Mythilene und Chios und der Besetzung der Zyk- laden-Gruppe in der Südägäis durch italienische Verbände am 6. Mai haben die Streitkräfte der verbündeten Achsenmächte vielmehr das Aegäische Meer gegen jeden britischen Vorstoß nach Norden abgeriegelt und gegenüber der langgestreckten Insel Kreta, der nächsten Verteidigungsstellung der Briten im östlichen Mittelmeer, eine starke Bastion bezogen. Denn der Sperriegel schließt mit dem Dodekanesos, dem italienischen Besitz der südlichen Sporaden um Rhodos, unmittelbar an das kleinasiatische Festland an.
Um die strategische Bedeutung dieser hier errichteten Barriere zu ermessen, braucht man sich nur der Ereignisse zu entsinnen, die sich im Weltkrieg in der Aegäis zugetragen haben. Damals war die Bucht von Mudros an der Südküste der jetzt in deutscher Hand befindlichen nordägäischen Insel Lesbos der Hauptstützpunkt der britischen Flotte, die von hier aus sowohl die Landung der alliierten Armee in Saloniki deckte, wie auch Churchills Gallipoli-Unternehmen einleitete, das freilich zu einer der schlimmsten Katastrophen für die Kriegführung der Alliierten im Weltkrieg wurde. Aber auch dann hat die britische Flotte die Aegäis nicht geräumt, vielmehr den größten Wert darauf gelegt, diese wichtige Flankenstellung zu einem der bedeutsamsten Seewege des Empire durch das Mittelmeer und den Suezkanal von sicheren Stützpunkten aus zu beherrschen. England hat dies nach dem Weltkrieg durch Geheimverträge erreicht, zu denen sich die griechischen Regierungen trotz aller Enttäuschungen verstanden, die gerade Englands Versagen im kleinasiatischen Krieg gegen die Türkei Kemal Paschas dem griechischen Volk bereitet hatte. So waren die der britischen Flotte in den griechischen Gewässern eingeräumten Stützpunkte ein wichtiger Stein auf dem Schachbrett der britischen Politik der Sanktionen gegen Italien während des Messinienfeldzuges und der wesentlichste Grund für die Griechenland im Frühjahr 1939 aufgedrängte Garantie, die den Griechen jetzt zum Verhängnis werden sollte.
Neben Mudros auf der Insel Lemnos war es vor allem die Suda-Bucht an der Nordküste Kretas, die England als Flottenstützpunkt damals schon ausgebaut hat. Wenn sie einst als Ausgangs- 'punkt weiträumiger Angriffsoperativnen gedacht war, so ist sie inzwischen zu einer Etappe des britischen Rückzuges im östlichen Mittelmeer geworden. Der geflüchtete Griechenkönig Georg II. und seine englandhörige Regierung sind hier installiert worden auf dem letzten Fleck griechischen Territoriums, aber das kann nicht darüber täuschen, daß es einzig und allein England ist, in dessen Interesse und mit dessen Kräften die Insel verteidigt wird. Die Ernennung des neuseeländischen Generals Freyberg zum Oberbefehlshaber von Kreta erhellt die wahre Situation auf der Insel. Wenn Kreta vor dem Balkanfeldzug nur von dem italienischen Dodekanes aus durch Luftangriffe bedroht schien, liegt die Insel mit der Suda-Bucht und den britischen Flugplätzen heute Tag für Tag unter den Bomben deutscher und italienischer Lustgeschwader, die von ihren neugewonnenen Stützpunkten aus alle Mittel einsetzen können, um die britische Verteidigungskraft auf Kreta zu zermürben und der britischen Flotte den Aufenthalt in der Suda-Bucht zu verleiden. Da der Dodekanes mit der schon zum Levantischen Meer schauenden Insel Rhodos durch die Besetzung der Zykladen aus der Umklammerung befreit ist, in der er durch die übermächtige britische Position im östlichen Mittelmeer gehalten wurde, gewinnt auch er seine große see- und luftstrategische Bedeütung wieder., Sie ist soeben in italienischen Luftangriffen auf die Insel Zypern Gütlich geworden. Auch Zypern ist ebenso wie Kreta der Bevölkerung nach fast rein griechisch, aber britische Kronkolonie. Ihre Lage im Schnittpunkt machtpolitischer Kraftlinien ersten Ranges zwischen drei Erdteilen haben schon seit vorchristlicher Zeit die wechselvolle Geschichte der Insel bestimmt. So war sie,^ obwohl von achaischen Griechen besiedelt, doch nacheinander assyrisch, ägyptisch und persisch, erlebte dann nach den Perserkriegen ihre höchste Blüte, kam nach des großen Alexanders Tod in die Hand der Ptolemäer und nach deren Sturz mit Aegypten unter römische Herrschaft. In der Zeit der Kreuzzüge erlebte sie eine kurze Zeit der Unabhängigkeit unter dem französischen Rittergeschlecht der Lusignan, ging dann für ein Jahrhundert in den Besitz Venedigs über, dessen meerüberbrückende Herrschaft sich damals über die Küsten der Adria, die Insel Korfu, den Peloponnes (Morea), Naxos und Kreta bis zur Insel Zypern erstreckte, aber dann vor dem Ansturm der Türken zerbrach, die auch Zypern be-
setzten und drei Jahrhunderte in Händen hielten, bis eine andere Seemacht, diesmal England, dem inzwischen erschlafften Reich der Osmanen 1878 die Sorge um Zypern abnahm und sich 1914 ganz einverleibte. Dieser kurze historische Rückblick be- leuchtet die Bedeutung, die Zypern ähnlich wie Kreta und Rhodos zu allen Zeiten für Griechen, Mer und Perser so gut wie für Kreuzfahrer .izantiner, für Venedig, die Türkei und England als letzter Schrittstein der Inselbrücke über das östliche Mittelmeer gehabt hat. Heute sind Kreta und Zypern die vorgeschobenen Bastionen der britischen Verteidigungsstellung für Aegypten mit dem Hauptflottenstützpunkt Alexandrien und den Suez- kanal. Sie liegen heute bereits im engsten Bereich der deutschen und italienischen Luftgeschwader ebenso wie ja auch schon Aleandrien und der Suezkanal selbst nicht minder wie Haifa, der wichtigste britische Flottenstützpunkt an der levantinischen Küste und Endpunkt der Mossul-Oelleitung immer wieder die Schlagkraft der Luftwaffe der Achsenmächte zu spüren bekommen.
Politisch ist diese Entwicklung, der Ausschluß Englands von der Aegäis und die Einbeziehung der britischen Stellungen in der Levante in den unmittelbaren Kriegsbereich in zweierlei Hinsicht von größter Bedeutung. Einmal ist der britischen Schiffahrt nun der Hauptverbindungsweg zur Tür
kei gesperrt, denn der führt durch die Dardanellen in das Schwarze Meer, dessen Häfen für den britischen Handel nun ebenso gesverrt sind wie Istanbul und Smyrna. Wenn Enaland trotz vieler Versprechungen weder als Abnehmer türkischer Waren noch als Lieferant von der Türkei begehrter Industrieerzeugnisse wegen der Anspannung seiner Industrie für den eigenen Rüstungsbedarf, aus Tonnagemangel und Devisenfchwund auch nur eint» germaßen befriedigend in Erscheinung treten konnte, so dürste es damit jetzt ganz vorbei sein. Die Türkei wird also schon aus wirtschaftlichen Gründen ihr Gesicht wieder mehr Europa zuwenden, um hinreichend versorgt zu werden und Absatz für ihre Produkte zu finden. Zum anderen hat der britische Rückzug aus der Aegäis auf die levantinischen Stellungen seine psychologische Wirkung auf die ganze arabische Welt nicht verfehlt. Der Freiheitskampf des Iraks, der m den anderen arabischen und vorderasiatischen Staaten mit größter Aufmerksamkeit und unverhohlener Sympathie verfolgt wird, bedeutet für Englands Machtstellung im Vorderen Orient eine nicht unerhebliche Belastungsprobe, die nach der so kläglichen Liquidierung des Churchillschen Balkanabenteuers von England größte Anstrengungen verlangt. Ob es diese hier noch zu leisten vermag, wo die „Schlacht im Atlantik" und die Verteidigung der britischen
Insel seine ganz- Kraft erfordert und die britisch« Armee in Nordafrika wieder auf ihre Ausgangs stellung zurückgeworfen ist, das wird die Zukunst lehren. Der Verlust der Aegäis ist jedenfalls politisch wie strategisch ein schwerer Schlag für Eng« land, der auf die Entwicklung der Gesamtkriegslagß seine Wirkung haben wird. Dr. Fr. W. Lange.
Luftangriffe auf Zypern.
Rom, 16. Mal. (DRV.) Rad) dem italienischen wehrmachtbericht haben im östlichen IMttelmeer italienische Flugzeuge Flug-laheund Bahn, anlagen auf Zypern bombardiert. Feindliche Flugzeuge haben einige Bomben auf Rhodos abgeworfen, ohne weder Opfer noch Schäden zu verursachen. 3n Ostafrika geht der heldenhafte Widerstand der italienischen Truppen um A mb a Aladschi weiter, der in der Geschichte als ein erneutes Sinnbild der Tapferkeit und des Ruhmes der italienischen Soldaten bleiben wird. Die italienische Garnison, von allen Seiten durch starke verbände angegriffen, kämpft unter stetem Artilleriefeuer und Bombenabwürfen des Feindes mit bewährtem Mut weiter und fügt dem Angreifer starke Verluste zu.
66 Betriebe Hesien-Aaffaus mit dem Gaudiplom ausgezeichnet.
Gauleiter Sprenger verkündet vor der Arbeitskammer die Gansieger im 4. Leistnngskampf der Betriebe.
NSG. In der Gauhauptstadt sprach anläßlich einer Tagung der Arbeitskammer Hessen-Nassau (Bauleiter und Reichsstatthalter Sprenger zu Betriebsführern, Betriebsobmännern und den Mitgliedern der Arbeitskammer. Er verlieh an 66 Betriebe des Rhein-Main-Gebietes das Gaudiplom für hervorragende Leistungen.
Gauobmann Becker
wies auf den hohen Prozentsatz der Mitarbeiter der DAF. hin, die unter den Waffen stehen. Trotzdem wurden die mit dem Kriegseinsatz verbum denen Aufgaben auf dem Gebiet des Arbeitseinsatzes, der Betreuung immer neu hinzukommender Arbeitslager, der Frauenarbeit, des Einsatzes fremdländischer Arbeitskräfte usw. ohne Erschütterungen gelöst. Höchsten Dank zollte er dem deutschen Arbeiter, der wiederum, wie so oft, bewiesen hat, daß er Deutschlands treuester und bester Sohn ist. Der schönste Dank gehört aber der deutschen Frau und dem deutschen Mädchen, die heute an Stelle des deutschen Mannes im Betrieb getreten sind. Neben der von den FachabteilungSwaltern und Kreisobmännem durchgefübrten Betreuungsarbeit war es notwendig, den soldatischen Einsatz des deutschen Arbeiters und der deutschen Frau sicherzustellen. Aus diesem Grund wurden seit Kriegsbeginn in 16 Kreisarbeitstagungen 11960 Betriebs» sichrer, Betriebsobmänner, Vertrauensratsmitglieder, Walter und Warte der Deutschen Arbeitsfront erfaßt und 9136 Betriebsversammlungen durchgeführt, an denen 731195 Gefolgschaftsmttglieder teil» nahmen. Laufende Betriebsbesichtigungen sorgten dafür, daß auch während des Krieges das Erreichte erhalten und vergrößert wurde. Hierbei wurden 763 Betriebe mit rund 160 000 Gefolgfchaftsmit- aliedern erfaßt. Die kulturelle Bedeutung durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wunde während des Krieges auf die Wehrmacht ausgedehnt. Das Amt Wandern führte 1610 Wanderungen mit 35 500 Teilnehmern durch. An 46 046 Sportkursen nahmen 975 014 Arbeitskameraden und -kamera- binnen teil. Die zivile Betreuung des Amtes Feierabend umfaßt feit Kriegsbeginn 10 453 Vorstellungen mit 2 925 038 Besuchern, die Wehrmachtsbetreuung 5345 Vorstellungen mit 1 637 799 Besuchern. Die Leistungen des Deutschen Volksbildungswerkes umfassen 29 733 Veranstaltungen mit 1205 435 Teilnehmern. Der Leistungsiampf der deutschen Betriebe weist eine ständig zunehmende Teilnehmerzahl auf. Der Gau besitzt heute 15 NS.-Musterbe- triebe und 187 Gaudiplomträger. 63 Betrieben konnte das Leistungsabzeichen verliehen werden. Zu Beendigung des 4. Leistungskampfes konnte Gau» obmann Becker dem Gauleiter sämtliche Gaudiplom- ttäger bis auf einen Betrieb zur Mderbestätigung und erneut 66 Betriebe für das Gaudiplom vor-
schlagen. Der Gauobmann gab bekannt, daß Reichs» leiter Dr. Ley der B a u u n t e r n e h m u n g Karl Hofmann II. in Ortenberg und dem Tobis-Film»Verleih in Frankfurt das Leistungsabzeichen für vorbildliche Förderung von „Kraft durch Freude" verliehen hat. Für die Zukunft beabsichtigt der Gauobmann, vierteljährlich die Betriebsführer, Betriebsobmänner der NS.-Mufter- betriebe und der Träger der Gaudiplome und Lei« ftungsabzeichen zusammenzurufen, um Erfahrungen und Verbesserungen auszutauschen und die Ausrichtung für alle anderen Betriebe des Gaues abzugeben.
Gauleiter Sprenger
betonte, daß der stolze Bericht des Gauobmannes um so mehr zu bewerten ist, als diese Leistung in den Krieg fällt. Es kann dies aber auch nicht anders sein, da das deutsche Volk durch den Führer zur Volksgemeinschaft erzogen ist. Der bevorstehende Entscheidungskampf fordert, daß mir das Höchste leisten, was je in der Welt geleistet worden ist. Der Führer hat im Parteiprogramm festgelegt, daß keiner am Kriege zu verdienen hat; denn wenn es um das Leben des Volkes geht, hat jeder zu dienen und nicht zu verdienen. Aufgabe des Betriebsführers ist es, feinen Betrieb in Ordnung zu halten. Es muß in Deutschland jeder das Gefühl haben,
daß jeder arbeitet und das Höchste und Letzte leistet. Höchste Kameradschaft gibt höchste Leistungsstetge- rung, rief Gauleiter Sprenger den Betriebsfuhrern mahnend zu und richtete an sie den Appell, auf die Berufserziehung der Jugend das größte Augenmerk zu richten. Der Leistungskampf bedeutet eine Fortsetzung dieser Berufserziehung. In diesen Rahmen gehören auch die Grundsätze der Durch- sührung von „Schönheit der Arbeit", das gut angelegtes Betriebskapital bedeutet. Gauleiter Sprenger sprach besonderen Dank der deutschen Frau aus, die sich so bereitwillig in dis Lücken gestellt hat, die die Einberufung der Männer gelassen hat. Im Jahr der Entscheidung wird ihrs Zahl auf der Grundlage freiwilligen Entschlusses noch größer werden müssen. Der Gauleiter wies die Partei an, die Einzelnen zu erfaßen. Jede Frau muß wissen, daß wir um das Sein jedes einzelnen kämpfen und daß es daher Pflicht ist, daß auch diejenigen arbeiten, die bisher in ihrem Leben noch nicht gearbeitet haben. Deutschland erkämpft sich sein Lebensrecht. So marschieren wir geschlossen, so werden wir schlagen und siegen. Hier- | bei sind die Betriebsführer wichtig, die an der Spitze der Waffenschmieden stehen. Jetzt fällt die Entscheidung, und wir alle wollen mit dabei sein. Wir werden so schlagen, daß wir auf tausend Jahre bestehen können.
Die neuen Träger des Gandiploms.
Fachabteilung Nahrung und Genuß: 1. Nibe» lungenmühle Carl Auer, Worms. 2. Weingut Louis Guntrum, Kelterei und Weingroßhandlung, Nier- stein a. Rh. 3. Weinessigfabrik Klostereck, Dr. Hammer & Co., Flonheim (Kr. Alzey). 4. Krapf & Arnold, Kakao- und Schokoladefabrik, Frankfurt. 5. Matheus Müller, Eltville a. Rh. 6. Moguntia-Werke, Mainz. 7. Nassauer Löwenbrauerei G. m. b. H., Nassau. .
Fachabtettung Textil: 1. Gebr. Foucar, Streichgarn-Spinnerei, Köppern im Taunus. 2. Wollwarenfabrik Zell, G. m. b. H., Zell im Odenwald.
Fachabteilung Bekleidung—Leder: 1. Dampfwaschanstalt W. Dörr, Wiesbaden-Bierstadt. 2. Reinhard 8z Eberhard, Lederwarenfabrik, Jügesheim b. Offenbach.
Fachabteilung Bau: 1. Martin Abermann. Hoch-, Tief-, Eifenbetonbay G. m. b. H., Gieße n. 2. Dyckerhoff 8z Widmann, Bauunternehmung, Wiesbaden. 3. Faber 8z Schnepp, Hoch- und Tiefbau, Gießen.
Fachabteilung Wald und Holz: 1. Gebr. Dich- mann AG., Fabrik für Holzbearbeitung, Kelkheim im Taunus. 2. „Reform" -F üllfederhalter-Fabrik
Heinz 8z Jung, Nieder-Ramstadt. 3. Bernhard Koziol, Odenwälder Spritzguhwerk, Michelstadt. 4. Preußisches Forstarnt, Burgzoß. 5. Oskar Widmer, Fabrik von Selbstrollern und Rulos, Heppenheim.
Fachabteilung Eisen und Metall: 1. Daimler- Benz AG, Niederlassung, Frankfurt. 2. Daimler- Benz AG., Lastwaaeninstandsehungswerkstätte, Mainz. 3. Frank'sche Eisenwerke AG., Adolfshütts, Niederscheld. 4. Alexander Michel 8z Co., Spritzgießerei, Wiesbaden. 5. H. Moeller, Werk Lochmühle, Schlangenbad im Taunus. 6. Carl Schenck, Eisengießerei und Maschinenfabrik, G. m. b. H., Darmstadt. 7. Schunk8zEbe, Kohlebürsten« und Bürstenhalter-Fabrik, Gießen. 8. Technische Büros der Siemens 8z Halske AG. und Siemens» Schuckertwerke AG., Frankfurt. 9. Heinrich Wörner, Spezialartikel für die Fahrzeugindustrie, Frankfurt- Fechenheim.
Fachabteilung Chemie: 1. Bykopharm, Arznei-, mittelfabrik G. m. b. H., Frankfurt. 2. Deutschs Kunstlederwerke, Wolfgang G m. b. H., Wolfgang. 3. I. G.-Farbenindustrie AG., Frankfurt-Höchstt 4. Lyssia-Werke, Chemisch-Pharmazeutische Fabrik«
„Ohm Krüger" - „Film der Nation."
Erstaufführung im Gießener Gloria-Palast.
Der Tobis-Film „Ohm Krüger" wurde unter der künstlerischen Oberleitung von Emil Jannings und mit ihm in der Titelrolle vom Regisseur Hans S t e i n h o f s gedreht. Das Drehbuch schrieben Ha» rald Bratt und Kurt Heuser unter freier Benutzung von Motiven aus dem Roman „Mann ohne Volk" von Arnold Krieger. Der Film erhielt als erster das Prädikat „Film der Nation", mit dem eine vorbildliche Vereinigung höchster staatspolitischer und künstlerischer Qualitäten bezeichnet werden soll; das bedeutet in diesem Falle im besonderen: Film als Dokument und Anschauungsunterricht, Film als politische Waffe und kriegführende Macht, Film als vernichtende Anklage und aufrüttelnde Fanfare des Kampfes. Obwohl ,^)hm Krüger" ein historischer Film ist, ist er im höchsten Grade aktuell; er enthält die Geschichte des Kampfes der Buren gegen die Engländer in Südafrika. Aktuell: mit diesem Wort soll nicht jener Krieg der Transvaaler mit dem gegenwärtigen Freiheitskampfe des Großdeutschen Reiches identifiziert werden; gezeigt wird aber, daß der Gegner der Buren damals der gleiche war, gegen den wir heute angetreten find, und daß die Methoden der englischen Politik und Kriegführung sich nicht geändert haben bis auf den heutigen Tag^
Der Inhalt ist, obwohl der Film regiemäßig, per- sonell und auch seiner Ablaufdauer nach monumentale Ausmaße zeigt, auf eine knappe Formel zu bringen: er handelt vom Kampfe der Buren um ihr Land und ihre Freiheit. Ähr Unglück war, daß in dem Gebiet, das sie nach langem Treck mit Weib und Kind, mit Wagen und Vieh und aller Habe erreicht und zu ihrem Wohnsitz ausersehen hatten, sich die reichsten Goldlager der Erde befanden.. Die Engländer richteten alsbald ihre Politik darauf, dieses Gold in ihren Besitz zu bringen; da sie weder durch Vertragschließung noch durch Anzettelung von Unruhen unter den Eingeborenen Mm Ziele gelangten, bfitb nach britischer Auffassung nur die
einfache Lösung, die Buren mit Krieg zu überziehen. Der Krieg wurde mit der ganzen Grausamkeit und Gemeinheit geführt, deren sich England von jeher, bis auf den heutigen Tag, bedient hat. Zwar blieben die Buren, mit Begeisterung und Tapferkeit gegen die Uebermacht kämpfend, anfangs überall siegreich, aber dann begannen die Briten unter Kitcheners Oberbefehl einen Krieg, der sich nicht mehr nur gegen die kämpfenden Männer richtete, sondern mit grenzenloser Unmenschlichkeit auch gegen wehrlose Frauen und Kinder. Die Mittel dieses Krieges, der mit der politischen Vernichtung des Burenvolkes endete, waren Mord und Brand, Vergewaltigung und Hunger. 26 000 Frauen und Kinder der Buren sind in den berüchtigten britischen Konzentrationslagern in Südafrika elend umgekommen.
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Das ist, in großen Umriffen, der Kern der Fabel. Es kann nicht die Aufgabe dieses Berichtes sein, sie in allen Einzelheiten nachzuerzählen, aber es erscheint notwendig, einige Szenen heroorzuheben, welche die gegenwärtige Bedeutung der geschichtliche Vorgänge mit schonungsloser Schärfe beleuchten. Also als eine der eindrucksvollsten etwa jene, wo britische Missionare, das Gebetbuch in der Hand, mit frommem Augenaufschlag und unter dem Gesänge „God save the Queen“ Gewehre an die Eingeborenen verteilen. Oder jene zwischen der Queen und ihrem Kolonialminister, und die Verhandlung zwischen Cecil Rhodes und Krüger: beide sind Paradebeispiele für Theorie und Maximen der britischen Politik. Die Anwendung in der Praxis ist wahrhaft schauerlich. Es entspricht dem Charakter dieses Films, daß er nichts verschweigt oder de- schönigt; er sagt grausige Wahrheiten, und die Szenen des zweiten Teiles, der, beginnend mit dem Londoner Kriegsrat, das Ende des burischen Frei- heitskampfes schildert, sind Dokumente unauslöschlicher britischer Schande. Man sieht dia englische Soldateska über wehrlose Frauen herfÄlen und die
Farmen der Buren in Asche legen. Man vernimmt, wie sie Frauen und Kinder als Kugelfang gegen die Scharen de Wets benutzen, man erlebt den ganzen Jammer der höllischen Konzentrattonslager, wo Frauen und Kinder zu Tausenden an Hunger und Typhus sterben, wo täglich die Leichen in die Grude geworfen und verscharrt werden. Krügers Sohn Ian wird vor den Augen feiner jungen Frau gehenkt, und als die verzweifelten Burinnen sich auf ihre Peiniger stürzen wollen, feuern die Briten wahllos in ihre dichtgedrängten Reihen, bis das weite Feld mit Toten bedeckt ist; nachdem die Salven verhallt, sind, ist nichts mehr zu hören als das jammervolle Weinen eines Kindes. — Dokument der Schande. Aber es ist festzustellen, daß die Szenen des Films die Schrecken der damaligen Wirklichkeit bei weitem mcht erreichen. —
Dem Spielleiter Hans S t e i n h o f f ist die wech- felfeitige Durchdringung der geschichtlichen und der aktuellen Elemente des Drehbuches auf eine vollkommene Weife gelungen. Er gab den entscheidenden Szenen eine aggressive Wucht, eine politische Stoßkraft, Anschaulichkeit und Ueberzeugungsge- walt, der sich kein Besucher wird entziehen können. Der Regie standen außerordentliche Mittel für die Verwirklichung dieses Dokumentes zur Verfügung, und Steinhoff hat es verstanden, alle Darsteller den Intentionen des Buches unterzuordnen und mit untrüglicher Witterung für ihre spezifische Wirkung und Ausdrucksmöglichkeit einzusetzen. Es war ein großes Aufgebot von Darstellern am Merke, und mit guten Grunde hat man „Ohm Krüger" den Film der vielen Gesichter genannt. Das unvergeßlichste unter ihnen gehört Emil Jan- nings, welcher der langen Reihe seiner monumentalen Filmgestalten mit dem Präsidenten Krüger eine schwer zu überbietende Krönung gibt. Für das äußere wie innere Bild der Rolle scheint uns eine großartige Zeichnung Gulbranssons aus dem „Simplicissimus" den treffenden Ausdruck gefunden zu haben: sie ist überschrieben „Ohm Jannings" und trägt die Unterschrift: „Wenn ich nicht wüßte, daß ich Ohm Krüger bin, möchte ich meinen, ich sei Emil Jannings!" Der verblüffend naturgetreuen Maske entspricht das Bild des Charakters. Dieser Präsident Krügen wie ihn darstellt,
ist der ehrwürdigste Repräsentant der Buren, diS Seele ihres Kampfes gegen England: eine mythisch verwitterte Erscheinung, Oberhaupt seiner Familie, Vater des Vaterlandes, Führer feines tapferen Voll kes — dies alles sehr schlicht, menschlich und über« zeugend, anfangs auch nicht ohne Humor gege« ben — zuletzt hilflos, erblindet, geschlagen durch Europas Hauptstädte und Fürstenhöfe irrend, ein Richter und Rächer von prophetischer Gewalt. In den Szenen mit der Queen, mit Rhodes, mit seinem Sohne Jan sammelte Jannings die ganze menfch« liche Fülle und staatsmännische Bedeutung betf historischen Persönlichkeit.
Einer seiner darstellerisch markantesten Gegen« spieler ist Ferdinand Marian als Rhodes; es ist sicher kein Zufall, daß man sich immer roiebet an seinen ,Hud Süß" erinnert fühlt: beide Figuren sind aus dem gleichen Geiste und mit den selben Mitteln gestaltet. Hedwig Mangel ist die Queert Viktoria, anfangs eine bei aller Leibesfülle gefähr- liche Majestät, zuletzt, auf dem Totenbett, eine ge< fpenftig verzerrte, keuchende Wahrsagerin. Eins fabelhafte Leistung, gleicherweise vollendet in Maske und halblautem Tonfall, gibt Gründ« g e n 5 als Kolonialminister Chamberlain. Zwei schlechthin erschreckende Vollstrecker englischer Kolo« nialkriegführung: Schafheitlin als Kitchener, Wernicke als Kommandant des Konzentrations« laaers. Werner Hinz gestalt^ überzeugend di- tiefe Wandlung des jungen JaM Krüger. An der Seite des Präsidenten und an der Spitze des Lei« denszuges der Burenfrauen steht in schlichter Größ- die Staatsschauspielerin Lucy Höflich. Gisela Uhlen, Elisabeth Flickenschildt und Hilde Körber zeichnen einige der jammervollsten Schicksale hinter dem Stacheldraht des Todeslagers. Fntz Hoopts (Kornett Colson), H. H. Schau fuß (Arzt) und Flockina von P l a t e n (Agentin) feien noch genannt. — Den rücksichtslosen RecMsmus der Bilder formte der Kameramann Fritzarno Wag« n er.
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Die Wochenschau und ein Jongleur- und Kraft« akt auf der Bühne vervollständigen das dreistündige Programm. Hans Thyriot


