Ausgabe 
11.2.1941
 
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Nr. 35 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Vienrtag,ll.8ebruarly^

Aus her Stadt Gießen.

Dackel gegen Fox.

Zwei Hunderassen beherrschen die Herzen der Hundeliebhaber Dackel und Rauhhaar-Terrier. Die einen, weil sie den Ruf haben, drollig zu sein, die anderen, weil man ihnen nachsagt, sie seien sportliche Hunde. Dackel haben viele Vorzüge, Foxe gleichfalls. Aber wie das bei den Menschen nicht anders ist sie entsprechen alle beide durchaus nicht immer ihrem Ruf.

Nach welchen Grundsätzen soll man nun gehen, wenn man daran denkt, sich einen Hund anzuschaf­fen und kein großer Hundekenner ist?

Vor allem soll man sich sagen, daß man einen Hund haben muß, der zu einem paßt, dessen Eigen­arten man entgegenkommen kann. Denn wenn auch ein Hundeleben nur kurz ist, wenn es hoch kommt, so sind es fünfzehn Jahre, so soll doch diese Zeit für den Hund und seinen Herrn und seine Herrin eine gute Zeit sein, voll gegenseitigen Einverständnisses.

Verdunkelungszeit

11. Februar von 18.27 bis 8.48 Uhr.

Nichts schlimmer, als wenn nach einigen Monaten gesaat wird:Ach, es ist doch nichts mit dem neuen Hund, wir schaffen ihn wieder ab." Eine Gesin­nung, die für einen echten Tierliebhaber nicht weit vom Sklavenhandel entfernt ist.

Wer auf dem Lande oder in 'der kleinen Stadt wohnt, wird gern einen großen Hund wählen, der gleichzeitig Schutzhund oder sonstiger Gebrauchs­hund ist. Der Jäger wird je nach seinem Revier einen Hühnerhund, einen Setter, einen Dackel usw. wählen. Mit Leichtigkeit kann man diesen Hunden die ihnen zukommende reichliche Bewegung verschaf­fen, weite Spaziergänge mit ihnen unternehmen, und meist kann man ihnen dort auch Auslauf aus eigenem Grund und Boden bieten.

In der mittleren Stadt und gar m der Groß­stadt ist die Frage nach einem geeigneten Hund schon weit schwieriger zu beantworten. Hier woh­nen die Menschen eng beieinander, nur wenige be­sitzen einen Garten, zu einem Spaziergang, der sich nicht nur auf Pflaster und Asphalt bewegt, braucht man schon erhebliche Zeit. Es muß also ein Hund gewählt werden, der der Nachbarschaft nicht lästig fällt, kein Kläffer, kein scharfer Hund, der gleich zuschnappt, wenn jemand mit ihm ins Haus treten will, den er nicht kennt. Es muß ein kleiner und leicht erziehbarer Hund, sein, den man hier aus­zusuchen hat. Dackel und Fox haben beide einen Fehler, der sie eigentlich für die große Stadt un­geeignet macht: beide sind nämlich ausgesprochene Jagdhunde, beide haben starken Jagdtrieb, der nun Herrchen und Frauchen ahnen allerdings nicht, was sie tun gewaltsam unterdrückt wird. Beide haben starkes Temperament, das sich austoben möchte, finb unermüdlich im Spielen und Umher­toben, was häufig genug als lästig empfunden wird. Für den vielbeschäftigten Städter mit kleiner Woh­nung und angestrengten Nerven kommen da viel eher die echten Schoßhunde in Betracht, für die es keine Zumutung bedeutet, wenn sie einmal über Tag nicht weiter ausgeführt werden als bis zur .nächsten Straßenecke, die keinen Schaden tun kön­nen und deren Stimmchen die schwachen Wände keineswegs erzittern lassen.

Es gibt eine große Auswahl dieser Schoßhunde: Zwergspitze, Malteser, Zwergspaniels, Griffons, kleine Pinscherrassen verschiedener Art, Zwergpudel, Japan-Tschin, Pekingesen und andere. Sie alle blicken auf eine große Vergangenheit zurück, wur­den schon auf den Gemälden alter Meister darge­stellt und sind in ihrer Hochzucht nicht minderwer­tiger geworden. Einzelne unter ihnen, so die Pin­scher, Spitze und Pekingesen, sind sogar recht harter Natur, durchaus nicht das, was man sich verweich-

Durch Italiens Gaue im Kriege. Erinnerungen an die Heimfahrt mit italienischen Landarbeitern von Oberheffen nach Italien.

Bon C. Didoni, Gießen (Schluß)'.

Beim Abschied von Neapel genießen wir noch einmal den herrlichen Anblick des feuerspeienden Vesuv. Dann bringt uns der Nachtzua in angereg­ter Unterhaltung mit Kaufleuten aus Albanien und einem Offizier der italienischen Luftwaffe in kurzer Zeit nach Rom. Dort steigen wir um und fahren weiter nach Florenz, wo wir in den frühen Morgenstunden eintreffen. Einige Stunden später sind wir zur Besichtigung^ der vielen Sehenswür­digkeiten der Stadt unterwegs. '

Nach kurzem Aufenthalt setzten wir unsere Fahrt von Florenz üb^r Bologna nach Venedig fort. Zwischen Florenz und Bologna durchqueren wir in einem 18 km langen Tunnel die Appeninen. Heber hohe Viadukte und durch unzählige Tunnel geht es weiter nach Bologna, dann von Mestre über eine dreieinhalb Kilometer lange Brücke über die Lagune nach Venedig. Hier lernen wir eine ganz eigenartige und wunderbare Stadt kennen. Der ganze Verkehr spielt sich auf den Wasserstraßen ab. Pferde oder sonstige Zugtiere, Autos oder Stra­ßenbahnen sind nirgends zu sehen. Alles Verkehrs­leben geht auf den Kanälen vor sich. Schon beim Verlassen des Bahnhofsgebäudes hat man sofort den Canale Grande mit seinen typischen Gondeln vor sich. Wir fahren mit demDaporetto" (Stadt­dampfer) zum Markusplatz. Auf der breiten Was­serstraße des Canale Grande herrscht ungeheurer Verkehr von Gondeln, Motorbooten und Vaporetti, sowie Frachtkähnen, die mit allen möglichen Waren vom Festland heeüberkommen. Unterwegs stellen wir u. a. fest, daß hier sogar die Beerdigungen über die Wasserstraßen erfolgen, daß der ganze Trauer­zug sich in Gondeln und Barken bewegt. Nicht min­der interessant ist uns. daß auch die Müllabfuhr durch Motorboote vorgenommen wird, ebenso der Dienst der Postbooten mit Motorbooten vor sich geht. Die herrlichen Gebäude zu beiden Seiten der Kanäle, ebenso die vielen schönen und zierlichen Brücken und natürlich die Taubenfütterung auf dem Markusplatz finden unser tzrößtes Interesse.

* Vergl.Gieß. Anz." Nr. 18 vom 22. Januar, Nr. 20. vom 24. Januar, Nr. 27 vom 1./2. Februar, Nr. 32 vom 7. Februar 1941.

Wir lernen hier u. a. auch eine Mosaik-Werkstätte kennen, deren Arbeiten wir besichtigen, um uns dann durch einen Einkauf ein Andenken an diese Sehenswürdigkeit zu sichern. Nach den Besichtigun­gen am ersten Tage machen wir am zweiten Tage vor allem eine Gondelfahrt durch Venedig, bei der wir eine neue Fülle großartiger Eindrücke gewin­nen. Der Reichtum und die Pracht der Paläste und Kirchen und der übrigen Sehenswürdigkeiten läßt sich einfach nicht in Worten schildern.

Am Spätnachmittag verlassen wir Venedig und fahren weiter nach der Hafen- und Industriestadt T r ie ft an der Adria, meiner Garnisonstadt vor 18 Jahren. Gegen 12 Uhr kommen wir dort an. DieBora", ein kalter vom Meere kommender Wind bläst durch die Straßen der Stadt. Mich über­rascht dieser Wind nicht, denn Triest ohne die Bora" ist gar nicht denkbar. Am andern Morgen machen wir uns auf zur Besichtigung der Stadt. Dabei gehen wir u. a. auch hinaus zu der Mole und genießen von hier den Blick auf die blaue Adria, während rückwärts hinter uns die Höhen­züge des 'Karst-Gebirges sich auftürmen und die Häuser von Triest terrassenförmig am Berghang hinaufstreben. Die Schönheiten dieser Stadt und ihrer umgebenden Landschaft erregen wiederum un­ser Entzücken.

Nach einem schönen Spaziergang am andern Morgen auf der Uferstraße am Meer entlang bis zum Schloß Miramare und einigen weiteren Aus­flügen fahren wir weiter nach M a i l a n d, wo wir erwartet werden. Von dort kehren wir über Inns­bruck, durch Vorarlberg, über Bregenz, Lindau, Friedrichshafen und Stuttgart zurück zu unserer Heimat Gießen.

Eine Fahrt voll wunderbarer und unvergeßlicher Erlebnisse liegt hinter uns. Gerne und mit Dank­barkeit für alle Freunde in Italien denken wir an die schöne Zeit mit den italienischen Kameraden zu­rück. Und immer wieder wird es mir eine beson­dere Freude fein, den italienischen Arbeitskameraden als guter Kamerad in Deutschland zur Seite zu stehen und ihnen behilflich zu sein, sobald sie wieder in unserer schönen deutschen Heimat als Helfer bei der Arbeit weilen werden.

licht, empfindlich, launisch und zart als Schoßhund vorstellt.

Diese kleinen Hunde wurden seit jeher weder für Jagd, noch zum Schutz, sondern für das Haus gezüchtet und haben darum auch alle Vorzüge, die man von einem wahren Haushund verlangt. Dabei find sie sogar noch wachsam und meist auch mutig, wenn sie angegriffen werden. Begeht man nicht den Fehler, sie anspruchsvoll in ihrem Futter zu machen, dann sind sie ebenso gern bereit, ihren Hundekuchen zu knabbern wie der Schäferhund oder der Fox. P- K.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 19 dis 22 UhrDer DogskhSudler". Gloria-Palast (Seltersweg):Am Abend aus der Heide". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Alarm".

Sladtthectter Gießen.

Am heutigen Dienstag wird der große Operetten» ErfolgDer Vogelhändler" wiederholt. Die musika­lische Leitung hat Arthur Apett, die Spielleitung Intendant Hans Walter Klein. Bühnenbild: Karl Löffler. Tanzleitung: Irmgard Trömel. Die Ope­rette wurde neu ausgestaltet und wird mit verstärk­tem Chor und verstärkter Tanzgruppe aufgeführt. 20. Dienstag-Miete.

Gießener Konzertring 1940/41.

Am Montag, 17. Februar, findet im Stadttheater das 9. Konzert des Gießener Konzertringes als Fest­konzert zurGießener Woche für Kunst und Lite­ratur 1941" statt. Unter Leitung von Professor Stefan Temesvary"wird vom Städtischen Or­chester GießenHeitere deutsche Musik" aufgeführt. Solisten sind Luise Schmidt-Frank (Harfe) und Paul Kirchmann (Flöte). Es werden gespielt: Richard Strauß, Suite ausBürger als Edelmann", Werk 60; Mozart, Konzert für Harfe und Flöte mit Orchester, Köchel Verz. 299, und dieVierte Sin­fonie", Werk 60 von Beethoven. Das Konzert ist das vierte der Gruppe B.

Auf Fortunas »Dienstweg-'...

Sprichwörter sind keine verläßlichen Spielregeln. Eine Frau ließ beim Tischdecken ein paar Teller fallen. Scherben bringen Glück, dachte sie und kaufte am Nachmittag auf dem Weg zum Geschirichändler beim Glücksmann ein Los. Sie gewann hundert Mark, ein einträglicher Handel. Solche kleine Be­gebenheiten ereignen sich in verschiedener Art fast täglich, nur kommen sie freilich nicht in die Zeitung. Es spricht sich auch so herum. Und womöglich käme eine Hausfrau auf den Gedanken, mit dem Kaffee­service nach dem Haupttreffer zu zielen. Lieber

nicht! Das Glück kommt gerade dann, wenn man am wenigsten daran denkt. Es steht plötzlich vor einem, in grauer Uniform und mit einem roten Loskasten. Da muß man sofort zugreifen, denn in jeder Serie der Kriegswinterhilfe-Lotterie wird eine ganze Million Mark an Gewinnen, aufgeteilt in Treffer zu einy bis tausend Mark, die Prämien, die im Frühjahr fällig werden eingerechnet, ausgespielt. Es kann niemand sagen, daß ihm die Gelegenheit fehlt, dem Glück eine Chance zu geben., Vierzehn bis fünfzehn Stunden sind die Glücksmänner täglich unterwegs, um ihre klingenden Botschaften auszu- tragen. Sie stehen unverdrossen bei Winterkälte an den Zehnerlspielplätzen, waten bei Tauwetter durch die matschigen Straßen und laufen durch die rauchi­gen Lokale von Tisch zu Tisch. Ja, dann sollen sie noch sagen, wo ein hoher Treffer drin ist! Als ob sie es wüßten! Da lobt man sich die Luftwaffe, die bei den Glücksmännern hoch im Ansehen steht. Sie zielt mit kühnem Griff und trifft. Vier Mann kauf­ten neulich einen ganzen Kasten Lose und teilten sich hundert Mark Reingewinn. So geht es auch? Ein anderer nahm einen Restposten von zwanzig Losen mit einem Hauptgewinn von fünfhundert Mark. Eigentlich hatte er sie nur gekauft, damit ber Glücksmann bei dem schlechten Wetter heimgehen könnte. Gutes Tun trägt Zinsen, heißt es. Womit wir wieder bei den Sprichwörtern angelangt wä­ren... Es empfiehlt sich gelegentlich daran zu den­ken und danach zu handeln.

Kameradschaft ehem. 116er.

Beim Monatsappell der Kameradschaft ehem. 116er imFrankfurter Hof" gedachte, nach dem Treugruß an den Führer, der Kameradschaftsführer Hans Bill des verstorbenen Kameraden Mahr. Es wurden die letzten Kreisbefehle verlesen und über die Werbung und Propaganda gesprochen. Propagandaobmann Kamerad R öd e r kündigte an, daß im nächsten Appell ein Vortrag über die Kolo­nialfrage gehalten werden soll. Nachdem noch die Kameraden Reitz und Haupt einige Anregun­gen gegeben hatten, wurde unter 'Leitung des Schießwartes, Kamerad Sern, ein Preisschießen durchgeführt. Die Ehrenscheibe schoß Kamerad Pfeil, Sieger im Preisschießen wurde der Rech­ner, Kamerad Georg K o r e l l. Die weiteren Er­gebnisse waren: 2. Kamerad Pfeil, der mit drei Schuß 36 Ringe schoß, 3. Röder 35, 4. Appel 34, 5. Biedenkapp 33, 6. Kern 33, 7. Sänger 33 Ringe. Filmabend der Paddler-Gilde Gießen.

Die Mitglieder der Paddler-Gilde Gießen trafen sich am vergangenen Samstag imBayrischen Hof". Zur Vorführung gelangte der FilmAuf der schwarzen Drin, durch vergessenes Land", der dem Zuschauer ein Bild von dem Grenzgebiet zwischen Albanien, Griechenland und Südslawien vermittelte. Mit dem Faltboot ging es über den Ochrid-See zum Ausfluß der schwarzen Drin, dann den Fluß hin­unter, der mit seinen engen Schluchten und Wild­wasserstrecken in das Adriatische Meer mündet. Die herrlichen Aufnahmen von diesem Gebirgslande mit seinen interessanten Menschen und Städten ließen bei jedem den Wunsch wach werden, auch einmal eine solche Bootsfahrt zu unternehmen. Der Abend schloß mit einem geselligen Zusammensein mit den Kameraden vom Ski-Klub Gießen, die als Gäste anwesend waren.

Wichtig ist t6, daß wir die Zähne jeden Abend vor dem Schlafengehen wirklich gewissenhaft reinigen.

Chlorodont

weist den Weg zur richtigen Zahnpflege

Gießener Boriragsring.

Dichterabend: Marie Hamsun.

Der Gießener Vortragsring (Goethe-Bund, Kul­turelle Vereinigung und Volksbildungsstätte Gie­ßen) hatte in Verbindung mit der Nordischen Gesell­schaft zu einem Dichter ab end in der Aula emge- l'aden: Marie Hamsun, die Gattin Knut Ham­suns, des großen norwegischen Dichters und gro­ßen Anregers, war, auf' einer Vortragsreise durch Deutschland begriffen, auch bei uns mit einer Lesung aus Knut Hamsuns Werken und aus ihren eigenen Büchern zu Gast. Kreisleiter Backhaus hieß Frau Hamsun mit herzlichen Worten willkom­men: wir haben, so sagte er, uns schon lange auf diesen Abend gefreut; wir haben vom festlichen Empfang in Berlin gehört, und er glaube sagen vu dürfen, daß der Gast aus Norwegen bei uns m Hessenlande eine nicht minder dankbare Hörer- chaft finbe-n werde. Unsere Grüße gelten Marie Hamsun und auch ihrem Gatten im hohen Norden; in seinen Werken spüre man etwas Ursprüngliches imb ganz Natürliches, die tiefe Lebenserfahrung, He er sich im harten Kampf mit dem Leben in vieler Herren Ländern erworben habe. Hamsuns Bücher seien aus germanisch-beutschem Geiste ge­schrieben. Er, Kreisleiter Backhaus, glaube, daß Hamsuns Werk wesentlich dazu beitragen werde. He Verbindung zwischen Deutschland und Norwegen mger zu gestalten, und daß wir die Früchte dieser Arbeit bald werden ernten können. In diesem Smne srüße er Marie und Knut Hamsun herzlich.

Nachdem der Dichterin namens der Nordischen Gesellschaft und des Deutschen Frauenwerks Blu- nen überreicht worden waren auch ein kleines Rädel brachte einen Strauß, betrat Frau H am- iu n das Podium und bedankte sich zunächst für iie Begrüßung und die Blumenspenden; es sei ihr kme große Freude, hier zu lesen. Der Nordischen Gesellschaft sei angesichts der gegenwärtigen politi­schen Lage eine schone Aufgabe zugefallen: es mutz- t»n Brücken geschlagen werden zwischen Deutschland inb Norwegen; dazu wolle auch sie zu ihrem Teil Beiträgen.

Dann begann die Vorlesung mit einem großen Zusammenhängenden Abschnitt aus Knut Hamsuns berühmtem RomanSegen der Erde". Die klare, tusdrOcksvolle Art, in der Frau Hamsun die Dich- ting ihres Gatten zum Dorttage brachte, stimmt Sut zu der einfachen, fast paradiesischen Welt, die |ter beschworen wird; man spürt etwas vorn Ur- Zustande, von den Anfängen des Menschengeschlech­ts, wenn Hamsun hier vom einfachen, harten Leben

eines Mannes im hohen Norden erzählt. Der Mann ist ein unverdrossener Arbeiter, ein Siedler in gro­ßer Einsamkeit, der rodet, ackert und ein Haus baut allein mit seinem Werkzeug, seinen Tieren, seinem Felde, unter den Sternen allein mit Gott. Bis Gott ihm eines Tages auch eine Gefährtin schenkt: Magd und Frau. Mit ihr kommt auch die erste, scheues wortkarge Liebe in-bas kleine Para­dies, und als das Mädchen dm Ende gar eine Kuh mitbringt, ist das ein kaum zu glaubender, kost­barer Besitz und ein großes Glück für die beiden, und alles was hier geschieht und gesprochen wird, ist so beschaffen,wie das Leben eben ist".

Darnach las Frau Hamsun einen Artikel Knut Hamsuns gegen die Landflucht; obwohl vor Jahren schon geschrieben, ist er überaus aktuell. Der Dich­ter singt darin das Lob des gesunden und natür­lichen Lebens auf dem Lande und hält eine' sehr deutliche Ansprache an seine bäuerlichen Landsleute: das gilt alles noch heute und in Deutschland wie in Norwegen. Zurück zur Erde heim aufs Land! heißt die Losung Hamsuns, der sich mit diesem Auf­satz zu einer natürlichen Ordnung des Lebens und der Arbeit in Stadt und Land bekennt. Dann härten mir noch die Nachschrift Hamsuns zumGe­dämpften Saitenspiel": nichts von der abgeflärtefi Weisheit müden Alters, sondern einen Dank an das Leben und seinen Reichtum; das sind die Worte eines jung gebliebenen Mannes, ber weit gewan­dert ist, auf ein reiches, erfülltes, gesegnetes Da­sein zurückblickt und sich die Freude daran in der Erinnerung ganz ungetrübt bewahrt hat:Es war luftig zu leben."

Im zweiten Teile des Abends las Frau Ham­sun, mütterlich und heiter beschwingt in einem, so wie man etwa seinen Kindern Märchen und Ge­schichten vorliest, aus ihrem eigenen Werk, welches wie das ihres Mannes seit langem viele Freunde bei uns in Deutschland gefunden hat; zunächst aus denÄmgerudkindem" das KapitelEs wird Früh­ling": ein kleiner Hof oben .im Norden, in der Hei­mat der Hamsuns, die Eltern, vier Kinder und vier Kühe; ein Idyll, ein einfaches, fröhliches, von Lachen und Weinen und Spielen und Lärmen erfülltes Kinderparadies auf der Alm. Die Geschichte von den getauschten Kühen und den von der Hose geschnitte­nen Knöpfen ist nicht minder drollig beschrieben und luftig zu hören als die Schilderung vom ersten Schultage nach den großen Ferien und der Begeg­nung der Kleinen mit einer neuen Lehrerin. In der darin enthaltenen biblischen Geschichte von Josef und seinen Brüdern spiegelt sich alle Heiterkeit und das tiefe, embringenbe Verständnis für die kind­liche Welt, welche in den Langerud-Büchern leben­dig ist. Zum Schluß, als Zugabe und Dank für lauten Beifall; die Geschichte, vom 17. Mai, dem

norwegischen Nationaltage, der mit einem herrlichen Kinder- und Frühlings fest auf Langerud begangen wird.

Der zahlreichen Hörerschaft wird der harmonische Abend lange nachklingend im Gedächtnis bleiben.

Hans Thyriot.

Das kluge Aeffchen.

Professor Scirletti in Gallarate besitzt ein Aeff­chen, Ines genannt, ein munteres Tier, das er zärtlich liebt, das sich aber eines Tages nicht mehr zu Scherzen aufgelegt zeigt, sondern still und zit­ternd auf dem Heizkörper sitzt. Es ist augepschein- lich krank, und der Professor beschließt, mit ihm zu einem guten Tierarzt nach Mailand zu fahren. Die Fahrt nach Mailand verläuft programmäßig. Auf den Knien des Professors oder auf seinem Arm sitzend, hält sich Ines ruhig und wird kaum beach­tet. Erst bringt der Professor das Tier in den Zoo zur Untersuchung, dann wird er zu einem bewähr­ten Tierarzt gewiesen, der eine gründliche Unter­suchung Dornimmt und eine Kur oorschreibt, die Ines wieder völlig auf die Beine bringen soll.

Um die Mittagszeit steigt der Professor mit sei­nem Aeffchen im Arm in eine Straßenbahn, um zum Bahnhof zurückzufahren. Der Wagen ist ge­drängt voll, und Ines ist eingeklemmt zwischen ver­schiedenen Ellenbogen und Rücken. Da sieht das kluge Tier, wie eine Hand sich von hinten vor­schiebt und in einer Manteltasche des Professors verschwindet, um mit einer Brieftasche wieder auf­zutauchen. Ines weiß nicht, was ein Taschendieb ist, das Aeffchen versteht jedoch, daß die fremde Hand in der Tasche des Herrn nichts zu suchen hat, und es packt zu. Zugleich beginnt es zu kreischen, wird ganz aufgeregt und fletscht die Zähne gegen den Mann, dem die Hand gehört. Dieser ist ent­setzt und läßt die Beute fahren, die nicht weniger als vier Tausendlirescheine enthält. Aber Ines läßt die Hand nicht los, und der Professor, der sich um­gedreht bat, merkt, was geschehen ist, ebenso die anderen Fahrgäste, die durch das Gekreisch und die Aufregung von Ines aufmerksam geworden sind. An der nächsten Haltestelle wird ein Polizist in den Wagen gerufen, und ihm überantwortet Ines den Dieb und läßt seine Hand los. Aber das Aeff­chen bleibt aufgeregt auf dem Arm feines Herren, während dieser den Polizisten und den Dieb unter den verwunderten Blicken ober dem Schmunzeln der Vorübergehenden zum Polizeibüro begleitet. Der Taschendieb, der 28jährige wohnungslose T., kann natürlich nicht anders als dem Kommissar gestehen, daß er tatsächlich den Diebstahl versucht hat, den der Affe durch seine Wachsamkeit verhinderte. C.K.

Lichtspielhaus:Alarm".

Nach den Motiven eines Romans von C. V. Rock hat hier Herbert B. Fredersdorf einen handfesten Kriminalfilm gedreht, der mit immer wieder bewährten Spannungseffekten in etwas mo­dern frisiertem Milieu arbeitet, wie Fliegerei und Film es bieten. Aber der Kern ist doch wieder das alte Motiv der Suche nach dem Verbrecher unter einer großen Zahl mehr ober weniger Verdächti­ger, wobei die Pension als Tatort des Mordfalles, der hier zur Aufklärung steht, zwanglos Gelegenheit gibt, zwei Welten zusammenzubringen, die sonst nichts miteinander gemein zu haben pflegen. Die Findigkeit der Kriminalpolizei entlarvt schließlich die Doppelnatur eines Mannes, der hinter der Maske eines harmlos gutmütigen Lebensphilo­sophen fein Treiben als Hehler einer weitverzweig­ten Einbrecherbande verbirgt. Theodor Loos hat hier eine lohnende Aufgabe erhalten, die er in einem ungemein nuancenreichen Spiel sehr sauber durch­führt. Bei der Aufdeckung des Mordes geht auch noch ein Einbrecher mit hoch, der alsEinzelgänger" feine Beute suchte. Ihn spielt der begabte Fritz Rasp als einen wortkargen, unheimlichen Ge­sellen, dem auf der Flucht vor der Polizei fein Ausweg bleibt, als ber Tobessprung vom Dach eines Hochhauses. Unser besonderes Interesse ver­dient die Arbeit ber Kriminalpolizei. Die beiben, hier im Film von Gerhard Dienert und Karl Martell repräsentierten Methoden by systema­tischen unb ber mehr intuitiven Wahrheitserfor­schung tun sich mit Erfolg zusammen, um alle Fäben klarzulegen unb damit die Gültigkeit des alten Sprichwortes erneut zu bekräftigen:Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen." Paul Klinger und Rolf Weih spielen zwei Werkpiloten, sympathische nette Bur­schen, deren Kameradschaft auch mancherlei Anfech­tung übersteht. Hilde Hildebrandt macht als Pensionsinhaberin eine gute Figur. Maria von Tasnady ist sehr fraulich ein junges Mädchen mit sicherem Instinkt und zuverlässigem Charakter. Rudolf Platte sieht man in einer seiner scharf beobachteten und gut charakterisierten Verbrecher­typen. An der Kamera: Eduard H o e s ch. (Mittel- deutsche-Kopp-Film-Südost.)

Im Mittelpunkt ber neuen Woch en schau steht die große Rede des Führers am 30. Januar. Weiter sieht man Bilder von der Trauerfeier für den Reichsjustizminister Gärtner und von Empfän­gen in der Reichskanzlei. Besonders fesselnd ist ein Filmbericht von den erfolgreichen Streifzügen eines deutschen Hilfskreuzers in fernen Meeren.