Der recht in Freuden wandern Witt...
Unter diesem Motto bringt der Reichssender Frankfurt n. M. in jeder Woche ein Sendung, in der Vorschläge zu Sonntagswanderungen und Ur- loubsaufenthalten in der engeren Heimat gemacht werden. Nachdem derartige Sendungen in früheren Wochen bereits mit Darmstadt, Frankfurt, dem Westerwald usw. als Mittelpunkt gegeben worden waren, standen auf der Tagesordnung der Sendung am gestrigen Mittwochvormittaa unsere Stadt Gießen und unser schönes Oberhessen.
Der srische Gesang der Wanderliedes „Wer recht in Freuden wandern will" leitete die Sendung ein. Danach gab der Rundfunksprecher in einer fesselnden Plauderei ein Bild von den Schönheiten der Stadt Gießen und ihrer engeren Umgebung mit einer Wanderung zum Schiffenberg und zum Gleiberg, weiter berichtete er von den Eindrücken auf größeren Wanderfahrten nach Lich und Kloster Arnsburg, Laubach,x Schotten und dem Hoherods- kopf. Dabei wurden die landschaftlichen Schönheiten, der Reiz der kleinen Städte und Dörfer und die kernhafte Art des oberhessischen Volkstums in anschaulicher Weise geschildert und so den Hörern ein lebendiges Bild von dem schönen Oberhessen vermittelt. Damit auch die Wasserwanderer ihre Erwartungen erfüllt sehen konnten, wurden noch mancherlei wertvolle Ratschläge für Kanufahrten von Gießen aus lahnaufwärts und lahnabwärts und für Paddeltouren auf den kleinen Flüßchen in Oberhessen gegeben.
Der Landesfremdenverkehrrverband Rhein-Main in Frankfurt und fein Gebietsreferent für Ober- Hessen, Schriftleiter und Verkehrswerber der Stadt Gießen, Hans Fritz Schuster, sowie unsere heimatlichen Fremdenverkehrs- und Wandervereine, hier vor allem, der Vogelsberger Höhenclub, haben zu der Gestaltung dieser Rundfunksendung in anerkennenswerter und verdienstvoller Weise durch Bereitstellung des erforderlichen Materials für die verschiedenen Wandervorschläge und Landschaftsschilderungen beigetragen. Unsere Stadt Gießen und unser schönes Oberhessen dürften durch diese Sendung vielen Volksgenossen in nachhaltiger Weise ncche- gebracht worden fein.
Oie „pilzjagd^ beginnt.
Nun hat auch in diesem Jahre wieder die eigent- liche Pilzzeit begonnen, und es ist anzunehmen, daß eifriger denn je zuvor gesammelt werden wird. Es hat sich nämlich inzwischen herumgesprochen, daß Pilze em hochwertiges Nahrungsmittel darftellen, das reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist. Darüber hinaus eignen sie sich vorzüglich zum Einmachen, oder aber sie ergeben getrocknet eine schmackhafte Beigabe zu unserer vitaminarmen Winterkost, die immer mit Freuden begrüßt wird.
Aber woher die vielen Pilze holen, daß sich eine Aufbereitung für den Winter auch wirklich lohnt? Weder Pfefferlinge noch Steinpilz wachsen so dicht beieinander, daß wir jedesmal mit einem vollen Korb von unserem Gang durch den Wald zurück- kehren. Nun, oftmals liegt die Schuld an einem mageren Sammelergebnis an dem betreffenden Sammler selbst. X£r kennt eben nur den Pfefferling oder den Steinpilz ober den Butterpilz ganz genau, ein Grünling ober ein Birkenpilz bereitet ihm schon Unbehagen, und in den meisten Fällen läßt er diese Pilze lieber unbeachtet stehen, ganz zu schweigen etwa von dem Perlpilz, dem Parasol oder dem Röhrling. Und gerade die letzteren Pilzarten sind viel häufiger anzutreffen und stehen dem Pfefferling oder dem Steinpilz an Güte kaum nach.
Gewiß gilt für den Pilzsammler als oberstes Gesetz die Regel: „Sammle nur solche Pilze, die du sicher kennst!" Nur so entgeht man der Gefahr einer Pilzvergiftung. Denn eine allgemeine Regel oder ein Mittel, um damit irgendeinen Pilz auf Eßbarkeit oder Giftigkeit zu prüfen, gibt es nicht. Und doch sind die meisten Pilzvergiftungen, von denen wir in jedem Jahr aufs neue in den Zeitungen lesen, weniger auf den Genuß von Giftpilzen, als auf den Genuß verdorbener Pilze zurückzuführen. Im Sommer darf man nämlich frisch gesammelte Pilze nur einen Tag, im Herbst höchstens 2 Tage aufbewahren, und zwar flach ausgebreitet an einem luftigen und kühlen Ort. Auf dem Markt gekaufte Pilze find immer sofort zuzubereiten.
Es wäre schade, wenn nur ein geringer Teil unserer eßbaren Pihze gesammelt würde und der größere Teil ungenutzt verkommt, nur weil die Kenntnis um unsere eßbaren Pilz arten im Volke nicht genügend verbreitet ist. Denn je mehr Pilze wir kennen, desto ergiebiger wird unsere Pilzjagd sein, und um so mehr Freude wird sie uns auch
bereiten. Don Sachverständigen ist berechnet worden, daß der Gesamtwert der in Deutschland in guten Jahren wachsenden Pilze an 100 Millionen Reichsmark heranreicht. Daß diese Werte unseres Waldes uneingeschränkt der deutschen Volksertzäh- rung zugute kommen, sollte uns alle dazu bewegen, mit noch größerer Fachkenntnis auch in diesem Jahre an der beginnenden Pilzjagd teilzunehmen.
Um die Lücken in unserem Wissen um die deutschen Pilzarten auszufüllen, sollte man sich durch den Buchhandel ein geeignetes Nachschlagewerk besorgen. Der Wert des Pilzes in unserer Ernährung rechtfertigt bestimmt diese Ausgabe, die sich durch reges Sammeln bezahlt macht. P- St.
Wäsche nachts nicht im Freien hängen lassen.
Verschiedene Beobachtungen machen es notwendig, an die Verordnung zu erinnern, die es verbietet, während der Nacht weiße Wäschestücke im Freien hangen zu lassen. Die flatternde Wäsche ist, weithin sichtbar und kann den Feindfliegern menschliche Behausungen verraten. Anderseits aber besteht
auch d've Gefahr, daß die Wäsche zerrissen oder ge- stöhlen wird.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 14. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, % kg 7, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 16, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10, Römischkohl 8, Bohnen, grün, 30, Rhabarber 15, Falläpfel 10, Pflaumen 40, Mirabellen 40, Salatgurken 20, Einmachgurken 20, Endivie«, das Stück 15 Rpf.
*
** DerMütterschulkmrs „Säuglings- pflege" beginnt Montag, 18. August, im Fröbel- seminar, GarteNstrahe, abends, 20 Uhr.
Landkreis Gießen.
s Lang-Göns, 14. Aug. Am 16. August begeht Sattlermeister Anton Karl B e p p I e r, Breitgasse, bei guter geistiger und körperlicher Frische seinen 8 4. G eburts ta g. Wir wünschen viel Glück.
Schwaben Augsburg, Wacker München, Eintracht- Franken Nürnberg und RSG. Weiden.
Earl Steding, der Reichsfachamtsleiter für Turnen, vollendet am 18. August fein 60. Sehens- jahr- .
Heinrich Maier (Singen), der bekannte Amateurboxer, fand im Osten den Heldentod. Maier war mehrfacher Bereichsmeister von Baden und Württemberg.
Ein Tennis-Vergleichskampf zwi- fchen den HJ.-Gebieten bzw. Obergauen Hessen- Nassau und Württemberg findet am kommenden Samstag und Sonntag in Frankfurt a. M. statt.
Die Kanu-Staffelmeisterschast des Bereichs Südwest wird am Sonntag, 24. August, in Frankfurt a. M. entschieden. Titelverteidiger ist die Mainz-Kasteler RG. Germania.
Die Frankfurter Herb st - Ruderregatta soll am 7. September stattfinden. Im Mittelpunkt der Regatta steht das Main-Pokal- Einerrennen, das nun schon zum 42. Male gerubert wird.
Ein Jugend-Ländertreffen im Ruber n soll im Rahmen der Wafserkampfspiele bei HI. am 27. und 28. (September in Berlin durchge- führt werden. Dem Sieger fällt der Ehrenpreis des Reichsjugendführers zu.
Der Winterwettbewerb der Ruderer wird auch im Winter 1941/42 beibehalten werden, nachdem die beiden ersten Veranstaltungen dieser Art erfolgreich verlaufen* sind.
Renngemeinschaften werden nach einer Anordnung der Reichssportführung jetzt auch bei radsportlichen Mannschaftskämpfen zugelassen, erst, mals bei der deutschen Meisterschaft im Straßen- fahren für Dereinsmeisterschaften am 24. August in Erfurt.
Wieder Radrennbahn in Darmstadt.
Lpd. Darmstadt, 12. Aug. Durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung ist die alte Rennbahn an der Heidelberger Straße wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt worden. Die eifrigen und erfolgreichen HJ.-Rennfahrer, die in der GfL. Darmstadt von dem alten Straßen- und Rennbahnfahrer Rentschler betreut werden, haben nun wieder eine Trainingsstätte. Wenn auch zur Zeit keine großen Umbauten möglich sind, so wird die Radrennbahn doch behelfsmäßig hergerichtet. Das erste Bahnrennen ist für September geplant.
Wie verwertet man Fallobst?
Fallobst, zu dem man vor allem Aepfel, bann aber auch Pflaumen und Birnen rechnet, läßt sich auf verschiedenste Weise in der Küche verwerten. Bei der Zubereitung von Nachspeisen ober Hauptgerichten, wie Flammeris, Klößen, Aufläufen, Puddings usw. kann Fallobst ausgezeichnet verarbeitet werden. Außerbem läßt es sich auf mancherlei Art für den Winter haltbar machen. Falläpfel verarbeitet man zu Gelee, Saft, Mus oder Marmelade. Aus Pflaumen kann gleichfalls Saft, Mus ober Marmelade hergestellt werden. Halbierte Birnen legt man in Zucker-Essig-Lösung ein, oder man bereitet aus Pflaumen und Dirnen zusammen ein Obstmus, das übrigens, ebenso wie Pflaumenmus, ohne Zuckerzugabe gekocht werden kann. Man mutz, das vorbereitete Obst nur so lange kochen, bis es die genügende Festigkeit hat. Sehr zu empfehlen ift auch das Eindünsten von ungezuckertem Mus ober saurem Obstsaft in Flaschen. Die gefüllten Flaschen: werden dazu, wie der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes schreibt, erst nur behelfsmäßig verschlossen, auf einer Unterlage im Wasserbad eine- ' Viertelstunde gekocht und dann nach Erkalten vorschriftsmäßig verschlossen. Daß man auch bei anderem Arten des Einmachens alle schlechten Stellen aus; dem Fallobst sorgfältig entfernt, ist eine selbstverständliche Forderung, wenn man gute Resultate erzielen will.
Oes Kindes Schutzengel.
LPD. Bad Homburg, 11.Aug. Ein fünfjähriges Bübchen wollte Fallschirmjäger spielen. Es holte sich eigen Regenschirm der Eltern, ftie® auf die Fensterbank ver im zweiten Stock gelegenen Wohnung, spannte den Schirm auf un» sprang in den Hof. Wie durch ein Wunder blieb bas Kind unverletzt, da es sich um ein älteres* niedrig gebautes Haus handelte. _
Oie:
ochenschankamera blendet auf!
Mitreißende Bildberichte vom Kriegsgeschehen im Osten.
Was an Heldengeist, Einsatzbereitschaft, an Tapferkeit, hartem, unerbittlichem Rinaen hinter dem so oft gehörten Sitz des Wehrmachtberichtes „Die Operationen im Osten nehmen ihren planmäßigen Verlauf" steht, veranschaulichen die dramatischen Bildberichte der neuen Deutschen Wochenschau (U 571). In vorderster Linie, an allen Fronten sind die Kameramänner, um die. einzelnen Kampfphasen vom unteren Lauf des Dnjestr bis zum Finnischen Meerbusen einzufangen. Vor den Augen des Zuschauers ersteht — in großen Uebersichten — die größte und gewaltigste Vernichtungsschlacht der Weltgeschichte, in der neun Millionen Soldaten zum Kampf angetreten sind. Schulter an Schulter mit den siegreichen deutschen Soldaten, deren Leistungen einfach unvorstellbar sind, kämpfen die Heere der verbündeten Mächte. Immer neue Freiwillige melden sich. Aus allen Teilen Europas brechen fie auf, um sich an die Front zu begeben.
Der Führer setzt seine Frontveise fort, überall wird ihm der gleiche jubelnde Empfang von seinen Soldaten bereitet, die nicht nur als Befreier, sondern auch als Hüter der Ordnung in den eroberten Städten und Dörfern des Ostens von der dankbaren Bevölkerungs-begrüßt werden. Das grauenvolle Elend und die entsetzliche Armut, in denen die Menschen des „Sowjetparadieses" zu leben gezwungen sind, erschüttern selbst die durch den Krieg gehärteten Soldaten. Immer wieder entdecken sie beim Vordringen scheußliche Greueltaten entmenschter Sowjethorden: eine furchtbare Anklage gegen die bolschewistischen Machthaber erheben dre völlig verwahrlosten, unterernährten Kinder eines schmutzstarrenden Kinderkrankenhauses, die anstatt hier
SJ-fpori
Leichtathletik-Allerlei.
Anerkannte Rekorde.
Das Fachamt Leichtathletik im NSRL. hat drei in diesem Jahre aufgestellte Rekorde als neue deutsche Hochleistungen bestätigt. Es handelt sich um die Bestleistung von Hermann Grittner (Reichsbahn SG. Köln) im 20-Kilometer-Gehen in 1:34:56,8 am 11. April in Berlin, ferner im 30» Kilometer-Gehen von Hermann Schmidt (Polizei SV. Hamburg) in 2:30:33,6 am 27. April in Hamburg und im 1000-Meter-Laufen von Rudolf farbig (Dresdner SC.) in 2:21,5 am 24. Mai in Dresden. Die Leistungen von Schmidt und Har- big stellen gleichzeitig neue Weltrekorde dar und sind aus diesem Grunde dem Jnterationalen Leichtathletik-Verband in Norrköping (Schweden) zur Anerkennung eingereicht worden.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Am kommenden Sonntag bestreitet die 1. Jugend der Spielvereinigung 1926 Leihgestern vor Beginn der Verbandsspiele noch einmal ein Gesellschaftsspiel in der alten bewährten Mannschaftsaufstellung. Gegner ist die 1. Jugend von Großen-Linden.
Heilung zu finden, dem sicheren Tode entgegen- siechen. Angesichts solcher Dokumente müßte es eigentlich der Welt klar werden, vor welchem Schicksal der Führer Europa bewahrt hat. An allen Fronten tobt der Vernichtungskampf, die verzweifelten bolschewistischen Gegenangriffe zerschellen an der eisernen deutschen Mauer. Auf dem Lande, in der Luft, zur See, überall, wo der Feind sich zeigt, wird er vernichtend geschlagen. Im Hauptquartier des Reichsmarschalls, der dem Stabsfeldwebel Rudolf Racke, Flugzeugführer in einem Kampfgeschwader, mit weit über 100 Feindflügen, das Ritterkreuz überreicht, wird der Einsatz der Luftwaffe besprochen. Der Reichsmarschall, inmitten seiner siegreichen Flieger Oberst Mölders, Major Oesau, Oberstleutnant Galland, Namen, die jeden Deutschen mit Stolz und Hochachtung erfüllen, orientiert sich über Dem Verlauf der Kampfhandlungen. Wieder starten ^deutsche Flugzeuge, belegen Vormarschstraßen, zerstören feindliche Flugplätze, schießen feindliche Fleugzeuge ab, stoßen im Tiefangriff auf feindliche Kolonnen.
,F)ie Operationen nehmen ihren planmäßigen Verlauf", die Wochenschau enthüllt schonungslos die Wahrheit, welche die Feindmächte durch ohnmächttge Lügenmeldungen in Abrede stellen wollen. Der deutsche Vormarsch ist nicht aufzuhalten! Wie weit er in Den ersten sechs Wochen des Kampfes vorgetragen ist, zeigt der Geländegewinn von 1941 gegen Den der sechs ersten Wochen der Frühjahrsosfen- sive 1915 von Gorlice und Tarnow. Das find Tatsachen deutschen Sieges, die nicht abgeleugnet werden können! i- M. J.
Beide Mannschaften standen sich schon öfters gegenüber. In Den vergangenen Spielen blieb Leihgestern meistens Sieger. Ob es am kommenden Sonntag in Großen-LinDen wieDer zu einem Siege von Leihgestern reicht, bleibt abzuwarten, Da Gro- ßen-LinDen an Spielstärke zugenommen hat und in heimischer Umgebung immer gefährlich ist. Das Spiel, das im Rahmen Des Ortssporttages von Großen-LinDen zum Austrag kommt, wirD von beiDen Mannschaften in stärkster Aufstellung bestritten.
In Leihgestern kommt ebenfalls ein Fußballspiel zum Austrag. Die 2. Jugend Der Spielvereinigung erwartet die 1. Jugend von RoDheim (Bieber) zum letzten Gesellschaftsspiel vor Beginn Der Verbcmds- runDe. Die Gäste sinD in Leihgestern wenig bekannt, gelten aber als spielstark und werden Den Leihgestern ihr ganzes Können abverlangen.
Kurze Sportrioiizen.
Die Fußball-Bereichsklasse Bayern wird in der neuen Spielzeit folgende 12 Vereine umfassen: 1860 München, 1. FC. Nürnberg, BC. Augsburg, Spvgg. Fürth, Jahn Regensburg, Neu- meyer Nürnberg, Bayern München, Schweinfurt 05,
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M.Vöttchee.
56. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Lietzendorf kann sich nicht frei machen von diesem Bewußtsein eines Schuldgefühls.
Er möchte nicht erneut mit Den Herren Der Dominik-Werft zusammenstoßen. UnD er will auch nicht, daß er Den Anlaß zu neuem Streit zwischen den beiDen alten FeinDen Lind und Dominik bildet, wenn die Norddeutsche Werft, wie zu erwarten steht, seine Erfindung einmal erworben hat.
Darum bemüht er sich, sich in jeder Weise von Den Wegen fernzuhalten, Die Der junge Dominik nach Dem früher Besprochenen beschreiten Dürfte.
Aber Der Entschluß ist leichter gefaßt als durchgeführt.
Wie hatte doch Nissen sich seine Aufgabe gestellt gehabt?
Noch einmal genau Nachdenken!
So war es: Bei Der Verbrennung von Treiböl oerbinDen sich Kohlenstoff unD Sauerstoff zu Kohlensäure. Gelänge es. Diese VerbinDung wieDer zu zerstören unD sie auf Die beiDen Ausgangssloffe zurück- zuführen, bann könnte Die Verbrennung nochmals beginnen, könnte ein zweitesmal getrennt werben, unb so fort — ein ewiger, rounberbarer Wechsel.
Nissens Weg würbe also, wenn er überhaupt bas gesteckte Ziel erreicht, zu einer Jbeattüsung führen. Sie würbe eine ber munberbarffen Entdeckungen fein, die jemals Der Menschengeift gestaltet hat.
Man stelle sich vor: Ein Eimer Treibstoff unD ein paar Kubikmeter Luft, die brennen, aber niemals weniger werden unb sich aus sich selber stetig erneuern. ..
Es könnte wahrhaftig lohnen, Daran Die Kraft unD Liebe eines Menschenlebens als Einsatz zu wagen.
Immer wieDer gehen Lietzcnborfs Gebanken diesen einen, diesen lockenden Weg. Oft verliert er sich in feinen Träumereien jo völlig an die Idee, daß es für ihn ber Gewalt äußerster Selbstzucht bedarf, sich öieber in die Tatsachenwelt zurückzurufen, in
bie Welt jener Tatsachen, wo ein gebrochenes Ehrenwort den Mann Zum Wicht werben läßt.
Gewiß, er hat keine rechtlichen Verpflichtungen gegen Nissen Dominik.
Trotzdem unb gerade Deswegen!
Er schüttelt Den Kopf, als wenn er sich gegen einen unsichtbaren Tabler oerteibigen müsse.
Gewiß — man wäre ein großer ErfinDer, aber zugleich ein großer Schweinehund, der einem Freunde seine Idee stahl.
Nein! Das kommt für Lietzendorf nicht in Frage.
Es gibt ja, Gott sei Dank, noch eine zweite Methode, dem Problem zu Leibe zu rücken! Er wird versuchen, gewissermaßen schon auf halbem Wege am Ziel zu sein.
Das heißt: Er will sich um die Rückgewinnung Des Kohlenstoffs überhaupt nicht kümmern, sondern sich auf Die des Sauerstoffs beschränken.
Auf den Sauerstoff kommt's ja am meisten an.
In seinen Planungen spielt er wieder mit Den Begriffen aus Dem menschlichen Leben, Die Die chemischen Vorgänge leichter verstänDlich machen unD plastischer gestalten.
Wenn also Sauerstoff unD Kohlenstoff im eisernen Dom ber Maschinenzylinber Hochzeit gefeiert haben unb inetnanber verschmolzen unb eins geworben ftnb, bann wirb Lietzendorf ihre „Ehe" Kohlensäure sofort durch einen „Ehebrecher" zerstören lassen. Dazu ist letzten Endes nichts weiter nötig, als für Den Eheherrn Kohlenstoff eine liebenswertere Ge- sellfchafterin zu finden, um deren Willen er Frau Sauerstoff fahren läßt.
Das Verfahren — im Prinzip — ist schon nicht einmal mehr ganz neu. Bloß war bisher immer Die Frau Der „schulDige" Teil Man brauchte bie Dame beispielsweise bloß in Die Gesellschaft von KaliumhyDroxyd zu bringen. Das erweist sich als ber rechte Don Juan. Unter seinem unmoralischen Einfluß geht bie festest gefügte Ehe in Die Binsen, unD Herr Kohlenstoff ift eher allein, als er fich's träumen läßt. Seine Gattin ist inzwischen in Den Armen Des Liebhabers auf unD Davon.
Schade, Daß Der Ehegatte selber ein rechter Ritter Poggenburg zu sein scheint. So sehr feine Erkorene zur Untreue neigt. Er selber ist beftänbig, ein Muster von Ehemann.
Unb gerabe auf ihn kommt es an. Er muß nach Lietzendorss JDee pnbermeitig gefefjelt werden, da
mit man für Die frei gemorDene Gattin einen neuen Partner finDen kann. Von Denen gibt’s ja genug. In großen Bunkern voll Treiböl warten sie bloß Darauf, Daß ihr Schicksal sich erfüllt.
Viel wichtiger ist — wie so oft im Leben — Das Schicksal ber Frau.
So also schwebt es Lietzenborf vor: Statt Kohlensäure durch Kaliumhybroxyb verführen zu lassen unb babei Den Sauerstoff anDerroeitig zu binden, soll der Sauerstoff frei werden. Das ganze Geheimnis ist also, einen Stoff zu finden, der zwar gleichfalls bie Kohlensäure zerstört, Dabet aber Den Kohlenstoff an sich reißt und dabei den Sauerstoff freigibt.
Der kann Dann im enDlofen Kreislauf immer unD immer wieDer gebraucht werden zur Verbrennung und zur Atmung.
Das alles sieht so einfach aus, so kinderleicht.
Bloß einen Stoff, Die eine einzige Chemikalie braucht man dazu, eine Formel, nach Der sich Bindung und Zersetzung vollziehen und ein Verfahren, mittels dessen Der chemische Umwandlungsprozeß dem Menschen nutzbar gemacht wird.
Auf dieses Ziel stellt Lietzendorf seine Arbeiten ein. Nach dieser Richtung Hin studiert und probiert er ...
Immer neue Bedenken ergeben sich dabei —.
Unter immer anderen Gesichtswinkeln erscheint die Aufgabe.
Er hat insofern Glück, als die Frage ja noch nicht in andere Bezirke des industriellen, Des menfchlicben, des pflanzlichen Lebens hinüberschneidet. Ihre Untersuchung ist darum bereits längst von Großfirmen der chemischen Industrie, von Biologen, von Natur. Wissenschaftlern aller möglichen Sparten aufgenommen worden. In Den Instituten der Jndustriekon- zerne. Der Universitäten, Der technischen Hochschulen sind ganze Personalstäbe Damit beschäftigt.
So kann Lietzenborf immer roieber mit Fachchemikern forrefponbieren und sich umfaffenbfte Spezialinformationen beschaffen.
UnD so kommt er wieDer auf Professor Erik, Der ja einen wesentlichen Teil feines Forfcherlebens Der wissenschaftlichen Erschließung und Darstellung der Geheimnisse der Brennstoffchemie gewidmet hat.
Professor Erik ist auch gleich mit dem ganzen Herzen Dabei. Er kommt selber. Baut mit an Den Apparaturen. Berät, Hilft. Belehrt, (Stellt Ana
lysen unD Synthesen an. Geht auf in dieser lockendsten Aufgabe seines Lebens.
Und nun sieht es so aus, als ständen sie bald voc dem guten Ende. Im Laboratorium sind die Versuche schon geglückt. Es kommt bloß Darauf an, fie im großen auszuprobieren unb Durchzuarbeiten.
Es kann sich also nur um ein paar Tage, höchstens um wenige Wochen hanbeln, bann ist Lietzen- oorf am Ziel.
Der Zufall geht seine eigenen Wege.
Peter Schneider hat in SwinemünDe zu twv. Auf Der Reichsbank. In irgenbeiner ärgerlichen An» gelegenljeit, Die viel Zeit wegnimmt und nichts ein- bringt. Da Die Bahnverbindung miserabel ift nimmt er ben Wagen, unb Da Zeit Geld ift, W er Den Fahrer hunDertunDzehn Stunbenkilomte» fahren. Der Fahrer übersieht ein Schlagloch. Den Wagen fliegt hinein, baß es nur fo hagelt. Für em paar Sekunben sieht es aus wie fünf Minuten noA Weltuntergang.
Krach--Achfenbruch!
Peter Schneiber steht siebzig Kilometer von Swinemünbe auf Der Landstraße unb besieht M den Schaden. Weiterfahren ist unmöglich. Eisem- bahnverbinbung gibt’s hier in ber Nähe nia)J UnD Der Reichsbankbirektor in Swinemünbe wartet
Böse Sache. Außerbem ist es hundekalt. Schnell' ber weiß nicht, über was er zuerst sich ärgern foul über bie Schlaglöcher, über ben Chauffeur, über Di e Reichsbank, über das Geschäft, das sowieso ntd)^ einbringt, über bie Kälte, über ... über ...
Er steht auf Der Lanbstraße unb schimpft. Ueoe-r alles. Der Fahrer hält sich abseits unb raucht etme Zigarette. Ihm kann Der Vorfall wurscht sein, u* steht im Wochenlohn. Ueberftunben werben ejfr« bezahlt. Heute wird bie Nebeneinnahme Daran-’ ganz schön werden.
Schneiber denkt anders über die Situation.
Vor allem möchte er weg. Irgendwohin, wo warm ift Am liebsten nach Swinemünbe. Noch.1'^ ber nach Hause. Der Reichsbankdirektor mag UP ben Buckel 'rvnterrutschen.
Tatü! Tatü!
Ein Auto! Ein Auto in dieser gottverlassene- Gegenb! In dieser gottverfluchten Aahreszea- Schneider tritt in die Mitte Der Landstraße, hall oll» 1 Arme Hoch. (Fortsetzung folgt.)


