede Art von Usberlandbrennen, wodurch Feuer in benachbarte Waldungen, bestellte Felder oder Weinberge gelangen kann, sowie über Verbrennen liegender oder zusammengebrachter Bodendecken, werden mit Geldstrafe oder Haft bestraft. Außerdem werden der Täter und seine Angehörigen für allen Schaden haftbar gemacht, der durch einen Waldbrand entsteht.
Jedermann ist verpflichtet, bei Wald-, Moor- oder Heidebränden ohne Aufforderung Hilfe zg leisten, bzav. sie sofort zu löschen, sofern er hierzu in der Lage ist: andernfalls ist schnellstens die nächste Forst-, Feuerlöschpolizei- oder Polizeidienststelle zu benachrichtigen. Das Unterlassen dieser Verpflichtung wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder Geld» strafe bestraft. In den letzten Jahren mußte sehr viel über das Abbrennen von trockenem Gras auf Wiesen, Weiden, Böschungen usw. geklagt werden. Cs wird darauf hingewiesen, daß ein solches Ab- brennen von Gras usw. für jedes ht der Nähe befindliches Waldstück mit Feuersgefahr verbunden und deshalb strengstens verboten ist.
ärmer das Konzert unserer gefieberten Sänger ht Wald und Wiese, in Gärten und Hecken geworden ist, soweit wir in unserem deutschen Vaterlande Überhaupt noch Hecken finden können! Kein anderer als der Führer legt die Erhaltung der Hecken, Sträucher und Bäume der Landwirtschaft durch einen Aufruf des Reichsbauernführers im Interesse des Vogelschutzes und deutscher Landschaftsyestal- tung dringend ans Herz. Er selbst hat, wie im letzten Odalheft Heinrich Schröder mitteilt, schon vor einigen Jahren auf dem Obersalzbera 5000 Nistkästen aufhängen lassen und zu ihrer Betreuung einen Dogelwart hauptberuflich eingestellt!
Tatsächlich sind durch bi* Niederlegung von Hecken und Gehölzen — die übrigens auch insofern unentbehrlich find, als sie das Kulturland durch Abhal- tung der sonst ungehindert einfallenden Winde vor Austrocknung und Versteppung bewahren — die meisten Nistmöglichkeiten für unsere heimatliche Vogelwelt verloren gegangen. Der eigentlich für den Notfall plötzlich auftretender Schädlingsgefahr gedachte Masseneinsatz chemischer Spritzmittel zur Insektenvertilgung, der den zehnfachen Kostenauf- wand eines sinnvollen Vogelschutzes erfordert, hat mit den Schädlingen zugleich ungezählte Scharen von Singvögeln durch direkte oder indirekte Aus- Wirkung vernichtet. Ganz abzusehen von der Schädigung unserer Bienenvölker, die als Lieferanten der volkswirtschaftlich und volksgesundheitlich wertvollen Honigs und weiterhin durch die von ihnen vollzogene Befruchtung unserer Obstbäume und vieler anderer Pflanzen unentbehrlich sind. So ist es in jeder Beziehung zu unterschreiben, wenn der Reichsbund für Vogelschutz und die Arbeitsgemein, schäft deutscher Vögelschutzwarte als Hauptpunkt ihres gemeinsam gestalteten Programms die Forderung aufstellten: Weitgehende Wiederherstellung des Gleichgewichts m der Natur! Als erstes Der- suchsgebiet für eine großzügige Durchführung des Programms unter staatlicher Leitung ist der Harz ausersehen, dessen Vogelwelt besonders gefäbrbet erscheint. Für fpäter sind für alle deutschen Gaue Vogelschutz-Aemter geplant.
4 Jahre Zuchthaus wegen Kofferdiebstahl«.
Lpd. Frankfurt a. M., 16. Juni. Der 30jah. rige, aus Marburg an der Lahn gebürtige Karl Sch äfer lebte in Wiesbaden mit einem Mädchen in wilder Ehe. Er drangsalierte das Mädchen häufig, schlug es und hielt es zu Unredlichkeiten an. Das führte zu keinem guten Ende. Kürzlich wurde Schäfer in Wiesbaden wegen Diebereien zu 2Vt Jahren Gefängnis verurteilt und nun erhielt er vom Sondergericht Frankfurt außerdem 4 Jahre Zuchthaus und 4 Jahre Ehrverlust. Das Mädchen hatte nämlich eingestanden, daß Schäfer auch zwei Diebstähle unter Ausnutzung der Verdunkelung begangen halte. Die harmlosere Tat davon war der Diebstahl eines Fahrrades eines Abends vor einem Wiesbadener Kino. Schwerwiegender war ein Kofferdiebstahl am 21. Dezember in einem v-Zug, der wegen Fliegergefahr verdunkelt war. Das Paar kam von Wiesbaden und wollte die Weihnachtstage in der Heimat Schäfers zu- bringen. Der Zug war sehr besetzt. Unterwegs stieg ein Soldat ein, Der feinen Koffer in den Seiten- gang stellte und dabei äußerte: „Es wird sich wohl keiner an meinem Koffer vergreifen". Als bann kurz nach der Abfahrt von Frankfurt im Zug die Lichter ausgingen, raunte Schäfer feiner Begleiterin zu: „Der Koffer gehört uns". Das Mädchen wollte von dem Diebstahl nichts wissen und warnte Schäfer noch mit dem Hinweis auf die strengen Kriegsgesetze. Schäfer aber ließ sich nicht abhalten, packte in Marburg den Koffer und verließ den Zug. Das Sondergericht erachtete, den Angeklagten als Volksschädling und betonte in seinem Urteil, wer sich am Gute eines Soldaten vergreife, der werde schwer bestraft
Iäge r-Giehen geprüft, richtig befunden und von der Generalversarnrnlun genehmigt. Dem Verwaltungsrat wurde Entlastung erteilt.
Die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder, Bauer und Genossenschaftsdirektor Heinrich Schneider- Hungen, Bauer Wilhelm S ch m i d t-Wachenbuchen (Kreis Hanau) und Hermann I h r i n g-Lich wurden wiedergewählt.
Der Vorsitzende dankte in seinen Schlußworten den Angestellten und den Vertretern der Versicherung für ihre treue Mitarbeit und bat die Mitglieder, auch weiterhin für ihr Versicherungs-Umer- nehmen zu werben in der Erkenntnis: Der Einzelne ist nichts, die Gemeinschaft ist alles. Dieser Grundgedanke sei auch fernerhin ihr altes schönes Ziel.
HI.-Schützen im Wettkampf.
Am Sonntagmorgen fand auf den Schießständen am Schützenhaus in Gießen die.Vannmeisterschaft 1941 im KK.-Schießen des Bannes Wetterau (116) statt. Das unter Leitung des Bannfachwartes durchgeführte Schießen wurde bei einer Beteiligung von acht Mannschaften und insgesamt 46 Schützen durchgeführt. Geschossen wurde in den drei Anschlagsarten, liegend, kniend und stehend freihand.
Bester Schütze und damit Bannmeister 1941 wurde Richard Dem (Gefolgschaft 9/116, Schütze n- verein Leihgestern) mit 141 Ringen. Es folgen als 2. Heinz Rau (Bannstab, Schützengesellschaft 1926 Gießen) mit 132 Ringen: 3. Fritz Helf end ein (SRD. 1/116, Schützengesellschaft 1926 Gießen) mit 131 Ringen: 4. Günter Sundheim (Nachrichten 1/116, Schützengesellschaft 1926 Gießen) mit 125 Ringen: 5. Joachim H ö l z e l (Fähnlein 2/116, Schützenverein Gießen) mit 124 Ringen: 6. Wolf- aang Schäfer (Fähnlein 19/116, Postsportgemein- schäft Gießen) mit 122 Ringen; Heinrich Stipp (Gefolgschaft 42/116, Schützenverein Assenheim) mit 120 Ringen: 8. Ernst Schindler (Gefolgschaft 13/116, Schützenverein Steinbach) mit 120 Ringen; 9. Eberhardt B e i g a n g (SRD. 1/116, Schütze n- nerein Gießen) mit 120 Ringen; 10. Ernst Schnei- d e r (Gefolgschaft 13/116, Schützenverein Steinbach) mit 119 Ringen.
In der Mannschaftswertung errang die 1. Mannschaft der Schützengesellschaft T926 Gießen (Heinz Rau 132 Ringe, Fritz Helfendem 131 Ringe, Günter Sund heim 775 Ringe, Kurt Petri 89 Ringe) mit 477 Ringen die Bannmeisterschaft 1941. Än zweiter Stelle folgte die Mannschaft des Schützenoereins Assenheim (Heinrich Stipp 120 Ringe, Klaus Engelbach 116 Ringe, Ernst Künzel 111 Ringe und Wilhelm Fcrulstich 111 Ringe) mit 458 Ringen.
VH6 Gieheu.
Nach einem der schönsten Teile unserer weiteren Umgebung, dem Gebiet des Scheider Waldes, lenkte am Sonntag der VHE. Gießen mit 40 Teilnehmern feine Schritte anläßlich feiner Juniwanderung. Von Eibelshausen, bis wohin die Bahn benutzt wurde, ging es nach dem anmutig am Berghang gelegenen -Eiershausen, um von hier das überaus reizvolle Schwarzbachtal teilweise zu durchschreiten. In kräftigem Anstieg wurde, nachdem der Segelflugplatz passiert war, bas 553 Meter hoch liegende Hirzenhain erreicht, wo die erste Rast gehalten wurde. Auf guter aussichtsreicher Landstraße wanderte man sodann zum Hauptziel des Tages, der rfüt einem 50 Meter hohen Turm versehenen Eschenburg. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge des Scheider Waldes, auf die verschiedenen Orte des Dietzhölzetals, auf die Höhen des Hinterlands des Westerwalds, auf Greifenstein und Hohenfvlms. Auch dem neben der Gaststätte untergebrachten Museum mit zahlreichen Gesteinsarten, Ausgrabungen upd Versteinerungen wurde ein Besuch abgestattet. Nach ausgiebiger Rast erfolgte der Abstieg nach dem schön gelegenen Nanzenbach mit interessanten eigenartigen Fachwerks- bauten, und weiter ging es bann durch das idyllische, von hohen Waldbergen umsäumte Nanzen- bachtal zum Endziel Dillenburg, von wo nach einer Schlußrast die Heimfahrt angetreten wurde.
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** Die Haltestellen der Oberleitungsomnibusse auf den beiden von morgen ab in Betrieb stehenden Linien werden heute in einer Bekanntmachung der Stadtwerke zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
»* Eine Fachklasse für das V ersiehe - rungsgeroerbe wird im Rahmen der hiesigen Berufsschule vom heutigen Tage ab im Zusammenwirken der Deutschen Arbeitsfront, der Jndustrie- und Handelskammer Gießen und der Reichsgruppe Versicherungen durch Versicherungsdirektor Kretsch-
(Nachdruck verboten.)
6. Fortsetzung. 1
rene Wiese. Die durch Näder in
den Boden ge
schnittene Spur ist von Gras überwachsen. Es
Unwillkürlich zuckt Nissens Hand am Zügel. Auch Brigitte hält ihr Pferd an. Die Augen der beiden jungen Menschen halten sich gegenseitig fest.
„Wie meinst du das?" fragt der Mann nach einer Weile.
„So wie ich es sage."
„Sei deutlicher. Bitte."
„Herr Lietzendorf hat darum gebeten, öfters mit mir zusammen sein zu dürfen. Er schlug zufälligerweise den heutigen Nachmittag zu einer Dennis» xartie vor."
„Unverschämtheit! — Und was hast du ihm geantwortet?7'
Das junge Mädchen schüttelt den Kopf.
„Nichts, was ich mir gemerkt hätte. Vielleicht genügt dir aber die Tatsache, daß ich den Nachmittag für dich freigehalten habe. Komm weiter."
Nissen reitet hinter ihr her.
So findet er Zeit, seine Gedanken in Ordnung zu bringen. Natürlich ist nichts dabei, wenn Lietzen- borf bei Linds verkehrt. Ein Betriebsleiter ist kein Sklave. Er kann sich seinen persönlichen Verkeyr suchen, wo er will. Er hat auch nickst die Pflicht, auf die Sentiments der Dominiks dabei Rücksicht zu nehmen.
Seines Vaters Voreingenommenheit hat auch ihm den. klaren Blick getrübt. Wenn wirklich etwas dahinter steckte, bann hätte Brigitte ja njcht von dem Besuch Lietzendorss zu sprechen brauchen. So weltfremd ist die Tochter Mattheus Linds nicht.
Er läßt den Braunen einen kurzen Galopp machen und ist nun wieder dicht neben der Kameradin. Die sieht, ba£ sein Gesicht wieder hell ist und nickt ihm zu.
„Schön heute!"
„Köstlich, Brigitte"
„Ich freue mich, daß ich Lietzendorf abgesagt habe." Und halblaut fährt sie fort: „Ich freue mich, daß du da bist."
„Danke, Brigitte."
Der Himmel ist wieder blau wie Azur und steht
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M.Dottcher.
voller blendender Lichter. Das Wasser glänzt wie Silber und ist spiegelglatt. Nistens Blick wandert weit, weit nach Unendlichkeiten und kehrt bann zurück und ist voller Staunen und voller innerster Beglücktheit.
„Du hast seltsame Augen, Nissen", sagte eine warme Stimme dicht neben seinem Ohr.
Eine hemmende Befangenheit fällt über ihn.
„Du bist der einzige Mensch, der mich mit Dor- unb Vaternamen anredet. Warum tust du das?"
Brigitte lacht. Eine Tonleiter hinauf. Ihr Pferd zuckt nervös mit den Ohrenspitzen. Es hält nicht viel von solchen menschlichen Geräuschen.
„Laune , kichert Brigitte. „Du weißt ja, daß ich voller Launen stecke. Nissen — so nennen dich viele. Dominik nennen dich alle andern. Für mich liegt viel Besonderes gerade im Zusammenklingen deiner beiden Namen. Nissen! Ich habe im Lexikon nach- gesehen. Nissen kommt von Dionys. Und Dominik — das ist trotzig wie altes Herrentum. Und beides miteinander —'oas bist du."
Sie biegen ah und galoppieren landeinwärts. Unter den Hufen der Pferde breitet sich jetzt Grasboden. Jeder Sprung durch die Halme gibt einen leisen surrenden Ton.
Nissen sieht Brigitte heimlich an.
Er ist verliebt--verliebt, ohne es zu wissen.
Auch so etwas gibt es.
Das Meer raunt von ferne. Das Gras um die Pferdehufe zirpt. Der Himmel ist blau.
Herrgott, ist es da ein Wunder, wenn es anfängt im Herzen zu singen und zu klingen.
„Schau dir mal die Birken an", sie weicht feinem heißen Blick aus, „dieses wehende, hauchzarte Geäst, das erste Lenzgrün, wie ein Schimmer von Licht..."
Aber Nissen Dominik ist verliebt.
„Genau so bist du, Brigitte!" sagt er und grüßt das junge Mädchen mit beglückten Augen, „es scheint mir oft so, als trügst du aus einem anderen Sein her die Seele einer Birke .."
Aus ihrem halbgeöffneten Mund leuchten die weißen Zähne.
„Achtung — Graben!"
Sie fliegt schon drüber hin, wie verwachsen mit ihrem Pferde.
Der Waldweg mündet in eine selten durchfah-
blühen Vergißmeinntcht und Wiesenschaumkraut. Da und dort heben erste Sauerampferstauden ihre mit rotbraune^ Schildchen behangenen Stiele.
„Du bist schön, Brigitte", sagt Nissen vor sich hin. Wie oft hat er es schon getan?
Brigitte hält plötzlich ihr Pferd an. Ihr Gesicht ist gerötet von dem wilden Ritt.
„Sag das noch einmal, Nissen Dominik."
Er begreift erst jetzt, daß sie ihn gehört hat.
„Ich habe geträumt."
Sein Blick fliegt zu ihr hinüber und überflutet sie mit einer Fülle von Innerlichkeit.
„Du hast es nicht Horen sollen." Das klingt wie zur Entschuldigung.
„Aber ich habe es gehört--was nun?" scherzt
Brigitte mit ernstem Gesicht. Ein weibliches in» stinkthaftes Urgefühl jagt ihr Gluten in die Stirne.
„Vergiß esr lächelt Nissen und spürt sein Herz schmerzhaft schlagen. '
„Nie!"
Sie erschrickt selbst vor der Hefttgkeit, mit der sie das Wort herausstößt.
„Komm weiter", bittet sie nach einer Weile.
Ihre Hand streicht dem Schimmel durch die Mähne und klopft ihm den Hals.
„Bist du zufrieden mit meiner Reiterei?"
„Ich bin dir böse wegen deines Leichtsinnes, Brigitte, aber... ich möchte immer so hinter dir herjagcn--immer
„Immer, und möchtest mich niemals einholen?"
„Doch!"
„Und bann?"
„Dann möchte ich dich kästen, Brigitte!" bricht es aus ihm heraus.
Ihr ist es, als schlage ihr eine Hand aufs Herz.
Der Schlag tut wohl und wehe.
„Wir wollen umkehren", bittet sie leise, nur um ' etwas zu sagen. Sie hätte ebenso das Gegenteil verlangen können.
Stillschweigend gehorcht Nisten.
Seine Sippen werden schmal und weiß.
Da stolpert der Schimmel über eine Wurzel.
Brigitte verliert bei der plötzlichen Bewegung den Halt und stürzt nach vornüber.
Nissen faßt zu.
Mit raschem, heftigem Griff packt er die Zügel der Stute und reißt sie auf.
I „Danke, Nissen!" sagt sie leise.
1 „Bist du müde?" fragt er. „Du hast dir vorhin
zuviel zugemutet. Das Umkehren ist immer M schwerste." v ~ ■
Sie ertastet versonnen einen dunklen Untertort seiner Worte. „Das Umkehren ist immer dar Schwerste."
„Was denkst du, Brigitte?" ,
„Das hat keine Worte, Nisten — lieber Nisten.
Langsam sinkt das Dunkel auf sie nieder.
Dann reiten sie heim.
Dicht nebeneinander gehen die Pferde.
Manchmal beim Schritt drängen die Reiter m» den Knien zusammen.
Wenn es geschieht, wagt Nissen Dominik nicht zu atmen. Und noch minutenlang später spürt er den Druck wie eine Liebkosung.
Aus der Ferne schallt das Bellen der Hunde in der Dorstadt. Ein Faulbaum gespenstert durch die Dunkelheit und füllt die Luft mit heißem, schwerem Duft.
So reiten sie durch die Stadt.
Lietzendorf begegnet ihnen. Er grüßt, wie es sich gehört. Aber über sein Gesicht zuckt etwas wie ein Lächeln. Nur eine Sekunde. Dann ist das Gesicht wieder glatt und höflich.
„Werdet ihr den U-Boot-Au strag kriegen?" fragt Brigitte.
Nissen ist betroffen.
„Woher weißt du?"
„Vater sprach davon."
,chm."
„Wundert dich das?"
„Wir wissen von unserem eigenen Betriebe nicht so viel wie dein Vater, merkwürdig!"
Brigitte findet es nicht merkwürdig. Wer wie Mattheus Lind seine Hände in hundert Geschäften hat, hort viel. Vielleicht hat er sogar in Berlin bei der Reichsregierung davon gehört. Aber auch in der kleinen Stadt spricht sich so etwas ja herum.
Plötzlich steht zwischen ihnen beiden wieder der Haß ihrer Väter. Sie fühlen es nur dumpf, unbewußt. Es ist nicht so stark wie bas Klingen m ihren Herzen. Aber es ist da.
Dann sind sie am Gartentor der Lindschen Dma.
„Gute Nacht, Brigitte."
„Gute Nacht, lieber Nissen." .
„Dielen Dank für den schönen Tag, liebe Brigitte."
„Das müßte ich dir sagen." ..
Sie reichen sich die Hände, (Fortsetzung


