kranke betreut, da das Kameradschaftswerk sich der Zuckerkranken besonders annimmt und für diese in Bad Homburg ein Sanatorium besitzt. Eine groß« Zahl von Anträgen aus dem Kreis Wetterau an den Leiter Pa. Reu sch, der zugleich Vertrauensmann für den Kreis Wetterau ist, wurden der Kreisamts- waltung der NSV. zugeleitet. Mit der NSV. wurde gute Zusammenarbeit gepflegt. An geldlichen Aufwendungen wurden 12 445,68 RM., das sind 2 000 RM. mehr als im Vorjahr, für Fürsorgemaßnahmen ausgegeben, von denen die Bezirksfürsorge in Frankfurt 11 130,68 RM. trug, während die Betroffenen 1315 RM. aufzubringen hatten. Diese Ausgaben verteilten sich auf die einzelnen Sachgebiete wie folgt: Tuberkulosefürsorge rund 6651 RM., Er- holungsfürsorge 344 RM., Heilfürsorge 953 RM., Geldbeihilsen 1355 RM., Sachbeihilfen, vor allem Wäsche für das Kleinkind kinderreicher Familien, 342 RM., und für Krankendausbehandlung und ärztliche Fürsorge 2820 RM. Diese segensreiche Tätigkeit hat durch die Mitglieder vielfache Anerkennung gefunden, denn es bedeutet für den Erkrankten eine Beruhigung, zu wissen, daß seine Familie keine wirtschaftliche Belastung erfährt. Dadurch wird auch der Heilprozeß beschleunigt. Die Mitgliederzahl hat sich von 1940 auf 1944 verändert. Für das Fahr- personal wurden während der heißen Jahreszeit insgesamt 36 490 Flaschen Wasser ausgegeben. Das Kameradschaftswerk soll jetzt auch Werksküchen einrichten bzw. die zwei schon bestehenden Werksküchen, die von den zuständigen Dienststellen getragen werden, übernehmen. Der Kassenbericht wurde in Ordnung befunden. Der Leiter, Reichsbahn- obersekretär R e u s ch , dankte seinen Mitarbeitern für ihre Hilfe und gab einige Richtlinien für die weitere soziale Betreuung bekannt, darunter auch eine solche zur Förderung begabter Kinder und über die Erholungsfürsorge für Beamte. Mit dem Dank <m die Vertrauensleute verband der Leiter das Gedenken an die Unberufenen oder abkommandierten Kameraden, und er schloß dann die Versammlung mit dem Treugruß an den Führer.
Dortrag im Alpenverein.
Der Zweig Gießen-Oberhessen des Deutschen Alpenvereins bot seinen Mitgliedern und einer Reihe von Gästen einen interessanten Lichtbilder- vortrag des Universitätsprofessors Dr. Scyliep- hake (Gießen), der nach den Begrüßungsworten des Zweigvereinsleiters, Direktor W r e d e, über .Hochtouren im Wallis u. Montblanc-Gebiet" sprach.
Der Vortragende, dessen fesselnden Schilderungen die Hörer mit Spannung lauschten, hatte schon mit 16 Jahren durch den Anblick des Montblanc einen unauslöschlichen Eindruck von der erhabenen Schönheit der Alpen erhalten. Dadurch war er zum Bergsteiger geworden. Er führte seine Hörer im Geiste in das Wallis, das am stärksten vergletscherte Gebiet der Alpen mit der größten durchschnittlichen Gipfelhöhe, und zu dem Beherrscher der ganzen Alpen, dem 4810 Meter hohen Montblanc. Etwa 100 Bilder machten den Aufstieg durch das Tal der Eaaserrisp nach Saas-Fee erkennbar. Es ging den .Hapellenweg" hinauf, an dessen Ende sich ganz unerwartet der Blick auf die gewaltigen Gletscher öffnet Hier gibt es nicht nur stundenlange Gratwanderungen in 4000 Meter Höhe, sondern im Winter Schiabfahrten von 4200 bis auf 1600 Meter. Allerdings gehört dazu wegen der Gletscherspalten und Lawinen große Bergerfahrung. Am Paralleltal, dem der Mattervisp, kommen wir zum zweithöchsten Berg der Alpen, dem Monte Rosa mit 4636 Meter. Der Lyskamm mit seinen gefürchteten Dächten wird überschritten. Schöne Bilder zeigten das Matterhorn von allen Seiten gelegentlich einer Überschreitung nach Italien zu. Auf weiteren Bildern sah man dann alle Viertausender um Zermatt, die der Vortragende bestiegen hat. Da der Montblanc auf der Nordseite französisch ist, wurde er nach einer Fahrt durch das Aostatal von Süden her bestiegen. Die sehr lange Tour, bei der Frau Schliep- hake dabei "war, führte über sämtliche Nebengipfel des Berges hinüber, mit Abstieg über den wild- zerrissenen Domgletscher. Das Gipfelerlebnis war einzigartig. Fesselnde Bilder zeigten die Ausblicke auf umliegende Berge. Schön waren auch die Blicke von den Grandes Jorasses und der spitzen Dent du Gsant auf die Montblanc-Gruppe und über das Aostatal. Die Rückreise führte über den St. Bernard, dessen Seen in großartiger Einöde liegen.
Der erlebnisreiche Lichtbildervortrag wurde mit wohlverdientem lebhaften Beifall ausgenommen. Der Zweigvereinsführer Direktor Wrede brachte den Dank der Besucher dem Vortragenden in herzlichen Worten zum Ausdruck.
iMöiNfliificrW.
Roman von Mo nenftiöt.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten )
„Danke, Lolott! Genau das gleiche wünsche ich mir auch. Und nun hoffe ich, daß du mir nicht den Schmerz antun wirst, meinen Jungen und mich im Stich zu lassen. Bleibe im Lande, Lolott! Auch der jüngste Mathesius bittet dich darum!"
Charlotte trat1 zurück und ließ die Arme ermattet Sinken. „Ich werde ihn sehr lieb haben, diesen jüng- ten Mathesius! Glaub mir das, Lis! Ich beneide >ich fast — einen Jungen, ein Kind! Wie glücklich du sein kannst!" Sie seufzte schwer auf und wendete sich halb ab. „Don mir wollen wir nun aber, bitte, nicht mehr reden."
„Mein Gott, ist es denn dazu schon zu spat?"
„Ja, Lis, es ist schon zu spät dazu."
Lis kehrte zu ihrem Platz zurück und ließ sich nieder.
,Hch bin sehr traurig, Lolott. Verraten werde ich dich zwar nicht, an Stefan nicht und erst recht nicht an die anderen. Aber du tust mir leid, denn ich fürchte, daß du noch viel unglücklicher sein wirst, als du es jemals hier gewesen bist. Du weißt noch nicht, was das bedeutet, sich einfach von der Heimat loszusagen."
Charlotte gab keine Antwort mehr.
*
Der Abend verging Charlotte wie jeder andere auch. Sie verbrachte ihn in Gesellschaft ihrer Mut- ter, die einige Oschnitzer Damen bei sich hatte. Ihr Vater ließ durch seine Sekretärin telephonisch ausrichten, er werde geschäftlicher Besprechungen halber im Werkskasino essen. Gert war am späten Nach- mittag zu Freunden gefahren, die sich in den Bergen ein Blockhaus gebaut hatten.
Don den Oschnitzer Damen wurde Charlotte mit einer übertriebenen Herzlichkeit behandelt, die unecht war. Sie erschöpften sich in Liebenswürdigkeiten, und jeder einzelnen mar die Enttäuschung darüber anzujehen, daß Lasard am frühen Vormittag ab-
NGKK-Verkehrshilfs-ienst
Freiwilliger Einsatz für alle.
Seit nahezu zwei Jahren stehen am Straßenrand; der Reichsstraßen, jedoch nicht auf den Reichsautobahnen, in Abständen von etwa 6 bis 8 Kilometer die blau umrandeten Tafeln mit der roten Telephon-Wählscheibe und dem Zeichen des Roten Streu» zes. Der aufmerksame Verkehrsteilnehmer konnte im Verlaufe der letzten Wochen und Monate feststellen, daß sich die Zahl der Tafeln bedeutend vermehrt hat. Diele Verkehrsteilnehmer stellen heute noch die Frage über Sinn und Zweck dieser Tafeln, ohne zu wissen, daß hier das NSKK. eine ehrenamtliche Organisation über sämtliche Reichsstraßen Deutschlands geschaffen hat, die jedem Verkehrsteilnehmer bei einem Unfall sicher jede notwendige Hilfe gewährleistet.
An der mit der Hinweistafel gekennzeichneten Stelle befindet sich eine Rufstelle. Wer sie betritt, findet am Fernsprechapparat ein Anhängeschild angebracht, auf dem die Telephonnummer eines Verkehrshilfsdienst-Zonenführers verzeichnet, ist. Der Verunglückte ruft unter dieser Nummer den Zonen- ührer an. Er wird dann sofort feststellen, daß die- er nach einem bestimmten Schema alles fragt, was ür den Verunglückten überhaupt von Wichtigkeit ist. So wird der Zonenführer vor allem sich nach dem genauen Unfallort erkundigen. Er wird ferner feststellen, ob sofortige ärztliche Hilfe oder ein Krankenwagen notwendig ist. Auch eine etwa notwendig werdende Meldung an Polizei- bzw. Gendarmerieposten wird von ihm veranlaßt. Nicht vergessen ist auch das Abschleppen der beschädigten Fahrzeuge, sowie die Verständigung der Feuerwehr oder der Technischen Nothilfe, sofern letzteres notwendig ist. Zusammenfassend wird der Verunglückte die Feststellung machen, daß dieser Zonenjührer alles das fragt, was er in feiner durch den Unfall verursachten Aufregung bestimmt vergessen hätte. Sv kann sich der Verunglückte in Ruhe sofort wieder zum Unfallort begeben, um dort nach kurzer Zeit sich zu
überzeugen, daß rasche und restlos genügende Hilfe eintrifft.
Derjenige Verkehrsteilnehmer, der auf feinem Wege Zeuge eines Unfalls ist, bei dem die Fahrzeuginsassen durch ihre Verletzungen zur Herbei- rufung von Hilfe nicht in der Lage sind, wird es als seine selbstverständliche Pflicht betrachten, sofort selbst bei der nächsten Rufstelle des NSKK.-Ver- kehrshilfsdienstes seine Meldung an den Zonenführer abzugeben, damit den Verletzten sofort entfpre- chende Hilfe zuteil werden kann.
Die Russtellen des Derkehrshittsbienstes sind dem Unfallmeldedienst angeschlossen, so daß der Zonenführer Tag und Nacht erreicht werden kann. Auch beim Zonenführer ist durch Einschalten des Stellvertreters jederzeittge Rufmöglichkeit bei Tag und Nacht gewährleistet.
Bei rechtzeitiger Verständigung ist der Zonen- führer in der Lage, mit Hilfe der im Verkehrshilfs» dienst geschaffenen Organisation und im Bedarfsfall unter Hinzuziehung der NSKK.-Männer in den Einheiten nicht nur den Verunglückten sofortige Hilfe zukommen zu lassen, sondern er wird darüber hinaus auch in der Lage sein, dafür Sorge zu tragen, daß die Straße an den Unfallstellen sofort für den Verkehr wieder frei gemacht wird.
Somit bietet der NSKK.-Verkehrshilfsdienst neben feinem eigentlichen Zweck als Helfer in der Not auch die Gewähr für die Verkehrssicherheit auf den Reichsstrahen. Auch bei eintretenden Katastrophenfällen wird er ein jederzeit sicherer Vermittler von Nachrichten an Dienststellen von Partei und Staat sein.
Bei richtiger Anwendung des NSKK.-Derkehrs- hilfsdienstes wird der Benutzer der Reichsstraße feststellen, daß auch diese vom NSKK. geschaffene Einrichtung unter dem Motto der freiwilligen Einsatzbereitschaft und des nationalsozialistischen Opferwillens geleitet wird.
Reifeprüfung der Lustus-v -Liebigsckmle
Im Laufe der letzten Woche fand an der Justus» von-Liebig-Scyule die diesjährige yieifeprujang patt. Alle 24 Schüler der achten Klasse bestanden die Prüfung, außerdem waren schon im Laufe des Schuljahres 21 Schüler mit dem Zeugnis der Reife vorzeitig entlassen worden, um in den Arbeitsdienst oder die Wehrmacht einzutreten.
Am Samstag verfammelten sich noch einmal Lehrer, Abiturienten und Eltern zu einer Abschiedsfeier im festlich geschmusten Singsaal. Leider stand der Schule kein größerer Raum zur Verfügung, sp daß die übrigen Schüler an der Feier nicht teilnehmen konnten. Die Feier wurde eingeleitet durch Vorträge des Schulorchesters und Schulchors unter Leitung von Musikoberlehrer Dietrich, der im Rahmen des Chors selbst auch als Solist hervortrat. Der stellvertretende Direktor, Oberstudienrat Dr. Kiefer, begrüßte darauf zum letztenmal die scheidenden Abiturienten. Er wies m einer Rede auf die große Bedeutung der Schule ür die Erziehung des deutschen Menschen hin, stellt ie doch eine Schicksalsgemeinschaft im kleinen dar, der der Schüler 12 Jahre hindurch angehört. Nicht die Summe des hier erworbenen Wissens gibt der Schule ihren Wert, sondern weit wichtiger ist die Erziehung des Charakters, wie sie sich aus dem Zusammenwirken aller Fächer ergibt. Der Schüler der höheren Schule soll lernen, sich freiwillig aus innerer Ueberzeugung in die Gemeinschaft en- zuordnen, aber er soll sich heroorheben und aus- zeichnen durch das größere Maß von Verantwortung und Selbständigkeit. Er muß bereit fein, die höheren Aufgaben zu erfüllen, die das Leben an ihn traft feiner Vorbildung stellen wird, wie es deutlich wird am Beispiel des deutschen Soldaten, der heute für Deutschlands Größe und Zukunft kämpft.
In diesem Sinne sprach Oberstudienrat Dr. Kiefer-alle guten Wünsche für den Zukunftsweg der scheidenden Abiturienten aus und überbrachte auch die besten Wünsche des als Hauptmann bei der Luftwaffe eingezogenen Direktors der Anstalt. Ober- ‘ studiendirektor Leonhardt. Mit dem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland schloß die Feierstunde.
Lustschutzräume beheizt!
Womit soll der Luftschutzraum beheizt werden? Wie beheize ich ihn am besten? Das sind Fragen,
die auch heute noch eine wichtige Rolle spielen, da der Frühling sozusagen schon vor der Tür steht. Mag die Märzsonne auch zum ersten Spaziergang ohne Wintermantel verführen, in den Kellern wird die Kälte noch auf Wochen hinaus anhalten. Wie die Beheizung zweckmäßig geschieht, darüber unterrichtet in allen Einzelheiten ein Aufsatz im neuesten Heft der „Sirene", der großen deutschen Luftschutz- Illustrierten. In dem wieder reich bebilderten Heft wird u. a. auch über die Fallgeschwindigkeit der Bomben und Flaksplitter sowie über den Luftschutz- Warndienst berichtet.
Amtsgericht Gießen.
Die A. H. in Gießen, einschlägig vorbestraft, hatte sich wiederum an fremdem (Eigentum vergriffen. Sie war beschuldigt, im November 1940 und Januar 1941 der Zeugin B. eine seidene Bluse und der Zeugin E. ein Kleid und ein Paar Strümpfe entwendet und sich angeeignet zu haben. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde die Angeklagte wegen Diebstahls in zwei Fällen zu einer Gesamt st rafe von fünf Monaten G e - f ä n g n i s verurteilt. Sechs Wochen der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. Straferschwerend wirkten die einschlägige Vorstrafe und das hartnäckige Leugnen der Angeklagten. In bet; Urteilsbegründung wurde ausgeführt, die Vorstrafe habe auf die Angeklagte keinen Eindruck gemacht, deshalb müsse ihr durch eine empfindliche Strafe klar gemacht werden, daß sie auf eine andere Bahn kommen müsse.
Strafkammer Gieße«.
Die M. G. in Gießen hatte sich wegen Meineids zu verantworten. Sie war beschuldigt, am 22. Mai o. I. vor dem Amtsgericht Gießen wissentlich einen Meineid geleistet zu haben. Es handelte sich um eine Pfändung von Möbeln, von denen die Schuldner behaupteten, sie seien Eigentum der Tochter. Die Angeklagte hatte unter Eid ausgefagt, die Möbel seien im Jahre 1934 gekauft worden, während der Kauf tatsächlich im Jahre 1933 stattaefunden hatte; weiterhin hatte sie erklärt, der Kauf sei mit Geldmitteln der Tochter erfolgt, die jedoch erst ein Jahr später im Besitz von Geld war. Der Anklagevertreter beantragte wegen Meineids eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Der Der-
leidiger führte aus, die Angeklagte könne hn Falle einer Verurteilung nur wegen fahrlässigen Falsch- eids bestraft werden. Wenn sich die Angeklagte auf die Jahreszahl 1934 feftgelegt habe, so habe sie doch auch gesagt, es sei das Jahr gewesen, in dem der Verkäufer der fraglichen Möbel von Gießen weg- gezogen sei. Wäre das Jahr 1934 wirklich in Frage gekommen, bann wäre auch die Angabe, daß die Tochter bereits Geld verdient habe, richtig. Die Angeklagte wurde' wegen fahrlässigen Falscheids zu einer Gefängnis st rafe von sechs Monaten, abzüglich sechs Wochen der Untersuchungshaft, verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde aus- geführt, die Fahrlässigkeit bestehe darin, daß sich die Angeklagte nicht genügend davon überzeug! habe, welches Jahr in Betracht gekommen sei.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis (Sieben
3 Lollar, 10. März. Am Samstagabend hielt der O bst - und Gartenbauverein Lollar bei Gastwirt Schwalm feine Generalversammlung ab. Der sehr starke Besuch läßt erkennen, wett.) großes Interesse gerade in der Kriegszeit die Mitglie- der an der Obst- und Gartenbewirtschaftung haben. Der Vereinsführer Pg. Wilhelm Schmulbach begrüßte die Besucher, insbesondere den Redner des Abends, Diplom Gartenbauinspektor Ren t sch von Friedberg. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Dereinsführer des verstorbenen Mitglieds Heinrich Schwalm Wwe., sowie Oer Ovfer Oes derzeitigen Krieges, die in der üblichen Weise geehrt wurden. Hierauf hielt Diplom-Gartenbauinspektor Rentsch einen etwa einstündigen Vortrag über Frostschäden und Schädlingsbekämpfung, der mit großem Interesse verfolgt wurde. Der Vereinsführer gab alsdann den Tätigkeitsbericht bekannt, worauf der'Kassenwart Pg. Karl Seitz den Kassenbericht oortrug, der einen günstigen Abschluß zeigte. Dem Kassenwart wurde, nachdem die Rechnung gcf prüft war, Entlastung erteilt. Der Vorstand blieb in seiner seitherigen Zusammensetzung bestehen. Anschließend kam eine größere Anzahl von Wolfsge- rät&n. Halbhochstämmen und Sträucher zur Verlosung. Dann wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen.
+ Orünberg, 9. März. Die siebente Veranstaltung des Feierabendringes Gründe r g brachte am Freitag einen gut besuchten Darietö-Abend in der Turnhalle. Ein buntes Programm namhafter Künstler mit Musik, Gesang, Tanz und anderen Darbietungen unterhielt die Besucher aufs beste. Mitte März findet noch eine Veranstaltung des Feierabendringes statt, die das Lust- spiel „Der zerbrochene Krug" von Kleist bringen wird. — Am Freitag fand an der hiesigen Oberschule die Reifeprüfung statt. Zwölf Jungen und drei Mädchen erhielten das Reifezeugnis. — Am Samstagabend fand in der Turnhalle ein Elternabend der Volksschule statt. Rektor Häusel begrüßte die zahlreich erschienenen Ettern und Ehrengäste. Der erste Teil der Darbietungen, der von Schülern aus allen Klassen bestritten wurde, umfaßte Gedichte ernsten und heiteren Inhalts, Lieder und Volkstänze. Im zweiten Teil zeigten die Knaben und Mädchen der Oberklasse unter Leitung von Rektor Häusel turnerische Vorführungen: Bodenübungen der Knaben, Lieblingen der Mädchen am Schwebebalken, sowie Sprünge am Pferd und Turnen am Barren. Die Vorführungen zeugten von gutem Können und wurden mit reichem Beifall belohnt. Ein kleines Märchenspiel, das meist von Schülern der Oberklasse bärge« stellt wurde, beendete den gut verlaufenen Abend. Eine von den Kindern vorgenommene Sammlung erbrachte 87,05 RM. für das WHW.
\ Schweinemarkt in Alsfeld.
• seid, 10. März. Aus dem heutigen Schweinemarkt waren 132 Ferkel aufgetrieben. Es kosteten 6 bis 7 Wochen alte Tiere 30 bis 35 RM., 7 bis 9 Wochen alte 35 bis 45 RM., 9 bis 12 Wochen alte 45 bis 55 RM. pro Stück. Es verblieb geringer Ueberftanb.
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gereift war, ohne für einen unterhaltsamen kleinen Skandal gejorgt zu haben.
Charlotte sah auch nicht aus wie jemand, der an gebrochenem Herzen zu sterben gedenkt. Sie war gelassen und freundlich, zärtlich ihrer Mutter gegenüber, und als die Rede auf ihren Vater kam, blieb jedes Anzeichen von Groll uei ihr aus.
Die Gespräche, die von Frau Mathesius mit einer bis zum Ueberdruß geübten Routine gelenkt wurden, schleppten sich matt dahin, und eine Dame nach der anderen bekam von unterdrücktem Gähnen Wasser in die Augen.
Aber pflichtgetreu saßen sie die üblichen Stunden ab und bedankten sich für den „reizenden" Abend, als sie zur gewohnten Stunde pünktlich aufbrachen.
„Wie sinnlos bas boch alles ist!" sagte Charlotte gequält, als sie mit ihrer Mutter allein war. „Als ich noch ein ganz kleines Mädel war, habe ich dich immer bewundert, weil du für alle Leute, die mir unausstehlich waren, so freundliche Worte hattest. Aber jetzt frage ich mich manchmal, wie du es fertig gebracht hast, in diesem leeren Trott Jahre und Jahrzehnte auszuhalten. Ich könnte es nicht."
Sie stand vor dem Fenster und sprach quer über den Raum hinweg. Frau Mathesius saß, ein wenig ermüdet und abgespannt, in einem Sessel der gegenüberliegenden Ecke. Ihre blassen, feinen Hände hingen lose von den Lehnen herab. Charlotte mußte an gebrochene Flügel eines weißen Vogels denken, als sie diese Hände betrachtete. Sie erschienen noch zarter und leuchtender in ihrer Blässe, weil alle Lichter im Zimmer gelöscht waren mit Ausnahme der hohen Stehlampe, die neben dem Sessel stand. Die kleine Porzellanuhr auf dem Kaminsims tickte eilig.
„Bist du nicht müde von alledem, Mama?"
Frau Mathesius lächelte ihr zu. „Aber auch ein wenig glücklich, Charlotte. Und darüber vergißt sich leicht ein bißchen Müdigkeit."
Zögernd und unbewußt kam Charlotte langsam näher, und als sie dicht vor ihrer Mutter stand, beugte sie sich nieder und fragte eindringlich leise: „Glücklich? Ist bas wirklich bie Wahrheit? Bist bu wirklich glücklich, Mama?"
Ein verwunderter Blick. „Warum zweifelst du daran?"
„Was macht dich glücklich?"
„Oh, ihr alle! Ihr seid ausgewachsen und gut geraten — jeder in seiner Weife. Das Leben hat mir damit alles gegeben, was ich erwarten durfte."
„Und das ist dir genug?"
„Es ist so Diel! Es ist wenigstens genug zum Glücklichjein."
Charlotte beugte sich noch tiefer und fragte noch eindringlicher: „Aber früher, VJlama, als du jung warst, als dein Herz noch nicht fo bescheiden und einsichtsvoll war, wie jetzt — bist bu auch bamals glücklich gewesen?"
Charlotte bemerkte, baß ihre Mutter errötete, ihr Blick unsicher wurde und ausweichen wollte. Doch sie nahm sich schnell- zusammen und gewann ihr altes Lächeln zurück: „Du fragst wie ein törichtes Kind, Lolott, das da glaubt, das Leben nftire herrlich, wenn es tagaus tagein Weihnachten ober Geburtstag feiern könnte, unb wenn es mit dem Geschenke- empfangen fein Ende nähme."
„Aber auch bu, Mama — auch du hast einmal auf solch ein ewiges Fest gehofft unb gewartet?"
„Vielleicht — ja, ich weiß es nicht mehr ... Aber es war ein kindischer Irrtum, dem bu niemals verfallen darfst, Lolott. Schenken ist Glück, Beschenktwerden eine Gnade."
Charlotte richtete sich empor, sah auf ihre Mutter nieder und fühlte jene Ratlosigkeit in sich, die einen befällt, wenn aus der Dunkelheit eine vertraute Stimme ruft, .aber noch so fern klingt, daß man nicht weiß, wohin sich wenden.
Deine Weisheit hilft mir nicht, dachte sie ratlos. Was nützt es mir, wenn du mir den Weg dahin nicht zeigen kannst? Wenn ich so alt fein werde wie du, werde ich gelernt haben, dich zu verstehen. Jetzt aber muß ich meinen eigenen Weg gehen, unb ich werbe versuchen, ihn zu finden. Aber ich will nie vergessen, was bu mir gesagt hast, du Liebe und Gute ...
Sie nahm bas kleine Gesicht ihrer Mutter zwischen bie Hänbe unb küßte sie auf bie Stirn, anbächtig unb wortlos. Dann trat sie zurück und wollte gehen. Als sie aber an der Tür stand, wendete sie sich um, zögerte, wollte etwas sprechen und kam noch einmal hastig zu ihrer Mutter zurück. „Ich habe dich sehr lieb, meine liebe, kleine Mama! Vielleicht hast bu in diejcn letzten Tagen manchmal daran gezweifelt.
Das darfst bu nicht! Und bu darfst auch niemals irre werden an deiner Liebe zu mir!"
„Aber Kind —"
„Du wirst mich immer lieb behalten?" fragte Charlotte inbrünstig. „Unb du glaubst mir, daß auch ich dich immer lieben werde?"
Frau Mathesius sah in angstvoller Sorge Charlotte an. „Natürlich werde ich dich immer lieb haben, Lolott! Weshalb aber fragst bu und warum?"
„Was adch immer geschehen mag?"
„Ja, bist bu denn nicht mein Kind?"
„Ich banke bir!" flüsterte Charlotte. „Ich danke dir so sehr, Mutter!"
Bevor Frau Mathesius noch weiter fragen konnte, verschloß Charlotte ihr mit einem Kuß den Mund, küßte sie auf bie Augen, und bei jedem öiejer scheuen, raschen Küsse, sagte sie in Gedanken: Lebewohl! Lebewohl!
Dann fuhr sie ihrer Mutter mit der Hand ganz leicht und zärtlich über das Haar, umfaßte mit einem Blick des Dankes und feierlichen Versprechens noch einmal bas ratlos zu ihr aufblickende Gesicht, nickte ihr zu unb ging schnell hinaus.
Frau Triebsch hatte an biefem Abend mannigfache Besorgungen in der Nähe von Charlottes Zimmer. Sie schlich draußen auf dem Flur ruhelos umher, machte sich durch Räuspern bemerkbar und wollte wahrscheinlich eingelassen werden zu einem der endlosen Gespräche, bei der sie mit der zermürbenden Zähigkeit eine’s Untersuchungsrichters alles aus einem herausfragte, was sie erfahren wollte.
Charlotte hatte Ihr Bett aufgesucht, das Licht im Zimmer gelöscht, schlief, aber nicht und tat keine Bewegung. Dor einer halben Stunde war ihr Vater aus dem Werk nach Hause gekommen. Sie hatte seine schweren Schritte gehört. Danach war es still geworden. Dom Turm der nahen Kirche hatte es elf geschlagen.
Noch drei Stunden! dachte Charlotte.
Sie war zu ihrer Verwunderung völlig ruhig, obwohl alle ihre Sinne angespannt waren unb wie empfinbliche Instrumente jebe Störung wahrnahmen. Nicht bie mindeste Befürchtung war in ihr, daß ihre Flucht entdeckt werden und mißlingen konnte.
(Fortsetzung folgt.) .


