versuchte, die Unabhängigkeit seines Staates zu retten und modernisierte ihn nach europäischem Vorbild. Der Druck der rivalisierenden Franzosen und Engländer war aber doch so groß, daß Siam sich in den Weltkrieg stürzen mußte. Seine Soldaten haben damals für England und Frankreich gefochten. Qm Lande aber wuchs die franzosen- und englandfeindliche Bewegung. Ein Dolksaufstand im Jahre 1932 brachte eine Kursänderung mit sich. Die Siamesen richteten ihre Blicke nach Japan, und im Jahre 1937 nahmen sie den Namen Thai wieder auf, um sich als fkei von jedem Druck auch äußerlich schon zu bezeichnen. Die Bewegung wuchs und kräftigte sich, und die Regierung von Thailand stand trotz aller Versuche der Westplutokratien fest zu Japan.
Als im Vorjahre Frankreich niederbrach, richtete Thailand sein Bestreben auf die Wiedergewinnung der ihm 1907 von den Franzosen geraubten Provinzen. Es kam zu einem heftigen Notenwechsel, dann zu kriegerischen Handlungen, England und die Rooseveltregierung versuchten, die französische Regierung und Thailand gegeneinander auszuputschen, es kam zu Gefechten an der Grenze von Thailand und Jndochina. Da griff Japan ein. Die französische Militärmacht in Jndochina stand um zweifehaft unter dem Druck Japans, das in Tong- king Truppen gelandet hatte. Beide Staaten fügten sich. Der unter japanischer Vermittlung zustande gekommene Ausgleich mochte das Unrecht von 1907 wieder gut und gab Thailand die drei Provinzen Batambang. Sifophon und Siemreap wieder, sowie den südlichen Laoszipfel um Pakse. Damit war auch hier die thailändische Grenze wieder an den Mekong vorgeschoben. Wenn Thailand nicht alles, was ihm 1907 entrissen worden war, zurückerhielt, so ist doch durch den jetzigen Friedensschluß viel Unrecht wieder beseitigt worden. Jndochina verliert zwar einige wichtige Reisgebiete, dafür ist aber jetzt durch Japan die indochinesisch - thailändische Grenze garantiert worden und damit der Friede dort eingezogen. Thailand ist ein wichtiger Baustein in der ostasiatischen Neuordnung geworden, und Frankreich hat diese Neuordnung anerkannt.
Oer „bärbarische Feind".
Stockholm, 12. Mai. (DNB.) Ausgerechnet den Tag, an dem Frankreich alljährlich seines Kampfes gegen England unter der Fahne der Jungfrau von Orleans gedenkt, benutzt DufsCooper.um dem verratenen Freunde von gestern Trostworte zuzuruien. „Vor 500 Jahren", so führte der britische Informations-Minister dabei aus, „sei es in Frankreich ähnlich gewesen, wie jetzt im 20. Jahrhundert. Auch damals hätte es Franzosen gegeben, die infam genug gewesen seien, mit dem »Feinde* zusammen^uarbelten. Aber die Flammen Jeanne d'Arcs hätten ein Feuer entzündet, das das Land gereinigt und den barbarischen Feind' von demheiligen französischen Boden vertrieben hätte."
Den Worten ist nichts hinzuMfügen, wenn man sesthält, was Duff Cooper in seinen Ausführungen verlogen umgeht, daß nämlich der Feind Frankreichs in den Tagen der Jungfrau von Orleans — England war. Es gehört schon die Dummdreistigkett eines Duff Coopers dazu, gerade dieses Thema zu berühren, da auch in Frankreich die Erkenntnis durchgebrochen ist, wo gestern wie heute der'ewige „barbarische Feind" des Kontinents steht.
Oie Verluste der griechischen Flotte.
I st a n b u l, 12. Mai. (Europapreß.) Die Anato- Nsche Agentur meldet aus Kreta die Verluste der griechischen Flotte: Der Torpedobootszerstörer „M a r e a", der am 15. April nach heftigen Angriffen eines Stuka-Geschwaders versenkt wurde; der Zerstörer „König Georg" wurde in der Nacht zum 12. April im Golf von Saloniki von Stukas angegriffen. Eine Bombe fiel auf Deck und richtete dort schwere Zerstörungen an. Das Schiff wurde in die Docks geschleppt und dort später versenkt; der Zerstörer „H y d r a" wurde am 23. April im Goli von Saloniki von Bombenflugzeugen angegriffen, das Schiff sank sofort; die kleinen Torp- d o b o o t e „Thyella", „Kyzikos", „Kidonia", „Kios" „Proussa", „Pergamos", „Alkiont", „Arethousa", „Doris", „Thetis , die zwischen dem 27. und 28. April in den griechischen Gewässern, wo sie Transporte begleiteten, durch Bombenabwürfe versenkt wurden. Diele sind mit der gesamten Mannschaft untergegangen; der alte Kreuzer „Kilkis" sank
Der deutsche Luftangriff auf London.
Stockholm, 12. Mai. (Europapreß.) Der Sitzungssaal des englischen Unterhauses liegt in Trümmern, so berichtet der Londoner Rundfunk. Das Dachgeschoß des Sitzungsgebäudes fei in seiner ganzen Länge von den Flammen erfaßt und der Jnnenraum des Sitzungssaales durch heftige Feuer mitgenommen worden. Die Wandelhalle existtece nicht mehr. Die Sitze der Abgeordneten, die Diplomatenlogen usw. seien nur nocq ein Trümmerhaufen. An der Stelle dieser Räume befinde sich jetzt ein über 15 Meter hoher Schuttberg. Ein Schutzraum, in dem sich Churchill oft aufgehalten habe, sei übel zugerichtet.
In langen Telegrammen berichten die Londoner Korrespondenten der schwedischen Blätter von dem Angriff der deutschen Luftwaffe auf London in der Nacht zum Sonntag, dem schwersten seit Kriegsausbruch. Der Korrespondent von „Soenska Dagbladet" schreibt, im Nu seien unzählige Feuer entstanden, der Vollmond sei durch die dicken Rauchwolken verdunkelt worden, während immer neue Jjagel von Bomben mederbrausten.
Die Funken, die vom Himmel fielen, seien durch den Wind Über die ganze Stadt getrieben worden. Der Korrespondent von „Stockholms Tidningen" schreibt: „Während sieben Stunden donnerten die Bombenflugzeuge Über der Stadt ohne Pause. Man muß wissen, was es heißt, während sieben Stunden sich zwischen Mauern von geuerbränben, zu befinden, während Steine und Granaten auf einen niederprasseln und das furchtbare Motorengeräusch die Nerven aufpeitscht." Das gesamte Personal der Londoner Feuerwehr, rund 124 000 Männer, habe, wie der Londoner Korrespondent von „Socialdemo- traten" berichtet, während der ganzen Zeit auf das Angespannteste arbeiten müssen, um das Feuer zu bekämpfen. „Exchange Telegraph" meldet, daß am ©onntagDor mittag zwei große öffentliche Gebäude §esp rengt werden mußten, die in der Nacht urch Feuer gelitten hatten. Reuter verzeichnet, daß noch am Montag die Angestellten, die in chre Büros gingen, sich ihren Weg durch einzelne enge Durchgänge bahnen mußten, wo der Rauch noch aus den nassen Kohlen- besser'Schutthaufen aufstieg.
Oie Lage im Irak.
Beirut, 13. Mai. (Europapreß.) Der Rund- funtfenber Bagdab hat die von auslänbischer Seite verbreitete Meldung über die angebliche Eroberung der Wüstenfestung R u t b a h durch bie Englänber bementiert. Die irakische Fahne wehe, wie ber Sprecher bes Senders betonte, nach wie vor über ber Festung. Der Kammerpräsident Moukhles, der gleichzeitig Präsident des palästinensischen Derteidi- gungsausichusses im Irak und ein einflußreicher Stammesführer ist, hat an den Präsidenten des irakischen Staates, Kailani, ein Telegramm gerichtet mit der Mitteilung, seine Leute warteten mit hundert Lastwagen ungeduldig auf den Befehl, sich an die Front zu begeben. Moukhles werbe perfönlid) bie Kosten ber Unternehmung tragen. Kailani antwortete, baß er zu gegebener Zeit bie notwendigen Befehle erteilen würde. Der Gesandte von Saudi- Arabien in Kairo hat tendenziöse Nachrichten über den Zweck der saudisch-arabischtzn Truppenzusammenziehungen an der irakischen Grenze bementiert. Diese Maßnahme sei lettgllch zur Aufrechterhaltung ber Sicherheit ergriffen woroen.
In Bagdab treffen weiterhin ftänbig Telegramme ein, in denen die Zustimmung ber irakischen Bevölkerung zu den Maßnamen der Regierung ausgesprochen und ihr jede Hilfe für ihren Kampf gegen England zugesagt wird. In Bagdad erklärt man, diese Sympathieerklärungen bewiesen die nationale Einigung im Zeichen ber von Präsibent Kailani verkündeten Ziele. Diese nationale Einigung stelle eine ungeheure Kraft bar, bie den Irak in die Lage versetzen werbe, den Krieg ohne Furcht vor einer Niederlage oder vor den Folgen einer Blockade fort« zufuhren, da der Irak über genügend Vorräte an Lebensmitteln ü er füge. Die britischen ©treitfräfte könnten vielleicht lokale Erfolge erzielen und sogar einige irakische Städte besetzen; es werde ihnen aber niemals gelingen, die nationale Einigung des irakischen Volkes zu zerstören.
Der irakische Heeresbericht vom 12. Mai lautet: „Im Süden hat unsere Armee die feinblicken Kräfte angegriffen. Unsere Luftwaffe hat Aufklä- rungsflüge über den feindlichen Stellungen unter
nommen. Alle Flugzeuge sind zuruckgekehrt. Einige enalische Flugzeuge haben heute früh 5.30 Uhr unsere Stellungen überflogen und haben, ohne Schaden zu verursachen, Bomben abgeworfen. Ebenso hat ein feinbliches Flugzeug bie Norbarmee überflogen und Bomben abgeworfen, die ihr Ziel nicht getroffen haben. Die Armee des Stabes uni) die Nationalarmee arbeiten in der Wüste zusammen.
Unerträgliche Litze in Syrien.
Beirut, 12. Mai. (DNB.) Syrien wird gegenwärtig von einer großen Hitzewelle heimgesuckt. So wurden am Montag Temperaturen bis 3U 50 Grad Celsius gemessen. Zahlreiche Per» fonen bekamen Hitzsckläge. Man glaubt, daß durch die Hitze die irakisch-vrittschen Auseinandersetzungen in der Wüste beeinflußt werden.
Oer irakische Knegsminister in Ankara.
Istanbul, 12. Mai. (DNB.) Der Kriegsminister des Irak traf mit einer Reihe türkischer Persönlichkeiten zusammen, denen er bie Lage in seinem Heimatlande auseinandersetzte. Es heißt, daß die Darlegungen des Kriegsministers tiefen Eindruck gemacht haben. Eine Zusammenkunft zwischen dem Kriegsminister des Irak und dem britischen Botschafter H u g e s s e n sand dagegen bisher nicht statt, obwohl sich ber britische Botschafter mehrmals um eine solche bemühte.
Diplomatische Beziehungen Zrat-Gowjetunion.
Berlin, 12. Mai. (DNB.) Wie die sowjetrussische Telegraphenagentur meldet, unterbreitete die Regierung des Irak Ende 1940 der Sowjet- Union mehrere Male den Vorschlag, diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern herzustellen. Am 3. Mai d. I. erneuerte die Regierung des Irak durch Vermittlung des russischen Botschafters in Ankara diesen Vorschlag, den bie Regierung ber Sowjetunion nunmehr angenommen bat
im Arsenal nach einem Brand, der von Bombentreffern heroorgerufen wurde.
Die versengten Zerstörer „König Georg" und „Hydra" hatten eine Größe von 1414 bzw. 1329 Tonnen. Sie sind 1938 bzw. 1932 vom Stapel gelaufen. Bei den Torpedobooten, die als verloren gemeldet wurden, handelt es fick um Schiffe zwischen 145 und 305 Tonnen. Särntlicye stammten aus der Zeit vor dem Weltkrieg mit Ausnahme von zweien, die 1915 in Dienst gestellt wurden. Die griechische Marine hat also von 136 Torpedobooten 10 und von 10 Zerstörern 3 verloren. Weiter sind tediglich einige U-Boote, Minenleger und der 9450-Ionnen- Panzerkreuzer „Georgius Averofs" gerettet worden.
Oie Insel MiloS von deutschen Truppen beseht.
Berlin, 12, Mai, tDNB.) Deutsch« Truppen haben in kühnem Zugriff die Insel Milos besetzt.
Die Besatzung der Insel wurde vollständig überrumpelt, wobei 118 Engländer sowie 200 Kreter gefangengenommen wurden. Die Insel Milos liegt am Südrand der Kykladen-Gruppe und ist von der Nordwestecke von Kreta nur 120 Kilometer entfernt. Die Insel ist bie Heimat ber berühmten Statue ber Venus von Milo, bie man hier in den Ruinen der alten Stadt Melos fanb. Heute ist ber Hauptort das Städtchen Plaka. Insgesamt zählt bie Insel nur etwa 6000 Einwohner, die Schiffahrt und Fifchfang treiben. Wer es werden auch Schwefel, Mangan und Bleierz ausgeführt. Im Weltkrieg war Milos ein britischer Flottenstützpunkt zur Bedrohung Athens.
Neuer Generalstabschef in Spanien.
Madrid, 12. Mai. (Europapreß.) Durch ein Dekret des Caudillo wird neuer Generalstabschef General Carlss Asensio Cabanilas an Stelle von General Carlos Martinez Cantos Serrano,
Dor einem Jahr.
5n Holland gelang es, den Einbruch in Me Grebbe-Linie südostwärts Amersfoort zu ermeUern und in Richtung Utrecht Raum zu gewinnen. Un* sere Truppen stießen bis Rotterdam durch und drangen weiter südlich über Breda ge-gen die Schelde- Mündung vor, Rotterdam fapjtulierte, Rosendaal wurde genommen. In Belgien fiel Lüttich vollständig in deutsche Hand, ber Turnhout-Kanal würbe überschritten und weiter süblich die Gwße Gette erreicht. Nordostwärts Namur wurden im Zusammenwirken deutscher Panzerkräfte mit Kampsver- bänden der Luftwaffe französische Panzerverbände, die bie beut sch en Panzer in ihrem Vorbringen auf die Dyle-Stellung hindern sollten, geschlagen und zurückgeworfen. Nach gewaltigen Marschleistungen drangen die deutschen Truppen durch Südbelgien bis an die Maas vor. Dinant und Givet wurden genommen. Bei Sedan gelang es, den Uebergang über die Maas zu erzwingen.
der zum Chef der Artilleriereserve ernannt wurde. Generalleutnant Luis Organz Poldi wurde Oberkommissar in Marokko. Neu besetzt wurden weiter der Posten des Befehlshabers auf den Balearen und des Befehlshabers der zweiten militärischen Region, Andalusien, mit Juan Battista Sanchez Gonzalez und Generalleutnant Miguel Ponte Mansa de Zuniga. Zum neuen Befehlsnaber von Katalonien wurde Generalleutnant Alfredo Kindelas D u a n l ernannt.
Einr flämische Einheitspartei.
Brüssel; 12.Mai. (Europapreß.) Durch den Leiter des Dlaamsch Nationaal Derbond (DND.), Staf De Clercq, und den Chef der Rexisten, L6on D e g r e 11 e, wurde ein Abkommen bekannt- gegeben, das VNV., Rex und Verdinaso (Derbond van dietsche Nationaalsolidaristen) zu einer flämischen Einheitsorganisation zusammenschließt und ber Leitung von Staf De Clercq unterstellt. Don ben Rexisten wird biefe Organisation als bie Einheitspartei für bas flämische Volk anerkannt. Der Vlaamsch Nationaal Verband wird dafür seinerseits in den Rexisten die Träger einer wallonischen Einheitspartei erblicken.
Wie dazu unser Brüsseler Korrespondent erfährt, sind mit dieser Verschmelzung von VNV., Verdinaso in Flandern sowie der Beschränkung der Rex-Bewegung auf ben französischen Sprackteil bes Laubes bie Einflußbereiche ber brei Parteien, bie auch nach den Kriegsereignissen ihre Erneuerungsarbeiten fortsetzen konnten, abgegrenzt. In Flandern ist damit ber VNV. erneut befestigt, und der nach dem Tode seines Begründers Joris van Severen per- chiedenen Wandlungen unterworfene Verdinaso hat m Rahmen des nach dem Weltkrieg aus den Kreien der flämischen Aktivisten hervorgegangenen DND. seinen Platz gefunden. Als politisches Programm erklärte der Leiter der neuen flämischen Einheitspartei die Befestigung ber nationalsozialistischen Ordnung in Flander n , die auf stärkerem völkischen Bewußtsein und 5em Gefühl einer großgermanischen Zugehörigkeit beruhe. Die politische Ordnung srÄe einerseits auf dem Führerprinzip, andererseits auf der Ausschließung aller Einrichtungen, Gruppen und Aeußerungen beruhen, die ber organischen Einheit : ber Volksgemeinschaft zuwiderlaufen. Zur Kenn' Zeichnung seiner Stellung zu Deutschland sagte Staf De Clercq: „Als freie Männer bekunden wir unser Vertrauen in das nationalsozialistische »and und in seinen Führer Adolf Hitler, mit Stolz als den Führer aller Germanen anerkennen " Läon Degrelle betonte, daß bie Rexistenpartei überzeugt sei, nach dem neuen Abkommen in einer stärkeren Konzentration arbeiten zu können und trotz ber Trennung ber flämischen und wallonischen Dolksrechte eine tatsächliche Gemeinschaft ber beiden Lanbesteile als ihr politisches Ziel behaupte.
Nationalsozialistischer Zusammenschluß in Dänemark.
Kopenhagen, 12. Mai. (Europapreß.) Die „Dani che Einheitspartei" hat sich der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Fritz Clausens ange« schlossen. Nach bem Anschluß der rassenpolittsch aus- gerichteten NSAP., die vor kurzem ihre Eingliederung in die Bewegung Fritz Clausens vornahm, ist. dies im Laufe von zwei Monaten ber zweite kor- , poratioe Ucbertritt zur Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Dänemarks. Man rechnet mit einer fort-
SjeZSMimWtz.
Nomon von Elisabeth Holt.
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
In der Halle wartete Polas gesamtes Haus- personal auf die Vernehmung durch Kommissar Schweiger, der sich in einem Nebenzimmer inzwischen eingerichtet hatte. Der alte Portier wußte rein gar nichts, aus dem Stubenmädchen Milli kriegte man kein vernünfttges Wort heraus. Schweiger schickte sie sofort weg. Von der Köchin wollte er nur wissen, wie das damals gewesen sei, als Frau Maurer sich einbilbeie, ein frember Mann stehe in der Halle.
Als Gerda branfam, war ber große Löschpapverbogen auf ber Schreibunterlage des Kommissars über und über mit traubenartigen Gebilden bedeckt, der Notizblock mit höchst unbefriedigenden, einander widersprechenden Aussagen vollgekritzelt und Schweigers anfänglicher Eifer stark im Abflauen. Vier Zeugen, die nichts wissen und geheimnisvoll tun, das kann einen matt machen. Schweiger beschloß jedenfalls, Polas Sekretärin, die nervös und neugierig eintrat, keine Gelegenheit zu Weitschweifig- feiten zu geben.
Gerda gab ihre Personalien an, legte ihre Dokumente vor und berichtete über ihre frühere Tätigkeit.
„Seit wann sind Sie bei Frau Luckner?"
„Seit drei Monaten."
„tfennt Sie Frau Luckner von früher?"
„Nein. Aber Herr Gredler kennt mich seit vielen Jahren."
„Woher?"
„Mein verstorbener Mann und er waren Kollegen."
„Aha! Do hat er Ihnen wahrscheinlich die Stelle verschafft?"
„Nicht direkt", antwortete Gerda. „Er hat mich nur ein bißchen bei der Frau Kammersängerin protegiert." Sie zögerte; verschwommen und fern erinnerte sie sich an die sonderbare Art, wie sie zu Pola Luckner gekommen war. Durch das Der- mtttlimgsbüro Schmitz! Durch eine anonyme Mit-
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der mit
beu- bas
Schwelger zweifelte nicht daran, aber er inte- ressierte sich nicht für den Schatten eines toten Musikers. -
„es war nur ber undeutliche Umriß einer Gestatt im Spiegel." Und damit geriet Schweiger auf ein totes Gleis. Das alles war ja schon im Erstprotokoll festgelegt worden. Gestern abend, noch unter bem unmittelbaren Einbruck bes Einbruchs, hatte Gerda Maurer ihren mertmürbigen Ausspruch: „Es war schon neulich einer ba, und das Radio hat gespielt", am überzeugendsten erklärt. „Es war alles genau so rote damals", versicherte sie.
Peter Schiffs Eigenart, sich zu wiederholen! Das
„Sie waren bie einzige, die den Mann gesehen hat. Weiß schon", redete er ihre Einwände nieder,
unbehaglich an. .Lst das sehr wesenllich, daß nicht zum Apparat ging?"
„Sie hätten vielleicht bie Stimme erkannt."
„Durchs Telephon erkennt man nicht einmal kannte Stimmen", widersprach sie.
„Er ist Komponist", antwortete Gerda und tete mit einer reglosen Bewegung an, daß alles sei, was sie von ihm wiffe.
„Opernkomponist?"
Sie konnte es nicht mit Sicherheit Migrtey,
ben Fall Maxwell und die Mordsache Rosie Barker, zu der Schiff mtt einem Orchideenstrauß gekommen
war.
Dann wurde die Zeugin Gerda Maurer plötzlich durch eine wunderliche Frage aufyesckeuckt: „Hat Frau Luckner in letzter Zett vielleicht Orchideen bekommen?"
.Orchideen?" Gerda fand es einigermaßen schwie- rig, diese Frage zu beantworten. Orchideen! Baron
Das wußte Schweiger schon langst. „Tarter? ging er weiter.
Schweiger sah sich veranlaßt zu erklären, Polizei erwarte gerabe von ihr genauere Angaben.
„Warum gerade von mir?" fragte Gerda überrascht.
tcllung an das Institut Schmitz, die auf Gerda aufmerksam gemacht hatte. Sollte sie das erwähnen?
Der Kommissar war sehr zufrieden mit den knappen, klaren Antworten der jungen Frau, und feine innere Stimme belehrte' ihn, daß er just in dieser 2Rinute die Spur des Verbrechens streifte. Durch eine neue Frage unterbrach er Gerdas Gedanken- gang.
„Haben Sie von der Eristenz dieses Safes gewußt?"
„Spricht Herr Carter gut deutsch?"
„Ziemlich. Es klingt ein bißchen drollig, aber man versteht ihn ganz gut."
„Er kommt aus Neuyork, nicht wckhr?"
Gerda dachte nack. „Ich weiß nicht, woher er jetzt gerade kommt, ich glaube, er ist in Baltimore daheim. Seine Mutter ist Deuffche."
„Aha!" sagte der Kommissar, und der Bleisttst schob sich weiter. Aber Gerda wußte über die anderen Gäste nicht mehr viel mitzuteilen.
„Und wie war die Sache mit dem Telephon?"
„Gott ja", meinte Gerda mißmutig, „es schrillte wie verrückt, aber ich mußte mich doch schließlich umkleiden, nicht wahr — und oben im ersten Stock, wo mein Zimmer ist, gibt es keinen Anschluß. Ich hätte damals hinunterlaufen.sollen." Sie sah ihn
„3a, ich war einmal im Schlafzimmer, als die Frau Kammersänaerin gerade ihren Schmuck hin- eintat. Dabei hat sie mir den Safe gezeigt."
„Und wem haben Sie davon erzählt?"
„Niemand", wehrte Gerda lebhaft ab. „Keinem Menschen! Aber jeder im Haus hat davon gewußt." „Hat Ihnen Frau Luckner erzählt, daß sie Schmuck wieder zur Bank schickte?"
„Nein, das tft nicht der Fall gewesen."
Der Kommissar seufzte. Er nahm bie Liste Gäste in die Hand, bie sie ihm, übersichtlich ..... ber Maschine untereinander geschrieben, vorgelegt hatte — die saubere Aufstellung tat seinem Beamtenherzen wohl. Mit dem Bleisttst fuhr er bie Liste entlang, er wollte wissen, wen Frau Maurer längere Zeit kenne und wer ihr fremd sei.
Sie kannte eine ganze Menge. Da war zuerst Gredler, Professor Brix, ber Kammersänger Korn- beißer, die Solotänzerin Pasiettt. „Mein Mann hat oft Im Staatsopernorchester mitgespielt, wissen Sie", erklärte Gerda eifrig, „er war ein sehr guter Geiger. alle hatten chn gern."
Birinsky schickte jeden Donnerstag Blumen, das war unumstößlich. Und wenn Pola in ber Oper so na, bekam sie immer ein paar Sträuße. Manchmal brachte auch ein Bote ein paar lose gebundene Rosen oder einen Tuff Parmaveilchen. Diese kleinen Sträuße, findet Gerda, sehen ziemlich intim aus, aber es ist nie eine Karte dabei, und Pola fucht auch nicht danach. Mit demselben stillen, nach innen gerichteten Lächeln, mit dem sie damals nr ihrem Schlafzimmer die roten Rosen in Empfang nahm, bringt Pola diese Blumen in ihr Zimmer.
Schweiger fand, daß die Antwort sehr lange auf sich warten lasse. „Na?" half er erwartungsvoll nach. „Frau Luckner kriegt doch sicher eine Menge Blumen?"
„Gewiß, aber Sie haben nach Orchideen gefragt* »Orchideen waren nicht dabei?"
„Nein", antwortete Gerda streng, „ich erinnere mich nicht."
Der Mann ihr gegenüber war hartnäckiger, als sie ann-ahm. „Oder Sie? Sie haben auch nichts dergleichen bekommen?"
Gerda wiberstand bem jähen Verlangen, ihn anzusehen. Es war bester, die Liber gesenkt zu lassen und die ftrenge Miene beizubehalten. Nein, auch sie hatte keine Orchideen bekommen. Es geht diesen Polizeimann nichts an, daß irgend jemand einen Strauß Orchideen In der Garderobe des Ringhotels abgegeben hatte — sie hat die Blumen ja auch damals nicht erhalten.
Es war drei Uhr nachmittags, als die Beamten endlich das Haus verließen. Pola kleidete sich eilends um, nabnv da sich Schütz weiter zur Verfügung der Polizei halten mußte, ein Mietauto und fuhr ins Astoria. wo ihr amerikanischer Agent Leiermann sie zum Mittagesten erwartete.
Als ihm Pola von dem Einbruch erzählte, kniff er ein Auge zu und behauptete, das sei ein Schlager erster GÄe — „Pola Luckners Juwelen geraubt — zehntausend Dollar Belohnung"--—
„Geheimnisvoller Raub einer orientalischen Per» lenkette."
,J)örcn Sie auf", unterbrach Pola gefangroefft „Sagen Sie mir lieber, wieviel Austrittsabende in der Mettopolitan werden Sie mir verschaffen können? Ich will unter allen Umstanden die ßeo- nore singen."
„Architekt Paul Bürger?" erkundigte er sich
Auch Paul bekam fein Eichzeichen. Wie lange sie ______________„ o...........
ihn kenne? Sie dachte nach. „Acht Jahre", erwiderte! batte Mühsam ausgeschnüffelt. Aus fünf fümmer- sie, ein wenig verwundert, daß das schon so lange llchen Druckseiten schnüffelte er es heraus — — ber sei. „Architekt Bürger soll eine Garage bei uns ' ~ ~ '*'** ~ — - ... .
bauen."


