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Eichener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Sberhchen)
über alle Jahrhunderte.
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seinem Gründertum neureich und wieder kunstlos wurde und Frankreich 'auch in der Malerei von neuem seinen Absolutismus aufrichtete, der seine Kunstepochen nach seinen Königen benannte!
Das 17. Jahrhundert gehörte in der Weltkunst den Niederlanden.
Das 18. gehörte Frankreich.
Frans Hals hat die Größe einer Geistesgegen-
VerdunkelungszeU
14. August von 20.51 6is 5.58 Uhr.
Alte Kleider und Lumpen Hausen sich zu Bergen
Ein Besuch in den Gießener Annahmestellen der Reichsspinnstoffsammlung. Wackere Jungen bewähren sich als eifrige Sammler.
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Aus Der Stadt Gießen.
Sigrid bügelt.
Es war an einem sonnigen Vormittag auf der Höhe der großen Sommerferien. Arbeiten in Haus, Küche und Garten hatten die Wohnstube frauenlos gemacht. Dafür aber lag in dem stillen Raum eine nicht gerade alltägliche Spannung. Der Tisch hatte einen ungewöhnlichen Platz. Statt der Tischdecke trug er den Bügelteppich, auf dem das elektrische Lügeleisen verführerisch glänzte, umrankt von der langen, braunen Schnur mit dem schwarzen Stecker, aus dem die Kontaktstifte in der Sonne schalthungrig blitzten. Vor dem Tisch machten sich in behäbiger schwere zwei Körbe voll bügelfeuchter Wäsche breit. Lin Stilleben von erregendem Reiz, schien es nur auf ein Heinzelmännchen zu warten, das mit kon- struktivem Geist den inneren Zusammenhang solchen Haufwerks für die vielbeschäftigte Hausgemeinschaft nutzbar zu machen verstand.
Sei es nun, daß Sigrid draußen keine rechte Arbeit fand oder daß sie, von Unruhe getrieben, auf Entdeckungen und Abenteuer ausging — sie verbrachte doch ihre Schulferien auf dem Lande —,
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er, faltet und baut sie schrankartig auf. Mes, was e als Zaungast am Bügeltisch mit durstigen Sinnen islang in sich ausgesaugt, verarbeitet und im stillen ütgeübt hatte, schien in diesen glücklichen Minuten lit drängender Gewalt zum tatfrohen Durchbruch ommen zu wollen.
„Mutti, die Sigrid bügelt!" ruft Inge aus dem iürrahmen in den Hausflur zurück, in beiden Hän-
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Alte und abgetragene Kleidungsstücke aller Art, verschlissene Läufer und Vorhänge, Stoffetzen, Bindfadenreste, ausgediente Säcke usw., das sind so einige Hauptfinaerzeige, die man in diesen Tagen der Reichsspinnstoffsammlung in verschiedenen Schaufensterauslagen der Gießener Annahmestellen als wertvolle Richtpunkte für die Nachschau daheim in Schränken und Kästen betrachten kann. Diese Beispiele dafür, was alles bei der Sammlung in Betracht kommt, haben bisher bei den Straßenpassanten reges Interesse aus- e. Zahlreich sind die Hausfrauen, Mädchen und
_en, aber auch die Männer, die dort vor diesen Schaufenstern „Anschauungsunterricht" nehmen, dann zu Hause „Spind- und Schubkasten-Revision" abhalten und danach mit einem mehr oder minder stattlichen Paket im Arm, zum Teil sogar auf Handwagen, bei _ber Sammelstelle erscheinen, um ihren Beitrag zur Reichsspinnstoffsammlung und damit zur Sicherung des deutschen Sieges zu leisten.
Am gestrigen Mittwochnachmittag haben wir eine Reibe von Annahmestellen in Gießen besucht, um zu sehen, welches Echo dieser Ruf zum neuen Einsatz der Heimat bisher in unserer Stadt gefunden hat. Um es vorweg zu sagen: der Auftakt dieser Spende ist durchweg sehr gut, das Ausmaß der bisherigen freiwilligen Beiträge in diesem Abschnitt unserer wirtschaftlichen Kriegsrüstung ist in Gießen so, daß man sagen kann: der Sinn und die Bedeutung dieser Sammlung sind verstanden worden, und das Ergebnis wird sicherlich so ausfallen, daß unsere Stadt gegenüber den anderen nicht zurückstehen wird. In einer Annahmestelle trafen wir auch den Hoheitsträger im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, und Kreisgeschäftsführer Weber, die sich über den Stand der Sammlung unterrichten wollten, um erforderlichenfalls durch Anregungen und neue Hinweise überall da noch fördernd zu wirken, wo es im Interesse des großen Zieles dieser Sammlung vielleicht noch geboten sein sollte.
Der Betrieb in den Annahmestellen war bisher, namentlich auch gestern wieder, erfreulich lebhaft. Frauen und Mädchen kamen mit Paketen und Päckchen, Jungens erschienen mit Handwagen oder vollgestopften Säcken, Männer förderten aus ihren „Aktentaschen" allerlei für die Sammlung zutage, kurzum es ging zu^wie am laufenden Band. Da kam ein Mütterchen in hohen Jahren, das gerne ein Bündel alte Strumpfwolle im Gewicht von vier Kilogramm ablieferte, um mit diesem in Jahren angesammelten Besitz zu helfen. Da erschien eine andere alte Frau, die ein Paket mit Stoffresten, Lappen usw. im Gesamtgewicht von rund 16 Kilogramm ablieferte. Gießener Konfektionshäuser hatten gründliche Sicht in ihren Stoffabfällen gehalten und schickten nun ansehnliche Pakete zur guten Verwertung dieses Materials in die Sammelstelle. Die Ehefrau eines früheren Tuchreisenden hatte es in sehr richtiger Weise für zweckmäßig befunden, die von der früheren Tätigkeit ihres Mannes noch vorhandenen ansehnlichen Bestände an Stoffmustern von den Musterkarten abzutrennen und diese Textilien der Sammlung zuzuführen. Aus zahlreichen anderen Haushaltungen kamen alte Zimmerläufer, abgetragene Hofen und Mäntel, ausrangierte Kleider und Wäschestücke, außer Dienst gestellte Putzlappen, Flicklappen in rauhen Mengen, Bindfadenreste usw. usw. „anspaziert". Ein weitsichtiger Hausvater hatte seine Kragen- und Krawattenbestände eingehend „unter die Lupe" genommen und dabei viele Stehkragen mit stark erweiterten, d. h. zerrrissenen Knopflöchern, ausgefransten Ecken und ähnlichen Beschädigungen, erheblich überalterte und vorn „Zahn der Zeit" zernagte Krawatten festgestellt. Der Mann sagte sich mit Recht: „Was liegt mir an dem Zeug, tragen kann ich es ja doch nicht mehr. Also fort damit zur Annahmestelle der Spinnstoffsammlung." Und so kam eine stattliche Menge dieser ehemaligen männlichen Herrlichkeit auf die Waage der Annahmestelle und ergab dort eine erkleckliches Gewicht für die Sammlung. Diese Beispiele könnten wir noch
i nd ab. Nach diesen Vorbereitungen holt sie Taschen- । ach um Taschentuch wieder herüber, zieht jedes in ie vier Ecken, bestreicht alle Richtungen und Rän-
um Dutzende vermehren, ohne dabei irgendwelche Schwierigkeiten bei der Aufzählung der vielseitigen Spendemöglichkeiten, die sich in den Gießener Annahmestellen offenbaren, zu haben.
Erfreulicherweise zeigt sich unsere tatensrohe Jugend auch hier wieder besonders aktiv. Dafür nur zwei Beispiele, die mit besonderer Anerkennung vermerkt seien. Da erscheint der 12 Jahre alte Wolfgang Fleck, im Seltersweg wohnhaft, in der Annahmestelle irt der Bahnhofstraße gegenüber der Grabenstraße. Der Junge fragt, ob hier die Stelle zur Annahme von Lumpen sei. Er sieht nicht so aus, als ob er überhaupt etwas zu der Sammlung beisteuern könne. Aber zur großen Ueber- raschung des in der Annahmestelle Dienst tuenden Vertreters der Partei kommt der wackere Bub mit einer Lumpen- und Stoffreste-Spende im Gesamtgewicht von 4 5 Kilogramm (!) vor die Laden- für gerückt, um diese bedeutende Menge abzuliefern. Auf die erstaunte Frage, wie er denn zu dieser großen Menge gekommen sei, enthüllt der kleine „Sammelstratege" das Geheimnis seiner weitblickenden wirtschaftlichen „Kriegführung". Er erzählt, er habe sich gedacht, die meisten Frauen würden sich wegen einer Lumpenspende von ein oder zwei Pfund vielleicht doch nicht auf den Weg zur Sammelstelle machen. Da habe er sich kurz entschlossen auf die Sammeltour begeben und Wohnung für Wohnung „abgegrast". Auf diese Weise hat der Junge mit seiner vortrefflichen Einsatzbereitschaft die besagten 45 Kilogramm zusammengeschleppt. Ausdrücklich sah er davon ab, dieses Sammelergebnis in der Schule abzuliefern, obwohl ihm dort für seine Sammelsreuhigkeit 225 Punkte bei der Preisverteilung für tatfrohen Einsatz bei Schulsammlungen zuerkannt worden wären. Den Verzicht auf diese 225 Punkte erklärte er stolz mit dem Hinweis darauf, daß diese Sammlung (er meinte hier die Reichsspinnstoffsammlung) ja für den Führer sei, und da wolle er sich auch ohne Punktgewinn einsetzen. Ebenso lobenswert ist der Pimpf Rudi Wagner, der ebenfalls im Seltersweg wohnt. Auch er hat sich auf die Sammeltour von Wohnung zu Wohnung gemacht und dabei bisher erreicht, daß er am Montag ein Lumpenpaket im Gewicht von 9 Kilogramm und am gestrigen Mittwoch ein Paket im Gewicht von 10 Kilogramm abliefern konnte. Dabei werden diese „Sammelreisen" unvermindert fortgesetzt. Und so wie diese beiden Jungens werden sicherlich noch viele andere Buben und Mädel, sobald sie den „richtigen Dreh gefunden" haben, daheim bei ihren Eltern oder ihren Verwandten, Nachbarn und Bekannten „Revisionen" und „Lumpenjagden" veranstalten, um ebenfalls möglichst viel dieses wertvollen Altmaterials den Annahmestellen zuzuführen.
Jedermann ist bei dieser Sammlung das Spenden leicht gemacht. Jetzt kommt es nur darauf an, ungesäumt daheim gründlich Nachschau zu halten und alles geeignete Altmaterial an Spinnstoffen baldmöglichst den Sammelstellen zuzuführen. Dort wird für jede Spende eine Urkunde ausgehändigt, die den Namen des Spenders und die genaue Gewichtsangabe der abgegebenen Spinnstoffe enthält. Auch hierbei handelt es sich wieder um einen Ehrendienst für Führer, Volk und Vaterland. Daß dabei alle Volksgenossen in Gießen und darüber hinaus in unserer engeren Heimat, insbesondere unsere Hausfrauen und Mädchen „ihren Mann stehen" werden, ist bei der schon oft bewährten Tatbereitschaft unserer Bevölkerung für uns außer Zweifel. Der Ruf ist ergangen, wir alle in Stadt und Land werden ihm i n freudiger Opferbereiten^ Folge 1 e i ft e n! B.
Die Annahmestellen in Gießen.
Ortsgruppe Gießen-Mille: 1. Bahnhofstraße 63, gegenüber der Grabenstraße; 2. Martt- strahe 25.
Ortsgruppe Gießen-Nord: Jtätjftube, Ecke Wernerwall (gegenüber Denninghoff).
Das Barock, dem auch Frans Hals angehört, spricht nicht höfisch, nicht jesuitisch, nicht prunkvoll und gelehrsam, sondern ruppig, furchtlos, ungeschminkt und derb. Das „Denusbild" von Frans Hals ist die Hexe von Haarlem, die Hille Bobbe. Sein Parisurteil ist das .Lustige Kleeblatt", bei 1 dem aus dem olympischen Schönheitsrichter ein Feldhauptmann des Dreißigjährigen Krieges in zweifelhafter Gesellschaft geworden ist. Die Natur, die Frans Hals proklamiert, besitzt also den Geschmack für das Burleske und bedeutet die Entgötterung des Heroischen. Es ist die gesunde und drastische Reaktion des bürgerlichen Hollands auf die Repräsentationsmalerei des hispanisierten Flandern.
Also gleichsam ein Barock mit umgekehrtem Vorzeichen. Dies hat Frans Hals auf genial-rüpelhafte Weife, als Schelm mit zuprostendem Lachen, mit unwiderstehlicher Laune, leichter Hand und schnellem Witz, ein Grimmelshausen der Palette, geübt, bis er die große Reihe seiner Regentenstücke und Schützenbilder schuf, die Dokumente des politischen Selbstbewußtseins geworden sind. Lebensgroße Gruppenbilder mit zahlreichen Figuren, antimonarchisch in der Gesinnung gesellig, bei Tafelfreuden, beim Aufbruch einer Truppe, bei einer Vorstands- sitzung, voller Bewegung, mit tausend Schlaglichtern des Humors und zuletzt in dem Schweigen der Ver- anwortung und des Ernstes: das find in stolzer Reihe die großen Staatsbilder des Frans Hals, das sind seine „Nachtwache" und seine „Staalmeester".
Wie weit der Maler seine Zeit ober die Zeit Frans Hals verwandelt hat, sei eine müßige Frage. Sein Leben und seine Kunst begleiten jedenfalls das Holland feiner Tage: Dem kunstlosen, verdrießlichen, buchstabentreuen und engherzigen Caloinis- mus der Holländer hat er in glücklicher und gärender Zeit Züge einer brillanten Malerei und eirrer geistigen Freiheit gegeben, einer Lebenskunst, der es weniger auf seelische Vertiefung als auf die Kostprobe des Augenblicks ankommt. Später, bei den Altersbildnissen, taucht mahnend selbst bei diesem Praktiker der Lebensfreude ein neues Ideal auf: Amtspersonen, unfestlich, ernst, sachlich, zur Beratung versammelt, Vorsteher und Vorsteherinnen des Spitals, in dem Frans Hals völlig verarmt starb. Der Tafelbruder und muntere Zecher als Porträtist von Pflichtmenschen, ehe Holland in
ebenfalls kam sie auf ihrer Streife nach Freizeit- icftaltung auch in diesen Zauberkreis. Blitzartig prang der schöpferische Funke über, den sie bis i dahin in verborgener Tiefe gehütet hatte.
Still, ohne zu fragen oder nur ein Wort zu prechen, mit einem Lächeln auf den kindlichen Sippen, greift sie nach dem Stecker und knackt ihn n die Steckdose. Dann sucht sie Taschentücher und ! cnbere Kleinwäsche aus den Körben zusammen, i egt sie glatt und häuft sie griffbereit über den jen- eitigen Rand des Tisches. Zwischendurch nimmt ! ie das Eisen vom Drahtuntersatz, prüft mit ange- I euchteten Fingerspitzen die heihwerdende Sohle j und streicht sie auf dem Bügeltuch ein paarmal auf
Giaaismaler der Niederlande
Von Dr. Richard Bie.
r Allen voraus Breughel, fodann Rubens, van M, Frans Hals und Rembrandt — fünf von Hunderten in drei Generationen: eine ähnliche ' Ernte der Staffelei und der Palette hat es nur noch ii der Dürerzeit gegeben. Das Jahrhunder, das tiefe Maler heroorbrachte, ist zugleich das polrtlsche
I Eäfulum der Niederlande. In Deutschland: Dreißig- jähriger Krieg, in Frankreich: Hugenottennot in Shglanb: Cromwells eisernes Regiment, m Spa- ! nien: eine in düsterem Starrsinn versinkende Welt- 1 todjt In liefe Gunst der Zeit fällt der Aus chwung i bir niederländischen Macht und jene phantastische, I llhne und fast unübersehbare Erscheinung einer l Kalerei, die der Stolz aller Museen der Welt ge- morben ist. . . „
. Um Frans Hals zu bewundern und m Kurze etwas Stichhaltiges über ihn auszusagen, sollte man fig einer Methode bedienen, die durch den Gegen- die Erscheinungen klärt. Der Maler, der aus Hecheln, also aus den südlichen flämischen 9herleben stammt, aber ganz Holländer geworden yl, bideutet weniger als Rembrandt und mehr, wenn nun erlebt, wie er bie sichtbare Welt mit einer : un- Qirblümten, urwüchsigen Zwanglosigkeit, mit eine Ochsten Treffsicherheit des Auges, mit ber <Sabe di tzschneller Beobachtung, mit einem Schicklichkeit und völlig ungeniert behandelt hat, -ine dabei je in die seelischen Geheimnis!- emzu- biüngen, deren Zauberer Rembrandt war.
* Frans Hals ist verglichen mit Rubens bürgerlich, v'rglichen mit der Kavaliersmalerei E Dycks rauhbeinig. Er ist protestantisch, wenn man zu W, wie er sich einer Art Landsknechtssprache m Mur Malerei bedient, um bewußt das zu vermeiden, - V.S Rubens als heidnischer Katholik verhea Wr Welt der antiken Götter und der christlichen U h tilgen. Er ist saft plebestsch und von kraststrotzen- Mr Volkstüknlichkeit, wenn man erkennt, daß er g>n Dycks unnahbare Audienzpofen durch Blldmsle zechenden Hauptleuten und Kneipbruder , klumpten Strandläufern und /agrourbige^ ist Kippelweibern ersetzt, deren Humor sich rer sch
h Sprache des Pamvblets und der Zote bedient.
en eine große Schüssel braunschwarzer Brühe, die ie beim Durchwaschen von Johannisbeeren ge- tonnen hatte und der unglaublichen Einmaligkeit Degen herumzeigen wollte. Und daß sie mit ihren vierzehn Jahren immerhin schon etwas Relief gegen bre zehnjährige Schwester angesetzt hatte, war zu- itzlich herauszuhören: „Es wär' doch viel ge- heiter, wenn du ein paar Aufgaben rechnen wärest!" — „Was willst du denn eigentlich?" verteidigt igrid ihren Arbeitsplatz. „Mutti hat doch aus der jeitung erst vorgelesen, daß man sich am besten rtjolt, wenn man möglich wenig an all das Zeug en ft, was man sonst machen muß."
Mit einer halbgeschälten Kartoffel in der einen dem Küchenmesser in der anderen Hand er- heint Mutti im Kampfgelände, während Sigrid, ie Entscheidung des Augenblicks gleichsam heraus- )rbernb, statt eines Taschentuchs gar eine Schürze uflegt. Mit stillem Lächeln betrachtet Mutti ihre leine Büglerin, die den Stecker gerade aus der lose zieht, weil ihr das Eisen zu heiß erscheint.
Da kommt auch Oma aus dem Garten mit einer kchüssel voll Himbeeren. Mit dem Blick der alles igelnden Hausfrau erkennt sie, was da heranwächst nd zeigt der arbeitsfreudigen Enkelin, wie man ?n welligen Abschluß der Schürze unter das Eifen Dingt. Strahlenden Auges nimmt Sigrid diese raktische Unterweisung an und führt ihr Werk zu Ik'attem Ende. Mit solchen Leistungsproben aber hat fe sich unter den Augen der Hausfrauen ihren flei- ren Befähigungsnachweis im Bügeln errungen.
Oer Maulwurf.
Von Richard Gerlach.
Auf den Gartenbeeten meines Großvaters konnten die Maulwurfshügel nicht geduldet werden. Wir stellten Schnappeisen in die unterirdischen Röhren, und ich habe mehr als einem Dutzend der unerwünschten Wühler das Fell über die Ohren gezogen. Der schwarzgraue Pelz mit öetp silbernen Anflug hätte großen Wert, erzählte man uns, und so nagelte ich die Fellchen auf das Brett und bestrich sie mit Alaun. Es sollte einen Pelzkragen für meine Schwester geben. Daraus ist bann nichts geworben, weil ber Kürschner für bie mühselige Arbeit bes Zusammennähens mehr Gelb verlangte, als wir Kinder damals besaßen.
Wenn ein Maulwurf auch in einer Gärtnerei unwillkommen ist, so bebaure ich boch meine frühen Fallenstellerkünste. Man kann ben Unterirdischen leicht loswerben, wenn man glimmenben Schwefel in seine Gänge steckt; auch ben Geruch von Petroleum unb Heringslauge kann er nicht vertragen. Frische Holunderzweige vergrämen ihn, und wenn man Häcksel in die Gange stampft, so kehrt er um, weil dem tastenden Spitzschnäuzchen dies beim Graben zuwider ist.
Auf ben Felbern richtet ber Minierer keinen Schaben an. Denn er ist einer ber größten Fresser unter unseren Säugetieren. Er verzehrt täglich eine größere Menge Engerlinge, Würmer, Asseln unb Schnecken, als fein eigenes Gewicht ausmacht. Gewiß stören seine Hügel beim Mähen auf ber Wiese; aber sie lassen sich boch auseinanberklopfen, bie Auflockerung ber Erbe ist nur gut für den Boben.
. Da ich als Knabe, fchyn daran ging,, die abge-
Donnerstag, 14. August 1941
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Ortsgruppe Gleßen-0st: Licher Strafe Dienststelle der DAF. (Hinterhaus).
Ortsgruppe Gießen-Süd: 1. Vergwerkh Unterhof; 2. Erednerstraße, Ecke Klinikstraße; 3. Cie« bigstraße 63 (Autohalle 6).
Ortsgruppe Gießen-Kteln-Cindentz Backhaus, Steinstraße.
Ortsgruppe Gießen-Wieseck: Sihungs« faat, Schulstraße.
Die Sammelstellen der Ortsgruppen Mitte, Nord, Oft und Süd sind montags, mittwochs und freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet, die von Klein-Cindea und Wiefeck mittwochs und samstags von 18 bis 21 Uhr.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß att den Spinnstoffabfällen fei ne festen Teile, wis knöpfe, Schnallen usw., sein dürfen.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Zirkus Kreiser-Barum. 19.30 Uhr auf Oswalds« garten Eröffnungsvorstellung. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Friedemann Bach". — Lichtspielhaus^ Bahnhofstraße: „Das Gewehr über".
llS'Gemeinsltzllsk M Kraft öunD Me
Sportamt KdF.
Der Kurs „Fröhliche Gymnastik und Spiele* donnerstags von 20 bis 21 Uhr, Schillerschule, fällt! wegen Ferien aus. 3367D
Wiederbeginn am 11.9.41.
Annahmeuntersuchungen für die Waffen-^.
NSG. In den nächsten Tagen finden wieder An« nahmeuntersuchungen für die Waffen-^ statt. So« fort eingestellt werden:
a) Freiwillige auf Kriegszeit (ohne Dienstzeit« Verpflichtung) vom vollendeten 17. bis vollendeten 45. Lebensjahr, bom 17. bis zum 25. Lebensjahr nur für Infanterie, Panzer und Nach« richtentruppen (Funker);
b) Freiwillige mit Dienftzeitverpflichtung (vier« einhalb Jahre);
c) Freiwillige mit Dienstzeitverpflichtung (zwölf Jahre) vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 23. Lebensjahr.
Der Dienst in der Waffen-^ ist Wehrdienst. Bei Eignung stehen den Freiwilligen die Unterführerund Führerlaufbahn, sowie z Sonderlaufbahnen offen. Einberufung zur Truppe erfolgt beschleunigt!
Annahmeuntersuchungen findet statt am 15. 8. 1941, um 14 Uhr, in Gießen im „Burghof", Burggraben 9. Meldungen von Freiwilligen werden dort entgegengenommen. Arbeitsbuch unb Wehrpaß finb mitzubringen.
Außerbem nimmt bie Erg.-Stelle Fulba-Werra (IX) der Waffen-^ Kassel-Wilhelmshöhe, Löwenburgstraße 10, Tel. 36683 und 34441, ständig schrift« liche Meldungen an unb überfenbet auf Anforderung bas ausführliche Merkblatt.
Alle »ßay&ti. Arznei mit fei fragen auf ihrer Packung das »Soyet«.Kreuz. Es isf ein Sinnbild erfolgreicher, wissenschaftlicher Arbeit und jahrzehntelanger Erfahrung. Das Kreuz ist das Zeichen BAYER) des Vertrauens.
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zogenen Maulwürfe zu sezieren, bekam ich von ihrem merkwürdigen Körperbau schon früh eine Vorstellung. Vorn ist die wühlende Spindel rüsselartig verlängert, Knorpel verstärken den bohrenden Vorsprung. Das aus vierundvierzig spitzen Zähnen bestehende Gebiß wäre stärker als das des Löwen, wenn der Maulwurf bie Größe eines solchen hätte. Eine Maus ober einen Frosch kann er bamit ohne Umstände packen, und wenn er sie erwischt, frißt er sie auch. Die vorderen Gliedmaßen sind zu Grabklauen umgewandelt und arbeiten wie die Schaufeln eines Motorpfluges. Von Augen und Ohren ist äußerlich nichts zu sehen. Die winzigen schwarzen Knopfaugen sind gewöhnlich ebenso im Pelz verborgen wie die muschellosen Ohren, die durch eine Hautfalte verschlossen werden können. Erde rinnt ja fortwährend an dem sich bewegenden Tier herab und würde in jede Oefsnung sickern. Die Hinterbeine sind nur zum Nachschieben da.
Unbeholfen erscheint diese Gestalt, wenn sie ans Tageslicht kommt; doch im Dunkeln unter der Erde ist sie von unwahrscheinlicher Gewandtheit. In der ausgefahrenen Röhre saust der Maulwurf sehr schnell dahin. Die Angabe, ein galoppierendes Pferd könne ihn nicht einholen, halte ich für übertrieben. Denn wie ließe sich dieser Vergleich durch Beobachtung stützen? Auf langen Strecken wird das Auge dem Maulwurf kaum folgen können. Flink sucht er in ber Erbe unterzutauchen, wo sein feucht- kühles Reich ist. In ber Krümmung seines Baues ist er geborgen, hierhin folgt ihm höchstens einmal bie Kreuzotter ober bas Wiefel; aber auch biefe brängen halb wieber bem Licht unb ber Wärme zu. Wenn ber Maulwurf sichtbar unter ber Oberfläche wühlt, können bie Fänge bes Buffarbs ihn greifen; auch der Storch stößt dann zu. Ein Tier, dessen Ohr auf ben Schall unter ber Erbe eingerichtet ist, unb bas sich im übrigen auf feinen Geruchs- und Tastsinn verläßt, ist im Freien gefährbet. Die unerfahrenen Jungen wagen sich öfter hervor als bie Alten.
Der Maulwurf gehört zu ben geheimnisvollen Kräften ber Natur, deren Zeichen wir wohl gewahren, die uns aber meistens verborgen sind. In feinen Höhlengängen herrscht ewige ^Nacht. Wie seine Speise, die Würmer, begehrt auch er nicht nach i dem Licht des Tages.


