Ausgabe 
10.9.1941
 
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Sowjet-Verbrechen gegen die Wolgadeutschen.

Berlin, 9. September. (DNB.) Laut einer Exchange-Telegraph-Meldung aus Moskau hat der Oberste Rat der Sowjetunion beschlossen,sämt­liche Wolgadeutschen nach Sibirien um zu siedeln, da die Möglichkeit nicht ausge­schlossen werden kann, daß sich unter ihnen Mit­glieder der 5. Kolonne befinden."Die Umsiedlung hat", so heißt es weiter,bereits begonnen und steht unter der Leitung des Verteidigungsrates, dessen Vorsitzender Stalin ist. Der Erlaß besagt: Laut verläßlichen Informationen, die bei den Mi­litärbehörden einlaufen, befinden sich Tausende, wenn nicht Zehntausende von Mitgliedern der 5. Kolonn^ im Wolgagebiet. Diese sind dar­auf vorbereitet, auf ein deutsches Signal hin Ex­plosionen und Sabotageakte in diesem Gebiet aus- zulosen. Niemand der dort lebenden Deutschen macht Die Sowjetbehörden über die Anwesenheit einer so großen Zahl dieser unsicheren Elemente und Spione aufmerksam. Die deutsche Bevölkerung des Wolga- aebietes deckt demnach die Feinde der Sowjetunion. Um in der Bekämpfung von Sabotageakten Blut­vergießen xu vermeiden, ist es für notwendig er­achtet wowen, die gesamte deutsche Be­völkerung des Wolgagebietes urnzuste- deln. Den Umsiedlern wird alle Staatshilfe gegeben werden, um sie in den neuen Gebieten seßhaft zu machen. In den Bezirken Nowosibirsk im Al- taigebiet und in der Republik Kasakstan, wo der Boden weich und fruchtbar ist, ist bereits ent­sprechendes Gelände zur Verfügung gestellt wor-

Die unter den fadenscheinigsten Gründen von

Oie Tür nach Petersburg.

Von ^-Kriegsberichter Edgar Traugott.

PK. Lange und hart hämmerte unsere Division gegen die starken sowjetischen Stellungen südlich Luga. Sie stieß längs der Rollbahn vor, der Haupt­straße, welche durch ganz Ingermanland nach Petersburg führt, sie schlug gegen die Bunker, mit denen der Wald durchsetzt war, sie tromemlte auf die westlichen Sumpf- und Waldge­biete und drückte auf das ostwärtige Seengebiet. Aber wohin sie traf, sprangen ihr nur Erfolg- Splitter und viel Blut entgegen, jeder Gewinn hatte seinen teuren Preis. Die feindliche Artil­lerie entfaltet auf diesem ihrem ehemaligen Trup­penübungsplatz eine höllische Wirksamkeit. Nicht nur die Straßen und Landengen waren ver­mint, vermint waren die ganzen riesigen Wald- und Sumpfgebiete, Feldwege und Kartoffeläcker, Himbeerhecken und Haustüren. Zehntausende von ihnen wurden gehoben, aber zahlreiche Kameraden wurden auch das Opfer dieser heimtückischen Fallen­stellerkunst. Der Bolschewik selbst aber kämpfte um Diese Tür nach Petersburg mit einer geradezu fa­natischen Verbissenheit.

Freilich drückte ihn unsere Hartnäckigkeit immer tärker, auch die Flanken wuchsen, schließlich wurde hm der Weg nach Petersburg unterbrochen. Aber eine Munitionsreserven schienen unerschöpflich, eine Widerstandskraft beständig. Da fand unsere Aufklärungsabteilung am äußersten rechten Flügel einen weicheren Punkt, sie tastete augen­blicklich noch, gewann Raum, erreichte den Luga-Fluß und kam mit geringen Verlusten nunmehr vom Osten heran. Die Division stieß blitzschnell nach, überließ ihren bisherigen Abschnitt

Stalin angeordnete Verschickung der gesamten wol- gadeutschen Bevölkerung kommt, wenn man das organisatorische Unvermögen und die Gewisienlosig- keit der Bolschewiken in Betracht zieht, dem Ver­such der bewußten Vernichtung gleich. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß das Deutschtum an der Wolga wie das Deutschtum in Rußland überhaupt sich von der ersten Zeit seiner Entstehung an bis zur Gegenwart als außer­gewöhnlich starker Kulturträger und als produktiver und für die Ernährung großer Gebiete wesentlicher schöpferischer Faktor bewährt hat. Die Wolgadeutschen waren immer ein ausgesprochen unpolitisches Bauernvolk. Trotz chrer ruhigen Haltung wurden sie schon im Welt­krieg von der zaristischen Regierung bitter ver­folgt; das bolschewistische System bot einen ganzen Spezialapparat auf, um sie ihres wohlerworbenen Landbesitzes, auf den vor allem man es abgesehen hatte, zu berauben. Die jetzt befohlene Aussiedlung nach Sibirien bedeutet daher nichts anderes als die kalwlütige Vernichtung eines wertvollen Bau­ernvolkes, dem keine andere Schuld nachgewiesen werden kann als seine Tätigkeit, seine Lebenskraft und seine deutsche Stammeszugehörigkeit. Das al­lein ist die erschütternde Wahrheit. Die Gründe, mit denen man m Moskau das Verbrechen zu be­mänteln versucht, das Märchen von der 5. Kolonne und von der angeblichen Wirksamkeit tausender deutscher Saboteure hat schon zu oft zur Begrün­dung des jüdisch-bolschewistischen Blutterrors und seiner ungezählten Verbrechen herhalten müssen, als daß es noch Glauben finden könnte.

der Nachbardwksion und warf sich ganz herum. Es war wie eine Befreiung, es ging nun nicht mehr um hundert, fünfhundert Meter, einen Kilometer hin und her, der blutig verkrampfte Stellungskrieg löste sich, wir marschieren wieder, zehn, zwanzig, dreißig Kilometer vorwärts, um die Flanke herum. Die schwer zerkämpften, vom Stellungskampf zermürbten Regimenter treten wie­der zum Angriff an. Sie kommen wieder in Schwung, in den unwiderstehlichen deutschen An- 8 ganze^neue Front entlang explodiert die sow­

jetische Widerstandskraft in einer Kette harter Ge­fechte. Aber der Feind bringt seine Artillerie, die uns im Süden so hart zusetzte, nicht mehr herum und zum Schuß. Die Front rollt sich auf. Es ist ein glühender Abend, der in Wäldern und Heiden unseren letzten Aufmarsch sieht. Jeder fühlt, nun ist der Sieg im Marsch. Flieger haben sowjetische Truppen abziehen sehen, hören wir am nächsten Morgen. Die Bolschewiken selber geben also die Hoffnung aus. Der Kessel ist fertig geschlagen. Un­sere Spähtrupps tasten sich an die Stadt heran. Der erste, der sie betritt, findet sie verlassen. Und trotzdem ist es ein heißer Triumph für unser Re­giment, daß es ihm vergönnt ist, in Luga einzu­ziehen. Unser General hatte den Angriff eröffnet und war mit den Besten seiner Division geblieben.

Leer, zerstört, an jeder Türklinke vermint, be­reitet uns die Stadt einen ungastlichen Empfang. Und doch gehen unsere Herzen auf, denn sie ift das Siegel auf den Opfern unserer Kameraden, sie ist der Preis unseres Kampfes.

scheu Artillerie wurden die sowjetischen Batterien schnell zum Schweigen gebracht.

Oie Flucht an den Dnjepr.

Berlin, 9. Sept. (DNB.) Bei dem schnellen Vormarsch in der Südukroine zwischen dem 20. und 23.8. wurden zahlreiche Sowjetoerbände von deut­schen Truppen eingeholt, bevor es chnen gelungen war, das Ostufer des Dnjepr $u erreichen. Im Raume südostwärts Kiew stieß eine Abteilung von Pionieren und Infanteristen den zurückweichenden sowjetischen Einheiten nach und erreichte fast gleich- zeitig mit den Bolschewisten das Dnjepr-Ufer, an dem die Lastwagen, Geschütze und Panzerkampf­wagen dichtgedrängt zum Uebersetzen bereitstanden. Unter den SowjefioDaten entstand eine wilde Pa- nik. Nur vereinzelt flackerte Widerstand aus, der jedoch von den deutschen Soldaten schnell im Nah- kampf gebrochen wurde. Eine mit Lastkraftwagen, Geschützen und zwei Panzerkrastwagen voll beladene Fähre setzte gerade noch vom Ufer ab. Mitten auf dem Fluß wurde die Fähre jedoch durch die deut­schen Geschosse in Brand gesetzt. Die Sowjetsoldaten sprangen nach allen Seiten in den Fluß. Die Fähre trieb stromabwärts und versank schnell in den Fluten.

Flak bekämpft Gchiffsziele an der Newa.

Berlin, 9. Sept. (DNB.) Bei dem deutschen Vorstoß an die Newa zeichnete sich eine deutsche Flak-Batterie unter Führung eines Oberleutnants bei der Bekämpfung bewaffneter sowjetischer Schiffe besonders aus. In stärkstem bolschewistischen Ab­wehrfeuer wurden die Geschütze in Stellung ge­bracht. In kürzester Zeit wurden drei Kanonen­boote, ein bewaffnetes Motorschiff, ein bewaff­neter Schlepper und eine Fähre vernichtet. Zwei weitere Kanonenboote wurden schwer beschädigt. Ein Leutnant, der wegen des Ausfalls seines Richt­kanoniers selbst ei* Geschütz bediente, setzte trotz schwerer Verwundung das Feuer so lange fort, bis die sowjetischen Schiffe vernichtet waren.

Tiefflugangriff auf Ost-ngland.

Berlin, 9. September. (DNB.) Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum 8.9. im Osten der briti­schen Insel ein Hochofenwerk nahe der Küste mit Bomben belegt. Volltreffer richteten beträchtlichen Schaden an. Andere Kampfflugzeuge bombardier­ten den britischen Hafen Scarborough, wo Lagerschuppen durch mehrere Treffer in Brand ge­rieten. Außerdem wurden Flugplatzanlagen in der Grafschaft Norfolk angegriffen. Auch hier wurden gute Erfolge erzielt, wie durch zahlreiche Brände und Explosionen bestätigt wurde. Die An­griffe wurden alle im T i e f f l u g durchgeführt. Die Kühnheit und die Flugtechnik der deutschen Be­satzungen zeigte sich dabei der britischen Abwehr so überlegen, daß alle Flugzeuge ohne Beschädigungen in ihre Heimathäfen zuruckkehrten.

Duff Coopers Aufgabe in Oflasien.

Schanghai, 9. September. (Europapreß.) Wie Duff Cooper, der Vertreter des britischen Kabinetts im Fernen Osten in Manila erklärte, hoffe er drei oder vier Monate in Fernost zu oleiben, haupt­sächlich in Singapur, obgleich er auch an einen Besuch in Australien denke und einen solchen in Hongkong, Tschungking und Burma für möglich halte, um über seine Eindrücke dem britischen Kriegskabinett zu berichten, ob dieses einen ebensolchen Repräsentanten für Fernost-Pro- bleme mit oberster Kontrolle über alle Fragen er­nennen wolle, wie dies im Mittleren Osten ge­schehen ist. Duff Cooper erklärte weiter, er wolle die Möglichkeit der Lieferungen von Gummi und Zinn an die Sowjetunion unter­suchen.

Das Sprungbrett Manila.

Tokio, 9.Sept. (Europapreß.) Die Abwan- b e r u n a verschiedener bisher in Schanghai an­sässiger US A.-Firmen nach Manila wer­tetBomiuri Shimbun" als einen Beweis für die Absicht der Vereinigten Staaten, Manila in jeder Hinsicht zur größten Basis der USA. im Femen Osten auszubauen. Manila soll die Zwischen- ftation für Materialsendungen der USA. nach Tschungking, Hongkong, Singapur und Wladiwostok werden. Der bolschewistische Frachter .Zrtdustrio" bat Schanghai bereits verlassen, um aus Manila USA.-Material abzuholen.

Oie Bevölkerung von Spitzbergen entführt.

Stockholm, 9. Sept. (DNB.) Aus englischen Meldungen geht hervor, daß eine Expedition b r i ti f d) e r und kanadischer Truppen aus Spitzbergen gelandet ist und von dort fast die gesamte norwegische Bevölkerung in Stärke von mehreren hundert Köpfen ent­führt hat. Auf der im Nördlichen Eismeer ge­legenen Inselgruppe, die den größten Teil des Jahres vom Ewigen Eis eingeschlossen ist, sind nach den Angaben von Reuter nur einige Eski­mos und Lappen zurückgeblieben.

*

Die Engländer melden eine neue Heldentat. Die Kanadier wurden zu dieser Partie mitgenommen,

um chnen einmal Gelegenheit zu praktischer Be­tätigung zu geben, nachdem sie monatelang ihre Tage in England im Nichtstun verschwenden. Spitzbergen gehört zu Norwegen, die Insel ist mili­tärisch wertlos. Es gibt dort einige Kohlenlager, die aber nur eine geringe Ausbeute erbrachten. Die Engländer haben die Kohlenarbeiter auf ihre Schiffe geladen und aus Spitzbergen entführt. Die ganze Expedition erinnert an manche Piraten­geschichten, wo kühne Seefahrer die wenigen Ein­wohner kleiner Inseln von ihrer Scholle holten und in andere Gegenden verfrachteten.

Bedenkliche Lage Dschibutis.

Ankara, 10. September. (DNB.-Funkspruch.) Die Lage der Franzosen in Dschibuti wird von Tag zu Tag bedenklicher. Der Rundfunk von Dschibuti erklärt, daß die Blockade der Engländer mehr

Lohengrin"- Erinnerungen.

Gesammelt von Hans Lturm.

Als am 16. September 1891 Richard Wagners OperLohengrin" zum ersten Male in der Pariser Großen Oper zur Ausführung kam, erinnerte man sich in musikalischen Kreisen der mannigfaltigen Schicksale, die dieses Bühnenwerk gehabt hat. Den ersten Gedanken dazu hatte der Mei/ter bereits im Jahre 1841, also vor heute hundert Jahren, gefaßt, und 1848 lag es fertig vor. Im Jahre 1850 schrieb der politische Flüchtling Richard Wagner aus Paris an Franz Liszt In Weimar:Führe die Over auf, wo Du willst, gleichviel, wenn es selbst nur in Wei­mar ist!" Er mag damals roohl kaum geahnt haben, wie sehr [ein Wunsch den schon langer gehegten Plänen seines Freundes entgegenkam. In feinem Testament" hat Liszt bekannt, daß er um 1851 eine neue Kunstperiode für Weimar erträumte, ähnlich wie die von Karl August, wo Wagner und ich selbst die Koryphäen gewesen wären, wie früher Goethe und Schiller". Die Uraufführung fand an Goethes Geburtstag statt, als Wagner noch fern der geliebten Heimaterde" weilen mußte, und Liszt konnte dem Freunde nach der dritten Aufführung Mitteilen, daß das Werkvon Aufführung flu Aus­führung besser gegeben und besser angehort und verftanoen wurde".

Tragisch ist es, daß der Schöpfer des ,Lohengrin" noch im Februar des Jahres 1860 an Berlioz schreiben mußte:... es graut mir davor, noch länger der einzige Deutsche bleiben zu müssen. Der meinenLohengrin" nicht gehört hat". Und in der Tat hat Wagner sein bereits im März 1848 mit großer, ja, fast stolzer Genugtuung" vollende­tes Musikdrama erst 1861, vor jetzt also achtzig Iah- ren, zum ersten Male gehört, lieber Dietiefge- rührte Stimmung", die sich dabei seiner bemächtigte, berichtete er noch am gleichen Tage an Frau W e - senoonk:Soeben habe ich Der Probe zum Lohengrin beigewohnt! Ich kann die unglaublich ergreifende Wirkung dieses ersten Anhörens unter den schönsten und liebevollsten Umständen, künst­lerischer wie menschlicher Art, nicht in mir verschlos­sen halten, ohne sie Ihnen sogleich mitzuteilen. Zwölf Jahre meines Lebens welche Jahre durchlebte ich!"

Gern hätte Wagner auch in Paris den Lohengrin aufgeführt, um auch unseren westlichen Nachbarn dieses Stück rühm- und kraftvoller deutscher Ver­gangenheit bekannt zu machen. Aber die geräusch­volle Ablehnung seinesTannhäuser" im Jahre 1861 gab ihm wenig Hoffnung auf die Erfüllung sei­nes Wunsches. Selbst Die noch im gleichen Jahre erfolgte Einladung einer Pariser Monatsschrift, an der damals die besten Köpfe Frankreichs mitarbei- teten, denTannhäuser" in ihren Spalten zu er­klären und für französische Verhältnisse mit Anmer- kungen zu versehen, konnte den sehr gekränkten Komponisten kaum fröhlicher stimmen.

Eine merkwürdige Freude für Wagner war der bescheidene Schreibebrief an Richard Wagner von Viktor Hugo", den dieser im Jahre 1871 an den Meister von Bayreuth richtete und in dem unter anderem stand:Wir nennen Deine Musik die Mu­sik der Vereinigten Staaten Europas, die Musik Der Zukunftspolitik . Auf diese phantastischen Dithyram- den antwortete Wagner mit einem humorvollen kleinen, kaum noch bekanntenLustspiel in antiker Manier".

Wagner wartete vergeblich aufLohen grins Ruhm an der Seine". Erst volle acht Jahre nach [einem lobe, am 16. September 1891, wurde die Pariser Erstaufführung zu einem sehr großen Er­folg nicht nur fürLohengrin", sondern für die ge­samte Wagnersche Musik, immer wieder wurde die Oper des deutschen Meisters gegeben, die Kritiker überboten sich im Lob über Diemachtvolle Stei­gerung" menschlicher Kampfszenen im .Lohengrin" und imTannhäuser", der inzwischen in guten Aus­führungen den Parisern gezeigt wovden war. In einer bedeutenden Zeitschrift setzte sich ein bekannter Musikkenner mit Wagnersdramatischer Bega­bung" eingehend auseinander:Wie der Komponist seinen Stoff meistert, wie er schon zu Beginn des ersten Akts in der Ansprache König Heinrichs und der Erwiderung des Grafen Telramund das Muster einerExposition" gibt, wie er stets zur rechten Zeit das retardierende Moment glänzend zu be­nutzen versteht, und wie er endlich Die lange und sorgsam vorbereitete Katasttophe eintreten, das heißt Elsa die verhängnisvolle Frage zwangsläufig aus Dem Innersten ihrer liebenden Frauenseele tun läßt Dies alles zeigt eines Meisters starke Gestal- tungskrast, zeigt, daß er hiermit tatsächlich den

letzten entscheidenden Schritt von der Oper zum Drama getan hat. Dor allem hierin, mehr noch als in Der romantischen Art des Stoffes, liegt Die Wir­kung DesLohengrin", Die noch in hundert und mehr Jahren' lebendig fein roirb." Dieser Kritiker hat Recht behalten. Wir freuen uns, daß dieses Musikdrama und fein Meister unser ist.

Protest an Dionysos.

Von Carl Rösner, Athen.

Stumm sitzt die kleine Runde rings um Den blechernen, runden Tisch der Athener Weinstube. Die Gläser stehen leer, und keine macht Die leiseste Miene, neuen Wein zu bestellen. Der Besitzer Des Lokals steht mit gekreuzten HänDen hinter seiner Theke unD träumt von schönen vergangenen Tagen, wo er keine SekunDe still sitzen konnte. Voriges Jahr um Diese Zeit zum Beispiel, als der alte Wein in allen Tavernen zur Neige ging und er noch zwei volle Fässer besaß ... Aus allen Gegenden Athens strömte Die Kundschaft herbei, um sich an seinem Nektar", wie er seinen Wein mit nicht ungerecht­fertigtem Stolze nannte, zu laben. Ja! Das waren Zeiten! Und jetzt? Das Lokal steht leer, und die wenigen Kunden, Die sich hineinwagen, trinken so oerDammt wenig, daß man kaum auf seine Be­triebskosten kommen kann.

Also! Wie steht es? Werden die Gläser nicht nachgefüllt? ermutigt er feine Gäste.

Keine Antwort. Diese sind in Gedanken vertieft. Wie soll man es auch wagen, die Gläser nachfüllen (ii lassen, wenn der Preis um das Fünffache ae- tiegen ist? Außerdem trinkt der echte Trinker einen Wein niemalstrocken". Er braucht einen kleinen, scharfen Imbiß, eine Olive, ein Stückchen Käse, ein gebratenes Fischchen und schlimmstenfalls eine rohe Zwiebel. Und dies alles kostet heutzutage so viel, daß man sich diesen Luxus nicht oft er­lauben kann.

Das waren mal Zetten! hebt schließlich der Aelteste Der Gesellschaft an. Ich war in Nauplion es mögen über Dreißig Jahre seither fein. Ich bin Dorthin gefahren aus Dem einzigen Grunde, weil mir erzählt wurde, es gäbe dort einen fabel­haften Wein. Als ich ankam, trat bereits bis Däm­merung ein. Da vernahm ich die Stimme des Aus-

Petersburg und fein Hinterland.

Schon wenige Jahrzehnte nach der Gründung von St. Petersburg war die Stadt auf die Be­lieferung mit Lebensrnitteln aus einem ziemlich wett entfernten Hinterland angewiesen. Diese Ab- hängigkett ist spater noch gestiegen. Alle nicht leicht verderblichen Lebensmittel wurden auf den K a * nölen herbei geführt, so besonders Getreide, Zuk- ter, dann Kohle oder der in Osteuropa als Textll- faser so beliebte Flachs. Diese Schiffahrt war in Den Sommermonaten um so reger, als für die Win­termonate Dorratslager angelegt werden mußten. Das bei L a d o g a am Südufer des gleichnamigen Sees abzweigende Kanalnetz verbindet die N e m a mit der zum nördlichen Eismeer abfließenden Dwina, vor allem aber mit Der Wolga. Die­ses Kanalsystem, das unter weitgehender Ausnut­zung natürlicher Wasserlaufe angelegt ist, mündet bei Rybinsk m die Wolga. Don der Bedeutung dieses Transportweges gibt folgender Hinweis eine Vorstellung: Schlüsselburg zählte in der Zarenzeit knapp 7000, Rybinsk 25 000 Einwohner. Im Som­mer aber, wenn Die Flußschiffahrt in Gang gekom­men war, fliegen Die Einwohnerzahlen der beiden Städte auf über 30 000 bzw. auf über 100 000 Ein­wohner. Infolge dieser verkehrstechnisch günstigen Lage ist Rybinsk in Den letzten 20 Jahren zu einer Großstadt emporgewachsen. Die 140 000 ständige Einwohner zählt. Es muß überhaupt festgehalten werden, daß Die Bolschewisten eines ihrer Indu- ftriegebiete im nördlichen Wolgabogen, also bei Rybinsk, Jaroslawl, Kostroma, Jbanow- Wosnessensk bis nach Nishnij-NowgoroD ausgebaut haben. Dieses sowohl für Die Ernährung wie rü­stungspolitisch so wichttge Hinterland ist jetzt von Dem Petersburger Gebiet völlig abgeschnitten. Dia Folgen liegen auf Der HanD.

und mehr Opfer von Der Bevölkerung fordere, da Skorbut und Beriberi immer häufiger geworden sind.

Japans Kriegswirtschafi.

Tokio 9. September. (Europapreß.) ,La Der Ausbau eines hochorganisierten Staates, Der fein Wirtschaftsleben kriegsmäßigen Notwendigketten an- paffen muß, Die höchste Ausgabe Der japanischen In- Duftrie und Wirtschaft ist, muß Die individualistische, nach« Gewinn trachtende Wirtschaftsidee aufgege­ben und eine totale Zusammenarbeit aller Kräfte im Interesse des Staatswohles erreicht wer­den", erklärte der japanfiche Minister für Industrie und. Handel, Vizeadmiral S e i z o Sakonji, in einer Rundfunkansprache an Das japanische Volk. Die Richtlinien über den Einsatz Der Schlüsselindu­strien würden Den Uebergang zur Plan­wirtschaft und Die enge Zusammenarbeit zwi­schen Regierung und Privattnoustrie förDern, sagt- Der Minister. Japan sei mit Ausnahme Des ostasia­tischen Wirtschaftsraumes Durch Die Weltereignisss wirtschaftlich abgeschnitten. Das erfordere eine dra­stische Aenderuna Der japanischen Wirtschaftspolitik. Statt der Devisenbeschaffung durch Ausfuhr gelte es jetzt, durch Exportkontrolle Die für Ja­pan notwendigen Wirtschaftsgüter zu sichern. Im Interesse einer schnellen Erschließung Des für Japan zugänglichen Wirtschaftsraumes werde Daran gear­beitet, Die Bodenschätze, insbesondere Kohle und Eisenerze, nutzbar zu machen. Auf diese Weise werde auch Japans Wirtschastskörper weiter «stärkt. Daneben fei eine Verwertung aller Altmaterialien notwendig.

Neues Attentat in. Schanghai.

Schanghai, 9. Sept. (Europapreß.) Fünf chinesische Terroristen schossen aus Den japanischen Polizeisergeanten Bamaqushi und verwundeten ihn schwer. Ein chinesischer Polizist eröffnete das Feuer auf die Terroristen und verwundete einen. Alle Brücken, die über Den Soochow-Bach von Der inter­nationalen Niederlassung in das von Den Japanern kontrollierte Gebiet, in dem sich das Attentat er­eignete, führen, sind sofort geschlossen worden.

USA.-Agitation in Südamerika.

Buenos Aires, 9. Sept. (DNB.)Pampers" betont, daß Die USA. ein wahres Meer von Korre­spondenten nud Zeitungsagenten nach Südamerika, besonders nach Argentinien, entsandt haben. Die USA.-AgenturUnited Preß^ habe das argen­tinische Informationsbüro aus einer Rundfunksta- tion verdrängt und verbreite auch einen Nachrichten­

rufers er war damals die lebende Rundfunk- reklame der antünbigte, in Der Taverna des Barba-Kosta wäre ein neues Faß angestochen. NachDem Dieser Herold die Eigenschaften Des Wei­nes gepriesen hatte, gab er auch seinen Preis be­kannt. Was glaubt ihr. Daß er gekostet hat?

Jeder aus Der Runde hat einen möglichst nie­driggehaltenen Preis genannt, Der sich auf das übliche HohlmaßOka* bezog.

Ach was, sagte Der Alte. Wer wird hier von Oka reben. In Den Provinzen rourDe Damals Der Wein nicht nach Oka, sondernpro Stunde" ver­kauft!

Pro Stunde? fragte der Jüngste der Gesellschaft verwundert.

Ja, pro Stunde. In Nauplion hat zum Beispiel Damals Der Wein, Dieser vielgepriesene Wein, fünf­zehn Lepta pro StunDe gekostet. Die zweite Stunbe war bereits um drei Lepta billiger und so ging es weiter, bis man beim Weggehen von dem Wirt freigehalten wurde.

Und Durfte man Da trinken, soviel man wollte?

Ja, klar. Man sollte sich nur immer selber in Den Weinkeller bemühen was aber nach der ersten Stunde ein bißchen schwierig wurde.

Das waren Zetten für einen schweren Säufer, seufzte einer der Anwesenden.

Nein, so war es eben nicht gemeint. Als der Ausrufer Güte und Preis des Weines bekanntge­geben hatte, fetzte er feierlich eine Liste von Na­men hinzu, die von diesem Angebot nicht Gebrauch machen durften. Diele Ausgeschlossenen standen als schwere Trinker auf derSchwarzen Liste" und durften nicht pro Stunde, sondern nur pro Oka bezahlen. Diesen wurde übrigens der Wein auch auf den Tifch serviert.

Hast Du pro Stunde ober pro Oka getrunken? fragte einer aus Der Gesellschaft Den Erzähler neu­gierig.

Am ersten Abend kannte man mich nicht, und Da durste ich pro Stunde trinken, aber gleich am näch­sten Abend wurde mein Name auf Die Schwarze Liste gesetzt ...

Der Jüngste her Runde hob feine Augen gegen Den Himmel und schaute finster und schweigsam ins Unbestimmte. Es war ein stiller Protest an Dionysos. Ein Protest, daß er so spät auf dis Wett gekommen war ...