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rechten Weg zeigt und um das große Ziel weiß. Was die anderen unterFreiheit" verstehen, ist ein übles Zerrbild eine grenzenlose Heuchelei und nichts anderes als der in seiner Art großartigste Versuch, die eigene Raubgier und den unbedingten Weltherrschaftsanspruch zu masteren. Schon ein so grundgescheiter Engländer wie John Stuart Mill sagte um die Mitte des 19. Jahrhunderts:Nur in Deutschland versteht man, was Freiheit des Geistes ist?" Und er ist von Dickens bis Shaw nicht der einzige Engländer, der seinen Landsleuten den Spiegel vorgehalten hat.

Um den englischen Freiheitsbegriff blohzulegen, muß man auf die Besonderheit der staatlichen Ver­fassung, auf den geschichtlichen Werdegang des Jn- selreiches zurückgehen. Die oielgerühmte parlamen­tarische Regierung diente von jeher der Herrschaft einer Minderheit. In die auswärtigen Beziehungen hat das Parlament niemals hineinreden dürfen, ebenso wie es keinen ausschlaggebenden Einfluß bei Kriegserklärungen und Fiedensschlüssen hat. Der englische Nationalismus ist nicht aus einem völ­kischen Empfinden geboren wie auf dem Festlande, sondern nach dem frühzeitig vollzogenen Ausgleich der inneren Spannungen übernahm eine gesell- .schaftlich streng abgesonderte Oberschicht die Füh­rung. Durch die Jnsellage begünstigt, richtete sich deren Machtstreben in die Weite. Hinzu kommt die Verquickung religiöser Anschauungen mit dem ma­terialistischen Erfolgsdenken im Puritanismus, wo­bei Selbftbewußtfein und Selbstgerechtigkeit Pate standen.

Aus d'^sen Wurzeln entwickelte sich eins seit Cromwell eine immer stärker hervortretende Ideo­logie, die vorzüglich geeignet war, alle Bedenken und Schwächen durch den Anspruch zu überkleistern, daß die Engländer von Gott auserwählt, daß einzig sie ein freies Volk seien und alle anderen Völker ihre gottbestimmte Beute. Hieraus resultiert aber, daß jede sittliche Bindung zwischen dem einzelnen und dem Gemeinwesen fehlt und weiter, daß je mehr die in aller Welt zusammengerafften Schätze hinter den schützenden Wällen der Insel sich häuften, auch der Zwang zur Lüge und Heuchelei stieg. Dieser Freiheitsbegriff schlägt dem deutschen also geradezu ins Gesicht, Henn er geht unter der Maske der Auserwähltheir auf nichts anderes aus, als auf die Sicherung der materiellen Vorherrschaft und der Unterdrückung der gesamten übrigen Welt. Die bru­tale Willkür herscht, nicht jene Freiheit, die einzig und allein m Deutschland verstanden wird.

Auch der Franzose weiß feit er die Hugenotten verjagt und den fränkischen Adel erschlagen hat nicht, was Freiheit ist, da er an ihre Stelle die schrankenlose Willkür des einzelnen setzte und im wesentlichen dieGleichheit" wollte. Die landläufige Auffassung von der französischen Revolution ist die, daß sie wegen der hoffnungslosen wirtschaftlichen Zerrüttung des Landes und der Unerträglichkeit der ökonomischenVerhältnisse'ausgebrochen fei. Adalbert Wahl hat aber in feinerVorgeschichte der franzö­sischen Revolution" nachgewiefen, daß es im wesent­lichen das individualistische Streben war, die wach­sende Auflehnung gegen jeden staatlichen Zwang, der sich in passivem Widerstand und schließlich in der völligen Auflösung kundgab. Wer Gleichheit will, kann aber nicht Freiheit wollen. Blhi.

ZumTode GeneralHunhigers

Der Führer an Marschall Petain.

Vichy, 13. Nov. (Europapreß.) Der Führer hat anläßlich des Todes des französischen Kriegs­ministers General Huntziger und feiner Begleitung an Marschall Petain folgendes Telegramm geschickt:Seiner Exzellenz, Dem französischen Staatschef Marschall Petain. Nehmen Sie, Herr Marschall, zu dem tragischen Tode des Generals Huntziger und feiner Offiziere die Versicherung meines aufrichtigen Beileids entgegen." Reichs­außenminister von Ribbentrop hat seinerseits an Admiral D a r l a n ein Beileidstelegramm folgen­den Inhalts gesandt:Seine Exzellenz, dem Vize­präsidenten des französischen Ministerrats, Admiral Sarian, Vichy. Im Namen der deutschen Regierung übermittele ich Eurer Exzellenz die Versicherung meines aufrichtigen Beileids zu dem tragischen Un­fall, dem das Leben des französischen Kriegsministers General Huntziger und seiner Mitarbeiter zum Opfer fielen." Der Militärbefehlshaber in Frankreich, General der Infanterie von Stülpnagel, stat­tete in Begleitung des Chefs feines Kommando­stabes, Oberst I. G. Speidel, dem Generalbevoll­mächtigten der französischen Regierung im besetzten Gebiet, Botschafter de Brinon, einen Beileids­besuch ab. In die austiegende Kondolenzliste im fran­zösischen Kriegsministerium in Paris trugen sich unter den ersten Beileidsbesuchern der Botschafter Abetz und der Gesandte Schleier ein. Mit Ge-

Vom Onega-Gee vis zu- Krim.

Was die neue Wochenschau bringt.

Es bleibt eine erstaunliche Tatsache, daß die Wochenschau, zufarnmengestellt aus Den Dokumen­taraufnahmen von dreißig, fünfzig, ja achtzig Kriegsberichtern, bei der Vielfalt der Jnhalts- momente und der Verschiedenheit der Aufnahme­technik trotzdem stets einen einheitlichen Eindruck hinterläßt. Gerade der Streifen dieser Woche, der äußerlich locker zusammengefügt erscheint, macht dies besonders deutlich.

Ob wir die Finnen beim Angriff auf eine Insel ,m Onega-See, den Sturm auf die Halb­insel Krim, den Einmarsch in Charkow oder die Kämpfe vor Moskau erleben, überall schwingt jener kaum zu beschreibende Ton mit, den wir nur als einen Ausdruck ruhiger Siegesgewißheit be­zeichnen können, der sich durch blitzende Augen und fröhliche kleine Episoden bei Marschpausen aus­drückt.

Das Wort des Führers, das er wir sehen ihn unter seinen ältesten Mitkämpfern am Vor­abend des 9. Novrnber in München in feiner letzten Rede sprach, nach dem er das Reich der Sow­jets für die Sicherstellung der Ernährung ganz Europas erobert hat, wird durch das Bild belegt.

Schon jetzt sitzen die Bauern dieses Landes in Ver­sammlungen, auf denen ihnen deutsche Männer die ersten Anleitungen zu den großen Ausgaben geben, die ihrer warten. Die schwere und umfang­reiche Arbeit, die der Reichsarbeitsdienst nahe an den Feldstellungen, leistet, ist bezeichnend für die Zielstrebigkeit der Tätigkeit, die deutscher Geist auf diesem Boden leisten wird.

Stolze Zeugnisie für die große Leistung der deutschen Infanterie sind die Bilder von den rie­sigen Rüstungsfabriken des Donez-Gebietes. Vor­läufig verödet, so ragen sie dort in die graue Luft. Und wenn ihre Schornsteine einst wieder rauchen werden, dann werden sie Produkte schaffen zum Segen Europas.

Dies alles hat der deutsche Soldat zuwege ge­bracht. Und deshalb liebt ihn die Kamera. Sie zeigt ihn im Zuge mit den Kameraden, zeigt ihn zu Pferd, im Flugzeug und beim Essen, ja, sie geht an ihn heran, bringt fein Gesicht überlebensgroß auf die Leinwand und zeigt so mit einer einfachen Gebärde, daß der einzelne unbekannte Soldat heute das Anrecht hat, überall der Erste zu sein.

H. H. G.

Das eiferne Sparen beginnt!

Berlin, 13. Nov. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt ist die Verordnung über die Lenkung der Kaufkraft erschienen. Aus diesem Anlaß sprach Staatssekretär Reinhardt über den Beginn des Eisernen Sparens. Der nationale Spartag war ein voller Erfolg. Am 30. Oktober sind allein bei den Spar­kassen 230 Millionen Reichsmark eingezahlt wor­den, und zwar von rund zwei Millionen Sparern. Das ist fast das Doppelte des Vorjahres. Die Zahl De» Sparer bei den Sparkassen hat sich am natio­nalen Spartag um 208 000 erhöht. 230 Millionen Zuwachs an Spareinlagen und 208 000 neue Sparer allein an einem Tag am nationalen Spartag»

Hinzu werden demnächst die Eisernen Sparer kommen. Das Merkmal des eisernen Sparens besteht darin, daß der Sparer für die Dauer des Krieges darauf verzichtet, das Spar­guthaben zu kündigen. Dafür bleibt er mit Dem Betrag, den er eifern spart, frei von allen Reichs­steuern und frei von allen Beiträgen zur Sozial­versicherung. Es ist niemand gezwungen, eifern zu sparen. Es kann aber jeder Lohn- und Gehalts­empfänger eiserner Sparer werden.

Er kann von feinem laufenden Arbeitslohn täg­lich 50 Rpf. oder eine Reichsmark, wöchentlich Drei oder sechs Reichsmark, monatlich 13 oder 26 Reichs­mark eifern sparen. Wer Mehrarbeit leistet, kann um 50 v. H. höhere Beträge eifern sparen. Die eiserne Sparerklärung gilt jeweils bis zum Ab­schluß des Kalendervierteljahres, in dem Der erste Lohnzahlungszeitraum beginnt, auf den sich die Sparerklärung bezieht. Sie verlängert sich um ein weiteres Kalendervierteljahr, wenn der eiferne Sparer nicht drei Wochen vor Ablauf des Kalender­vierteljahres etwas anderes bestimmt. Er kann das eiserne Sparen einstellen, und er kann die Höhe des Sparbetrages für bas neue Kalendervierteljahr

ändern. Er kann die Sparerklärung bereits für den Rest des laufenden Kalendervierteljahres wider- rufen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Es kön­nen auch Weihnachtszuwendungen und Neujahrs­zuwendungen bis 500 RM. eifern gespart werden. Die eisernen Sparguthaben werden verzinst, mit dem Höchstzinssatz für Spareinlagen mit vereinbarter zwölfmonatiger Kündigungsfrist, gegenwärtig 34 v. H. Der eiserne Sparer kann in dringenden Notfällen beantragen, daß ihm das eiserne Spar­guthaben bereits vor Beendigung Des Krieges ganz oder teilweise zurückgezahlt wird.

Jede weitere Auskunft erteilt Der Betriebsführer. Wer zum frühestmöglichen Zeitpunkt Damit beginnen möchte, eifern zu sparen, muß das an einem Der nächsten Tage bei feinem Betriebsführer beantragen. Diejenigen, hie ihren Arbeitslohn monatlich ganz im voraus erhalten, können eine Sparerfiärung erstmals für Den Monat Januar 1942 spätestens am 1 Dezember 1941 abgeben. Der Lohn- und Gehalts­empfänger, der feine diesjährige Weihnachtszuwen­dung oder Neujahrszuwendung eifern zu sparen wünscht, muß die Erklärung spätestens eine Woche vor der Auszahlung abgeben.

Es liegt im Interesse eines jeden einzelnen, den größtmöglichen Tell seines laufenden Arbeitslohnes und feiner Weihnachtszuwendung oder Neujahrs­zuwendung eifern zu sparen. Er bleibt mit den­jenigen Beträgen, die er eisern spart, frei von allen Reichssteuern und frei von allen Beiträgen zur So­zialversicherung. Er sichert sich außerdem die Mittel zur Finanzierung späterer Anschaffungen. Es wird die Zeit kommen, in der die Schranken auf dem Warenmarkt fallen werden und in der Verbrauchs­güter und Gebrauchsgüter für den zivilen Bedarf in größeren Mengen zur Verfügung stehen werden als jemals zuvor.

nebmigung des Militärbefehlshabers in Frankreich hat das französische Kriegsministerium in Paris die Trauerflagge gefetzt.

Marschall Petain hat an den Führer folgendes Telegramm gerichteteIch war tief gerührt von den Beileidsbezeugungen Eurer Erzellenz für den tra­gischen Tod des Generals Huntziger und feiner Offiziere, und ich danke Ihnen Dafür lebhaft." Die französische Regierung hat beschlossen, ein Staats­begräbnis für Die Opfer der Katastrophe zu oer- anftalten. Eine Trauerfeier findet in Der Kirche St. Louis in Vichy statt. Anschließend wird ein Vorbeimarsch der Truppen erfolgen. Zur gleichen Zeit wird auch in Paris ein Trauergottesdienst ver­anstaltet werden. Wie das französische Luftfahrt- Ministerium noch mitteilt, handelte es sich bei dem verunglückten Flugzeug um eine Potez-Maschine mit wer Motoren, die nur in einer Ausführung gebaut worden ist. Sie entwickelte eine Geschwindig­keit von 320 bis 350 Kilometer in der Stunde. An Bord des gleichen Flugzeuges hatte Fliegergeneral Bcrgeret einen Flug nach Syrien während des syrischen Feldzuges unternommen. General Hunt- ziger hatte m t dieser Maschine in Afrika bereits 12 000 Kilometer ohne jeden Zwischenfall zurück- gelegt.

London in Verlegenheit.

Genf, 13. November. (DNB.) Die starke Be­achtung, die die jedem Völkerrecht hohnsprechende Be­handlung Des deutschen Konsuls Gerlach in Groß- britarmien gefunden hat, veranlaßte jetzt auch die britische NachrichtenagenturExchange Telegraph", 3U diesem Thema Stellung zu nehmen. Man macht sich Das in London sehr bequem und bestreitet einfach, daß Gerlach jedem diplomatischen Brauch zuwider im Tower geschmachtet hat und wie ein Verbrecher behandelt worden ist. Das englische Büro greift nur den Zwangsaufenthalt des deutschen Di­plomaten und seiner Familie auf der I n f eJ Man heraus. Der im allgemeinen den völkerrecht­lichen Regeln entsprochen hat, vergißt aber die 4V- Monate, während der der deutsche Konsul vor dieser Zeit in her unglaublichsten Weise behandelt worden ist. Im übrigen gibtExchange Telegraph" am Rande zu, daß herFall Gerlach nochmals über­prüft" werden soll. Mit anderen Worten: den Bri- ten ist es angesichts her scharfen Anklagen gegen hie britifdyen Methoden, die das Recht jedes anständigen Menschen ohne Not mit Füßen traten und ange­sichts der Empörung in der Welt über den Fall Gerlach und die skandalöse Behandlung der deutschen Kolonie im Iran ungemütlich in ihrer Haut. Sie wollen nun her Weltöffentlichkeit gegenüber ben

blamablen Eindruck zu verwischen suchen, was ihnen allerdings nicht gelingen wird.

©er Ruröenaufftanöm Irak.

Saloniki, 13. November. (DNB.) Die Lchut- hierung des Kurdenaufstandes im nördlichen Irak und in ben kurdischen Gebieten Irans bereitet ben britischen Behörben Sorgen. Nachbem her britische Vorschlag, burch Einbeziehung kurdischer Minister in bas Kabinett Nuri Said ben Ausstanb im Irak zum Abflauen zu bringen, einerseits an den irah- scheu Bedenken gegen eine solche Kombination, an­dererseits aber auch an der Haltung kurdischer Kreise gefcheitert ist, haben die britischen Militärbehörden die britische Agentin Freya Stark sowie ben Agen­ten Major Egmont in bas Aufstanbsgebiet entsandt, um Fügung mit ben Aufständischen zu nehmen. Sie sollen den Kurden ben Vorschlag eines vereinig­ten felbftänhigen K u r b e n st a a t e s unter­breiten. Für einen solchen kämpften bre Kurden auf Grund englischer Besprechungen bereits in ben Nachweltkriegsjahren, ohne jedoch ihre Ziele ver- wirklk'cht zu sehen. Auch der britische Botschafter m Bagdad, Cornwa11is, ist mehrfach unter Um­gehung der irakischen Regierung direkt mit der kur­dischen Delegation in Fühlung getreten.

Kleine politische Nachrichten.

In Nordafrika griff die Luftwaffe der Achsen­mächte Ziele in Tobruk mit Erfolg an. Deutsche Flugzeuge belegten einen feindlichen Flugplatz mit Bomben. Dabei wurden abgestellte Flugzeuge zer­stört und weitere beschädigt.

Bei dem Luftangriff auf Neapel in der Nacht zum 12. November schoß hie Bobenabwehr ein feindliches Kampfflugzeug ab, das in Richtung des Hafens ins Meer stürzte. Die Zahl her festgestellten Verluste stieg von sechs auf sechzehn Tote und 34 Ver­wundete.

Im Park von Malaga wurde ein Gedenkstein zu Ehren der in der Nähe der Stadt am 30. April 1937 gefallenen sieben deutschen Freiwilligen der Legion Condor" eingeweiht. Dem feierlichen Akt wohnte eine Abordnung der deutschen Botschaft, Vertreter der Behörden von Malaga und führende Mitglieder der gelange bei.

Aus aller Welt.

Eine nachgelassene Symphonie Siegfried Wagners.

In einem Mannheimer Akademiekonzert gab Karl Elmendorfs die erste Gelegenheit, ein Werk öffentlich zu hören, das Heinz T i e t j e n bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen vor den Mit­wirkenden als eine besondere Ueberraschuna auf- geführt hatte, nämlich eine hinterlassene Symphonie Siegfried Wagners, die zwischen 1915 und 1927 entstanden ist. Der Meister Des volksnahen Märchentones spricht aus diesem Werk. In eine weitgespannte Form ist eine Fülle reizvoller Einfälle verstreut. In dieser Symphonie werden keine tiefen Probleme gestellt, es gibt keine dramatischen Spannungen, aber es herrscht ein frischer Zug volksnaher Musizierfreude, ein musi­kalischer Humor, her entspannt unb erfreut Immer wieher bricht eine herbe Fröhlichkeit burch. Die im breiten Scherzo Triumphe feiert unh einen wirk­samen Kontrast zu her herzlich-schlichten Melodik bes langsamen Satzes und her lyrisch-romantischen Epi- toben bilbet Das effektvolle Werk würbe von ElmenbÄff unh hem Nationaltheater-Orchester ganz im Geiste hiefes Meisters eines volksnahen Musi­zierstiles erschlossen unh sand bei Den Zuhörern freuDige Z ustimmung. C. J. B.

3n Schutzhaft.

Vor einiger Zeit erschien nach Mitternacht auf einem Polizeirevier in Erfurt Die 22jährige Elsa R. und gab an, daß sie von einem unbekann­ten Mann überfallen worden sei. Das junge Mädchen bat Darum, in Schutzhaft genom­men 3U werden. Es bedurfte umfangreicher Er­mittlungen, um festzustellen, baß bie ganze Ange­legenheit auf Schwindel beruhe. Elsa R. mar, wie sich herausstellte, in lustiger Gesellschaft länger von zu Hause fortgeblieben, als si? es bürste, und sie befürchtete Seftrafung von ihrem Stiefvater. Aus diesem Grunde hatte sie das Märchen von hem UeDerfall erfunden. Die phantasiebegabte Bumme­lantin, bie die Polizei in unnötiger Weife bemüht hatte, wurde wegen groben Unfugs vom Erfurter Amtsgericht zu drei Wochen Hast verurteilt.

Schwere Sturmschäden in Belgrad.

Am Verlagsgebäude der Belgrader ZeitungOb- riova" und des Belgrader illustrierten Blattes Dom i Svet" wurde durch den scharfen Ostwind eine Wand eingedrückt, so daß das Dach des Gebäudes einstürzte und mehrere Mitglieder her Redaktion unter sich begrub. Zwei weibliche An« gestellte wurden tot und ein Schriftleiter schwer oer* letzt unter ben Trümmern hervoraezogen.

Karin Grunelius

Roman von GuiöoK.Vranö

27.Fortsetzung (Nachbruck verboten.)

Thomas setzte sich wieder. Er schien ihr jetzt älter als er war, unb seine Figur hatte etwas Bäueri­sches an sich. Sie hätte sich kaum gerounbert, wenn er angefangen hätte, von her Arbeit zu erzählen, die noch auf dem Felde zu tun war.

Entweder gab er sich nicht bie geringste Muhe, etwas vor ihr zu verbergen, ober er schien gar nicht Darauf zu achten, baß noch jemanb außer ihm im gleichen Zimmer war. Daß es nicht eine gespielte Szene war, erkannte sie an her völligen Abwesen­heit, aus her heraus er sie anrebete. Als hätte er mit ihr schon eine Zeitlang Zwiesprache gehalten, sagte er:Ja, wissen Sie, wenn wir finben, was Gruber vermutet, können wir uns einen Namen machen. Ich habe schon vor meinem Urlaub eine Versuchsreihe burchprobiert, bin aber nicht weit ge­kommen. Vielleicht müssen wir die GrunDanordnung ändern. Oder es kann auch die Richtung falsch sein."

Er zog aus der Schublade ein kleines schwarzes Heft, fuhr mit feinem Zeigefinger ein paar Seiten auf unb ab, las eine Reihe von Zahlen unb Tempe­raturen vor, erklärte, ohne baß er Karin überhaupt gesagt hatte, worum es sich banbelte, ben systemati- jchen Ausbau einer physikalischen Analyse, vermutete eine spezifische Funktion unter bestimmten Voraus­setzungen, bie sich aus bem Zusammenklingen von Antimonchlorib unb Chloroform ergaben und eine Abweichung von den bisher bekannten Jsoprenmole- külen herbeiführen sollten

Fast zehn Minuten lang dozierte Thomas über bleie Frage, mit allen Wenn unb Aber ihrer Mög- lichkeiten, grübelte sich in einen unburchDringlid) kheinenben Raum hinein unb schwenkte mit einer kühnen Geste auf ein angrenzendes theoretisches

Gebiet. Wie ein Magier entwickelte er an der 6- Ascorbinfäure bie Kunftgejetze Der orguü'chm Che­mie, so daß Karin eine ungeheuer plastische Vor­stellung, ja ein beinahe raumhaftes Gesicht von der Struktur und dem Aufbau einer sich mechanistisch ausnehmenden Formel hatte.

Darüber hinaus aber hatte sie bas Gefühl, als würben in Thomas zu gleicher Zeit zwei Menschen sichtbar. Der eine vollbepackt mit Wilsen unb erb= Haftern Derwurzeltsein, voll Schwere, der anbere voller Leichtigkeit her Formulierung, eleganter Geistigkeit, bie jeglichen Gegner aus bem Hinterhalt lockt und ihn mit löblicher Sicherheittrifft.

Erft nach einiger Zeit hatte sie herausgefunben, baß es sich um bie ben Vitaminen angehörenbe Bios-Gruppe hanbelte, von benen man noch nicht recht wußte, welche Bebeutung sie für den Men­schen hatten.

Eine wunderbare Aufgabe ist das ja!" frohlockte sieUnd ich soll diese Arbeit weiterfuhren? Allein?" kam es zaghaft nach. Sollte sie zugeben, daß sie so viel Laboratoriumserfahrung gar nicht hatte? Würde er sie nicht auslachen ober vielleicht feine Ueberlegenheit fühlen lassen? Denn schon in dieser Stunde spürte sie, daß sie ihm nicht gewachsen war. Vielleicht hätte sie das aber nicht so unan­genehm empfunben, wenn sie nichts anderes ge­wußt hätte, als baß er der erste Assistent von Pro­fessor Gruber war

Sekundenlang kam sie sich ihm gegenüber wie eine Schülerin vor

"Ja, natürlich sollen Sie das allein machen. Haben Sie übrigens keinen Doktor? Das wäre viel­leicht ein Thema für Sie! Ich könnte mit Gruber Darüber sprechen!"

- Muß bas fein? In Kapstadt, das heißt auf den englischen Universitäten, ist das ahbers. Don ihren Graden habe ich nichts gehalten und ich weih auch gar nicht, ob sie in Deutschland anerkannt werden", luchte sie sich zu wehren . Wenn Sie meinen, kann ich ja das Examen nachholen!"

I Es sollte wie eine kühle Verteidigung klingen, aber mehr als ihr lieb war, schwang ein bittender Unterton mit.

Selbstverständlich wird das gemacht! Lesen Sie -sich das mal durch. Oder besser noch, mir fangen gleich eine neue Versuchsreihe an!"

j Mit einer jungenhaften Lebhaftigkeit sprang er , auf unb holte aus seinem Schrank seinen Labor- I kitte! heraus, her im Gegensatz zu dem Karins schon ziemlich abgenutzt und schmutzig war. Er klingelte unb rieb sich die Hände, wie im Vorge­fühl eines Erfolges.

Noch ein Wort über unseren Diener, genannt der Wurzelsepp Er betreute nämlich früher ben Universitätskräutergarten, daher sein Spitzname. Aber er ist auch so ein Original, kennt ben Atom- | aufbau bes Ergosterins ebenso gut wie er weiß, | bah beim Methylieren her enolischen Hydrolyre her Ditamincharakter verschwinbet. Er hat mehr Ahnung von der Materie als mancher Student im vierten Semester."

Die Pause, bis her Diener kam, benutzte Bröger merkwürbigerweise bazu, um mit einem Kamm, den er aus der Seitentasche bes Mantels heraus» holte, bie Haare zu kämmen unb sich hie Krawatte fester zu binden. Er machte Dabei einige Bewe­gungen, die eine ganz neue Seite seines Wesens Zeigten Er schien eitel zu fein. Oder war es die äußerliche Ordnung, eine Ausstrahlung seiner gei­zigen Exaktheit? In Sampieri wenigstens hatte sie das nicht an ihm beobachtet. Er war also ein Mensch, der sich teilen konnte.

Aber wie gesagt sonst können Sie mit unserem Wurzelsepp Pferde stehlen. Besonders dann, wenn Sie etwas von ben Bakteriologen brauchen."

Die letzten Worte klangen schon in das Geräusch her sich öffnenden Tür hinein, durch die ein kleiner, stark ur icrfeßfer Mann mit eincm v-rs«hm"Cp'? Ge­sicht, geröteter Nase und einer zierlichen Locke des noch als Rest verbliebenen schwarzen Haares ein­trat.

No, also.' Da fan mr ja, Frailn ©runelius! Kva Wort hab i bem Herrn Doktor gsagt Eine lieber« raschung hals sein solln? No und wie hab i dös gmacht. I woas scho Bescheid vom Herrn Ge­heimrat. Passens auf, Herr Doktor Bröger, da hamS I eine Konkurrenz kriagt! Eine Konkurrenz sag t Eahna! Also was mir der Herr Professor gesagt hat, sollns ja an fulminantes Wissen ham f?railn Grunelius, an ausnehmend fundiertes. I glaub, mr können uns gratuliern!" wandte er sich zwischen Bröger unb Karin, bie über den Wortschwall eini» germaßen erstaunt war, hin unb her.Und i bin also der Wurzelsepp. Hoffentli hasts Eahna der Herr Doktor gsagt. Und eins no grundsätzli, ih unserem Labor is immer Zufriedenheit, eitel Freud und affrat so, als ob mr eine große Famili roäm, gcllns, Herr Doktor?"

Bröger konnte es nur bestätigen, unterband aber ben Redefluß des Sepp mit der Bitte, einige Säuregläser unb chemische Reagenzien nachzu­füllen.

So, so, sans wieder bei den Bios? Ein wun» berbares Thema, Frailn Grunelius. Da wann mr brauffemma, nir fagn!" Er klopfte dreimal mit ieinen runden Knöcheln an bie Tischkante, als mollte er einen Fehlschlag fortbeschwören.

Karin stützte sich mit weit ausgebreiteten Armen auf bie Gasröhre, die den Tisch entlang lief und schaute erwartungsvoll, von innerer Erreaung glühend, über bas regellose Bild, in bas sie selbst wie ein dazugehörenber Teil hineinwuchs als sie ein Reagenzglas in die Hand nahm unb Brögers i Stimme hörte:Nehmen Sie mal Antimonsäure, wir können ja den Versuch wiederholen."

I In diesem Augenblick fiel ein Sonnenstrahl auf bie gelblichbraune Flüssigkeit, und es schienen tausend kleine Kristalle darin aufzuglitzern Die perlend in bie Tiefe sanken. Dahinter aber sah sie Zwei grohe Augen auf sich gerichtet, denen sie nicht ausweichen konnte.

(Fortsetzung folgt)