Ausgabe 
11.7.1941
 
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Tausende von Flugzeugen und Tanks standen bereit, auch Dein heim zu verwüsten. Deutsch­lands Soldaten bewahrten Dich -davor. Das danke ihnen durch Dein Opfer der Haus­sammlung für das Kriegshilfswerk!

Im Beiprogramm läuft außer d-er Wochenschau je ein Vorspann zuhallo, Janine" (Neuaufführung) undVenus vor Gericht". Hans Thynot.

Kopf hoch, Johannes!"

Ein Tobis-Film im Gloria-pi-last.

tn Hechtsheim und in Bodenheim für den Bezug von Lebensmittelkarten, der Reichskleiderkarte und der Seifenkarte angemeldet. Klein hat diese Karten dann auch doppelt erhalten und die kartenpflich« Ligen Waren selbst oder durch seine Angehörigen be­zogen. Der unberechtigte doppelte Bezug der Kar­ten kam dadurch ans Tageslicht, daß die Tochter vor einiger Zeit von Bodenheim nach Mainz ver­zog. Der Betrug kam zur Anzeige und Klein wurde wegen Vergehens gegen die Derbrauchsregelungs- Strafverordnung vom Amtsgericht Mainz, das einen besonders schweren Fall annahm, zu einer Gefäng­nisstrafe verurteilt. Den gegen die Strafe einge­legten Einspruch nahm der Angeklagte vor Beginn der Berufungsverhandlung zurück.

Gefängnis für einen Milchpantscher.

LPD. Frankfurt' a. M., 10. Juli. Der Milch­verteiler Johann Schnarr war vom Amtsgericht zu drei Monaten Gefängnis und 100 RM. Geld­strafe verurteilt worden, weil erV o l l m i l ch" mit sich führte, die zu einem Drittel aus Magermilch bestand. Der 30jährige Angeklagte legte Berufung ein und leugnete trotz eindringlicher Warnung auch vor der Strafkammer, die sich ver­anlaßt sah, die Strafe auf fünf Monate Ge­fängnis zu erhöhen.

G.A-Sport.

Erste Schlußrunde

um den Tscharnmer-Pokal.

Der Verzicht auf die in den Vorkriegsjahren üb­liche Sommerspielfperre gibt dem Fachamt Fuß­ball die Möglichkeit, den letzten Teil des volkstüm­lichen Tschammer - Pokal-- Wettbewerbs früher als sonst in Angriff zu nehmen. Der kommende Sonn­tag bringt die erste Schlußrunde dieses Wettbe­werbs, die durch das Eingreifen der Bereichsmeister besonderes Gepräge hat. Von den vielen tausend Mannschaften, die vor einigen Monaten hoffnungs­voll den Kampf um die Trophäe des Reichssport­führers aufnahmen, sind nur noch 64 übrig geblie­ben, und von ihnen muß am Sonntag wiederum die Hälfte ausscheiden. Interessant ist, daß in diesem

Die Anfänge des poAesens in unserer Gegend

Von Friedrich Germer, Großen-Linden.

Dieser Film, zu dem Toni Hupperts, Wilhelm Krug und Felix von Eckard t gememsam das Drehbuch schrieben, behandelt ein ähnlich zeitnahes Thema wie der neulich hier gelaufene FilmJun­gens". Der Sohn eines Rittergutsbesitzers, Johannes von Redel, der nach der Scheidung feiner Eltern bei der Familie seiner Mutter in Südamerika er­zogen wurde, wird nach deren Tode zu seinem Vater zurückgebracht, vermag sich aber in der neuen Umgebung nicht zurechtzufinden, und das Verhält­nis zwischen Vater und Sohn, von mancherlei Miß­verständnissen und Schwierigkeiten belastet, ist denk­bar unerfreulich, obwohl sich die Tante des jungen Johannes, die ihn zu seinem Vater nach Deutsch­land begleitet hat, nach besten Kräften um Vermittlung, Ausgleich und gesunde Grundlagen der Beziehungen bemüht. Es scheint alles vergebens, und auch als Johannes eines Tages in eine natio­nalpolitische Erziehungsanstalt gebracht wird, ist an­fangs wenig Erfreuliches über seine Entwicklung zu berichten. Er ist ein durchaus begabter Junge, aber schwer zu nehmen und offenbar auch durch seine unglücklichen Familienverhältnisse gehemmt. Nachdem man ihn ih der neuen Gemeinschaft schon fast aufgegeben hat, gelingt es einer einsichtigen Er­ziehung, den Jungen zu gewinnen und aufzuschlie­ßen. Noch einmal spielt ihm fein eigenwilliger Cha­rakter einen bösen Streich eine schwere Disziplin­losigkeit kostet beinahe einem Kameraden das Leben und ihm selber fast die mühsam errungene Stellung in der Anstalt, aber dann ist der Bann gebro­chen, und Johannes wird ein tadelloser Jungmann und findet damit endlich auch ben Weg nach Hause, zum Vater zurück.

Die Spielleitung hatte Viktor d e K o w a , der als Schauspieler bekannter wurde als durch eigene In­szenierungen. Er ist hier der nicht ganz einfachen und nicht ohne weiteres durchschaubaren Entwick­lung eines jungen Menschen und noch unfertigen Charakters behutsam nachgegangen und hat die Akzente so verteilt, daß von den Szenen in der nationalpolitischen Erziehungsanstalt der wesent­liche Eindruck des Films ausgeht: mit Recht, denn der Einblick in diese Anstalt, der nicht an der Ober­fläche haften bleibt, sondern das Grundsätzliche zu zeigen bemüht ist, erscheint wichtiger und inter­essanter als die romanhafte Beschreibung unerquick­licher Familienverhältmsse. Diese Gewichtsverteilung drückt sich auch in der Darstellung aus, in der die junge Generation entscheidend und entschieden im Vordergründe- steht. Claus Detlev S i e r ck, der früher bereits in einigen Filmen zu sehen war, gibt den Knaben Johannes, manchmal fast schon mit der Bewußtheit eines Erwachsenen, aber doch auch mit dem natürlichen Verständnis seines Alters für das, was hier von ihm erwartet wurde. Der kleine Gunnar Möller (Papse) wirkt neben ihm noch ganz bubenhaft. Don den Großen: Albrecht Sch o e n- hals, der sich mit Takt in der nicht leichten Rolle des Vaters zurechtfand, Dorothea Wieck, Karl Jammann, Otto Gebühr, ReneeStob r awa und Hans Z e s ch - B a l l o 11.

Die Rechnungen des Amtes Gießen aus dem 16. Jahrhundert (im Staatsarchiv zu Darmstadt) enthalten regelmäßig einen AusgabepostenAus­gabe wegen der Poft zu Großen-Linden". Im Jahre 1568 werden gezahlt156 kl. ( Gulden), 4 thor (= Tornus),. 17 Pfg. (= Pfennig) dem Johann Andreas, dem Postschreiber zu Großen-Linden zu oerlag der Post das (--im) 68.Jahr; vor Lichter und Papyr dem postschreiber 3 fl." Ferner:Chuno Spenglern dem postpoten Jarlohn 52 fl. 6 batzen." Item ( ferner ebenso) der Nebenpost 101 fl. 6Vs Batzen." (1 Tornus = 1 Batzen; 12 gehen auf 1 Gulden.) Im folgenden Jahre werden ausge­gebenwegen der Poft zu Großen-Linden, 52 fl. dem Chuno Spengler, geschworen postpoten zu vor seinen ganzen Jahressold, jede Woche 1 fl. 4 fl. dem Postschreiber Johann Andreaßen vor papyr und lichter. 17 fl. 4 th. 10 Pf. Ludwig Reitzen, auch geschworenem postpotten in 17 Wochen 2 Tagen 1 fl. die Woche, soll ab geschafft werden wegen der Kosten."

Demnach bestand in Großen-Linden nach heutigem Sprachgebrauch einPostamts, es war das einzige in unserer Gegend. Denn es wird in den Rechnun« gen kein weiteres erwähnt. Andere Quellen be­stätigen dasselbe. Da, wie bekannt ist, es vor dem 16. Jahrhundert in Deutschland überhaupt noch keine Einrichtung gab, auf die die Bezeichnung Post in auch nur annähernd heutigem Sinn zutrifft, kann Großen-Linden für sich in Anspruch nehmen, das älteste Postamt der Gegend besessen zu haben, errichtet im Jahre 1539. Wie es gerade zu dem Vorzug kam, ist nicht ohne weiteres ersicht­lich, erscheint sogar befremdlich, da der Ort da­mals noch abwechselnd alsFlecken" oder als Stadt" bezeichnet nicht etwa im Schnittpunkt großer Landstraßen lag. Der Grund mag gewesen sein, daß die Entfernung von Marburg, dem Aus­gangspunkt der Post, einer normalen Tagesreise entsprach. Gießen lag zu nahe an Marburg. Zu­dem mündete in Großen-Linden eine Straße, wenn auch nicht Hauptlandstraße, derWetzlarer Weg" in die Landstraße FrankfurtGießenMarburg Kassel.

Wenn im 16. Jahrhundert vonPost" geredet wird, so ist zu beachten, daß es sich um Post im vollen heutigen Sinne, als einer der gesamten Be­völkerung zugänglichen ständigen Verkehrseinrich­tung zur Beförderung von Briefen und Kleingütern,

auch Personen, noch nicht handelt. Diese Post, 1539 errichtet vom Landgrafen Philipp dem Großmüti- 5en 1518 bis 1567 regierendv diente aus­schließlich dem Hof und den Kanzleien und sonstigen amtlichen Behörden. Das Wesensmerkmal bestimm­ter Orte,Stationen" mit einemPostamt" -mit angestellten BeamtenPostschreiber",Post­bote", auchgeschworener Postbote", das ist ver­eidigter Beamter ist bereits vorhanden. Die Regelmäßigkeit des Verkehrs von Poststation zu Poststation bildet sich gegen Ende des Jahrhunderts erst heraus. DerPostbote" war übrigens nicht der Mann, der die Briefe trug, sondern der, der das Amt verwaltete, neben demPostschreiber". Das Merkmal, daß die Einrichtung eine ständige ist, ist in den 60er Jahren des Jahrhunderts auch be­reits vorhanden.

Bis dahin war es noch anders. Im Jahre 1555 werden gezahlt27 fl. Ciborio Keulgen die post, so gegen Augsburg gangen bis uff den sechsten Ok­tober, und ferner nachher Worms uff den zehenden November, ihm (für) 27 Wochen, jede einen Gul­den, laist Bekenntnus" ( Quittung). Hier sehen wir die Post in dem ersten Stadium ihrer Entwick­lung. Die Einrichtung ist nicht ständig, sondern nur von solcher Dauer, als es der besondere Zweck, dem sie. diente, erforderte. Im vorliegenden Falle war das der Reichstag zu Augsburg, der denAugs­burger ReligionssHeden" brachte. Der Landgraf, der daran teilnahm, war dadurch in regelmäßiger Verbindung mit der Regierung in Kassel oder Marburg. Nach Augsburg war er dann offenbar in Worms, und damit ging die Poft dorthin. Mit jener Rückkehr ging diese Post wieder ein.

1561 wurde von Hessen für dauernd die P öftrer - bindung von Kassel über Marburg, Großen- Linden, Ober-Roßbach, Frankfurt, Darmstadt, Zwingenberg eingerichtet. Hier war Anschluß an die pfälzische Post über Heidelberg, und dann die württembergische bis Stuttgart. Es handelt sich um einelaufende" Post, das heißt, die Boten legten den Weg' zu Fuß zurück. Ausnahmsweise scheint auch geritten worden zu sein. So erscheint einmal eine Ausgabe für einenKlepper" (= Pferd). Der Amtmann in Gießen mußte feine Briefe durch besondere Boten auf die Post nach Großen-Linden liefern. 1568 besorgten die Gänge meist zwei Frauen, dieArmbrusterin und die Sommersche", also/ heute höflicher gesagt, die Frau Armbruster

Feld der Vierundsechzig noch mancher zweitklassige Verein zu finden ist und daß anderseits mancher berühmte Name fehlt. Die süddeutschen Bereiche sind noch verhältnismäßig stark vertreten, und so gibt es gerade im Süden einige recht bedeutende Treffer. Wir nennen:

Sv. Waldhof SpBgg. Sandhosen FD. Metz VfL. Neckarau Rotweiß. Frankfurt VfL. 99 Köln SpDgg. Fürth Stuttgarter SC.

Schwaben Augsburg 1. FC. Nürnberg Jahn Regensburg 1860 München Stuttgarter Kickers VfB. Knielinaen FC. Rheinfelden FC. 93 Mülhausen Borussia Fulda Kickers Offenbach Kurhessen Kassel Sport Kassel.

Sprelvereinigung 1926 Leihgestern.

Leihgestern 1. Jugend Grünberg 1. Jugend Leihgestern 2. Jugend Göbelnrod 1. Jugend Leiygestern Schüler Großen-Linden Schüler Am kommenden Sonntag erwartet die 1. Jugend die gleiche von Grunberg zum fälligen Rückspiel. Das Vorspiel in Grünberg konnte der Gastgeber knapp für sich entscheiden. Ob es Grünberg gelingt, auch das Rückspiel zu gewinnen, erscheint fraglich, denn Leihgestern wird mit einer starken Mannschaft antreten, die sich zu Hause so leicht nicht schlagen läßt.

Die 2. Jugend hat ebenfalls einen starken Geg­ner zu Gast. Die 1. Jugend von Göbelnrod tritt zum Rückspiel in Leihgestern an. Das Vorspiel konnte Göbelnrod für sich entscheiden. Im Rück­spiel wird allerdings die 2. Jugend von Leihgestern versuchen, die Vorspielniederlage wettzumachen.

Die Schüler tragen ebenfalls in Leihgestern ein Gesellschaftsspiel aus. Gegner find die Schüler des Turnvereins Großen-Linden. Hier werden die Schüler von Leihgestern den Sieg sich nicht nehmen lassen.

und die Frau Sommer. Sie machen auch gelegent­lich Botengänge an den landgräflichen $)of 3U Marburg,haben Quitten" (aus dem obstreichen Gießener Schloßgarten), ein andev Malhat Mal- blümiein zu meiner gnädigen Fürstin und Arau nachher Marburg getragen". Dieser Postverbindung bediente sich auch die nassauische gräfliche Kanzler zu Dillenburg. Sie ließ ihre Briefe durch besondere Boten nach Gießen bringen, und der Amtmann schickte sie von hier nach Großen-Linden. Die Rech­nung von 1568 enthalt mehrere Ausgabeposten hierfür. ... . ,

Zwei Großen-Lindener Postbücher von den Jah­ren 1582 und 1599 im Staatsarchiv zu Marburg (Postsachen, Signatur 17a) geben Zeugnis, daß außer dieserordentlichen" Postverblnduna Kassel- Zwingenberg noch eineextraordinari" Post zwi­schen Großen-Linden über Limburg nach Rhein­fels (bei Sankt Goar) ging. Das Bedürfnis da- nach ergab sich, als mit der Teilung des Landes nach Philipps des Großmütigen Tod Rheinfels Re­sidenz eines Landgrafen und Sitz einer Regierung wurde. Die verwandten Höfe und die Regierungen zu Marburg und Rheinfels erhielten damit schnelle Verbindung. Die Poststation zu Limburg war hes­sisch. Die Briefe gingen von Marburg nach Großen- Linden und umgekehrt mit der ordentlichen Post oder mit besonderem Boten -(mehrfach Ausgaben dafür verrechnet), und dann nach ß imbürg durch Boten aus Großen-Linden. Als solche werden ge­nannt Georg und Tobias Christmann, Hen Moller, Zacharias, Johannes uitd Gerhard Hiel, Melchior Juna, Bast Frank, Wilhelm Wel (wohl verschrieben v für Weil), Laux Spangeller und Wentzel Schieber­stein. Der Postschreiber ist Melchior Schieberstem. Die Ausgaben für Botenlohn beliefen sich auf je 16 bis 20 Albus für den Gang (27 Albus = 1 Gul­den); insgesamt im Jahre 1582 auf 46 Gulden, 8 Albus und 6 Pfennig, im Jahre 1599 auf 47 Gulden, 14 Albus, IOV2 Pfennig (168 Pfennig 1 Gulden).

Vorn 15. Oktober 1627 datiert eine Verordnung des Landgrafen Georg II. von Darmstadt, nach der jede Woche regelmäßig eine Post zwischen Darm­stadt und Marburg und zurück zu gehen hatte. Sie gingMontags umb 12 uhr in der Nacht von Darmbstadt ab" mit dem Boten von Darmstadt. Dienstag 8 Uhr vor mittags zu Frankfurth, Diens­tags 2 uhr nach mittags zu Ober-Roßpach, der Ober-Roßpacher Lott Dienstags 8 Uhr abends zu Großen-Linden, der Großlir^er bott Mittwochs 9 uhr vormittags zu Marpurg, Mittwochs 2 uhr von Marpurg ab, Mittwochs 10 Uhr in der Nacht wieder zu Großen Linden, Ober-Roßbacher bott im haimbraisen Donnerstag 9 uhr vormittags wieder zu Ober-Roßpach (von Dienstagabend bis Mittwoch Nacht hatte er also sich in Großen-Linden aus­ruhen können), Darmstätter bott im haimraisen (nach Ruhe in Ober-Roßbach von Dienstagnachmit­tag) Donnerstag 3 uhr nachmittags wieder zu Frankfurth, Donnerstag 8 Uhr gegen abend wieder zu Darmbstadt." Dies ist die erste hessische Po sh mit nachOrt und Zeitfestem Kurs. Nach derselben landgräflichen Verordnung hatte zu Großen-Linden der Gerichtsschreiber auch die Post- geschäfte zu versehen.

Wirtschaft.

Veränderungen im Vorstand der Adam Opel AS. Rüsselsheim.

Nach 13jähriger erfolgreicher Tätigkeit bei der Adam-Opel-AG., Rüsselsheim, ist der bisherige Be­triebsführer Hanns G r 0 w e n i g auf eigenen Wunsch in freundschaftlicher Verständigung aus dem Vorstand der Adam-Opel-AG. ausgeschieden, um die Vereinigung des Amtes des Betriebsführers mit dem des Vorsitzers des Vorstandes zu ermöglichen. Vorsitzer des Vorstandes und Betriebsführer ist Professor Dr. Carl L ü e r (Präsident der Handels­kammer Hessen), stellv. Vorsitzer des Vorstandes und stellv. Betriebsführer ist Heinrich Wagner.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach­mittags geschlossen.

ADOX Ä

Die Dominiks.

Roman von Hellmuth M. Böttcher.

27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Die Verhandlungen mit dem Konkursverwalter von Birk & Co. haben ein ganz brauchbares Er­gebnis gezeitigt. Friedrich Dominik hat die Werft mehrmals genau besichtigt, ist auch zweimal an der Ruhr gewesen, wo die Birkschen Erzgruben liegen. Jetzt sieht es natürlich überall trostlos aus. Denn sobald nicht gearbeitet wird, verkommt der Betrieb. Dazu kommt, daß die Firma schon ein paar Jahre notleidend war, bevor es zum Konkurs kam, und daher für Erneuerungen und Reparaturen nur das allerwenigste hat aufwenden können.

Trotzdem läßt sich Dominik nicht täuschen.

Seinen geübten Augen können Mängel, die mit ein paar tausend Mark wieder behoben werden, nicht den Blick trüben.

Er hat von Sachverständigen Gutachten einge­holt, die alle darin übereinstimmen, daß die Erz­grube noch über ganz bedeutende Schätze verfügt, die einen jahrzehntelangen, wirtschaftlich ergiebigen Abbau garantieren. Das in den tieferen Lagen fündig werdende Erz ist sogar reiner und besser als in den zuletzt von Birk & Co. angeschnittenen Schichten.

Die Stollen sind nicht so in Ordnung, wie sie fein müßten. Auch das Hüttenwerk kann eine fach' mannische Hand und einige Erneuerungen und Mo­dernisierungen vertragen. Im großen und ganzen aber kann' man nicht viel aussetzen.

Auf der Werft sieht es besser, noch gepflegter aus. Die bisherigen Inhaber haben offensichtlich dem Schiffbau mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der Grube. Wahrscheinlich haben sie auch davon mehr verstanden. Hellinge, Docks, Maschinenwerk­stätten, Holzbearbeitung alles in leidlichem Zu­stande. Sogar Aufträge sind noch da. Aber es fehlt das Geld, sie auszufuhren.

Wer Birk & Co. kauft, ein paar hunderttausend Mark außer dem Kausgeld hineinstecken kann und natürlich was vom Fache versteht, der kann seine

echte Freude an der Sache erleben. Der Kaufpreis selbst ist allerdings wch zu hoch. Aber da wird der Konkursverwalter schon noch mit sich reden lassen. Käufer, die über große Beträge verfügen, laufen heute nicht so dicht herum, daß die Verkehrspolizei einschreiten müßte. Das wird der Konkursverwalter auch begreifen.

*

Frinzkas Stellung in den Generalversammlungen der Dominikwerft ift in den letzten Jahren des Kampfes um die Vorherrschaft zwischen den beiden großen Gegnern Lind und Dominik von einer Be­deutung gewesen, die an sich der Kapitalbeteiligung Frinzkas in keiner Weise entsprach. Er hätte mit seinen zweihundertsiebzig Aktien gegen den viel­fachen Besitz jedes der Gegner verschwinden sollen. Ein besonderer Treppenwitz der Verhältnisse hatte es aber so gestaltet, daß er mit seinen Stimmen immer das Zünglein an der Waage bilden und so nach seinem Ermessen der Dominikschen ober der Lindschen Auffassung zum Siege verhelfen konnte.

So hatte er in dem Ringen der beiden Männer eine ausschlaggebende Bedeutung gewonnen, und wenn Dominik nc j immer an fernem Posten stand und dem Gegner nicht hatte weichen müssen, so dankte er das zum guten Teile seinem zweiten Feinde Frinzka. ,

Allerdings aus Gerechtigkeitssinn oder aus großmütigem Verzeihen hat Frinzka seine Stimme nicht für Dominik abgegeben. Er ist kein Narr.

Nein! Aber, wenn er anders gehandelt hätte, bann würde er nicht bloß Dominik, sondern sich selbst geschadet haben. Dominik vertritt dadurch, daß er Lind die Stirne bietet, auch die Interessen der kleineren Aktionäre. Solange er die Geschicke der Werft leitet, ist die Gewähr für eine ordent­liche Geschäftsführung und eine größere oder klei­nere Dividende gegeben. Bekommt Lind die Ober­hand, so ziehen mit dem nächsten Quartalsersten die Direktoren der Norddeutschen Werft bei der Dominikwerft mit ein. Dann folgt zunächst eine praktische, später auch die rechtliche Fusion. Und daß diese auf die kleineren Aktionäre keine Rück­sicht nimmt, sondern sie mit Majoritätsbeschlüssen und Finanztransaktionen an die Wand quetscht ober über Bord wirft, daran ist nach ben Erfah­

rungen, bie andere Leute mit Lind gemacht haben, für Frinzka kein Zweifel. Wenn er also bisher Dominik bie Stange gehalten hat, so geschah das mit zwei weinenben Augen.

Unb wenn er sich jetzt seine Aussichten überrech­net, so ist er entschlossen, sich alle seine Rechnungen, aber auch alle, die er in früheren Jahren nicht prä­sentieren konnte, begleichen zu lassen.

Seit er weiß, baß Linb auf seine Aktien brennt, steht sein Plan bei ihm fest.

Dominik weiß, was ihm von Lind blüht, wenn dieser bie Majorität bekommt.

Also wird er sich mit Hänben unb Füßen weh­ren. Das heißt: Er wirb zahlen, zahlen, zahlen, so­viel Frinzka nur fordert. Er wird zahlen bis zum Weißbluten. Er wird zahlen, und wenn er dafür seine Seele verkaufen muh.

Das heißt ... Zunächst wird er bieten.

Ob er auch zum Zahlen kommt das wird von der guten Laune Otto Frinzkas abhängen.

Oder besser das wird sich zeigen, wenn man die beiden Gegner gegeneinander ausspiett. Auktion im kleinen. Wer bietet mehr?

Dominik wird bis zum Alleräußersten gehen.

Für ihn haben die Frinzkaschen Aktien nicht bloß ihren Eigenwert, sondern verteuern sich noch um jenes Vielfache, bas bie Entwertung bes eigenen Aktienbesitzes unb ber Verlust seiner Stellung als Direktor für Dominik und seinen Sohn ausmacht.

Domjnik wirb also bereit sein müssen, tief in die Tasche zu greifen.

Wenn Frinzka sich das nächste Mak mit Lind trifft, bann roerben bie Dinge ein anberes Gesicht tragen, als im Rambower Jagdhäuschen.

Er hat ja keine Eile. Gott sei Dank.

Lind wird, ein Gegengebot machen. Er wird Dominik übersteigern. Unb bann wirb Dominik wieder mehr bieten und bas so lange, bis einem ber beiben bie Puste au^geht.

Wer bas schließlich sein wird, bas. steht für Otto Frinzka heute schon fest.

Unb bann wirb er endlich in der Lage fein, fei­nem früheren Chef Friedrich Dominik die Quittung dafür zu geben, daß er ihn damals bei ber ersten ihm passenden Gelegenheit trotz langer treuer Mit­arbeit in schwersten Jahren hinausgeworfen hat...

mitten aus einer Laufbahn, bie Frinzka nach seinen Berechnungen in wenigen Jahren in den Vorstand der Werft geführt hätte.

Dann wird Otto Frinzka mit Friedrich Dominik quitt fein. Dann fliegt Friedrich Dominik mit Pau­ken und Trompeten. Der Anwalt macht ihm alle Hoffnungen.

Der Vorkaufsrechtvertrag ist anfechtbar.

Um elf Uhr vormittags ist Friedrich Dominik gewöhnlich mit der Postlektüre fertig. Das weiß Otto Frinzka von früher her. Also gibt er zehn Mi­nuten vor elf Uhr seine Karte im Meldezimmer ab und schenkt dem Diener, der ihm schon vor dreißig Jahren die Tür aufgemacht hat, eine Zigarre. Solche kleinen billigen Aufmerksamkeiten Haven sich stets bezahlt gemacht. Frinzka, der selbst Nicht­raucher ist, trägt ans dieser Lebenserfahrung stets eine Tasche mit Zigarren verschiedener Preislagen bei sich.

Der Chef drinnen liest die Karte unb wirst sie auf die Tischplatte.

Ich lasse bitten." -

Der Diener verschwindet.

Einige Minuten später sitzt Frinzka bei ben Herren.

Dominik thront auf seinem harten, ungepolfterten Schreibtischstuhl. Frinzka hat sich bis beinahe an bie Ohren in einen Leberklubsessel gleiten lassen. Nissen steht halb gedreht am Fenster und guckt manchmal mit flüchtigem Blick in den Hof hinaus unb hinüber zum Maschinenhaus, zu den Fabrik­anlagen und Hellingen.

Er ahnt nicht, wie sehr dieses prächtige Besitztum für ihn gefährdet ift.

Nun, was führt Sie zu mir, Herr Frinzka?" leitet Dominik die Unterreoung ein.Es ist lange her, daß Sie nicht mehr.in diesem Stuhl gesessen haben. Als Sie das letztemal hier waren, vor sechs, sieben Jahren, brachten wir unsere Beziehungen zu­einander endgültig in Ordnung."

Das ist deutlich. Frinzka läßt sich aber nicht imponieren.

Doch nicht so ganz endgültig, Herr Direktor."

So? Ich wüßte nicht"

Eine Kleinigkeit haben wir vergessen ..."

(Fortsetzung folgt.)