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Oer Gammler.

Von Sigismund v. Radecki.

Schon als unschuldiges Kind traf mich jener ent­scheidende Augenblick, da das Sandkuchenbacken meinen Erlebnishunger unbefriedigt ließ, und ich aus einer leidlich gelungenen Torte ein Steinchen herausgrub und stumm vor mich hinlegte. Es war der Grundstein meiner Sammlung, und ich ward ich selbst: ein Sammler. Einer, der die ganze Mi­mik des Lebens, einschließlich Sport, Beruf und Ehe ergeben mitmacht und sich dennoch mit Sta- cheldraht ein Naturschutzgebiet seiner Seele reser­viert sein Sammeln. Anfangs waren's also Steinchen, und wenn ich es genau überlege, hätte ich dabei bleiben sollen; denn Steinchen sind das ideale Sammelobjekt: zugleich das unbeachtetste und das schönste. Besonders wenn sie angeschliffen wer­den.

Dann spaltet sich dieser Urtrieb des Steinchen- sammelns in das bekannte M und W, in die Brief­marke und die Puppenkollektion: der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, fei's auch nur per Poft, und die Frau besinnt sich aus ihren eigent­lichen Beruf. Die menschliche Seele fliegt im Wort inkarniert, darauf zu Tinte verflüssigt und einge­trocknet, mit weißen Papierflügeln über Länder und Meere und trägt jedesmal eine Marke aufgeklebt: und so etwas Wunderbares sollte man sam­meln?!... Stück für Stück eroberte man sich die bunten Quadratzentimeter der fernsten Länder, und ich fühle noch heute eine kleine Schwäche für die roteAegypten" mit den Pyramiden oder die große blaueKolumbus eins". Leider aber entwickelt Markensammeln die kindlich schlummernden Scha­cherinstinkte. Ach, ich hängte jemand eineNorme- gen" für eineHonduras" an und darauf, von Reue ergriffen, das Markensammeln an den Nagel, wobei ich meine ganze Kollektion für eineDjibouti mit Giraffe" austauschte, die ich dann irgendwie verloren habe...

Darauf, so etwa mit neun Jahren, sammelte ich Worte. Unsagbar seltsame Worte, die ich mir vor­her selber machte und deren mystischen Sinn man nur dunkel ahnen konnte. Das war das Schöne daran. Versteckt im Garten, sprach ich sie mir vor wie ein Schlangenbeschwörer, und sie wurden plötz-

Dnjepropetrowsk den Dnsepr überschritten, wonach sie also der Armee Timoschenkos, die sich angeblicy auf einer siegreichen Offensive gegen uns befand, das Spiel abgewonnen und im Kernpunkt der bol­schewistischen Front die Armee Timoschenkos in große Gefahr gebracht hätten. Hinzu kommt, daß die Lage um Leningrad sich zusehends für die Sowjets verschlechtert hat. Die britische Propa­ganda hatte wochenlang gefaselt, Woroschilow, der dort die Sowjetstreitkräfte kommandiert, habe solche Verteidigungsmaßnahmen getroffen, daß die Deut­schen noch weit vom Weichbild Leningrads entfernt seien. Als der Wehrmachtbericht meldete, Leningrad sei eingeschlossen, wußten die Schreibtisch-Strategen Londons das besser und behaupteten, die Meldung sei unmöglich. Jetzt gestehen sie, sie wüßten über­haupt nichts, die Lage sei so undurchsichtig, daß die englischen Kommentatoren nicht wagen könnten, irgend etwas vorauszusagen.

In Wirklichkeit ist die Sachlage ganz klar. Wir sind durch die Verteidigungslinien von Leningrad gedrungen und halten die Stadt mit ihren gewal­tigen Industrieanlagen in eiserner Umklammerung, und zu Beginn der 13. Kriegswoche im Osten be­richtet das OKW. lakonisch, durch den günstigen Verlauf der Operationen bahnten sich neue Schlach­tenerfolge an. Am Montag hieß es: ,Lm Osten sind große Angriffsoperationen im erfolgreichen Fortschreiten." Die Front ist in Bewegung. Die

Sprache der Wehrmachtberichte ist eindeutig. Lenin­grad ist das hat ein englischer Pfiffikus sehr gut herausgefunden nur ein Entscheidungszentrum neben anderen. Schon beginnen PK.-Berichte und besondere militärische Meldungen uns vorzubereiten. Am Sonntag, 14. September, haben starke Ver­bände deutscher Sturzkampfflugzeuge feindliche Be­festigungsanlagen auf der Landbrücke zur Krim erfolgreich angegriffen. Der Kriegsberichter Dr. Jof. Rieder meldet, daß schon seit drei Tagen der leichte Flakzug, dem er angehört, vorne a m O stufer des Dnjepr liegt. Es ist also ein Brückenkopf gebildet worden. Und der PK.-Bericht fährt fort:Dieser Brückenkopf das wissen die Sowjets so gut wie wir, ist die Schlüsselstellung für den weiteren Kampfabschnitt, das Einfallstor in das Donezbecken und zur Krim. Wenn wir über diesen Fluß gekommen sind, wenn der Vormarsch hier einmal rollt, dann ist er nicht mehr aufzuhal­ten." Nun, sie sind über diesen Fluß gekommen. Das war drei Tage vor Ablieferung des VK.-Be- richts, der den Kampf der Flakabteilung, der der PK.-Mann angehörte, um den so wichtigen Ueber- gang über den Dnjepr schildert. Was jeder ver­muten konnte, ist eingetreten: Der Nordflügel der Front ist in seinem Kampf um Leningrad nicht allein geblieben. Die Front bewegt sich. Sie stürmt. Sie weiß, worum es geht. Das deutsche Volk wird bald die Ergebnisse im einzelnen hören.

England will die Vernichtung

der deutschen",

Ä

irtschast.

Stockholm, 16. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Daß die bekanntgewordenen Aeußerungen über die wirtschaftliche Lähmung des deutschen Volkes, die Millionen dem Hungertode überliefern müßte, nicht Uebertreibungen von Außenseitern darstellen, geht daraus hervor, daß eine führende britische Wirt- schaftszeitschrift, die LondonerFinancial News", einen Artikel veröffentlicht, der die gleiche Forderung aufstellt. Der Hauptschriftleiter des Blat­tes P. Einzig (!) erklärt, in der Atlantlikdeklaration habe man zwar von der Notwendigkeit der wirt­schaftlichen Gleichberechtigung aller Völker und ihres gleichmäßigen Zugangs zu den Rohstoff-Lagern der Erde gesprochen, Deutschland gegenüber müsse man aber gewisse Vorsichtsmaßregeln treffen. Die von Roosevelt und Churchill geplante Ent­waffnung Deutschlands müsse auch wirt­schaftlicher Natur sein. Der deutsche Aufschwung der Jahre 1933 bis 1939 dürfe sich nicht wiederho­len. Infolgedessen sei es unbedingt notwendig, daß nicht nur die deutsche Rüstungsindustrie

zerschlagen, sondern auch die deutsche Werk- Zeugmaschinenindustrie vernichtet werde. Das gleiche gelte für alle Anlagen zur E r - zeugung synthetischen Oels und syn­thetischen Gummis, da Deutschland dadurch von der Einfuhr aus Uebersee abhängig würde. Man dürfe es Deutschland überhaupt nicht erlau­ben, synthetische Rohstoffe zu erzeugen, sondern müsse es zwingen, diese, soweit es sie noch benö­tige, von Uebersee zu beziehen, denn nur dann habe man die stete Kontrolle über die Entwick­lung der deutschen Industrie. Besonders notwendig aber sei es, daß Deutschland von seinem Han­del nach do st en und Osten für alle Zei­ten abgeschnitten werde. Je mehr Deutsch­land vom Ueberseehandel abhängig sei, desto we­niger bestehe die Gefahr, daß es noch einmal so mächtig werde, um den Staaten des Westens zu widerstehen, denn die Ueberseemärkte und die Ueber- seerohstoffguellen könnten Deutschland jederzeit durch eine Seeblockade abgeschnitten werden.

Finnland kämpst bis zum Endsiege.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Auf dem fabelhaften Atlantiktreffen Roosevelts und Churchills war unter einem Wust finsterer Anschläge auch der Plan ausgeheckt worden, Finnland zu einem Separatfrieden zu bewegen. Befehlseifria wußten englische und kriegs­hetzerische amerikanische Zeitungen zu melden, Finnland stehe bereits in Sonderfriedensverhand­lungen mit Moskau. Dabei hatten Roosevelt und Churchill im Drange ihres Eifers übersehen, daß Finnland zu den Waffen griff, um ihm schnöde ge­raubtes Gebiet zurückzugewinnen, daß das kleine Finnland ja im Vorjahre trotz des Friedensschlusses mit Moskau vom Bolschewismus übergeschluckt werden sollte, daß nur das Wort des Führers, gegenüber den Ansinnen Molotows, diese bolsche­wistische Absicht zu billigen, die finnische Unab­hängigkeit gerettet hat. Das finnische Volk führt also im wahrsten Sinne des Wortes diesen Krieg mit Moskau um seine Existenz. Wenn Churchill und Roosevelt, wie dieTimes" ausplauderte, dem Bolschewismus die Herrschaft über Europa einge­räumt haben, dann ist es selbstverständlich, daß mit dem Siege dieser drei auch die Selbständigkeit Finnlands erledigt wäre. Aus alledem ergibt sich schon, daß es geradezu Selbstmord bedeuten würde, wenn die Finnen sich mit dem bolschewistischen Erzfeind aussöhnten.

Die Siege der Finnen über Stalins Horden waren eine Antwort, die man in London und

Washington sehr wohl verstand. Darüber hinaus aber wurde auch politisch das richtige Mittel er­griffen. In den USA. t)at der finnische Gesandte ein Blau-Weiß-Buch erscheinen lassen, in dem doku­mentarisch nachgowiesen wird, daß Finnlands Selbständigkeit immer wieder durch den Bolschewis­mus unterwühlt wurde. Marschall Manner- h e i m, der Sieger über den Bolschewismus, hat erklärt, nur die völlige Vernichtung der bolschewisti­schen Pest sei das Ziel Finnlands. Zu Beginn dieses Monats nahmen die finnischen Gewerkschaf- t e n eine Entschließung an, die inhaltlich das gleiche besagte, und der Mehrheitssozialistenführer und frühere finnische Ministerpräsident Tanner hat letzt wiederum sich scharf gegen den Bolschewismus gewandt, der als Erzfeind jeder Kultur wie ein ätzendes Gift überall Störungen und Verwirrungen hervorzurufen bestrebt war, um dann zu ernten. Er verwies schon am 10. September darauf, daß die riesenhafte Bewaffnung der Sowjets einen roten Generalangriff gegen die abendländische Kultur, und damit auch gegen die finnische, bezweckt hatte. Und jetzt sagte Tanner, die Gerüchte über einen finnisch- moskowitischen Sonderfrieden seien echt englisch- amerikanische Fabrikate. Durch den Rundfunk und die Zeitungen verbreite man erfundene Gerüchte, nach welchen Finnland große Verluste im Kriege erlitten hätte und das Volk kriegsmüde sei. Deshalb erzähle man, es gebe hier eine starke Friedens-

Deutsches Kulturschaffen im Kriege.

Oie Tagung des Auslandsamtes der Dozentenschaft.

München, 15. September. (DNB.) Unter dem MottoDeutsches Kulturschaffen" eröffnete des Auslandsamt der Dozentenschaft der deutschen Uni­versitäten und Hochschulen eine Tagung, an der 85 ausländische Künstler und Gelehrte und etwa 70 Deutsche teilnahmen. Reichsdozentenführer Dr. Schultze eröffnete die Tagung mit einer Rede, in der er den Kulturniedergang bei unseren Geg­nern und den Aufstieg der neuen deutschen und europäischen Kultur begründete. Der Staatssekretär im Reichsministerium für Dolksaufklärung und Propaganda, G u t t e r e r, legte die Grundzüge der deutschen Kulturpolitik dar. Mit dem Führer bekenne sich das deutsche Volk aus tiefstem Herzen und aus voller Ueberzeugung zur Kunst als einem der entscheidendsten Faktoren des völkischen Lebens. Der Kampf des nationalsozialistischen Reiches gegen den kulturzerstörenden Bolschewismus beweise ein­deutig die kulturelle Aufbauarbeit Deutschlands. Die größte Aufgabe der Reichskulturkammer sei, an die Stelle eines unfruchtbaren schranken- und wil­lenlosen Individualismus eine höhere Einheit, das Gemeinschaftsgefühl, zu setzen, das volksverbunden und verwurzelt niemals mit dem gleichmachenden und unschöpferischen Kollektivismus verwechselt werden dürfte. Heute dränge das Volk aus einem wahren Hunger nach Kunst sich in die Theater und Ausstellungen. Es sei kein Geheimnis, daß wir zu

wenig Theater, zu wenig Schauspieler und Musiker haben, um die kulturelle Sehnsucht unseres Volkes zu stillen. Das nationalsozialistische Theater sei weit offen allen guten Kräften. Alljährlich werden im Reiche etwa 300 bis 400 neue Werke des drama­tischen und musikalischen Schaffens uraufgeführt. In der Spielzeit 1940-41 würden 353 Theater mit 345 000 Plätzen bespielt, außerdem waren 50 Bau­erntheater, 30 Mundartbühnen, 28 Laienspielbüh­nen, 84 Wanderbühnen und 44 Sommerbühnen tätig. 1939 wurden in den Filmtheatern 623,7 Mil­lionen Besucher gezählt. In einem Jahr stieg die ^Zahl um fast 34 v. H. Weiter hob Staatssekretär Gutterer das' Anwachsen der Zahl der Rundfunk- hörer auf 15 Millionen und die Tätigkeit von über 170 Orchestern hervor. Die Gesamtauflagehöhe des im Jahre 1940 erschienenen Schrifttums sei auf tast 250 Millionen angewachsen, was auf jeden Ein­wohner des Reiches im Durchschnitt fast drei Stück betrage. Zwölf große Buchausstellungen im Aus­land trugen die Kenntnis von unserem Buch auch in fremde Länder. Es sei ein Zeichen der Stärke, daß uns die Kunst im Kriege doppelt wertvoll ge­worden ist, weil sie uns die höchsten Lebenswerte offenbart und weil sie seelische und geistige Wider­standskraft von Volk und Führung stärkt und ver­tieft.

Partei, auf deren Veranlassung man durch Vermitt­ler Friebensverhan'dlungen mit der Sowjetunion erbeten hätte. Die Absichten dieser Gerüchte ist klar, führte Tanner aus. Man versucht, eine Zersplitte­rung zu bewirken und nur die militärische Lage der Sowjetunion zumindest an der Leningrader Front und an der Murman-Bahn zu erleichtern. Selbstverständlich sind diese Gerüchte v o ll st ä n - d i g grundlos. Von keiner Seite in Finnland oder auf finnische Initiative hin ist man zu der­artigen Friedensverhandlungen geschritten. Man fragt sich auch, mit wem man über diesen Fall ver­handeln könne. Wir können ja kein Zutrauen zu dem jetzigen Nachbarn im Kreml haben, da er alle seine früheren Verträge ge- b r och e n hat. Außerdem unterliegt es keinem Zweifel, daß die Sowjetunion den Krieg gegen Deutschland verlieren wird. Ein mit ihr ge­schlossener Friede wäre also von vornherein nichtig. Dieser Krieg ist für uns ein Verteidigungskrieg, durch welchen wir uns gesicherte Grenzen und einen dauernden Frieden verschaffen wollen. Was, um dieses zu verwirklichen, nötig ist, muß getan werden.

Oie 7lorh-i?üd-Berbinhung Skandinavien - Mitteleuropa.

Kopenhagen, 15. September. (Europapreß.) Die Verwirklichung des jahrzehnetealten Plans der Schaffung einer direkten Nord-Süd-Derbindung von Skandinavien nach Mitteleuropa über den Feh- marnbelt ist eingeleitet. Etwa gleichzeitig mit der Freigabe der Bouarbeiten für die neue Fähr­verbindung FehmarnRödby auf deut­scher Seite wurde am Sonntagnachmittag auch jen­seits des heute noch trennenden Ostseearms auf der Insel Lolland das Signal zum Arbeitsbeginn an Verbindungsstraße und Schienenweg nach dem Fährhafen Rödbyhavn gegeben. Reichsverkehrsmi­nister Dr. Dorpmüller und Reichsminister Dr. Todt hatten sich in Begleitung des deutschen Ge­sandten in Dänemark, Minister von Renthe- Fink, als Gäste der dänischen Regierung einge- funden. Bei Flintinge, einem Punkt der kommen­den Blitzzugstrecke RödbyhavnNyköbingKopen­hagen, wurden durch den dänischen Minister für öffentliche Arbeiten und den Generaldirektor der dänischen Staatsbahnen die ersten Spatenstiche aus­geführt. Dann wurde an der zwanzig Kilometer entfernten Baustelle Holeby die neue Auto­bahn vom Fährhafen nach der dänischen Haupt­stadt eröffnet.

Neue Expreß-Lustverbindung NeuyorkLissabon.

Neuyork, 15. September. (Europapreß.) Die Panamerican Airways geben bekannt, daß sie am 25. September eine neue Expreß-Luftverbindung

zwischen den Vereinigten Staaten und Europa er­richten. Die Beförderung von Waren wird von besonderenaircerts abhängig gemacht wer­den, die von den britischen Konsularbehörden ähn­lich wie die Navycerts für die Schiffsladungen aus­gestellt werden. Es soll bestätigt werden, daß die Pakete keine Konterbande enthalten. Einige der größten Clipper-Flugboote werden benutzt werden» Die Verbindung NeuyorkLissabon wird drei­mal wöchentlich durchgeführt. Wenn die Clipper-Maschinen jetzt im Gegensatz zu früher Waren mitnehmen, ist dies eine Folge der in der letzten Zeit geringeren Nachfrage nach Fahrkarten für diese transatlantische Route.

Vor dem Feinde gefallen.

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Wie der OKW.-Bericht vom 14. Sevtember mit- teilte, ist der Oberbefehlshaber einer Armee, Gene­raloberst Ritter von Schobert, gefallen. Dies ist die letzte Aufnahme des tapferen Armee­führers. Sie zeigt ihn (zweiter von links) mit Gene­ral Kriege! auf dem Gefechtsstand einer Infanterie­division. (PK.-Brunnengräber-Scherl-M.)

Herzliche Teilnahme in Bukarest.

B u k a r e st, 15. Sept. (DNB.) Die gesamte ru­mänische Presse bringt dos Bild des gefallenen Generalobersten Ritter v. Schobert. Die Zei­tungen widmen dem deutschen Heerführer, der erst vor kurzem von König Michael von Rumänien

ftd) lebendig und hoben die züngelnden Häupter... Ich weiß noch, wie der Dämon des Prahlens mich verlockte, gerade mein schillerndstes, mein phanta­stischstes Wort einem Kameraden als Glanzstück der Sammlung vorzuführen. Wie empört war ich, als dieser mir mitteilte, das muß ein Irrtum fein; denn Ken jenes Wort besitze er schon längst in seiner Kollektion! Auch bot er mir gönnerhaft Dubletten­austausch an... Ich widersprach heftig, wußte ich doch, daß es mein Kind warNun, und was be­deutet es?" fragte ich, um ihn zu fangen.Sag du es doch! Wir wissen ja beide, was es bedeutet", replizierte er. So wurde mir klar, daß, wer Worte sammelt, sie für sich behalten muß, weil sie einem sonst geklaut werden. Doch was ist eine Sammlung, die man nicht vorzeigen kann?

Hierauf sammelte ich in schneller Folge Stahl­federn, photographische Kataloge, Käfer, Fahrscheine, Reitpeitschen und Autogramme, bis mich endlich eine seltsame, völlig nutzlose Leidenschaft packte; mit langer Schere schnitt ich sämtliche Bilder der illustrierten Zeitschriften aus und stapelte sie in Aktendeckeln auf. Daß ich sie besaß, galt mir wenig, aber eben dieser Prozeß des Ausschneidens hatte für mich einen rätselhaften Reiz, wie es ja auch Menschen gibt, die Bücher nicht so sehr zu lesen als gerade aufzuschneiden lieben.

Doch früher oder später mußte ich natürlich im großen Sammelbecken aller Sammler, nämlich bei den Zigaretten-Zugaben, landen. Eine Serie vor allem faszinierte mich, weil sie mein Selbstgefühl stärkte: sie begleitete, was man so starken Tabak nennt, und der Trick war, dem Raucher das Kraut dadurch mundgerecht zu machen, daß man ihn kurz­weg einen Helden nannte. Die Zusatzbildchen sugge­rierten uns nämlich, daß wir durch den Kosum die­ser Zigaretten zu richtigen Männern würden, und das hatte schon seinen beizenden Beigeschmack von Wahrheit... Nun ist es mit den Reklamebüros wie mit so vielen anderen Büros: sie verlieren nur zu bald den Kontakt mit der Wirklichkeit und steigern sich in irgendeinen monomanischen Wahnwitz hin­ein. Diese Männersache wurde den Werbeleuten meiner Zigarette zur fixen Idee: ,F)eros-Zigaretten richtig für richttge Männer";Männer, die in einem verantwortungsvollen Beruf stehen..."- Fade", das ist ein Begriff, der unter Männern verhaßt ist..Wenn Männer etwas trinken, rauchen, dann...";Nach harter Männerarbeit ist

gut Heros-Zigaretten rauchen..." Mit angehalte­nem Atem riß ich jedesmal die Verpackung auf, be­gierig auf die neueste, immer wieder verblüffende Nuance... Ich entwickelle mich zu einem Dajak, einem Schwachkopfjäger in Borneo, der alle Aus­geburten der Männeridee mit Entzücken sammelte. Aber endlich gab ich auch diesen Kampf auf.

Vereinsamt stand ich da und warf einen suchen­den Sammlerblick auf die Welt. Ja, sammeln ist der instinktive Trieb alles Lebendigen: von der Ameise bis zu Mr. Mellon ist alles, was da kreucht und über den Ozean fleucht, rastlos mit der Auf­stapelung von Strohhalmen, Sektkorken und Ti­zians beschäftigt. Scheinbar nur eine Veränderung des Standortes der Dinge, birgt das Sammeln in Wirklichkeit einen tiefen Sinn: denn ich, ich und nicht du, so heißt der Mittelpunkt, um den alle diese Dinge malerisch gruppiert werden Symbol da­für, daß jeder der zwei Milliarden Erdbewohner sich als Mitte des Universums enrpfinbet. Und was wurde nicht alles gesammelt! Männer sammelten Frauen (Don Juans Spanien-Rekord: 1003), Frauen wahrscheinlich Männer, oder doch deren Briefe, Sonderlinge sammelten Bierfilze, Amerikaner Echos oder Burgruinen (wirklich, ich kannte so einen; er kaufte sie in der Inflationszeit wie Ganzsachen auf und hätte gar zu gerne ein bißchen getauscht...) die meisten aber sammelten zwei Dinge: Lob und Geld. Die Komplimentesammler lagen ständig auf der- eigenen Loblauer, angelten unermüdlich nach Anerkennung und hatten ihre Lobe so tadellos re­gistriert, daß sie sich ihr Leben lang noch des klein­sten erinnern konnten. Aber fast noch verbreiteter waren die Geldsammler, denen es sonderbarerweise bloß auf die Quantität ihrer Münzen ankam: wie erhaben wirkte daneben etwa ein schlichter Numis­matiker! Und dennoch wurde gerade den Geldsamm­lern ihr Trieb zur allesfressenden Leidenschaft... als ob sie jemals das ganze Geld der Welt zusam­menbringen könnten!

Doch bei allen Sammlern kam, wenn sie ihre Seele an ihre Sammlung hingegeben hatten, der eine Augenblick, da sie dumpf merkten, daß sie zu Museumsdienern der eigenen Passion herabgesunken waren. Dann rafften sie sich auf und schenkten ihre Sammlung weg an den Staat, an Wohlsahrts- inftitutionen, an irgendwen, nur um diesen Schwamm am Herzen loszuwerden! Allein schon am Tag nach der Schenkung fühlen sie eine Leere

und beginnen leise, wie eine Ameise, Hälmchen um Hälmchen der neuen Sammlung in ihren Bau zu schleppen.

Das sah auch ich ein. Etwas mußte ich sammeln. Ich schwankte zwischen zwei Sammelobjekten. Beide lagen überall herum, man mußte sie nur aufheben. Das eine wurde von allen gesammelt: die roten Gummibändchen für Pakete. Sie sind elastisch wie die Zeit und ohne Ende wie die Ewigkeit. Ange­spannt, geben sie einen saitenhaften Ton. Zusam­mengebracht von der DeviseMan wird das noch einmal brauchen können", liegen sie da wie ein Klumpen Regenwürmer ... Doch nein, ich entschloß mich für Objekt Nummer zwei. Das lag ebenfalls überall herum, doch kaum einer hob es auf. Ich sammelte das häufigste und seltenste, nämlich Ge­danken! Ich sammle, verzeihen Sie das harte Wort, mich ... Ach, die meisten zerstreuen sich, indem sie etwas sammeln; wo sind sie nur, die wenigen, die sich sammeln, indem sie sich etwas zerstreuen! ... Oh, meine Sammlung ist phantastisch interessant und, glauben Sie mir, sie wird einmal komplett! Dann aber will ich gesammelt dem schwersten aller Sammler-Augenblicke entgegensetzen dem, wo er selbst zum Objekt wird, verpackt wird, und sich via Friedhof zu seinen Vätern versammelt.

Zahnziehen mit her Eisenbahn.

Pedro Fuelves, der Eisenbahnarbeiter in Mexiko war, hatte Angst vor dem Zahnarzt. So erfand er sich seine eigne, freilich etwas ungewöhnliche Me­thode, um einen schmerzenden Zahn loszuwerden. Er nahm ein Stück Faden, den er um den kranken Zabn band, und befestigte es an dem letzten Wagen emes abfahrbereiten Güterzuges. Sicherlich hatte diesesPatent" den gewünschten Erfolg gehabt, wenn es Pedro nicht in der letzten Minute mit der Angst zu tun bekommen hätte. Statt bei der Abfahrt des Zuges stehen zu bleiben, fing er wie ein Verrückter gu laufen an und rannte hinter dem anfahrenden Zuge her, um den Augenblick desZahnziehens" noch hinauszuschieben. Bei dieser Gelegenheit stol­perte er schließlich über eine Schwelle und kam babef Zu Fall, wobei er zwar mit einem scharfen Ruck seinen Zahn los wurde, sich aber auch zugleich den Fuß brach. Er hat geschworen, sich nie wieder durch die Eisenbahn einen Zahn ziehen zu lassen.