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Verdunkelungszeit
16. Juni von 21.46 bis 4.58 Uhr.
mtziehen. Was übrig bleibt, ist gewöhnlich nur ein aufrichtiger Stoßseufzer aus weiblichem Munde.
Kritisch wird die Angelegenheit jedoch, wenn sie Lu Meinungsdifferenzen im Schoß der Familie ihrt. Gerade hat sich der Mer nach dem Abendessen in den Stuhl zurückgelehnt und liest mit Be- lacht die Zeitung, als Mutter im Zimmerwinkel eine Motte entdeckt. Sie wird sofort sagdeifrig, nimmt las zur Hand liegende Staubtuch und pürscht sich lorsichtig an die Beute heran. Aber die Motte reagiert augenblicklich infolge der ihr innewohnen- len Strategie und tritt, nach englischem Vorbild, [inen siegreichen Rückzug an. „Oben am Schrank ■it sie", ruft die Tochter erregt, angestachelt von dem kifer der Mutter, und klatscht ihr'Aufgabenheft mit silcher Gewalt an den Schrank, daß es^drinnen verhängnisvoll klirrt. „Ra, na", brummt der Vater unbillig und blickt für einen Augenblick von seiner Lektüre auf. Aber die Motte freut sich ihres Lebens pd). Rur ist sie vor den vereinten Nachstellungen nn Mutter und Tochter ins Dunkle entwischt.
> Der Abendfrieden der Häuslichkeit scheint nun geschert, aber eben will die Mutter einen neuen faben einziehen, um den in Arbeit genommenen |trumpf zu stopfen, da zeigt sich die Motte unverloren auf dem Tisch. Sofort wird der Strumpf zur Angriffswaffe. Er trifft jedoch ins Leere, worauf le Tochter ihr Lineal zückt und einen heftigen kchlag durch die Luft führt. Das-Lineal erwacht je Motte nicht, wohl aber Vaters Zeitung, die da- jirch geräuschvoll in zwei Hälften zerreißt. Vaters topf läuft puterrot an. Es gibt e-irr Donnerwetter ■it dröhnenden Einschlägen, das Mutter und Toch- ir widerspruchslos über sich ergehen lassen. Grol- Hb verzieht sich schließlich das Gewitter, aber die Itotte triumphiert. Für heute abend ist sie gerettet, fcer weiß, was morgen ober übermorgen aus der koche wird. Es ist eben ein Kreuz mit den Mot-
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Aus Oer Gtaöf Gießen
Diese Motten ...
Es ist ein Kreuz mit den Motten. Jetzt, wo sie gewissermaßen den Punkten der Kleiderkarte zuleide gehen, schon ganz und gar. Die Hausfrauen ver- uchen, ihnen mit List und Tücke beizukommen, sie 'iihren den Kampf gegen sie mit beachtenswertem : Srfer, aber nie gelingt es ihnen ganz, sie auszu- .rotten. Vielleicht haben die Motten zur Erhaltung hrer Art eine besondere Intelligenz entwickelt, viel- .eicht sagt ihnen sogar triefer tägliche Kleinkrieg zu, jiuf jeden Fall behaupten sie sich mit geradezu zynischer Aufdringlichkeit. Kaum ist eine von ihnen mter den wuchtigen Schlägen einer zarten Frauenbund zu ihren Vätern versammelt worden, so schwebt schon die nächste heran, um sich aber sofort hüt elegantem Schwung dem drohenden Schlage zu
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Vornvttzen.
Tageskalender für Montag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 Uhr im Gloria- -alast, Seltersweg: „Großer Bunter Abend". — loria-Palast, Seltersweg: „Das Mädchen von inö" (nur Nachmittagsvorstellungen). — Licht- jelhaus, Bahnhofstraße: „Befreite Hände".
rtyliiiksmann mddeh Ein Tausender
beim Fünfziger-Abend.
Bei dem Abend der „Fünfziger 1891/1941" am amstag im „Burghof" konnte der Loseverkäufer ir NS.-Reichslotterie für das Kriegshilfswerk wie- kr viele feiner beliebten Lose absetzen und manchen 6‘roinn auszahlen. Zur allgemeinen Ueberraschung cg dabei ein Alterskamerad den seltenen Gewinn in 1000 Reichsmark.
Außer zwei Gewinnen von je 500 RM. in dem ; i'ten Monat dieser Lotterie konnte die Geschästs- »ille Gießen bereits über 10 000 RM. an Gewinnen hur Auszahlung bringen.
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Oie List des Kaisers.
Erzählung von Hans Bethge.
Ißenn ein deutscher Kaiser in Nürnberg Hoflager jiiilt oder gar einen Reichstag einberief, so quoll !|ii mit grünen Reisern und Fahnen geschmückte IBtabt über von Menschen, die herbeigeströmt waren, ;|r den Kaiser zu sehen, den mannigfachen glänzender Schauspielen beizuwohnen oder auch um Ge- wbifte zu machen. Neben wohlhabenden Leuten ■[legte sich viel kleines Volk einzustellen, bis hinab ■i den Quacksalbern, Wahrsagern und Besitzern von Mchrmarktsbuben, die sich alle einen Vorteil von festlichen Tagen in Nürnberg versprachen.
U Zu dem Reichstag, den Kaiser Rudolf I. für das kr)r 1274 einberufen hatte, war auch ein wohl- jcv ender Kaufmann namens Arnegg aus der da- icls blühenden Freien Reichsstadt Memmingen ge- inmen. Da die großen Nürnberger Gasthäuser bis ir die letzte Kammer besetzt waren, nahm er in m=r kleineren Herberge Wohnung. Bei seiner An- . hr ft übergab er dem Wirt einen Säckel mit zwei- 1 it-bert neugeprägten Silbergulden zu sorgsamer il^bewahrung. Dann ging er feinen Geschäften
| - Ütach einigen Tagen ersuchte er den Wirt, ihm fiten Säckel herauszugeben, da er einen Teil des toes betätige. Der Wirt sah ihn verwundert an in' fragte, was dieser Unfug bedeuten solle, denn ’ 3abe nie einen Säckel mit Silbergulden erhalten.
- .Macht keine Späße", erwiderte Herr Arnegg ijtrt, „ich habe Euch bei meiner Ankunft einen Beitel mit zweihundert Gulden in Verwahrung ge- l|?ten; ich brauche sie jetzt also, gebt sie heraus.
, ,Jhr haltet mich nicht nur zum besten", meinte Vx Wirt, „sondern es liegt Euch offenbar daran, | M<h in bösen Leumund zu bringen. Seid auf der iir mit Euren Anschlägen; sonst bin ich gezwungen, |C”n Euch vorzugehen."
- Iso ein Halunke, dachte Herr Arnegg, wendete 1h verachtungsvoll ab und machte sich auf den Weg I iri: Richter. Dieser fragte ihn, ob er dem Wirt den 1 täfel zur Aufbewahrung übergeben habe. Arnegg II g>e, er habe sich, wie immer in solchen Fallen,
<>[ die Ehrlichkeit des Wirtes verlassen. Der Richter itgte bedenklich den Kopf und gab zur Antwort,
«lettener Anzeiger (Lenernl-Anzeiger für vberhefien)
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Umtausch von Brot- in Zuckermarken.
Zu dem kürzlich ängefünbigten Umtausch von Brot- in Zuckermarken werden nunmehr vom Reichsernährungsministerium die Durchführungsbestimmungen veröffentlicht. Alle Versorgungsberechtigte erhalten die Möglichkeit, Brotkarten (Reichsbrotkarten für alle Verbrauchergruppen, Brot-Zu- fatzkarten für Sckiwer- und Schwerstarbeiter, Zulagekarten für Lang- und Nachtarbeiter) oder deren Einzelabschnitte sowie Einzelabschnitte der Reichskarten für Urlauber und Reise- und Gaststättenmarken für Brot — im folgenden zufammensassend als Brotmarken bezeichnet — in „Reichszuckermarken" umzutauschen. Der Umtausch erfolgt bei den Ernährungsämtern (Kartenstellen).
Die Reichszuckermarken berechtigen entsprechend ihrem Aufdruck zum Bezüge von 125 Gramm Zucker. Der Umtausch erfolgt im Verhältnis 1:4, d. h. die ausgebenden Stellen werden für Brotmarken in einer Menge von 500 Gramm eine Reichszuckermarke zu 125 Gramm ausgeben. Mengen unter 500 Gramm Brot werden beim Umtausch nicht berücksichtigt.
Umgetauscht werden Brotkarten der 23., 24. und 25. Zuteilungsperiode (5. Mai bis 27. Juli) in der Zeit bis zum 2. August 1941. Brotkarten der 26. und 27. Zuteilungsperiode (28. Juli bis 21. Sep-
Der von Kreisleiter Backhaus gegründete Kreis- arbeitsausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung (RfH), der vor Jahresfrist erstmals in Bad- Nauheim zusammentrat, hatte am Samstag im Botanischen Institut in Gießen seine Jahres- tagung 19 4 1. Vertreten waren alle im Kreis Wetterau in der Heilpflanzenbeschaffung mitarbeitenden Stellen: die Landratsämter, ine’ Kreisschulämter, die Kreiswaltung des NS.-Lehrer- bundes und die Abschnittswalter des NSLB., die NS.-Frauenschaft, die Hitler-Jugend und die Leiter der Bezirkssammelstelle RfH., die in 13 Orten des Kreises Wetterau eingerichtet sind. Die Tagung bot für die allenthalben im Gange befindliche Heilkräuterernte 1941 wertvolle Anregungen und vermittelte den Eindruck, daß im Kreise Wetterau auch auf dem für die Kriegswirtschaft und Volksgesundheit so wichtigen Gebiet der Heilpflanzenbeschaffung zielbewußt und planmäßig gearbeitet wird.
Kreisleiter, Backhaus, der Leiter des Kreisarbeitsausschusses, eröffnete die Tagung mit herzlichem Willkommen an alle Mitarbeiter und mit überzeugenden Ausführungen über die Bedeutung und Wichtigkeit der Heilkräutersammlung. Er entbot Landrat Dr. Lotz (Gießen) besonderen Gruß und dankte für die bisher und vor allem im abgelaufenen Jahre im Kreise geleistete erfolgreiche Arbeit dem Kreissachbearbeiter, Lehrer Oßwald (Bad-Nauheim), der nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen den Dank weitergab an alle die Stellen, die die Arbeit mit Rat und Tat unterstützt und gefordert haben. Er nannte insbesondere den K r e i s l e i t e r, der der Heilkräuterbeschaffung sein besonderes Interesse zuwendet, ferner die Kreis- schulräte, die Kreiswaltung des NSLB., die Be- zirkssammelstellenleiter und nicht zuletzt die Schulen und sonstigen Sammlereinheiten, deren verständnisvoller Einsatz und vorbildliche Bereitschaft erst den Erfolg verbürgt haben. 18 Schulen des Krei- s e s sind vom Kreisleiter für besonders hervorragende Leistungen in der Vorjahresarbeit durch Überreichung wertvoller Buchgaben ausgezeichnet worden, und zwar: Großen-Buseck, Beuern, Ober- Erlenbach, Nieder-Wöllstadt, Schwalheim, Ockstadt, Ober-Rosbach v. d. H., Burkardsfelden, Burgholzhausen, Reiskirchen, Gonterskirchen, Fauerbach v. d. H., Münster bei Butzbach, Nonnenroth, Massenheim, Harbach, Bönstadt, Saasen, Grünberg. Mit über 8000 Kilo (160 Zentner) Trocken- g u t an etwa 40 verschiedenen Heil- und Teekräutern, mit größeren Mengen an Wildfrüchten (Hagebutten u. a.) und fast 30 0 Zentner Roßkastanien für die Wildfütterung hat der Kreis Wetterau sein Ergebnis von 1939 vervierfacht und sich mit den Kreisen Bergstraße
teniber) werden in der Zeit bis zum 30. September 1941 eingetauscht. Dabei ist es unerheblich, ob die Brotmarken noch gelten ober bereits verfallen find. Bis zu dem genannten Zeitpunkt können auch, die Reise- und Gaststättenmarken sowie die Einzelabschnitte der Heichsmarken für Urlauber in Neichs- zuckermarken umgetauscht werden. Die Entgegennahme von Einzelabschnitten aus früheren Zuteilungsperioden und die Ueberschreitung der Einlösefristen ist untersagt. Die Reichszuckermarken verlieren entsprechend ihrem Aufdruck mit Ablauf des 31. Oktober 1941 ihre Gültigkeit und dürfen nach diesem Zeitpunkt nicht mehr entgegengenommen werden. Der Beginn der Umtauschaktion in den einzelnen Bezirken wird örtlich von den Ernährungsämtern bekanntgegeben, sobald sie im Besitz der Reichszuckermarken sind.
Diejenigen Versorgungsberechtigten, die ihre Brotmarken nicht voll benötigen, aber auch keinen zusätzlichen Zucker wünschen, werden gebeten, wie bisher ihre überschüssigen Brotmarken der NSV. zur Verfügung zu stellen, damit diese auch weiterhin den Volksgenossen helfen kann, die auf Grund besonders gelagerter Verhältnisse gern mehr Brot verzehren mochten, als sie auf ihre Karten erhalten.
und Bingen an die Spitze der 26 Kreise des Gaues gestellt. Das konnte man dem Jahresbericht des Kreissachbearbeiters entnehmen, der anschließend noch zu wichtigen und dringlichen Aufgaben des diesjährigen Einsatzes sprach, der Schulen und Hitler-Jugend mit besonderen Ausgaben betraut hat.
Im Auftrage der Gauleitung überreichte Kreisleiter Backhaus dann noch „als Anerkennung für hervorragenden Einsatz bei der Einbringung der Heibkräuterernte 1939" eine Urkunde der Reichsarbeitsgemeinschaft für HeilpflanAenkunde und Heilpflanzen!; eschaffung den Schulen Großen-Buseck, ÄNdenftruth, Schwalheim und Ockstadt, sowie dem Kreissachbearbeiter Lehrer Oßwald (Bad-Nauheim).
Die Tagung fand ihren eindrucksvollen und erlebnisreichen Höhepunkt mit Einern Lichtbildervortrag des Dozenten Dr. Heidt vorn Botanischen Institut der Universität Gießen, der als wissenschaft-
Sckulen und HI. stehen in' diesem Sichre gemein- sam im Einsatz in der großen Heilkräutersammelaktion. Diese Heilkräuteraktion ist nicht als schulfremde Aufgabe zu werten, sondern als ein wesentlicher Faktor der Erziehung zum volksbewußten deutschen Menschen. Der deutschen Schule sind eine ganze Reihe kriegswichtiger Aufgaben gestellt, von denen die Heilkrä"terbesckaffnnn 'm Kriea nnh Frieden an erster Stelle steht. Für die diesjährige Sammelzeit h-at die hessische Landesregierung an- geordnet, daß alle Schulen, auch die höheren, sich in den Dienst der für die Krieaswirtschaft und die Volksgesundheit wichtigen Arfaabe stellen und mindestens einen der monatlichen Unterrichtsgänge zum Sammeln benuhen. Darüber hinaus gilt selbstverständlich noch die Bestimmung der Vorjahre, nach der auch an schulfreien Nachmittagen und während der Ferien gesammelt werden soll.
Die Schulen können nicht sammeln, was sie wollen und was ihnen vielleicht besonders gelegen ist. Dem Kreise Gießen ist ein besonderes Kontingent gestellt, das in diesem Jahr beachtet werden muß.
Zur Zeit ist besonders wichtig das Einbringen von Maikraut (Waldmeister), das noch während der ganzen Blütezeit geerntet werden kann. Der Kreis Gießen hat davon mindestens 300 Kilo Trockengut aufzubringen, was nicht schwer halten dürfte, wenn etwa Versä"umtes sofort nachgeholt wird. Gesammelt wird das ganze Kraut. Die Trocknung erfolgt im Schatten auf luftigen Dachböden auf Papierunterlagen, die infolge An-
licher Berater dem Krcisavbeitsausschuß RfH. an* gehört, über „Heilpflanzen Hessen-Nassaus in ihrerpflanzengeographischen Verbreitung und gegenwärtigen Verwendung in der Volksmedizi n". Dr. Heidt hat seit etwa zehn Jahren im (Bau Hessen- Nassau in 1270 Gemeinden Untersuchungen über die Verbreitung der einheimischen Heilpflanzen und ihre Stellung in der Volksmedizin durchgeführt und ilt dabei zu sehr wertvollen Ergebnissen gekommen. In dem bearbeiteten Landschaftsraum sind in der Volksmedizin gegenwärtig noch 270 Heilpflanzen! bekannt, die bei Erkrankung des Menschen und der Tiere häufigste Verwendung finden. An zahlreichen Beispielen wies der Redner nach, wie auch heut^ noch in unserem Landvolk lebendige Naturoerbun'- denheit maltet, die am besten in den treffenden Dolksnamen zum Ausdruck kommt, die der deutsche Bauer in seiner schöpferischen und bildreichen Gestaltungskraft gefunden hat. An Hand von ausgezeichnetem Lichtbildmaterial machte Dr. Heidt mit einer stattlichen Reihe von Heilpflanzen, Verbreitungsgeschichte und volksmedizinischen Verwendung bekannt. Die Forschunaen des Vortragenden, die zugleich einen reichen Beitrag zu hessen-nassauischen Volkskunde darstellen, sind äußerst aufschlußreich; sie finden in der Medizin und in der Tierheilkunde besondere Beachtung und werden bei der geplanten Fortführung der wissenschaftlichen Untersuchungen durch Gießener Forscher bestimmt noch zu weiteren wertvollen Ergebnissen führen. Der Redner, der fesselnd und für jedermann verständlich sprach, erhielt für feine Darlegungen lebhaften Beifall und den besonderen Dank des stellnertretenden Kreis- walters des NSLB., Studienassessor Jost (Hungen), der im Auftrage des Kreisleiters dann den allgemeinen Teil der Tagung mit dem Führer gedenken beschloß.
Anschließend führte Dozent Dr. Heidt die zahlreichen Teilnehmer in anregender Weise durch die Heilpflanzenabteilung des Botanischen Gartens. Dann führte der Kreissachbearbeiter mit den Bezirkssammelleitern noch eine wichtige Besprechung durch. Die praktische Arbeit wurde besprochen und dabei ein Ueb erb lick aller Erfahrungen und Planungen gegeben, die die Gewähr für die erfolgreiche Durchführung der Sammeltätigkeit in diesem Jahre bieten. Auf Monivr.en Wunsch des Kreisleiters und der NSLB.-Kreiswaltung finden in nächster Zeit in den Abschnitten des NSLB Lehrerversammlungen statt, die neben anderen Fragen vornehmlich der Heilkräutersammelaktion 1941 dienen' werden.
nähme, des Waldmeisterduftes für die Trocknung anderer Pflanzen nicht mehr verwendet werden können. Die fertige Droge siebt dunkler aus Und duftet stärker als das frische Kraut.
Wo in höheren und weniger belichteten Lagen des Kreises noch der Weißdorn blüht, sollten die Schulen unverzöglich an das Sammeln der Blüten gehen, denn auch von dieser Droge hat der Kreis größere Mengen aufzubringen. Zu ernten sind die ganzen D olden risp en des stumpfblättrigen, mehrgriffeligen Weißdorns (Crataegus oxvacanfha) und in sehr dünner Lage zu trocknen. Die Blüten müssen am Ende weiß dzw. elfenbeinfarbig aussehen.
Dringend sammelwichtig sind zur Zeit auch die goldgelben Blüten des Besenginsters (Saro- thamnus scoparius). Die Sammelvorschrift haben wir vor einigen Tagen bereits im „Gießener Anzeiger" veröffentlicht.
Zu den dringlichsten Aufgaben gehört im Augenblick auch das Sammeln von Holunder- und von Klatschmohnblüten. Vom Holunder (Sambucus nigra) ist nur bei völlig trockenem Wetter die ganze Blütendolde durch Abschneiden des Hauptstiels dicht vor der Verzweigung zu ernten. Die Trocknung erfolgt durch 'Aufhängen auf Schnüren. Die fertige Droge muß weiß bis elfenbeinfarben aussehen. Vom Klatschmohn werden die roten Blütenblätter ohne die schwarzen Staubgefäße gepflückt, und zwar nur von unserem gewöhnlichen großblütigen Feldmohn. Nach der
Der Kreisarbeitsausschuß RfH. in Gießen.
feine Sache stünde leider schlecht; denn ohne einen deutlichen Beweis könne man gegen den Gastwirt, der unbescholten fei, nicht erfolgreich vorgehen.
Arneggs Empörung wuchs; er merkte, daß er von dem Richter nicht viel zu erwarten hatte; und während er nun erregt und in übelster seelischer Verfassung durch die von Menschen durchfluteten Straßen wanderte, kam ihm der erleuchtende Gedanke: der Kaiser muß dir helfen.
Er setzte einen Brief auf, in dem er mit kurzen und klaren Worten auf ehrerbietige Art seine sonderbare Lage schilderte, und trug das Schreiben persönlich auf die Burg. Schon in der Frühe des nächsten Morgens erhielt er den Bescheid, daß er sich um die Mittagsstunde in dem Audienzsaal der kaiserlichen Burg einzustellen habe.
Er kam und traf zu feiner Verwunderung in dem Saal schon eine ganze Reihe anderer Bürger an, die alle zum Empfang geladen waren. Sein Staunen nahm zu, als er auch den diebischen Gastwirt unter den Erschienenen erblickte. Dieser, nicht ahnend, wie er zu der Ehre einer solchen Einladung kam, hatte ein besonders kostbares Gewand angelegt und trug ein schönes, pelzverbrämtes Barett in der Hand. Arnegg stellte sich im Hintergrund auf und fo, daß er von dem Wirt nicht bemerkt werden konnte.
Der Kaiser kam, alles verneigte sich, er unterhielt sich heiter und ungezwungen mit diesem und jenem. Als er zu dem Gastwirt kam, bewunderte er dessen üppiges Gewand und meinte scherzend, man sehe, daß es ihm gut ergehe, denn ein so edles Pelzbarett, wie er da in Händen habe, fei würdig, auch von einem Kaiser getragen zu werden. Er nahm das Barett, setzte es sich lächelnd auf und ging weiter. Der Gastwirt war glücklich, vom Kaiser in solcher Weise ausgezeichnet zu werden und sagte sich voll Selbstvertrauen, daß sein Barett von nun an einen historischen Wert besitzen würde.
Kaiser Rudolf begab sich aus dem Kreise feiner Umgebung für einen Augenblick in ein anstoßendes Kabinett, wo er das Barett einem Diener überreichte, der über die Angelegenheit unterrichtet war.
„Geh also", unterwies ihn der Kaiser, „sage zu dem Weibe des Betrügers, du kämest von der Burg, und sie solle das Barett ihres Mannes gegen seinen besten Hut umtauschen; auch solle sie dir den Beutel
mit den zweihundert Silbergulden geben, da der Kaiser die Prägung der neuen Münzen in Augenschein zu nehmen wünsche."
Der Diener ging; das Weib, stolz, von einem Diner in kaiserlicher Livree ausgesucht zu werden, dachte sich bei der Bestellung nichts Arges, tauschte das Barett gegen den gewünschten Hut um und gab den Beutel heraus. Triumphierend kehrte der Diener auf die Burg zurück. Er trat in den Audienzsaal und übergab den prall gefüllten Säckel seinem kaiserlichen Herrn.
Dieser trat sogleich an den Wirt heran und fragte, während eine atemlose Stille im Saale herrschte, mit lauter und strenger Stimme:
„Kennst du diesen Säckel, den dir ein ehrenwerter Mann zur Aufbewahrung gegeben hat, da er an deine Ehrlichkeit glaubte?"
Dem Wirt war, die Decke des Saales stürze über ihm zusammen; er wurde weiß wie Kreide; Funken stoben vor seinen Augen; er wußte: jetzt ist alles verloren. Einer Ohnmacht nahe, warf er sich dem Kaiser zu Füßen und flehte mit halb erstickter Stimme um Gnade.
Amegg trat hervor, verneigte sich tief vor dem Kaiser Rudolf und sprach:
„Majestät, mein Wirt hat schändlich an mir gehandelt, doch bitte ich ihn zu schonen, damit er Gelegenheit findet, zu zeigen, daß er der Besserung fähig ist."
„Gut", sagte der Kaiser, zu dem Knienden gewendet, „bu hast den Tod durch den Strang verdient, denn du bist ein Schurke. Unb wenn ich dich am Leben lasse, so verdankst du es der Fürsprache deines Gastes, der dir eigentlich feindlich gesinnt sein sollte. Als Strafe gehst bu einen Monat in ben Kerker unb zahlst nicht zweihundert, sondern vierhundert Sllbergulden in die Kasse dieses selben Mannes, den du so niederträchtig betrogen hast. Steh auf unb bessere bich."
Ein Gemurmel lief durch die Schar der Bürger; einige klatschten beifallspendend in die Hände, bann taten es viele, unb schließlich erbrauste der ganze Saal von begeisterten Händeklatschen der versammelten Menge.
Der Kaiser erhob seine Hand, grüßte die Anwesenden und verschwand mit ernster Miene in der Tür, durch die er gekommen war.
„Bis in hie Puppen."
Die uns heut^ geläufige Redensart „Bis in die Puppen", mit der wir eine sehr weite Entfernung unb im übertragenen Sinne überhaupt eine Ueberschreitung des normalen Maßes bezeichnen, ist in ihrem Ursprung gewiß den meisten, die sie anwenden, völlig dunkel. Die eigentliche Bedeutung der Redensart hängt mit der Entstehung des Berliner Tiergartens und mit dem genialen Baumeister Friedrichs des Großen, Knobelsdorff, zusammen. Knobelsborff fiel auf Befehl feines Königs bie Aufgabe zu, bie schon Friedrich I. in Angriff genommen, aber nicht durchgeführt und sein Nachfolger ganz aufgegeben hatte, aus dem Wildgehege des Tiergartens einen Lustpark nach französischem Muster zu schaffen. Für den Baumeister, dessen zartes und tiefes, in seiner Zeit ziemlich alleinstehendes Naturempfinden wir in seinen fast impressionistisch gesehenen Landschaften mitfühlen können, war das eine willkommene Aufgabe. Er wohnte selbst in der „Meierei", jenem kleinen von ihm erbauten Landhaus beim Schlosse Bellevue. In der Nähe dieser idyllischen Besitzung schuf er den „Großen Stern" und die Charlottenburger Chaussee.
In Hellen Scharen zogen von nun an die Berliner in den früher so unwirtlichen und ungangbaren Tiergarten, um die neu angepflanzten ausländischen Akazien zu bewundern oder bis zur „Fasanerie", dem heutigen Zoologischen (Barten, zu pilgern, wo dic seltenen, vom Rittmeister Chasot besorgten böhmischen Faisanen allgemeines Entzücken erregten. Erstauntes Kopfschütteln und manchen Witz aber riefen bie sechzehn „Puppen" hervor, mychologische Figuren, die Knobelsborff am Großen Stern zwischen den nach französischer Art gestutzten Hecken hatte aufttellen lassen. Diese Bildwerke, deren gelehrten allegorischen Sinn man nicht verstand, wurden viel besprochen. 21ber nur rüstigen Spaziergängern war es möglich, ihre Tiergartenwanderung „bis in die Puppen" auszudehnen, denn die Entfernung vdm Mittelpunkt der Stadt war groß, und der Fußweg so sandig, daß man nur langsam unb mühselig vorwärts kam. So entstand für eine weite Entfernung der Ausdruck „bis in die Puppen", unb er wurde bald in witziger Weise auch in anderem als räumlichen Sinne gebraucht unb erhielt rasch jene Ausprägung, die er noch heute hat. C. K.


