Ausgabe 
12.12.1941
 
Einzelbild herunterladen

löcherung seiner einst feierlich verkündeten Neutrali­tätspolitik, mit deren Hilfe er einst vor seiner drit­ten Wahl feierlich versprochen hatte, das amerika­nische Volk aus dem Krieg herauszuhalten. Der Führer hat in seiner Reichstagsrede einen ganzen Kalender schwerster Neutralitätsbrüche aufgestellt, der datenmäßig nachweist, wie Roosevelt mit geradezu verbissenem Eifer einen Schritt nach dem anderen tut, um sein Land in einen Krieg zu führen, der amerikanische Interessen an keiner Stelle berührte, weshalb er auch das amerikanische Volk mit frecher Stirn durch heuchlerische Phrasen über seine wahren Absichten zu täuschen sucht. Das Pacht- und Leihgesetz vom 11. März 1941 kam be­reits der offenen Unterstützung Englands gleich. Noch im gleichen Monat verfügte er die Beschlag­nahme der in nordamerikanischen Häfen liegenden Schiffe der Achsenmächte und die Schließung der deutschen und italienischen Konsulate. Mit der Be­setzung Islands im Juli griff der Präsident, der bisher alle seine Neutralitätsbrüche mit der Not­wendigkeit der Verteidigung derwestlichen Hemi­sphäre begründet hatte, offen auf europäisches Ge­biet über. Am 10. Juli erteilte sein Marinesekretär Knox den berüchtigten Schießbefehl auf deutsche Kriegsschiffe. Dann war es nur noch ein kleiner Schritt zur Bewaffnung amerikanischer Handels­schiffe und ihrer Entsendung in die Kriegszonen, zum Angriff amerikanischer Zerstörer auf deutsche U-Boote und dem Einbringen deutscher Handels­dampfer in nordamerikanische Häfen, wo die Be­

satzungen unter den entwürdigendsten Umständen ge­fangengesetzt wurden.

Der Führer hat in seiner Reichstagsrede mit dem besten Gewissen vor der Welt darlegen können, daß es in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Be­ziehungen kein Blatt gibt, auf dem aüch nur eine einzige feindliche Haltung Deutschlands gegen die Vereinigten Staaten verzeichnet ist. Aber deutsches Blut ist für ihre Unabhängigkeit geflossen und deut­sche Arbeit hat an ihrem märchenhaft schnellen Auf­stieg zur Weltmacht einen nicht geringen Anteil. Die Teilnahme der USA am Weltkrieg hatte, wie die Untersuchungskommission des amerikanischen Bundeskongresses selber festgestellt hat, ausschließlich kapitalistische Gründe. Es waren dieselben, die heute Roosevelt und seine jüdischen Freunde in Wahrheit bewegen, wenn sie das nordamerikanische Volk in einen Krieg hineinzerren, der bislang keinerlei ame­rikanischen Interessen bedroht oder gar verletzt hat. Roosevelt allein ist es, der die von George Washing­ton und den Vätern der Bundesverfassuna einst feierlich proklamierten Grundprinzipien der Außen­politik der USA. über Bord geworfen hat, der die Monroe-Doktrin in ihr Gegenteil verkehrt und dann zur Bemäntelung seiner klaren imperialistischen Kriegspolitik mit geradezu grotesker Heuchelei be­hauptet, die USA. würden von einem Angriff der Mächte des Dreierpaktes bedroht. Der Führer hat der tiefen Genugtuung aller anständig empfinden­den Menschen Ausdruck gegeben über den Entschluß Japans, auf die Kette frecher Herausforderungen, die

sich Roosevelt gegenüber der ostasiatischen Großmacht ebenso erlaubt hat wie gegenüber den Nationen der europäischen Achse, die einzig mögliche Antwort zu geben. Japan findet in diesem Kampf um Ehre und Würde, um sein Recht als freie Nation und die Si­cherung ihres nationalen Lebensraumes gegen un- erträgllche Einmischung raumfremder Mächte Deutschland und Italien an seiner Seite. Das ist der Sinn des Abkommens, das der Führer gestern bekanntgab, und das die drei großen Völker, die an eine Zukunft frei von Bevormundung kapitalisti­scher Mächte glauben und für sie ihr Alles einzu­setzen bereit sind, zu einer unlöslichen Kampfge­meinschaft zusammenschweißt. Wie Deutschland mit dem Niederringen des Bolschewismus eine euro­päische Sendung von wahrhaft gigantischem Nus-, maß vollbringt der Führer hat im ersten"Leil^ seiner Rede diese Aufgabe in den großen historischen Zusammenhang gerückt, so hat es auch seine Be-' rufung erkannt, in der Front der jungen Völker ein sich auf seine gemeinsamen Ursprünge, aber auch auf seine gemeinsamen Lebensgrundlagen sich be­sinnendes Europa fieizukämpfen von dem unerträg­lichen Druck ständiger Bedrohung und Einmischung der Feinde der europäischen Einheit. Führer und Volk sind zum äußersten Einsatz entschlossen. Das Heldentum der deutschen Wehrmacht, die jetzt wie­der im Ostfeldzug Taten von kaum faßbarer Größe vollbracht hat, die Tapferkeit unserer Verbün­deten, sie machen es uns gewiß, daß der Sieg bei den deutschen Fahnen sein wird.

Dr. Fr. W. Lange.

.Die große Rede des Führers vor -em Reichstag

Abgeordnete!

Männer des Deutschen Reichstags!

Ein Jahr weltgeschichtlicher Ereignisse geht zur Neige, ein Jahr größter Entscheidungen steht vor uns. In dieser' ernsten Zeit spreche ich zu Ihnen, Abgeordnete des Reichstags, als den Vertretern der deutschen Nation Allein darüber hinaus soll das ganze deutsche Volk von diesem Rückblick Kenntnis nehmen und von den Entscheidungen, die uns Gegenwart und Zukunft aufzwingen

Nach der abermaligen Ablehnung meines Frie­densangebotes im Jahre 1940 durch den derzeiti­gen britischen Ministerpräsidenten und der ihn tragenden und beherschenden Clique war es im Herbst 1940 klar, daß dieser Krieg gegen alle Gründe der Vernunft und der Notwendigkeit mit den Waffen bis zum Ende durchgekämpft werden muß. Sie kennen mich, meine alten Parteigenossen, daß ich stets ein Feind halber oder schwächlicher Entschlüsse war. Wenn die Vorsehung es so gewollt hat, daß dem deutschen Volk dieser Kampf nicht erspart werden kaqn, dann will ich ihr dafür dankbar sein, daß sie mich mit der Füh­rung eines historischen Ringens bötraute, das für die nächsten 500 oder 1000 Jahre nicht nur unsere deutsche Geschichte, sondern die Geschieht/ Europas, ja der ganzen Wefl, entscheidend gestalten wird. Das deutsche Volk und seine Soldaten arbeiten und kämpfen heute nicht nur für sich und ihre Zeit, sondern für kommende, ja fernste Generationen. Eine geschichtliche Revision einmali­gen Ausmaßes wurde uns vom Schöpfer auf­getragen, die zu vollziehen wir nunmehr verpflich­tet sind.

Der schon kurz nach der Beendigung des Kamp­fes in Norwegen mögliche Waffenstillstand im We­sten zwang die deutsche Führung zu allererst, die gewonnenen, politisch, strategisch und wirtschaftlich wichtigen Gebiete militärisch zu sichern. So haben die damals eroberten Länder seitdem ihr Wider­standsoermögen verändert. Von Kirkenes bis zur spanischen Grenze erstreckt sich ein Gürtel von Stützpunkten und Befestigungen größ­ten Ausmaßes. Zahllose Flugplätze wurden ge­baut oder im hohen Norden zum Teil aus dem Urgestein des Granits gesprengt. Marinebasen er­hielten Schutzbauten für U-Boote in einem Aus­maß und in einer Stärke, daß sie sowohl von See als auch von der Luft aus praktisch unverletzbar sind. Der Verteidigung selbst dienen mehr als ein- einhalb Tausend neue Batterien, deren Stellungen erkundet, geplant und ausgebaut werden mußten. Ein Netz von Straßen und Eisenbahnen wurde an­gelegt, sodaß heute die Verbindung zwischen der spanischen Grenze und Petsamo unabhängig vom Meere sichergestellt ist. Pioniere und Bau-Batail­lone der Marine, des Heeres und der Luftwaffe in Verbindung mit der Organisation Todt haben hier Anlagen geschaffen, die dem Westwall in nichts nachstehen. An ihrer Verstärkung wird unentwegt weitergearbeitet. Es ist mein unbeirrbarer Ent­schluß, diese europäische Front für jeden Feind unangreifbar zu machen. Diese auch über den letz­ten Winter hin fortgesetzte Arbeit defensiver Art fand ihre Ergänzung durch eine offensive Krieg­führung, wie sie, durch die jahreszeitlichen Verhält­nisse bedingt, möglich war. Deutsche Ueberwasser- und Unterwasser-Seestreitkräfte führten ihren steti­gen Vernichtungskrieg gegen die britische und die ihr dienstbare Kriegs- und Handelsmarine weiter. Die deutsche Luftwaffe unterstützte durch Aufklä­rung und Angriff die Schädigung der feindlichen Tonnage und brachte in zahllosen Dergeltungs- flügen dem Engländer eine bessere Vorstellung über denreizenden Krieg" bei, dessen Urheber mit in erster Linie sein heutiger Premierminister ist.

In diesem Kampf wurde in der Mitte des ver­gangenen Jahres Deutschland vor allem durch sei­nen italienischen Bundesgenossen unterstützt. Viele Monate lastete das Gewicht eines großen Teiles der britischen Macht auf den Schultern des mit uns verbündeten italienischen Staates. Nur infolge der enormen Ueberlegenheit an schweren Panzern gelang es den Engländern, in Nordafrika vor­übergehend eine Krise herbeizuführen. Schon am 24. März des vergangenen Jahres aber begann eine kleine Gemeinschaft deutsch-italienischer Ver­bände unter Führung Rommels zum Gegenan­griff anzutreten. Am 2. April fiel Agedabia. Am 4. wurde Bengasi erreicht. Am 8. zogen unsere gemeinsamen Verbände in Derna ein, am 11. wurde Tobruk eingeschlossen und am 12. April Bardia besetzt. Das deutsche Afrika-Korps hat um­so Hervorragenderes geleistet, als den Deutschen rein klimatisch dieser Kriegsschauplatz vollkommen fremd und ungewohnt war. So wie einst in Spa­nien sind nunmehr in Nordafrika Deutsche und Italiener dem gleichen Feinde stets gemeinsam ge­genübergetreten.

Während durch diese kühnen Maßnahmen Nie nordafrikanische Front unserer beiden verbündeten Länder mit dem Blute deutscher und italienischer Soldaten wieder gesichert wurde, zog sich über Europa bereits der unheildrohende Schatten einer entsetzlichen Gefahr zusammen. Der bittersten Not gehorchend habe ich mich im Herbst 1939 entschlos- jen, wenigstens den Versuch zu machen, durch das

Ausschalten der akuten deutsch-russischen Spannung die Voraussetzung für einen all­gemeinen Frieden zu schaffen. Dies war psycho­logisch schwer infolge der Gesamteinstellung des deutschen Volkes und vor allem der Partei gegen­über dem Bolschewismus, sachlich genommen aber leicht, da Deutschland in all den Gebieten, die England als von uns- bedroht erklärte und mit Beistandspakten überfiel, tatsächlich immer nur wirtschaftliche Interessen gesehen und vertreten hatte. Denn ich darf Sie erinnern, Abgeordnete, Männer des deutschen Reichstages, daß England im ganzen Früh- und Hochsommer des Jahres 1939 wieder zahlreichen Staaten und Ländern seinen Beistand anbot, mit der 'Behauptung, Deutschland besäße die Absicht, bei ihnen einzufallen und sie ihrer Freiheit zu berauben. Das Deutsche Reich und seine Regierung konnten mit bestem Gewissen daher versichern, daß es sich dabei nur um Unter­stellungen handelte, die der Wahrheit in keiner Weise entsprachen. Es kam dazu noch die nüchterne militärische Erkenntnis, daß im Falle eines Krie­ges, der durch die britische Diplomatie dem deut­schen Volk aufgezwungen werden sollte, der Kgrnps nach zwei Fronten ohnehin nur mit sehr schweren Opfern durchführbar schien. Nachdem außerdem die baltischen Staaten, Rumänien usw. der Annahme der britischen Beistandspakte zugeneigt waren und damit zu erkennen gaben, daß sie ebenfalls an eine solche Bedrohung glaubten, war es für die deutsche Reichsregierung nicht nur ein Recht, son­dern auch eine Pflicht, ihrerseits die Grenzen der deutschen Interessen zu bestimmen. Die betroffenen Länder mußten allerdings auch' zum Leidwesen des Deutschen Reiches selbst in kurzer Zeit er­kennen, daß der einzige Faktor, der der stärkste Garant gegenüber dem drohenden Osten sein konnte, nur Deutschland war. So wie sie durch ihre eigene Politik die Verbindungen zum Deutschen Reich durchschnitten hatten und stattdessen sich dem Beistand der Macht anvertrauten, die in ihrem sprichwörtlichen Egoismus seit Jahrhunderten nie Beistand gab, sondern stets nur Hilfe forderte, wa­ren sie verloren.

Dennoch erregte das Schicksal dieser Länder das stärkste Mitempfinden des deutschen Volkes. Der Winterkampf der Finnen zwang uns ein Gefühl, gemischt aus Bitternis und Bewunderung auf. Bewunderung, weil wir selbst als Soldaten­volk für Heldentum und Aufopferung ein empfäng­

liches Herz besitzen, Bitternis, weil wir mit dem Blick auf den drohenden Feind im Westen und die Gefahr im Osten militärisch zu helfen nicht in der Lage waren.

Sowie es klar wurde, daß Sowjetrußland aus der Abgrenzung der politischen deutschen Einfluß­sphären das Recht ableitete, die außerhalb lebenden Nationen praktisch auszurotten, war das weitere Verhältnis nur noch ein zweckbestimmtes, dem Ver­nunft und Gefühle feindlich gegenüberstanden. Von Monat zu Monat mehr wurde schon im Jahre 1940 die Erkenntnis gewonnen, daß die Pläne der Män­ner des Kreml bewußt auf die Beherrschung und damit Vernichtung ganz Europas hin­zielten. Ich habe der Nation schon ein Bild des Aufmarsches der russischen militärischen Machtmittel im Osten gegeben, zu einer Zeit, in der Deutschland nur wenige Divisionen in den an Rußland angren­zenden Provinzen besaß. Nur ein Blinder konnte es übersehen, daß sich hier ein Aufmarsch von welt­geschichtlich einmaligen Dimensionen vollzog. Und zwar nicht um etwas zu verteidigen, was nicht be­droht war, sondern nur um etwas anzugreifen, was zur Verteidigung nicht mehr fähig zu sein schien. Wenn die blitzartige Beendigung des Feldzuges im Westen den Moskauer Machthabern auch die Mög­lichkeit nahm, mit einer sofortigen Erschöpfung des Deutschen Reiches rechnen zu können, so beseitigte dies keineswegs ihre Absichten, sondern verschob nur den Zeitpunü des Angriffes. Im Sommer 1941 glaubte man den günstigsten Moment des Los­schlagens zu sehen. Nun sollte ein neuer Mon­gole n st u r m über Europa hinwegbrausen.

Für die gleiche Zeit aber versprach Mister Chur­chill auch die Wende des englischen Kampfes gegen Deutschland. Er versucht heute in feiger Weise ab­zuleugnen, daß er in den Geheimsitzungen des Jahres 1940 im englischen. Unterhaus als wesent­lichsten Faktor für die erfolgreiche Fortführung und Beendigung dieses Krieges auf den sowjetischen Kriegseintritt hinwies, der spätestens im Jahre 1941 kommen sollte und der England dann in die Lage versetzen würde, auch seinerseits zum Angriff über­zugehen.

Im Frühling dieses Jahres verfolgten wir des­halb in gewissenhafter Pflicht den Aufmarsch einer Weltmacht, die an Menschen und Material über un­erschöpfliche Reserven zu verfügen schien. Schwere Wolken begannen sich über Europa zusammenzu­ziehen.

Deutschlands europäische Sendung.

Denn, meine Abgeordneten, was ist Europa? Es gibt keine geographische Definition unseres Kon­tinents, sondern nur eine volkliche und kulturelle. Nicht der Ural ist die Grenze dieses Kontinents, sondern jene Linie, die das Lebensbild des Westens von dem des Ostens trennt. Es gab eine Zeit, da mar Europa jenes griechische Eiland, in das nordische Stämme vorgedrungen waren, um von dort aus zum ersten Male ein Licht anzuzün- den, das seitdem langsam aber stetig die Welt der Menschen zu erhellen begann. Und als diese Grie­chen den Einbruch der persischen Eroberer abwehr­ten, da verteidigten sie nicht ihre engere Heimat, die Griechenland war, sondern jenen Begriff, der heute Europa heißt. Und dann wanderte Europa von Hellas nach Rom. Mit dem griechischen Geist und der griechischen Kultur verband sich römisches Denken und römische Staatskunst. Ein Weltreich wurde geschaffen, das auch heute noch in seiner Be­deutung und fortzeugenden Kraft nicht erreicht, ge­schweige denn übertroffen ist. Als aber die römischen Legionen gegenüber dem afrikanischen Ansturm Karthagos in drei schweren Kriegen Italien vertei­digten und endlich den Sieg erfochten, war es wie­der nicht Rom, für das sie kämpften, sondern das die griechisch-römische Welt umfassende damalige Europa.

Der nächste Einbruch gegen diesen Heimatboden der neuen menschlichen Kultur erfolgte aus den Weiten des Ostens. Ein furchtbarer Strom kulturloser Horden ergoß sich aus Jnnerasien bis tief in das Herz des heutigen europäischen Konti­nents, brennend, sengend und mordend als wahre Geißel des Herrn. In der Schlacht auf den Katalau- nischen Feldern traten zum ersten Male in einem Schicksalskampf von unabsehbarer Bedeutung Rö­mer und Germanen gemeinsam für eine Kultur ein, die von den Griechen ausgehend, über die Römer hinweg nunmehr auch die Germanen in ihren Bann gezogen hatte.

Europa war gewachsen. Aus Hellas und Rom entstand das Abendland und seine Verteidi­gung war nunmehr für viele Jahrhunderte nicht nur die Aufgabe der Römer, sondern vor allem auch die Aufgabe der Germanen. In eben dem Maße aber, in dem das Abendland beleuchtet von griechischer Kultur, erfüllt vom Eindruck der gewal­tigen Ueberlieferungen des römischen Reiches durch die germanische Kolonisation seine Räume erwei­terte, dehnte sich räumlich jener Begriff, den wir Europa nennen. Ganz gleich, ob nun deutsche Kai­ser an der Unstruth oder auf dem Lechfeld die Ein­brüche aus dem Osten abwehrten, oder Afrika in

langen Kämpfen aus Spanien zurückgedrängt wurde, es war immer ein Karnpf des wer­denden Europas gegenüber einer ihm im tief­sten Wesen fremden UmweU. Wenn einst Rom seine unvergänglichen Verdienste an der Schöpfung und Verteidigung dieses Kontinents zukamen, dann über­nahmen nunmehr auch die Germanen die Vertei­digung und den Schutz einer Völkerfamilie, die un­ter sich in der politischen Gestaltung und Zielsetzung noch so differenziert und auseinanderweichend sein mochte: im Gesamtbild aber doch eine blutmäßig und kulturell teils gleiche, teils sich ergänzende Ein­heit darstellt.

Und von diesem Europa aus ging nicht nur eine Besiedlung anderer Erdteile vor sich, sondern eine geistige und kulturelle Befruchtung, deren sich nur jener bewußt wird, der gewillt rft, die Wahrheit zu suchen, statt sie zu verleugnen. Es hat deshalb auch nicht England den Kontinent kultiviert, sondern Splitter germanischen Volkstums unseres Kontinents sind als Angelsachsen und Normannen auf diese Insel gezogen und haben ihr eine Entwicklung er­möglicht, die sicher einmalig ist. Und ebenso hat nicht Amerika Europa entdeckt, sondern umge­kehrt. Und all das, was Amerika nicht aus Europa bezogen hat, mag wohl einer verjudeten Mischrasse als bewunderungswürdig erscheinen, Europa aber sieht darin nur ein Zeichen des Verfalls in Kunst und kultureller Lebenshaltung, das Erbe jüdischen ober üernegerten Bluteinschlags.'

Meine Abgeordneten! Männer des Deutschen Reichstages!

Ich muß diese Ausführungen machen, denn der Kampf, der sich in den ersten Monaten dieses Jah­res allmählich als unausbleiblich abzuzeichnen be­gann, und zu dessen Führung dieses Mal in erster Linie das Deutsche Reich berufen ist, gebt ebenfalls über die Interessen unseres eigenen Volkes und Landes weit hinaus. Denn so wie einst die Grie­chen gegenüber den Persern nicht Griechenland und die Römer gegenüber den Karthagern nicht Rom, Römer und Germanen gegenüber den Hunnen nicht das Abendland, deutsche Kaiser gegenüber Mongo­len nicht Deutschland, spanische Helden gegenüber Afrika nicht Spanien, sondern alle Europa ver­teidigt haben, so kämpft Deutschland auch heute nicht für sich selbst, sondern für unseren gesamten Kontinent. Und es ist ein glückliches Zeichen, daß diese Erkenntnis im Unterbewußtsein der mei­sten europäischen Völker heute so tief ist, daß sie, sei es durch offene Stellungnahme, sei es durch den Zustrom von Freiwilligen, an diesem Kampfe teil nehmen.

Ms die deutschen und italienischen Armeen am > 6. April dieses Jahres zum Angriff gegen 3ugo* || flamten und Griechenland antraten, war ; dies die Einleitung des großen Kampfes, in dem wir uns zur Zeit noch befinden. Denn die Revolte, die in Belgrad zum Sturz des ehemaligen Prinzregenten und feiner Regierung führte, war bestimmend für den weiteren Verlauf der Gescheh» nisse in diesem Raum Europas. Wenn auch Eng» land an diesem Putsch maßgebendst beteiligt war, so spielte doch die Hauptrolle Sowjet-Ruß. land. Was ich Herrn Molotow anläßlich seines Besuches in Berlin verweigert hatte, glaubte Sta» l i n nunmehr auf dem Umweg einer revolutionären Bewegung auch gegen unseren Willen erreichen zu können. Ohne Rücksicht auf die abge» schlossenen Verträge weiteten sich die Absichten der bolschewistischen Machthaber. Der Freundschafts, pakt mit dem neuen revolutionären Regime erhellte blitzartig die Nähe der drohenden Gefahr.

Was von der deutschen Wehrmacht in diesem Feldzug geleistet wurde, fand im Deutschen Reichs­tag am 4. Mai 1941 seine Würdigung. Was aus* zufprechen mir damals aber leider versagt bleiben mußte, war die Erkenntnis, daß wir mit rasender , Schnelligkeit der Auseinandersetzung mit einem Staat entgegengingen, der im Augenblick des U Balkanfeldzuges nur deshalb noch nicht eingriff, weil fein Aufmarsch noch nicht vollendet und die Benützung der Flughäfen vor allem infolge der um diese Jahreszeit einsetzenden Schneeschmelze und , damit der Grundlosmachung der Rollfelder unmög» lich war.

Meine Abgeordneten! Männer des Reichstages!

So wie mir im Jahre 1940 durch Mitteilungen . aus dem englischen Unterhaus und durch Beobach» tungen der russischen Truppenoerschiebungen an , unseren Grenzen die Möglichkeit der Entstehung , einer Gefahr im Osten des Reiches bewußt wurde, erteilte ich sofort die Anweisung zur Aufstellung zahlreicher neuer Panzer-, Mot- und Infanterie« Divisionen. Die Voraussetzungen dafür waren so­wohl personell als auch materiell reichlich vorhan- \ den. Wie ich Ihnen, meine Abgeordneten, und über­haupt dem ganzen deutschen Volk nur eine Der« ,

sicherung geben kann: wenn man auch in den i

Demokratien von Rüstung, vielleicht begreiflich, sehr

viel redet, dann wird aber trotzdem im national» sozialistischen Deutschland dafür immer noch mehr gearbeitet. Es war in der Vergangenheit so und es ist dies auch heute nicht anders. Jedes Jahr wird uns mit vermehrten und vor allem auch besseren Waffen dort finden, wo die Entscheidungen fallen.

Trotz aller Einsicht in die Notwendigkeit, unter keinen Umständen dem Gegner die Möglichkeit zu bieten, den ersten Stoß in unser Herz tun zu ton­nen, war der Entschluß in diesem Fall doch ein sehr schwerer. Wenn die Artikelschreiber unserer demokratischen Zeitungen heute erklären, daß ich bei genauer Kenntnis^ der Stärke des bolschewi­stischen Gegners es mir überlegt haben würde, zum Angriff zu schreiten, so verkennen sie ebensosehr die Lage wie meine Person. Ich habe feinen Krieg gesucht, sondern habe im Gegenteil alles getan, um ihn zu vermeiden. Ich würde aber pflichtvergessen und gewissenlos handeln, wenn ich es trotz der Kenntnis der Unvermeidlichkeit eines Waffenganges versäumen würde, die dar­aus einzig möglichen Konsequenzen zu ziehen. Weil ich Sowjetrußland für die tödlichste Gefahr nicht nur des Deutschen Reiches, sondern für ganz Europa hielt, habe ich mich entschlossen, wenn mög» lich noch wenige Tage "vor Ausbruch dieser Aus­einandersetzung selbst das Zeichen zum An» griff zu geben. Für die Tatsache d r Absicht aber des russischen Angriffes liegt heute ein wahrhaft erdrückendes und authentisches Material vor. Eben­so sind wir uns im klaren über den Zeitpunkt, an dem dieser Angriff stattfinden sollte. Angesichts der uns vielleicht im ganzen Umfang aber wirklich erst heute bewußt gewordenen Größe der Gefahr kann ich dem Herrgott nur danken, daß er mich zur rich­tigen Stunde erleuchtet hat und mir die Kraft schenkte, das zu tun, was getan werden mußte. Dem verdanken nicht nur Millionen deutscher Sol­daten ihr Leben, sondern ganz Europa sein Dasein. Denn das darf ich heute aussprechen: Wenn sich diese Welle von über 20 000 Panzern, hunderten an Divisionen, zehntausenden an Geschützen, be­gleitet von mehr als 10 000 Flugzeugen, unoer* sehens über das Reich hin in Bewegung gesetzt haben würde, wäre Europa verloren gewesen! Das Schicksal hat eine Reihe von Völkern bestimmt, durch den Einsatz ihres Blutes diesem Stoß zu­vorzukommen bzw. ihn aufzufangen. Hätte sich Finnland nicht sofort entschlossen, zum zweitenmal die Waffen zu ergreifen, dann würde die ge­mächliche Bürgerlichkeit der anderen nordischen Staaten schnell ihr Ende gefunden haben. Wäre das Deutsche Reich nicht mit seinen Soldaten und Waffen vor diesen Gegner getreten, würde ein Strom über Europa gebrandet sein, der die lächer­liche britische Idee der Aufrechterhaltung des euro­päischen Gleichgewichtes in ihrer ganzen Geistlosig­keit und stupiden Tradition einmal und für immer erledigt hätte. Würden nicht Slowaken, Ungarn und Rumänen den Schutz dieser europäischen Welt mit übernommen haben, dann wären die bolsche­wistischen Horden wie der Hunnenschwarm eines Attila über die Donauländer gebraust, und an den Gefilden des Ionischen Meeres würden heute Ta­taren und Mongolen die Revision des Vertrages von Montreux erzwingen. Hätten nicht Italien, Spanien, Kroatien ihre Divisionen gesendet, dann würde nicht die Abwehr einer europäischen Front entstanden sein, die als Proklamation des Begriffs des neuen Europa ihre werbende Kraft auch auf alle anderen Völker ausstrahlen ließ. Aus diesem ahnungsvollen Erkennen heraus sind von Nord» und Westeuropa die Freiwilligen gekommen: Nor­weger, Dänen, Holländer, Flamen, Belgier, USA., ja selbst Franzosen, die dem Kampf der verbünde» ten Mächte der Achse im wahrsten Sinne des Wor­tes den Charakter eines europäischen Kreuzzuges geben.

Es ist noch nicht die rechte Zeit, über die Pla­nung und Führung , dieses Feldzuges zu sprechen. Allein ich glaube schon jetzt, in diesem gewaltigsten Kampfe aller Zeiten, bei dem sich durch die Größe des Raumes, die Vielzahl und x Gewalt der Er­eignisse nur zu leicht die einzelnen Eindrücke ver­wischen, in der Erinnerung verblassen, in wenigen Sätzen auf das Erreichte Hinweisen zu dürfen.

Am 22. Juni begann im grauenden Morgen der Angriff. Mit unwiderstehlicher Kühnheit wurden jene Grenzbefestigungen durchstoßen, die bestimmt waren, den russischen Aufmarsch gegen uns vor jeder Ueberraschung zu sichern. Schon am 23. Juni war G r o d n o gefallen. Arn 24. Juni waren nach der Einnahme von B r e st - L i t o w s k die. Zita­delle niedergekämpft und ebenso Wilna und K o w n o genommen. Am 26. Juni fiel Düna* bürg. Am 10. Juli wurden die ersten beiden gro­ßen Umfassungsschlachten bei Bialystok unv Minsk abgeschlossen. 324 000 Gefangene, 3332