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kett der Engländer, und Robert Burns, der Schotte, sagte, die Engländer verständen vom Dichten so viel wie ein Rhinozeros. Byron sieht in der englischen Kritik Fußtritte von Eseln oder Stiche von Wespen, der Ire Shaw spottet, Geist sei kein natürliches | Produkt ihres Klimas. Der Einfluß des künstle­risch hochbegabten Irenvolkes auf die englische Lite­ratur hat von Sheridan bis Shaw darüber hinweg- getäuscht, daß England unfruchtbar in jeder Be­ziehung geworden ist. Sogar Verfechter der Politik Englands wie Garoin sind aus irischem Geblüt. Es wäre nicht uninteressant nachzuweisen, wieviel irisches Renegatentum den Engländern interessanten Lesestoff darbietet.

Der Brite hatte in den letzten zwanzig Jahren des vorigen Jahrhunderts als Ersatz für seine rettungs­los dahingefchwundene Dolkskraft und künstlerische Veranlagung das sogenannte Kunstgewerbe als Er­satz genommen. Die Bewegung, die auf der Insel von Morris ausging, hat in Deutschland deshalb einen guten Boden gefunden, weil sich hier auch im Kunstgewerbe das ursprünglich Völkische, der Sinn für die Verzierung und Verschönerung des Alltags, bemerkbar machte Aber nicht einmal diese ursprüng­lich als Gegensatz zur Maschinenarbeit handwerklich orientierte Ersatzkunst ist in England lebendig ge­blieben. Sie erstarrte im eisigen Hauch des eng­lischen Alltags, der entsetzlich nüchtern geworden ist Houston Stewart Chamberlain schrieb denn auch: ,^)eute trifft man in England keine Behäbigkeit, keinen breiten, gütigen Humor, keine Heiterkeit: olles soweit das öffentliche Leben in Betracht kommt ist Hast, Geld, Lärm, Pomp, Protzentum, Vulgarität, Arroganz, Mißgunst, Neid.- Da bleibt keine künstlerische Regung, da ist alles Zivilisations- mache widerwärtigster Art. Wie die Karthager sehr zivilisiert lebten, ein typisches, unbarmherziges semi­tisches Händlervolk waren, in Häusern wohnten, die Warmwasserheizung hatten, aber ihre Kinder dem Moloch in die glühenden Arme zum Fraß legten, also ist Enaland. Die alten Griechen hatten alles das nicht. Aber ihre Seele schuf die großen und ewigen Kunstwerke und Dichtungen, und Deutsch­land hatte und hat Musiker und Dichter und dar­stellende Künstler ohne Zahl. Das ist der Unterschied eines künstlerischen Volkes zum seelenlosen Angel- sachsentum. das daher auch in der Staatskunst wie in der großen Bewährungsprobe des Krieges keine schöpferischen Leistungen hervorbringt. E. S.

Harriman« Aufgabe in England.

Neuyork, 10 März. (Europapreß.) Der neue Beauftragte Roosevelts Harriman, der am Montag mit dem Clipper nach London fliegen wird, erklärte Pressevertretern, Präsident Roosevelt habe ihm die Aufgabe gestellt, bei der Prüfung der l_I8^.-Mate­riallieferungen an England sich nicht nur auf Kriegsmaterial zu beschränken, sondern auch die Lieferung von Lebensmitteln zu prüfen Aus dieser Bemerkung schließt man, daß tm Rahmen des England-Hilfeprogramms auch eine großzügige Lebensmittellieferung an England ge­plant ist.

Austraulisch-Tleuseeländische (Seneralstob-bespreckunaen.

Stockholm, 10. März. (Europapreß.) Zum erstenmal seit Ausbruch des Krieges finden i n Melbourne Generalstabsbesprechutzgen zwilchen Vertretern der australischen und der neuseeländi­schen Stäbe statt. Die Besprechungen gelten briti­schen Verteidigungsmaßnahmen tm Stillen Ozean.

Besprechung in Dichy über Framöflsch-Afrika.

Vichy, 10. März. (DNB.) Am Sonntag fand eine Besprechung zwischen dem Armeegeneral W e y- g a n d , Generaldelegierten der französischen Regie­rung in Französisch-Afrika, dem Flottenadmiral Dorian, dem Kriegsminister Armeegeneral Huntziger, dem Kolonialstaatssekretär Konter­admiral Platon und dem Staatssekretär im Luft- fohrtministerium Brigadegeneral der Flieger Ber­ge r e t statt, in deren Verlauf die verschiedenen Französisch-Afrika betreffenden politischen, wirt­schaftlichen und militärischen Probleme behandelt wurden.

Oie flämischen 7!a<>onalisten.

Brüssel, 10. März. (DNB.) Auf einer Massen­kundgebung im Stadttheater von Brügge rechnete der Führer der flämischen Nationalistenpartei, Staf de Clercq, mit den Kräften des inter­nationalen Kapitalismus ab und stellte ihnen die

auf den Wert der Arbeit basierende nationalfozta- listische Weltanschauung gegenüber Er sprach leine Bewunderung für die Leistungen der deutschen Mi­litärverwaltung in Belgien aus, die (rotz des Wider- ftandes der teilweise englandsreundltchen Beamten­schaft unermüdlich an der Lösung aller lebenswich­tigen Probleme des belgischen Raumes arbeite.

Oie stowaklfchen Staats­gründungsfeiern.

P r e ß b u r a, 10. März. (Europapreß.) Anläßlich der Feierlichkeiten am zweiten Gründungstag der slowakischen Republik veranstaltete am Montag die Deutsche Partei im Staatstheater eine Fest­vorstellung. Zur Aufführung gelangteFigaros

Hochzeit" von Mozart. Das Ensemble der Wiener Staatsoper und das Wiener Philharmonische Or­chester, die die Vorstellung bestritten, ernteten reichen Beifall. Die Festoorstelluna hatte durch die An­wesenheit des Staatspräsidenten Dr. T i s o , des Reichsleiters von Schirach, des deutschen Ge­sandten Ludin, des Gauleiters von Niederdonau, Dr. Jury, des Führers der deutschen Volksgruppe, Franz Karmasin, sowie von Vertretern der Deutschen Partei, der Hlinka-Garde, des slowakischen Heeres und der Spitzen der Behörden einen würdi­gen Charakter. Am Mittwochabend rouÄe im Ge­werbehaus in Preßburg eine Gedenktafel ent­hüllt für den bei der slowakischen Revolution im Jahre 1939 an dieser Stelle erschossenen Gardisten Anton K o p a l.

Oie deutschen Lustangriffe aus Malta.

Ein dritter englischer Flugplatz unbenutzbar geworden.

Rom, 11. März. (Europapreß.) Mit dem An­griff der deutschen Flieger auf La Venezia auf Malta hat nun auch der dritte Flugplatz oon Malta nicht leicht wieder zu behebende Schäden er­litten, berichtet der Sonderkorrespondent desGior- nale d'Italia". Der Angriff wurde am Sonntag in aller Frühe durchgeführt. Nach dem Bom­benabwurf haben die deutschen Flieger aus geringer Höhe mit ihren Bordkanonen und Maschinengeweh­ren am Boden stehende ,Hurricane"-Maschinen an­gegriffen. Zwei Flugzeuge wurden in Brand ge­schossen und bei einem weiteren Angriff teilte eine dritteHurricane" das gleiche Schicksal. Ein deut­scher Jäger setzte sie in Brand Schließlich wurde der Flugplatz noch so mit Bomben belegt, daß er nicht mehr benutzt werden kann Die Flam­men griffen von den bombardierten Hallen auf wei­tere Gebäude .über. U. a. muß ein Treibstofflager getroffen worden fein, denn die starken Rauchwol­ken ließen nur diesen Schluß zu.

Oer Wehrmachtbericht

Berlin, 10. Marz. (DNB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Luftwaffe fetzte bei Tage und in der letzten Nacht ihre Kampfhandlungen gegen militä­rische Ziele in Großbritannien und im Seegebiet um die britischen Inseln erfolgreich fort. Ein stär­kerer Berband von Kampffliegerkräflen griff trotz

[ schwieriger Wetterlage und heftiger Abwehr kriegswichtige Anlagen, in London in rollendem Einsatz mit großer Wirkung an. Ein wei­terer Angriff richtete sich in der letzten Nacht gegen die Anlagen der Staatswerfl von Portsmouth. Durch Bombentreffer mittleren und schweren Ka­libers entstanden starke Brände.

Aufklärungsflugzeuge griffen an der schottischen Ostküste einen Geteitz ug an und beschädigten zwei Schiffe schwer. Südlich Plymouth wurde ein großes Handelsschiff mit Bomben belegt. Bei An­griffen gegen Flugplätze in Südengland zerstörte die Luftwaffe hallen und Unterkünfte. Die Hafenanlagen mehrerer Städte in Südenaland und Schottland wurden wirkungsvoll bombardiert.

Leichte deutsche Kampfflieaerverbände zerstörten beim Angriff auf einen Flugplatz der Insel Malta drei britische Jagdflugzeuge am Boden und schossen eine Halle in Brand Auch die Hafen­anlagen von La Baletta erhielten Bombentreffer.

Fernkampfartillerie nahm einen feind­lichen Geleitzug in der Straße von Dover unter Feuer. Batterien des Heeres zwangen einige bri­tische Schiffe, die sich in der letzten Nacht der Ka­nalküste zu nähern versuchten, zum Abdrehen. Der Feind flog weder bei läge noch bei Nacht in das Reichsgebiet und die besetzten Gebiete ein.

Deutsche Bomber greifen Tobruk au.

Von Kriegsberichter Alfred Schuseil.

P. K.In 15 Minuten Einsatzbesprechung, in 30 Minuten Start!" La primavera sizihana, der berühmte sizilianische Frühling, schickte uns seinen schönsten Sonnenschein zum Start. Und dann flog unser Verband Stunde um Stunde unter dem strah- lend blauen Himmel und über die leichtbewegten Wasser des blauen Mittelmeeres, und wir erlebten wieder einmal, daß alle Schönheit langweilig ist, wenn sie dem Auge keine Abwechslung bietet und zu lange dauert. Erst der Abend, dem wir gegen Osten entgegenflogen, brachte andere, unoergleid)- lich schöne, farbenfrohe Bilder. Wir freuen uns dieser Herrlichkeit, sind ausgeschlossen und empfäng­lich dafür, und doch vergessen wir in keinem Augen­blick unser Ziel und unseren Auftrag.

Blendend senkt sich im Westen der Sonnenball auf das Meer. Ostwärts kommt die Dämmerung herauf und allmählich beginnt am Horizont ein stetig änderndes Farbenspiel. Das Gold im Westen verblaßt zu einem kräftigen Orangegelb, das gen Osten über ein lindes Grün zu einem zauberhaften Blau, Lila und Violett sich wandelt, bis bann wenig später eine graue, schwärzliche Nacht von Osten her sich ausbreitet, die einen dunstverhangenen, düster dräuenden Himmel zeigt, wie ihn die Maler über Schlachtfeldern malen. Und als bann bie ersten Sterne blinken, währenb im Westen ber letzte rote Schimmer ber längst untergegangenen Sonne auf bem Wasser liegt, taucht als matter Streifen vor uns bie afrikanische Küste auf.

Unb schon greifen Helle Arme in bie Nacht, b i e Scheinwerfer am Hafen von Tobruk. Vergessen sinb bie malerischen Bilber, bie uns vor wenigen Minuten noch gefangen hielten, alle Sinne konzentrieren, sich auf ben Angriff. Der Komman- bant liegt in ber Kanzel unb sucht sich sein Ziel.

Durch knappe Befehle korrigiert er ben Kurs. Kein Ton verrät eine Erregung, roeber bic ungewöhnlich grellen Scheinwerfer, bie oftmals knapp über ber Maschine hinweg, ober kurz vor ber Kanzel vor- beigleiten, nvch bas heftige Münbungsfeuer ber schweren Flakartillerie vermögen seine Ruhe zu be­einträchtigen.

Als wir bas Wasser überflogen haben, fällt bie Bombe? Nur kurze Zeit sehe ich sie, bann schluckt sie bie Dunkelheit unter mir. Da ein Blitzen zeigt die Detonation ,an, unb bann breitet sich langsam etn roter Schein auf ber Stelle aus.E s brennt!" ruft der Bordmechaniker. Wir haben gut getroffen. Als wir weiterfliegen, die Küste entlang, erkennen wir im Dunkel unter uns eine Straße, auf der reger Verkehr ist. Der englische Nachschub für die Front in Libyen. Noch einmal können wir werfen unb gute Wirkung feststellen. Dann sind wir wieder über ber Küste und nehmen in dunkler Nacht Kurs auf Sizilien. An der langsam entschwindenden Küste Afrikas erkennen wir noch zwei weitere Brände, die unsere Kameraden dort angerichtet haben. Der Feuerschein der Bombenwirkung kennzeichnet den Erfolg der deu-tschen Bomber.

Oer italienische Bericht. -

Rom, 10. Marz. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

An der griechischen Front Infanterie- und Artillerietätigkeit an den verschiedenen Abschnitten der 11. Armee. Am Abschnitt der 9. Armee haben wir in Kämpfen von örtlicher Bedeutung Gefan­gene gemacht und Waffen erbeutet. Zahlreiche Ber- bände unserer Luftwaffe haben feindliche Batterie­

Ein siegreiches Schnellboot.

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Wie aus einem ber letzten Wehrmachtberichte her- vergeht, haben bie Schnellboote bei einem über­raschenden Vorstoß zwei Zerstörer von je 1090 BNT. unb insgesamt 10 Dampfer mit zusammey 45 600 BRT. feindlichen Handelsschiffsraums versenkt und dazu noch Gefangene eingebracht. (Scherl-M.)

stellungen, Grabenstellungen, Kraftwagen, Zeltlager und Truppen gründlich mit Bomben und Maschi­nengewehrfeuer belegt Ein wichtiger feindlicher Stützpunkt wurde getroffen. 3n Luftkämpfen wur­den vier feindliche Glosker-Jagdflugzeuge abge- schossen.

Flugzeuge des deutschen Fliegerkorps haben ben Flugplatz L a Baletta auf Malta angegriffen und dabei drei Flugzeuge am Boden vernichtet und eine Flugzeughalle schwer beschädigt.

3n Nordafrika wurden feindliche Panzer­kraftwagen. die sich G i a r a b u b zu nahem ver­suchten. durch unser Artilleriefeuer in die Flucht geschlagen. Unsere Flugzeuge haben feindliche Flot­ten- und Luftwaffenstühpunkte in der Eyrenaika bombardiert. Am S. März haben Abteilungen des deutschen Fliegerkorps britische Kraftwagenansamm­lungen unter Maschinengewehrfeuer genommen. Feindliche Flugzeuge haben Tripolis und Zuara dombardlert Es gab drei Tote und zwei Berroun- dete sowie leichten Materialschaden.

3n Ostafrika lebhafte Spähtrupptätigkeit an der Nordfront. Der Feind führte, ohne Schaden anzurichten, Einflüge auf harrar und Dlredaua durch. 3n Dlredaua wurde ein feindliches Flugzeug von unserer Abwehr abgeschossen.

Meine politische Nachrichten.

Im Reichsministerium des Innern sprach ber 'Be­auftragte bes Führers für bie Ueberwachung ber gesamten geistigen unb weltanschaulichen Schulung unb Erziehung ber NSDAP., Reichsleiter Rosen­berg, vor ben Offizieren unb Beamten bes Haupt­amtes Orbnungspolizei über bie politische unb welt­anschauliche Lage, bie zum Krieg Englanbs gegen Deutschlanb führte, unb bie Aufgaben, bie bie na­tionalsozialistische Revolution schon gemeistert habe unb welche sie in ber Neuorbnung Europas noch zu erfüllen habe.

In Nizza ist ber frühere belgische Außenminister Paul Hymans gestorben.

Nach Tieibungen aus Neuyork wurde ber briW sche FrachterA n g l o - P e r u v i a n" (5457 BRT.) torpebiert unb ist gesunken. Ein Teil ber Be­satzung wurde am Montag in Boston gelanbet

Die argentinische Hochseeflotte verließ ben Kriegs­hafen Puerto Belgrcmo in Richtung El Rincon, um von bort aus gemeinsam mit ben Marinefliegern ein Manöver im Sübatlantik abzuhalten.

Erlebnisse eines Gerichtschemikers.

Von «. C. Locher.

Währenb man bis vor hunbert Jahren feinen Mitmenschen mit Arjen aus ber Welt schaffen konnte, ohne baß bamals dieser Tod von ber natür­lichen Krankheit des Brechdurchfalls zu unterschei­den war, sinb wir heute in Der Lage, auch bie aeringften Spuren dieses Giftes, und bi es selbst bei älteren Leichen, mit absoluter Sicherheit nach­weifen zu können.Die Gerichtsmedizin ist also eine noch ziemlich junge Wissenschaft", meinte ber bekannte Gerichts- unb Handelskammercherniker Dr.« Rubolf Ieserich, ber mir manche Einzelheiten aus biefem interessanten Arbeitsgebiet erzählte. Einer ber ersten, ber sich damit in Deutschlanb befaßte, war ber Berliner Universitätsprofessor FL. Sonnenschein unb sein erster Assistent war mein Vater Sie führten nicht nur bie ersten chemischen Untersuchungen von Leichenteilen auf Gifte aus, fonbern wiesen auch bie Wege, wie mit Hilfe ber Wissenschaft aus ben traurigen Resten eines Morbverbrechens bie chemischen Beweisstücke herauskristallisiert werben können/

Mit bem Tobe Sonnenscheins 1879 übernahm mein Vater bessen Praxis unb fügte noch eine neue Arbeitsmethobe bei: bie iDlifrophotogra- p h i e, bie ben Befund des Untersuchenden einmal für ewige Zeiten festhält, ihn zweitens aber Einern weiten Kreis oon Beteiligten sichtbar macht. Ferner hat sich durch bie Mikrophotographie bas weite Ge­biet ber Urkundenfälschungen unb Ibentifizierungen von Schrifturhebern so ungeheuer erweitert, daß mit ber Zeit, ein sehr großer Teil positiver Auf­klärungen auf diesem Gebiet erreicht würbe." Mit bieser neuartig kriminalistischen Tätigkeit änberte sich auch bald das Bild in ben verschiedenenKri- minalmuseen" Währenb man um 1900 noch in deren Schaukästen nur Stücke vom Tatort: Reool oer, Dolche. Stricke unb bergleichen sah, also Schau- stücke, bie bie Aufklärung unb nicht bat- Geschehen bes Verbrechens illustrierten, würben allmählich die

Indizienbeweise durch bie Chemie unb Mikrophoto­graphie im Bilbe gezeigt. Unter diesen Aufnahmen, bie überall verbreitet sinb, finben wir immer wie- ber benfelben Namen: Dr. Paul Ieserich.Hier ist noch eines seiner ersten Haar-Mikrophotogramme aus bem Jahre 1884. Sie haben sich erstaunlich ge­halten unb sinb noch heute verwendbar!"

Dr. Ieserich erzählte bann von ein paar inter­essanten Untersuchungen:In einem Fall, bei bem es sich um ben Morb an einem jungen Mäbchen hanbelt, finbet bie Kriminalpolizei bei Rekognoszie­rung ber Leiche als einzige Jndizie ein graues Haar. Es wirb mikroskopisch als bas typische Haar eines grauen bayrischen Schnauzers ermittelt. Nach einem Jahr verhaftet bie Kriminalpolizei einen jungen Mann unb finbet bei ihm einen grauen bayrischen Schnauzer. Es wird ihm, ber wegen eines anberen Deliktes festgenommen würbe, Die Morbtat auf ben Kaps zugesagt, unb er gesteht. Dank ber Mikrophotographie ist es möglich, Men- sehen- unb Tierhaare genau zu unterscheiben, und ba es immer roieberhaarige Geschichten" für den Gerichtschemiker gibt, habe ich mir sogar eine Haarsammlung angelegt. Besonbers fonftnt es im­mer roieber bei Wilddiebgeschichtenhaargenau" darauf an, von welchem Wild dieses oder jenes Haar stammt, das man an ben Kleibern bieser Burschen finbet." Sogar Haare bes volkstümlichen, vor einiger Zeit eingegangenen See-Elefanten fRvianb hat Dr. Ieserich aufbewahrt. Aber auch eine Kollektion von Holzarten besitzt er.

*

Ein übel beleumunbetes Inbividium begeht an einer alten Frau Raubmord, versucht die Leiche 3U beseitigen, übergießt sie mit Petroleum und zün­det sie an, um die Spuren zu verwischen Doch das alles nützt ihm nichts. Er wird verhaftet, der Tat überführt unb zum Tobe verurteilt Aber in ber Nacht vor der Hinrichtung gelingt ihm bie Flucht. Er ist spurlos verschwunben Nicht einmal Finger­abbrücke waren von ihm gemacht worben, da er hingerichtet werben sollte .. Nach genau zehn Jah­ren nimmt ein Felbgenbarm einen Mann wegen 'Bettelei fest. Er hat keine Ausweispapiere. Aber durch Zufall kommt er mit einem Beamten in Be­

rührung, ber seiner Zeit bei bem Morbprozeß auf- klärend tätig gewesen war. Der sagt ihm auf ben Kopf zu: Sie sinb ber Mörder ber alten Frau I! Der Verhaftete leugnet hartnäckig.Der Oberstaats­anwalt kam, nun aus die Idee, ihn eine umfang­reiche Eingabe schreiben zu lassen. Diese schickte man bann mir zusammen mit Eingaben, bie ber Mörder ber alten Frau vor zehn Jahren aus bem Untersuchungsgefängnis geschrieben hatte. Durch wissenschaftliche Schriftvergleichung wie Gegenüber­stellung mikrophotographischer Wiedergaben ber Schreibbewegungen und Einzelformen ber Schrift konnte ich mit völliger Eindeutigkeit die sichere Uebereinftimmung ber beiden Schriften feststellen, daß selbst ber Angeklagte fein Ableugnen aufgab unb ein Gestänbnis ablegte!"

*

Der erste Weihnachts'feiertag 1931", erzählt Dr. Ieserich weiter.Das Telephon rasselt. Die Mord- kommission! Es handelt sich um einen Raubmord im Berliner Norden, dem ein Ehepaar in seinem Zigarrenlaiden zum Opfer fiel. Die mutmaßlichen Tater sind bereits in Haft. Es sind drei, aber wer ist der Haupttäter? SicherHnur einer. Die beiden anderen mögen Schmiere gestanden haben. Da ber Fußboben bes Labens stark mit Blut befubelt ist, müßte ber Haupttäter Menschenblut an ben Schuhen haben. Ich konnte am rechten Schuh bes später als Haupttäter verurteilten Angeklagten positiv Blut feststellen, unb unter ber erbrürfenben Last ber Beweise gestand er bann bie Tat auch ein."

So wirb jeber Verbrecher über kurz ober lang der Tat überführt unb abgeurteilt", schloß Dr. I e - s e r i ch.Währenb bas Aufgabengebiet bes Ge­richtschemikers als Helfers ber Justiz sich auf bie kriminalistische Kleinarbeit mit Reagenzglas unb Mikroskop erstreckt, muß ber Kriminalist bie praf- usche Aufklärungsarbeit am Tatort vollbringen. Er ist der Erste am Tatort, um bort in fachwissenschaft­licher Weise bie Spuren zu lesen, zu sichten unb sicherzustellen, und um daraus kombinatorische Schlüsse zu ziehen, bie ein Netz oon schlagenden Beweisen hüben, aus bem es für ben Täter kein Entrinnen mehr gibtl"

Tigerjagd am Bosporus.

Die Bewohner einer ber Hauptstraßen von Istan­bul wurden eines Nachts in nicht geringen Schrecken versetzt, als plötzlich die Hupen des UeberfaUtom- manöos gellten unb burch Lautsprecherwagen be­kannt gegeben würbe, baß sich ein Tiger in der Gegenb herumtreibe. Passanten würben aufgesor- bert, sich in Sicherheit zu bringen, Hausbewohner gewarnt, bie Häuser zu verlassen. Entdeckt worden- war das Raubtier von einigen Zechkumpanen, die in etwas angeheitertem Zustand gegen Mitternacht ihre Behausungen aussuchen wollten. In einem Bor­garten bemerkten sie im Zwielicht bes Monbes ein merfroürbiges Tier, bas sich anscheinend mit dem Vertilgen eines wohlschmeckenben Bissens beschäf­tigte. Der eine hielt es für einen großen 'Bern- hardinerhunb, der andere für ein Kälbchen. Um nun dem Streit ein Ende zu machen, fingen bieNacht­lichter" an, bas Wesen mit Steinen zu bewerfen. Ein bösartiges Knurren antwortete, unb mit einem Satz sprang bas Tier über bas Gitter, die Beute einen toten Hunb im Maul tragend. Die hur­tigen Brüber erschraken nicht wenig, als sie es als Tiger erkannten. Glücklicherweise war eine Haus­tür offen und entsetzt flüchteten die Nachtschwärmer nun ihrerseits in den schützenden Hauseingang, dessen Tür sie erleichtert hinter sich zuwarsen. Nach­dem sie sich von ihrem Schrecken erholt hatten, spähten sie vorsichtig nach außen: der Tiger es handelte sich um ein aus einem Wanderzirkus ent­sprungenes Raubtier lag immer noch in ber Nähe, behaglich an bem fetten Hunb schmatzend. Sie läuteten nun bei sämtlichen Hausbewohnern Sturm, bis sich ein Telephon fanb, von bem aus man bie Polizei oerftänbigen konnte. Diese rückte zusammen mit ber Feuerwehr an, ber Tiger flüch­tete in eine Nebenstraße, wo er schließlich in einem Schuppen in bie Enge getrieben unb oon dem ebenfalls oerftänbigten Zirkuspersonal mit vielen guten Worten und noch besseren Leckerhissen in einen mitgebrachten Käfig gelockt werben konnte. Leibtragenber war der Zirkusbirektor, ber zum Ausgleich für bie nächtliche Ruhestörung unb bas Ausrücken oon Polizei unb Feuerwehr einen tiefen Griff in bie Kaffe tun mußte.