Ausgabe 
12.2.1941
 
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der Straßenbahnanlagen und damit zusammenhän­gende wirtschaftliche Ueberlegungen bedingt war Der Obus zeigt besondere Eionung für kleinere Be­triebe mit verhältnismäßig schwachem, aber regel­mäßigem Verkehr. In größeren Verkehrsbetrieben ist der Obus auch dann wirtschaftlich einsetzbar, so lange der Verkehr nicht so groß ist, daß Straßen­bahnen mit Dreiwagenzügen oder »Schnellbahnen erforderlich sind. Der Fahrleitungsbau ist schwieriger und teurer als bei Straßenbahnen, und zwar wegen der zweipoligen Ausführung und der starken Be­anspruchung quer zur Fahrtrichtung. Dem Obus kommt es zugute, daß er die Unelastizität der Stra-

Verdunkelungszeit

12. Februar von 18.29 bis 8.46 Uhr.

ßenbahn im Straßenverkehr wegen der Bindung an die Schiene weitgehend gelockert hat. Im Gegen­satz zur Straßenbahn ist der Obus so beweglich, daß er ausweichen und sogar überholen kann, da die größte Abweichung von der Oberleitunasmitte bis 4,5 Meter beträgt. Auch bei Straßenbauarbeiten kann der Verkehr mit dem Obus aufrechterhalten bleiben. Das Ein- und Aussteigen ist in den meisten Fällen auch von der Gehbahn aus möglich. Er be­sitzt danach manche Vorteile, die der Autobus vor der Straßenbahn hat, ohne gewisse Vorzüge der Straßenbahn aufgeben zu müssen. Diese Vorzüge liegen in dem elektrischen Antrieb begründet.

Das Kind im Sprichwort.

Eine Ehe ohne Kinder ist wie ein Tag ohne Sonne.

Wer ein säugendes Kind hat, hat eine singende Frau.

Jeder Mutter Kind ist schön. _

Je mehr Kinder, je mehr Glücks.

Die Kinder sind dem Armen ein lebendiger Schatz.

Ein Kind: Angstkind, zwei Kinder: Spielkinder.

Viel Kinder, viel Vaterunser, viel Vaterunser, viel Segen.

Die Kinder sind das Knopfloch der Eintracht.

Kinder sind das Gold jeder glücklichen, der Kitt mancher unglücklichen Ehe.

Kinder soll man ziehen, daß der Apfel bei der Rute liegt.

Es ist besser, das Kind weine, denn der Vater.

Ein Kind, das nicht spielt und dem nicht wackelt der Mund, ist nicht gesund. E. L. St.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19 bis 21 UhrDas Ferienkind". Gloria-Palast, Seltersweg:Am Abend auf der Heide". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Alarm". Öffentlicher Vortrag der Universität: 20 bis 21.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße, Lichtbildervortrag Professor Dr. Glöck­ner überDas Tier in der Kunst".

Sladllhealer Gießen.

Am heutigen Mittwoch wird das LustspielDas Ferienkind" wiederholt. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Hanne­lore Hinkel, Hilde Kneip; Gert Geiger. 19. Mitt­woch-Miete.

Ortszeit für den 13. Februar.

Sonnenaufgang 8.48 Uhr, Sonnenuntergang 18.32 Uhr. Monduntergang 9.13 Uhr, Mondaufgang 20.40 Uhr.

Refa-Lehraänge in Gießen.

Die Deutsche Arbeitsfront hat bisher in Zusam­menarbeit mit dem Reichsausschuß für Arbeits­studien, kurz R e f a genannt, in vielen Städten die Refa-Lehrgänge mit bestem Erfolg durchgeführt und wird in Kürze auch in Gießen hiermit beginnen. Der Reichsäusschuß für Arbeitsstudien ist der Schöpfer und Wahrer des Refa-Gedankens. Die von ihm begriffsmäßig bestimmte Arbejts- und Zeitstudie ist ein Mittel zu der heute verlangten Leistungssteigerung und der damit verbundenen ge­rechten Entlohnung.

3n Gießen ist die Durchführung folgender Lehr­gänge vorgesehen: 1. Refa-Grundlehrgang, 2. Refa- Fachlehraang und 3. ein LehrgangTechnisches Rechnen^ für die Volksgenossen, die einen Refa- Grundlehrgang und später den Fachlehrgang be­suchen wollen, jedoch noch nicht die fachlichen Vor­aussetzungen für den Besuch des Refa-Grundlehr- ganges mifbringen. Für den Erwerb des Refa-

Bomben auf England in Gießen.

Oie Polizei als Bombenlieferant.

Und dazu noch 45000 Verkehrsabzeichen für alle Volksgenossen.

Unsere Gießener Polizei hat sich von jeher nicht als Herr oder Vorgesetzter, sondern immer nur als Diener und allezeit hilfsbereiter Betreuer un­serer Volksgemeinschaft erwiesen. Ihre aufopfernde Arbeit im Dienste der Gemeinschaft haben wir alle auch im verflossenen Fahre wieder in vielerlei Hin­sicht bemerken können. Denn chrem Wirken Haden wir es zu verdanken, daß mancherlei Beschwerden des Alltags und insbesondere manche Fährnisse der Kriegszeit von uns bisher gut überstanden worden sind. Man denke z. B. nur an den Fußgänger- und

vV

Straßenverkehr in der Zeit der Verdunkelung, oder an die sorgsame Ueberwachung der Preisbestimmun­gen und viele ähnliche Dinge, deren genaue Durch­führung durch die Polizei im Interesse jedes ein­zelnen Volksgenossen liegt. Haben wir also allen Grund, unserer Gießener Polizei für ihren uner­müdlichen und allezeit tatfrohen Einsatz zum Besten der Volksgemeinschaft Dank zu wissen, so besteht für uns nicht minder auch die Verpflichtung, bei passender Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, daß wir uns für die dienende Arbeit der Polizei gerne erkenntlich zeigen wollen. Dabei erwartet die Poli­zei nichts für sich selbst, sondern sie hofft nur auf unsereVergeltung" mit dem Zweck, einer anderen gemeinnützigen Einrichtung förderlich zu fein.

Diese Gelegenheit haben mir am kommenden Wochenende mit demTag der Deutschen Polizei". Hier werden unsere Polizeibeamten als Sammler für das Kriegs-Winterhilfswerk an alle Volksgenossen herantreten und sie bitten, mit ihrer Opferspende nicht nur unseren Polizeibeamten einen Teil der verpflichtenden Erkenntlichkeit für die bis­herigen guten Dienste adzustatten, sondern auch dem Kriegs-WHW. für feine großen Aufgaben neue Munition" zuzuführen. 45 000 WHW. - Ab - zeichen in Form der verschiedenen Verkehrs­zeichen werden unsere Gießener Polizeibeamten den

Volksgenossen zum Kaufe anbieten. Die Abzeichen, die wir hier im Bilde zeigen, find im Material recht stabil gearbeitet, sie haben außerdem noch den Vorteil, daß jedes einzelne durch entsprechende Be­schriftung auf der Rückseite in seiner Zweckbestim­mung erläutert ist Die Käufer der Abzeichen kön­nen sich also zugleich mit ihrer Gabe für das Kriegs- WHW. einen lehrreichen Anschauungsunterricht über die Bedeutung der verschiedenen Verkehrs­zeichen erwerben. Hoffentlich machen recht viele Volksgenossen von dieser Möglichkeit Gebrauch!

Neben dem Abzeichen-Verkaus hat unsere Gieße­ner Polizei noch eine Reihe von Veranstaltungen vorbereitet, die in mancherlei Hinsicht reiche lieber» raschungen bringen werden. Am kommenden Samstag um 7 Uhr wird mit einem großen Wecken des Lautsprecherwagens der Sammeltag eingeleitet werden. Und dann wird alsbald auf allen Straßen und Plätzen die Sammeltätigkeit unserer Polizeibeamten mit dem Verkauf der Ab­zeichen beginnen. Schon vom frühen Samstagvor­mittag ab wird jeder Volksgenosse Gelegenheit haben, unter den Augen der Gießener Polizei Bomben auf England" loszulasien und einschlagen zu sehen. Die Gießener Polizei ist näm­lich im Besitze einer originellen und neuartigen Ein­richtung, die dem Bombenwurf auf England bient Sie wird diese Einrichtung am kommenden Sams­tag bei dem Lautsprecherwagen mitführen und jedermann Gelegenheit geben,seine" Bombe aus den Händen von Gießener Polizeibeamten zu emp­fangen und gegen England zu richten. Die Ein­schläge dieser Bomben können alleBomber" mit eigenen Augen beobachten. Wem es nicht genügt, eine derartigeBombe" auf England schlechthin loszuwerden wer vielmehr den Wunsch hat, Lon­don, Manchester, Bristol, Birmingham usw. speziell mitleinen Bomben" zu bedenken, der kann sich auch diese Orte als Ziel seiner Bombeneinschläge auswählen und auch hier mit eigenen Augen sehen, daß seine Bombe das erwählte Ziel genau trifft. Es ist jedenfalls eine sinnreiche Vorrichtung, die un­sere Gießener Poligei für dieses Bombenwersen auf England bereitgestellt hat.

9m weiteren Verlaufe des Samstags wird man interessante Kunstfahrübungen eines Krad- schützenzuges der Schutzpolizei sehen können, und zwar um 16 Uhr auf dem Brandplatz, um 16.30 Uhr in der Kaiserallee, um 17 Uhr auf dem Hinden­burg-Wall und anschließend im Seltersweg. Hier kann man auch die Ueberraschung erleben, ein ferngesteuertes Motorrad ohne Be­mannung herumfahren zu sehen. Von 17 bis 18 Uhr wird der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung des Musikzugsührers, Sturmführer Herrmann, am Kreuzplatz ein Konzert geben, um damit unserer Polizei bei ihrer Sam­meltätigkeit förderlich zu fein. Von 15 Uhr ab wird das NSK K. an seinem Heim Ecke Seltersweg/Sel- terstor eine Ausstellung zeigen, in der man aktuelle Verkehrsangeleaenheiten sachkundig erläu­tert sehen kann. Die Männer der ff des Stand­orts Gießen werden sich mit der Polizei zusammen bei der Sammeltätigkeit einfetzen.

Nach allen Vorbereitungen zu schließen darf man sicher sein, daß auch der kommende Samstag als Tag der Deutschen Polizei" in unserer Stadt wie­der ein voller Erfolg für das Kriegs-WHW. wer­den wird.

Scheines ist der Besuch des Refa-Grund- und Refa- Fachlehrganas notwendig. Wir verweisen auf die Anzeige in der heutigen Ausgabe.

Der Nationalsozialismus stellt bewußt den Men- fchen in den Vordergrund der deutschen Wirt­schaft und des Betriebslebens. Der im schaffenden Menschen vorhandene Leistungswille muß plan­mäßig ausgelöst und gelenkt werden, um zur Lei- stungssteigenung zu führen. Die gebotene Leistung muß durch gerechten Lohn anerkannt werden. Mit der Durchführung dieser Aufgabe dürfen nur Men­schen beauftragt werden, deren charakterliche Eigen­schaften und fachliches Können die Gewähr dafür bieten, die gestellten Aufgaben einer gerechten Lösung zuzuführen. Gründliche Schulung und ge­wissenhafte Ausbildung sind daher notwendig.

Den .Betrieben müssen, soll reine angemessene Arbeitszeit <mb damit verbunden der gerechte Lohn

ermittelt werden, entsprechende Kräfte auf den Ge­bieten der Zeitermittlung und der Arbeitsstudien zur Verfügung stehen. Diese Kräfte sind nur in beschränktem Maße vorhanden und fino daher im­mer wieder gesucht. 3n den in Gießen zur Durch­führung kommenden Refa-Lehrgängen bietet sich die Gelegenheit, den Reka-Schein zu erwerben und da­mit anerkannter Refa-Mann zu werden. Die Deutsche Arbeitsfront fordert daher alle Volksge­nossen, die Interesse daran haben, in die Gedan­kengänge und das Wesen des Refa einzudringen, auf, sich an die Kreiswaltung Wetterau, Hauptab­teilung für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen zu wenden.

Gießener Gchlachtviebmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Vertettungsmarkt) in der Viehversteige­

Umwege -es Herzens

Roman von H.H. Hansen

Copyright by Prometheus »Verlag Dr. Eich acker Groben teil

23 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ruf der Frau Korn im ganzen gut. Ist beschei­den und fleißig. Wird von ihrem Mann schlecht behandelt, erträgt aber alles mit Geduld. Die Kin­der sind immer sauber gewaschen und gekleidet. Steht jedoch im Verdacht, von den Diebstählen und Wildereien ihres Mannes zu wissen."

Koßrnann blickte auf.Das habe ich ungefähr erwartet. Überraschungen bringt es mir nicht."

Ja, nach den Zeitungsberichten konnte man auch kaum anderes voraussetzen. Vielleicht ist es für Sie noch von Interesse, daß Frau Korn einen Bruder besitzt, der 1901 nach Holländisch-Jndien ausgewandert ist. Er hat viele Jahre nichts von sich hören lassen, bis er 1924 feine Angehörigen auf­suchte. Er schien in sehr guten Verhältnissen zu leben und hat seinen damals noch lebenden Eltern dreitausend Mark als Geschenk gegeben, dazu Mö­belstücke, Kleider und etwas Vieh gekauft. 1932 kam zum letztenmal Post von ihm, die begleitet war von einem größeren Geldbetrag zur Errichtung eines Grabmals für die verstorbenen Eltern Seither hat niemand mehr etwas von ihm gehört."

Koßrnann wurde interessiert.Können Sie fest­stellen, ob dieser Mann noch lebt?"

Er heißt", Hufland blätterte in seinem Notiz­buch,Walter Scheuer, muß jetzt 59 bis 60 Jahre alt sein und lebte zuletzt in Batavia Wenn wir etwas über ihn erfahren wollten, müßten wir beim deutschen Konsulat in Batavia anfragen Das dau­ert aber eine geraume Zeit, wenn die Antwort Überhaupt positiv ausfällt."

Der Besucher überlegte.Das ist wahr. Selbst mit der holländischen Flugpost bauern die Brief­beförderung und die Antwort zusammen über vier­zehn Tage In einem Monat frühestens könnte ich mit einer Antwort rechnen Also lassen wir das.

Koßrnann zahlte den Rest des vereinbarten Ho­norars und die entstandenen Spesen. Nachdenklich

fuhr er zur Fabrik hinaus. Was wußte er nun mehr? Er hatte nur eine Bestätigung dafür er­halten, daß Korn ein hoffnungslos kriminelles Subjekt war, das sicher außer den abgeurteilten Verbrechen noch eine ganze Reihe anderer auf dem Kerbholz hatte. Mitleid mit ihm war unangebracht. Aber Frau und Kindern mußte geholfen werden. Die Tatsache, daß Frau Korn einen Bruder im Ausland befaß, der schon zweimal größere Geld­spenden an seine Angehörigen gegeben hatte, half dazu, den Leuten unauffällig Geld zu geben.

Als Koßrnann abends das Büro hinter sich schloß, stand fein Plan fest. Am andern Mittag faß er im Schnellzug nach Hamburg und suchte dort einen Anwalt auf.

,Herr Doktor, ich komme in einer diskreten An­gelegenheit. Bestimmte Umstände veranlassen mich dazu, einer Frau Korn, geborenen Scheuer, m Neudorf bei Berlin einen Geldbetrag zukommen zu lassen. Die Empfängerin darf unter keinen Um­ständen erfahren, von welcher Seite sie das Geld erhält."

Der Notar wurde aufmerksam.Das ist ganz ein­fach. Uebergeben Sie mir den Betrag und ich werde ihn aushändigen."

Das wäre das einfachste, würde aber Aufsehen erregen, nicht nur bei der Empfängerin selbst und ihrer Familie, sondern auch bei den anderen Be­wohnern des Dorfes. Ich habe folgenden Gedanken. Die Frau besitzt aber befaß einen Bruber, ber 1901 nach Hollänbifch-Jnbien ausgeroanbert ist. Er hat einmal feinen Eltern eine größere Summe zuge­wandt und einmal Geld zur Errichtung eines Grabsteines für diese geschickt. Seit 1932, also feil sechs Jahren, hat niemand mehr etwas von ihm gehört. Es ist möglich, daß er tot ist. Würbe von ihm ein größeres Geschenk kommen, so wäre bas ganz unauffällig."

Wie haben Sie sich das gedacht?"

Ich möchte Ihnen einen Briefumschlag mit Geld übergeben, das spätestens im Jahre 1933 von ber Reichsbank ausgegeben würbe unb heute noch gül­tig ist. Das Kuvert würde die Aufschrift Frau Korn, geboren: Scheuer in Neudorf tragen. Zu dem Geld müßte eine kurze Angabe über den In­halt gelegt werden die gleichzeitig bestimmt, zu wel- chen Zwecken bas Gelb verwendet werden soll. Sie

würden durch eine Auskunftei Frau Korn ermit­teln unb angeben, daß Sie den Betrag 1933 von einem Hexrn Walter Scheuer erhalten hätten, der Sie in Ihrem Büro aufsuchte und beauftragt hat, das Kuvert der Adressatin auszuhändigen."

Es tut mir leid, Herr Brauer, ich kann unmög­lich mit falschen Angaben operieren. Können Sie mir den Grund angeben, warum Sie auf diesem geheimnisvollen Wege vorgehen wollen?"

Koßrnann errötete etwas.Nehmen Sie an, Herr Rechtsanwalt, Frau Korn sei eine Jugendliebe von mir und ich wäre jetzt aus Rücksicht auf ihren Mann und ihre Kinder gezwungen, auf solchen Umwegen vorzugehen."

Das läßt sich hören. Immerhin möchte ich nicht zum Lüaen gezwungen werden. Bringen Sie den Briefumschlag so in Ordnung, wie Sie es für richtig halten. Ich nehme an, daß die Leute über den In­halt so erfreut fein werden, daß sie keine weitere Aufklärung verlangen. Ich werde mich einfach da­mit begnügen, in einem Begleitschreiben mitzuteilen, daß mir der inliegende Brief zur Beförderung aus­gehändigt worden ist, was ja tatsächlich stimmt."

Einverstanden. Das klingt ja auch ganz plausi­bel, weil der Name des Ortes, in dem Frau Korn wohnt, sicher in Deutschland ein dutzendmal vor­kommt."

Dann händigen Sie mir bitte den Umschlag aus." Ich werde ihn in einer Stunde hierherbringen." Koßrnann ging zu einem Schreibbüro und ließ sich einen Brief mit der Maschine schreiben.Liebe Schwester! Bevor ich aus Deutschland abreife, möchte ich für Dich unb die Kinder noch etwas tun. Inliegenb findest Du zwölftaufenb Mark. Sie sind für Deine sechs Kinder bestimmt unb zwar unter folgenden Bedingungen: Die Mädchen bekommen ihren Anteil von zweitausend Mark, wenn sie hei­raten, frühestens aber mit Vollendung des einunb- zwanzigsten Lebensjahres. Die Jungen erhalten ihr Geld ebenfalls erst, wenn sie heiraten ober sich burch Ankauf von ßanb ober Werkzeug eine Existenz gründen wollen, frühestens aber mit Vollendung ihres fünfundzwanzigsten Lebensjahres. Das Geld darf nur zur Beschaffung von Aussteuergegenständen, beruflichem Werkzeug, Vieh, Land ober einem be­bauten Grunbstück verwendet werden. Bis zur Aus­zahlung muß es bei der Kreissparkasse liegen blei-

rungShalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 35 bis 50,5, Butten 32,5 bis 49,5, Kühe 22 bis 43,5, Färsen 32 bis 48. Kälber 25 bis 57. Hämmel 30 bis 39 Rpfg. je Vs kg Lebendgewicht, und Ziegen 23 RM das Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,13, bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2) (120 bis 134,5 kg) 1,11. c (90 bis 119,5 kg) 1,07. d (80 bis 89,5 kg) 1,01, ef (unter 80 kg) 0,97. gl (fette Speck« fernen) 1,13, i (Altschneider) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: Auftrieb gut, alles zugeteilt.

Oas Neichssportabzeichen durch KdF.

Es ist nicht notwendig, daß jeder im Sport etwas Besonderes kann. Wenn es aber so ist, bann soll es etwas Vernünftiges fein Wir wollen uns auch im Sport von billigen Sensationen abwenden Dafür wollen wir uns freuen unb Achtung vor bebeulen- denechten Sportlern" haben Wir wollen aber dieselbe Freude auch bei weniger Augenfälligem und Unscheinbarem lernen, z. B. wenn wir einem Mann, ber nicht mehr zur jüngsten Iugenb zählt, ober einer Frau, die vielleicht Mutter von mehre- ren Kindern ist, begegnen, die das Reichssportab- Zeichen tragen Jeder, der es besitzt, soll es mit Stolz tragen. Denn es ist ein .,Güte"-Zeichen und nicht nur ein Beweis, daß dieser Mann ober diese Frau 100 Meter in soundsoviel Sekunden gelaufen, ober soundsoviel Meter gesprungen ist unb schwim­men kann; an dem Zeichen sieht man vielmehr- daß dieser Mensch irgendwie ein ganzer Kerl fein muß. Unb daß er die Liebe zum Sport, zur Körner« ertüchtigung, Kraft und Gesundheit besitzt! Diese Menschen haben den anderen viel voraus

Die Prüfungen zum Reichssportabzeichen zu be­stehen, ist für einen gesunden, auch nur durchschnitt­lich sportbegabten Menschen nichts Unmögliches Es ist unter ber vernünftigen, oorbereitenben Anleitung in ben KdF.-Sportkursen sogar noch leichter ge* macht, als es sonst ist. wenn man sich allein pt einer Prüfung melbet. Das Sportamt .Kraft burch Freude" hält Kurse für Männer unb Frauen ab. Drum wollen wir unser Reichssportabzeichen mit ,KdF." erwerben!

(Siebener Dochenmarkkpreise.

Nachstehenbe Preise sinb Hänblerpreise unb versteheni sich für A--3Bare Für 8-Ware ober abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen bie Preise niebriger.

* Gießen, 12. Febr. Auf bem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM, Matte 30 Rps., Käse, bas Stück 8 bis 9, Wirsing, % kg 12 bis 13, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 13, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 12 bis 13, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 10 bis 14, Kartoffeln, V» kg 4,3, 5 kg 43, Aepfel, % kg 28 bis 40, Enbivien, bas Stück 20, Sellerie, kg 29 bis 23 Rpf.

*

** Brunnenanlage am Selterstor. Zur Verschönerung bes Selterstors will ber Ober­bürgermeister eine Brunnenanlage schaffen lassen. Zwecks Erlangung geeigneter Entwürfe hat er einen Wettbewerb ausgeschrieben, ber sich an alle Bildhauer im Gau Hessen-Nassau menbet. An Prei­sen sind insgesamt 1900 RM. vorgesehen. Die Ein­zelheiten bes Wettbewerbsausschreibens sinb aus bem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

(Strafkammer Gießen.

In nichtöffentlicher Sitzung würbe gestern gegen den W. G. in S. wegen Sittlichkeitsverbrechen ver­handelt. Der Angeklagte war beschuldigt, als Er­zieher mit Personen unter 14 Jahren unzüchtig« Handlungen vorgenommen zu haben. Er wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen in 4 Fällen zu einer Gesamtgefängnis st rafe von ein°m Jahr und 4 Monaten abzüglich 2 Monaten unb zwei Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. 3m ber Urteilsbegründung würbe ausgeführt, baß es sich bei dem Angeklagten nicht um einen Sittlich­keitsverbrecher schlechthin handle. Bei den in Frage kommenden Personen unter 14 Jahren handle es sich um frühreife Mädchen, bie keinen schweren, sittlichen Schaben erlitten hätten. Alle diese Um­stände, bas Geständnis und die Reue des Ange» klagten bewirkten weitgehend Strafmilderung.

Briefkasten der Redaktion.

7kr. 200: Ihre Schilderung des Sachverhalts ist: nach ber Feststellung unseres sachverständigen Mit­arbeiters nicht ausreichend, um eine verbindlich« Auskunft zu ermöglichen. Es fei Ihnen empfohlen, bei dem zuständigen Landrat (also in Marburg), Abteilung Familienunterhalt, Einspruch einzulegen.

ben. Der Zinsgenuß gehört Dir, nicht den Kindern, bis dahin. Außerdem sind die Kinder verpflichtet. Dir bis zu Deinem Tode jährlich von ben erhal­tenen Beträgen 3 v. H. Zinsen zu geben. Ich bim mit ben herzlichsten Grüßen für Dich, Deine Kin- ber und alle Verwandten Dein Bruder."

Er unterschrieb bie beiben letzten Worte eigen- hänbig. Sorgfältig verschloß er das Schreiben mit einem bicken Bündel Hundertmarkscheine in einem Umschlag, der als Aufschrift nur Frau Korn, gebo­rene Scheuer, unb ben Ortsnamen Neudorf trug. Er fjatte sich ausgerechnet, daß bas Geld insgefamü vorläufig Frau Korn monatlich fünfundbreißig Mark an Zinsen bringen würde, später, nach dec Aushändigung an die Kinder, dreißig Mark. Das bedeutete für eine Frau in diesen Derhältnissem eine ziemlich hohe regelmäßige Einnahme. Zudem war zu hoffen, daß die Kinder sich ber Mutter auch« sonst noch erkenntlich zeigen würden.

Mit einem Gefühl ber Erleichterung verließ Han­nes Koßrnann Hamburg zur Rückfahrt nach Berlin- Der Rechtsanwalt würde bei ben spärlichen An­gaben bes Vornamens, Mädchennamens unb neuem Familiennamens ber Frau immerhin einige Zeit brauchen, um die Anschrift in Neudorf in Branden-- bürg zu ermitteln. Dann würde der Umschlag mit seinem wertvollen Inhalt an ben Rechtsanwalt gehen, ber Frau Korn am nächsten wohnte und die­ser erst die notwendigen Mitteilungn machen.

Zwei Tage später las Koßrnann in ben Zeitun­gen, daß Die Schwurgerichtsverhandlung wegen Mordes gegen Gustav Korn am 3. August stattfin- den werde. Es waren noch elf Tage bis dahin. Sie brachten keinerlei Neuigkeiten. Mitteilungen, über den Mord an dem Kapellmeister Kühlitz brach­ten die Zeitungen nicht mehr. Koßrnann lebte zwar unter bem Druck ber Erwartung unb hatte alle Mühe, mit feiner inneren Unruhe fertig zu wer­ben, holte sich aber neue Kräfte durch einen Be­such bei Schwiegermutter und Schwager in Wer­der, wo er einen ganzen Sonntag verbrachte, beit ersten seit Jahren. Er war mit ben Kindern unb feiner Frau hinausgefahren. Niemand berührte bas Thema, bas allen unausgesprochen am Herzen, lag. Aber ber Ton ber Worte, Hänbedruck unk Blicke sprachen doch davon.

(Fortsetzung folgt)